Christliche Schatzkammer

Gebet

Beherrscher aller Welten,
im Staube bet‘ ich an;
wie könnt‘ ich Dir vergelten,
was Du an mir getan?!
War nicht an jedem Morgen,
Gott, Deine Güte neu
und machte mich von Sorgen,
von Gram und Kummer frei?

Gott, alle meine Tage
sind Zeugen Deiner Huld.
Wie oft traf eine Plage
mich nur aus eigner Schuld!
0 möge doch Dein Segen,
der mich bisher erfreut,
mich dringen und bewegen
zur tät’gen Dankbarkeit!

Gib, dass ich Dir vertraue,
der Du die Liebe bleibst,
auch wenn Du mich auf raue
und steile Wege treibst.
Wenn in Gefahr und Schmerzen
mein Geist will mutlos sein,
so flöße meinem Herzen
Geduld und Hoffnung ein.

Zum Besten soll mir dienen
das Leiden dieser Zeit.
Noch ist sie nicht erschienen,
die große Herrlichkeit
und Wonne, die die Deinen
dereinst beglücken soll:
Sie säen unter Weinen
und ernten freudevoll.

Bitten – Suchen – Anklopfen

O Vater, lehr mich beten
einfältig, wahr und schlicht,
und vor Dein Antlitz treten
mit Kindeszuversicht!
Du gibst mir keine Schlange
für den erbetnen Fisch,
legst, wenn um Brot ich bange,
nicht Steine auf den Tisch!

Und öffnet sich zu Zeiten
vor mir ein finstres Tal –
ich muss das Tal durchschreiten,
es bleibt mir keine Wahl -,
dann lass mich suchend blicken
zu Dir, mein Gott, empor!
Du wirst mir Antwort schicken,
lässt finden mich Dein Ohr.

Ja, sollt ich gar verschlossen
die Türe vor mir sehn,
dann lass mich unverdrossen
anklopfend vor Dir stehn!
Wer bittet, wird empfangen,
wer sucht, der findet auch,
wer anklopft, wird erlangen,
so ist’s des Vaters Brauch!

Rudolf Brockhaus (1856-1932)

Frieden in Jesus


Frieden kann die Welt nicht geben,
Sie zerstört den Frieden nur.
Denn wo Frieden ist, ist Leben,
Das bewirkt der Herr allein.

Reden hört man von dem Frieden
Und man legt viel Zeit daran,
In der welt den Frieden stiften,
In der Stadt und jedem Land.

In dem Herrn ist wahrer Friede,
Er gibt dem, der fleht darum.
Und das Herze neu belebet
Gottes Friede in dem Sohn.

Er sprach: Frieden lass ich euch,
Meinen Frieden geb ich euch.
Euer Herz soll nicht erschrecken,
Glaubt an mich ohn’ Furcht und Schrecken.

Denn es kommt die Zeit, da alle
Frieden suchen in der Welt.
Doch vergebens dann erscheinet
Jesus Christus, unser Herr.

Eile, rette deine Seele,
Solang Gott noch spricht zu dir.
Beuge dich zum Thron der Gnade
Und der Herr schenkt Frieden dir.

Nicht mehr lang, dann wird erscheinen
Jesus, unser Friedefürst,
Um zu holen heim die Seinen
In das ew’ge Himmelslicht.

Wegweiser

Wegweiser

Wegweiser stehen rings im Land,
gebaut von sorgender Menschenhand,
damit der Wandrer, der fremde und müd,
den Weg zum ersehnten Ziele sieht.

Ob Stürme toben und Regen fällt,
ob hell in Sonne gewiegt die Welt,
ob Winterkälte, ob Frühling im Land,
zum Ziele zeigen sie unverwandt.

Wegweiser dürfen wir alle sein,
die wir gestanden im himmlischen Schein;
dürfen der Seele auf irrenden Steigen
fröhlich die Straße zum Vaterland zeigen.
Was wäre das doch ein köstlich Wandern,
wäre der eine stets Wegweiser dem andern.

Wegweiser sollten wir alle sein.
Sind’s aber nur, wenn im ewigen Schein,
ohne nach rechts und nach links zu sehen,
still wir den Weg zur Heimat gehen,
ob uns die Freudensonne bescheint
oder die Seele im Leide weint.
Wandern wir so im Gnadenschein,
werden wir wandernd stets Wegweiser sein.

Verleih uns, Herr

Verleih uns, Herr, in dieser Zeit der Wirren,
dass wir von Deiner Bahn uns nicht verirren!
Lass keine Macht Dein heil’ges Wort uns rauben!
Stärk uns im Glauben!

Will uns das Herz in dieser Zeit erkalten,
wo Eigennutz und Weltlust herrschend walten,
dann duld es nicht, und schenk ihm neue Triebe
seliger Liebe!

Kannst Du uns, Herr, auch Trübsal nicht ersparen,
so lass uns Deines Geistes Kraft erfahren,
dass wir nicht zagen, was uns auch betroffen,
Hilfe zu hoffen!

So führ in Gnaden uns auf lichten Wegen
an Deiner treuen Hand dem Ziel entgegen,
dem Vaterhaus, wo rauscht zu ew’gen Wonnen
Dein Lebensbrunnen!

Verleih uns Herr (0 Downloads)

Wahre Schönheit

Schön sind die Augen, die vor Freude leuchten,
Im Blick auf ihres Nächsten Wohlergeh’n,
Und die sich mit des Mitleids Träne feuchten,
Wenn sie im Schmerz den Nächsten weinen seh’n.

Schön ist der Mund, der nie sich sucht zu rächen,
Durch bitt’re Worte, die nur Zwietracht sä’n,
Der lieblos nie bespricht der andern Schwächen,
Der Mund, der segnet, wenn die Feinde schmäh’n.

Schön sind die Wangen, die vor Scham sich röten,
Bei allem, was nicht edel, wahr und rein,
Bei allem, was die zarte Unschuld töten,
Und einer Seele kann zum Schaden sein.

Schön sind die Züge, die trotz Müh‘ und Plagen,
Von Leidenschaft und Selbstsucht unentstellt,
Den sel’gen Ausdruck innern Friedens tragen,
Und die der Liebe Himmelsglanz erhellt.

Schön ist die Stimme, die nicht Eigenwillen,
Nicht Heftigkeit verrät, noch Ungeduld,
Die tröstend sucht der andern Leid zu stillen
Und ihnen sagt von ihres Heilands Huld.

Schön sind die Hände, die da gerne geben
Und sich im Wohl tun üben allezeit;
Die andere stützen, anderer Lasten heben,
Zu jedem Liebesdienste stets bereit.

Schön sind die Füße, die zu Hilfe eilen,
Da, wo es gilt, Gefall’nen beizustehn,
Verzagten frohe Botschaft mitzuteilen,
Und liebreich den Verirrten nachzugeh’n.

Welch junges Herz hat nicht ein still Verlangen
Nach Schönheit? Und es tut ja recht daran!
Wir sind dazu bestimmt, sie zu empfangen,
Der Weg zu ihr ist allen aufgetan!

Suchst du, o junges Herz, hier zu gefallen,
So sei es deinem Heiland nur allein!
Dann wirst du ihm, dem Schönsten unter allen,
An Schönheit stammverwandt und ähnlich sein!

Das ist die Schönheit, welche nie veraltet,
Im rauen Sturm des Lebens nie verbleicht,
Und droben dann, vollkommen ausgestaltet,
Die herrlichste Vollendung einst erreicht.

Ich und mein Haus

Ich und mein Haus

Ich und mein Haus, wir sind bereit,
Dir, Herr, die ganze Lebenszeit
mit Seel´ und Leib zu dienen.
Du sollst der Herr im Hause sein;
gib Deinen Segen nur darein,
dass wir Dir willig dienen.

Es wirke durch Dein kräftig Wort
Dein guter Geist stets fort und fort
an unser aller Seelen;
es leucht uns wie das Sonnenlicht,
damit’s am rechten Lichte nicht
im Hause möge fehlen.

Gieß Deinen Frieden auf das Haus
und alle, die drin wohnen, aus;
im Glauben uns verbinde;
lass uns in Liebe allezeit
zum Dulden, Tragen sein bereit,
voll Demut, sanft und linde.

Lass unser Haus gegründet sein
auf Deine Gnade ganz allein
und Deine große Güte.
Auch lass uns in der Nächte Graun
auf Deine treue Hilfe schaun
mit kindlichem Gemüte.

Diene!

Diene!

Diene einfach, treu und recht,
Er, der Herr, und Du, der Knecht.
Frag nicht viel „warum?“ und „wie?“,
still auf Deinen Jesus sieh.

Dienen ist ein sel’ger Stand,
schon dem himmlischen verwandt;
helfen, trösten, lindern zart,
Liebe, die sich offenbart.

Herz, das zu dem Herzen spricht,
in die Dornen Rosen flicht,
warten kann geduldig, still,
ob die Frucht wohl reifen will.

Gib Dich selbst zum Opfer dar,
sei ein Vorbild echt und klar.
Geh in Frieden Deinen Gang,
werde Gott ein Lobgesang.

Geh so Deinen Weg einher
dienen wolle, sonst nichts mehr.
Alles andere Gott dann macht,
segnet mehr, als Du gedacht.

Die Finger

Die Finger

Die Finger zankten hin und her,
wer doch der Wichtigste wohl wär‘.
»Still da! Der Stärkste, der bin ich,
ihr seid nichts nütze ohne mich!
Mehr als ihr vier kann ich allein,
drum muss ich euer König sein!«
So schrie der Daumen. Schon geringer
erhob die Stimm der Zeigefinger:
»Die gröbsten und die feinsten Sachen
kann ich allein am besten machen;
der Fleißigste und Tüchtigste
bin ich, und drum der Wichtigste!«
Der Mittelfinger rief: »Lernt Sitte!
Als Herr steh ich in eurer Mitte!
Ich bin der Längste und der Größte
und darum auch der Allerbeste!«
Da sagte der Goldfinger: »Seht!
Ich merke, dass ihr nichts versteht;
mich schmücken Gold und Edelstein,
drum muss ich mehr als ihr wohl sein!«
Der kleine Finger stille schwieg
und mischte sich nicht in den Krieg.
Da riefen ihm die andern zu:
»Sprich doch, was nützest denn nun du?«
Er sprach: »Geschaffen hat mich Gott
wie euch – doch nicht zu eurem Spott!
Der mich gebildet, wird auch wissen,
wozu ich werde nützen müssen.
Er hat ja alles in der Welt
auf seinen rechten Platz gestellt;
wer tut und leistet, was er kann,
was Gott will, der hat wohlgetan!«
Die andern hörten, was er sprach,
und dachten wohl darüber nach;
still überlegten sie es sich
und sprachen dann einmütiglich:
»Hast wahr gesprochen, lieber Kleiner,
du bist so gut wie unsereiner!«

Die beste Kunst

Die beste Kunst

Es gibt kein Leben ohne Last,
wie’s auch nach außen scheine;
wohl dir, wenn mutig und gefasst
du willig trägst die deine.

Und siehst du deinen Nächsten sich
mit schwerer Bürde plagen,
dann steh nicht müßig, eile dich,
und hilf die Last ihm tragen!

Gib ihm von deinem Überfluss,
such ihn vor Not zu schützen,
und freue dich in dem Genuss,
dass du darfst andern nützen.

Denn dieses Lebens beste Kunst
ist, Schwaches liebend pflegen
und merken, dass uns Gottes Gunst
für andre setzt zum Segen.