Christliche Schatzkammer

Das Weihnachtswunder

Das Weihnachtswunder

10 Personen

Autor: Am Freitagabend vor dem ersten Advent brachte Herr Jürgens einen Arm voll Tannengrün mit nach Hause. Als die Kinder zu Bett gegangen waren, sagte er zu seiner Frau:

Vater: Morgen werden wir den Adventskranz binden, da werde ich es den Kindern sagen. Einmal muss es doch gesagt sein, und je eher, desto besser. So gewöhnen sie sich an den Gedanken.

Mutter: Ich bin nur froh, dass du mir die Aufgabe abnimmst, es ihnen zu sagen.

Autor: Nickte Frau Jürgens mit einem Seufzen.

Am nächsten Tag saßen sie beisammen, der Vater mit seinen sechs Kindern und die Mutter mit einer Flickarbeit unter der Lampe. Karl, der jüngere der beiden Buben, sagte:

Karl: Wenn man den Adventskranz macht, ist bald Weihnachten.

Annette: ,,Ooch, dann dauert es noch eine ganze Weile. Ich wünschte, es wäre schon soweit.

Autor: Herr Jürgens hielt jetzt den geeigneten Augenblick für gekommen, er wechselte einen Blick mit seiner Frau, holte tief Atem und sagte:

Vater: Warum feiern wir eigentlich Weihnachten, Kinder?

Autor: Die Antworten überstürzten sich geradezu:

Weil es so schön ist!

Weil wir dann feiern!

Weil wir viele Plätzchen kriegen und Nüsse und lauter schöne Sachen was man sich schon lange gewünscht hat.

… und wegen dem Weihnachtsbaum!“

Autor: Der Vater hielt sich die Ohren zu.

Vater: Genug, Kinder, ich weiß Bescheid. An eines aber hat niemand von euch gedacht. Nun, Christel, was meine ich wohl?

Autor: Christel wurde ein bisschen rot und sagte:

Christel: Natürlich freuen wir uns, weil der Heiland geboren ist. Aber eigentlich freuen wir uns zu Weihnachten doch vor allem über die Geschenke.

Vater: Richtig, das ist leider nun einmal so. Meint ihr, ohne Geschenke gäbe es an Weihnachten nichts zum Freuen?“

Autor: Die Kinder zuckten die Achseln, sahen sich schweigend an. Die Mutter beugte sich tiefer über die Näharbeit.

Vater: Ihr antwortet mir nicht? Ich muss euch leider sagen, wir werden in diesem Jahr Weihnachten ohne Geschenke feiern. Ich will euch auch erklären, warum das so sein wird. Ihr Großen versteht das schon. Als wir im vorigen Jahr zusammen mit unserem Nachbarn Weber unser Haus gebaut haben, nahm ich bei meiner Firma ein Darlehen auf, um Weber zu helfen, der nicht genug hatte sparen können wegen seiner kranken Frau. Dieses Darlehen wird mir von meinem Lohn in Raten einbehalten. Der Nachbar wollte es mir in gleicher Höhe, wie es mir abgezogen wird, vom Lohn zurückzahlen. Aber nun ist er im Sommer verunglückt und ich war ein paar Wochen krank. So ist es gekommen, dass wir gerade nur das Nötigste haben. Für Geschenke bleibt nichts übrig, soviel Mutter und ich auch gerechnet und überlegt haben. Schulden machen für Geschenke, das gibt es bei uns nicht. Wir laufen auch nicht zur Fürsorge oder halten bei der Gemeindeschwester um Hilfe an. Wir leiden keine Not, auch wenn es keine Weihnachtsgeschenke gibt.

Schaut mich nur nicht so verstört an, Kinder, wir wollen froh und dankbar sein. Wir haben immer satt zu essen, eine warme Stube und sind gesund. Ihr sollt sehen, wir werden Weihnachten trotzdem fröhlich feiern, auch ohne Drum und Dran.

Autor: Nach einem beklommenen Schweigen fragte Rudi:

Rudi: Auch keinen Weihnachtsbaum?

Vater: Doch, einen Weihnachtsbaum sollt ihr haben, und Mutter wird auch wie in jedem Jahr Plätzchen backen.

Autor: Gretel war rot vor Ärger, als sie jetzt sagte:

Gretel: Aber das ist unrecht! Webers haben mit deinem Geld ihr Haus fertiggebaut, und wir sollen deswegen nichts zu Weihnachten bekommen!

Vater: Möchtest du, dass die schwächliche, junge Frau Weber und ihre lahme Schwiegermutter ausziehen müssen und nicht einmal wissen wohin, nur damit du dein Weihnachtsgeschenk hast?

Gretel: Das nicht, Vater, aber ungerecht ist es doch.

Vater: Die beiden Frauen sind schlimm genug dran, Weihnachten allein und in Trauer um den Verunglückten zu verleben. Die Sache mit dem Geld wird vom Siedlerverband geregelt, das geht mir nicht verloren. Nur dauert das eine Weile. Aber nun wollen wir nicht weiter davon reden, sondern unsern Adventskranz fertigmachen. Wenn Gott uns alle gesund erhält, wollen wir dankbar und zufrieden sein. Auf diese Weise kommen wir dazu, über den Sinn des Festes richtig nachzudenken. Das ist auch ein Gewinn.

Autor: An diesem Abend kamen die Kinder in ihren Schlafkammern nicht gleich zur Ruhe. Rudi und Karl schlichen sich zu den Mädchen hinüber. Die Sache mit den Weihnachtsgeschenken musste in aller Ruhe besprochen werden. Sie hockten auf Christels Bettrand beieinander und flüsterten erregt. Darüber erwachte Annette, sie richtete sich auf und sagte, nachdem sie ein Weilchen den Reden der Geschwister gelauscht hatte:

Annette: Was habt ihr nur, man muss es einfach dem Heiland sagen. Der kann alles.

Gretel: Ach, Spätzchen, Weihnachtsgeschenke macht der liebe Gott aber nicht. Da kannst du lange warten.

Annette: Ich habe aber gehört, wie Karl den Vers gelernt hat, „Unser Gott ist im Himmel, Er kann machen, was Er will.“

Karl: „Er kann schaffen, was er will“, heißt es.

Annette: Schaffen oder machen, das ist dasselbe. Wenn Er will, kann er auch Weihnachtsgeschenke schaffen.

Gretel: Er will aber nicht.

Annette: Warum nicht? Woher weißt du das? Gibt es dafür auch einen Vers in der Bibel?

Christel: Annettchen!

Autor: Christel, die ihre fünfjährige Schwester über alles liebte, nahm die Kleine in den Arm.

Christel: Der liebe Gott – ja – das ist nämlich so -.

Autor: Christel merkte, sie konnte nicht erklären, was sie selber nicht verstand.

Annette: Nun sag doch, wie ist das denn? Er hat doch damals den Wein gemacht bei der Hochzeit, und dann das mit den hungrigen Leuten, die alle satt wurden, fünftausend, das sind doch eine ganze Menge, nicht wahr? Und wir sind nur so ein paar.

Christel: Das war damals, als der Herr Jesus noch auf der Erde war.

Annette: Vater sagt immer, er ist auch jetzt noch bei uns.

Gretel: Annette, das verstehst du noch nicht.

Autor: Half Gretel ihrer großen Schwester aus der Verlegenheit.

Nein, Annette verstand es nicht. Am andern Tag wollte sie es vom Vater erklärt haben.

Annette: Vati, nicht wahr, in der Bibel steht, Gott kann machen, was Er will.

Autor: Christel stieß Rudi an. Wie würde sich der Vater herausreden? Sie wussten bereits, wie Annette jetzt weiterfragen würde.

Vater: Gewiss, das steht in der Bibel, und das ist auch so.

Annette: Na also, dann kann er auch machen, dass wir alle was zu Weihnachten kriegen.

Autor: Annette sah die Geschwister triumphierend an.

Vater: So meinst du das, hm. Wir haben schon etwas geschenkt bekommen, Annette. Gott hat uns seinen lieben Sohn geschenkt, und deshalb feiern wir Weihnachten.

Annette: Ja, und damit wir daran denken, bekommen wir etwas, weißt du, Vati, zur Erinnerung. Das haben wir bei der Sonntagschultante gelernt.

Vater: Wir können auch einmal ohne Geschenk daran denken, Annette, wir bekommen ja immerhin einen Weihnachtsbaum.

Annette: Ein Weihnachtsbaum ist sowieso immer da zu Weihnachten. Pass nur auf, wir werden schon alle was bekommen, glaubst du nicht? Ich glaub’s!

Autor: Dieses Gespräch verfolgte Vater und Mutter durch die nächsten Tage und Wochen. Sie wurden immer wieder daran erinnert. Annette unterhielt sich mit all ihren Bekannten darüber, und sie hatte viele Bekannte: den Milchmann, den Briefträger, die Verkäuferinnen im Lebensmittelgeschäft, ganz abgesehen von Fräulein Röder, der Sonntagschultante, die ihr in dieser Frage maßgebend war. Eines Tages erzählte sie ihrer Mutter:

Annette: Mutti, der Milchmann sagt, der liebe Gott, das wäre ein guter Mann, aber zu Weihnachten schenke er einem nichts. Das ist doch Unsinn.

Mutter: Wie kommt der Milchmann dazu, so etwas zu sagen?

Annette: Ich habe ihn gefragt, ob der liebe Gott wohl machen kann, dass wir alle etwas zu Weihnachten bekommen.

Mutter: Annette, das geht den Milchmann nichts an, ob und was wir zu Weihnachten bekommen. Erzähle das in Zukunft nicht bei den Leuten herum, hörst du?

Autor: Ein paar Tage später berichtete Annette:

Annette: Der Briefträger, Mutti, der weiß auch, der liebe Gott kann alles!

Mutter: Hast du etwa mit dem Briefträger darüber gesprochen, dass wir nur einen Weichnachtsbaum haben werden zu Weihnachten?

Annette: Nein, Mutti, ich habe ihn nur gefragt, ob er weiß, dass Gott alles machen kann.

Autor: In der Sonntagschule erklärte Fräulein Röder auf Annettes Frage, Gott könne gewiss alles machen, wir sollten nur beten, dann bringe Er alles zurecht.

Annette: Gut, dann werde ich beten!

Frl.Röder: Worum willst du beten?

Annette: Ich soll es niemandem sagen.

Autor: Fräulein Röder, die eine häusliche Sorge vermutete, gab dem Kind den Rat:

Frl.Röder: Gott kann alles zurechtbringen, Annette, ganz gleich, worum es sich handelt. Bete nur und vertraue.

Autor: Jubelnd kam das Kind mit dieser Botschaft nach Hause.

Annette: Man muss nur beten und vertrauen, dann kriegen wir alle etwas zu Weihnachten!

Mutter: Annette, wen hast du nun schon wieder gefragt?

Annette: Die Tante in der Sonntagschule, und die muss es ja wissen.

Mutter: Du hast ihr erzählt, wir hätten in diesem Jahr keine Weihnachtsgeschenke?

Autor: Fragte die Mutter bestürzt.

Annette: Nein, von Weihnachten habe ich kein Wörtchen gesagt.

Autor: Die Geschwister lachten über Annettes Beharrlichkeit, die Eltern aber empfanden sie als starke Belastung. Saßen sie abends allein beisammen, kamen sie immer wieder zu dem Ergebnis, Annettes Zuversicht würde enttäuscht werden.

Mutter: Könntest du nicht ein Schränkchen für die Kinder zimmern? Sie brauchen es so nötig. Karl und Rudi müssen unbedingt Schuhe haben, und ein bißchen Sperrholz für ein Puppenbettchen…

Vater: Nein, Mutter, du weißt, es wird mir schwer genug, die Zinsen für das vierte Quartal zusammenzubringen, dann kommen die Feiertage, an denen nichts verdient wird. Wir können nicht Annette etwas geben und die andern zusehen lassen.

Mutter: Aber in dem Kind wird innerlich etwas zerstört, wenn es Weihnachten enttäuscht wird.

Autor: Die Mutter wischte mit dem Handrücken über die Augen.

Vater: Wenn wir Weihnachten trotz allem froh und vergnügt beisammen sind, begreift das Kind vielleicht doch, wie wenig es auf Geschenke ankommt.

Mutter: Vergiss nicht, das Kind ist erst fünf Jahre alt.

Vater: Es steht geschrieben, Gott offenbart es den Unmündigen.

Autor: Der Vater, der so sprach, rang innerlich darum, Gott möge seinem kleinen Mädel den Glauben erhalten und die Zuversicht, die es so froh machte.

Am Montagmorgen, der Vater war zur Arbeit, die Geschwister in die Schule gegangen, da zog die Mutter Annette das kurze, schäbige Mäntelchen an und machte sich auf den Weg zum Einkaufen. Sie gingen die lange Straße in die Stadt hinein. Annette wagte keine Frage, das kleine Herz war schwer und traurig, weil sie nicht mit der Mutter darüber sprechen konnte, wovon sie ganz erfüllt war.

Der Weg war weit. Annette wusste, Mutter wollte in dem Laden einkaufen, wo alles billig war. In letzter Zeit ging sie immer dorthin. Sie kamen an die breite Straße, wo ein Laden am andern war. Wie schön alles im Spielzeugladen ausgestellt war! Annette sah die Mutter bittend an.

Annette: Darf ich dort gucken, solange du einkaufst?

Autor: Einen Augenblick zögerte die Mutter. Würden die Dinge im Schaufenster nicht erneut Wünsche wecken? Annettes Augen bettelten.

Mutter: Meinetwegen. Bleib aber am Schaufenster stehen, bis ich drüben aus dem Laden komme.

Autor: So stand das Kind und presste das Gesicht an die Fensterscheibe. Um diese Zeit war das Schaufenster noch nicht von Kindern belagert, und so konnte Annette alles in Ruhe betrachten, Puppen in rosa Kleidchen und in blauen und grünen, sitzend und liegend, mit Bubikopf und mit langen Zöpfen, die rechts und links über die Schultern hingen. Das Puppenhaus mit einer richtigen Treppe und einer Badestube, daneben eine Puppenschule und zwischen all den Herrlichkeiten eine Babypuppe – ein Traum von einer Babypuppe.

Mann: Suchst du dir etwas Schönes aus?

Autor: Annette sah zu dem Mann auf der hinter ihr ans Schaufenster getreten war. Es übermannte sie.

Annette: Dort, die Babypuppe –

Autor: Und dann fiel es ihr wieder ein, und sie sagte leise:

Annette: Aber wir bekommen nichts.

Mann: Wir? Wer ist das?

Annette: Vati, Mutti, Christel, Gretel, Karl und Rudi, Hella und ich.

Autor: Der Mann lachte auf.

Mann: Wie war das? Sag’s noch einmal!

Annette: VatiMuttiChristelGretelKarlundRudi,Hellaundich.

Mann: Hella und Rudi und wie sie alle heißen, sind das deine Geschwister?

Annette: Hmm.

Mann: Und wie heißt du?

Annette: Annette Jürgens.

Annette: Seid ihr nicht brav gewesen?

Annette: Doch – aber

Autor: Da fiel ihr ein, sie sollte ja niemandem etwas davon sagen.

Mann: Aber, Annette, was aber?

Autor: Das Kind warf mit einer herausfordernden Gebärde den Kopf zurück. Aus tiefstem Herzensgrund rief es aus:

Annette: Und ich glaube, wir kriegen doch etwas, weil der liebe Gott alles machen kann, was er will!

Mann: Da hast du recht, Kleine.

Autor: Der Mann nickte Annette zu und ging weiter. Gleich darauf war er zwischen den Leuten auf der Straße verschwunden.

Annette hätte gern mit der Mutter über das Erlebnis am Schaufenster gesprochen, aber die Mutter war auf dem ganzen Weg so ernst und eilig, da wagte sie es nicht.

Und dann war der Tag da.

Nach dem Mittagessen durften die Kinder nicht mehr in die Wohnstube, sie sollten den Weihnachtsbaum nicht vorher sehen. Diesmal war er recht klein, der Vater schmückte ihn jedoch mit größter Liebe und Sorgfalt.

Die Mutter gab sich Mühe, ruhig und heiter zu erscheinen. Die Kinder saßen in den Schlafkammern herum ohne Erwartung, ohne Freude. Sie sahen der Mutter an, es gab nichts als den Weihnachtsbaum. Nur Annette war fröhlich.

Annette: Ich freue mich! Ich freue mich!

Autor: Sang sie und ihre Augen strahlten.

(flüsternd zum Bruder)

Christel: Ich schenke ihr meine Puppe. Wenn sie nichts bekommt, fängt sie an zu heulen. Das halte ich nicht aus, dann heule ich mit.

Annette: Was flüstert ihr? Was habt ihr? Ach, wenn es doch schon dunkel wäre!

Autor: Sehr zeitig ging die Familie zur Weihnachtsfeier in die Kirche. Sie bekamen einen guten Platz. Annette schmiegte sich an die Mutter und zeigte auf die strahlenden Weihnachtsbäume.

Annette: Ist unser auch so schön?

Autor: Frau Jürgens konnte nicht sprechen. Heiß und hart saß es ihr in der Kehle. Die Kinder gaben sich redlich Mühe, mit der Gemeinde zu singen. Die sonst so hellen Stimmen klangen heute heiser und leise.

Wie Groß und Klein nach Hause drängte nach dem Gottesdienst!

Familie Jürgens hatte es nicht so eilig. Sie kamen früh genug an den leeren Tisch. Hier und da und dort sah man bereits die ersten Weihnachtsbäume hinter den Fenstern aufleuchten.

Vater: Wie gut ist es doch, wenn man ein Heim hat, ein Zuhause. Wir wollen von Herzen dankbar dafür sein.

Autor: Die Kinder wagten nicht, einander anzusehen. Annette aber fragte:

Annette: Vati, wir bescheren doch gleich, wenn wir nach Hause kommen?

Autor: Sie wirbelte davon, klinkte das Pfortchen auf und rief:

Annette: Kommt doch nur, schnell, ich halte es nicht mehr aus!

Mutter: Oh, das halte ich fast auch nicht mehr aus. Das Kind scheint wirklich zu glauben… .

Bringt eure Mäntel nach oben. Ich zünde inzwischen die Kerzen an.

Autor: Langsam, mit schweren Schritten, gingen die Kinder hinauf. Als sie die Treppe wieder herunterkamen, stand die Tür zum Wohnzimmer weit offen. Das warme Licht der Kerzen fiel in breitem Streifen auf den Flur. Da geschah das Merkwürdige.

Rudi erzählte später oft davon.

Rudi: Ich hörte, dass ein Auto vor der Tür hielt. Erst dachte ich mir nichts dabei, aber als die Wagentür knallte, kriegte ich so ein komisches Gefühl, musste schlucken und konnte keinen Schritt weitergehen.

Christel: Ja! (bestätigte Christel jedesmal)

Rudi: Mir wurden die Knie weich, weil ich Schritte auf dem Kies knirschen hörte – und dann schellte es schon.

Autor: Es schellte, noch während die Kinder auf der Treppe standen. Der Vater machte die Türe auf.

Mann: Bin ich hier recht bei Familie Jürgens?

Autor: Hinter einem großen Herrn erschien eine Frau. Beide waren angezogen wie alle Leute, da war kein Nikolausbart und kein Christkindsgewand. Aber beide hatten Pakete im Arm.

Sie blieben in der Wohnzimmertür stehen und die junge Frau begann zu singen:

Lied: „Vom Himmel hoch, da komm ich her…“

Autor: Alle sangen mit, zaghaft erst, dann immer fröhlicher und als das Lied zu Ende war, sagte der Mann:

Mann: Packt aus, Kinder!

Autor: Und er holte nochmals Pakete aus dem Wagen vor der Tür. Papier häufte sich, Kartons wurden zur Seite geschoben. Annette hüpfte von einem Bein aufs andere, den Traum einer Babypuppe auf dem Arm, und jauchzte immerzu:

Annette: Ich hab’s gewusst! Ich hab’s gewusst! Er kann machen, was er will!

Autor: Endlich konnte der Vater den fremden Herrn fragen:

Vater: Von wem haben Sie unsere Adresse? Und woher haben Sie gewusst…?

Mann: Das ist nicht schwer, eine Adresse zu bekommen. Man sieht ein kleines Mädel am Schaufenster stehen, fragt wie es heißt, und in zwei Lagen kann man alles weitere erfahren. Unsere bürokratischen Meldeämter haben auch etwas Gutes.

Christel: Wie haben Sie das nur so fein abgepasst? Wir wollten gerade in die Stube gehen.

Mann: Auch das war nicht schwer. Wir sind mit euch in der Kirche gewesen und sind euch dann mit einem kleinen Abstand gefolgt. Als wir draußen sahen, die Kerzen sind angezündet, da wussten wir, jetzt ist es soweit.

Vater: Sie haben uns einfach überrumpelt.

Mann: Ich glaube, das war auch nötig. Wenn ich erst lange gefragt hätte, darf ich Ihre Kinder bescheren, Sie hätten wohl kaum Ja dazu gesagt.Ich habe nur eine Bitte. Machen Sie kein Gerede davon. Meine Frau und ich, wir bescheren an Weihnachten immer eine kinderreiche Familie. Wenn man selber keine Kinder hat… .

Das Weihnachtswunder

Friede auf Erden

Friede auf Erden

Wolfgang: Wenn doch die Glocken endlich schwiegen. Mich macht dies lange Läuten nervös. Warum muss auch der Weihnachtsabend mit so viel Kling Klang beginnen?

Sprecher: Wolfgang Heller ging rastlos in seinem Zimmer auf und ab.

Wolfgang: Der Weihnachtsabend – mit welch andren Gefühlen begrüßte ich ihn in früheren Jahren?!

Sprecher: Einst, früher – ja, da war es anders. Wie lebte er froh mit seinem Bruder in ihrem kleinen Elternhause. Ob’s noch so arm und bescheiden war, wie freuten sie sich, wenn zu Weihnachten zwölf kleine Lichter am kleinen Tannenbäumchen strahlten. Es gab oft nur ein Taschentuch und eine Mütze oder ein Pfefferkuchenherz. Dann nahm der Vater seine Bibel. Er las aus dem Lukasevangelium von der Geburt Jesu Christi. Sie sangen frohe Weihnachtslieder. Vorbei die Zeit, vorbei die Jugend. Der Arnold kam zu einem Meister als Lehrling. Wolfgang ging zu einem Kaufmann. Da starben der Vater und die Mutter in einem Jahr nacheinander. Und dann, dann kam der Tag, an dem Wolfgangs Leben plötzlich anders wurde. Als er den Wagen seines Lehrmeisters mit den wilden Pferden auf der Straße zum stehen brachte und so den Kaufmann von dem Tode errettete. Er wollte sich dankbar beweisen. Als Großkaufmann war ihm das möglich. Ausbilden ließ er ihn in allem, was man zum tüchtigen Kaufmann bedarf. Wolfgang lernte leicht. Der Kaufmann zog ihn näher. Bald wurde er ihm unentbehrlich. Und als Wolfgang ein paar Jahre später um die Hand seiner Tochter bat, gab er von Herzen seinen Segen. Wolfgang war Teilhaber des Geschäfts, wurde reich und überhob sich. Wie freute sich sein Bruder mit ihm, als es anfing ihm gutzugehen. Wie neidlos sah sein Bruder, wie es Wolfgang glückte. Er selbst sprach immer seltener mit seinem Bruder. Wolfgang schämte sich des schlichten Jünglings. Als der Bruder es merkte, blieb er von ihm ferne. Nur hin und wieder, wenn er hoffte ihn ganz allein zu treffen, kam er.

So kam Wolfgangs Hochzeitstag. Wolfgang hatte seinen Bruder nicht eingeladen. Als sie beim Hochzeitsmahl saßen, kam ein Diener und bat Wolfgang leise hinaus zu kommen. „Draußen warte ein Mann, der ihn zu sprechen wünsche.“ Wolfgang ging hinaus. Da stand sein Bruder Arnold vor ihm. Der Schmerz durchzuckte die Züge des Bruders und Bitterkeit lag in der Stimme. Das sah Wolfgang damals nicht. Er sah ja nur den schlichten Mann in seiner Arbeitskleidung. Wolfgang ließ ihn abblitzen. Er wollte nichts mit ihm zu tun haben. Seit diesem Tag haben sich die beiden Brüder nie mehr wiedergeseh’n.

Wolfgang: Ich gelte viel, bin angesehen, doch ach, was nützt mir der ganze Reichtum? Wer wird das erben wenn ich tot bin? Vier Kinder blühten mir im Hause und alle vier habe ich begraben. Das letzte nur vor einem Jahr. Doch damit war es nicht genug. Meine liebe Frau verzehrte sich an den Sorgen – vor einem Monat. All mein Reichtum, mein größtes Glück ruht auf dem Kirchhof. Wie bettelarm bei all dem Reichtum! Verloren – alles was ich hatte.

Joachim: Ach, gnädiger Herr.

Wolfgang: Was willst du, Joachim? Ich möchte heute ganz allein bleiben und wünsche nicht gestört zu werden.

Joachim: Der Pfarrer möchte sie gerne sprechen.

Wolfgang: Der Pfarrer? Oh, das ist was anderes. Lass ihn herein!

Pfarrer: Guten Abend, Herr Heller!

Wolfgang: Guten Abend, Herr Pfarrer! Bitte kommen sie herein.

Pfarrer: Sie wundern sich, dass ich heute komme.

Wolfgang: Ja, wirklich sehr, das muss ich sagen. Sicher führt sie etwas Besonderes her zu mir.

Pfarrer: Da haben sie ganz recht geahnt. Darf ich ganz offen sein, Herr Heller?

Wolfgang: Ich bitte sehr.

Pfarrer: Nun, dann, ich möchte, dass sie mal ihre Hand aufmachten und tief in ihre Geldtasche griffen. Mir fehlt noch so etwas für zwei Familien.

Wolfgang: Ich hab für keinen mehr zu sorgen. Wie viel?

Pfarrer: Nein, sie sollen selber mit mir gehen. Sie sollen erst das Nötige kaufen und es dann selbst den Armen bringen. Es taugt nicht wenn, sie am Weihnachtsabend hier allein zu Hause sitzen. Sie sollen kommen, Freude machen und selber dabei stille werden.

Wolfgang: Herr Pfarrer, rühren sie die wunde Stelle heute nicht an. Ich kann es nicht. Das Schicksal ist zu hart gewesen.

Pfarrer: Wie sagten Sie? Das Schicksal? Glauben Sie wirklich noch an Schicksalsschläge?

Wolfgang: Woran denn noch? An Gott vielleicht? Herr Pfarrer, das ist längst verlernt. Ist er ein Gott der Liebe, wie sie es so schön der Gemeinde sagen? Wie kann er mir dann alles nehmen, mein ganzes Glück in Trümmern werfen? Nein, nein, ich bitte, dass sie schweigen und mich mit dem Unsinn verschonen. Wie viel brauchen Ihre Armen?

Pfarrer: Sie sind fürwahr der Allerärmste und brauchen als erster Hilfe. Und wenn Sie mir zehnmal hießen schweigen, will ich dennoch reden. Sie sind vom Irrtum stark geblendet. Für Sie ist Gott kein Gott der Liebe, nein. Nur der Heilige, der Gerechte, der unerbittlich die Sünde straft…

Wolfgang: Herr Pfarrer…

Pfarrer: Nein, ich bin nicht fertig. Ich will versuchen Ihre Augen einmal der Wahrheit zu öffnen. Wer war’s, der sich von Gott gewendet, als ihm das Glück so günstig wurde? Auf einmal ging das nicht, Herr Heller. Das ging allmählich, ganz allmählich. Ich bin ein alter Mann. Sie wissen, ich kannte sie und Ihre Eltern. Da war noch Gottesfurcht im Hause. Sie und Ihr Bruder Arnold konnten beten und traten betend in das Leben. Dann aber wurde dies anders; ich habe alles wohl gesehen. Und nun, da Sie scharf geschüttelt, da kommen Sie mit solchen Reden: „Wenn Gott ein Gott der Liebe wäre, dann hätte er so nicht gehandelt!“

Und noch eins will ich Sie mahnen: Erinnern Sie Sich, wie Sie es vor Jahren mit ihrem Bruder machten?

Wolfgang: Herr Pfarrer, reden Sie nicht weiter! Wahr ist ja alles, was Sie sagen, und mein Gewissen hat es mir ja auch schon lange gesagt, doch ach, ich wollte die Stimme nicht hören.

Pfarrer: Ja, ja, da musste Gott Sie strafen. Und so ist’s dennoch lauter Liebe, dass er Sie so schwer geschlagen hat. Hier gilt die Rettung Ihrer Seele. Und wenn Sie nicht jetzt zu ihm eilen, dann fürchte ich, dass Sie auf ewig verloren gehen.

Wolfgang: Wie Schuppen fällt’s mir von den Augen. Gott hat Sie heute zu mir gesandt. Ich muss mit Gott in Ordnung kommen. Lassen Sie mich jetzt allein!

Pfarrer: In einer Stunde komme ich wieder. Dann gehen wir zu meinen Armen! Auf Wiedersehen, Herr Heller.

Wolfgang: Auf Wiedersehen, Herr Pfarrer.

(Der Pfarrer geht)

Joachim: Sie gehen schon? Bitte hier ist Ihr Mantel.

Pfarrer: Nun Joachim, falte nur weiter Deine Hände und bete für Herr Heller.

Joachim: Geht er nicht mit, Herr Pfarrer?

Pfarrer: Natürlich geht er mit. Ich hole ihn in einer Stunde ab.

Joachim: Ich mache mir große Sorgen, ob unser Plan gelingen wird.

Pfarrer: Gott bahnt sich selbst seine Wege. Er wird auch dies zum Ziele führen.

Szenenwechsel (Musik)

Alfred: Huh, bitterkalt ist doch der Abend, ach ja, und wir haben nichts zum Heizen.

Harald: Still Alfred, mach den Vater nicht traurig.

Karl: Nein sieh‘, wir müssen Gott noch danken, dass Vater gesund geworden ist, und dass wir noch so viel haben, dass Mutter uns noch Suppe kochen kann.

Vater: So war’s recht gesprochen Karl. Ja Kinder, wenn es trübe geht, und wir auch etwas frieren müssen, doch können wir noch herzlich danken, dass uns der Herr bisher versorgte. Er wird auch weiterhelfen. Vertraut ihm nur, so, wie ich ihm traue, ohne zu wanken. Und denkt an das, was ich euch heute, bei der Morgenandacht gesagt habe. Ich kann Euch nichts schenken, obwohl wir auch Weihnachten haben.

Harald: Ach Vater, der Heiland schenkt sich ja uns allen.

Karl: Ja, ja, auch ohne Gaben kann Weihnachten gefeiert werden.

Alfred: Ich wünsche mir nur eines vom Heiland.

Vater: Nun mein Sohn, und was ist das?

Alfred: Ich möchte zu einem Kaufmann in die Lehre gehen.

(Musik)

Karl: Wie konntest du so etwas sagen? Du weißt doch, was Mutter uns von Vaters Bruder sagte!? Du weißt, dass er ein Kaufmann war, und dann so hart und stolz geworden ist.

Alfred: Ich dachte nicht daran. Dann hätte ich’s sicher nicht gesagt.

(Musik)

Sprecher: Die drei Jungen waren durch die Not in der Familie sehr eng verbunden. Sie liebten den Vater und wollten nichts tun, was ihn hätte kränken können. Gerade dieser Weihnachtsabend durfte durch nichts gestört werden. Karl, Alfred und Harald folgten willig dem Ruf zum Abendessen. Niemand bemerkte, dass sich die Haustür öffnete, und drei Männer leise das Wohnzimmer betraten. Es waren der Pfarrer, Herr Heller und der Diener Joachim.

Pfarrer: Das trifft sich gut. Sie sind wohl alle drüben, bei ihrem schlichten Abendessen. Da können wir den Tisch schön aufbauen. Doch nur leise, dass sie uns nicht hören.

Wolfgang: Zu zwei Familien nur, Herr Pfarrer, führt uns der Weg am heutigen Abend?

Pfarrer: Jawohl, zu zwei nur Herr Heller. Die erste war die arme Witwe mit ihrer Tochter. Und ich denke, dass reut Sie nicht.

Wolfgang: Nein, wirklich nicht. Und was ich der Mutter versprochen habe, will ich halten. Das Mädchen soll was Tüchtiges lernen. Ich werde treulich dafür sorgen. Und was sind dies nun für Leute, zu denen wir jetzt gekommen sind?

Pfarrer: Das ist ein Mann, wie kein anderer, den ich schon viele Jahre kannte. Er wohnte früher hier am Ort. Als junger Mann war er still und fleißig und ging bescheiden seines Weges. Viel schweres hat er dann erfahren, das ihm das Leben hier verbitterte. Da zog er fort, blieb lange Jahre dort, weitab, und ist seit kurzem mit Frau und Kindern heimgekehrt. Da kam die Not an ihre Türe. Und gerade da erfuhr ich’s, dass sie wieder hier in der Nähe wohnten. Als ich hinkam, hat mir der Mann erzählt, was Sie von mir jetzt hörten. Für’s erste konnte ich ja helfen, doch hoffe ich jetzt auf Ihre Hilfe.

Wolfgang: Wie heißt der Mann?

Pfarrer: Er hat drei Söhne, drei prächtige Söhne, fromm, stets offen im Blick und Wort und allem Wesen. Seine Frau ist eine tüchtige Hausfrau. Und was das schönste von allem ist: Gottesfurcht herrscht im Hause, Gebet und fester Glauben an unseren Heiland Jesus Christus. Es sagte mir der Mann erst gestern, dass er ganz fest auf Gott vertraue, und dass er sicher sei, Gott werde zur rechten Zeit auch ihnen helfen.

Wolfgang: Dem Mann muss geholfen werden.

Pfarrer: Mag Gott dazu Ihr Herz bewegen.

Wolfgang: Herr Pfarrer, noch sind wir hier allein. Ich möchte Ihnen noch etwas sagen. Und du Joachim, auch du sollst hören.

Sprecher: Und dann erzählte Wolfgang Heller, wie er in der einen Stunde mit Gott gerungen hatte. Es war eine Stunde ernster Prüfung und Einkehr ins Innere. Er hatte erkannt, dass es lauter Liebe gewesen ist, die ihm seine Familie genommen hatte. Er hatte tiefe Buße getan und war zu Gott zurückgekehrt.

Wolfgang: Nun hat er mir die Schuld vergeben und ich will nun die kurze Zeit, die ich noch zu leben habe ganz zu seiner Ehre verleben, in seinem Dienste an den Menschen.

Pfarrer: Das tue Gott aus Gnaden, Herr Heller.

Joachim: Herr, o welche Freude, ja, es ist wahr, Gott erhört Gebet. Die ihm vertrauen, die erfahren, dass er noch stets sein Wort gehalten hat.

Pfarrer: Dies ist mein schönster Weihnachtsabend.

Wolfgang: Der meine auch, bei all meinem Leide. Ich bitte Sie, dass Sie, Herr Pfarrer, über mein Geld bestimmen, in allem was Sie heute brauchen.

Pfarrer: Gerne werde ich zu Ihnen kommen, wenn ich etwas brauche, doch ich glaube, Gott selbst wird Ihnen heute Pflichten geben, an die sie jetzt noch nicht denken können.

Wolfgang: Nur eins noch liegt mir schwer auf dem Herzen: Ich habe mich einst schwer versündigt an meinem Bruder. Ach Herr Pfarrer, wenn ich doch meinen Bruder finde. Ob er mir das vergeben könnte?

Sprecher: Der Pfarrer ließ sich nichts anmerken, sondern begann eifrig mit den Vorbereitungen. Sie schmückten den Raum, stellten für jeden der Jungen ein Geschenk hin und zündeten die Lichter an. Als alles fertig war, stimmte der Pfarrer ein Lied an.

(Musik)

Sprecher: Natürlich ließen die drei Jungen jetzt nicht lange auf sich warten. Gespannt blieben sie an der Tür stehen. Sie konnten nicht begreifen, wie sich das schlichte Wohnzimmer so schnell verwandeln konnte. Dann erkannten sie den Pfarrer und Kamen aufgeregt auf ihn zu. Ihre Freude über die Geschenke schien keine grenzen zu kennen. Nachdem sich der größte Sturm gelegt hatte, setzten sich die Männer nieder, und erst jetzt hatte Arnold Heller die Sprache wieder gefunden.

Arnold: Herr Pfarrer, ach wie soll ich’s ihnen danken? Mein Herz ist voll von Dank und Freude. Ich kann nicht viele Worte machen, jedoch Sie wissen wie ich’s meine. Wie hat der Herr doch so geholfen. Ich sagte heute zu den Kindern: wenn wir euch auch nichts schenken können, so habt ihr doch die schönste Gabe, unsern lieben Heiland selbst. Und nun, wie hat uns Gott gesegnet! Ich danke Gott, auch Ihnen, Herr Pfarrer!

Pfarrer: Ach, lieber Meister, nicht mir gehört der Dank. Dieser Herr hier wollte euch und auch sich heute glücklich machen.

Arnold: Oh, Danke auch Ihnen. Danke von Herzen.

Wolfgang: Nein, nein, nur dem Herrn Pfarrer!

Pfarrer: Wir wollen alle Jesum danken. Er ist die Quelle aller Freuden.

Wolfgang: Ja, ja, das habe ich heute erfahren. Sonst wäre dieser Heilige Abend für mich voll Gram und Leid geworden.

Pfarrer: Vier Kinder hat dieser Mann begraben und dann seine Frau, vor einem Monat.

Arnold: Sie armer Mann!

Wolfgang: Ja, wirklich, so bettelarm bei all dem Reichtum. Und Sie, so reich bei Ihrer Armut. Was sollen Ihre Jungs werden?

Arnold: Dabei bestimmt uns nicht das Wollen, sie müssen schaffen, was sie sollen und wollen alle drei was Hohes lernen.

Wolfgang: Nun, was denn?

Arnold: Ach, Harald möcht‘ gern ein Pfarrer sein, und Karl Medizin studieren und Alfreds ganzer Wunsch ist Kaufmann. Ein tüchtiger Kaufmann will er werden.

Pfarrer: Ei, ganz respektable Wünsche! Wirklich! Jedoch dem Alfred könnt‘ es glücken. Wie wäre es, wenn er bei Ihrem Bruder in die Lehre ginge?

Arnold: Herr Pfarrer, bitte lassen Sie das alte Ding ruhen.

Pfarrer: Nichts für ungut. Ich wollte Sie schon mal fragen. Hat sich der Bruder in den langen Jahren nicht um euch gekümmert?

Arnold: Nein, niemals. Doch muss ich gestehen ich hab‘ nicht nach ihm gesucht.

Pfarrer: Nun freilich, das kann ich ganz gut begreifen. Die Liebe war bei Ihnen gestorben. Sie zürnen ihm sicherlich für seinen Hochmut.

Arnold: Herr Pfarrer, nein, wie könnt ich dieses? Er ist und bleibt mein Bruder. Ich liebe ihn heute noch wie früher.

Pfarrer: Das halte ich fast für unmöglich. Er hat zu schlecht an Ihnen gehandelt. Sie können ihn sicherlich nicht lieben.

Arnold: Und doch Herr Pfarrer, so wie früher.

Pfarrer: Na, na, ich kann es mir nicht vorstellen. Sie sind doch Mensch wie andre Menschen.

Arnold: Gewiss, Herr Pfarrer, doch glauben Sie fest, ich habe es mir oft gesagt. Ich hätte nicht am Hochzeitstag so ohne weiteres hingehen sollen. Doch wozu an alten Sachen rütteln, Herr Pfarrer? Ich hab‘ ihm lange schwer gegrollt, gewiss, er hat nicht schön gehandelt, nicht brüderlich, doch habe ich ihm lange, lange von Herzen alles verziehen.

Pfarrer: Warum haben Sie ihn nicht gesucht, wenn Sie ihm lange nicht mehr gegrollt haben?

Arnold: Ach Herr Pfarrer, sehen Sie, das ist für mich doch ganz unmöglich. Er würde mich vielleicht dann wieder so kurz mit seinem Geld abspeisen.

Wolfgang: Wie heißen Sie?

Arnold: Ich heiße Heller.

Wolfgang: Und der Bruder ist der Kaufmann Wolfgang Heller?

Arnold: Ja, Wolfgang Heller, das ist er.

Wolfgang: Wenn nun aber Dein Bruder heute vor Dir stände, voll Reue bittend: Oh vergib mir, vergib mir mein Bruder, allen Stolz und Hochmut, könntest Du ihm das verzeihen?

Arnold: Wolfgang……

Wolfgang: Arnold…

Pfarrer: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf erden und den Menschen ein Wohlgefallen.

Wolfgang: Oh Bruder, kannst Du mir verzeihen, mir vergeben?

Arnold: Oh alles, alles Wolfgang, alles. Welche Freude, ich habe meinen Bruder wieder! Oh welch ein schöner Weihnachtsabend.

Pfarrer: Gott sei gelobt! Es ist gelungen worum ich so viel gebetet hab.

Wolfgang: Herr Pfarrer, wie, Sie wussten alles?

Pfarrer: Ja freilich, ja, der Joachim hat es mir vor drei Wochen gesagt.

Wolfgang: Guter Joachim, du wusstest auch alles?

Joachim: Ja, Herr Heller, mir ging Ihr Kummer und Schmerz tief zu Herzen. Da dachte ich, wenn Sie sich mit Ihrem Bruder versöhnen würden, das wäre der allerbeste Balsam für Ihren tiefen Schmerz. Doch selber konnte ich‘ s nicht sagen, darum ging ich zu unserem Herrn Pfarrer.

Wolfgang: Da konntest Du auch keinen besseren Anwalt finden. Wie bin ich glücklich heute Abend. Wie will ich doch dem Höchsten danken für seine große Wundermacht, die er an mir getan hat.

-ENDE-

Friede auf Erden

Die Wege des Herrn sind lauter Güte

 Die Wege des Herrn sind lauter Güte

Sprecher: Die letzte Unterrichtstunde vor den Weihnachtsferien war beendet. Schnell packten die Studenten ihre Sachen zusammen und eilten fröhlich davon. Nur zwei von ihnen blieben in gedrückter Stimmung zurück. Das hatte der Direktor geboten, weil er ihnen etwas zu melden hatte. Sie wären auch gern so schnell wie möglich zur Bahn geeilt um rechtzeitig abfahren zu können, denn ihr Heim war viele Stunden weit entfernt. Da trat der Direktor ein und überreichte Georg ein Telegram. Er las:

Georg: Reisen gefährlich. Bleibt dort. Vater.

Sprecher: Verblüfft schwieg er. Der Direktor versuchte ihnen Mut zu machen.

Direktor: Nun ihr seid ja nicht die einzigen die nicht nach Hause kommen zum Fest. Ihr könnt euch euren Kameraden anschließen, die jedes Jahr hier die Weihnachtsferien zubringen müssen. Wünsche euch frohe Weihnachten!

Sprecher: Mit diesen Worten ließ er die enttäuschten Jungen stehen. Hans war ganz außer sich und rief:

Hans: Ich wollte, das Telegramm wäre eine Stunde später angekommen, dann wären wir schon unterwegs gewesen. Ich kann mir gar nicht vorstellen was das bedeuten soll. Warum hat Vati nur so Angst, wir sind doch nicht mehr klein.

Georg: Ach, Hans, Vater hatte uns bestimmt auch gern daheim. Sicher hat er Grund für seine Befürchtungen. Wir wollen versuchen, das Fest so gut wie es geht hier zu feiern.

Hans: Schön ist es am Heiligen Abend nur zu Hause mit allen unsern Lieben zusammen. Da sitzt Mutti am Klavier und spielt die schönen Weihnachtslieder, Vater erzählt die Weihnachtsgeschichte und dann sagen die Kleinen ihre Gedichte her… Ach es ist zum Heulen. Am liebsten würde ich trotzdem die Reise unternehmen. Was sollen nun die Geschenke, die wir fertig gemacht haben?

Sprecher: Bevor Georg etwas erwidern konnte, läutete das Telefon. Georg nahm den Hörer ab und lauschte gespannt. sein Gesicht erhellte sich. Er bedankte sich und sprach dann zu Hans, der ungeduldig daneben stand.

Georg: O Hans, freu dich! Wir haben eine Einladung für die Feiertage zu Papas Verwandten die hier nicht allzu weit wohnen. Der gute Vater wusste, dass wir enttäuscht sein werden, weil wir nicht nach Hause können, da hat er für ein anderes Vergnügen gesorgt.

Hans: Ah, das ist ja eine gute Idee von Vati! Wir wollen gleich alles zusammenpacken und uns Morgen früh auf den Weg machen. Wir müssen ja wohl auf Schusters Rappen wandern.

Georg: Ich denke das tut uns ganz gut, so eine Fußwanderschaft nach dem vielen Sitzen in der Klasse.

Sprecher: Am nächsten Morgen in aller Frühe gingen die zwei wohlgelaunt hinaus in der frostigen Wintermorgen. Die reifbedeckten Bäume glitzerten im hellen Sonnenschein. Der blendend weiße Schnee knirschte unter den Füßen. Am späten Nachmittag gelangten sie zu einem Gasthaus. Sie machten da eine kurze Rast, aßen eine warme Mahlzeit und wollten dann weitergehen. Der freundliche Wirt erkundigte sich nach dem Ziel ihrer Reise. Als er vernahm wo sie hin wollten, machte er ein ganz bedenkliches Gesicht und sagte:

Wirt: Ich würde euch raten lieber hier zu übernachten. Der Weg dahin geht durch einen ziemlich verwachsenen Wald. Der kurze Tag ist nun bald zu Ende. Außerdem zeigen sich am Himmel Schneewolken. Es könnte Sturmwetter geben, das wäre sehr gefährlich für euch.

Sprecher: Sie gingen vor die Tür und bemerkten die Wolken und auch den Wind. Georg hatte Bedenken und meinte.

Georg: Was meinst du Hans, sollten wir vielleicht den gutgemeinten Rat befolgen und hier übernachten?

Hans: Ach was! Wenn wir schon nicht zu Hause sein können, so wollen wir wenigsten bei unseren Freunden sein. Sie erwarten uns unbedingt heute zum Heiligen Abend.

Sprecher: Sie eilten vorwärts. Als sie den Wald erreicht hatten wurde es schon ganz dunkel. Es fiel dichter Schnee. Der Wind wirbelte die Flocken um sie herum. Endlos schien der Weg durch den Wald. Immer langsamer kamen sie weiter. Mit Schrecken bemerkten sie, dass sie vom Weg abgeirrt waren. Hans blieb stehen und seufzte.

Hans: Georg ich kann nicht mehr weiter. Mir fallen die Augen zu und meine Füße sind wie bleiern.

Georg: Nein Hans, wir dürfen jetzt nicht ruhen, sonst schlafen wir ein und erfrieren. Komm wir wollen suchen, vielleicht finden wir doch den Weg.

Hans: Ich kann wirklich nicht mehr weiter. Lass mich.

Georg: O was sollen wir nur machen! Hilf uns o Herr Jesus, dass wir nicht hier erfrieren…

Sprecher: Georg schaute sich noch einmal nach allen Seiten um. Plötzlich leuchtete nicht weit entfernt ein kleines Licht auf. Er rüttelte seinen Bruder aus dem Schlaf und rief:

Georg: Hans, wach auf, schau dort ist ein Lichtlein! Komm wir müssen uns beeilen das wir hinkommen, ehe es vielleicht verschwindet.

Sprecher: Das half. Hans fasste neuen Mut. Nach kurzer Zeit gelangten sie zu einer Hütte die fast untergeschneit war. Mit großer Mühe bannten sie sich einen Weg zur Tür. Auf ihr Klopfen öffnete ein größeres Mädchen die Tür und starrte erschrocken auf die Schneemänner. Mehrere kleinere Kinder umringte das Bett der Mutter, die krank dalag. Mit schwacher Stimme fragte sie.

Mutter: Wer seid ihr und was wollt ihr?

Sprecher: Hans erzählte kurz ihr Reiseabenteuer und bat

Hans: Wollen sie uns erlauben hier zu bleiben bis es hell wird und das Wetter sich ändert?

Mutter: Ja gerne. Ihr seht aber, wir haben nichts um euch zu bewirten und es ist auch nichts da um den Ofen zu heizen.

Georg: Das lasst unsere Sorge sein. Wir sind sehr dankbar, dass wir hier bleiben dürfen.

Sprecher: Sie fanden ein Beil, eilten in den Wald und kamen nach kurzer Zeit beladen mit Brennholz zurück. Schnell wurde Feuer im Ofen gemacht. Es wurde warm in dem kleinen Raum. Der Teekessel summte. Nun wurde der Tisch an das Bett der Kranken gerückt. Die Jungen rückten alles aus ihren Rücksäcken hervor. Da kam Brot, Käse und Wurst auf den Tisch. Die Kinder staunten. Sie waren ganz vertraulich geworden. Die arme Mutter war tief bewegt und dankt Gott für die wunderbare Hilfe. Nachdem sie gegessen hatten erzählte sie.

Mutter: Solange der Vater für die Familie sorgte kannten wir keinen Mangel. Aber dann kam er bei einem Unfall ums Leben. Ich konnte nicht viel verdienen. Oft langte es nicht für Nahrung und Kleidung. Wir konnten aber immer aus dem Wald das Holz holen zum heizen und brauchten nicht frieren. Aber heute konnte ich nicht aufstehen, so mussten wir heute am Heiligen Abend hungern und frieren. Doch nun hat der barmherzige Gott unser Flehen erhört und uns in der Not geholfen. Ihm sei Lob und Dank! Nun, euch kann ich gar nicht genug danken für alle Liebe die ihr uns erweist. Der Herr wolle es euch vergelten.

Hans: O das macht uns selbst Freude mit euch glücklich zu sein.

Georg: Ich glaube das hat wohl der liebe Gott so gewollt, dass wir hierher kommen mussten. Deshalb konnten wir nicht nach Hause fahren und mussten uns noch im Wald verirren. Wir waren ja auch in großer Gefahr. Wenn wir das Licht nicht erblickt hätten, wären wir wohl im Wald erfroren. Aber jetzt wollen wir richtig Weihnachten feiern. Die Kinder haben sicher auch was zu Weihnachten gelernt und können ihre Gedichte aufsagen nicht wahr?

1 Kind: Willkommen schöne Weihnachtszeit,

du bist es die die Welt erfreut

Es freut sich wieder jung und alt,

das es durch alle Lande schallt

Es freut sich wieder arm und reich,

der Herr schenkt ja doch allen gleich

Er gab uns den Herrn Jesus Christ,

der in die Welt gekommen ist. Amen.

2 Kind: Weihnachtsfreude schallet heut

auf der Erde weit und breit.

Weil der liebe heilge Christ

in die Welt gekommen ist.

Weihnachtsfreude! Nah und fern

Weihnachtsglocken klingen.

Ja der Heiland ist nun da

lasst uns fröhlich singen.

Möge mit der Engel Chor

unser Lied erschallen,

Fried auf Erden, Gott die Ehr,

Menschen Wohlgefallen! Amen.

3 Kind: Jesus unsre Weihnachtsfreude

nimm du unsre herzen ein.

Wollest selbst zu allen Zeiten

unser ein und alles sein! Amen.

Georg: Das war schön! Wir wollen nun auch das Lied singen das die Engel dort in Bethlehem sangen als Jesus geboren war.

LIED: Ehre sei Gott in der Höhe…

Sprecher: Nachdem das Lied beendet war erzählte Georg die Weihnachtsgeschichte wie es zu Hause der Vater tat. Dann bekamen die Kinder kleine Geschenke, die eigentlich für ihre kleinen Geschwister bestimmt waren. Das war eine Überraschung für diese Armen, die sich nicht erinnern konnten jemals ein Weihnachtsgeschenk zu erhalten. Endlich gingen alle müde aber glücklich zur Ruhe.

Der nächste Morgen brach an. Die Sonne strahlte vom blauen Himmel und kein Lüftchen regte sich. Ganz nahe stand die Hütte am Rand des Waldes. Als sie heraustraten auf den freien Feldweg, erblickten sie den Ort, den sie erreichen wollten. Bald waren sie in dem gastfreundlichen Hause und erzählten alles was sich zugetragen hatte. Alle Anwesenden hörten gespannt zu und als sie geendet hatten, waren alle dankbar und freudig gestimmt. Nun gab es eine frohe Feier, an die Georg und Hans sich noch lange erinnerten. Am meisten aber war es die Erfahrung die immer im Gedächtnis blieb, wie wunderbar Gott die Gebete erhört.

Wenn sie am Heiligen Abend glücklich und froh waren, vergaßen sie nicht, dass es viele arme Menschen gibt und suchten anderen Freude zu machen. In jener Nacht hatten sie auch erkannt, dass Jesus in die Welt gekommen ist um verlorene zu retten vom ewigen Tode. Sie nahmen auch diese Rettung dankbar an.

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