Christliche Schatzkammer

Himmelslicht

Wie mag der blinde Bettler wohl gejubelt haben,
als ihm der Herr die köstlichste der Gaben,
das Augenlicht, mit gnäd’ger Hand geschenkt!
Nun war die Nacht, die lähmend sich gesenkt
auf all sein Tun, im Strom des Lichts entschwunden.
Nun hatte er im Licht das Leben erst gefunden.

Auch wir gehn alle, alle blind durchs Leben
und sehen nicht, was Gottes Hand gegeben:
Den ew’gen Reichtum, all Sein heil’ges Lieben,
das einst den Sohn zur Erde hat getrieben
und das nur segnen will durch Lust und Leid.
Blind sind wir alle für die Ewigkeit.

Erst wenn des Heilands Hände uns berühren,
wir Himmelslicht in unsrer Seele spüren.

Heimfahrt

Heimfahrt

Der Wimpel weht vom Maste,
die Heimat ist nicht fern;
mein Schifflein, nimmer raste,
sieh dort den Morgenstern!

Schon will’s im Osten tagen
in Farben, licht und zart.
Voraus denn, ohne Zagen!
Bald endet ja die Fahrt.

Ging’s auch durch Sturm und Fluten,
oft knapp vorbei am Riff-
in guten Händen ruhten
das Steuer und das Schiff.

Drum auf mein Schifflein, eile!
Dein Führer nimmer weicht;
noch eine kleine Weile,
dann ist das Ziel erreicht.

Bald geht dein Anker nieder
in ew’gen Ankergrund,
dann machen frohe Lieder
das Glück der Heimat kund.

Rudolf Brockhaus (l856- 1932)

Die Frage nach des Lebens Sinn

Die Frage nach des Lebens Sinn,
nach dem » Woher«, nach dem » Wohin«,
sie hat, wie dies Gedicht beweist,
bewegt, beschäftigt meinen Geist.

Beruht mein Sein, mein Leben nur
auf einem Zufall der Natur?
Liegt ihm zugrunde wohl ein Plan?
Wenn ja, in welcher Absicht dann?

Wer gibt mir Antwort? Find ich sie
durch Wissenschaft, Philosophie?
Der Theorien sind so viel,
jedoch, wie komme ich zum Ziel?

Was diese Fragen anbetrifft,
lehrt Gott mich in der heil’gen Schrift:
Mein Leben ist durch Ihn, Er gab
Leib, Seele, Geist und was ich hab.

Ich bin Geschöpf aus Seiner Hand,
mit Fähigkeiten und Verstand.
Gott will, dass ich in Demut auch
zu Seinem Lobe sie gebrauch.

Damit mein Leben glücklich sei,
erlöst von Schuld, geborgen, frei,
gab Er mir Heil durch Jesus Christ,
den Herrn, der mein Erlöser ist.

Ich darf Gott dienen, der mich schuf
in der Familie, im Beruf
ja, überall in dieser Welt,
am Platz, wo Er mich hin gestellt.

Als großes Ziel liegt mir bereit
im Himmel Gottes Herrlichkeit;
Sein eignes Wort verbürgt es mir.
Mein Gott, ich danke Dir dafür!

Es ist die letzte Stunde

Es ist die letzte Stunde

Es ist die letzte Stunde.
Habt ihr es schon bedacht?
Es geht von Mund zu Munde:
Ihr Gläubigen, erwacht!

Es ist die letzte Stunde.
Schaut auf zu eurem Herrn.
Vernehmt die frohe Kunde,
Er kommt, Er ist nicht fern.

Es ist die letzte Stunde.
Weiht nicht das Herz der Welt,
die, mit dem Feind im Bunde,
sich gegen Jesus stellt.

Es ist die letzte Stunde.
Lasst leuchten euer Licht,
damit in eurer Runde
das Zeugnis nicht zerbricht!

Es ist die letzte Stunde.
Bald werden wir Ihn sehn.
Dann jubeln Herz und Munde:
Wie unaussprechlich schön!

Droben ist Ruh

Droben ist Ruh

Pilger nur sind wir hier,
sehnsuchtsvoll eilen wir
der Heimat zu.
Geht’s auch auf rauher Bahn,
geht es doch himmelan;
darum getrost voran!
Droben ist Ruh.

Wenn auch die Feinde dräun,
Jesus will bei uns sein,
decket uns zu.
Führt uns durch Sturmgebraus
sicher ins Vaterhaus;
bald gehn wir ein und aus
in sel’ger Ruh.

Trifft uns hier Spott und Hohn,
herrlicher Gnadenlohn
winket uns zu.
Lasst uns dem Herrn vertraun,
gläubig nach oben schaun,
dort auf des Himmels Aun
ist endlich Ruh.

Bald, ja, bald schaun wir Ihn,
sinken anbetend hin,
jauchzen Ihm zu.
Sehn Ihn von Angesicht,
jubeln im Himmelslicht;
ewig nichts mehr gebricht!
Droben ist Ruh!

Die Welt kann uns nicht Heimat sein!

Die Welt kann uns nicht Heimat sein!

Die Welt kann uns nicht Heimat sein,
wir sind nur auf der Reise.
Wir suchen die zukünftge Stadt,
die Jesus uns bereitet hat.
Und unsre kurze Erdenfahrt
soll sein zu Gottes Preise.

Die Welt kann uns nicht Heimat sein,
wir wandern dunkle Straßen.
Sie sind gesäumt mit Not und Leid,
doch immer hält uns Gott bereit
Erfrischung und Barmherzigkeit.
Er wird uns nie verlassen.

Die Welt kann uns nicht Heimat sein,
wir gehn dem Ziel entgegen.
Bleibt nicht bei Eitelkeiten stehn,
sagt allen, dass sie mit uns gehn.
Bald werden wir den König sehn.
Er kommt mit reichem Segen.

Der Tage, die verloren

Der Tage, die verloren

Der Tage, die verloren
beim Wandern nach dem Ziel,
und der verlornen Stunden –
ach, wie sind ihrer viel!

Verloren sind die Tage,
da leer das Herz uns blieb
und da kein höher Sehnen
uns nach der Heimat trieb.

Verloren sind die Zeiten,
da wir uns dieser Welt
und ihrem Bösen Treiben
und Wesen gleichgestellt. –

Herr, lehre Du uns zählen
die Tage, Stunden hier;
o lehr uns, sie zu weihen
nur Dir noch, Herr, nur Dir!

Sonst müssten wir beklagen
soviel verlorne Zeit,
wenn wir vor Dir einst stehen
im Licht der Ewigkeit.

Der freie Menschenwille

Der freie Menschenwille

Es ist schon später als du denkst,
Gott hat für dich es festgestellt.
Zu wählen hier auf dieser Welt,
Ein Heim für alle Ewigkeit.
Einst nach vollbrachter Lebenszeit.
Bedenke, dass Gott niemand zwingt,
Und mit Gewalt zum Himmel bringt.

Es ist schon später als du denkst,
Ein jeder Mann steht vor der Wahl.
Zu wählen Freude oder Qual,
Ein Erbteil dort im Vaterland.
Was wollest du, wo willst du hin?
Ja, wählen muss ein jeder Mann
Auch du hast es bewusst getan.

Es ist schon später als du denkst,
o frage dich auf deinen Knien
Wohin wird meine Seele ziehen?
Wenn du noch müsstest gehen,
Und vor dem großen Richter stehen,
Bedenke, es ist die höchste Zeit
Wo willst du sein in Ewigkeit?

Es ist schon später als du denkst,
Hast du ein Heim im Himmel dort,
für dich erkauft durch Christi Blut?
Wo du auf ewig ruhen kannst.
Wird dir nach wahrer Buß‘ die Ruh‘ zuteil?
O Seel‘ es ist kein Kinderspiel,
Erwähl dir doch das rechte Ziel.

Es ist schon später als du denkst,
wenn dich der Tod als Opfer fällt,
dann hast auf ewig ausgewählt
Dann ist’s zu spät, bedenk es heut‘
Zu spät für alle Ewigkeit.
Ja, Jesus mahnet, lockt und winkt
Doch niemand mit Gewalt bezwingt.

Es ist schon später als du denkst,
Den freien Willen, den Er gibt,
Den raubt Er dir nicht bis zum Grab,
nur du bestimmst es ganz allein,
Wo du in Ewigkeit willst sein.
Drum liebe Seel‘, mach dich bereit,
Dass du erlangst das weiße Kleid.

Abendruhe

Abendruhe

Abendruhe nach des Tages Lasten,
sei willkommen in der Stille mir!
O wie wohl tut’s nach der Arbeit rasten,
wenn der Friede wohnt im Herzen hier!
Wie wird’s erst am Feierabend sein,
gehn wir selig in die Ruhe ein!

Ja, es ist noch eine Ruh vorhanden
für den Knecht und für das Volk des Herrn;
wenn des Kampfes Hitze überstanden,
O dann ruht beim Herrn der Diener gern!
sel’ge Ruhe nach der Mühe Schweiß,
wenn die Arbeitstreu empfängt den Preis!

Himmelsheimat, stille Friedenswohnung,
wo kein Leid mehr ist und kein Geschrei,
wo des Heilands Nähe die Belohnung
für die Seinen ist, und alles neu!
Wo der Knecht sich froh zum Mahle setzt,
an des Herren Fülle sich ergötzt.

Christian Heinrich Zeller (1779-1860)