Christliche Schatzkammer

Ausruhen

Die Kunst des Ausruhens ist ein Teil der Kunst des Arbeitens.

John Steinbeck

Trost

Nichts tröstet mächtiger als die Gewissheit in allen Lagen von der Liebe Gottes umfangen zu werden.

Johannes Calvin

Verantwortung

Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das was wir nicht tun!

Zeit

Wer sich keine Zeit nimmt, wird nie welche haben.

Erfülltes Leben

Erfülltes Leben ist nicht abhängig von erfüllten Wünschen, sondern von der Bereitschaft Gott gehorsam zu sein.

Friedrich von Bedelschwingh

Liebe

Liebe verspricht nichts, aber hält dafür alles!

Jesus von Nazareth

Kein Maler, kein Dichter oder Musiker begleitet und tröstet so unzählige Menschen in unserer Welt wie Jesus von Nazareth. Jörg Zink

Jesus auf dem Fischerboot

 

Jesus auf dem Fischerboot

Ein neuer Schein

Ein neuer Schein

Sprecher: Keiner weiß eigentlich so recht, woher sie gekommen sind, die beiden Menschen, die dort oben an dem steilen Berghang weltab und landfremd hausen. Eine Zeitlang wurde im Dorf geredet, sie wären Zigeuner. Ihr Haus war auch wirklich leicht mit einem Wohnwagen ohne Räder zu verwechseln und die Frau, mit ihren schwarzen Haaren und Augen sah einer Zigeunerin wirklich ähnlich. Aber schließlich wusste doch jeder, dass das alles nur ein blasses Gerede war. Aber trotzdem will zwischen dem Dörfchen und den beiden dort oben am Berghang keine Freundschaft aufkommen. Ab und zu kommt der Mann zum Einkaufen herunter. Die Frau lässt sich gar nicht blicken und nach oben geht eigentlich auch niemand. Doch eines Tages, an einem kalten, trüben November klimmt der alte, weißbärtige Briefträger schnaufend und keuchend den Berghang hinauf.

Briefträger: Guten Tag! Hier ist ein Brief für sie.

H. Bernbach: Dankeschön! – Auf Wiedersehen!

Briefträger: Auf Wiedersehen, Herr Bernbach!

Sprecher: Es ist ein großes Ereignis für die beiden, einen Brief zu bekommen. Fast feierlich setzt Hermann Bernbach sich ans Fenster und öffnet den Brief. Es dauert eine lange Weile, bis er sich schwerfällig zu seiner Frau hinwendet.

Hermann: Meine Schwester ist gestorben.

Maria: Ist das zufällig die, die damals deinen Vater gegen mich aufgehetzt hat, sodass dein Vater ihr und nicht dir den Hof vererbt hat?

Hermann: Sie war es nicht. Ihr Mann war schuld.

Maria: So hat er ja jetzt seinen Willen und der Hof gehört ihm.

Hermann: Mein Schwager ist schon seit zwei Jahren tot.

Maria: Und?

Hermann: Der Hof war verschuldet und ist versteigert.

Maria: Na, was soll der Brief dann?

Hermann: Es – es ist noch ein Kind da. Ein Mädchen. Der Amtsvorsteher fragt – wir sind die einzigen Verwandten…

Maria: Sollen wir es vielleicht noch ernähren? Jetzt hört aber alles auf. Ich will kein Kind im Haus!

Hermann: Hast du dich nicht früher immer nach einem Kinde gesehnt?

Maria: Ja, nach einem eigenen, aber nicht nach einem von dieser…

Sprecher: Sie bricht ab. Irgendetwas im Gesicht des Mannes bringt sie zum Schweigen. Krachend wirft sie die Tür hinter sich ins Schloss. Früh am nächsten Morgen leuchtet Hermann Bernbach mit flackernder Kerze zu seiner Frau ins Schlafzimmer.

Hermann: Ich gehe jetzt und hole mir Urlaub. Heute Mittag fahr ich und hole das Kind.

Sprecher: Sein Gesichtsausdruck ist fest entschlossen, als müsste er einem starken Widerstand begegnen. Aber seine Frau hat kein Gegenwort. So kommt es, dass Gisela ihren Einzug in dem Häuschen hält. Als Hermann mit dem Kind den Berg hochsteigt, strahlt sein sonst so düsteres Gesicht.

Maria: So fröhlich hat er damals ausgesehen als wir noch Brautleute waren.

Sprecher: Etwas Seltsames brennt dabei in ihr. Von dem sie nicht weiß, ob es Zorn, Eifersucht oder Erwartung ist.

Maria: Er freut sich wohl, dass er jemanden von seiner Sippe um sich hat. Nun werd‘ ich erst recht überflüssig sein. – Aber das Mädchen soll nicht sagen, ihr Vater hätte wohl recht gehabt indem er sagte, ich sei schlampig und unordentlich.

Sprecher: Hastig rückte sie die Stühle zurecht, wischt und deckt den Tisch. Froh erstaunt erblickt Hermann Bernbach beim Eintritt den gedeckten Tisch. Das ganze Zimmer liegt in einem rotgoldenen Abendschein.

Hermann: Das ist nun unsre Gisela.

Gisela: Guten Tag, Tante Maria!

Sprecher: Mit ungeschicktem Lächeln schiebt er Gisela seiner Frau zu. Fast ist es, als erwarte er noch mehr freudige Überraschungen. Doch Marias Augen gleiten nur teilnahmslos über den Kopf des Mädchens und ihre Stimme ist noch härter als sonst.

Maria: Schon gut. Setzt euch und esst!

Sprecher: Das gibt ein Erstaunen im Dorf, als zwei Tage danach der große Hermann Bernbach Gisela zur Schule bringt.

Frau Anna: Guten Tag! Frau Martha und Frau Irma! Haben sie schon gehört? Die Bernbachs da oben haben ein Kind zu sich genommen.

Frau Martha: Ja, Ja. Aber das arme Kind kann einem ja leid tun. Bei so einer Frau zu sein. So etwas Unzufriedenes gibt es nicht noch einmal.

Frau Irma: Es heißt ja, es ist die Tochter von der verstorbenen Schwester des Mannes.

Frau Anna: Der Mann mag ja ganz ordentlich sein, aber die Frau, sie hat Augen wie eine Wildkatze. Aber Kinder, seid lieb zu dem Mädchen. Lasst sie ja nicht allein herumstehen und zerrt nicht an ihr herum hört ihr?

Alle Kinder: Ja, ja.

Sprecher: So weiß Gisela sich vor Liebensbezeugungen kaum noch zu retten. Alles Mögliche wird ihr zugesteckt und sogar ein ganzer Stoß Poesiealben liegt in ihrem Schulranzen. Doch so lebhaft es in der Schule auch ist, umso trostloser und öder zu Hause.

Gisela: Wie langweilig ist es zu Hause. Käthe hat mich heute gefragt, ob ich schon Schläge bekommen habe. Zum Glück nicht. Aber auch kein liebes Wort, keinen einzigen lieben Blick. Ach, als meine Mutter noch lebte da war das alles anders. Doch jetzt ist sie beim Herrn Jesus im Himmel. Es ist so schwer der Tante etwas recht zu machen, sie klagt dauernd, dass sie viel mehr Arbeit hat, seitdem ich hier bin.

Sprecher: Ja, es ist sehr schwer mit dieser Tante. Wenn Gisela ihr helfen will sagt sie immer, sie soll etwas zum Lesen nehmen, oder sich anderweitig beschäftigen. Doch wenn der Onkel Hermann nach Hause kommt, wird es nicht mehr so langweilig.

Gisela: Oh, Hallo Onkel Hermann. Endlich bist du da, ich hab schon so auf dich gewartet, es ist so langweilig ohne dich.

Hermann: Das tut mir wirklich leid. Hast du nicht zu lesen oder so?

Gisela: Bloß mein Lesebuch. Aber das kenn‘ ich schon auswendig.

Hermann: Nächstes Jahr im Frühling, wenn ich mehr Zeit hab‘, können wir einen Starenkasten an der Tanne anbringen und…

Gisela: Ja, und dann werden wir ein Blumenbeet anlegen, Bäumchen und Stachelbeersträucher pflanzen.

Hermann: Einen Schlitten hab‘ ich dir ja schon gezimmert. Damit kannst du, wenn es endlich scheit, fast bis vor die Schultür sausen.

Maria: Das kommt nicht in Frage. Das ist ganz ausgeschlossen. Das sie sich Hals und Beine bricht und ich sie dann auch noch pflegen kann! Nein danke.

Hermann: Ach Maria. Das ist doch alles halb so schlimm. Hals und Beine bricht man sich eigentlich nicht beim Schlitten fahren. Reg dich doch nicht so auf. Außerdem hast du heute wirklich schön aufgeräumt, auch die Kleider die du neuerdings für Gisela genäht hast, sich wunderbar und…

Maria: Ja, ja. Früher hab‘ ich wohl nicht schön aufgeräumt? Klar. Da war ich nicht ordentlich genug. Die Kleider näh‘ ich außerdem nur, damit diese Frauen aus dem Dorf nichts sagen können.

Hermann: Ach Maria, las doch! – Gisela, übrigens wollte ich dich auch noch fragen, ob du nicht morgen nach der Schule noch Einkäufe machen könntest, dann brauch ich nicht mehr ins Dorf zu gehen.

Gisela: Ja, natürlich.

Hermann: Wie war’s denn eigentlich in der Schule?

Gisela: Oh, die Schule, die macht Spaß. Wir wollen am letzten Schultag vor den Ferien eine Weihnachtsfeier machen. Auch ihr seid ganz herzlich eingeladen. Ich freu mich schon ganz…

Maria: Könnt ihr denn nicht endlich das dumme Schwatzen lassen? Da bekomm‘ ich ja Kopfschmerzen von.

(Hermann und Gisela seufzen)

Sprecher: Eine lange Zeit sagt keiner ein Wort.

Maria: Na, jetzt habt ihr die Sprache auch ganz verloren. Nur eine kleine Bemerkung braucht man zu machen, und sofort sitz ihr da, mit langen Gesichtern.

Sprecher: Ja, die beiden haben es wirklich nicht leicht mit der Tante Maria. Gisela würde am liebsten auch nachmittags ins Dorf zu den Freundinnen laufen, aber das will die Tante auch nicht. Gisela traut sich gar nicht danach zu fragen. – Langsam vergeht die Zeit, aber man merkt immer mehr, dass es Weihnachten wird. Draußen ist alles weiß mit Schnee bedeckt. In der Schule riecht es nach Tannen und Plätzchen. Aber ob es auch im Häuschen dort oben Weihnachten wird?

Gisela: Was das wohl für ein Weihnachtsfest wird. Das erste ohne Mutter? Für Tante Maria hab‘ ich einen Topflappen und für Onkel Hermann wollte ich gerne ein Paar Socken stricken. Aber als ich Tante Maria nach Wolle gefragt habe, hat sie so sauer wie immer geantwortet, dass hier, bei ihnen, kein Weihnachten gefeiert würde. Das war bestimmt kein Spaß. Denn nach Scherzen sieht Tante Maria nicht gerade aus.

Sprecher: Wenn Gisela so weit gedacht hat, wollen sich die Tränen hervordrängen. Doch das Gebet gibt ihr wieder Kraft. Oft sehnt sie sich nach ihrer Mutter, die ihr von Jesus erzählt hat, die mit ihr gebetet hat und so liebevoll war. Bei der Tante findet sie keine Liebe. Und wenn der Mond feierlich über den Bergen aufgeht, scheint es ihr als senke sich in den silbernen Strahlen ein Grüßen von ihrer Mütterlichkeit hernieder, das flüstert: „Lass den heiligen Christ in deinem Herz einkehren. Das ist besser als der reichste Gabentisch.“ Dann blitzt in dem Mädchen die Sehnsucht auf:

Gisela: Oh lieber Herr Jesus, wenn du auch in Tante Marias Herzen einkehren würdest. Wenn du noch tote Feuer darin anzündest. Du allein kannst es. Gib du in ihr Herz einen neuen Schein!

Sprecher: Es ist ein Tag vor dem heiligen Fest, ein starker Schneesturm hat getobt. Jetzt kreisen nur noch einzelne Flocken über die Berglandschaft. Aber der Himmel sieht noch immer drohend aus, als wenn er noch große Schneemassen für die Feiertage aufgespart hätte. Es will heute gar nicht richtig Tag werden. Fast möchte Maria die Lampe anzünden. Es ist so dämmrig im Häuschen, aber für sich allein lohnt es sich nicht. Gisela hat noch bis Zehn Uhr Schule, ehe die Ferien beginnen, und der Mann ist zur Arbeit. Sie ist heute so unruhig. Was ist nur mit ihr los? Plötzlich wird es dunkel, es wird auch draußen unheimlich still, so als ob die Natur den Atem anhalte. Doch da bricht ein Sturm los. Es heult der Wind und es kracht in den Ästen. Ein wildes Jaulen und Pfeifen bricht an, als rase das wütende Heer von der Höhe ins Tal. Erschrocken tritt Maria ans Fenster. Hart peitscht der Schnee gegen die Scheiben. Sie schaut zur Uhr, halb zehn!

Maria: Das Kind hat ja gleich Schulschluss. Das Unwetter wird hoffentlich aufhören, ehe die Schule zu Ende ist! — Zwanzig Minuten noch. Mensch der Sturm will sich nicht legen. Bestimmt wird dort Kohlweg, der vom Dorf heraufführt zugeweht sein. Für das Kind wird es unmöglich sein nach Hause zu kommen oder – es wird im Schnee begraben. Sie wird doch so vernünftig sein und warten bis Hermann sie abholt. Aber ich hab ihr doch selbst verboten nach der Schule unten zu bleiben.

Sprecher: Gestern hat sie noch gespottet: „Das bisschen schlechte Wetter, bist doch kein Zuckerpüppchen. Und je schlimmer das Wetter, desto schneller nach Hause.“ Verstört blicken Marias große Augen wieder auf die Uhr. Zwölf Minuten nur noch bis 10 und draußen heult nach wie vor der Sturm und wirbelt die Flocken. Noch ein letztes wirres Umblicken. Dann reißt sie kurz entschlossen den Mantel aus dem Schrank, schlingt ein Tuch um den Kopf, verschließt mit zitternden Händen die Haustür und jagt dem Dorf zu. Johlend braust ihr der Sturm entgegen. Nun hat sie den Hohlweg erreicht. Sie biegt zum Tal hinab. Aber jetzt sind die hohen Schneewälle ein neues Hindernis. Schritt für Schritt sinkt sie in die tiefe Schneemasse. Der Schweiß rinnt ihr, trotz der Kälte, von der Stirn. Aber was wäre erst mit Gisela? Sie wäre nie hier durchgekommen. Was, wenn sie hier umkäme? Dann wäre alles wie früher, sie bräuchte nicht mehr zu nähen, zu flicken und zu stopfen. Wie früher? Ihre Augen werden starr. Nein sie will es nicht mehr so wie früher haben. Viel zu lieb ist ihr Gisela geworden. Da endlich kommt sie an der Schule an. Der Lehrer wundert sich, dass die Frau, die da draußen steht, nicht herein kommt. Er öffnet die Tür um sie zu holen und ist ganz verblüfft, als er Maria dort sieht.

Lehrer: Frau Bernbach?

Maria: Ich wollte Gisela abholen.

Lehrer: Aber so kommen sie doch wenigstens herein! Bei diesem Wetter können sie doch nicht draußen stehen bleiben. Die Kinder üben noch einige Lieder für heute Abend.

Sprecher: Sie folgt dem Lehrer ins Klassenzimmer. Die Kinder schauen sie erstaunt an. Ist da nicht ein Augenpaar das sie aufleuchtend grüßt? Als sie so dasitzt, die alten Weihnachtslieder hört, geht die Müdigkeit weg. Es ist fast so schön wie früher in ihrer Heimatkirche.

Lehrer: Sie kommen doch heute Abend zu unserer Feier?

Sprecher: Sie nickt wie ein gehorsames Kind.

Lehrer: Möchten sie nicht ein wenig hinauf zu meiner Frau gehen, ein Tässchen heißen Kaffee trinken?

Maria: Nein, Oh Nein! Ich muss noch zum Krämer. Wenn sie Gisela bis Mittag bei sich behalten wollen, sie spielt so gerne mit ihrer Else. Ich muss noch…

Sprecher: Sie stockt, und dann lächeln ihre Augen heimlich verschämt, und ein lichter Schein erhellt ihr Gesicht, dass ein Strahl aller Schönheit darin aufleuchtet.

Maria: Sie wissen ja, Herr Lehrer, es ist Weihnachten!

Lehrer: Wie man sich doch in den Menschen so täuscht.

Sprecher: Sinnt der Lehrer, während er der schmächtigen, kleinen Frau nachblickt, die so eilig über den Schulhof geht.

Lehrer: Besser könnte es Gisela bei keiner anderen haben!

Sprecher: Frau Maria Bernbach aber stapft eifrig die Dorfstraße hinab. Immer noch ist das verlorene, weiche Lächeln um den sonst so herben Mund, wie das Lächeln eines erwartungsvollen Kindes.

Maria: Kerzen, Äpfel, Nüsse, Christbaumschmuck, ein Poesiealbum, Mandeln und Rosinen!

Sprecher: Murmelt sie vor sich hin, und während ihre Augen immer heller und heller strahlen, tönt aus der Ferne, vom Schulhaus her das ihr von der Kindheit bekannteste Lied.

ENDE

Ein neuer Schein

Die ihn aufnahmen

Die ihn aufnahmen

Paul: (stöhnt auf / schaut sich um / Ein Blick fällt auf den Kalender / erschreckt) Was? – Morgen ist wieder der 24., dann ist es schon zwei Jahre her. Zwei Jahre ist eine lange Zeit. – Dann ging sie weg, einfach so. Ich sehe heute noch, wie sie mühsam versuchte ihre Tränen zu unterdrücken, ihre Sachen packte und ging. Die Tür fiel ins Schloss, ich hätte schreien können, doch ich schwieg, ich hätte weinen können, doch ich starrte nur stumm auf die Tür, und dann diese Leere. Warum habe ich sie bloß wieder weggeschickt, als sie bereit war zurück zu kommen? … (sie klopft) Ach, wozu denke ich noch darüber nach, es hat ja doch keinen Sinn! (seufzt) (sie klopft) (verwirrt) Hat es geklopft? Das kann nicht sein, mich besucht doch niemand. (klopft) Wer ist da? Herein! (seine Frau tritt ein) (fassungslos) Julia, du??!

Julia: Paul, ich… ich wollte dir etwas bringen. Ich… (überreicht ihm ein Geschenk)

Paul: Julia! … Äh, setz dich bitte!

Julia: Willst du nicht auspacken?

Paul: Die Bibel!?

Julia: Ja, die Bibel. Sie hat mein Leben total verändert. (Pause) Weißt du, bei unserm letzten Streit, war ich zu stolz, um nachzugeben. Lieber wollte ich gehen, als bei dir um Verzeihung zu bitten. Danach kam eine furchtbare Zeit, ich merkte, wie sinnlos und leer mein Leben war. Ich irrte umher und suchte vergebens nach ein bisschen Glück und Liebe. Dann lernte ich Menschen kennen, die so eine innere Ruhe und Geborgenheit ausstrahlten, nach der ich mich immer gesehnt habe. Sie schenkten mir eine Bibel, die sie auch selbst auslebten.

Paul: Aber – wie hat die Bibel dein Leben verändert?

Julia: Durch sie lernte ich Jesus Christus kennen, der an Weihnachten auf diese Welt kam. Obwohl er der Sohn Gottes war, kam er um für meine und für deine Schuld zu sterben, damit wir ewig leben können.

Paul: Das verstehe ich nicht. Was hatte er denn davon?

Julia: Eigentlich gar nichts. Aber er hat uns so sehr geliebt, dass er kam, damit wir nicht sterben brauchen. Und was ich nicht verstehen kann, ist, dass die Menschen so lieblos sind. Er kam in sein Eigentum, aber sie nahmen ihn nicht auf.

Paul: Woher weißt du das?

Julia: Das steht in der Bibel. Warte, ich zeige dir die Stelle. (Joh. 1,11-12). Das habe ich selbst erfahren. Ich habe Jesus in mein Leben aufgenommen und bin nun ein Kind Gottes geworden. Ich habe eingesehen, dass ich vieles verkehrt gemacht habe, auch der Streit damals. Kannst du mir vergeben, es tut mir wirklich leid.

Paul: Natürlich vergebe ich dir, aber… willst du nicht hier bleiben? Willst du nicht zurückkommen?

Julia: Meinst du wirklich? Ich würde sehr gerne kommen.

Paul: Ja, natürlich.

Julia: Gut, ich muss nur noch schnell meine Sachen holen.

(Musik)

Sprecher: So schnell hatte Julia noch nie ihre Koffer gepackt. Bevor sie sich auf den Weg zurück machte, dankte sie Gott, dass er ihr Gebet erhört hatte und legte ihm auch alles Weitere in die Hände. Indessen hatte Paul viele Dinge, über die er nachdenken musste. Immer wieder las er den Vers:

Paul: (liest Joh 1,11) Warum haben sie ihn denn nicht aufgenommen? – Aber Moment ‚mal, wie war das mit meiner Frau? Sie kam auch zu mir zurück, nachdem sie weggelaufen war und ich wies ihr die Tür. Aber, Jesus hatte doch gar nichts Böses im Sinn, warum wurde er denn dann abgewiesen?

Julia: Guten Abend Paul. Da bin ich wieder.

Paul: Schön, dass du da bist. Ich habe so viele Fragen.

(Musik)

Sprecher: Während Julia versuchte seine Fragen zu beantworten, wurde Paul immer klarer, dass auch er Jesus aufnehmen musste. Als er nun im Gebet Jesus die Tür öffnete, fiel ein Strahl wahrer Weihnachtsfreude ins Herz.

Paul: Du Julia, ich muss immer wieder über den Vers nachdenken.

Julia: Was meinst du?

Paul: Du hast doch gesagt, dass die Juden Jesus nicht aufnahmen. Warum denn nicht?

Julia: Ja, warum? Warum nehmen die Menschen Jesus heute nicht auf?

Paul: Ich hab’s. Bestimmt wissen sie nichts von ihm!

Julia: Aber ich kenne doch Leute, die Jesus aufgenommen haben.

Paul: Warum sagen sie es denn nicht weiter? Ich muss es tun, die Menschen müssen es doch auch erfahren, was Weihnachten wirklich bedeutet.

Julia: Aber…

Paul: (unterbricht) Ich gehe in die Einkaufsstraße, dort kann ich die meisten Menschen erreichen. Ich lade sie ein und dann erzählen wir ihnen, was Weihnachten ist. Backst du schon einmal Plätzchen?

Julia: Aber Paul, du wirst doch nicht…

Paul: Natürlich, werde ich. Mach dir keine Sorgen um mich. Ich bin bald wieder da.

Sprecher: Klare Luft umfing Paul, als er auf die Straße trat. Er schlug den Mantel Kragen hoch und blickte um sich. Er sah lachende Kinder, die einen Schneemann bauten, und andere die mühsam versuchten die wirbelnden Schneeflöckchen einzufangen. Dann hob er seinen Blick und blinzelte, durch die im Sonnenlicht glitzernden Flocken hindurch, nach oben. Er dankte Gott, dass nicht nur außen die Sonne schien, sondern auch in seinem Herzen das Licht der Liebe Gottes strahlte, als er in die Einkaufsstraße trat und ihn immer mehr Leute umgaben.

Paul: Guten Tag. Wissen Sie schon, dass Jesus geboren ist?

Geschäftsmann: Lassen Sie mich. Ich habe es eilig.

Paul: Aber…

Geschäftsmann: Gehen Sie aus dem Weg, ich habe noch wichtige Aufträge zu erledigen!

(geht weg)

Paul: Wissen Sie denn schon, dass Jesus geboren ist?

Frau: Jesus?

Paul: Ja, Jesus. Er kam an Weihnachten als Kind auf diese Erde um…

Frau: Die Geschichte ist doch uralt. Was wollen Sie überhaupt?

(geht weg)

Paul: (total verdutzt) Seltsam.

Ehemann: Was stehen Sie hier im Weg? Gehen Sie doch zur Seite. Wir müssen durch!

Paul: Jesus ist doch geboren!

Ehefrau: Entweder gehen Sie vor oder zurück, aber bleiben Sie nicht mitten im Gedränge stehen!

Paul: Aber… Jesus ist doch geboren!

Ehemann: Das interessiert uns nicht. Wir haben wichtigeres zu tun.

(gehen weg)

Paul: (fassungslos) Das gibt es ja wohl nicht. Das kann nicht sein. Er kommt in sein Eigentum, und die seinen nehmen ihn nicht auf. – Nein! Das darf nicht wahr sein!

Bettler: Haben Sie etwas Geld für mich? Ich bin arbeitslos und habe nichts zu essen.

Paul: Nein, ich habe kein Geld. Aber kommen Sie doch mit mir nach Hause. Ich möchte mit Ihnen Weihnachten feiern.

Bettler: Weihnachten? Das gibt es bei mir schon lange nicht mehr.

Paul: Und doch kann es für Sie wieder Weihnachten werden, ich habe es auch erlebt. Kommen Sie doch mit, dann erzähle ich Ihnen, wie es bei mir war. (begeistert)

Bettler: Meinen Sie wirklich?

Paul: Ja, natürlich.

(gehen los, treffen einen Christen)

Christ: Darf ich Ihnen ein Traktat anbieten?

Paul: Was ist denn das?

Christ: Es geht um die Geburt Jesu Christi.

Paul: Wie, glauben Sie an diese Geschichte?

Christ: Ja, natürlich. Das ist mehr, als eine Geschichte, Jesus kann auch heute in Ihren Herzen geboren werden.

Paul: Das habe ich selbst erfahren. Aber die anderen wollen nichts davon hören.

Christ: Dann sind Sie ja auch Christ. Aber lassen Sie sich nicht von der Reaktion der Menschen entmutigen, mein Freund. Denn genau wie Jesus damals von den Menschen nicht aufgenommen wurde, so wird er auch heute von ihnen verachtet.

Paul: Aber warum sind Sie dann noch hier auf der Straße und versuchen die Menschen zu erreichen, wenn letztere doch nicht darauf hören?

Christ: Weil Gott auch nicht aufgibt. Er will den Menschen erreichen und beauftragt uns, es für ihn zu tun. Es gibt immer noch Menschen, die Jesus aufnehmen. Denn wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu heißen.

ENDE

Die ihn aufnahmen