Christliche Schatzkammer

Die ihn aufnahmen

Die ihn aufnahmen

Paul: (stöhnt auf / schaut sich um / Ein Blick fällt auf den Kalender / erschreckt) Was? – Morgen ist wieder der 24., dann ist es schon zwei Jahre her. Zwei Jahre ist eine lange Zeit. – Dann ging sie weg, einfach so. Ich sehe heute noch, wie sie mühsam versuchte ihre Tränen zu unterdrücken, ihre Sachen packte und ging. Die Tür fiel ins Schloss, ich hätte schreien können, doch ich schwieg, ich hätte weinen können, doch ich starrte nur stumm auf die Tür, und dann diese Leere. Warum habe ich sie bloß wieder weggeschickt, als sie bereit war zurück zu kommen? … (sie klopft) Ach, wozu denke ich noch darüber nach, es hat ja doch keinen Sinn! (seufzt) (sie klopft) (verwirrt) Hat es geklopft? Das kann nicht sein, mich besucht doch niemand. (klopft) Wer ist da? Herein! (seine Frau tritt ein) (fassungslos) Julia, du??!

Julia: Paul, ich… ich wollte dir etwas bringen. Ich… (überreicht ihm ein Geschenk)

Paul: Julia! … Äh, setz dich bitte!

Julia: Willst du nicht auspacken?

Paul: Die Bibel!?

Julia: Ja, die Bibel. Sie hat mein Leben total verändert. (Pause) Weißt du, bei unserm letzten Streit, war ich zu stolz, um nachzugeben. Lieber wollte ich gehen, als bei dir um Verzeihung zu bitten. Danach kam eine furchtbare Zeit, ich merkte, wie sinnlos und leer mein Leben war. Ich irrte umher und suchte vergebens nach ein bisschen Glück und Liebe. Dann lernte ich Menschen kennen, die so eine innere Ruhe und Geborgenheit ausstrahlten, nach der ich mich immer gesehnt habe. Sie schenkten mir eine Bibel, die sie auch selbst auslebten.

Paul: Aber – wie hat die Bibel dein Leben verändert?

Julia: Durch sie lernte ich Jesus Christus kennen, der an Weihnachten auf diese Welt kam. Obwohl er der Sohn Gottes war, kam er um für meine und für deine Schuld zu sterben, damit wir ewig leben können.

Paul: Das verstehe ich nicht. Was hatte er denn davon?

Julia: Eigentlich gar nichts. Aber er hat uns so sehr geliebt, dass er kam, damit wir nicht sterben brauchen. Und was ich nicht verstehen kann, ist, dass die Menschen so lieblos sind. Er kam in sein Eigentum, aber sie nahmen ihn nicht auf.

Paul: Woher weißt du das?

Julia: Das steht in der Bibel. Warte, ich zeige dir die Stelle. (Joh. 1,11-12). Das habe ich selbst erfahren. Ich habe Jesus in mein Leben aufgenommen und bin nun ein Kind Gottes geworden. Ich habe eingesehen, dass ich vieles verkehrt gemacht habe, auch der Streit damals. Kannst du mir vergeben, es tut mir wirklich leid.

Paul: Natürlich vergebe ich dir, aber… willst du nicht hier bleiben? Willst du nicht zurückkommen?

Julia: Meinst du wirklich? Ich würde sehr gerne kommen.

Paul: Ja, natürlich.

Julia: Gut, ich muss nur noch schnell meine Sachen holen.

(Musik)

Sprecher: So schnell hatte Julia noch nie ihre Koffer gepackt. Bevor sie sich auf den Weg zurück machte, dankte sie Gott, dass er ihr Gebet erhört hatte und legte ihm auch alles Weitere in die Hände. Indessen hatte Paul viele Dinge, über die er nachdenken musste. Immer wieder las er den Vers:

Paul: (liest Joh 1,11) Warum haben sie ihn denn nicht aufgenommen? – Aber Moment ‚mal, wie war das mit meiner Frau? Sie kam auch zu mir zurück, nachdem sie weggelaufen war und ich wies ihr die Tür. Aber, Jesus hatte doch gar nichts Böses im Sinn, warum wurde er denn dann abgewiesen?

Julia: Guten Abend Paul. Da bin ich wieder.

Paul: Schön, dass du da bist. Ich habe so viele Fragen.

(Musik)

Sprecher: Während Julia versuchte seine Fragen zu beantworten, wurde Paul immer klarer, dass auch er Jesus aufnehmen musste. Als er nun im Gebet Jesus die Tür öffnete, fiel ein Strahl wahrer Weihnachtsfreude ins Herz.

Paul: Du Julia, ich muss immer wieder über den Vers nachdenken.

Julia: Was meinst du?

Paul: Du hast doch gesagt, dass die Juden Jesus nicht aufnahmen. Warum denn nicht?

Julia: Ja, warum? Warum nehmen die Menschen Jesus heute nicht auf?

Paul: Ich hab’s. Bestimmt wissen sie nichts von ihm!

Julia: Aber ich kenne doch Leute, die Jesus aufgenommen haben.

Paul: Warum sagen sie es denn nicht weiter? Ich muss es tun, die Menschen müssen es doch auch erfahren, was Weihnachten wirklich bedeutet.

Julia: Aber…

Paul: (unterbricht) Ich gehe in die Einkaufsstraße, dort kann ich die meisten Menschen erreichen. Ich lade sie ein und dann erzählen wir ihnen, was Weihnachten ist. Backst du schon einmal Plätzchen?

Julia: Aber Paul, du wirst doch nicht…

Paul: Natürlich, werde ich. Mach dir keine Sorgen um mich. Ich bin bald wieder da.

Sprecher: Klare Luft umfing Paul, als er auf die Straße trat. Er schlug den Mantel Kragen hoch und blickte um sich. Er sah lachende Kinder, die einen Schneemann bauten, und andere die mühsam versuchten die wirbelnden Schneeflöckchen einzufangen. Dann hob er seinen Blick und blinzelte, durch die im Sonnenlicht glitzernden Flocken hindurch, nach oben. Er dankte Gott, dass nicht nur außen die Sonne schien, sondern auch in seinem Herzen das Licht der Liebe Gottes strahlte, als er in die Einkaufsstraße trat und ihn immer mehr Leute umgaben.

Paul: Guten Tag. Wissen Sie schon, dass Jesus geboren ist?

Geschäftsmann: Lassen Sie mich. Ich habe es eilig.

Paul: Aber…

Geschäftsmann: Gehen Sie aus dem Weg, ich habe noch wichtige Aufträge zu erledigen!

(geht weg)

Paul: Wissen Sie denn schon, dass Jesus geboren ist?

Frau: Jesus?

Paul: Ja, Jesus. Er kam an Weihnachten als Kind auf diese Erde um…

Frau: Die Geschichte ist doch uralt. Was wollen Sie überhaupt?

(geht weg)

Paul: (total verdutzt) Seltsam.

Ehemann: Was stehen Sie hier im Weg? Gehen Sie doch zur Seite. Wir müssen durch!

Paul: Jesus ist doch geboren!

Ehefrau: Entweder gehen Sie vor oder zurück, aber bleiben Sie nicht mitten im Gedränge stehen!

Paul: Aber… Jesus ist doch geboren!

Ehemann: Das interessiert uns nicht. Wir haben wichtigeres zu tun.

(gehen weg)

Paul: (fassungslos) Das gibt es ja wohl nicht. Das kann nicht sein. Er kommt in sein Eigentum, und die seinen nehmen ihn nicht auf. – Nein! Das darf nicht wahr sein!

Bettler: Haben Sie etwas Geld für mich? Ich bin arbeitslos und habe nichts zu essen.

Paul: Nein, ich habe kein Geld. Aber kommen Sie doch mit mir nach Hause. Ich möchte mit Ihnen Weihnachten feiern.

Bettler: Weihnachten? Das gibt es bei mir schon lange nicht mehr.

Paul: Und doch kann es für Sie wieder Weihnachten werden, ich habe es auch erlebt. Kommen Sie doch mit, dann erzähle ich Ihnen, wie es bei mir war. (begeistert)

Bettler: Meinen Sie wirklich?

Paul: Ja, natürlich.

(gehen los, treffen einen Christen)

Christ: Darf ich Ihnen ein Traktat anbieten?

Paul: Was ist denn das?

Christ: Es geht um die Geburt Jesu Christi.

Paul: Wie, glauben Sie an diese Geschichte?

Christ: Ja, natürlich. Das ist mehr, als eine Geschichte, Jesus kann auch heute in Ihren Herzen geboren werden.

Paul: Das habe ich selbst erfahren. Aber die anderen wollen nichts davon hören.

Christ: Dann sind Sie ja auch Christ. Aber lassen Sie sich nicht von der Reaktion der Menschen entmutigen, mein Freund. Denn genau wie Jesus damals von den Menschen nicht aufgenommen wurde, so wird er auch heute von ihnen verachtet.

Paul: Aber warum sind Sie dann noch hier auf der Straße und versuchen die Menschen zu erreichen, wenn letztere doch nicht darauf hören?

Christ: Weil Gott auch nicht aufgibt. Er will den Menschen erreichen und beauftragt uns, es für ihn zu tun. Es gibt immer noch Menschen, die Jesus aufnehmen. Denn wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu heißen.

ENDE

Die ihn aufnahmen

Das Weihnachtswunder

Das Weihnachtswunder

10 Personen

Autor: Am Freitagabend vor dem ersten Advent brachte Herr Jürgens einen Arm voll Tannengrün mit nach Hause. Als die Kinder zu Bett gegangen waren, sagte er zu seiner Frau:

Vater: Morgen werden wir den Adventskranz binden, da werde ich es den Kindern sagen. Einmal muss es doch gesagt sein, und je eher, desto besser. So gewöhnen sie sich an den Gedanken.

Mutter: Ich bin nur froh, dass du mir die Aufgabe abnimmst, es ihnen zu sagen.

Autor: Nickte Frau Jürgens mit einem Seufzen.

Am nächsten Tag saßen sie beisammen, der Vater mit seinen sechs Kindern und die Mutter mit einer Flickarbeit unter der Lampe. Karl, der jüngere der beiden Buben, sagte:

Karl: Wenn man den Adventskranz macht, ist bald Weihnachten.

Annette: ,,Ooch, dann dauert es noch eine ganze Weile. Ich wünschte, es wäre schon soweit.

Autor: Herr Jürgens hielt jetzt den geeigneten Augenblick für gekommen, er wechselte einen Blick mit seiner Frau, holte tief Atem und sagte:

Vater: Warum feiern wir eigentlich Weihnachten, Kinder?

Autor: Die Antworten überstürzten sich geradezu:

Weil es so schön ist!

Weil wir dann feiern!

Weil wir viele Plätzchen kriegen und Nüsse und lauter schöne Sachen was man sich schon lange gewünscht hat.

… und wegen dem Weihnachtsbaum!“

Autor: Der Vater hielt sich die Ohren zu.

Vater: Genug, Kinder, ich weiß Bescheid. An eines aber hat niemand von euch gedacht. Nun, Christel, was meine ich wohl?

Autor: Christel wurde ein bisschen rot und sagte:

Christel: Natürlich freuen wir uns, weil der Heiland geboren ist. Aber eigentlich freuen wir uns zu Weihnachten doch vor allem über die Geschenke.

Vater: Richtig, das ist leider nun einmal so. Meint ihr, ohne Geschenke gäbe es an Weihnachten nichts zum Freuen?“

Autor: Die Kinder zuckten die Achseln, sahen sich schweigend an. Die Mutter beugte sich tiefer über die Näharbeit.

Vater: Ihr antwortet mir nicht? Ich muss euch leider sagen, wir werden in diesem Jahr Weihnachten ohne Geschenke feiern. Ich will euch auch erklären, warum das so sein wird. Ihr Großen versteht das schon. Als wir im vorigen Jahr zusammen mit unserem Nachbarn Weber unser Haus gebaut haben, nahm ich bei meiner Firma ein Darlehen auf, um Weber zu helfen, der nicht genug hatte sparen können wegen seiner kranken Frau. Dieses Darlehen wird mir von meinem Lohn in Raten einbehalten. Der Nachbar wollte es mir in gleicher Höhe, wie es mir abgezogen wird, vom Lohn zurückzahlen. Aber nun ist er im Sommer verunglückt und ich war ein paar Wochen krank. So ist es gekommen, dass wir gerade nur das Nötigste haben. Für Geschenke bleibt nichts übrig, soviel Mutter und ich auch gerechnet und überlegt haben. Schulden machen für Geschenke, das gibt es bei uns nicht. Wir laufen auch nicht zur Fürsorge oder halten bei der Gemeindeschwester um Hilfe an. Wir leiden keine Not, auch wenn es keine Weihnachtsgeschenke gibt.

Schaut mich nur nicht so verstört an, Kinder, wir wollen froh und dankbar sein. Wir haben immer satt zu essen, eine warme Stube und sind gesund. Ihr sollt sehen, wir werden Weihnachten trotzdem fröhlich feiern, auch ohne Drum und Dran.

Autor: Nach einem beklommenen Schweigen fragte Rudi:

Rudi: Auch keinen Weihnachtsbaum?

Vater: Doch, einen Weihnachtsbaum sollt ihr haben, und Mutter wird auch wie in jedem Jahr Plätzchen backen.

Autor: Gretel war rot vor Ärger, als sie jetzt sagte:

Gretel: Aber das ist unrecht! Webers haben mit deinem Geld ihr Haus fertiggebaut, und wir sollen deswegen nichts zu Weihnachten bekommen!

Vater: Möchtest du, dass die schwächliche, junge Frau Weber und ihre lahme Schwiegermutter ausziehen müssen und nicht einmal wissen wohin, nur damit du dein Weihnachtsgeschenk hast?

Gretel: Das nicht, Vater, aber ungerecht ist es doch.

Vater: Die beiden Frauen sind schlimm genug dran, Weihnachten allein und in Trauer um den Verunglückten zu verleben. Die Sache mit dem Geld wird vom Siedlerverband geregelt, das geht mir nicht verloren. Nur dauert das eine Weile. Aber nun wollen wir nicht weiter davon reden, sondern unsern Adventskranz fertigmachen. Wenn Gott uns alle gesund erhält, wollen wir dankbar und zufrieden sein. Auf diese Weise kommen wir dazu, über den Sinn des Festes richtig nachzudenken. Das ist auch ein Gewinn.

Autor: An diesem Abend kamen die Kinder in ihren Schlafkammern nicht gleich zur Ruhe. Rudi und Karl schlichen sich zu den Mädchen hinüber. Die Sache mit den Weihnachtsgeschenken musste in aller Ruhe besprochen werden. Sie hockten auf Christels Bettrand beieinander und flüsterten erregt. Darüber erwachte Annette, sie richtete sich auf und sagte, nachdem sie ein Weilchen den Reden der Geschwister gelauscht hatte:

Annette: Was habt ihr nur, man muss es einfach dem Heiland sagen. Der kann alles.

Gretel: Ach, Spätzchen, Weihnachtsgeschenke macht der liebe Gott aber nicht. Da kannst du lange warten.

Annette: Ich habe aber gehört, wie Karl den Vers gelernt hat, „Unser Gott ist im Himmel, Er kann machen, was Er will.“

Karl: „Er kann schaffen, was er will“, heißt es.

Annette: Schaffen oder machen, das ist dasselbe. Wenn Er will, kann er auch Weihnachtsgeschenke schaffen.

Gretel: Er will aber nicht.

Annette: Warum nicht? Woher weißt du das? Gibt es dafür auch einen Vers in der Bibel?

Christel: Annettchen!

Autor: Christel, die ihre fünfjährige Schwester über alles liebte, nahm die Kleine in den Arm.

Christel: Der liebe Gott – ja – das ist nämlich so -.

Autor: Christel merkte, sie konnte nicht erklären, was sie selber nicht verstand.

Annette: Nun sag doch, wie ist das denn? Er hat doch damals den Wein gemacht bei der Hochzeit, und dann das mit den hungrigen Leuten, die alle satt wurden, fünftausend, das sind doch eine ganze Menge, nicht wahr? Und wir sind nur so ein paar.

Christel: Das war damals, als der Herr Jesus noch auf der Erde war.

Annette: Vater sagt immer, er ist auch jetzt noch bei uns.

Gretel: Annette, das verstehst du noch nicht.

Autor: Half Gretel ihrer großen Schwester aus der Verlegenheit.

Nein, Annette verstand es nicht. Am andern Tag wollte sie es vom Vater erklärt haben.

Annette: Vati, nicht wahr, in der Bibel steht, Gott kann machen, was Er will.

Autor: Christel stieß Rudi an. Wie würde sich der Vater herausreden? Sie wussten bereits, wie Annette jetzt weiterfragen würde.

Vater: Gewiss, das steht in der Bibel, und das ist auch so.

Annette: Na also, dann kann er auch machen, dass wir alle was zu Weihnachten kriegen.

Autor: Annette sah die Geschwister triumphierend an.

Vater: So meinst du das, hm. Wir haben schon etwas geschenkt bekommen, Annette. Gott hat uns seinen lieben Sohn geschenkt, und deshalb feiern wir Weihnachten.

Annette: Ja, und damit wir daran denken, bekommen wir etwas, weißt du, Vati, zur Erinnerung. Das haben wir bei der Sonntagschultante gelernt.

Vater: Wir können auch einmal ohne Geschenk daran denken, Annette, wir bekommen ja immerhin einen Weihnachtsbaum.

Annette: Ein Weihnachtsbaum ist sowieso immer da zu Weihnachten. Pass nur auf, wir werden schon alle was bekommen, glaubst du nicht? Ich glaub’s!

Autor: Dieses Gespräch verfolgte Vater und Mutter durch die nächsten Tage und Wochen. Sie wurden immer wieder daran erinnert. Annette unterhielt sich mit all ihren Bekannten darüber, und sie hatte viele Bekannte: den Milchmann, den Briefträger, die Verkäuferinnen im Lebensmittelgeschäft, ganz abgesehen von Fräulein Röder, der Sonntagschultante, die ihr in dieser Frage maßgebend war. Eines Tages erzählte sie ihrer Mutter:

Annette: Mutti, der Milchmann sagt, der liebe Gott, das wäre ein guter Mann, aber zu Weihnachten schenke er einem nichts. Das ist doch Unsinn.

Mutter: Wie kommt der Milchmann dazu, so etwas zu sagen?

Annette: Ich habe ihn gefragt, ob der liebe Gott wohl machen kann, dass wir alle etwas zu Weihnachten bekommen.

Mutter: Annette, das geht den Milchmann nichts an, ob und was wir zu Weihnachten bekommen. Erzähle das in Zukunft nicht bei den Leuten herum, hörst du?

Autor: Ein paar Tage später berichtete Annette:

Annette: Der Briefträger, Mutti, der weiß auch, der liebe Gott kann alles!

Mutter: Hast du etwa mit dem Briefträger darüber gesprochen, dass wir nur einen Weichnachtsbaum haben werden zu Weihnachten?

Annette: Nein, Mutti, ich habe ihn nur gefragt, ob er weiß, dass Gott alles machen kann.

Autor: In der Sonntagschule erklärte Fräulein Röder auf Annettes Frage, Gott könne gewiss alles machen, wir sollten nur beten, dann bringe Er alles zurecht.

Annette: Gut, dann werde ich beten!

Frl.Röder: Worum willst du beten?

Annette: Ich soll es niemandem sagen.

Autor: Fräulein Röder, die eine häusliche Sorge vermutete, gab dem Kind den Rat:

Frl.Röder: Gott kann alles zurechtbringen, Annette, ganz gleich, worum es sich handelt. Bete nur und vertraue.

Autor: Jubelnd kam das Kind mit dieser Botschaft nach Hause.

Annette: Man muss nur beten und vertrauen, dann kriegen wir alle etwas zu Weihnachten!

Mutter: Annette, wen hast du nun schon wieder gefragt?

Annette: Die Tante in der Sonntagschule, und die muss es ja wissen.

Mutter: Du hast ihr erzählt, wir hätten in diesem Jahr keine Weihnachtsgeschenke?

Autor: Fragte die Mutter bestürzt.

Annette: Nein, von Weihnachten habe ich kein Wörtchen gesagt.

Autor: Die Geschwister lachten über Annettes Beharrlichkeit, die Eltern aber empfanden sie als starke Belastung. Saßen sie abends allein beisammen, kamen sie immer wieder zu dem Ergebnis, Annettes Zuversicht würde enttäuscht werden.

Mutter: Könntest du nicht ein Schränkchen für die Kinder zimmern? Sie brauchen es so nötig. Karl und Rudi müssen unbedingt Schuhe haben, und ein bißchen Sperrholz für ein Puppenbettchen…

Vater: Nein, Mutter, du weißt, es wird mir schwer genug, die Zinsen für das vierte Quartal zusammenzubringen, dann kommen die Feiertage, an denen nichts verdient wird. Wir können nicht Annette etwas geben und die andern zusehen lassen.

Mutter: Aber in dem Kind wird innerlich etwas zerstört, wenn es Weihnachten enttäuscht wird.

Autor: Die Mutter wischte mit dem Handrücken über die Augen.

Vater: Wenn wir Weihnachten trotz allem froh und vergnügt beisammen sind, begreift das Kind vielleicht doch, wie wenig es auf Geschenke ankommt.

Mutter: Vergiss nicht, das Kind ist erst fünf Jahre alt.

Vater: Es steht geschrieben, Gott offenbart es den Unmündigen.

Autor: Der Vater, der so sprach, rang innerlich darum, Gott möge seinem kleinen Mädel den Glauben erhalten und die Zuversicht, die es so froh machte.

Am Montagmorgen, der Vater war zur Arbeit, die Geschwister in die Schule gegangen, da zog die Mutter Annette das kurze, schäbige Mäntelchen an und machte sich auf den Weg zum Einkaufen. Sie gingen die lange Straße in die Stadt hinein. Annette wagte keine Frage, das kleine Herz war schwer und traurig, weil sie nicht mit der Mutter darüber sprechen konnte, wovon sie ganz erfüllt war.

Der Weg war weit. Annette wusste, Mutter wollte in dem Laden einkaufen, wo alles billig war. In letzter Zeit ging sie immer dorthin. Sie kamen an die breite Straße, wo ein Laden am andern war. Wie schön alles im Spielzeugladen ausgestellt war! Annette sah die Mutter bittend an.

Annette: Darf ich dort gucken, solange du einkaufst?

Autor: Einen Augenblick zögerte die Mutter. Würden die Dinge im Schaufenster nicht erneut Wünsche wecken? Annettes Augen bettelten.

Mutter: Meinetwegen. Bleib aber am Schaufenster stehen, bis ich drüben aus dem Laden komme.

Autor: So stand das Kind und presste das Gesicht an die Fensterscheibe. Um diese Zeit war das Schaufenster noch nicht von Kindern belagert, und so konnte Annette alles in Ruhe betrachten, Puppen in rosa Kleidchen und in blauen und grünen, sitzend und liegend, mit Bubikopf und mit langen Zöpfen, die rechts und links über die Schultern hingen. Das Puppenhaus mit einer richtigen Treppe und einer Badestube, daneben eine Puppenschule und zwischen all den Herrlichkeiten eine Babypuppe – ein Traum von einer Babypuppe.

Mann: Suchst du dir etwas Schönes aus?

Autor: Annette sah zu dem Mann auf der hinter ihr ans Schaufenster getreten war. Es übermannte sie.

Annette: Dort, die Babypuppe –

Autor: Und dann fiel es ihr wieder ein, und sie sagte leise:

Annette: Aber wir bekommen nichts.

Mann: Wir? Wer ist das?

Annette: Vati, Mutti, Christel, Gretel, Karl und Rudi, Hella und ich.

Autor: Der Mann lachte auf.

Mann: Wie war das? Sag’s noch einmal!

Annette: VatiMuttiChristelGretelKarlundRudi,Hellaundich.

Mann: Hella und Rudi und wie sie alle heißen, sind das deine Geschwister?

Annette: Hmm.

Mann: Und wie heißt du?

Annette: Annette Jürgens.

Annette: Seid ihr nicht brav gewesen?

Annette: Doch – aber

Autor: Da fiel ihr ein, sie sollte ja niemandem etwas davon sagen.

Mann: Aber, Annette, was aber?

Autor: Das Kind warf mit einer herausfordernden Gebärde den Kopf zurück. Aus tiefstem Herzensgrund rief es aus:

Annette: Und ich glaube, wir kriegen doch etwas, weil der liebe Gott alles machen kann, was er will!

Mann: Da hast du recht, Kleine.

Autor: Der Mann nickte Annette zu und ging weiter. Gleich darauf war er zwischen den Leuten auf der Straße verschwunden.

Annette hätte gern mit der Mutter über das Erlebnis am Schaufenster gesprochen, aber die Mutter war auf dem ganzen Weg so ernst und eilig, da wagte sie es nicht.

Und dann war der Tag da.

Nach dem Mittagessen durften die Kinder nicht mehr in die Wohnstube, sie sollten den Weihnachtsbaum nicht vorher sehen. Diesmal war er recht klein, der Vater schmückte ihn jedoch mit größter Liebe und Sorgfalt.

Die Mutter gab sich Mühe, ruhig und heiter zu erscheinen. Die Kinder saßen in den Schlafkammern herum ohne Erwartung, ohne Freude. Sie sahen der Mutter an, es gab nichts als den Weihnachtsbaum. Nur Annette war fröhlich.

Annette: Ich freue mich! Ich freue mich!

Autor: Sang sie und ihre Augen strahlten.

(flüsternd zum Bruder)

Christel: Ich schenke ihr meine Puppe. Wenn sie nichts bekommt, fängt sie an zu heulen. Das halte ich nicht aus, dann heule ich mit.

Annette: Was flüstert ihr? Was habt ihr? Ach, wenn es doch schon dunkel wäre!

Autor: Sehr zeitig ging die Familie zur Weihnachtsfeier in die Kirche. Sie bekamen einen guten Platz. Annette schmiegte sich an die Mutter und zeigte auf die strahlenden Weihnachtsbäume.

Annette: Ist unser auch so schön?

Autor: Frau Jürgens konnte nicht sprechen. Heiß und hart saß es ihr in der Kehle. Die Kinder gaben sich redlich Mühe, mit der Gemeinde zu singen. Die sonst so hellen Stimmen klangen heute heiser und leise.

Wie Groß und Klein nach Hause drängte nach dem Gottesdienst!

Familie Jürgens hatte es nicht so eilig. Sie kamen früh genug an den leeren Tisch. Hier und da und dort sah man bereits die ersten Weihnachtsbäume hinter den Fenstern aufleuchten.

Vater: Wie gut ist es doch, wenn man ein Heim hat, ein Zuhause. Wir wollen von Herzen dankbar dafür sein.

Autor: Die Kinder wagten nicht, einander anzusehen. Annette aber fragte:

Annette: Vati, wir bescheren doch gleich, wenn wir nach Hause kommen?

Autor: Sie wirbelte davon, klinkte das Pfortchen auf und rief:

Annette: Kommt doch nur, schnell, ich halte es nicht mehr aus!

Mutter: Oh, das halte ich fast auch nicht mehr aus. Das Kind scheint wirklich zu glauben… .

Bringt eure Mäntel nach oben. Ich zünde inzwischen die Kerzen an.

Autor: Langsam, mit schweren Schritten, gingen die Kinder hinauf. Als sie die Treppe wieder herunterkamen, stand die Tür zum Wohnzimmer weit offen. Das warme Licht der Kerzen fiel in breitem Streifen auf den Flur. Da geschah das Merkwürdige.

Rudi erzählte später oft davon.

Rudi: Ich hörte, dass ein Auto vor der Tür hielt. Erst dachte ich mir nichts dabei, aber als die Wagentür knallte, kriegte ich so ein komisches Gefühl, musste schlucken und konnte keinen Schritt weitergehen.

Christel: Ja! (bestätigte Christel jedesmal)

Rudi: Mir wurden die Knie weich, weil ich Schritte auf dem Kies knirschen hörte – und dann schellte es schon.

Autor: Es schellte, noch während die Kinder auf der Treppe standen. Der Vater machte die Türe auf.

Mann: Bin ich hier recht bei Familie Jürgens?

Autor: Hinter einem großen Herrn erschien eine Frau. Beide waren angezogen wie alle Leute, da war kein Nikolausbart und kein Christkindsgewand. Aber beide hatten Pakete im Arm.

Sie blieben in der Wohnzimmertür stehen und die junge Frau begann zu singen:

Lied: „Vom Himmel hoch, da komm ich her…“

Autor: Alle sangen mit, zaghaft erst, dann immer fröhlicher und als das Lied zu Ende war, sagte der Mann:

Mann: Packt aus, Kinder!

Autor: Und er holte nochmals Pakete aus dem Wagen vor der Tür. Papier häufte sich, Kartons wurden zur Seite geschoben. Annette hüpfte von einem Bein aufs andere, den Traum einer Babypuppe auf dem Arm, und jauchzte immerzu:

Annette: Ich hab’s gewusst! Ich hab’s gewusst! Er kann machen, was er will!

Autor: Endlich konnte der Vater den fremden Herrn fragen:

Vater: Von wem haben Sie unsere Adresse? Und woher haben Sie gewusst…?

Mann: Das ist nicht schwer, eine Adresse zu bekommen. Man sieht ein kleines Mädel am Schaufenster stehen, fragt wie es heißt, und in zwei Lagen kann man alles weitere erfahren. Unsere bürokratischen Meldeämter haben auch etwas Gutes.

Christel: Wie haben Sie das nur so fein abgepasst? Wir wollten gerade in die Stube gehen.

Mann: Auch das war nicht schwer. Wir sind mit euch in der Kirche gewesen und sind euch dann mit einem kleinen Abstand gefolgt. Als wir draußen sahen, die Kerzen sind angezündet, da wussten wir, jetzt ist es soweit.

Vater: Sie haben uns einfach überrumpelt.

Mann: Ich glaube, das war auch nötig. Wenn ich erst lange gefragt hätte, darf ich Ihre Kinder bescheren, Sie hätten wohl kaum Ja dazu gesagt.Ich habe nur eine Bitte. Machen Sie kein Gerede davon. Meine Frau und ich, wir bescheren an Weihnachten immer eine kinderreiche Familie. Wenn man selber keine Kinder hat… .

Das Weihnachtswunder

Das Weihnachtsspiel mit einer Botschaft

          Das Weihnachtsspiel mit einer Botschaft

Autor: Auch dieses Jahr wurde es soweit. Bald war Weihnachten. In der kleinen Gemeinde liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Es musste ein Krippen­spiel mit den Kindern organisiert werden. Nach der Mitarbeiterbesprechung kam Vera nach Hause und sprach mit ihrem Mann Lucas.

Vera: Lucas, wir haben mit Onkel Jan und den anderen Mitarbeitern beschlossen, dass du dieses Jahr das Krippenspiel mit den Kindern einübst.

Lucas: Aber Vera, ich habe noch nie mit den Kindern gearbeitet, ich kann das nicht und außerdem hab ich wirklich nicht so viel Zeit, das weißt du doch.

Vera: Natürlich, ich weiß dass du sehr beschäftigt bist, das hab ich den anderen auch erklärt. Doch das kommt sicher daher, weil du so viele Talente hast. Du bist eben künstlerisch begabt. Und zudem, wer, wenn nicht du, sollte es sonst machen, du bist doch vom Fach, du bist Regisseur!

Lucas: Also gut… Aber wenn ich es mache, dann habe ich meine Bedingungen. Es muss viel besser werden, als in den letzten Jahren. Wir müssen es so anpacken, dass es perfekt aussieht.

Vera: Ja, sicher, sonst hätten wir dich ja nicht gefragt.

Lucas: Ich will eine gute Beleuchtung und vor allem eine gute Toninstallation, damit man auch ganz hinten im Saal versteht, was auf der Bühne gesprochen wird. Zudem müssen die Kostüme stimmen. Ich will keine Verkleidungsstücke mit alten Leintüchern. Ich will ein Weihnachtsspiel mit einer Botschaft!

Vera: Das ist genau das, was wir auch möchten. Ein Weihnachtsspiel mit einer Botschaft!

Autor: So war es geschehen, dass er, Lucas Weiß, Regisseur von einem Kinder­weihnachtsspiel wurde. Bei der ersten Besprechung zählte er gleich auf, was ihm alles wichtig war. Sie mussten damit rechnen, dass er alles ganz perfekt machen wollte. Er wiederholte, dass das wichtigste die Botschaft des Spiels sei. Alle waren damit einverstanden. Lucas wurde immer begeisterter. Vor allem, als er merkte, dass er ein paar ganz brauchbare Leute dabei hatte. z.B. Arnie, er war ein richtiger Tonfanatiker. Er kannte all die Tricks und Kniffe, dass man wirklich jedes Stimmchen im Saal hören würde. Er besorgte Lautsprecher und Mikrophone. Eine Sorge weniger für Lucas. Lucas wollte auch, dass die Kleidung der Kinder möglichst naturgetreu nachgemacht wurde. Eine riesige Arbeit, doch es würde sich bestimmt lohnen. Alle waren von Lucas’ Ideen begeistert. Alle, außer Onkel Jan, einem älteren Mann. Lucas fragte ihn.

Lucas: Onkel Jan, du sagst ja gar nichts. Findest du meine Vorschläge nicht gut?

Jan: Gut finde ich die eigentlich schon. Aber wir dürfen die Kinder nicht vergessen; die müssen es schließlich vorführen.

Autor: Ja, die Kinder! Als Lucas mit ihnen anfing zu proben, verlor er beinahe den Mut. 40 Jungen und Mädchen, die solch einen Lärm veranstalteten, dass man meinte, eine Revolution wäre ausgebrochen. Glücklicherweise war Onkel Jan da. Er studierte Lieder mit den Kindern ein und begleitete sie auf dem Klavier. Auf ihn hörten die Kinder, es gelang ihm ohne Mühe, die Schar zur Ruhe zu bringen. Nach einiger Zeit, mit viel Mühe, hatte Lucas die Rollen verteilt. Alle jene, die er nirgends unterbrachte, durften im Engelchor mitsingen. Doch ein Junge, der kleine Rene, sang so falsch, dass ihn Lucas zum Hirten ernennen musste. Lucas Begeisterung steckte schon bald die Kinder an. Es lag ihm viel daran, dass sie begriffen, was er von ihnen erwartete und was die Bedeutung des Spiels war. Oft wiederholte er:

Lucas: Kinder, ich möchte, dass ihr eins begreift: ich will ein Weihnachtsspiel mit einer Botschaft! Wisst ihr, was ich meine? Ich will, dass ihr so singt und spielt, dass die Zuschauer verstehen, warum Herr Jesus in diese Welt gekommen ist.

Autor: Lucas bekam immer mehr Spaß beim Proben mit den Kindern. Nur ein Kind bereitete ihm Sorgen – der kleine Rene. Nicht, dass er nicht gewollt hätte, aber im entscheidenden Moment schien er überhaupt nicht bei der Sache zu sein. So war es auch dieses Mal beim Proben: der Engelchor fing leise an zu singen und eigentlich wäre der Rene jetzt dran.

Lucas: Hirte, was träumst du? Ja, du Rene. Du bist wieder zu spät mit deinem Einsatz. Was musst du jetzt sagen? Na?

Rene: Ich sage, ich sage…

Lucas: (unterbricht)Du musst nur sagen: „Schaut, es wird hell!“

Autor: Doch es war hoffnungslos. Rene schaffte es einfach nicht. Nach der Probe sagte Lucas zu Onkel Jan.

Lucas: Ich werde Rene’s Rolle einem anderen geben müssen. Wie oft haben wir schon geübt. Er schafft es einfach nicht.

Jan: Nein, tu es nicht. Rene ist halt ein Träumer. Der Text macht ihm keine Mühe, und wenn schon. Vera ist ja da, sie kann es ihm sonst vorsagen.

Lucas: Aber ich will nicht, dass das ganze Spiel nur wegen einem Jungen verdorben wird.

Jan: Ach, komm schon, das wird schon gehen. Sonst müssen die anderen einfach weitermachen. Die Botschaft wird darunter schon nicht leiden.

Autor: Lucas musste sich geschlagen geben. Onkel Jan war wirklich jedes einzelne Kind wichtig. Eine Woche vor der Aufführung wurde Rene krank. Am Tag als die Probe stattfinden sollte, sagte ihm die Mutter.

Mutter: Rene, du bleibst heute zu Hause.

Rene: Nein, Mama, ich muss unbedingt hin. Das ist wahrscheinlich die letzte Probe und bei mir hat es noch nicht richtig geklappt. Der Lucas wird bestimmt wieder schimpfen.

Mutter: Eine einzige Probe zu verpassen ist bestimmt nicht so schlimm und du bist noch nicht ganz gesund. Ich werde dich schon entschuldigen.

Autor: Was die Mutter sagte, hielt sie auch ein. Rene musste da schon gehorchen, doch er war keineswegs beruhigt. Er wusste, dass er kein guter Schauspieler war. Eigentlich war er selbst schuld daran, und doch konnte er nichts dafür. Er wusste genau, was er beim Spiel sagen musste, doch wenn Onkel Jan auf dem Klavier spielte und die Kinder so schön sangen, vergaß er alles um sich her. Ihm war, als ob er echte Engel und Hirten sähe. Dann war er in Bethlehem und dachte an den Herrn Jesus. Und dann sollte er plötzlich etwas sagen, aber so schnell konnte er sich nicht erinnern und Lucas schimpfte jedesmal. Doch jetzt nahm er sich vor:

Rene: Bei der Aufführung wird es schon klappen. Wenn alle Leute zuschauen, dann werde ich mich ganz fest zusammenreißen und aufpassen. Ich will es richtig machen, damit alle Zuschauer verstehen, weshalb der Herr Jesus auf die Welt gekommen ist. Onkel Jan hat uns davon erzählt. Jesus ist gekommen, um in den Herzen der Menschen zu wohnen, aber die meisten wollten ihn nicht empfangen. Er fand nur Platz in einem Stall. Aber ich will den Herrn Jesus aufnehmen. Onkel Jan hat gesagt, wenn man ihn liebt, soll man ihn bitten, dass er ins Herz kommt. Dann tut Jesus das auch und bleibt für immer drin. Und Lucas sagt auch immer, dass das die Botschaft vom Weihnachtsspiel ist.

Autor: Weil der Rene nicht zur Probe kam, ersetzte ihn der Lucas durch einen anderes Jungen, der den Wirt spielte und es klappte ausgezeichnet. Dann kam der Abend des Weihnachtsspiels. Lucas war noch nie so nervös gewesen und es gab noch so viel zu tun. Die Bühnenbilder waren ein großer Erfolg. Alles sah so echt aus. Fast fühlte man sich 2000 Jahre zurückversetzt, in den Straßen von Bethlehem. Arnie hatte auch nicht zu viel versprochen, die Tonqualität war ausgezeichnet. Die Mikrophone waren so gut verteilt, dass man jedes Kind, das auf der Bühne etwas sagen musste, im ganzen Saal hörte. Kurzum, alles lief planmäßig. Dann strömten die erwartungsvollen Zuschauer in den Saal. Lucas war furchtbar aufgeregt. Er hatte alle Hände voll zu tun, die Kinder zu beruhigen. Zum Glück war Onkel Jan auch da. Und dann stand plötzlich Rene vor ihm. Lucas hatte gar nicht mehr an ihn gedacht, er war froh gewesen, ihn so einfach los zu sein. Mit großen, erwartungsvollen Augen schaute Rene Lucas an.

Rene: Hallo, Lucas, ich bin wieder gesund.

Lucas: Schön, Rene, aber ich musste deine Rolle einem anderen geben.

Rene: Aber, aber… ich kann es bestimmt…

Lucas: Das geht jetzt nicht. Setz dich zu den Zuschauern, dann kannst du alles genau sehen.

Autor: Rene’s Augen füllten sich langsam mit Tränen. In diesem Moment kam der Onkel Jan und sagte leise zu Lucas.

Jan: Das kannst du nicht machen. Schau dir doch den Jungen an. Seine ganze Welt bricht zusammen, er hat sich so auf diesen Abend gefreut.

Lucas: Und wenn es nicht klappt???

Jan: Dann geht die Welt auch nicht unter. Aber ich glaube, dass Rene es bestimmt schafft!

Lucas: Also gut. Er kann mitspielen, aber nicht als Hirte.
(zu Rene gewandt)Rene, hör gut zu. Den Hirten spielt Andreas, das kann ich jetzt nicht mehr ändern. Aber du kannst seine Rolle übernehmen, den Wirt der Herberge. Wenn Josef und Maria kommen und nach einem Nachtlager fragen, brauchst du bloß den Kopf zu schütteln. Hast du verstanden? Du hast es ja in den Proben oft genug gesehen. Du musst nur im richtigen Moment den Kopf schütteln.

Autor: Rene wurde blass, doch er konnte nichts mehr erwidern, denn Lucas war schon davon gerannt. Es gab ja noch so viel zu tun. Punkt um acht Uhr hob sich der Vorhang und das Stück begann. Alles klappte prima. Seitlich der Bühne stand Lucas und beobachtete. Die Kinder spielten ausgezeichnet und die Engel sangen wunderbar. Langsam beruhigte sich Lucas. Das mühsame, wochen­lange Proben hat sich gelohnt. Alles lief wie am Schnürchen. Maria und Josef kamen in Bethlehem an. Sie sahen wirklich so müde aus, als ob sie tagelang unterwegs gewesen wären. Sie klopften bei der Herberge an und der Wirt mit seiner Frau traten heraus.

Josef: Wir kommen von weit her und sind so müde, zudem bekommt meine Frau ein Baby. Haben Sie nicht einen Platz, wo wir für die Nacht bleiben können?

Autor: Wie versteinert stand Rene da, seine Augen vor Entsetzen geweitet. Er öffnete seinen Mund, als ob er etwas sagen wollte, brachte aber keinen Ton heraus. Die Spannung im Publikum stieg. „Nein“- flüsterte ihm die Vera zu, doch Rene reagierte nicht. Tränen rannten über seine Wangen, als er Maria und Josef anschaute. Dann rettete die Wirtin die Situation.

Wirtin: (laut)Nein! Wir haben kein Platz!

Autor: Sagte sie laut, packte Rene am Arm, zog ihn in die Hütte und schlug die Tür zu. Und dann hörte man herzzerbrechendes Weinen.

Rene: Ich kann ihn nicht draußen lassen! Ich will den Herrn Jesus nicht wegschicken!

Lucas: Oh nein, dieser Bengel! Das ganze Spiel hat er vermiest. Ich habe es gewusst. Und diese perfekte Toninstallation, jetzt hat jeder im Saal das Weinen des Jungen gehört. Meine ganze Arbeit ist umsonst…

Autor: Wütend wandte sich Lucas zu Onkel Jan, doch er brachte kein Wort mehr heraus, als er die Tränen in den Augen des alten Mannes sah. Dieser flüsterte:

Jan: Du wolltest ein Weihnachtsspiel mit einer Botschaft, dein Wunsch ist in Erfüllung gegangen…

Autor: Und jetzt erst bemerkte Lucas, wie still es im Saal geworden war, denn in allen Ohren klangen noch die Worte:

Rene: (mit Echo)Ich kann ihn nicht draußen lassen! Ich will den Herrn Jesus nicht wegschicken!

Das Weihnachtsspiel mit einer Botschaft

Das Weihnachtsgeschäft

                     Das Weihnachtsgeschäft

Sprecher 1: Die kleine Stadt war ganz in Weiß gehüllt und wirkte wie ein Märchendorf. Das brachte die Leute richtig in Stimmung. Mütter eilten noch einmal über den Weihnachtsmarkt und gingen bepackt wieder nach Hause. Einige Männer schleppten Weihnachtsbäume und sahen aus wie der Nikolaus. Die Kinder hatten ihren Spaß am Schnee, sie waren an diesem herrlichen Tag am Rodelberg anzutreffen. Nur in der Amselstraße sah man an diesem Tag am Fenster der Erdgeschosswohnung eine plattgedrückte Nasenspitze. Dani Dopsa war wohl der einzige Junge, der sich nicht im Schnee tummelte. Er saß am Fenster, schaute hinunter auf die Straße und beobachtete die Leute. Er kannte alle Einwohner der Amselstraße. Es war keine große Straße. An anderen Tagen hatte er den Vorübergehenden zugewunken oder einen Gruß aus dem Fenster gerufen. Heute hatte er keine Lust.

Dani ärgerte sich über die Leute. Wenn er in ihre frohen Gesichter sah, wenn er die Weihnachtsbäume anschaute, welche die Väter für ihre Familien nach Hause schleppten, wurde er ärgerlich und neidisch. Als dann eine Schar Kinder mit ihren Schlitten an seinem Fenster vorbeizog, da war es aus mit seiner Fassung. Eine dicke Träne des Ärgers und auch des Selbstmitleids rann über sein Gesicht.

Dani: Warum ist bei mir alles so anders? Warum kann ich nicht mit ihnen spielen?

Sprecher 1: Dieses „Warum?“ hatte ihn schon oft beschäftigt, aber Grübeleien nutzten nichts. Dani war gelähmt und er wusste, dass kein Arzt ihm helfen konnte. Er wusste, dass er niemals seine Beine würde gebrauchen können.

Früher, noch vor einem Jahr, war das nicht ganz so schlimm für ihn. Da wohnte Vati noch bei ihm. Er hatte immer lustige Späße auf Lager und spielte am Abend „Mensch ärgere dich nicht“ und „Elfer raus“ mit ihm. Dabei hatte Vati meist verloren. Und in der Adventszeit, da sägten sie miteinander Figuren aus und malten sie an.

Aber nun waren seine Eltern geschieden. Er sah den Vater nur einmal im Monat, und da war dann alles anders als früher, als sie noch eine Familie waren.

Dani: (sitzt und überlegt) (Seufzer)Ach, es ist wirklich schrecklich. Die anderen Kinder können jetzt draußen rumtoben, und ich… Und dazu auch noch die Sache mit Mama und Papa, einfach schlimm! Ich sitze hier den ganzen Tag nur herum und tue gar nichts… (Pause)Jaaa, genau! Jetzt weiß ich was mir fehlt. Ich brauche einen Freund – das ist es!

Sprecher 2: Ja, da hat Dani doch wirklich eine tolle Idee bekommen, einen Freund wollte er haben. Aber wie sollte er das anstellen? Bis jetzt hatte er doch keine Freunde. Und er konnte sich doch keinen einfach so mal zu Weihnachten wünschen! Doch auch für dieses Problem fand er eine Lösung.

Dani: Genau, so mach ich es. Ich werde aus meinem Goldpapier kleine Sterne ausschneiden, und auf die weiße Rückseite etwas draufschreiben. Und dann werfe ich die Sterne aus dem Fenster, wenn ich Kinder unter meinem Fenster bemerke.

Sprecher 2: Gedacht – getan. Schnell gab er seinem Rollstuhl einen Schubs und lenkte ihn zu seinem Schreibtisch. Nach einigem Kramen zog er ein Stück Goldpapier aus seinem Fach. Daraus schnitt er zwanzig kleine Sterne. Auf die weiße Rückseite schrieb er dann: „Ich suche einen Freund! Wer will mit mir spielen und basteln? Dani Dopsa, Amselstraße 1.“ Ob das eine gute Idee war?

Dann richtete er sich entschlossen in seinem Rollstuhl auf und steuerte zurück zu seinem Fensterplatz. Jedesmal, wenn er Kinderstimmen hörte, warf er einige Sterne aus dem Fenster. Er sah auch, wie sich Kinder bückten und seine Sterne aufhoben. Ein Junge winkte zu ihm herauf. Ein anderer aber zerknüllte den Stern und warf ihn in den Schnee. Dani war es, als würden sie ihn selbst in den Schnee werfen. Keiner wollte Freundschaft mit ihm haben. Wieder stieg Hass in seinem Herzen auf. Alle freuten sich auf Weihnachten, alle schmiedeten Pläne. Nur er saß traurig da.

Dani: (sitzt zunächst niedergeschlagen, schreckt dann plötzlich auf)War da nicht eben etwas? Ach ja, die Klingel. Ist es Mutti? Ach nein, kann nicht sein; sie kommt erst nach sechs Uhr!

Sprecher 2: Mit zittriger Hand nahm er den Hörer der Sprechanlage. Würde sich gleich sein neuer Freund anmelden? Bevor Dani sich zu erkennen geben konnte, hörte er eine fröhlich Stimme aus dem Hörer.

Stefan: Ist dort Dani Dopser? Hier spricht Stefan Köhler. Mach bitte auf, ich will mit dir basteln.

Sprecher 2: Kaum hatte Dani den Knopf gedrückt, da stand Stefan mit einem Koffer schon vor ihm.

Stefan: (begeistert)Dani, ich habe eine Idee! Wir beide starten eine Weihnachtsaktion.

Dani: (erstaunt)Eine Weihnachtsaktion?

Stefan: Ja, genau. In unserer Straße gibt es so viele Leute, die einsam und traurig sind, denen machen wir eine Weihnachtsfreude.

Sprecher 2: Der gelähmte Junge schaute erstaunt auf. Er hatte noch nie daran gedacht, dass außer ihm noch jemand traurig sein könnte.

Dani: (skeptisch)Und an wen denkst du?

Stefan: (ohne zu zögern)Genau gegenüber von dir wohnt Monika, sie hat den Fuß gebrochen. In Haus Nr. 5 wohnt Oma Lüdke, die bekommt fast nie Besuch; sie ist sehr einsam. In Nr. 7 ist eine Familie neu zugezogen, die fühlen sich bestimmt noch fremd…

Sprecher 3: Stefan sprudelte richtig über. Dann fertigten sie beide eine Liste an. Zehn Leute wollten sie überraschen. Weihnachtssterne, Tannenzweige, einen Goldengel und eine Karte mit einem Vers sollten die Leute bekommen. Als der Plan fertig war schaute Dani seinen Freund fragend an.

Dani: Stefan, wie bist du auf diese Idee gekommen?

Stefan: Weil ich selber traurig und einsam war. Ich wohne noch nicht lange hier. Meine Eltern sind auch geschieden. Weil meine Mama arbeiten geht, bin ich viel alleine. Ich tat mir immer Leid und dachte, ich wäre der ärmste Junge auf der Welt.

Dani: (reißt vor Erstaunen den Mund auf während Stefan redet, dann leise)Dem geht es ja genau wie mir! Und ich dachte, ich wäre der Einzige…

Stefan: Eines Tages las ich in meiner Bibel, dass Jesus in die Welt gekommen ist, um unser Freund zu sein. Ich bat ihn, dass er mir die Sünden vergibt und mich seien Liebe spüren lässt. Es ist in meiner Familie alles beim Alten geblieben – Vati kam nicht zurück, Mutter musste weiterhin arbeiten – aber Jesus gab mir Freude, als ich traurig war. Er hat mich auch daran erinnert, dass es noch mehr einsame Menschen gibt, die er froh machen will.

Sprecher 3: Dani wurde plötzlich still. Er hätte nie gedacht, dass dieser Stefan an Jesus glaubte. Er sehnte sich danach, Jesus ebenso als Freund kennen zu lernen. Als er wieder aufschaute, hielt Stefan ihm eine kleine Bibel unter die Nase. Er hatte die Weihnachtsgeschichte aufgeschlagen. Dani las die Geschichte, die er schon so oft gehört hatte. Aber diesmal war es anders. Es war, als würde während des Lesens Jesus mit ihm reden.

Stimme: „Dani, auch für dich kam ich zur Welt, auch für dich bin ich dann gestorben und für dich bin ich auch auferstanden. Ich verstehe dich, weil ich auch einmal einsam war.“

Sprecher 3: In Danis Herz zog Freude ein und er nahm sich vor, in der Adventszeit nicht an seine Sorgen zu denken, sondern an andere, die auch einsam waren. Sein zweiter Vorsatz war, in der Bibel mehr über Jesus zu lesen, weil er allein ihn froh machen konnte.

Sprecher 4: Aus Oma Lüdkes Küchenfenster zogen verheißungsvolle Düfte. Die alte Frau wirtschaftete mit hochroten Wangen in ihrer Küche. Ab und zu blieb sie stehen und warf einen Blick aus dem Fenster, dann ging ein verschmitztes Lächeln über ihr faltiges Gesicht. Sie musste an den Vorabend denken.

(Pause)

Es hatte plötzlich Sturm geläutet. Als sie zur Tür kam…

Oma: Wer ist da? Ist denn niemand da? Seltsam. Nanu, was glitzert denn da im Licht der Lampe? O, ein kleiner Goldengel auf einem Tannenzweig mit vielen goldenen Sternen um sich herum! Wie niedlich!

Sprecher 4: Ja, so entdeckte Oma Lüdke die Weihnachtsüberraschung der beiden Freunde. Tränen traten ihr vor lauter Freude in die Augen. Es hatte jemand an sie gedacht, an sie, die alte, einsame Oma. Als sie dann im Lehnstuhl saß und die Karte las, musste sie an ihre Kindheit denken.

Oma: Ich habe vergessen, dass Jesus der Grund meiner Weihnachtsfreude ist. Ich habe nicht mehr daran gedacht, dass er auch für mich, eine alte, einsame Frau, in diese Welt gekommen ist.

Sprecher 4: Plötzlich zog eine große Freude in ihr Herz. Sie faltete die Hände und dankte dem Herrn Jesus, dass er auch für sie gekommen war.

Dann hatte sie eine Idee. Mit großen, zittrigen Buchstaben schrieb sie ein Plakat und heftete es an ihren Gartenzaun. Die Vorübergehenden schauten es staunend an. Einige schüttelten den Kopf, andere sagten: „Ich glaube, Oma Lüdke wird wunderlich.“ Die Leute konnten den Satz nicht verstehen. Nur einer, ein hochgewachsener Junge, schaute drauf und wusste Bescheid. Es war Stefan Köhler. Auf dem Plakat stand nämlich: „Ich suche meinen Weihnachtswichtel.“

Stefan, der ja selbst der Weihnachtswichtel war, ließ Oma Lüdke lange warten. Er musste zuerst Dani Dopsa Bescheid sagen, und dann wollte er warten, bis es schon etwas dunkel geworden war. Die Sache musste vorsichtig angepackt werden, er durfte von niemandem in der Amselstraße als Weihnachtswichtel erkannt werden.

Oma Lüdke schaute den ganzen Tag aus dem Fenster. Sie wollte schon die Hoffnung aufgeben. Endlich, kurz vor 6 Uhr, klingelte es.

Stefan: (lächelnd)Hallo, ich bin Ihr Weihnachtswichtel, aber nicht ich alleine, Dani Dopsa gehört auch dazu. Bei dem Glatteis konnte er aber nicht mitkommen.

Oma: Macht nichts, Stefan. Aber komm nur herein. Du kannst es dir nicht vorstellen, wie froh ich über euer Geschenk bin! Wie lieb von euch, dass ihr an so eine einsame, alte Frau denkt.

Stefan: Ja, wir haben uns vorgenommen, in der Adventszeit in diesem Jahr möglichst vielen Leuten eine Freude zu machen.

Oma: Das ist aber fein!

Stefan: Mh, das riecht aber lecker! Da läuft einem ja das Wasser im Mund zusammen.

Oma. Findest du wirklich? Hier, die sind für euch.

Sprecher 4: Mit diesen Worten stellte Oma Lüdke drei große Dosen, gefüllt mit goldgelben, köstlich duftenden Weihnachtssternen vor ihn auf den Tisch. Über das alte Gesicht ging dabei ein Strahlen, und bevor Stefan etwas fragen konnte, erklärte die Frau ihr Handeln.

Oma: Ich will in euren Wichtelclub eintreten. Nimm die Sterne mit und verschenkt sie weiter. Wenn ihr noch etwas braucht oder ich irgendwie helfen kann, dann gib mir bitte Bescheid.

Mit schnellen Schritten eilte Stefan zu Dani, jetzt gab es viel Arbeit. Sie mussten ihre Liste erweitern, neue Karten schreiben; ihr Weihnachtsgeschäft lief auf Hochtouren.

Das Weihnachtsgeschäft

Große Freude

Große Freude

Erzähler:Ganz oben unter dem Dache des großen hohen Hauses wohnte der Arbeitgeber Christoph Heine. Er lebte in sehr bescheidenen Verhältnissen, doch half ihm seine Frau soviel verdienen, dass sie und die drei Kinder keinen Mangel litten. Sie waren fromm und zufrieden und darum auch glücklich. Christoph Heine war in einem großen Kaufmannshause als Arbeiter angestellt; er hatte meistens auf der großen Diele zu tun.

Eines Tages war sein Herr längere Zeit dort anwesend und als er fortgegangen war, kehrte er nach kurzer Zeit wieder zurück, nicht ohne gewisse Erregung.

H Schwarz:Heine, haben Sie meine Brieftasche nicht gesehen? Sie muss mir aus der Jacke gefallen sein. Ich habe wichtige Papiere darin, und es würde mir sehr unangenehm sein, wenn es verloren wäre.

Heine:Nein ich habe nichts gesehen.

H Schwarz:Bitte, suchen Sie überall, ich setze einen Finderlohn von 20 Mark aus.

Erzähler:Ein anderer Arbeiter, Johann Born, kam dazu; er wusste auch von nichts. Unmutig ging Herr Schwarz fort. Alle Leute im Hause suchten, aber vergeblich. Born war einer der eifrigsten. Er war ein noch junger Mann und stand in besonderer Gunst bei seinem Arbeitgeber. Schließlich flüsterte er diesem zu:

Born: Es müsste jemand die Brieftasche genommen haben, anders ist es nicht möglich.

Erzähler:Herr Schwarz erschrak und sah ihn forschend an; aber er begegnete dem Blick freimütig. Es war in dem Augenblick sonst niemand da als Heine. Herr Schwarz wusste, dass es ihm schwer war, seine Familie durchzubringen. Er ließ Heine in sein Zimmer kommen und sprach offen und ernst mit ihm. Christoph Heine blieb dabei, er hätte nichts gefunden und genommen. Herr Schwarz verlangte, dass die Taschen der Arbeiter untersucht würden. Es geschah und – die Brieftasche, ohne Inhalt, wurde in Heiners Tasche gefunden.

H Schwarz:Geben Sie das Geld heraus, es waren 3.000 Mark darin, dann will ich die Sache unterdrücken, und Sie können sich anderswo Arbeit suchen.

Heine:Ich weiß wirklich nichts davon.

Erzähler: So musste das Gericht einschreiten und Heiner saß seit drei Wochen im Gefängnis. Ach, was für eine schwere, harte Zeit war das für seine Frau Sophie gewesen, und auch ihr ältestes Töchterchen, die elfjährige Christel verstand schon, wie bitter diese Trübsal war, während sich der siebenjährige Jakob und die zweijährige Hanne nicht weiter beunruhigten, und sich in ihren Weihnachtshoffnungen nicht stören ließen. Die Kleinen waren schon zu Bett gebracht, nun saß Christel mit der Mutter bei der Lampe, und beide nähten eifrig; Frau Sophie, um eine versprochene Arbeit zu beenden, und Christel, um Hannes Puppe ein neues Kleid zu machen. Beide schwiegen bis Christel merkte, dass die Mutter sich verstohlen die Tränen abwischte. Da sprang sie auf, umarmte sie stürmisch und rief:

Christel:Mutter, weine nicht, du sollst sehen, der liebe Gott gibt uns zu Weihnachten unseren lieben Vater wieder. Sechs Tage sind es noch bis heilig Abend, dann ist er hier!

Sophie:Mein Liebling, wir wissen nicht, ob Gott uns nicht noch länger prüfen will.

Christel:Aber Mütterchen, es ist ja Weihnachten, und alle Menschen sollen froh sein; die Lieder, die wir lernen, sind auch so fröhlich, und unsere Lehrerin sagte heute, das Wort:

Siehe, ich verkündige euch große Freude!“ gilt allen Menschen. Dabei habe ich wohl daran gedacht, dass dem lieben Christkind diese Freude gelten soll; aber ich habe immerfort gebetet, dass die große Freude auch zu uns kommen möge, unseren lieben Vater wieder zu haben.

Erzähler:Ehe die Mutter etwas erwidern konnte, klopfte es, und der Arbeiter Born trat ein. Er setzte sich zu Mutter und Tochter an den Tisch und fragte, wie es ihnen ginge. Frau Sophie hatte Strümpfe für ihn gestrickt, er kam um sie zu bezahlen. Prahlend klopfte er auf seine volle Geldtasche und erzählte, er wolle, so bald es anginge, nach Amerika fahren, hier in Deutschland sei für einen armen Menschen nichts mehr zu machen. Frau Sophie sah verwundert auf seine gefüllte Geldtasche und ihre Augen wurden immer größer als er sie öffnete und viele Goldstücke darin waren. Als Born ihrem Blick begegnete, wurde er verlegen:

H Born: Ich habe Glück gehabt, viel Geld gewonnen. Sind Sie in der Not? Ich gebe Ihnen etwas ab.

Sophie: Ich danke Ihnen, aber wir vertrauen auf Gott. Er bringt uns schon durch.

Erzähler: „O, wie schade“ dachte Christel, und Born, der ihre Gedanken erraten hatte, wandte sich an sie, legte einen blanken Taler vor ihr auf den Tisch und rief lachend:

H Born: So Kleine, dafür kaufst du dir etwas zu Weihnachten, auf den Vater könnt ihr nicht rechnen.

Christel:Vater ist bis zum Fest wieder bei uns und für dieses Geld will ich ihm etwas Schönes kaufen. Darf ich, Mutter?

Sophie: Ja .

H Born: Ich komme aus einer vergnügten Gesellschaft und muss jetzt noch zu anderen Freunden.

Erzähler:Frau Sophie war froh, als er fort ging. Sie leuchtete ihm die Treppe hinab, und als sie zurückkam, rief Christel ihr entgegen:

Christel:Mutter, denke doch nur, so viel Geld! Nun können wir einen Tannenbaum kaufen, Jakob kann ein Pferd bekommen, und Hanne eine neue Puppe; für dich besorgen wir auch etwas. Das meiste aber geben wir für Vater aus. Wird er sich über ein Paar Filzpantoffeln freuen? Oder sind sie zu teuer?

Sophie: Aber Christel, der arme gute Vater ist ja nicht hier.

Christel:Mutter, er kommt, du sollst es sehen, er kommt gewiss.

Erzähler:Frau Sophie setzte sich schweigend an die unterbrochene Arbeit, dabei fiel ihr Blick auf das Geldstück. Sie nahm es und besah es genauer, es war ein über 200 Jahre alter Taler. Sie wurde aufmerksam, den hatte Born kein Kaufmann gegeben. Ein schreckhafter Gedanke durchzog sie. Woher hatte er die vielen Geldstücke, die sie in seiner Geldtasche gesehen hatte? Diese Nacht fand sie keinen Schlaf, und als Christel am nächsten Mittag aus der Schule kam, eilte sie mit dem Taler fort. Hastig strebte sie vorwärts, bis sie vor dem Hause des reichen Handelsherrn Schwarz stand. Nun wollte ihr der Mut doch sinken, aber sie flehte in ihrem Herzen um Kraft und klopfte an die Tür des Kontors. Als sie sagte, dass sie Herrn Schwarz sprechen möchte, richteten sich viele neugierige Blicke auf sie. Der Kaufmann selbst aber winkte ihr, ihm zu folgen in das kleine Zimmer nebenan.

H Schwarz:Sie sind die Frau des Heine, der wegen Diebstahl im Gefängnis ist, nicht wahr?

Sophie:Mein Mann ist unschuldig.

H Schwarz:Sind sie in Not? Ich will Ihnen gerne helfen.

Sophie:Nein, darum kam ich nicht, sondern Sie zu fragen, ob dieses alte Geldstück Ihnen gehört?

H Schwarz:Ja, es war mit in der Brieftasche. Es war meine Gewohnheit, diesen Erbtaler immer bei mir zu tragen, woher haben sie ihn?

Erzähler: Frau Sophie erzählte, was sich gestern Abend zugetragen hatte. Mehr als einmal wollte Herr Schwarz sie unterbrechen, aber er bezwang sich. Als sie beendet hatte, ging er mit großen Schritten im Zimmer auf und ab; er sah sehr ernst aus. Endlich blieb er vor der Frau stehen und reichte ihr die Hand.

H Schwarz:Überlassen Sie mir die Sache, es liegt niemanden mehr daran als mir, die Wahrheit zu erfahren. Ich werde Ihnen Bescheid geben.

Erzähler:Frau Sophie ging fort, froh wie seit langen nicht mehr. Sie vermochte jetzt wieder zu hoffen. Herr Schwarz hatte ihr den Taler eingewechselt und ihr dafür zwei gegeben. „Das ist er Wert“ sagte er, und sie dankte Gott dafür.

Einen Tag nach dem andern wartete Frau Sophie nach Antwort, aber vergeblich, sie bekam nichts. Christel wurde immer fröhlicher. Sie sang bei der Arbeit und machte Pläne für die Festtage. Der ersehnte Weihnachtstag kam, die Geschenke waren alle eingekauft und sie hatten immer noch keine Nachricht von Herrn Heine. Frau Sophie seufzte – nun wurde ihres Kindes hoffen doch zu Schanden. Die Dämmerung brach herein Christel sang mit den Kleinen: “Ihr Kinderlein kommet“ und die Mutter zündete den Baum an. Jetzt merkte sie, wie sehr sie gehofft hatte, ihres Kindes Zuversicht möchte sich erfüllen – aber es war vergeblich gewesen. Sie faltete die Hände und bat Gott um Kraft und Geduld. Nun kamen die Kinder herein, jubelnd und frohlockend als gäbe es keine Schmerzen auf der Welt, Christel sagte:

Christel:Mutter, er kommt. Lasst uns erst singen: O du fröhliche, o du selige, Gnadenbringende Weihnachtszeit.

Erzähler: Als sie geendet hatten wurde langsam die Tür geöffnet, und auf der Schwelle stand der Erwartete. Wie ein Jubelruf klang’s durch den engen Raum. Dann empfing der blasse Mann die Seinen, und Freudentränen flossen in seinen Bart.

Herr Schwarz hatte die Sache sogleich mit großem Ernst in Angriff genommen, und Born hatte zuletzt seine Schuld gestanden, nachdem er erst frech und anhaltend seine Unschuld beteuert hatte. Er hatte die Brieftasche gefunden, geleert und dann in Heines Ledertasche gesteckt. Herr Schwarz hatte gewünscht, dass Heine am heiligen Abend zu den Seinen zurückkehrte und hatte persönlich darum gebeten. Da Born nicht mehr leugnete, war die Angelegenheit bald erledigt, leider hatte er von den 3.000 Mark schon 1.000 verschwendet, aber Herr Schwarz bekümmerte das weniger, als dass ein Unschuldiger gelitten hatte. Christoph Heine sollte nach dem Feste mit erhöhtem Tagelohn in seine alte Stellung eintreten. Als er kaum zu ende mit seiner Erzählung war, hörten sie draußen ein Stampfen und Rumoren, und dann wurde die Tür aufgerissen. Zwei der früheren Kameraden von Heine riefen fröhlich:

Kamerad:Besten Glückwunsch und Empfehlung von Herrn Schwarz, er schickt etwas zum heiligen Christfest.

Erzähler:Die Männer schüttelten einander die Hände, Dann eilten die Fremden wieder davon. Nun ging’s an ein Auspacken, die Freude und der Jubel wollten kein Ende nehmen, an alles hatte der gute Herr Schwarz gedacht. Da waren Kleiderstoffe und Lebensmittel, Spielsachen und Bücher. Es war allen als träumten sie, das schönste war und blieb aber doch, dass der Vater wieder da war. Heute abend wurde ein Festmahl hergerichtet und dann gingen die Kleinen zu Bett, Christel aber durfte noch aufbleiben.

Christel: Ich habe es gewusst, dass du kommst!

Heine:Sage noch einmal den Weihnachtsgruß auf.

Christel: Siehe, ich verkündige euch eine große Freude,

Heine:Große Freude! Große Freude! Herr Gott, sei hochgelobt in Ewigkeit!

Große Freude

Friede auf Erden

Friede auf Erden

Wolfgang: Wenn doch die Glocken endlich schwiegen. Mich macht dies lange Läuten nervös. Warum muss auch der Weihnachtsabend mit so viel Kling Klang beginnen?

Sprecher: Wolfgang Heller ging rastlos in seinem Zimmer auf und ab.

Wolfgang: Der Weihnachtsabend – mit welch andren Gefühlen begrüßte ich ihn in früheren Jahren?!

Sprecher: Einst, früher – ja, da war es anders. Wie lebte er froh mit seinem Bruder in ihrem kleinen Elternhause. Ob’s noch so arm und bescheiden war, wie freuten sie sich, wenn zu Weihnachten zwölf kleine Lichter am kleinen Tannenbäumchen strahlten. Es gab oft nur ein Taschentuch und eine Mütze oder ein Pfefferkuchenherz. Dann nahm der Vater seine Bibel. Er las aus dem Lukasevangelium von der Geburt Jesu Christi. Sie sangen frohe Weihnachtslieder. Vorbei die Zeit, vorbei die Jugend. Der Arnold kam zu einem Meister als Lehrling. Wolfgang ging zu einem Kaufmann. Da starben der Vater und die Mutter in einem Jahr nacheinander. Und dann, dann kam der Tag, an dem Wolfgangs Leben plötzlich anders wurde. Als er den Wagen seines Lehrmeisters mit den wilden Pferden auf der Straße zum stehen brachte und so den Kaufmann von dem Tode errettete. Er wollte sich dankbar beweisen. Als Großkaufmann war ihm das möglich. Ausbilden ließ er ihn in allem, was man zum tüchtigen Kaufmann bedarf. Wolfgang lernte leicht. Der Kaufmann zog ihn näher. Bald wurde er ihm unentbehrlich. Und als Wolfgang ein paar Jahre später um die Hand seiner Tochter bat, gab er von Herzen seinen Segen. Wolfgang war Teilhaber des Geschäfts, wurde reich und überhob sich. Wie freute sich sein Bruder mit ihm, als es anfing ihm gutzugehen. Wie neidlos sah sein Bruder, wie es Wolfgang glückte. Er selbst sprach immer seltener mit seinem Bruder. Wolfgang schämte sich des schlichten Jünglings. Als der Bruder es merkte, blieb er von ihm ferne. Nur hin und wieder, wenn er hoffte ihn ganz allein zu treffen, kam er.

So kam Wolfgangs Hochzeitstag. Wolfgang hatte seinen Bruder nicht eingeladen. Als sie beim Hochzeitsmahl saßen, kam ein Diener und bat Wolfgang leise hinaus zu kommen. „Draußen warte ein Mann, der ihn zu sprechen wünsche.“ Wolfgang ging hinaus. Da stand sein Bruder Arnold vor ihm. Der Schmerz durchzuckte die Züge des Bruders und Bitterkeit lag in der Stimme. Das sah Wolfgang damals nicht. Er sah ja nur den schlichten Mann in seiner Arbeitskleidung. Wolfgang ließ ihn abblitzen. Er wollte nichts mit ihm zu tun haben. Seit diesem Tag haben sich die beiden Brüder nie mehr wiedergeseh’n.

Wolfgang: Ich gelte viel, bin angesehen, doch ach, was nützt mir der ganze Reichtum? Wer wird das erben wenn ich tot bin? Vier Kinder blühten mir im Hause und alle vier habe ich begraben. Das letzte nur vor einem Jahr. Doch damit war es nicht genug. Meine liebe Frau verzehrte sich an den Sorgen – vor einem Monat. All mein Reichtum, mein größtes Glück ruht auf dem Kirchhof. Wie bettelarm bei all dem Reichtum! Verloren – alles was ich hatte.

Joachim: Ach, gnädiger Herr.

Wolfgang: Was willst du, Joachim? Ich möchte heute ganz allein bleiben und wünsche nicht gestört zu werden.

Joachim: Der Pfarrer möchte sie gerne sprechen.

Wolfgang: Der Pfarrer? Oh, das ist was anderes. Lass ihn herein!

Pfarrer: Guten Abend, Herr Heller!

Wolfgang: Guten Abend, Herr Pfarrer! Bitte kommen sie herein.

Pfarrer: Sie wundern sich, dass ich heute komme.

Wolfgang: Ja, wirklich sehr, das muss ich sagen. Sicher führt sie etwas Besonderes her zu mir.

Pfarrer: Da haben sie ganz recht geahnt. Darf ich ganz offen sein, Herr Heller?

Wolfgang: Ich bitte sehr.

Pfarrer: Nun, dann, ich möchte, dass sie mal ihre Hand aufmachten und tief in ihre Geldtasche griffen. Mir fehlt noch so etwas für zwei Familien.

Wolfgang: Ich hab für keinen mehr zu sorgen. Wie viel?

Pfarrer: Nein, sie sollen selber mit mir gehen. Sie sollen erst das Nötige kaufen und es dann selbst den Armen bringen. Es taugt nicht wenn, sie am Weihnachtsabend hier allein zu Hause sitzen. Sie sollen kommen, Freude machen und selber dabei stille werden.

Wolfgang: Herr Pfarrer, rühren sie die wunde Stelle heute nicht an. Ich kann es nicht. Das Schicksal ist zu hart gewesen.

Pfarrer: Wie sagten Sie? Das Schicksal? Glauben Sie wirklich noch an Schicksalsschläge?

Wolfgang: Woran denn noch? An Gott vielleicht? Herr Pfarrer, das ist längst verlernt. Ist er ein Gott der Liebe, wie sie es so schön der Gemeinde sagen? Wie kann er mir dann alles nehmen, mein ganzes Glück in Trümmern werfen? Nein, nein, ich bitte, dass sie schweigen und mich mit dem Unsinn verschonen. Wie viel brauchen Ihre Armen?

Pfarrer: Sie sind fürwahr der Allerärmste und brauchen als erster Hilfe. Und wenn Sie mir zehnmal hießen schweigen, will ich dennoch reden. Sie sind vom Irrtum stark geblendet. Für Sie ist Gott kein Gott der Liebe, nein. Nur der Heilige, der Gerechte, der unerbittlich die Sünde straft…

Wolfgang: Herr Pfarrer…

Pfarrer: Nein, ich bin nicht fertig. Ich will versuchen Ihre Augen einmal der Wahrheit zu öffnen. Wer war’s, der sich von Gott gewendet, als ihm das Glück so günstig wurde? Auf einmal ging das nicht, Herr Heller. Das ging allmählich, ganz allmählich. Ich bin ein alter Mann. Sie wissen, ich kannte sie und Ihre Eltern. Da war noch Gottesfurcht im Hause. Sie und Ihr Bruder Arnold konnten beten und traten betend in das Leben. Dann aber wurde dies anders; ich habe alles wohl gesehen. Und nun, da Sie scharf geschüttelt, da kommen Sie mit solchen Reden: „Wenn Gott ein Gott der Liebe wäre, dann hätte er so nicht gehandelt!“

Und noch eins will ich Sie mahnen: Erinnern Sie Sich, wie Sie es vor Jahren mit ihrem Bruder machten?

Wolfgang: Herr Pfarrer, reden Sie nicht weiter! Wahr ist ja alles, was Sie sagen, und mein Gewissen hat es mir ja auch schon lange gesagt, doch ach, ich wollte die Stimme nicht hören.

Pfarrer: Ja, ja, da musste Gott Sie strafen. Und so ist’s dennoch lauter Liebe, dass er Sie so schwer geschlagen hat. Hier gilt die Rettung Ihrer Seele. Und wenn Sie nicht jetzt zu ihm eilen, dann fürchte ich, dass Sie auf ewig verloren gehen.

Wolfgang: Wie Schuppen fällt’s mir von den Augen. Gott hat Sie heute zu mir gesandt. Ich muss mit Gott in Ordnung kommen. Lassen Sie mich jetzt allein!

Pfarrer: In einer Stunde komme ich wieder. Dann gehen wir zu meinen Armen! Auf Wiedersehen, Herr Heller.

Wolfgang: Auf Wiedersehen, Herr Pfarrer.

(Der Pfarrer geht)

Joachim: Sie gehen schon? Bitte hier ist Ihr Mantel.

Pfarrer: Nun Joachim, falte nur weiter Deine Hände und bete für Herr Heller.

Joachim: Geht er nicht mit, Herr Pfarrer?

Pfarrer: Natürlich geht er mit. Ich hole ihn in einer Stunde ab.

Joachim: Ich mache mir große Sorgen, ob unser Plan gelingen wird.

Pfarrer: Gott bahnt sich selbst seine Wege. Er wird auch dies zum Ziele führen.

Szenenwechsel (Musik)

Alfred: Huh, bitterkalt ist doch der Abend, ach ja, und wir haben nichts zum Heizen.

Harald: Still Alfred, mach den Vater nicht traurig.

Karl: Nein sieh‘, wir müssen Gott noch danken, dass Vater gesund geworden ist, und dass wir noch so viel haben, dass Mutter uns noch Suppe kochen kann.

Vater: So war’s recht gesprochen Karl. Ja Kinder, wenn es trübe geht, und wir auch etwas frieren müssen, doch können wir noch herzlich danken, dass uns der Herr bisher versorgte. Er wird auch weiterhelfen. Vertraut ihm nur, so, wie ich ihm traue, ohne zu wanken. Und denkt an das, was ich euch heute, bei der Morgenandacht gesagt habe. Ich kann Euch nichts schenken, obwohl wir auch Weihnachten haben.

Harald: Ach Vater, der Heiland schenkt sich ja uns allen.

Karl: Ja, ja, auch ohne Gaben kann Weihnachten gefeiert werden.

Alfred: Ich wünsche mir nur eines vom Heiland.

Vater: Nun mein Sohn, und was ist das?

Alfred: Ich möchte zu einem Kaufmann in die Lehre gehen.

(Musik)

Karl: Wie konntest du so etwas sagen? Du weißt doch, was Mutter uns von Vaters Bruder sagte!? Du weißt, dass er ein Kaufmann war, und dann so hart und stolz geworden ist.

Alfred: Ich dachte nicht daran. Dann hätte ich’s sicher nicht gesagt.

(Musik)

Sprecher: Die drei Jungen waren durch die Not in der Familie sehr eng verbunden. Sie liebten den Vater und wollten nichts tun, was ihn hätte kränken können. Gerade dieser Weihnachtsabend durfte durch nichts gestört werden. Karl, Alfred und Harald folgten willig dem Ruf zum Abendessen. Niemand bemerkte, dass sich die Haustür öffnete, und drei Männer leise das Wohnzimmer betraten. Es waren der Pfarrer, Herr Heller und der Diener Joachim.

Pfarrer: Das trifft sich gut. Sie sind wohl alle drüben, bei ihrem schlichten Abendessen. Da können wir den Tisch schön aufbauen. Doch nur leise, dass sie uns nicht hören.

Wolfgang: Zu zwei Familien nur, Herr Pfarrer, führt uns der Weg am heutigen Abend?

Pfarrer: Jawohl, zu zwei nur Herr Heller. Die erste war die arme Witwe mit ihrer Tochter. Und ich denke, dass reut Sie nicht.

Wolfgang: Nein, wirklich nicht. Und was ich der Mutter versprochen habe, will ich halten. Das Mädchen soll was Tüchtiges lernen. Ich werde treulich dafür sorgen. Und was sind dies nun für Leute, zu denen wir jetzt gekommen sind?

Pfarrer: Das ist ein Mann, wie kein anderer, den ich schon viele Jahre kannte. Er wohnte früher hier am Ort. Als junger Mann war er still und fleißig und ging bescheiden seines Weges. Viel schweres hat er dann erfahren, das ihm das Leben hier verbitterte. Da zog er fort, blieb lange Jahre dort, weitab, und ist seit kurzem mit Frau und Kindern heimgekehrt. Da kam die Not an ihre Türe. Und gerade da erfuhr ich’s, dass sie wieder hier in der Nähe wohnten. Als ich hinkam, hat mir der Mann erzählt, was Sie von mir jetzt hörten. Für’s erste konnte ich ja helfen, doch hoffe ich jetzt auf Ihre Hilfe.

Wolfgang: Wie heißt der Mann?

Pfarrer: Er hat drei Söhne, drei prächtige Söhne, fromm, stets offen im Blick und Wort und allem Wesen. Seine Frau ist eine tüchtige Hausfrau. Und was das schönste von allem ist: Gottesfurcht herrscht im Hause, Gebet und fester Glauben an unseren Heiland Jesus Christus. Es sagte mir der Mann erst gestern, dass er ganz fest auf Gott vertraue, und dass er sicher sei, Gott werde zur rechten Zeit auch ihnen helfen.

Wolfgang: Dem Mann muss geholfen werden.

Pfarrer: Mag Gott dazu Ihr Herz bewegen.

Wolfgang: Herr Pfarrer, noch sind wir hier allein. Ich möchte Ihnen noch etwas sagen. Und du Joachim, auch du sollst hören.

Sprecher: Und dann erzählte Wolfgang Heller, wie er in der einen Stunde mit Gott gerungen hatte. Es war eine Stunde ernster Prüfung und Einkehr ins Innere. Er hatte erkannt, dass es lauter Liebe gewesen ist, die ihm seine Familie genommen hatte. Er hatte tiefe Buße getan und war zu Gott zurückgekehrt.

Wolfgang: Nun hat er mir die Schuld vergeben und ich will nun die kurze Zeit, die ich noch zu leben habe ganz zu seiner Ehre verleben, in seinem Dienste an den Menschen.

Pfarrer: Das tue Gott aus Gnaden, Herr Heller.

Joachim: Herr, o welche Freude, ja, es ist wahr, Gott erhört Gebet. Die ihm vertrauen, die erfahren, dass er noch stets sein Wort gehalten hat.

Pfarrer: Dies ist mein schönster Weihnachtsabend.

Wolfgang: Der meine auch, bei all meinem Leide. Ich bitte Sie, dass Sie, Herr Pfarrer, über mein Geld bestimmen, in allem was Sie heute brauchen.

Pfarrer: Gerne werde ich zu Ihnen kommen, wenn ich etwas brauche, doch ich glaube, Gott selbst wird Ihnen heute Pflichten geben, an die sie jetzt noch nicht denken können.

Wolfgang: Nur eins noch liegt mir schwer auf dem Herzen: Ich habe mich einst schwer versündigt an meinem Bruder. Ach Herr Pfarrer, wenn ich doch meinen Bruder finde. Ob er mir das vergeben könnte?

Sprecher: Der Pfarrer ließ sich nichts anmerken, sondern begann eifrig mit den Vorbereitungen. Sie schmückten den Raum, stellten für jeden der Jungen ein Geschenk hin und zündeten die Lichter an. Als alles fertig war, stimmte der Pfarrer ein Lied an.

(Musik)

Sprecher: Natürlich ließen die drei Jungen jetzt nicht lange auf sich warten. Gespannt blieben sie an der Tür stehen. Sie konnten nicht begreifen, wie sich das schlichte Wohnzimmer so schnell verwandeln konnte. Dann erkannten sie den Pfarrer und Kamen aufgeregt auf ihn zu. Ihre Freude über die Geschenke schien keine grenzen zu kennen. Nachdem sich der größte Sturm gelegt hatte, setzten sich die Männer nieder, und erst jetzt hatte Arnold Heller die Sprache wieder gefunden.

Arnold: Herr Pfarrer, ach wie soll ich’s ihnen danken? Mein Herz ist voll von Dank und Freude. Ich kann nicht viele Worte machen, jedoch Sie wissen wie ich’s meine. Wie hat der Herr doch so geholfen. Ich sagte heute zu den Kindern: wenn wir euch auch nichts schenken können, so habt ihr doch die schönste Gabe, unsern lieben Heiland selbst. Und nun, wie hat uns Gott gesegnet! Ich danke Gott, auch Ihnen, Herr Pfarrer!

Pfarrer: Ach, lieber Meister, nicht mir gehört der Dank. Dieser Herr hier wollte euch und auch sich heute glücklich machen.

Arnold: Oh, Danke auch Ihnen. Danke von Herzen.

Wolfgang: Nein, nein, nur dem Herrn Pfarrer!

Pfarrer: Wir wollen alle Jesum danken. Er ist die Quelle aller Freuden.

Wolfgang: Ja, ja, das habe ich heute erfahren. Sonst wäre dieser Heilige Abend für mich voll Gram und Leid geworden.

Pfarrer: Vier Kinder hat dieser Mann begraben und dann seine Frau, vor einem Monat.

Arnold: Sie armer Mann!

Wolfgang: Ja, wirklich, so bettelarm bei all dem Reichtum. Und Sie, so reich bei Ihrer Armut. Was sollen Ihre Jungs werden?

Arnold: Dabei bestimmt uns nicht das Wollen, sie müssen schaffen, was sie sollen und wollen alle drei was Hohes lernen.

Wolfgang: Nun, was denn?

Arnold: Ach, Harald möcht‘ gern ein Pfarrer sein, und Karl Medizin studieren und Alfreds ganzer Wunsch ist Kaufmann. Ein tüchtiger Kaufmann will er werden.

Pfarrer: Ei, ganz respektable Wünsche! Wirklich! Jedoch dem Alfred könnt‘ es glücken. Wie wäre es, wenn er bei Ihrem Bruder in die Lehre ginge?

Arnold: Herr Pfarrer, bitte lassen Sie das alte Ding ruhen.

Pfarrer: Nichts für ungut. Ich wollte Sie schon mal fragen. Hat sich der Bruder in den langen Jahren nicht um euch gekümmert?

Arnold: Nein, niemals. Doch muss ich gestehen ich hab‘ nicht nach ihm gesucht.

Pfarrer: Nun freilich, das kann ich ganz gut begreifen. Die Liebe war bei Ihnen gestorben. Sie zürnen ihm sicherlich für seinen Hochmut.

Arnold: Herr Pfarrer, nein, wie könnt ich dieses? Er ist und bleibt mein Bruder. Ich liebe ihn heute noch wie früher.

Pfarrer: Das halte ich fast für unmöglich. Er hat zu schlecht an Ihnen gehandelt. Sie können ihn sicherlich nicht lieben.

Arnold: Und doch Herr Pfarrer, so wie früher.

Pfarrer: Na, na, ich kann es mir nicht vorstellen. Sie sind doch Mensch wie andre Menschen.

Arnold: Gewiss, Herr Pfarrer, doch glauben Sie fest, ich habe es mir oft gesagt. Ich hätte nicht am Hochzeitstag so ohne weiteres hingehen sollen. Doch wozu an alten Sachen rütteln, Herr Pfarrer? Ich hab‘ ihm lange schwer gegrollt, gewiss, er hat nicht schön gehandelt, nicht brüderlich, doch habe ich ihm lange, lange von Herzen alles verziehen.

Pfarrer: Warum haben Sie ihn nicht gesucht, wenn Sie ihm lange nicht mehr gegrollt haben?

Arnold: Ach Herr Pfarrer, sehen Sie, das ist für mich doch ganz unmöglich. Er würde mich vielleicht dann wieder so kurz mit seinem Geld abspeisen.

Wolfgang: Wie heißen Sie?

Arnold: Ich heiße Heller.

Wolfgang: Und der Bruder ist der Kaufmann Wolfgang Heller?

Arnold: Ja, Wolfgang Heller, das ist er.

Wolfgang: Wenn nun aber Dein Bruder heute vor Dir stände, voll Reue bittend: Oh vergib mir, vergib mir mein Bruder, allen Stolz und Hochmut, könntest Du ihm das verzeihen?

Arnold: Wolfgang……

Wolfgang: Arnold…

Pfarrer: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf erden und den Menschen ein Wohlgefallen.

Wolfgang: Oh Bruder, kannst Du mir verzeihen, mir vergeben?

Arnold: Oh alles, alles Wolfgang, alles. Welche Freude, ich habe meinen Bruder wieder! Oh welch ein schöner Weihnachtsabend.

Pfarrer: Gott sei gelobt! Es ist gelungen worum ich so viel gebetet hab.

Wolfgang: Herr Pfarrer, wie, Sie wussten alles?

Pfarrer: Ja freilich, ja, der Joachim hat es mir vor drei Wochen gesagt.

Wolfgang: Guter Joachim, du wusstest auch alles?

Joachim: Ja, Herr Heller, mir ging Ihr Kummer und Schmerz tief zu Herzen. Da dachte ich, wenn Sie sich mit Ihrem Bruder versöhnen würden, das wäre der allerbeste Balsam für Ihren tiefen Schmerz. Doch selber konnte ich‘ s nicht sagen, darum ging ich zu unserem Herrn Pfarrer.

Wolfgang: Da konntest Du auch keinen besseren Anwalt finden. Wie bin ich glücklich heute Abend. Wie will ich doch dem Höchsten danken für seine große Wundermacht, die er an mir getan hat.

-ENDE-

Friede auf Erden

Die Wege des Herrn sind lauter Güte

 Die Wege des Herrn sind lauter Güte

Sprecher: Die letzte Unterrichtstunde vor den Weihnachtsferien war beendet. Schnell packten die Studenten ihre Sachen zusammen und eilten fröhlich davon. Nur zwei von ihnen blieben in gedrückter Stimmung zurück. Das hatte der Direktor geboten, weil er ihnen etwas zu melden hatte. Sie wären auch gern so schnell wie möglich zur Bahn geeilt um rechtzeitig abfahren zu können, denn ihr Heim war viele Stunden weit entfernt. Da trat der Direktor ein und überreichte Georg ein Telegram. Er las:

Georg: Reisen gefährlich. Bleibt dort. Vater.

Sprecher: Verblüfft schwieg er. Der Direktor versuchte ihnen Mut zu machen.

Direktor: Nun ihr seid ja nicht die einzigen die nicht nach Hause kommen zum Fest. Ihr könnt euch euren Kameraden anschließen, die jedes Jahr hier die Weihnachtsferien zubringen müssen. Wünsche euch frohe Weihnachten!

Sprecher: Mit diesen Worten ließ er die enttäuschten Jungen stehen. Hans war ganz außer sich und rief:

Hans: Ich wollte, das Telegramm wäre eine Stunde später angekommen, dann wären wir schon unterwegs gewesen. Ich kann mir gar nicht vorstellen was das bedeuten soll. Warum hat Vati nur so Angst, wir sind doch nicht mehr klein.

Georg: Ach, Hans, Vater hatte uns bestimmt auch gern daheim. Sicher hat er Grund für seine Befürchtungen. Wir wollen versuchen, das Fest so gut wie es geht hier zu feiern.

Hans: Schön ist es am Heiligen Abend nur zu Hause mit allen unsern Lieben zusammen. Da sitzt Mutti am Klavier und spielt die schönen Weihnachtslieder, Vater erzählt die Weihnachtsgeschichte und dann sagen die Kleinen ihre Gedichte her… Ach es ist zum Heulen. Am liebsten würde ich trotzdem die Reise unternehmen. Was sollen nun die Geschenke, die wir fertig gemacht haben?

Sprecher: Bevor Georg etwas erwidern konnte, läutete das Telefon. Georg nahm den Hörer ab und lauschte gespannt. sein Gesicht erhellte sich. Er bedankte sich und sprach dann zu Hans, der ungeduldig daneben stand.

Georg: O Hans, freu dich! Wir haben eine Einladung für die Feiertage zu Papas Verwandten die hier nicht allzu weit wohnen. Der gute Vater wusste, dass wir enttäuscht sein werden, weil wir nicht nach Hause können, da hat er für ein anderes Vergnügen gesorgt.

Hans: Ah, das ist ja eine gute Idee von Vati! Wir wollen gleich alles zusammenpacken und uns Morgen früh auf den Weg machen. Wir müssen ja wohl auf Schusters Rappen wandern.

Georg: Ich denke das tut uns ganz gut, so eine Fußwanderschaft nach dem vielen Sitzen in der Klasse.

Sprecher: Am nächsten Morgen in aller Frühe gingen die zwei wohlgelaunt hinaus in der frostigen Wintermorgen. Die reifbedeckten Bäume glitzerten im hellen Sonnenschein. Der blendend weiße Schnee knirschte unter den Füßen. Am späten Nachmittag gelangten sie zu einem Gasthaus. Sie machten da eine kurze Rast, aßen eine warme Mahlzeit und wollten dann weitergehen. Der freundliche Wirt erkundigte sich nach dem Ziel ihrer Reise. Als er vernahm wo sie hin wollten, machte er ein ganz bedenkliches Gesicht und sagte:

Wirt: Ich würde euch raten lieber hier zu übernachten. Der Weg dahin geht durch einen ziemlich verwachsenen Wald. Der kurze Tag ist nun bald zu Ende. Außerdem zeigen sich am Himmel Schneewolken. Es könnte Sturmwetter geben, das wäre sehr gefährlich für euch.

Sprecher: Sie gingen vor die Tür und bemerkten die Wolken und auch den Wind. Georg hatte Bedenken und meinte.

Georg: Was meinst du Hans, sollten wir vielleicht den gutgemeinten Rat befolgen und hier übernachten?

Hans: Ach was! Wenn wir schon nicht zu Hause sein können, so wollen wir wenigsten bei unseren Freunden sein. Sie erwarten uns unbedingt heute zum Heiligen Abend.

Sprecher: Sie eilten vorwärts. Als sie den Wald erreicht hatten wurde es schon ganz dunkel. Es fiel dichter Schnee. Der Wind wirbelte die Flocken um sie herum. Endlos schien der Weg durch den Wald. Immer langsamer kamen sie weiter. Mit Schrecken bemerkten sie, dass sie vom Weg abgeirrt waren. Hans blieb stehen und seufzte.

Hans: Georg ich kann nicht mehr weiter. Mir fallen die Augen zu und meine Füße sind wie bleiern.

Georg: Nein Hans, wir dürfen jetzt nicht ruhen, sonst schlafen wir ein und erfrieren. Komm wir wollen suchen, vielleicht finden wir doch den Weg.

Hans: Ich kann wirklich nicht mehr weiter. Lass mich.

Georg: O was sollen wir nur machen! Hilf uns o Herr Jesus, dass wir nicht hier erfrieren…

Sprecher: Georg schaute sich noch einmal nach allen Seiten um. Plötzlich leuchtete nicht weit entfernt ein kleines Licht auf. Er rüttelte seinen Bruder aus dem Schlaf und rief:

Georg: Hans, wach auf, schau dort ist ein Lichtlein! Komm wir müssen uns beeilen das wir hinkommen, ehe es vielleicht verschwindet.

Sprecher: Das half. Hans fasste neuen Mut. Nach kurzer Zeit gelangten sie zu einer Hütte die fast untergeschneit war. Mit großer Mühe bannten sie sich einen Weg zur Tür. Auf ihr Klopfen öffnete ein größeres Mädchen die Tür und starrte erschrocken auf die Schneemänner. Mehrere kleinere Kinder umringte das Bett der Mutter, die krank dalag. Mit schwacher Stimme fragte sie.

Mutter: Wer seid ihr und was wollt ihr?

Sprecher: Hans erzählte kurz ihr Reiseabenteuer und bat

Hans: Wollen sie uns erlauben hier zu bleiben bis es hell wird und das Wetter sich ändert?

Mutter: Ja gerne. Ihr seht aber, wir haben nichts um euch zu bewirten und es ist auch nichts da um den Ofen zu heizen.

Georg: Das lasst unsere Sorge sein. Wir sind sehr dankbar, dass wir hier bleiben dürfen.

Sprecher: Sie fanden ein Beil, eilten in den Wald und kamen nach kurzer Zeit beladen mit Brennholz zurück. Schnell wurde Feuer im Ofen gemacht. Es wurde warm in dem kleinen Raum. Der Teekessel summte. Nun wurde der Tisch an das Bett der Kranken gerückt. Die Jungen rückten alles aus ihren Rücksäcken hervor. Da kam Brot, Käse und Wurst auf den Tisch. Die Kinder staunten. Sie waren ganz vertraulich geworden. Die arme Mutter war tief bewegt und dankt Gott für die wunderbare Hilfe. Nachdem sie gegessen hatten erzählte sie.

Mutter: Solange der Vater für die Familie sorgte kannten wir keinen Mangel. Aber dann kam er bei einem Unfall ums Leben. Ich konnte nicht viel verdienen. Oft langte es nicht für Nahrung und Kleidung. Wir konnten aber immer aus dem Wald das Holz holen zum heizen und brauchten nicht frieren. Aber heute konnte ich nicht aufstehen, so mussten wir heute am Heiligen Abend hungern und frieren. Doch nun hat der barmherzige Gott unser Flehen erhört und uns in der Not geholfen. Ihm sei Lob und Dank! Nun, euch kann ich gar nicht genug danken für alle Liebe die ihr uns erweist. Der Herr wolle es euch vergelten.

Hans: O das macht uns selbst Freude mit euch glücklich zu sein.

Georg: Ich glaube das hat wohl der liebe Gott so gewollt, dass wir hierher kommen mussten. Deshalb konnten wir nicht nach Hause fahren und mussten uns noch im Wald verirren. Wir waren ja auch in großer Gefahr. Wenn wir das Licht nicht erblickt hätten, wären wir wohl im Wald erfroren. Aber jetzt wollen wir richtig Weihnachten feiern. Die Kinder haben sicher auch was zu Weihnachten gelernt und können ihre Gedichte aufsagen nicht wahr?

1 Kind: Willkommen schöne Weihnachtszeit,

du bist es die die Welt erfreut

Es freut sich wieder jung und alt,

das es durch alle Lande schallt

Es freut sich wieder arm und reich,

der Herr schenkt ja doch allen gleich

Er gab uns den Herrn Jesus Christ,

der in die Welt gekommen ist. Amen.

2 Kind: Weihnachtsfreude schallet heut

auf der Erde weit und breit.

Weil der liebe heilge Christ

in die Welt gekommen ist.

Weihnachtsfreude! Nah und fern

Weihnachtsglocken klingen.

Ja der Heiland ist nun da

lasst uns fröhlich singen.

Möge mit der Engel Chor

unser Lied erschallen,

Fried auf Erden, Gott die Ehr,

Menschen Wohlgefallen! Amen.

3 Kind: Jesus unsre Weihnachtsfreude

nimm du unsre herzen ein.

Wollest selbst zu allen Zeiten

unser ein und alles sein! Amen.

Georg: Das war schön! Wir wollen nun auch das Lied singen das die Engel dort in Bethlehem sangen als Jesus geboren war.

LIED: Ehre sei Gott in der Höhe…

Sprecher: Nachdem das Lied beendet war erzählte Georg die Weihnachtsgeschichte wie es zu Hause der Vater tat. Dann bekamen die Kinder kleine Geschenke, die eigentlich für ihre kleinen Geschwister bestimmt waren. Das war eine Überraschung für diese Armen, die sich nicht erinnern konnten jemals ein Weihnachtsgeschenk zu erhalten. Endlich gingen alle müde aber glücklich zur Ruhe.

Der nächste Morgen brach an. Die Sonne strahlte vom blauen Himmel und kein Lüftchen regte sich. Ganz nahe stand die Hütte am Rand des Waldes. Als sie heraustraten auf den freien Feldweg, erblickten sie den Ort, den sie erreichen wollten. Bald waren sie in dem gastfreundlichen Hause und erzählten alles was sich zugetragen hatte. Alle Anwesenden hörten gespannt zu und als sie geendet hatten, waren alle dankbar und freudig gestimmt. Nun gab es eine frohe Feier, an die Georg und Hans sich noch lange erinnerten. Am meisten aber war es die Erfahrung die immer im Gedächtnis blieb, wie wunderbar Gott die Gebete erhört.

Wenn sie am Heiligen Abend glücklich und froh waren, vergaßen sie nicht, dass es viele arme Menschen gibt und suchten anderen Freude zu machen. In jener Nacht hatten sie auch erkannt, dass Jesus in die Welt gekommen ist um verlorene zu retten vom ewigen Tode. Sie nahmen auch diese Rettung dankbar an.

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Die Adventschule

Die Adventschule

Autor: Es ist kalt geworden. Die Tage sind kurz, und viele Bäume haben ihre Blätter abgeworfen. Die Natur bereitet sich auf einen tiefen Winterschlaf vor. Nur vereinzelt baumeln noch Blätter im Wind. Hier und da breitet sich schon eine Decke aus Reif über die Erde, und in höheren Lagen ist alles unter dickem Schnee versteckt. In den Städten aber scheint alles erwacht. Aus jedem Fenster verbreiten Weihnachtskerzen ein freundliches Licht. Überall ist festlich dekoriert, und die Weihnachtsbeleuchtung verbreitet feierlichen Glanz. Viele Menschen sind hier unterwegs, umspült von einer eigenartigen Atmosphäre. In einer Nebenstraße steht ein Mann mit grauen Haaren und beobachtet das bunte Treiben. Sein Arm liegt auf der Schulter eines kleinen Jungen, der sich an ihn gelehnt hat. Die Augen des Jungen glänzen und wandern von einem Licht zum andern, über die ganze Straße. Er verfolgt die Menschen, wie sie hastig in den Geschäften verschwinden und wie sie bepackt und mit vollen Taschen wieder herauskommen. Er schaut in ihre Gesichter, und ihm fällt auf, dass sie angestrengt und ernst sind, ganz anders als die weihnachtlich geschmückte Straße. Schließlich bleibt sein Blick an einem Schaufenster in der Nähe hängen. In seinem Hintergrund steht ein kleines Schild, das von vier Kerzen erleuchtet wird. ADVENT buchstabiert er mühsam. Ein Fältchen zwischen den Augen verrät, dass er angestrengt nachdenkt. Nach einiger Zeit greift er nach der großen Hand auf seiner Schulter und fragt:

Kai: Großvater, was bedeutet denn eigentlich ADVENT?

Autor: Der alte Mann streicht dem Jungen zärtlich über das Haar und lässt seinen Blick über die belebte Straße streifen. Es dauert eine ganze Weile, bis der Großvater eine Antwort gibt.

Großvater: Weißt du, mein Junge, Advent ist ein bisschen wie deine Schule. In ihr bereitet ihr euch auf das Leben als Erwachsene vor. Ähnlich ist es auch im Advent. Zu dieser Zeit machen sich die Menschen für Weihnachten bereit.

Autor: Ungläubig schaut der Junge zum Großvater hinauf. Mit einer solchen Antwort hat er nicht gerechnet. Es ist ihm anzusehen, dass ihm auf einmal viele Gedanken durch den Kopf gehen.

Kai: Ist der 1. Advent dann auch wie die erste Klasse?

Großvater: (lächelnd) Ja, wenn du willst, kannst du es so nennen.

Kai: Dann kommen wir ja am Sonntag schon in die zweite Klasse! Und am nächsten Sonntag schon in die dritte und dann in die vierte, und Weihnachten ist die Adventsschule zu Ende!

Autor: Der alte Mann ist beeindruckt. Mit vollem Vertrauen hat sein Enkel das Bild von der Adventsschule aufgenommen und entwickelt es nun weiter, um es zu verstehen. Er wartet gespannt auf die nächsten Fragen, aber auch auf seine eigenen Antworten.

Kai: Aber Großvater, eines verstehe ich nicht. Warum müssen wir denn jedes Jahr wieder in die erste Klasse? Haben die Menschen denn die Adventsschule noch niemals bestanden?

Großvater: (in Gedanken – nicht zum Kai) Ja, so ist es gewesen. Ich habe schon viele Weihnachten erlebt. Alle waren sie schön erbauend und festlich gewesen. Und wenn es auch sonst nur zum Nötigsten reichte, zu Weihnachten hatte sich immer eine helfende Hand angeboten. Aber war ein Weihnachtsfest dabei gewesen, das mir deutlich machte, was der, dessen Geburt jedes Jahr wieder gefeiert wurde, in die Welt tragen wollte – die Umkehr der Menschen zur Liebe? Ich habe es nicht erlebt. Und dennoch versuchen es die Menschen jedes Jahr aufs Neue. Was soll ich meinem Enkel antworten, der auf der Suche nach Erkenntnis ist? Soll ich ihn mit all den negativen Erfahrungen des Alters belasten? (zu Kai) Weißt du, Kai, die Adventsschule ist schrecklich schwer; deshalb gibt es wohl kaum jemanden, der sie erfolgreich abgeschlossen hat.

Kai: Und was ist an ihr so schwer? Was wird denn an der Adventsschule eigentlich unterrichtet?

Autor: Oh, auf was hat er sich da eingelassen! Aber jetzt muß er weiter mitspielen. Auch wenn die Antworten noch so schwer würden. – Aber ist das Spiel? Zwingt ihn der Junge mit seinen einfachen und direkten Fragen nicht zu Antworten, die auf das Wesentliche zielen? Eigentlich ist es doch herrlich, wenn solch ein junger Mensch so unkompliziert zur Sache geht. Und plötzlich fallen ihm die Antworten auch nicht mehr schwer.

Großvater: Es gibt nur ein Unterrichtsfach in der Adventsschule, und das ist die Liebe zu Gott und zu den Menschen. Nur eines ist anders mit der Liebe als mit Rechnen, Lesen und Schreiben. Man kann sie nicht Stück für Stück lernen. Du kannst sie nur in dein Herz hereinlassen oder nicht, und deshalb ist die Adventsschule so schwer? Aber wenn du sie hereingelassen hast, dann füllt sie dein Herz aus und geht nicht wieder heraus.

Kai: Auch nach Weihnachten nicht?

Großvater: Ja, auch nach Weihnachten ist sie noch da.

Kai: Dann ist ja Weihnachten so etwas wie eine Abschlußprüfung, und hinterher kann man zeigen, was man auf der Adventsschule gelernt hat? Ja, das ist genauso wie bei der richtigen Schule.

Großvater: Ja, wie in der richtigen Schule. Nur gibt es in der Adventsschule keine guten oder schlechten Schüler. Es kommt nur darauf an, wie es in deinem Herzen aussieht, ob die Liebe drinnen oder noch draußen ist.

Kai: Dann ist Advent also die Herzensschule!

Autor: Dem Jungen schien ein Licht aufgegangen zu sein. Jetzt beginnen auch die Augen des alten Mannes zu leuchten. Er ist glücklich, daß der Junge ihn verstanden hat. Er drückt ihn an sich und sagt zärtlich:

Großvater: Nicht wahr? Jetzt weiß du, was Advent bedeutet?

Autor: Kai nickt zustimmend und schaut wieder nach den Menschen, die so angestrengt über die Einkaufsstraße hasten. Ihm fallen wieder ihre Gesichter auf, die so ernst sind. Er wird nachdenklich.

Kai: Die Adventsschule muß wirklich schwer sein. Ich kann es den Gesichtern ansehen.

Autor: Der alte Mann stutzt. Ist das hier auf der Straße wirklich die Adventsschule, deren Bild er soeben mit dem Jungen zusammen entworfen hat? Nein, der wirkliche Advent findet anderswo statt. Wieder eine von diesen konkreten Fragen,die der Junge bei ihm anpackt. Aber eigenartig, auch dieses mal fällt ihm die Antwort nicht schwer. Liegt es daran, daß er nun dem Jungen sein Herz geöffnet hat?

Großvater: (zögernd) Das ist nicht die Adventsschule. Das kannst du höchstens mit dem Schulhof vergleichen. Der eigentliche Unterricht findet im stillen statt. Im Gebet oder beim Singen, wenn die Menschen allein sind oder Gemeinschaft mit anderen haben. Dann klopft die Liebe an und verlangt Einlaß.

Kai: Ich kann die Menschen gut verstehen, wenn sie in der Adventsschule nichts lernen. Wenn wir in der Schule einen so schönen Pausenhof hätten, würden wir im Unterricht nur an die nächste Pause denken und auch nichts lernen. – Aber eines verstehe ich nicht. Wir würden uns in der Pause freuen und nicht so traurig sein wie all die Menschen hier.

Großvater: Das ist auch schwer zu verstehen, vielleicht liegt es daran, daß die meisten ein schlechtes Gewissen haben, daß sie jetzt nicht im Unterricht sind. Ja, vielleicht ist es das. Und dabei würde ihnen die Liebe im Herzen alle Sorgen nehmen.

Kai: (zum Großvater) Ist das aber eine schöne Schule. (in Gedanken) Eine Schule in der man zum Unterricht gehen kann, wann man will. Eine Schule, in der das Schuljahr nur eine Woche dauert und die man jedes Jahr wiederholen kann, so oft man will, ohne daß man auf die Sonderschule kommt. Sind die Lehrer da auch so gut?

Großvater: Sie hat nur einen Lehrer. Und das ist der allerbeste. Es ist Jesus Christus. Du hast recht mein Junge. Es ist schon eine schöne Schule, die Schule der Herzen, und der beste Lehrer dazu! Ja, er lehrt nicht nur die Liebe. Er hat sie uns auch vorgelebt und bietet sie uns jeden Tag wieder an. Nur deshalb dürfen wir jedes Jahr die Adventsschule wiederholen.

Kai: Großvater, jetzt habe ich verstanden was Advent ist. Komm, Großvater, laß uns in die Adventsschule gehen. Wir wollen zu Hause mit Vater und Mutter eine Kerze anzünden und zuhören, was uns der beste Lehrer sagen will.

Autor: Er nimmt den Großvater bei der Hand und zieht ihn von dem bunten Treiben fort. Es beginnt zu schneien. Durch die dichter werdenden Schneeflocken hindurch kann man eine letzte Frage des kleinen Jungen vernehmen.

Kai: Was passiert denn, Großvater, wenn die Menschen einmal alle die Andventsschule bestehen? Ist dann immer Weihnachten?

Großvater: Ja, mein Junge, dann ist immer Weihnachten. Aber dann ist Weihnachten nicht nur von außen, sondern dann hat jeder Weihnachten im Herzen, ganz egal ob es Winter oder Sommer ist.

ENDE

Die Adventschule

Bäume in Gottesdienst

Bäume in Gottesdienst

5 Personen

Autor: In einem fernen Land standen einst an einem Berghang viele Bäume beisammen, alte und junge, hohe und kleine. Manchmal unterhielten sie sich über ihre Zukunft, über das, was sie einmal werden wollten.

Baum 1: Ich möchte gern einmal eine Wiege für ein kleines Kind werden. Vor einigen Tagen habe ich Menschen bei uns im Wald gesehen, die trugen ein kleines Kindlein auf den Armen.

Autor: Geringschätzig blickte ein anderer Baum auf seinen jüngeren Bruder herab.

Baum 2: Das würde mir nicht gefallen. Ich will etwas Bedeutendes werden. Ich möchte einmal ein großes Schiff werden. Damit würde ich über die Meere fahren und Ladungen von Gold und Silber von einem Land zum anderen bringen.

Autor: Etwas abseits stand ein schlanker, junger Baum, tief in Gedanken versunken.

Baummutter: Was möchtest du denn einmal werden? Oder träumst du nie über die Zukunft?

Autor: Versonnen antwortet der Baum:

Baum 3: Ich habe keine besondere Pläne. Ich möchte nur hier am Berghang stehenbleiben und Menschen auf Gott hinweisen. Welch schönere Aufgabe könnte es wohl für einen Baum geben?

Baummutter: Ich könnte mir auch nichts Schöneres denken!

Autor: Die Jahre vergingen, und Bäume wuchsen immer höher. Eines Tages kamen Holzfäller in den Wald und schlugen den ersten Baum um.

Baum 1: Ob ich wohl zu einer kleinen Wiege gemacht werde?

Autor: Doch der Baum wurde keine Wiege. Die Männer sägten rohe Bretter, die sie dann achtlos zu einer Futterkrippe zusammenfügten und in einem kleinen Stall im Betlehem stellten. Der Baum war untröstlich.

Baum 1: So hatte ich meine Zukunft nicht Vorgestellt! Nun muß ich hier in diesem Stall stehen! Und keiner sieht mich, außer dem Vieh! O, wie traurig!

Autor: Aber Gott, Der kleine Bäume liebt, raunte ihm zu: „Hab noch ein wenig Geduld. Dann will Ich dir etwas zeigen.“ Und das tat Gott auch, denn in Lukas 2, 8-16 steht: (Textlesung) „In dieser Nacht hatte Gott seinen eigenen Sohn in die Krippe gelegt.“ Die Krippe war tief beglückt.

Baum 1: In all meinen Träumen habe ich nie daran gedacht, daß ich jemals solch ein Kindlein tragen würde. Dies ist weit besser, als meine eigene Pläne.

Autor: Wieder vergingen die Jahre. Dann kamen Holzfäller in den Wald, um den zweiten Baum umzuschlagen.

Baum 2: Ob man aus mir ein großes Schiff macht? Jetzt werde ich bald die großen Taten tun, von denen ich geträumt habe.

Autor: Doch nichts besonderes geschah. Der Baum wurde kein großes Schiff. Ein einfaches Fischerboot wurde aus ihm gebaut, das einem Fischer namens Petrus gehörte. Das kleine Boot war tief enttäuscht. Als Petrus eines Tages seine Netze wusch, lag das Boot müßig am See Genezareth und grübelte über sein Los nach. – Aber Gott, der kleine Bäume liebt, raunte ihm zu: „Hab‘ noch ein wenig Geduld. Dann will ich dir etwas zeigen.“ Und das tat Gott auch, denn in Lukas 5,1-6 steht: (Textlesung) – Das kleine Boot zitterte – nicht so sehr vom Gewicht der Fische, sondern von dem Wunder, das geschehen war.

Baum 2: In meinen kühnsten Plänen habe ich nicht daran gedacht, einmal solch eine Last zu tragen. Dagegen waren meine eigene Pläne nichts.

Autor: Die Bäume draußen am Berghang neigten ihre Wipfel vor Freude darüber, daß ihr Bruder auch eine Erfüllung seiner Wünsche erlebte. Nach einigen Monaten kamen die Holzfäller wieder in den Wald. Diesmal wollten sie den dritten Baum abschlagen. Dieser Baum Wollte so gern am Berghang stehenbleiben und auf Gott hinweisen. – Der Baum wurde sehr unglücklich.

Baum 3: Ich möchte doch so gern hier draußen stehenbleiben! Warum gönnen mir die Menschen nicht die Ruhe?

Autor: Doch der Baum durfte nicht stehenbleiben. Die Männer hieben die Äste ab und sägten durch die Rinde. Immer tiefer bis ins innerste Mark. Sie schlugen den Stamm in zwei Teile, die sie dann zu einem rohen Kreuz zusammenfügten. Der Baum war entsetzt, als er das bemerkte.

Baum 3: Das ist furchtbar! Nun werden sie jemanden an mir kreuzigen. Wie kann ich jemals auf Gott hinweisen?

Autor: Aber Gott, der kleine Bäume liebt, raunte ihm zu: „Hab‘ noch ein wenig Geduld, dann will ich dir etwas zeigen.“ Und Gott tat das auch. Denn eines Tages sammelte sich außerhalb von Jerusalem eine große Volksmenge mit Jesus und dem Kreuz in der Mitte. (Textlesung – Lukas 23,26 und 33). Das Kreuz erlebte, wie die Sündenlast der ganzen Welt auf den Herrn Jesus gelegt wurde. (Textlesung – Lukas 23,44-47). Der zu Kreuz gewordener Baum verstand auf einmal und sagte:

Baum 3: In all meinen Träumen konnte ich nicht hoffen, einmal so auf Gott hinweisen zu können. Das geht über meine eigene Pläne hinaus.

Autor: Der Baum hatte recht. – Viele Bäume am Berghang sind stehengeblieben. Doch keiner konnte je einen Menschen auf Gott hinweisen. Nur das Kreuz von Golgatha kann das tun. Natürlich können Bäume in Wirklichkeit keine Pläne über ihre Zukunft machen. Aber ihr – was möchtet ihr einmal werden, wenn ihr groß seid? Krankenschwester, Kaufmann, Arzt, Ingenieur, Techniker? Jeder hat seine eigene Pläne.

Bäume in Gottesdienst