Christliche Schatzkammer

Wie lange?

Wie lange?

Wie lange, ach, mein Gott, wie lang‘,
Seufzt mancher Pilgrim angst und bang‘,
Wie lange währt die dunkle Nacht?
Wie lange, bis der Morgen tagt?

Wie lange? Das weiß Gott allein,
Und du sollst still und ruhig sein,
Wie lange, das hat Er bestimmt,
Bis all dein Leid ein Ende nimmt.

Wie lange noch die Prüfungsfrist,
Bis du wie Gold geläutert bist?
Wie lang‘ du noch in diesem Stand,
Das ist dem großen Gott bekannt.

Wie lange? Ach, was quälst du doch
Mit dieser Frag‘ dich immer noch?
Du grämst dich oftmals, ach, so sehr,
Und machst die Last dir doppelt schwer.

Ach leg doch deinen Gram und Schmerz
Noch heute an des Heilands Herz.
Und mach‘ dir keine Sorgen mehr,
Dann ist die Last nicht mehr so schwer.

Einst dankst du Gott in Ewigkeit
Für diese kurze Leidenszeit.
Und singst mit himmlischem Gesang:
„Die Zeit der Leiden war nicht lang!“

Was würdest du tun?

Was würdest du tun?

Was würd`st du tun,
würd dir gesagt nun werden:
Dies heute ist der letzte Tag,
den Gott dir gibt auf Erden.

Wie würdest du entscheiden dann
wo du bis heut die Kraft nicht hattest,
zu fliehen aus der Sünde Bann.
Oh spürst du nicht der Sünde Last?

Es muss nicht große Sünde sein,
oft sind’s die Kleinigkeiten,
doch härten sie das Herze dein:
es lässt sich nicht mehr leiten.

Doch du, der du die Zeilen liest,
spürst du nicht heilges Mahnen?
Er nun tief in dein Herze sieht,
er kennt dein Wünschen, Planen!

Gott selbst hat ernst zu uns gesprochen
will er die letzten rufen wach
bevor er heimholt die Gemeinde?
Oh sag, denkst du darüber nach?

Und wieder steigt vor mir die Frage,
wie eine große Wahrheit auf:
Was würd‘ ich tun, wenn heute wäre,
für mich der letzte Tageslauf?

Spätherbst

Spätherbst

Das dürre Laub fällt zitternd von den Bäumen,
ein leises Sterben zieht durch die Natur,
vorbei die schönen Tage wie ein Träumen,
Vergänglichkeit verkündet Feld und Flur.

Welch eine Sprache redet solch Entfärben
zum Menschen, welchem Gott das Urteil spricht:
Auch dir ist es gesetzt, einmal zu sterben,
zu sterben, ja – doch danach das Gericht.

O möcht dies Wort noch manchen Sichren schrecken,
durchbohren manches Sünders Herz und Sinn,
vom Todesschlaf am Abgrund ihn erwecken,
dass er zu Jesu möcht‘ um Rettung fliehn.

Glückselig, wer in Jesu Heil gefunden,
ihn schrecket nicht der Zeit Vergänglichkeit,
Tod und Gericht hat Jesus überwunden,
und für die Seinen naht die Herrlichkeit.

Meine Heimat ist hier nicht!

Meine Heimat ist hier nicht!

Ein Fremdling bin ich hier auf Erden,
Gehör‘ zu einem andern Reich.
Ein Bürger will ich hier nicht werden.
Und lockt man mich, das ist mir gleich.
Wenn man auch vieles mir verspricht;
Nein, meine Heimat ist hier nicht!

Wohl bin ich noch in dieser Welt,
Muss sorgen für das täglich Brot.
Hab noch zu tun mit Haus und Geld,
Beachte menschliches Gebot.
So tu ich meine Erdenpflicht;
Doch meine Heimat ist hier nicht!

Und steht wohl auch in meinem Pass,
dass ich ein Deutscher Bürger bin,
So trag ich dennoch meine Last
Mit einem tiefen Fremdlingssinn.
Doch sage ich’s mit strahlendem Gesicht:
Nein, meine Heimat ist hier nicht!

Mein Bergungsort

Mein Bergungsort

O Gottes Liebe, die mich rief
Aus dem Verderben groß und tief!
O Gnade, die mich suchte dort,
Warst meiner Seele Bergungsort!

Den, der die Welt erschaffen hat
Bekämpfte ich in Wort und Tat,
Verwarf die Gnade fort und fort,
Zu stolz für einen Bergungsort.

Das Dunkel liebt‘ ich, nicht das Licht
Und wollte Gottes Gnade nicht.
So lauschte ich der Schlange Wort
Ganz sicher – ohne Bergungsort.

Doch Gottes Gnade fand mich dann
Und legt‘ mir schwere Fesseln an.
Ich fühlt‘ des Teufels Hass und Mord
und brauchte einen Bergungsort.

Ich floh in Angst zum Sinai
Und beugt‘ vor dem Gesetz die Knie.
Doch immer klarer war mir dort:
Dies ist für dich kein Bergungsort.

Da sprach Sein Geist vom Himmel her:
Nur Gnade brauchst du, sonst nichts mehr.‘
Er brachte mich mit sanftem Wort
Zu Jesu, – meinem Bergungsort.

Ihn traf der Allmacht Zorngericht,
Die ganze Welt ertrug es nicht. –
Er aber nahm die Sünde fort
Und wurde unser Bergungsort.

Wenn noch so sehr der Donner grollt,
Das Schifflein schwankt, die Woge rollt,
Ich komme doch zum sichern Port;
Denn Jesus ist mein Bergungsort.

Noch wen’ge Tage wird es sein,
Dann ziehe ich in Kanaan ein.
Dort schau ich Dich, mein Heil, mein Hort!
Dich, meinen großen Bergungsort!

Jenes Land

Wann werden jenes Land wir sehen,
nach all der Schmach, nach Sorg und Leid?
Wann werden wir auf goldnen Gassen gehen,
nach dieser Erde Eitelkeit!

Dort gibts nicht Schmerz,
nicht Streiterei!
Dort freut sich jedes Herz!
Dort ist man endlich frei!

Dort ist nicht Hitze oder Kälte!
Dort ist nicht Nacht noch Finsternis.
Unvergleichbar ists mit unsrer Welt!
Er ist dort Licht! – Herr Jesus Christ!

Dort ist nicht Frechheit, Prahlerei!
Dort ist nicht Dummheit, schlechter Umgang.
Da ist nicht Angst noch Kriegsgeschrei!
Nein, dort ist Harfe sanfter Klang.

Dort gibt es keine Kämpfe mehr!
Vorbei ist alles Aufpassen und Bangen!
Es herrschet ganz allein der Herr!
Es gibt kein flehend Klagen!

Vorbei ist dann der Sünde Last!
Vorbei das schwere Harren!
Dort gibt es keine Hast.
Dort wird uns Ruhe widerfahren.

Dort wird das Blatt sich wenden!
Dort wird man endlich lachen!
Dort wird man ewig ernten!
Dort gibt es keine eitlen Sachen!

Kein Lernen wird es geben!
Keine Angst was zu vergessen!
Dort wird man endlich leben!
Dort wird man Lebensfrüchte essen!

Dort gibt es nicht Termine.
Dort gibt es keine Feinde.
Dort wird man Jesus dienen!
Vereint ist die Gemeinde!

Dort werden Tage nicht gezählt.
Ein Jahrtausend wechselt das nächste!
Offen ist, was hier verhehlt!
Dort gibt es nicht das Schlechte!

Und nach Jahrmillionen
werden Jahrmilliarden gehen!
Herrlich werden wir dort wohnen.
Vorbei ist all das eitle Streben!

Die Erde ist uns dann,
nur ein Planet!
Scheinen wirds uns wie ein Wahn,
dass wir mal dort gelebt!

Doch sind wir ja noch hier.
Mitten in dem Wahn der Zeit!
Weit scheint oft die Himmelstür!
Weit scheint die Ewigkeit!

Wir sind hier Gäste,
und oft vergessen wir es schnell!
Wenn wir so in der Hetze,
blendet das eitle Licht uns grell!

Was soll das Streben,
nach eitelem Gewinn?
Für Jesus muss man leben!
Dort ist des Lebens Sinn!

Ach Herr, bei dir bitten wir,
lass uns das Ziel nur sehen.
Lass uns ganz dienen dir,
Lass uns vorwärts, vorwärts gehen.

Lass uns im Stress
an Dich nur denken!
Und bald der Kummer uns verlässt,
denn Du wirst Gedanken schenken.

Herr lass uns Pilger nur verstehen,
dass darin ein tiefer Sinn,
diese Qualen zu durchstehen,
bis dort bei dir einziehn.

Nicht ein Bürger hier zu werden,
nicht was großes hier zu sein!
Wir sind Pilger nur auf Erden!
Darum lass uns nicht allein.

Amen

In Gottes Namen

In Gottes Namen

In Gottes Namen fahren wir,
Sein heil’ger Engel geh uns für
wie dem Volk in Ägyptenland,
das entging Pharaons Hand.

Herr, Du wollst unser Gleitsmann sein
und mit uns gehen aus und ein
und zeigen alle Steig und Steg,
wehren dem Unfall auf dem Weg.

So wird kein Berg noch tiefes Tal,
kein Wasser uns irren überall;
fröhlich komm’n wir an unsern Ort,
wenn Du uns gnädig helfest fort.

Herr Christ, Du bist der rechte Weg
zum Himmel und der einz’ge Steg;
hilf uns Pilgrim‘ ins Vaterland,
weil Du Dein Blut hast dran gewandt.

Im Sommer

Wie steht die Welt in satter Pracht,
wie grünt und glänzt, wie blüht und lacht
das sommerliche Leben! Wohin dein Auge leuchtend blickt:
die Flur im Garten, reich geschmückt
mit Ähren, Früchten, Reben!

Wie wird das Herz so licht, so weit
inmitten dieser Herrlichkeit
auf Gottes schöner Erde.
Ein leises Sehnen durchs Gemüt
wie Paradiesesahnung zieht,
dass nie es anders werde.

Jedoch wie bald, wie bald verdirbt,
zerfällt zu Staub, vergeht und stirbt
die sommerliche Fülle!
Der Herbst, der Winter kommt mit Nacht
und deckt gar bald die ganze Pracht
in winterliche Hülle.

Ach, hier auf Erden ist sie nicht,
die Stätte, wo das wahre Licht
den ew’gen Sommer gründet.
Hier ist nur Wechsel fort und fort,
erst droben ist der sel’ge Ort,
wo nie der Sommer schwindet.

Auf Erden kommst du nicht zur Ruh.
Heut lachst und liebst und lebest du,
und morgen musst du sterben.
Drum sorge, dass der Heiland dein
dich nimmt einmal zu sich dort ein.
O welch ein Sommer wird es sein,
wirst du den Himmel erben.

Ich bin hier nicht zu Hause!

Ich bin hier nicht zu Hause!

Hier bin ich nicht zu Hause,
Hier zieh‘ ich nur vorbei,
Durch Nacht und Sturmgebrause
Und Ängsten mancherlei,
Es geht mit schnellen Schritten
Durch’s dunkle Tal der Zeit,
Und bald ist’s ausgelitten,
Am Tor der Ewigkeit.

Hier bin ich auf der Reise,
Und gönn‘ mir keine Ruh‘,
Ein Heimweh zieht mich leise
Der obern Heimat zu,
Wie sollt ich mich beschweren
Mit Dingen hier im Lauf,
Die doch die Lasten mehren,
Und halten mich nur auf.

Hier werd ich mißverstanden,
Denn Zions Sprache spricht
In dunklen Erdenlanden
Der große Haufe nicht;
Der Weg ist oft so enge,
Der Pfad ist oft so schmal,
Hier kommt man im Gedränge
Wohl oftmals auch zu Fall.

Doch dort am Ziele winket
Mein Heiland mir schon heut;
Und in der Ferne blinket
Die Krone nach dem Streit,
Drum eil‘ ich hier auf Erden,
Mag’s kosten was es will;
Denn ich will selig werden,
Das ist mein rechtes Ziel.

Himmelslicht

Wie mag der blinde Bettler wohl gejubelt haben,
als ihm der Herr die köstlichste der Gaben,
das Augenlicht, mit gnäd’ger Hand geschenkt!
Nun war die Nacht, die lähmend sich gesenkt
auf all sein Tun, im Strom des Lichts entschwunden.
Nun hatte er im Licht das Leben erst gefunden.

Auch wir gehn alle, alle blind durchs Leben
und sehen nicht, was Gottes Hand gegeben:
Den ew’gen Reichtum, all Sein heil’ges Lieben,
das einst den Sohn zur Erde hat getrieben
und das nur segnen will durch Lust und Leid.
Blind sind wir alle für die Ewigkeit.

Erst wenn des Heilands Hände uns berühren,
wir Himmelslicht in unsrer Seele spüren.