Christliche Schatzkammer

Bruderliebe

Wie fast jeden Tag
wartet ein Christ, auch heut‘, bei Mondenschein.
Wann sein Bruder, der ein Trunkenbold, wohl kommen mag?
Fluchend, betrunken vom Schnaps und Wein.

Das Haus in dem die Brüder leben
steht auf einer Anhöhe, im Walde – abgelegen.
Schon Jahre her da zog auch er, der nun ein Christ,
und trank mit seinem Bruder ohne Anhalt ohne Frist.

Doch als er den Heiland hat gefunden
ist ihm die Trunksucht ganz verschwunden.
Von dem Tage als der Christ
nicht mitging zu des Bruders Runden
hat ihn der Bruder verhöhnt,
verspottet, geschlagen ja geschunden.

Doch der treue Christ wartete stets erneut,
so wartet er auch wieder heut‘.
Wieder er am Küchenfenster sitzt
und an einem Holzstück schnitzt.

Doch plötzlich hört er aus dem Dickicht,
wie das trockene Holz unter den Füßen eines Schnellen bricht.
Das Geräusch wird lauter – als ob jetzt jemand kriecht.
Schnell löscht er in der Küche das Petroleumlicht.

Er denkt bei sich: Mein Bruder ist’s bestimmt noch nicht.
Doch nun ein lautes Hundebellen die Nachtstille durchbricht!
Er hört noch mehr schnelle Schritte.
Im Tale sieht er helles Fackellicht
und plötzlich steht sein Bruder in der Küchenmitte!

Mit zerlumpten Kleidern, blutendem Leib
teilt der Trinker in Hast dem Bruder sein Leid:
Als ich vom Schnapse wieder betrunken,
hat mich der Müller gereizt.
Ich hab ihn getreten, geschlagen und zum Dorfteich geschleift.
Dort hab‘ ich ihn in meinem Wahn ertrunken!

Nun folgt mir mit Hund und Gewehren die halbe Stadt!
Ach Bruder, mein Bruder, ich bin ja so müde und matt.
Vergib mir doch, dass ich zu dir war so hart
und gib mir, oh Bruder, den richtigen Rat!

Kaum hat er die Worte ausgesprochen,
ist er zu des Bruders Füßen zusammengebrochen.
Doch der Bruder, gefüllt mit der göttlichen Liebe,
gibt Raum dem geistlichen Triebe!

Schnell zieht er die dreckigen Kleider ihm aus
und zieht seine sauberen Sachen ihm an.
Die Kleider des Trinkers sie passen ihm auch,
da kommen die suchenden Leute schon an.

Bald heißt es: Ergib dich, umstellt ist das Haus!
Da antwortet der Christ: Ich ergebe mich, ich komme schon raus.
Die Sache erscheint den Leuten so sicher.
Morgen schon kommst du zum Richter!

Am nächsten Morgen wurde das Urteil beschlossen.
Zum Tode verurteilt, wurd‘ er erschossen!
Doch in der Nacht, im Verlies
schrieb er dem Bruder die letzten Worte im Brief:

Wenn dich dieser Brief wird erreichen
so gehört mein Leib zu den Leichen.
Weine du nicht um mich,
doch weine viel mehr um dich!

Ich bin bei dem Heiland,
mir geht es jetzt gut.
Doch wie weh mir das Herze um dich doch tut.
Du bist ja schuldig an Jesu Blut!

Oh Bruder, du bist ja lebend schon tot
denn deine Schuld ist wie Blut so rot!
Doch Bruder es gibt noch einen Weg,
bekehr‘ dich zum Heiland, noch ist’s nicht zu spät.

Ich hab‘ mich für dich nur hingegeben.
Doch Jesus gab für die ganze Menschheit sein Leben!
Oh, lass dich vom Heiland bekehren, lass vom frevelnden Streben,
so werden wir im Himmel ein Wiedersehen erleben!

Der Trinker, vom Rausch ausgeschlafen,
las die Worte des Bruders mit Schmerz.
Wie sehr ihn die Sätze doch trafen,
es zieht ihm zusammen sein Herz!

Nun ist es genug mit dem Selbstbetrug!
Und endlich schüttet er aus sein Herz.
Ach wie oft er den Bruder doch schlug,
doch nun betet um Vergebung er himmelwärts.

Die Liebe des Bruders sie rührte ihn doch!
Auch er fand die Liebe, den Frieden, die Freud‘.
Und du, oh Freund wartest noch?
Suchst du den Frieden, so find ihn bei Jesus noch heut‘.

Hast Du noch Sünde, die Dich bedrückt?
Gibt es im Leben nichts was dich beglückt?
Sag es dem Heiland, flehend noch heut,
und er schenkt Dir Frieden, wenns Dich gereut.

Hast Welt und Sünde du satt?
Ist Deine Seele müde und matt?
Sag es dem Heiland, der Dich sehr liebt,
und Du findest Frieden, weil er Dir vergibt.

Heut‘ ist noch Gnade,
morgen wer weiß!?
Doch wenn du dich nicht bekehrst
wird die Hölle dir heiß!

So komm zu dem Heiland,
gib dich ihm hin.
Er macht dir seine Liebe bekannt
und gibt deinem Leben den Sinn.

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