Christliche Schatzkammer

Getröstet

Erzählung

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen tapfer zu sein, wusste ich doch, wie dringlich und notwendig die Verkündigungszeit meines Mannes für sechs Wochen in amerikanischen Gemeinden war. Und nun saß ich doch in meinem Bett und heulte in meine Kissen. Ich litt an der Einsamkeit, fühlte mich den Aufgaben unserer großen Familie allein nicht gewachsen, und ein kleiner Disput mit unserem Ältesten raubte mir den letzten Rest an Tatkraft.

Niedergeschlagen hockte ich im Schlafzimmer und ließ meine Gedanken nur noch um mich selbst kreisen. Ich verglich mich mit anderen Frauen aus unserer Gemeinde und sah, wie ihre Männer z.B. beim Einkaufen halfen, sich um die Mathematikaufgaben ihrer Kinder kümmerten und sonntags einen Ausflug miteinander unternahmen. Ich aber war mit meinen Fünfen ganz allein.

Das Selbstmitleid hielt mich in seinen Krallen fest gefangen, und trübsinnige Gedanken vergraulten mir den strahlenden Sommertag. Hinzu kam die Anfechtung vom Feind, der mir argwöhnisch zuflüsterte: „Siehst du nun, was du für eine miese Type bist? Reich Gottes willst du bauen, redest von Hingabe an deinen Herrn Christus, und wenn es einmal draufankommt, ein wenig zu verzichten, versagst du kläglich. Gib auf. Dein Glaube ist wertlos. Schon bei der kleinsten Belastung fällt er wie ein Kartenhaus zusammen.“

Ich weiß nicht mehr, wie lange ich auf der Bettkante saß und Trübsal blies. Die Anfeindungen Satans setzten mir schwerer zu als meine Gefühle der Einsamkeit und Minderwertigkeit.

Da flüchtete ich mich in meinem Kummer zu Gott.

„Lieber Herr, du kennst meine Lage“, betete ich zaghaft. „Du siehst wie verzweifelt ich bin. Der Teufel mag Recht haben, in deinen Augen bin ich eine miese Type, aber ich weiß, dass du mich durch Jesus Christus gerettet hast. Ich bin doch dein Kind. Mach mit mir, was du willst, nur lass mich weiter dein Kind bleiben.“

Das Rufen zu Gott ließ mich allmählich innerlich zur Ruhe kommen. Die Einflüsterungen des Bösen verloren an Wirkung. Ich griff zu meiner Bibel und las wie jeden Tag fortlaufend mein Kapitel. Diesmal war Jesaja 38 an der Reihe. Bei Vers 5 blieb ich stehen. Ich wurde von der Treue Gottes überwältigt. „So spricht der Herr: Ich habe dein Gebet erhört und deine Tränen gesehen.“ Und in Vers 17 stand: „Siehe, um Trost war mir sehr bange. Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen, dass sie nicht verdürbe; denn du wirfst alle meine Sünden hinter dich zurück.“ Diese Worte sprachen mich an. Ich erkannte neu: Ich bin Gott nicht gleichgültig. Er hört mein Rufen, und meine Traurigkeit ist ihm nicht verborgen. So gewann ich aus diesem Gotteswort die feste Zuversicht: Gott wird mich weiter begleiten, mir in der Anfechtung Trost geben und neue Kraft, sodass ich das Ziel erreiche. Und wenn ich dann in der neuen Welt Gottes am Ende meiner Tage ankomme, wird Gott selber mir zum letzten mal die Tränen von meinen Augen wischen und mir Freude schenken, wie ich sie jetzt nur insgeheim erahnen kann.

ENDE

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