Christliche Schatzkammer

Zwei Beter

Es gingen zwei hinan
zum Tempel, dort zu beten;
sie schickten sich nun an,
vor Gott, den Herrn, zu treten.

Der eine, aufgebläht,
Denkt von sich selbst nur höher
und zeigt auch im Gebet
den stolzen Pharisäer.

»Ich danke Dir, mein Gott«,
so hebt er an zu beten,
»dass ich Dein ernst Gebot
noch niemals übertreten;

Dass ich nach Deinem Wort
gerecht stets leb‘ und handle,
nicht wie der Zöllner dort
den Weg der Sünde wandle. «

Der Zöllner stand von fern –
was sollte er denn sagen?
Er wagt nicht, zu dem Herrn
das Auge aufzuschlagen.

So arm, so schuldbewusst,
so aller Tugend ledig,
schlägt er an seine Brust:
»Gott, sei mir Sünder gnädig! «

Gott nahm die Last ihm ab
und heilte seinen Schaden;
getrost ging er hinab,
gerechtfertigt aus Gnaden.

Wer nur um Gnade fleht,
dem wird sie frei gegeben.
Doch wer sich selbst erhöht,
erfährt sie nie im Leben.

Martha Thieme

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