Christliche Schatzkammer

Wahre Schönheit

Schön sind die Augen, die vor Freude leuchten,
Im Blick auf ihres Nächsten Wohlergeh’n,
Und die sich mit des Mitleids Träne feuchten,
Wenn sie im Schmerz den Nächsten weinen seh’n.

Schön ist der Mund, der nie sich sucht zu rächen,
Durch bitt’re Worte, die nur Zwietracht sä’n,
Der lieblos nie bespricht der andern Schwächen,
Der Mund, der segnet, wenn die Feinde schmäh’n.

Schön sind die Wangen, die vor Scham sich röten,
Bei allem, was nicht edel, wahr und rein,
Bei allem, was die zarte Unschuld töten,
Und einer Seele kann zum Schaden sein.

Schön sind die Züge, die trotz Müh‘ und Plagen,
Von Leidenschaft und Selbstsucht unentstellt,
Den sel’gen Ausdruck innern Friedens tragen,
Und die der Liebe Himmelsglanz erhellt.

Schön ist die Stimme, die nicht Eigenwillen,
Nicht Heftigkeit verrät, noch Ungeduld,
Die tröstend sucht der andern Leid zu stillen
Und ihnen sagt von ihres Heilands Huld.

Schön sind die Hände, die da gerne geben
Und sich im Wohl tun üben allezeit;
Die andere stützen, anderer Lasten heben,
Zu jedem Liebesdienste stets bereit.

Schön sind die Füße, die zu Hilfe eilen,
Da, wo es gilt, Gefall’nen beizustehn,
Verzagten frohe Botschaft mitzuteilen,
Und liebreich den Verirrten nachzugeh’n.

Welch junges Herz hat nicht ein still Verlangen
Nach Schönheit? Und es tut ja recht daran!
Wir sind dazu bestimmt, sie zu empfangen,
Der Weg zu ihr ist allen aufgetan!

Suchst du, o junges Herz, hier zu gefallen,
So sei es deinem Heiland nur allein!
Dann wirst du ihm, dem Schönsten unter allen,
An Schönheit stammverwandt und ähnlich sein!

Das ist die Schönheit, welche nie veraltet,
Im rauen Sturm des Lebens nie verbleicht,
Und droben dann, vollkommen ausgestaltet,
Die herrlichste Vollendung einst erreicht.

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