Christliche Schatzkammer

Die Schätze der Jugend

Am frischen, freien Meeresstrand
ein Jüngling einst ein Kästchen fand.

Drin funkeln Steine, farbig und fein,
durchglänzt von lachendem Sonnenschein.

»Ei«, spricht er in fröhlichem Übermut,
»ihr seid mir gerade zum Spielen gut. «

Und hurtig schleudert er Stein auf Stein
ins rastlos rauschende Meer hinein.

Bald stört er der kreischenden Möwe Spiel,
bald nimmt er die tanzende Boje zum Ziel.

Und endlich streckt sich zum Wurf die Hand,
worin sich der letzte Stein befand.

» Wie schimmert so hell der niedliche Stein!
Er trüge vielleicht einen Lohn mir ein. «

Begierig eilt er zum Juwelier;
der schaut mit Staunen die glänzende Zier.

»Ei, sag, wo wurde der Stein dir beschert?
Ich schätze ihn hundert Dukaten wert.«

Da neigt er bestürzt den lockigen Kopf
»Was tat ich, ich unglückseliger Tropf,

In übermütig frevelndem Sinn
verscherzte ich mir den höchsten Gewinn.

Der Himmel schenkte mir köstliches Gut,
ich Narr begrub’s in brausender Flut.«

Mit großem Verdruss er von dannen schleicht.
– O sag, gleichst du diesem Jüngling vielleicht?

Gott schenkte der himmlischen Schätze dir viel,
vergeude sie nicht in törichtem Spiel!

Benutze die Gnade, die Gott dir beut,
und weihe Ihm deine Jugendzeit!

Vergeudete Kraft und verschleudertes Glück
ruft keine Träne wieder zurück.

Denn, wer nicht hört auf der Weisheit Klang,
der wird es bereuen sein Leben lang.

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