Christliche Schatzkammer

Das Weihnachtswunder

Das Weihnachtswunder

10 Personen

Autor: Am Freitagabend vor dem ersten Advent brachte Herr Jürgens einen Arm voll Tannengrün mit nach Hause. Als die Kinder zu Bett gegangen waren, sagte er zu seiner Frau:

Vater: Morgen werden wir den Adventskranz binden, da werde ich es den Kindern sagen. Einmal muss es doch gesagt sein, und je eher, desto besser. So gewöhnen sie sich an den Gedanken.

Mutter: Ich bin nur froh, dass du mir die Aufgabe abnimmst, es ihnen zu sagen.

Autor: Nickte Frau Jürgens mit einem Seufzen.

Am nächsten Tag saßen sie beisammen, der Vater mit seinen sechs Kindern und die Mutter mit einer Flickarbeit unter der Lampe. Karl, der jüngere der beiden Buben, sagte:

Karl: Wenn man den Adventskranz macht, ist bald Weihnachten.

Annette: ,,Ooch, dann dauert es noch eine ganze Weile. Ich wünschte, es wäre schon soweit.

Autor: Herr Jürgens hielt jetzt den geeigneten Augenblick für gekommen, er wechselte einen Blick mit seiner Frau, holte tief Atem und sagte:

Vater: Warum feiern wir eigentlich Weihnachten, Kinder?

Autor: Die Antworten überstürzten sich geradezu:

Weil es so schön ist!

Weil wir dann feiern!

Weil wir viele Plätzchen kriegen und Nüsse und lauter schöne Sachen was man sich schon lange gewünscht hat.

… und wegen dem Weihnachtsbaum!“

Autor: Der Vater hielt sich die Ohren zu.

Vater: Genug, Kinder, ich weiß Bescheid. An eines aber hat niemand von euch gedacht. Nun, Christel, was meine ich wohl?

Autor: Christel wurde ein bisschen rot und sagte:

Christel: Natürlich freuen wir uns, weil der Heiland geboren ist. Aber eigentlich freuen wir uns zu Weihnachten doch vor allem über die Geschenke.

Vater: Richtig, das ist leider nun einmal so. Meint ihr, ohne Geschenke gäbe es an Weihnachten nichts zum Freuen?“

Autor: Die Kinder zuckten die Achseln, sahen sich schweigend an. Die Mutter beugte sich tiefer über die Näharbeit.

Vater: Ihr antwortet mir nicht? Ich muss euch leider sagen, wir werden in diesem Jahr Weihnachten ohne Geschenke feiern. Ich will euch auch erklären, warum das so sein wird. Ihr Großen versteht das schon. Als wir im vorigen Jahr zusammen mit unserem Nachbarn Weber unser Haus gebaut haben, nahm ich bei meiner Firma ein Darlehen auf, um Weber zu helfen, der nicht genug hatte sparen können wegen seiner kranken Frau. Dieses Darlehen wird mir von meinem Lohn in Raten einbehalten. Der Nachbar wollte es mir in gleicher Höhe, wie es mir abgezogen wird, vom Lohn zurückzahlen. Aber nun ist er im Sommer verunglückt und ich war ein paar Wochen krank. So ist es gekommen, dass wir gerade nur das Nötigste haben. Für Geschenke bleibt nichts übrig, soviel Mutter und ich auch gerechnet und überlegt haben. Schulden machen für Geschenke, das gibt es bei uns nicht. Wir laufen auch nicht zur Fürsorge oder halten bei der Gemeindeschwester um Hilfe an. Wir leiden keine Not, auch wenn es keine Weihnachtsgeschenke gibt.

Schaut mich nur nicht so verstört an, Kinder, wir wollen froh und dankbar sein. Wir haben immer satt zu essen, eine warme Stube und sind gesund. Ihr sollt sehen, wir werden Weihnachten trotzdem fröhlich feiern, auch ohne Drum und Dran.

Autor: Nach einem beklommenen Schweigen fragte Rudi:

Rudi: Auch keinen Weihnachtsbaum?

Vater: Doch, einen Weihnachtsbaum sollt ihr haben, und Mutter wird auch wie in jedem Jahr Plätzchen backen.

Autor: Gretel war rot vor Ärger, als sie jetzt sagte:

Gretel: Aber das ist unrecht! Webers haben mit deinem Geld ihr Haus fertiggebaut, und wir sollen deswegen nichts zu Weihnachten bekommen!

Vater: Möchtest du, dass die schwächliche, junge Frau Weber und ihre lahme Schwiegermutter ausziehen müssen und nicht einmal wissen wohin, nur damit du dein Weihnachtsgeschenk hast?

Gretel: Das nicht, Vater, aber ungerecht ist es doch.

Vater: Die beiden Frauen sind schlimm genug dran, Weihnachten allein und in Trauer um den Verunglückten zu verleben. Die Sache mit dem Geld wird vom Siedlerverband geregelt, das geht mir nicht verloren. Nur dauert das eine Weile. Aber nun wollen wir nicht weiter davon reden, sondern unsern Adventskranz fertigmachen. Wenn Gott uns alle gesund erhält, wollen wir dankbar und zufrieden sein. Auf diese Weise kommen wir dazu, über den Sinn des Festes richtig nachzudenken. Das ist auch ein Gewinn.

Autor: An diesem Abend kamen die Kinder in ihren Schlafkammern nicht gleich zur Ruhe. Rudi und Karl schlichen sich zu den Mädchen hinüber. Die Sache mit den Weihnachtsgeschenken musste in aller Ruhe besprochen werden. Sie hockten auf Christels Bettrand beieinander und flüsterten erregt. Darüber erwachte Annette, sie richtete sich auf und sagte, nachdem sie ein Weilchen den Reden der Geschwister gelauscht hatte:

Annette: Was habt ihr nur, man muss es einfach dem Heiland sagen. Der kann alles.

Gretel: Ach, Spätzchen, Weihnachtsgeschenke macht der liebe Gott aber nicht. Da kannst du lange warten.

Annette: Ich habe aber gehört, wie Karl den Vers gelernt hat, „Unser Gott ist im Himmel, Er kann machen, was Er will.“

Karl: „Er kann schaffen, was er will“, heißt es.

Annette: Schaffen oder machen, das ist dasselbe. Wenn Er will, kann er auch Weihnachtsgeschenke schaffen.

Gretel: Er will aber nicht.

Annette: Warum nicht? Woher weißt du das? Gibt es dafür auch einen Vers in der Bibel?

Christel: Annettchen!

Autor: Christel, die ihre fünfjährige Schwester über alles liebte, nahm die Kleine in den Arm.

Christel: Der liebe Gott – ja – das ist nämlich so -.

Autor: Christel merkte, sie konnte nicht erklären, was sie selber nicht verstand.

Annette: Nun sag doch, wie ist das denn? Er hat doch damals den Wein gemacht bei der Hochzeit, und dann das mit den hungrigen Leuten, die alle satt wurden, fünftausend, das sind doch eine ganze Menge, nicht wahr? Und wir sind nur so ein paar.

Christel: Das war damals, als der Herr Jesus noch auf der Erde war.

Annette: Vater sagt immer, er ist auch jetzt noch bei uns.

Gretel: Annette, das verstehst du noch nicht.

Autor: Half Gretel ihrer großen Schwester aus der Verlegenheit.

Nein, Annette verstand es nicht. Am andern Tag wollte sie es vom Vater erklärt haben.

Annette: Vati, nicht wahr, in der Bibel steht, Gott kann machen, was Er will.

Autor: Christel stieß Rudi an. Wie würde sich der Vater herausreden? Sie wussten bereits, wie Annette jetzt weiterfragen würde.

Vater: Gewiss, das steht in der Bibel, und das ist auch so.

Annette: Na also, dann kann er auch machen, dass wir alle was zu Weihnachten kriegen.

Autor: Annette sah die Geschwister triumphierend an.

Vater: So meinst du das, hm. Wir haben schon etwas geschenkt bekommen, Annette. Gott hat uns seinen lieben Sohn geschenkt, und deshalb feiern wir Weihnachten.

Annette: Ja, und damit wir daran denken, bekommen wir etwas, weißt du, Vati, zur Erinnerung. Das haben wir bei der Sonntagschultante gelernt.

Vater: Wir können auch einmal ohne Geschenk daran denken, Annette, wir bekommen ja immerhin einen Weihnachtsbaum.

Annette: Ein Weihnachtsbaum ist sowieso immer da zu Weihnachten. Pass nur auf, wir werden schon alle was bekommen, glaubst du nicht? Ich glaub’s!

Autor: Dieses Gespräch verfolgte Vater und Mutter durch die nächsten Tage und Wochen. Sie wurden immer wieder daran erinnert. Annette unterhielt sich mit all ihren Bekannten darüber, und sie hatte viele Bekannte: den Milchmann, den Briefträger, die Verkäuferinnen im Lebensmittelgeschäft, ganz abgesehen von Fräulein Röder, der Sonntagschultante, die ihr in dieser Frage maßgebend war. Eines Tages erzählte sie ihrer Mutter:

Annette: Mutti, der Milchmann sagt, der liebe Gott, das wäre ein guter Mann, aber zu Weihnachten schenke er einem nichts. Das ist doch Unsinn.

Mutter: Wie kommt der Milchmann dazu, so etwas zu sagen?

Annette: Ich habe ihn gefragt, ob der liebe Gott wohl machen kann, dass wir alle etwas zu Weihnachten bekommen.

Mutter: Annette, das geht den Milchmann nichts an, ob und was wir zu Weihnachten bekommen. Erzähle das in Zukunft nicht bei den Leuten herum, hörst du?

Autor: Ein paar Tage später berichtete Annette:

Annette: Der Briefträger, Mutti, der weiß auch, der liebe Gott kann alles!

Mutter: Hast du etwa mit dem Briefträger darüber gesprochen, dass wir nur einen Weichnachtsbaum haben werden zu Weihnachten?

Annette: Nein, Mutti, ich habe ihn nur gefragt, ob er weiß, dass Gott alles machen kann.

Autor: In der Sonntagschule erklärte Fräulein Röder auf Annettes Frage, Gott könne gewiss alles machen, wir sollten nur beten, dann bringe Er alles zurecht.

Annette: Gut, dann werde ich beten!

Frl.Röder: Worum willst du beten?

Annette: Ich soll es niemandem sagen.

Autor: Fräulein Röder, die eine häusliche Sorge vermutete, gab dem Kind den Rat:

Frl.Röder: Gott kann alles zurechtbringen, Annette, ganz gleich, worum es sich handelt. Bete nur und vertraue.

Autor: Jubelnd kam das Kind mit dieser Botschaft nach Hause.

Annette: Man muss nur beten und vertrauen, dann kriegen wir alle etwas zu Weihnachten!

Mutter: Annette, wen hast du nun schon wieder gefragt?

Annette: Die Tante in der Sonntagschule, und die muss es ja wissen.

Mutter: Du hast ihr erzählt, wir hätten in diesem Jahr keine Weihnachtsgeschenke?

Autor: Fragte die Mutter bestürzt.

Annette: Nein, von Weihnachten habe ich kein Wörtchen gesagt.

Autor: Die Geschwister lachten über Annettes Beharrlichkeit, die Eltern aber empfanden sie als starke Belastung. Saßen sie abends allein beisammen, kamen sie immer wieder zu dem Ergebnis, Annettes Zuversicht würde enttäuscht werden.

Mutter: Könntest du nicht ein Schränkchen für die Kinder zimmern? Sie brauchen es so nötig. Karl und Rudi müssen unbedingt Schuhe haben, und ein bißchen Sperrholz für ein Puppenbettchen…

Vater: Nein, Mutter, du weißt, es wird mir schwer genug, die Zinsen für das vierte Quartal zusammenzubringen, dann kommen die Feiertage, an denen nichts verdient wird. Wir können nicht Annette etwas geben und die andern zusehen lassen.

Mutter: Aber in dem Kind wird innerlich etwas zerstört, wenn es Weihnachten enttäuscht wird.

Autor: Die Mutter wischte mit dem Handrücken über die Augen.

Vater: Wenn wir Weihnachten trotz allem froh und vergnügt beisammen sind, begreift das Kind vielleicht doch, wie wenig es auf Geschenke ankommt.

Mutter: Vergiss nicht, das Kind ist erst fünf Jahre alt.

Vater: Es steht geschrieben, Gott offenbart es den Unmündigen.

Autor: Der Vater, der so sprach, rang innerlich darum, Gott möge seinem kleinen Mädel den Glauben erhalten und die Zuversicht, die es so froh machte.

Am Montagmorgen, der Vater war zur Arbeit, die Geschwister in die Schule gegangen, da zog die Mutter Annette das kurze, schäbige Mäntelchen an und machte sich auf den Weg zum Einkaufen. Sie gingen die lange Straße in die Stadt hinein. Annette wagte keine Frage, das kleine Herz war schwer und traurig, weil sie nicht mit der Mutter darüber sprechen konnte, wovon sie ganz erfüllt war.

Der Weg war weit. Annette wusste, Mutter wollte in dem Laden einkaufen, wo alles billig war. In letzter Zeit ging sie immer dorthin. Sie kamen an die breite Straße, wo ein Laden am andern war. Wie schön alles im Spielzeugladen ausgestellt war! Annette sah die Mutter bittend an.

Annette: Darf ich dort gucken, solange du einkaufst?

Autor: Einen Augenblick zögerte die Mutter. Würden die Dinge im Schaufenster nicht erneut Wünsche wecken? Annettes Augen bettelten.

Mutter: Meinetwegen. Bleib aber am Schaufenster stehen, bis ich drüben aus dem Laden komme.

Autor: So stand das Kind und presste das Gesicht an die Fensterscheibe. Um diese Zeit war das Schaufenster noch nicht von Kindern belagert, und so konnte Annette alles in Ruhe betrachten, Puppen in rosa Kleidchen und in blauen und grünen, sitzend und liegend, mit Bubikopf und mit langen Zöpfen, die rechts und links über die Schultern hingen. Das Puppenhaus mit einer richtigen Treppe und einer Badestube, daneben eine Puppenschule und zwischen all den Herrlichkeiten eine Babypuppe – ein Traum von einer Babypuppe.

Mann: Suchst du dir etwas Schönes aus?

Autor: Annette sah zu dem Mann auf der hinter ihr ans Schaufenster getreten war. Es übermannte sie.

Annette: Dort, die Babypuppe –

Autor: Und dann fiel es ihr wieder ein, und sie sagte leise:

Annette: Aber wir bekommen nichts.

Mann: Wir? Wer ist das?

Annette: Vati, Mutti, Christel, Gretel, Karl und Rudi, Hella und ich.

Autor: Der Mann lachte auf.

Mann: Wie war das? Sag’s noch einmal!

Annette: VatiMuttiChristelGretelKarlundRudi,Hellaundich.

Mann: Hella und Rudi und wie sie alle heißen, sind das deine Geschwister?

Annette: Hmm.

Mann: Und wie heißt du?

Annette: Annette Jürgens.

Annette: Seid ihr nicht brav gewesen?

Annette: Doch – aber

Autor: Da fiel ihr ein, sie sollte ja niemandem etwas davon sagen.

Mann: Aber, Annette, was aber?

Autor: Das Kind warf mit einer herausfordernden Gebärde den Kopf zurück. Aus tiefstem Herzensgrund rief es aus:

Annette: Und ich glaube, wir kriegen doch etwas, weil der liebe Gott alles machen kann, was er will!

Mann: Da hast du recht, Kleine.

Autor: Der Mann nickte Annette zu und ging weiter. Gleich darauf war er zwischen den Leuten auf der Straße verschwunden.

Annette hätte gern mit der Mutter über das Erlebnis am Schaufenster gesprochen, aber die Mutter war auf dem ganzen Weg so ernst und eilig, da wagte sie es nicht.

Und dann war der Tag da.

Nach dem Mittagessen durften die Kinder nicht mehr in die Wohnstube, sie sollten den Weihnachtsbaum nicht vorher sehen. Diesmal war er recht klein, der Vater schmückte ihn jedoch mit größter Liebe und Sorgfalt.

Die Mutter gab sich Mühe, ruhig und heiter zu erscheinen. Die Kinder saßen in den Schlafkammern herum ohne Erwartung, ohne Freude. Sie sahen der Mutter an, es gab nichts als den Weihnachtsbaum. Nur Annette war fröhlich.

Annette: Ich freue mich! Ich freue mich!

Autor: Sang sie und ihre Augen strahlten.

(flüsternd zum Bruder)

Christel: Ich schenke ihr meine Puppe. Wenn sie nichts bekommt, fängt sie an zu heulen. Das halte ich nicht aus, dann heule ich mit.

Annette: Was flüstert ihr? Was habt ihr? Ach, wenn es doch schon dunkel wäre!

Autor: Sehr zeitig ging die Familie zur Weihnachtsfeier in die Kirche. Sie bekamen einen guten Platz. Annette schmiegte sich an die Mutter und zeigte auf die strahlenden Weihnachtsbäume.

Annette: Ist unser auch so schön?

Autor: Frau Jürgens konnte nicht sprechen. Heiß und hart saß es ihr in der Kehle. Die Kinder gaben sich redlich Mühe, mit der Gemeinde zu singen. Die sonst so hellen Stimmen klangen heute heiser und leise.

Wie Groß und Klein nach Hause drängte nach dem Gottesdienst!

Familie Jürgens hatte es nicht so eilig. Sie kamen früh genug an den leeren Tisch. Hier und da und dort sah man bereits die ersten Weihnachtsbäume hinter den Fenstern aufleuchten.

Vater: Wie gut ist es doch, wenn man ein Heim hat, ein Zuhause. Wir wollen von Herzen dankbar dafür sein.

Autor: Die Kinder wagten nicht, einander anzusehen. Annette aber fragte:

Annette: Vati, wir bescheren doch gleich, wenn wir nach Hause kommen?

Autor: Sie wirbelte davon, klinkte das Pfortchen auf und rief:

Annette: Kommt doch nur, schnell, ich halte es nicht mehr aus!

Mutter: Oh, das halte ich fast auch nicht mehr aus. Das Kind scheint wirklich zu glauben… .

Bringt eure Mäntel nach oben. Ich zünde inzwischen die Kerzen an.

Autor: Langsam, mit schweren Schritten, gingen die Kinder hinauf. Als sie die Treppe wieder herunterkamen, stand die Tür zum Wohnzimmer weit offen. Das warme Licht der Kerzen fiel in breitem Streifen auf den Flur. Da geschah das Merkwürdige.

Rudi erzählte später oft davon.

Rudi: Ich hörte, dass ein Auto vor der Tür hielt. Erst dachte ich mir nichts dabei, aber als die Wagentür knallte, kriegte ich so ein komisches Gefühl, musste schlucken und konnte keinen Schritt weitergehen.

Christel: Ja! (bestätigte Christel jedesmal)

Rudi: Mir wurden die Knie weich, weil ich Schritte auf dem Kies knirschen hörte – und dann schellte es schon.

Autor: Es schellte, noch während die Kinder auf der Treppe standen. Der Vater machte die Türe auf.

Mann: Bin ich hier recht bei Familie Jürgens?

Autor: Hinter einem großen Herrn erschien eine Frau. Beide waren angezogen wie alle Leute, da war kein Nikolausbart und kein Christkindsgewand. Aber beide hatten Pakete im Arm.

Sie blieben in der Wohnzimmertür stehen und die junge Frau begann zu singen:

Lied: „Vom Himmel hoch, da komm ich her…“

Autor: Alle sangen mit, zaghaft erst, dann immer fröhlicher und als das Lied zu Ende war, sagte der Mann:

Mann: Packt aus, Kinder!

Autor: Und er holte nochmals Pakete aus dem Wagen vor der Tür. Papier häufte sich, Kartons wurden zur Seite geschoben. Annette hüpfte von einem Bein aufs andere, den Traum einer Babypuppe auf dem Arm, und jauchzte immerzu:

Annette: Ich hab’s gewusst! Ich hab’s gewusst! Er kann machen, was er will!

Autor: Endlich konnte der Vater den fremden Herrn fragen:

Vater: Von wem haben Sie unsere Adresse? Und woher haben Sie gewusst…?

Mann: Das ist nicht schwer, eine Adresse zu bekommen. Man sieht ein kleines Mädel am Schaufenster stehen, fragt wie es heißt, und in zwei Lagen kann man alles weitere erfahren. Unsere bürokratischen Meldeämter haben auch etwas Gutes.

Christel: Wie haben Sie das nur so fein abgepasst? Wir wollten gerade in die Stube gehen.

Mann: Auch das war nicht schwer. Wir sind mit euch in der Kirche gewesen und sind euch dann mit einem kleinen Abstand gefolgt. Als wir draußen sahen, die Kerzen sind angezündet, da wussten wir, jetzt ist es soweit.

Vater: Sie haben uns einfach überrumpelt.

Mann: Ich glaube, das war auch nötig. Wenn ich erst lange gefragt hätte, darf ich Ihre Kinder bescheren, Sie hätten wohl kaum Ja dazu gesagt.Ich habe nur eine Bitte. Machen Sie kein Gerede davon. Meine Frau und ich, wir bescheren an Weihnachten immer eine kinderreiche Familie. Wenn man selber keine Kinder hat… .

Das Weihnachtswunder

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