Christliche Schatzkammer

Das Weihnachtsspiel mit einer Botschaft

          Das Weihnachtsspiel mit einer Botschaft

Autor: Auch dieses Jahr wurde es soweit. Bald war Weihnachten. In der kleinen Gemeinde liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Es musste ein Krippen­spiel mit den Kindern organisiert werden. Nach der Mitarbeiterbesprechung kam Vera nach Hause und sprach mit ihrem Mann Lucas.

Vera: Lucas, wir haben mit Onkel Jan und den anderen Mitarbeitern beschlossen, dass du dieses Jahr das Krippenspiel mit den Kindern einübst.

Lucas: Aber Vera, ich habe noch nie mit den Kindern gearbeitet, ich kann das nicht und außerdem hab ich wirklich nicht so viel Zeit, das weißt du doch.

Vera: Natürlich, ich weiß dass du sehr beschäftigt bist, das hab ich den anderen auch erklärt. Doch das kommt sicher daher, weil du so viele Talente hast. Du bist eben künstlerisch begabt. Und zudem, wer, wenn nicht du, sollte es sonst machen, du bist doch vom Fach, du bist Regisseur!

Lucas: Also gut… Aber wenn ich es mache, dann habe ich meine Bedingungen. Es muss viel besser werden, als in den letzten Jahren. Wir müssen es so anpacken, dass es perfekt aussieht.

Vera: Ja, sicher, sonst hätten wir dich ja nicht gefragt.

Lucas: Ich will eine gute Beleuchtung und vor allem eine gute Toninstallation, damit man auch ganz hinten im Saal versteht, was auf der Bühne gesprochen wird. Zudem müssen die Kostüme stimmen. Ich will keine Verkleidungsstücke mit alten Leintüchern. Ich will ein Weihnachtsspiel mit einer Botschaft!

Vera: Das ist genau das, was wir auch möchten. Ein Weihnachtsspiel mit einer Botschaft!

Autor: So war es geschehen, dass er, Lucas Weiß, Regisseur von einem Kinder­weihnachtsspiel wurde. Bei der ersten Besprechung zählte er gleich auf, was ihm alles wichtig war. Sie mussten damit rechnen, dass er alles ganz perfekt machen wollte. Er wiederholte, dass das wichtigste die Botschaft des Spiels sei. Alle waren damit einverstanden. Lucas wurde immer begeisterter. Vor allem, als er merkte, dass er ein paar ganz brauchbare Leute dabei hatte. z.B. Arnie, er war ein richtiger Tonfanatiker. Er kannte all die Tricks und Kniffe, dass man wirklich jedes Stimmchen im Saal hören würde. Er besorgte Lautsprecher und Mikrophone. Eine Sorge weniger für Lucas. Lucas wollte auch, dass die Kleidung der Kinder möglichst naturgetreu nachgemacht wurde. Eine riesige Arbeit, doch es würde sich bestimmt lohnen. Alle waren von Lucas’ Ideen begeistert. Alle, außer Onkel Jan, einem älteren Mann. Lucas fragte ihn.

Lucas: Onkel Jan, du sagst ja gar nichts. Findest du meine Vorschläge nicht gut?

Jan: Gut finde ich die eigentlich schon. Aber wir dürfen die Kinder nicht vergessen; die müssen es schließlich vorführen.

Autor: Ja, die Kinder! Als Lucas mit ihnen anfing zu proben, verlor er beinahe den Mut. 40 Jungen und Mädchen, die solch einen Lärm veranstalteten, dass man meinte, eine Revolution wäre ausgebrochen. Glücklicherweise war Onkel Jan da. Er studierte Lieder mit den Kindern ein und begleitete sie auf dem Klavier. Auf ihn hörten die Kinder, es gelang ihm ohne Mühe, die Schar zur Ruhe zu bringen. Nach einiger Zeit, mit viel Mühe, hatte Lucas die Rollen verteilt. Alle jene, die er nirgends unterbrachte, durften im Engelchor mitsingen. Doch ein Junge, der kleine Rene, sang so falsch, dass ihn Lucas zum Hirten ernennen musste. Lucas Begeisterung steckte schon bald die Kinder an. Es lag ihm viel daran, dass sie begriffen, was er von ihnen erwartete und was die Bedeutung des Spiels war. Oft wiederholte er:

Lucas: Kinder, ich möchte, dass ihr eins begreift: ich will ein Weihnachtsspiel mit einer Botschaft! Wisst ihr, was ich meine? Ich will, dass ihr so singt und spielt, dass die Zuschauer verstehen, warum Herr Jesus in diese Welt gekommen ist.

Autor: Lucas bekam immer mehr Spaß beim Proben mit den Kindern. Nur ein Kind bereitete ihm Sorgen – der kleine Rene. Nicht, dass er nicht gewollt hätte, aber im entscheidenden Moment schien er überhaupt nicht bei der Sache zu sein. So war es auch dieses Mal beim Proben: der Engelchor fing leise an zu singen und eigentlich wäre der Rene jetzt dran.

Lucas: Hirte, was träumst du? Ja, du Rene. Du bist wieder zu spät mit deinem Einsatz. Was musst du jetzt sagen? Na?

Rene: Ich sage, ich sage…

Lucas: (unterbricht)Du musst nur sagen: „Schaut, es wird hell!“

Autor: Doch es war hoffnungslos. Rene schaffte es einfach nicht. Nach der Probe sagte Lucas zu Onkel Jan.

Lucas: Ich werde Rene’s Rolle einem anderen geben müssen. Wie oft haben wir schon geübt. Er schafft es einfach nicht.

Jan: Nein, tu es nicht. Rene ist halt ein Träumer. Der Text macht ihm keine Mühe, und wenn schon. Vera ist ja da, sie kann es ihm sonst vorsagen.

Lucas: Aber ich will nicht, dass das ganze Spiel nur wegen einem Jungen verdorben wird.

Jan: Ach, komm schon, das wird schon gehen. Sonst müssen die anderen einfach weitermachen. Die Botschaft wird darunter schon nicht leiden.

Autor: Lucas musste sich geschlagen geben. Onkel Jan war wirklich jedes einzelne Kind wichtig. Eine Woche vor der Aufführung wurde Rene krank. Am Tag als die Probe stattfinden sollte, sagte ihm die Mutter.

Mutter: Rene, du bleibst heute zu Hause.

Rene: Nein, Mama, ich muss unbedingt hin. Das ist wahrscheinlich die letzte Probe und bei mir hat es noch nicht richtig geklappt. Der Lucas wird bestimmt wieder schimpfen.

Mutter: Eine einzige Probe zu verpassen ist bestimmt nicht so schlimm und du bist noch nicht ganz gesund. Ich werde dich schon entschuldigen.

Autor: Was die Mutter sagte, hielt sie auch ein. Rene musste da schon gehorchen, doch er war keineswegs beruhigt. Er wusste, dass er kein guter Schauspieler war. Eigentlich war er selbst schuld daran, und doch konnte er nichts dafür. Er wusste genau, was er beim Spiel sagen musste, doch wenn Onkel Jan auf dem Klavier spielte und die Kinder so schön sangen, vergaß er alles um sich her. Ihm war, als ob er echte Engel und Hirten sähe. Dann war er in Bethlehem und dachte an den Herrn Jesus. Und dann sollte er plötzlich etwas sagen, aber so schnell konnte er sich nicht erinnern und Lucas schimpfte jedesmal. Doch jetzt nahm er sich vor:

Rene: Bei der Aufführung wird es schon klappen. Wenn alle Leute zuschauen, dann werde ich mich ganz fest zusammenreißen und aufpassen. Ich will es richtig machen, damit alle Zuschauer verstehen, weshalb der Herr Jesus auf die Welt gekommen ist. Onkel Jan hat uns davon erzählt. Jesus ist gekommen, um in den Herzen der Menschen zu wohnen, aber die meisten wollten ihn nicht empfangen. Er fand nur Platz in einem Stall. Aber ich will den Herrn Jesus aufnehmen. Onkel Jan hat gesagt, wenn man ihn liebt, soll man ihn bitten, dass er ins Herz kommt. Dann tut Jesus das auch und bleibt für immer drin. Und Lucas sagt auch immer, dass das die Botschaft vom Weihnachtsspiel ist.

Autor: Weil der Rene nicht zur Probe kam, ersetzte ihn der Lucas durch einen anderes Jungen, der den Wirt spielte und es klappte ausgezeichnet. Dann kam der Abend des Weihnachtsspiels. Lucas war noch nie so nervös gewesen und es gab noch so viel zu tun. Die Bühnenbilder waren ein großer Erfolg. Alles sah so echt aus. Fast fühlte man sich 2000 Jahre zurückversetzt, in den Straßen von Bethlehem. Arnie hatte auch nicht zu viel versprochen, die Tonqualität war ausgezeichnet. Die Mikrophone waren so gut verteilt, dass man jedes Kind, das auf der Bühne etwas sagen musste, im ganzen Saal hörte. Kurzum, alles lief planmäßig. Dann strömten die erwartungsvollen Zuschauer in den Saal. Lucas war furchtbar aufgeregt. Er hatte alle Hände voll zu tun, die Kinder zu beruhigen. Zum Glück war Onkel Jan auch da. Und dann stand plötzlich Rene vor ihm. Lucas hatte gar nicht mehr an ihn gedacht, er war froh gewesen, ihn so einfach los zu sein. Mit großen, erwartungsvollen Augen schaute Rene Lucas an.

Rene: Hallo, Lucas, ich bin wieder gesund.

Lucas: Schön, Rene, aber ich musste deine Rolle einem anderen geben.

Rene: Aber, aber… ich kann es bestimmt…

Lucas: Das geht jetzt nicht. Setz dich zu den Zuschauern, dann kannst du alles genau sehen.

Autor: Rene’s Augen füllten sich langsam mit Tränen. In diesem Moment kam der Onkel Jan und sagte leise zu Lucas.

Jan: Das kannst du nicht machen. Schau dir doch den Jungen an. Seine ganze Welt bricht zusammen, er hat sich so auf diesen Abend gefreut.

Lucas: Und wenn es nicht klappt???

Jan: Dann geht die Welt auch nicht unter. Aber ich glaube, dass Rene es bestimmt schafft!

Lucas: Also gut. Er kann mitspielen, aber nicht als Hirte.
(zu Rene gewandt)Rene, hör gut zu. Den Hirten spielt Andreas, das kann ich jetzt nicht mehr ändern. Aber du kannst seine Rolle übernehmen, den Wirt der Herberge. Wenn Josef und Maria kommen und nach einem Nachtlager fragen, brauchst du bloß den Kopf zu schütteln. Hast du verstanden? Du hast es ja in den Proben oft genug gesehen. Du musst nur im richtigen Moment den Kopf schütteln.

Autor: Rene wurde blass, doch er konnte nichts mehr erwidern, denn Lucas war schon davon gerannt. Es gab ja noch so viel zu tun. Punkt um acht Uhr hob sich der Vorhang und das Stück begann. Alles klappte prima. Seitlich der Bühne stand Lucas und beobachtete. Die Kinder spielten ausgezeichnet und die Engel sangen wunderbar. Langsam beruhigte sich Lucas. Das mühsame, wochen­lange Proben hat sich gelohnt. Alles lief wie am Schnürchen. Maria und Josef kamen in Bethlehem an. Sie sahen wirklich so müde aus, als ob sie tagelang unterwegs gewesen wären. Sie klopften bei der Herberge an und der Wirt mit seiner Frau traten heraus.

Josef: Wir kommen von weit her und sind so müde, zudem bekommt meine Frau ein Baby. Haben Sie nicht einen Platz, wo wir für die Nacht bleiben können?

Autor: Wie versteinert stand Rene da, seine Augen vor Entsetzen geweitet. Er öffnete seinen Mund, als ob er etwas sagen wollte, brachte aber keinen Ton heraus. Die Spannung im Publikum stieg. „Nein“- flüsterte ihm die Vera zu, doch Rene reagierte nicht. Tränen rannten über seine Wangen, als er Maria und Josef anschaute. Dann rettete die Wirtin die Situation.

Wirtin: (laut)Nein! Wir haben kein Platz!

Autor: Sagte sie laut, packte Rene am Arm, zog ihn in die Hütte und schlug die Tür zu. Und dann hörte man herzzerbrechendes Weinen.

Rene: Ich kann ihn nicht draußen lassen! Ich will den Herrn Jesus nicht wegschicken!

Lucas: Oh nein, dieser Bengel! Das ganze Spiel hat er vermiest. Ich habe es gewusst. Und diese perfekte Toninstallation, jetzt hat jeder im Saal das Weinen des Jungen gehört. Meine ganze Arbeit ist umsonst…

Autor: Wütend wandte sich Lucas zu Onkel Jan, doch er brachte kein Wort mehr heraus, als er die Tränen in den Augen des alten Mannes sah. Dieser flüsterte:

Jan: Du wolltest ein Weihnachtsspiel mit einer Botschaft, dein Wunsch ist in Erfüllung gegangen…

Autor: Und jetzt erst bemerkte Lucas, wie still es im Saal geworden war, denn in allen Ohren klangen noch die Worte:

Rene: (mit Echo)Ich kann ihn nicht draußen lassen! Ich will den Herrn Jesus nicht wegschicken!

Das Weihnachtsspiel mit einer Botschaft

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