Christliche Schatzkammer

Das Weihnachtsgeschäft

                     Das Weihnachtsgeschäft

Sprecher 1: Die kleine Stadt war ganz in Weiß gehüllt und wirkte wie ein Märchendorf. Das brachte die Leute richtig in Stimmung. Mütter eilten noch einmal über den Weihnachtsmarkt und gingen bepackt wieder nach Hause. Einige Männer schleppten Weihnachtsbäume und sahen aus wie der Nikolaus. Die Kinder hatten ihren Spaß am Schnee, sie waren an diesem herrlichen Tag am Rodelberg anzutreffen. Nur in der Amselstraße sah man an diesem Tag am Fenster der Erdgeschosswohnung eine plattgedrückte Nasenspitze. Dani Dopsa war wohl der einzige Junge, der sich nicht im Schnee tummelte. Er saß am Fenster, schaute hinunter auf die Straße und beobachtete die Leute. Er kannte alle Einwohner der Amselstraße. Es war keine große Straße. An anderen Tagen hatte er den Vorübergehenden zugewunken oder einen Gruß aus dem Fenster gerufen. Heute hatte er keine Lust.

Dani ärgerte sich über die Leute. Wenn er in ihre frohen Gesichter sah, wenn er die Weihnachtsbäume anschaute, welche die Väter für ihre Familien nach Hause schleppten, wurde er ärgerlich und neidisch. Als dann eine Schar Kinder mit ihren Schlitten an seinem Fenster vorbeizog, da war es aus mit seiner Fassung. Eine dicke Träne des Ärgers und auch des Selbstmitleids rann über sein Gesicht.

Dani: Warum ist bei mir alles so anders? Warum kann ich nicht mit ihnen spielen?

Sprecher 1: Dieses „Warum?“ hatte ihn schon oft beschäftigt, aber Grübeleien nutzten nichts. Dani war gelähmt und er wusste, dass kein Arzt ihm helfen konnte. Er wusste, dass er niemals seine Beine würde gebrauchen können.

Früher, noch vor einem Jahr, war das nicht ganz so schlimm für ihn. Da wohnte Vati noch bei ihm. Er hatte immer lustige Späße auf Lager und spielte am Abend „Mensch ärgere dich nicht“ und „Elfer raus“ mit ihm. Dabei hatte Vati meist verloren. Und in der Adventszeit, da sägten sie miteinander Figuren aus und malten sie an.

Aber nun waren seine Eltern geschieden. Er sah den Vater nur einmal im Monat, und da war dann alles anders als früher, als sie noch eine Familie waren.

Dani: (sitzt und überlegt) (Seufzer)Ach, es ist wirklich schrecklich. Die anderen Kinder können jetzt draußen rumtoben, und ich… Und dazu auch noch die Sache mit Mama und Papa, einfach schlimm! Ich sitze hier den ganzen Tag nur herum und tue gar nichts… (Pause)Jaaa, genau! Jetzt weiß ich was mir fehlt. Ich brauche einen Freund – das ist es!

Sprecher 2: Ja, da hat Dani doch wirklich eine tolle Idee bekommen, einen Freund wollte er haben. Aber wie sollte er das anstellen? Bis jetzt hatte er doch keine Freunde. Und er konnte sich doch keinen einfach so mal zu Weihnachten wünschen! Doch auch für dieses Problem fand er eine Lösung.

Dani: Genau, so mach ich es. Ich werde aus meinem Goldpapier kleine Sterne ausschneiden, und auf die weiße Rückseite etwas draufschreiben. Und dann werfe ich die Sterne aus dem Fenster, wenn ich Kinder unter meinem Fenster bemerke.

Sprecher 2: Gedacht – getan. Schnell gab er seinem Rollstuhl einen Schubs und lenkte ihn zu seinem Schreibtisch. Nach einigem Kramen zog er ein Stück Goldpapier aus seinem Fach. Daraus schnitt er zwanzig kleine Sterne. Auf die weiße Rückseite schrieb er dann: „Ich suche einen Freund! Wer will mit mir spielen und basteln? Dani Dopsa, Amselstraße 1.“ Ob das eine gute Idee war?

Dann richtete er sich entschlossen in seinem Rollstuhl auf und steuerte zurück zu seinem Fensterplatz. Jedesmal, wenn er Kinderstimmen hörte, warf er einige Sterne aus dem Fenster. Er sah auch, wie sich Kinder bückten und seine Sterne aufhoben. Ein Junge winkte zu ihm herauf. Ein anderer aber zerknüllte den Stern und warf ihn in den Schnee. Dani war es, als würden sie ihn selbst in den Schnee werfen. Keiner wollte Freundschaft mit ihm haben. Wieder stieg Hass in seinem Herzen auf. Alle freuten sich auf Weihnachten, alle schmiedeten Pläne. Nur er saß traurig da.

Dani: (sitzt zunächst niedergeschlagen, schreckt dann plötzlich auf)War da nicht eben etwas? Ach ja, die Klingel. Ist es Mutti? Ach nein, kann nicht sein; sie kommt erst nach sechs Uhr!

Sprecher 2: Mit zittriger Hand nahm er den Hörer der Sprechanlage. Würde sich gleich sein neuer Freund anmelden? Bevor Dani sich zu erkennen geben konnte, hörte er eine fröhlich Stimme aus dem Hörer.

Stefan: Ist dort Dani Dopser? Hier spricht Stefan Köhler. Mach bitte auf, ich will mit dir basteln.

Sprecher 2: Kaum hatte Dani den Knopf gedrückt, da stand Stefan mit einem Koffer schon vor ihm.

Stefan: (begeistert)Dani, ich habe eine Idee! Wir beide starten eine Weihnachtsaktion.

Dani: (erstaunt)Eine Weihnachtsaktion?

Stefan: Ja, genau. In unserer Straße gibt es so viele Leute, die einsam und traurig sind, denen machen wir eine Weihnachtsfreude.

Sprecher 2: Der gelähmte Junge schaute erstaunt auf. Er hatte noch nie daran gedacht, dass außer ihm noch jemand traurig sein könnte.

Dani: (skeptisch)Und an wen denkst du?

Stefan: (ohne zu zögern)Genau gegenüber von dir wohnt Monika, sie hat den Fuß gebrochen. In Haus Nr. 5 wohnt Oma Lüdke, die bekommt fast nie Besuch; sie ist sehr einsam. In Nr. 7 ist eine Familie neu zugezogen, die fühlen sich bestimmt noch fremd…

Sprecher 3: Stefan sprudelte richtig über. Dann fertigten sie beide eine Liste an. Zehn Leute wollten sie überraschen. Weihnachtssterne, Tannenzweige, einen Goldengel und eine Karte mit einem Vers sollten die Leute bekommen. Als der Plan fertig war schaute Dani seinen Freund fragend an.

Dani: Stefan, wie bist du auf diese Idee gekommen?

Stefan: Weil ich selber traurig und einsam war. Ich wohne noch nicht lange hier. Meine Eltern sind auch geschieden. Weil meine Mama arbeiten geht, bin ich viel alleine. Ich tat mir immer Leid und dachte, ich wäre der ärmste Junge auf der Welt.

Dani: (reißt vor Erstaunen den Mund auf während Stefan redet, dann leise)Dem geht es ja genau wie mir! Und ich dachte, ich wäre der Einzige…

Stefan: Eines Tages las ich in meiner Bibel, dass Jesus in die Welt gekommen ist, um unser Freund zu sein. Ich bat ihn, dass er mir die Sünden vergibt und mich seien Liebe spüren lässt. Es ist in meiner Familie alles beim Alten geblieben – Vati kam nicht zurück, Mutter musste weiterhin arbeiten – aber Jesus gab mir Freude, als ich traurig war. Er hat mich auch daran erinnert, dass es noch mehr einsame Menschen gibt, die er froh machen will.

Sprecher 3: Dani wurde plötzlich still. Er hätte nie gedacht, dass dieser Stefan an Jesus glaubte. Er sehnte sich danach, Jesus ebenso als Freund kennen zu lernen. Als er wieder aufschaute, hielt Stefan ihm eine kleine Bibel unter die Nase. Er hatte die Weihnachtsgeschichte aufgeschlagen. Dani las die Geschichte, die er schon so oft gehört hatte. Aber diesmal war es anders. Es war, als würde während des Lesens Jesus mit ihm reden.

Stimme: „Dani, auch für dich kam ich zur Welt, auch für dich bin ich dann gestorben und für dich bin ich auch auferstanden. Ich verstehe dich, weil ich auch einmal einsam war.“

Sprecher 3: In Danis Herz zog Freude ein und er nahm sich vor, in der Adventszeit nicht an seine Sorgen zu denken, sondern an andere, die auch einsam waren. Sein zweiter Vorsatz war, in der Bibel mehr über Jesus zu lesen, weil er allein ihn froh machen konnte.

Sprecher 4: Aus Oma Lüdkes Küchenfenster zogen verheißungsvolle Düfte. Die alte Frau wirtschaftete mit hochroten Wangen in ihrer Küche. Ab und zu blieb sie stehen und warf einen Blick aus dem Fenster, dann ging ein verschmitztes Lächeln über ihr faltiges Gesicht. Sie musste an den Vorabend denken.

(Pause)

Es hatte plötzlich Sturm geläutet. Als sie zur Tür kam…

Oma: Wer ist da? Ist denn niemand da? Seltsam. Nanu, was glitzert denn da im Licht der Lampe? O, ein kleiner Goldengel auf einem Tannenzweig mit vielen goldenen Sternen um sich herum! Wie niedlich!

Sprecher 4: Ja, so entdeckte Oma Lüdke die Weihnachtsüberraschung der beiden Freunde. Tränen traten ihr vor lauter Freude in die Augen. Es hatte jemand an sie gedacht, an sie, die alte, einsame Oma. Als sie dann im Lehnstuhl saß und die Karte las, musste sie an ihre Kindheit denken.

Oma: Ich habe vergessen, dass Jesus der Grund meiner Weihnachtsfreude ist. Ich habe nicht mehr daran gedacht, dass er auch für mich, eine alte, einsame Frau, in diese Welt gekommen ist.

Sprecher 4: Plötzlich zog eine große Freude in ihr Herz. Sie faltete die Hände und dankte dem Herrn Jesus, dass er auch für sie gekommen war.

Dann hatte sie eine Idee. Mit großen, zittrigen Buchstaben schrieb sie ein Plakat und heftete es an ihren Gartenzaun. Die Vorübergehenden schauten es staunend an. Einige schüttelten den Kopf, andere sagten: „Ich glaube, Oma Lüdke wird wunderlich.“ Die Leute konnten den Satz nicht verstehen. Nur einer, ein hochgewachsener Junge, schaute drauf und wusste Bescheid. Es war Stefan Köhler. Auf dem Plakat stand nämlich: „Ich suche meinen Weihnachtswichtel.“

Stefan, der ja selbst der Weihnachtswichtel war, ließ Oma Lüdke lange warten. Er musste zuerst Dani Dopsa Bescheid sagen, und dann wollte er warten, bis es schon etwas dunkel geworden war. Die Sache musste vorsichtig angepackt werden, er durfte von niemandem in der Amselstraße als Weihnachtswichtel erkannt werden.

Oma Lüdke schaute den ganzen Tag aus dem Fenster. Sie wollte schon die Hoffnung aufgeben. Endlich, kurz vor 6 Uhr, klingelte es.

Stefan: (lächelnd)Hallo, ich bin Ihr Weihnachtswichtel, aber nicht ich alleine, Dani Dopsa gehört auch dazu. Bei dem Glatteis konnte er aber nicht mitkommen.

Oma: Macht nichts, Stefan. Aber komm nur herein. Du kannst es dir nicht vorstellen, wie froh ich über euer Geschenk bin! Wie lieb von euch, dass ihr an so eine einsame, alte Frau denkt.

Stefan: Ja, wir haben uns vorgenommen, in der Adventszeit in diesem Jahr möglichst vielen Leuten eine Freude zu machen.

Oma: Das ist aber fein!

Stefan: Mh, das riecht aber lecker! Da läuft einem ja das Wasser im Mund zusammen.

Oma. Findest du wirklich? Hier, die sind für euch.

Sprecher 4: Mit diesen Worten stellte Oma Lüdke drei große Dosen, gefüllt mit goldgelben, köstlich duftenden Weihnachtssternen vor ihn auf den Tisch. Über das alte Gesicht ging dabei ein Strahlen, und bevor Stefan etwas fragen konnte, erklärte die Frau ihr Handeln.

Oma: Ich will in euren Wichtelclub eintreten. Nimm die Sterne mit und verschenkt sie weiter. Wenn ihr noch etwas braucht oder ich irgendwie helfen kann, dann gib mir bitte Bescheid.

Mit schnellen Schritten eilte Stefan zu Dani, jetzt gab es viel Arbeit. Sie mussten ihre Liste erweitern, neue Karten schreiben; ihr Weihnachtsgeschäft lief auf Hochtouren.

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