Christliche Schatzkammer

Ich hab Ihn treu erfunden

Ich hab Ihn treu erfunden,
könnt ich nur sagen wie!
Ich möcht‘ die Knie beugen
und immer nur bezeugen:
Es mangelte mir nie.

Seitdem Er Seine starke
und treue Hand mir lieh,
dass ich Ihm trauen sollte,
weil Er mich führen wollte:
Es mangelte mir nie.

Trotzdem ich Ihm gekostet
unendlich viele Müh,
Ihn ach so oft betrübet,
Ihn nie genug geliebet:
Es mangelte mir nie.

Sooft aus dunklen Nächten
mein Herze zu Ihm schrie,
Er wusste stets Erquickung,
Er brachte mir Beglückung:
Es mangelte mir nie.

Ich mochte zu Ihm kommen
des Abends oder früh,
verwundet oder schuldig
nie ward Er ungeduldig:
Es mangelte mir nie.

Sooft ich in Gedanken
mein Leben rückwärts zieh,
in all den tausend Fragen,
in all den tausend Lagen:
Es mangelte mir nie.

Und könnt ich je nicht reden
die Worte, schwänden sie,
dann sollt ihr immer wissen,
ich ruh zu Seinen Füßen:
Es mangelte mir nie.

Anni von Viebahn (1884- 1931)

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