Christliche Schatzkammer

Zur Jahreswende

Des alten Jahres Stunden
sind alle bald entschwunden.
Was haben sie uns wohl gebracht?
Gab es nur Glück und Segen
auf allen unsren Wegen?
Vielleicht auch manche Trübsalsnacht?

Lasst uns nun an der Wende
des Jahrs‘, das bald zu Ende,
still stehn, und wenden unsern Blick
zu den verflossnen Tagen
und stellen uns die Fragen:
Wünsch ich mir dieses Jahr zurück?

Hab ich auch nicht versäumet,
aus Lässigkeit verträumet
die angebotne Gnadenzeit?
Werd ich vor Gott bestehen,
wenn ich dereinst werd gehen
von hier? – Trag ich das Hochzeitskleid?

Hab ich in Krankheitstagen
die Hand, die mich geschlagen
auch dankbar, ehrfurchtsvoll geküsst?
Der Feinde bittres Schmähen,
der Freunde übersehen,
demütig, stille auch begrüßt?

Darf ich auch stille sagen:
Ich habe still getragen
die Last, die Gott mir auferlegt?
Hab ich nicht oft mit Murren
mich wegen Gottes Führen
voll Trotz und Zorn sich aufgeregt?

Ließ sich mein Herz erweichen
durch all die Liebeszeichen
die Gott an mir erwiesen hat?
Ach, wenn ich daran denke
vor Scham die Augen senke
ich dann und fleh zu Gott um Gnad.

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