Christliche Schatzkammer

Jahresschluss

Leise die Stunden verrinnen
Die letzten im alten Jahr
Ich sitze in tiefem Sinnen,
Da wird mir so manches klar.

Wie rasch das Jahr ist verronnen,
Die Wochen und Monden flieh’n
Kaum hat es erst begonnen,
Nun seh ich von dannen zieh’n.

Viel ist von mir unterblieben,
Wozu es mich leise gemahnt.
Viel mehr hätt‘ ich sollen lieben,
wo träge am Wege ich stand.

Nun, da die Stunden enteilen,
Tut es mir herzlich leid.
Ich wusste die Zeit nicht zu teilen
und fand für vieles nicht Zeit.

Ich hätte viel mehr sollen lesen
im heiligen Bibelbuch.
Es wär‘ mir zum Segen gewesen,
und tat es lang nicht genug.

Hier wollte ein Brief ich schreiben,
dort wartet wohl jemand auf mich.
Oft ließ ich dann beides,
die kostbare Zeit, sie entwich.

Schwer will auf’s Herze mir fallen,
viel hab‘ ich zwar gerne gewollt.
Was tat ich nun von dem allen?
Zur Hälfte nicht das, was ich sollt‘.

Wozu mein Herz mich getrieben,
oft habe ich’s nicht getan.
Viel Gutes ist unterblieben,
Das klaget heute mich an.

Doch wie sieht der Meister von oben
auf meine Arbeit herab?
Ich weiß, Er kann mich nicht loben,
Wohl schlecht ich gedienet Ihm hab‘.

Vergib mir, o Gärtner! – vergebens
hast Du schon so oft gesucht
Am Baum auch meines Lebens,
Wie am Feigenbaum die Frucht.

Vergib ihn, lass ihn noch stehen
und wenn auch im hintersten Raum.
Es möchte vielleicht noch geschehen,
dass Frucht dir bringe der Baum.

Lass wieder den Baum neu durchströmen,
den Saft, der Früchte erzeugt.
Er möchte ja selber nicht länger,
So träge und unfruchtbar sein.

Leise die Stunden verrinnen,
die letzten im alten Jahr.
Ich sitze im tiefen Sinnen,
da wird mir so manches klar.

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