Christliche Schatzkammer

Wir rufen nicht nach Rache

Wir rufen nicht nach Rache,
wir beten um Geduld,
denn es ist Gottes Sache,
zu rächen einst die Schuld.
Es ist jetzt nicht die Zeit,
dass wir Vergeltung üben,
uns lehrt den Feind zu lieben
der Herr der Herrlichkeit.

Wie manche unsrer Brüder
sind hart vom Feind bedroht,
er tritt sie grausam nieder
und quält sie bis zum Tod.
Gib Deinen Zeugen Kraft,
steh ihnen, Herr, zur Seite
im Kampf im Glaubensstreite,
dass nicht ihr Mut erschlafft!

Und wir? – Dem Meister folgen,
das möchten wir wohl gern,
wenn Sturm und finstre Wolken
und wenn Gefahren fern.
Du weißt um unsre Scheu,
für Dich, 0 Herr, zu leiden.
So mach zu diesen Zeiten
uns mutig, stark und treu!

Das Kräutlein Geduld

Ein Kräutlein brauchen wir alle sehr,
das braucht der Mann – und die Frau noch mehr;
sie braucht’s in der Küche, sie braucht’s in den Stuben.
Sie braucht’s für die Mädchen, sie braucht’s für die Buben,
bei all den kleinen, unruhigen Geistern. –
Wir brauchen’s, wenn andre uns modeln und meistern.

Man braucht’s in der Jugend stürmischem Drang;
man braucht es in Lebenstagen so bang.
Wir brauchen’s, wenn schier uns die Kräfte versagen
und wenn Tag für Tag es gilt, Lasten zu tragen.

Am meisten brauchen’s die lieben Kranken. –
Wir brauchen’s, wenn menschliche Stützen wanken,
wenn langsam der Lebenstag hier versinkt
und immer noch nicht der Heimruf erklingt. –
Wir brauchen’s bei eigner und fremder Schuld,
das teuerwerte Kräutlein Geduld.

Nur einer kann dir dies Kräutlein gewähren,
nur einer kann diese Kunst dich lehren.
0 hör auf Sein heiliges, göttliches Wort,
und lauf aus Seiner Schule nicht fort!
Er, der voll Sanftmut und Demut und Huld,
Er schenkt dir allein die heil’ge Geduld.