Christliche Schatzkammer

Zum Erntefest

Zum Erntefest, dem frohen,
Bring meine Gab‘ ich dar
dem Herrn, der uns in Treue
versorget Jahr um Jahr.
Er, der die Vögel nähret,
ob sie auch säen nicht,
Er reicht auch mir die Speise,
dass mir an nichts gebricht.

Die Lilien auf dem Felde,
die kleidet er gar schön
und lässt sein göttlich Wirken
mich allerwärts noch sehn.
Drum weih‘ ich neu mein Leben
Dir, Herr, nimm’s gnädig an.
Du hast zu meinem Heile
unendlich viel getan.
Hast auf dem Kreuzaltare
zum Opfer dich gebracht,
um alle zu erretten
aus Satans finstrer Macht!

Wie die Saat, so die Ernte

  1. Irret euch nicht, denn Gott lässt sich nicht spotten!
    Was der Mensch sät, das gedeiht und bringt Frucht!
    Folgst du dem Licht oder finsteren Rotten?
    Hast früh und spät deinen Gott du gesucht?
    Liefst du mit denen, die Ihm sich entfernten?
    Denn was der Mensch sät, das wird er auch ernten!
  2. Irret euch nicht, denn Gott lässt sich nicht spotten!
    Trägst du das gottselige Wesen zum Schein?
    Solch ein Schatz taugt nur für Rost oder Motten;
    Willst du ein Leugner der Kraft Gottes sein?
    Jene Verführer zum Schein auch viel lernten;
    Denn was der Mensch sät, das wird er auch ernten!
  3. Irret euch nicht, denn Gott lässt sich nicht spotten!
    Freund, komm zu Ihm, weil es heute noch heißt!
    Gib Gott dein Herz, – lass dein “ Ich“ Ihn verschrotten;
    Nie Er den, der zu Ihm kommt von sich weist!
    Lass sie, die hier nach der Weltlust nur schwärmten,
    Denn was der Mensch sät, das wird er auch ernten!
  4. Irret euch nicht, denn Gott lässt sich nicht spotten!
    Wer auf das Fleisch sät, der erntet den Tod!
    Sät gute Früchte! – so hat er geboten;
    Wer auf den Geist sät, entrinnt aller Not!
    War nur die geistliche Saat hier dein Streben,
    Erntest zum Lohn du vom Herrn ewges Leben.

Weiß steht das Feld zur Ernte!

Weiß steht das Feld zur Ernte!
Tief neigen sich die reifen Ähren.
Lange genug das Reifen währte.
Nun sollen voll die Scheunen werden.

Hörst Du denn nicht den Wind,
wie er leise spricht:
Wo sind die Schnitter?
Es reicht der Arbeiter noch nicht!

Siehst Du das Feld,
wie ein Meer, im Wind bewegt,
wie es sich legt, wieder erhebt?
Sag ob Dir’s nicht durchs Herze geht!

Kannst Du denn länger widerstehen?
Kannst Du denn Menschen sterben sehen?
Oh lass doch alles, alles stehen!
Gott will Dich bei der Arbeit sehen!

Du sprichst von keiner Zeit.
Du sprichst von später.
Gott ruft!, drum sei bereit!
Sei doch des Wortes Täter!

Hörst Du den Ruf, in dieser Zeit?
„Greift zur Sichel, denn die Ernte ist reif!“
Kannst Du noch länger müßig stehen?
Wann wird Gott endlich Taten sehen?

Schon rauscht der Sichel leiser Ernteklang.
Schon werden Garben hier und dort gebunden.
Es klingt der Schnitter fröhlicher Gesang.
Oh kommt! Es sind noch wenig Stunden.

Mit jedem Sichelschnitt,
hörst Du den mahnend Ruf:
Oh bringet Arbeiter doch mit!
Es sind der Schnitter nicht genug.

Die Sonne sinkt im Abendrot.
Das Feld ist noch nicht leer.
Oh komm, denn Dich ruft Gott!
Oh zögre Du nicht mehr!

Es ist schon Nacht!,
doch tönt der Sichelklang.
Oh komme, eh‘ es tagt,
denn dann ist Erntedank.

Hilf doch zu holen heim die Garben!
Siehst Du die Not denn nicht?!
Siehst Du wie viele Menschen darben?!
Du aber helfest nicht!

Du denkst noch an Dein eigen Leben!
Du willst lieber nehmen als zu geben!
Umsonst ist all Dein Streben!,
wenn Du nicht willst für Jesus leben!

Ein wenig Zeit nur noch,
bald schlägt es Mitternacht!
Oh Bruder, Schwester höre doch!
Tu was viele selig macht!

Willst Du noch weiter stehen,
auf Deine eigenen Wege sehen?
Lass alles liegen, alles stehen!
Für Sünder fange an zu flehen!

Nimmst Du die Sichel nicht zur Hand,
und fängst nicht an zu schneiden,
so bleibt das Sünderblut an Deiner Hand!
Dann wirst Du bitter weinen!

Du bist dann der schlechte Knecht,
der seine Pfunde einst vergraben.
Darum bedenke einmal recht!
Fang an zu ernten,
und Du wirst Frieden haben.

Hör‘ doch den Ruf in dieser Zeit:
Es reicht der Arbeiter noch nicht.
Von Herzen antworte noch heut:
Ich bin bereit, Herr sende mich!

Herr, die Erde ist gesegnet

Herr, die Erde ist gesegnet
Von dem Wohltun Deiner Hand;
Güt‘ und Milde hat geregnet,
Dein Geschenk bedeckt das Land.
Auf den Hügeln in den Gründen
Ist dein Segen ausgestreut;
unser Warten ist gekrönet,
unsre Herzen sind erfreut.

Gnädig hast Du ausgegossen
Deines Überflusses Horn,
ließest Gras und Kräuter sprossen,
ließest wachsen Frucht und Korn.
Mächtig hast Du abgewehret
Schaden, Unfall und Gefahr,
und das Gut steht unversehret,
und gesegnet ist das Jahr.

Hilf, dass wir dies Gut der Erden
treu verwalten immerfort;
alles soll geheiligt werden
durch Gebet und Gottes Wort.
Was wir wirken und vollenden,
sei gesät in Deinen Schoß,
dann wirst Du die Ernte senden
unaussprechlich reich und groß.

         Heinrich Puchta 1843

Es ist nun Herbst geworden

Es ist nun Herbst geworden,
der Sommer tagt dahin,
ein Wind weht aus dem Norden
die grauen Nebel ziehn.

Wenn dunkle Schatten decken
das nebelgraue Land
und woll’n das Herz erschrecken,
dann sieh des Meisters Hand!

ER kommt in Herbstestagen
und naht sich still und sacht,
um nach der Frucht zu fragen,
die IHM sein Kind gebracht.

Wohl freut ER sich im Lenze,
wenn alles singt und klingt,
nimmt huldvoll an die Kränze,
die IHM der Sommer bringt.

Doch Blütenschmuck und Lieder,
das ist nicht, was ER sucht,
drum kommt im Herbst ER wieder
und fragt nach unsrer Frucht.

Die Frucht, die in der Stille
erglüht in Leidesglut:
Ein gottergebner Wille
mit still gelassnem Mut, –

ein Herz, das hier auf Erden
nur eines noch begehrt:
IHM ähnlicher zu werden
und in sein Bild verklärt!

Danket dem Herrn

Danket dem Herrn; denn er ist freundlich,
und seine Güte währet ewiglich. Ps. 107,1

Gottlob, nun ist geborgen
der Felder reiche Pracht,
mit vieler Müh und Sorgen
die Ernte eingebracht.

Es ist ja Gottes Güte
die er an uns gewandt.
Erhebe dein Gemüte
zum rechten Erntedank!

Er lässt die Saaten sprießen,
lässt wachsen und gedeihn,
lässt Regenströme fließen,
gibt Tau und Sonnenschein.

Er gibt mit Vaterhänden
uns unser täglich Brot.
Es ist an allen Enden,
wo Gott, da keine Not.

Dem Herrn gebührt die Ehre
und Lob und Dank allein,
weit über Land und Meere
ist aller Ruhm nur sein.

Herr, dein Güt‘ erfreut
hier und an allem Ort.
Gib, dass bei uns gedeihet
dein teures wertes Wort!

Dann Herr, wenn einst hienieden
kein Ernten wird mehr sein,
bring uns zum ewgen Frieden
als reife Garben ein!

      H. Rodenberg