Christliche Schatzkammer

Wirf alles auf Jesus

Vor einigen Jahren besuchte Schwester Berta Isselmann drei andere Schwestern, die alt und krank geworden waren. Diese drei wurden von vielen Sorgen bedrückt und hatten viel Grund zum Klagen. Schwester Berta hörte sich das eine Zeitlang an und meinte kann zurechtweisend: So dürft ihr als Kinder Gottes nicht sorgen!

Daraufhin fragte sie eine der Schwestern, wie sie es denn mache, wenn sie Sorgen hat?

Berta antwortete: Ich packe alle Sorgen zusammen, werfe sie im Glauben meinem Heiland hin und bete: Lieber Herr, sieh wie du damit fertig wirst; ich kann es nicht! Dann bin ich die Sorgen los und habe Ruhe. Ihr müsst es genauso machen.

Bei einer anderen Gelegenheit erklärte Schwester Berta:

Die Sorge kommt zu uns, aber wir sagen zu ihr: Du hast dich in der Adresse geirrt; du gehörst Gott, nicht uns. Weil die Sorge nicht freiwillig geht, müssen wir sie auf Gott werfen. Aber Werfen und Werfen ist ein Unterschied. Man muss richtig treffen. Wir müssen so lange werfen, bis die Sorge an einem Verheißungshaken hängenbleibt. Uns macht sie unglücklich, aber Gott wird im Nu mit ihr fertig.

Alle eure Sorgen werfet auf Ihn, denn Er sorgt für euch! 1. Petrus 5, 7

Notar oder Erbe?

Isaak Newton, der große Naturforscher, hat einmal gesagt:

Wir müssen das Evangelium nicht lesen, wie ein Notar ein Testament liest, sondern so, wie der rechtmäßige Erbe es liest.

Der Notar liest das Testament mit prüfenden Augen, aber ohne Herz. Er nimmt jeden Satz, jeden Buchstaben unter die Lupe und untersucht, was denn eigentlich dasteht, was nicht dasteht und ob man es geltenlassen kann und wie man es aufzufassen habe. Leider lesen viele die Bibel auch so kalt und kritisch; das sie bei einem solchen Lesen keine wahre Freude haben, liegt auf der Hand.
Wohl dem, der das Evangelium in der festen Überzeugung liest, dass er der Erbe ist. Der Erbe sagt sich bei jedem Satz frohlockend:

Das ist für mich! Das ist für mich!

ENDE

Getröstet

Erzählung

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen tapfer zu sein, wusste ich doch, wie dringlich und notwendig die Verkündigungszeit meines Mannes für sechs Wochen in amerikanischen Gemeinden war. Und nun saß ich doch in meinem Bett und heulte in meine Kissen. Ich litt an der Einsamkeit, fühlte mich den Aufgaben unserer großen Familie allein nicht gewachsen, und ein kleiner Disput mit unserem Ältesten raubte mir den letzten Rest an Tatkraft.

Niedergeschlagen hockte ich im Schlafzimmer und ließ meine Gedanken nur noch um mich selbst kreisen. Ich verglich mich mit anderen Frauen aus unserer Gemeinde und sah, wie ihre Männer z.B. beim Einkaufen halfen, sich um die Mathematikaufgaben ihrer Kinder kümmerten und sonntags einen Ausflug miteinander unternahmen. Ich aber war mit meinen Fünfen ganz allein.

Das Selbstmitleid hielt mich in seinen Krallen fest gefangen, und trübsinnige Gedanken vergraulten mir den strahlenden Sommertag. Hinzu kam die Anfechtung vom Feind, der mir argwöhnisch zuflüsterte: „Siehst du nun, was du für eine miese Type bist? Reich Gottes willst du bauen, redest von Hingabe an deinen Herrn Christus, und wenn es einmal draufankommt, ein wenig zu verzichten, versagst du kläglich. Gib auf. Dein Glaube ist wertlos. Schon bei der kleinsten Belastung fällt er wie ein Kartenhaus zusammen.“

Ich weiß nicht mehr, wie lange ich auf der Bettkante saß und Trübsal blies. Die Anfeindungen Satans setzten mir schwerer zu als meine Gefühle der Einsamkeit und Minderwertigkeit.

Da flüchtete ich mich in meinem Kummer zu Gott.

„Lieber Herr, du kennst meine Lage“, betete ich zaghaft. „Du siehst wie verzweifelt ich bin. Der Teufel mag Recht haben, in deinen Augen bin ich eine miese Type, aber ich weiß, dass du mich durch Jesus Christus gerettet hast. Ich bin doch dein Kind. Mach mit mir, was du willst, nur lass mich weiter dein Kind bleiben.“

Das Rufen zu Gott ließ mich allmählich innerlich zur Ruhe kommen. Die Einflüsterungen des Bösen verloren an Wirkung. Ich griff zu meiner Bibel und las wie jeden Tag fortlaufend mein Kapitel. Diesmal war Jesaja 38 an der Reihe. Bei Vers 5 blieb ich stehen. Ich wurde von der Treue Gottes überwältigt. „So spricht der Herr: Ich habe dein Gebet erhört und deine Tränen gesehen.“ Und in Vers 17 stand: „Siehe, um Trost war mir sehr bange. Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen, dass sie nicht verdürbe; denn du wirfst alle meine Sünden hinter dich zurück.“ Diese Worte sprachen mich an. Ich erkannte neu: Ich bin Gott nicht gleichgültig. Er hört mein Rufen, und meine Traurigkeit ist ihm nicht verborgen. So gewann ich aus diesem Gotteswort die feste Zuversicht: Gott wird mich weiter begleiten, mir in der Anfechtung Trost geben und neue Kraft, sodass ich das Ziel erreiche. Und wenn ich dann in der neuen Welt Gottes am Ende meiner Tage ankomme, wird Gott selber mir zum letzten mal die Tränen von meinen Augen wischen und mir Freude schenken, wie ich sie jetzt nur insgeheim erahnen kann.

ENDE

Der Weihnachtsbrauch unter der Lupe

Liebe Geschwister, jedes Jahr feiert die Christenheit Weihnachten um damit an die Geburt seines Retters zu denken. Als Christen sind wir von einer Freude erfüllt, das Gott uns seinen Sohn gab, den verheißenen Messias, der für unsere Sünden starb und uns das Heil erwarb. Die ganzen Feierlichkeiten werden von der Welt jedoch anders genutzt. Man kauft ein, stellt den Weihnachtsbaum auf und macht den Kindern Geschenke. Die Wirtschaft denkt sich jedes Jahr neue Aktionen und Produkte zu Weihnachten aus und freut sich schon auf die satten Gewinne. Für einen Retter ist da kein Platz. Auch uns Christen droht die Gefahr sich zu sehr mit den irdischen Vorbereitungen zu verstricken, all die Vorschriften für ein gelungenes Weihnachtsfest einzuhalten, damit ja auch alle glücklich sind. Doch liegt das Glück im Kerzenschein und dem Weihnachtsbraten? Ich hoffe nicht!
Ich habe mir daher die Mühe gemacht, die Entwicklung des Weihnachtsbrauchs kurz zu beleuchten.
Widmen wir uns zuerst dem Datum. Wurde Jesus tatsächlich in der Nacht vom 24.12. auf den 25.12. geboren? Sicher nicht, in der Bibel steht nichts davon. Doch warum hat man dann dieses Datum gewählt? Schon früher hatten heidnische Völker einen Sonnengott den sie anbeteten, das änderte sich auch nicht, als das römische Imperium in der Antike zahlreiche Staaten eroberte und sie in sein Imperium integrierte. Zahlreiche Sonnengottkulte, insbesondere der griechische und syrische, verschmolzen zu einem einflussreichen Kult, so dass römische Kaiser diesen Kult zur Reichsreligion erhoben. Ende des Jahres 274 n. Chr. weihte Kaiser Aurelian diesem Gott einen neuen Tempel und setzte den 25. Dezember zum staatlichen Festtag des Sonnengottes ein. Diesem Gott zu Ehre wurden riesige Feiern veranstaltet. Zahlreiche Kaiser ließen in ihren Legislaturperioden auch Münzen mit dem Sonnengott prägen. Als das Christentum seinen Siegeszug antrat und schließlich 380 zur römischen Staatsreligion wurde, musste etwas gegen den bestehenden Sonnenkult getan werden. Da die Bevölkerung gewohnt war am 25.12. frei zu haben und zu feiern, hat man sich entschlossen, dieses populäre Fest zu verdrängen oder auch anders gesagt zu „christianisieren“ in dem man die Geburt Jesu auf diesen Tag festsetzte.
Kommen wir nun zu dem Weihnachtsbaum. Auch hiervon ist in der Bibel nichts erwähnt. Die Entwicklung des Christbaumes hat keinen eindeutigen Anfang, sondern setzt sich aus Bräuchen verschiedener Kulturen zusammen. In immergrünen Pflanzen steckt Lebenskraft und darum glaubte man, Gesundheit ins Haus zu holen, wenn man sein Zuhause mit Grünem schmückte. Bereits die Römer bekränzten zum Jahreswechsel ihre Häuser mit Lorbeerzweigen. Einen ganzen Baum zur Wintersonnenwende aufzustellen und zu schmücken, also am 25.12., ehrte auch den Sonnengott und war Teil des Sonnengott-Kultes. Auch in nördlichen Gegenden wurden im Winter schon früh Tannenzweige ins Haus gehängt, um bösen Geistern das Eindringen und Einnisten zu erschweren und das Grün gab Hoffnung auf die Wiederkehr des Frühlings. Ab etwa 1521 gibt es schriftliche Quellen, die belegen, dass in vereinzelten Städten reiche Bürger einen Weihnachtsbaum mit Weihnachtsschmuck in ihren Häusern aufstellten. Seit der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann dann die richtige Massenaufstellung der Weihnachtsbäume, denn immer mehr Leute konnten sich einen Weihnachtsbaum und Weihnachtsschmuck leisten. Achtung, jetzt kommt ein Zitat: „Die Kirche, der große Waldgebiete gehörten, schritt gegen das Plündern des Waldes zur Weihnachtszeit ein und billigte diesen „heidnischen“ Brauch nicht. Mit der Zeit aber gab sie den Widerstand gegen den Brauch langsam auf.“ Das heißt, die katholische Kirche hielt zu Beginn das Aufstellen des Weihnachtsbaumes für einen heidnischen Brauch und war dagegen. Woher kam die Wende, dass es später gebilligt wurde? Dazu später mehr. Das Aufstellen des Weihnachtsbaumes, war historisch betrachtet eine deutsche „Erfindung“. Es ist nachgewiesen, das dieser Brauch zunächst nach ganz Europa exportiert wurde und später auch auf die anderen Kontinente überschwappte.
Vor dem Weihnachtsbaum war es schon etablierter Brauch zu Weihnachten Krippen aufzustellen. Da es damals keine Bilder, Fotos, Computer und Fernsehen gab, hat man so versucht den Menschen die Geschichte von der Geburt Jesu näher zu bringen. Doch auch dieser Brauch wurde nach und nach stark kommerzialisiert, es kamen immer mehr Figuren hinzu und die Reichen trachteten danach sich gegenseitig zu überbieten, wer die größte und beste Krippe hatte. Ab 1517 begann in Deutschland die Frühphase der Reformation. Die Reformatoren brachen mit dem Brauch des Krippenaufstellens, so dass dieser Brauch zunächst hauptsächlich nur in der katholischen familiären Weihnachtsfeier übrig blieb. Ab da war es auch der evangelische Norden Deutschlands, der als erster mit der Aufstellung des Weihnachtsbaums begann. Dieser Brauch wurde nach und nach so stark, dass die katholische Kirche ihren Widerstand dagegen aufgab und auch den eigenen Kirchenmitgliedern erlaubte Weihnachtsbäume aufzustellen, um sie nicht als Kirchenmitglieder zu verlieren. Der Grund warum sich der Weihnachtsbaum bei den Evangelischen verbreitet hatte war folgender:
Seit dem 6. Jahrhundert verehrt die Russisch-Orthodoxe Kirche, Nikolaus von Myra, einen Bischof, der im 4. Jahrhundert lebte und wirkte, als ihren größten Heiligen. In vielen anderen Ländern ist Nikolaus auch unter folgenden Namen bekannt: Sint Nicolaas oder Sinterklaas (Niederlande und Flandern), Saint Nicholas (England und Irland), Santa Claus (Nordamerika), Святой Николай / Sviatoi Nikolai (Russland).
Nikolaus von Myra starb am 6. Dezember, das wurde nachher auch sein Namenstag. Die katholische Kirche übernahm die Verehrung dieses Heiligen und die mit der Verehrung verbundenen Bräuche ungefähr ab dem 10. Jahrhundert. Diese begannen dann sich auch in Deutschland zu etablieren. Ein Teil des Brauchs war die Gabenverteilung am 6. Dezember an Arme und Bedürftige. Daraus entwickelte sich die Bescherung der eigenen Kinder in einer Familienfeier. So traurig es für die Kinder auch klingen mag, aber vor dem 15. Jahrhundert gab es überhaupt keine Geschenke an Weihnachten, höchstens ab dem 10. Jahrhundert am 6. Dezember, wo sich der Brauch bereits etabliert hatte. Folgendes ist davon auch heute als Brauch bekannt:
Der Einlegebrauch, das heißt das nächtliche Füllen der Schuhe, die die Kinder vor die Tür stellen sollen und der Wunschzettelbrauch, das heißt die Kinder werden angehalten, ihre Geschenkwünsche auf einem Wunschzettel festzuhalten.
Da die reformierte Kirche keine Heiligen Verehrung praktiziert und auch deren Namenstage nicht feiert, verlegte Luther höchst persönlich die Bescherung auf Heiligabend. Da der evangelische Gabenbringer auch nicht mehr St. Nikolaus heißen konnte, änderte Luther den Namen in „ der Heilige Christ“, später entstand daraus die Bezeichnung Christkind. Nach 1800 wurde aus Knecht Ruprecht, ursprünglich der strafende Begleiter von Nikolaus und Christkind, allmählich der Weihnachtsmann. Ursprünglich hat man nur die Kinder beschert, erst in jüngerer Zeit beschenken sich auch Erwachsene.
Da die Bescherung im evangelische Norden nun auf die Nacht vom 24. auf den 25. Dezember verlegt wurde, machte es Sinn, die Geschenke wie im katholischen Brauch irgendwo zu verstecken, um dem Brauch eine feierliche und spannungsvolle Note zu geben. Und da kaum der alte Brauch von einem geschmückten Tannenbaum eben recht und wurde ebenfalls „christianisiert“. Da diese Art des Feierns gut ankam, übernahmen auch Katholiken das Aufstellen des Weihnachtsbaums und die Bescherung am 24.
In unserer heutigen Zeit gibt es keine Rivalität mehr zwischen Katholisch oder Evangelisch. Sondern beide Bräuche haben sich vermischt. Je nach Möglichkeit stellt man eine Krippe und einen Weihnachtsbaum auf, je nach Möglichkeit beschenkt man die Kinder am 6. 12. und auch am 24. 12. Doch lasst uns nun diese historisch, politisch, religiöse Entwicklung des Weihnachtsfestes bei Seite tun und uns nochmal auf das wesentliche Geschenk besinnen, was uns Gott gemacht hat. Er gab uns seinen Sohn aus Liebe, damit wir ewiges Leben haben können. Hast du, lieber Leser, dieses Geschenk schon angenommen? Wenn ja, nutzt du es oder hast du es schon vergessen und verloren wie man manchmal irdische Geschenke verliert?

Starkes Gebet

Niemand glaubt, wie kräftig und stark das Gebet sei und wie viel es vermag, außer dem, den es die Erfahrung gelehrt und der’s versucht hat. Aber es ist ein großes Ding, wenn einer fühlt die große Not, die ihn drängt, dass er alsbald kann das Gebet ergreifen. Das weiß ich, so oft ich mit Ernst gebetet habe, dass mir’s recht Ernst gewesen ist, so bin ich ja reichlich erhöret worden und habe mehr erlangt, als ich gebeten habe! Wohl hat Gott bisweilen verzogen, aber es ist dennoch gekommen.
Martin Luther

Ein Kind betet

Ich erinnere mich an ein Gebet, das eines meiner Kinder an einem Abend sprach, bevor es zu Bett ging. Das Kind war offenbar bedrückt darüber, dass es soviel Unruhe und Unzufriedenheit in der Welt gibt. Darum betete es: „…und lass doch alle gut schlafen! Lass den Papa und Mama gut schlafen! Und lass…“ Nun wurden alle Verwandten und Bekannten aufgezählt und dann kam am Schluss: „…und lass den Teufel in der Hölle auch gut schlafen!“ – Auf so etwas Hintergründiges kann doch nur ein Kind verfallen.

Mein alter Onkel, der von diesem Gebet hörte, meinte: ,,Ach, das wäre gut, wenn der Teufel endlich gut schlafen wollte! Dann gäbe es Ruhe!“

Als das Kind größer wurde, lernte es: Nicht der Schlaf des Teufels, sondern die Gegenwart des Erlösers Jesus gibt uns Geborgenheit.

Wilhelm Busch

Betende Hände

Viele Leute kennen das Bild von Albrecht Dürer „Hände“.
Aber nur wenige kennen die Entstehungsgeschichte dieses Bildes.

Im 15. Jahrhundert lebte in einem kleinen Dorf in der Nähe von Nürnberg eine Familie mit achtzehn Kindern. Um eine so große Familie zu ernähren, arbeitete der Vater als Goldschmied achtzehn Stunden am Tag.
Trotz der beinahe hoffnungslosen finanziellen Situation hatten zwei Kinder einen Traum. Sie wollten gerne Künstler werden, wussten aber, dass ihr Vater keinen von ihnen zur Akademie in Nürnberg schicken konnte. Nach langen nächtlichen Diskussionen haben sich die beiden Jungen darauf geeinigt ein Los zu werfen. Der Verlierer würde dann in einem Bergwerk arbeiten und mit seinen Einnahmen die Studiengebühren des anderen finanzieren. Nachdem der erste sein Studium abgeschlossen hätte, würde er die Studiengebühren des anderen übernehmen.

So warfen sie am Sonntagmorgen nach der Kirche eine Münze. Albrecht Dürer gewann und ging nach Nürnberg. Albert hingegen arbeitete in den gefährlichen Minen und zahlte vier Jahre lang die Studiengebühren für seinen Bruder, dessen Arbeit an der Akademie sofort zur Sensation wurde.
Albrechts Gravuren und Gemälde übertrafen sogar die Arbeit vieler Professoren. Zum Ende seines Studiums konnte er mit seinen Arbeiten schon ordentlich Geld verdienen.

Als der junge Künstler in sein Dorf zurückkehrte, organisierte die Familie Dürer ein festliches Abendessen, um die Rückkehr Albrechts zu feiern.
Nach einem langen und unvergesslichen Abend erhob sich Albrecht von seinem Ehrenplatz an der Spitze des Tisches, um seinem geliebten Bruder, der so viele Jahre seinen Traum geopfert hatte, seinen Dank auszusprechen. Am Ende seiner Rede sagte er: „Nun, Albert, mein gesegneter Bruder, bist du an der Reihe. Jetzt kannst du nach Nürnberg fahren um dir deinen Traum zu erfüllen, und ich werde mich um dich kümmern.“

Alle drehten sich erwartungsvoll zu Albert um, der am anderen Ende des Tisches saß. Tränen liefen über sein blasses Gesicht. Er schüttelte den Kopf, schluchzte und wiederholte: „Nein… nein… nein…!“ Schließlich stand er auf und wischte die Tränen weg. Er sah die Gesichter der Menschen an, die er so sehr liebte, hob dann die Hände vors Gesicht und sagte leise: „Nein, Bruder. Ich kann nicht nach Nürnberg fahren. Es ist zu spät für mich. Sieh mal, was diese vier Jahre in den Minen mit meinen Händen gemacht haben! Die Knochen an jedem Finger waren mindestens einmal gebrochen, und kürzlich wurde im rechten Arm die Arthritis festgestellt, sodass ich während des Festmahls nicht einmal ein Glas halten konnte. Umso weniger kann ich mit einem Bleistift oder Pinsel schöne Linien auf Pergament oder Leinwand zeichnen. Nein, Bruder, es ist zu spät für mich.

Um Albert für sein großes Opfer zu ehren, malte Albrecht die abgearbeiteten Hände seines Bruders, die zum Himmel gerichtet waren. Sein gewaltiges Bild nannte er ganz einfach: „Hände“. Aber die ganze Welt öffnete beinahe sofort ihr Herz für dieses Meisterwerk und nannte dieses Bild „Betende Hände“.