Christliche Schatzkammer

Zurück

Vom Irren müd, vom Wandern matt,
Vom Darben, ach, so lang,
Von Erdenfreuden übersatt,
Im Herzen Angst und Bang,
Denk ich zurück ans Vaterhaus,
Dort, dort nur, wohnt das Glück.
Hier halte ich’s nicht länger aus,
Jetzt eile ich zurück.

Die Freuden, die die Welt versprach,
Das alles, was sie bot,
Da ich ihr blindlings folgte nach,
Hinweg von meinem Gott,
Das alles ließ mein Herz so leer,
Dort fand ich nicht das Glück.
Da bleibe ich nicht länger mehr,
Jetzt eile ich zurück.

Ich gehe heim, so wie ich bin,
In dem zerriss’nen Kleid.
Mein Kindesrecht ist längst dahin,
Wie tut mir das so leid.
Mir wird zwar angst, ich schäme mich
Vor meines Vaters Blick.
Wird er noch mein erbarmen sich?
Doch eile ich zurück.

Da eilte ich zurück nach Haus,
Ich, der verlor’ne Sohn.
Mein Vater schaute lange aus,
Sah mich von weitem schon,
„Mein Vater, ach, ich bin zu schlecht,
Noch wieder Kind zu sein,
Lass mich nur noch ein schlichter Knecht
In deiner Nähe sein!“

Da nahm er mich voll Lieb und Huld,
Mich, der ihn so betrübt,
Vergab mir alle meine Schuld, –
O, wie mein Vater liebt!
Nahm das zerriss’ne Kleid von mir,
Gab mir ein neu Gewand.
Als Kindeszeichen gab er mir
Den Reif an meiner Hand.

Wie möchte ich voll Dankbarkeit
Sein treues Kind nun sein
Und jede Stunde meiner Zeit
Zu seinem Dienst mich weih’n;
Es andern sagen, wie so gut
Mein liebster Vater ist.
Und wie durch Seines Sohnes Blut
Er niemand von sich stößt.

Doch kenn‘ ich die Gefahren wohl,
den Kampf, oft heiß und schwül.
Und wie der Feind, des Zornes voll,
Uns wieder fällen will.
Doch weiß ich auch, dass Er verheißt,
Dass jene, die Ihm treu,
Aus Seinen Händen niemand reißt,
Wie stark der Feind auch sei.

Treue

Die Treue ist,
ein wuderbares Mittel.
Geprüft wird sie mit langer Frist,
und ist nicht nur ein Titel.

Treue fängt an wo Selbstsucht endet.
Sie achtet nicht auf sich,
bewährt sich wenn das Blatt sich wendet.
Die Treue eifert nicht.

Die Treue ist das bindend Band,
wenn Lebensstürme toben.
Treue, heißt zu halten Gottes Hand,
ihm zu trauen in den Lebenswogen.

Liebe lässt Treue wohl gedeihen.
Treue wird bald das Herz erfreun.
Wer wird der Treue treuster Hüter sein?
Es ist Gott, der Herr allein.

In Treue und Geduld,
täglich vergibt er unsere Schuld.
Ich klage meine Sünden stets aufs neue,
dann zeigt Gott in Jesus seine Treue.

Drum will ich treu sein,
dir Heiland ganz allein,
denn treu gedenkst du mein,
trifft mich auch Kummer, Leid und Pein.

Treu führst du mich,
drum will ich folgen.
Treu sorgst du für mich,
drum fühle ich mich geborgen.

Amen
D.S.

Gott ist und bleibt getreu

Gott ist und bleibt getreu,
Er tröstet nach dem Weinen
und lässt nach trüber Nacht
die Freudensonne scheinen;
der Sturm des Unglücks geht
zu rechter Zeit vorbei;
sei, Seele, stille nur,
Gott ist und bleibt getreu.

Gott ist und bleibt getreu,
Er hilft ja selber tragen,
wenn Er uns auferlegt
die Last der schweren Plagen.
Er schickt die Prüfung oft
und bleibet doch dabei
ein Vater, der uns liebt;
Gott ist und bleibt getreu.

Gott ist und bleibt getreu,
sein Herz ist voller Lieben,
pflegt Er gleich auch einmal
die Seinen zu betrüben;
Er prüfet durch das Kreuz,
wie rein der Glaube sei,
wie standhaft die Geduld;
Gott ist und bleibt getreu.

Chr. Wilhelmi, um 1720

Ich hab Ihn treu erfunden

Ich hab Ihn treu erfunden,
könnt ich nur sagen wie!
Ich möcht‘ die Knie beugen
und immer nur bezeugen:
Es mangelte mir nie.

Seitdem Er Seine starke
und treue Hand mir lieh,
dass ich Ihm trauen sollte,
weil Er mich führen wollte:
Es mangelte mir nie.

Trotzdem ich Ihm gekostet
unendlich viele Müh,
Ihn ach so oft betrübet,
Ihn nie genug geliebet:
Es mangelte mir nie.

Sooft aus dunklen Nächten
mein Herze zu Ihm schrie,
Er wusste stets Erquickung,
Er brachte mir Beglückung:
Es mangelte mir nie.

Ich mochte zu Ihm kommen
des Abends oder früh,
verwundet oder schuldig
nie ward Er ungeduldig:
Es mangelte mir nie.

Sooft ich in Gedanken
mein Leben rückwärts zieh,
in all den tausend Fragen,
in all den tausend Lagen:
Es mangelte mir nie.

Und könnt ich je nicht reden
die Worte, schwänden sie,
dann sollt ihr immer wissen,
ich ruh zu Seinen Füßen:
Es mangelte mir nie.

Anni von Viebahn (1884- 1931)

Bitte für den Tag

Herr, gib mir neuen Mut
das unter Deiner Hut
froh ich zur Arbeit geh,
tapfer und männlich steh,
dann wird es gut.

Was auch der neue Tag
alles mir bringen mag,
hilf mir, dass ich als Christ,
selbst wenn es schwierig ist,
doch nicht versag‘.

Bin ich gleich in die Welt
mitten hineingestellt,
gib, dass mich Deine Gnad
stets auf dem Glaubenspfad
schützt und erhält.

Rufen nun Pflichten viel,
Herr, lass mich treu und still
all meine Arbeit tun.
Einmal, dann darf ich ruhn,
droben am Ziel!

P.W. 1982

Zur Jahreswende

Des alten Jahres Stunden
sind alle bald entschwunden.
Was haben sie uns wohl gebracht?
Gab es nur Glück und Segen
auf allen unsren Wegen?
Vielleicht auch manche Trübsalsnacht?

Lasst uns nun an der Wende
des Jahrs‘, das bald zu Ende,
still stehn, und wenden unsern Blick
zu den verflossnen Tagen
und stellen uns die Fragen:
Wünsch ich mir dieses Jahr zurück?

Hab ich auch nicht versäumet,
aus Lässigkeit verträumet
die angebotne Gnadenzeit?
Werd ich vor Gott bestehen,
wenn ich dereinst werd gehen
von hier? – Trag ich das Hochzeitskleid?

Hab ich in Krankheitstagen
die Hand, die mich geschlagen
auch dankbar, ehrfurchtsvoll geküsst?
Der Feinde bittres Schmähen,
der Freunde übersehen,
demütig, stille auch begrüßt?

Darf ich auch stille sagen:
Ich habe still getragen
die Last, die Gott mir auferlegt?
Hab ich nicht oft mit Murren
mich wegen Gottes Führen
voll Trotz und Zorn sich aufgeregt?

Ließ sich mein Herz erweichen
durch all die Liebeszeichen
die Gott an mir erwiesen hat?
Ach, wenn ich daran denke
vor Scham die Augen senke
ich dann und fleh zu Gott um Gnad.

Zum neuen Jahr

Zum neuen Jahr den alten Vater,
Des starker Arm die Welten hält;
Er hat sein Volk seit grauen Tagen
Auf Adlersflügeln treu getragen,
Ihm sei die Zukunft heimgestellt;
Zum neuen Jahr den alten Vater,
Des starker Arm die Welten hält!

Zum neuen Jahr den neuen Segen,
Noch Wasser genug hat Gottes Born;
Harrt fröhlich sein, ihr Kreaturen,
Bald deckt er die beschneiten Fluren
Mit grüner Saat und goldnem Korn;
Zum neuen Jahr den neuen Segen,
Noch Wasser genug hat Gottes Born!

Zum neuen Jahr die alten Sorgen,
Noch sind wir nicht im Jubeljahr;
Noch wallen wir auf Pilgerwegen
Berg auf und ab in Sonn’ und Regen,
Noch gilt’s zu kämpfen immerdar;
Zum neuen Jahr die alten Sorgen,
Noch sind wir nicht im Jubeljahr!

Zum neuen Jahr ein neues Hoffen,
Die Erde wird noch immer grün;
Auch dieser März bringt Lerchenlieder,
Auch dieser Mai bringt Rosen wieder,
Auch dieses Jahr lässt Freuden blüh’n.
Zum neuen Jahr ein neues Hoffen,
Die Erde wird noch immer grün!

Zum neuen Jahr den alten Glauben,
In diesem Zeichen siegen wir;
Glück zu, mein Volk, auf allen Bahnen.
Entrolle kühn der Zukunft Fahnen,
Doch Christus bleib’ das Reichspanier:
Zum neuen Jahr den alten Glauben,
In diesem Zeichen siegen wir!

Zum neuen Jahr ein neues Herze,
Ein frisches Blatt im Lebensbuch!
Die alte Schuld sei ausgestrichen,
Der alte Zwist sei ausgeglichen,
Und ausgetilgt der alte Fluch;
Zum neuen Jahr ein neues Herze,
Ein frisches Blatt im Lebensbuch!

Zum Jahreswechsel

Ein Jahr ist wiederum dahin
mit seinen Leiden, seiner Freud´,
und neue Pfade gilt´s zu ziehen,
die uns das Leben wieder beut!

War es für dich an Freuden reich,
o danke Gott, der dir´s geschenkt!
War´s schicksalsschwer, der Nacht gar gleich,
nur Mut, Gott hat es gut gelenkt!

Verstehst du oft Sein Walten nicht,
scheint dir dein Weg auch gar so steil –
trau nur auf Gott! Er gibt Sein Licht
zur rechten Stund´, macht alles heil!

Und fragt sich heut auch manches Herz,
was wohl die Zukunft alles bringt –
hoffe nur auf Gott! Schau himmelwärts!
Dann sicher alles gut gelingt.

Und wird dir oft auch nicht erfüllt,
was du dir wünschtest gar so sehr –
dein Gott dich trotzdem doch umhüllt
mit Seiner Liebe hoch und hehr!

Er weiß gar gut, was jedem dient
zu seiner Seele Glück und Ruh´,
Drum lass nur Ihn, du als Sein Kind,
im Leben walten immerzu!

So geh den Weg, den Gott dich führt!
Sei es durch schöne Auen hin,
durch Wüsten, wo die Sonne glüht –
es ist doch Gott mit dir darin!

O nütze deine Lebenszeit
und baue fort am Reich des Herrn,
dass, wenn dich ruft die Ewigkeit,
du heimgehen kannst dann froh und gern!

Neujahr

Tritt betend ein ins neue Jahr
und lass den Heiland mit dir gehen;
bring Lob und Dank doch gern Ihm dar,
lass Seinen Willen nur geschehen!

Tritt gläubig ein ins neue Jahr
und bleib im Glauben stets getreu;
Gott bietet Seine Hilf´ dir dar
und schenkt dir täglich Kraft aufs neu!

Tritt liebend ein ins neue Jahr
und lass die erste Liebe nicht;
schenk Freud´ und Liebe immerdar,
denn lieben ist ja unser Recht!

Tritt hoffend ein ins neue Jahr,
hoffe nur auf Gott zu jeder Zeit,
in allen Leiden und Gefahr
steht helfend Er dir treu zur Seite!

Tritt lobend, dankend ein ins Jahr,
was es auch alles bringen mag;
Gott segnet Seine Kinderschar,
Er ist bei dir ja jeden Tag!

Mit der Verheißung geh hinein,
Gott hält so treu, was Er verspricht,
Er ist uns ja, und wir sind Sein,
Und Seine Gnad´ verlässt uns nicht!

Denn jeden Morgen ist sie neu,
das sagt uns doch Sein Teures Wort;
wenn Ihm wir nur stets bleiben treu,
trägt Er uns durch, ja immerfort!

Jahresschluss

Leise die Stunden verrinnen
Die letzten im alten Jahr
Ich sitze in tiefem Sinnen,
Da wird mir so manches klar.

Wie rasch das Jahr ist verronnen,
Die Wochen und Monden flieh’n
Kaum hat es erst begonnen,
Nun seh ich von dannen zieh’n.

Viel ist von mir unterblieben,
Wozu es mich leise gemahnt.
Viel mehr hätt‘ ich sollen lieben,
wo träge am Wege ich stand.

Nun, da die Stunden enteilen,
Tut es mir herzlich leid.
Ich wusste die Zeit nicht zu teilen
und fand für vieles nicht Zeit.

Ich hätte viel mehr sollen lesen
im heiligen Bibelbuch.
Es wär‘ mir zum Segen gewesen,
und tat es lang nicht genug.

Hier wollte ein Brief ich schreiben,
dort wartet wohl jemand auf mich.
Oft ließ ich dann beides,
die kostbare Zeit, sie entwich.

Schwer will auf’s Herze mir fallen,
viel hab‘ ich zwar gerne gewollt.
Was tat ich nun von dem allen?
Zur Hälfte nicht das, was ich sollt‘.

Wozu mein Herz mich getrieben,
oft habe ich’s nicht getan.
Viel Gutes ist unterblieben,
Das klaget heute mich an.

Doch wie sieht der Meister von oben
auf meine Arbeit herab?
Ich weiß, Er kann mich nicht loben,
Wohl schlecht ich gedienet Ihm hab‘.

Vergib mir, o Gärtner! – vergebens
hast Du schon so oft gesucht
Am Baum auch meines Lebens,
Wie am Feigenbaum die Frucht.

Vergib ihn, lass ihn noch stehen
und wenn auch im hintersten Raum.
Es möchte vielleicht noch geschehen,
dass Frucht dir bringe der Baum.

Lass wieder den Baum neu durchströmen,
den Saft, der Früchte erzeugt.
Er möchte ja selber nicht länger,
So träge und unfruchtbar sein.

Leise die Stunden verrinnen,
die letzten im alten Jahr.
Ich sitze im tiefen Sinnen,
da wird mir so manches klar.