Nov 21 2008
Übermut tut selten gut!
Übermut tut selten gut, eine christliche Geschichte für Kinder
Eine Witwe hatte eine einzige Tochter, die hieß Elisabeth. Gewöhnlich nannte man sie kurz Lisbeth. Die Mutter war eine einfache Frau, die nur einen Acker besaß und eine Ziege im Stall hatte. Ihr tägliches Brot verdiente sie als Putzfrau bei reichen Leuten. Ihre Tochter aber war sehr ehrgeizig, sie lernte in der Schule fleißig und brachte gute Zensuren nach Hause. Sie war ein sehr, sehr hübsches Mädchen und wurde durch die vielen Schmeichelworte recht eitel und überheblich. Mühelos konnte sie Gedichte auswendig lernen, sie besaß eine wunderschöne Stimme, und liebte die deutsche Sprache. Bei Aufsätzen hatte sie immer die besten Noten. Sie war der Stolz des Klassenlehrers, der sie nur die »kluge Else« nannte.
Zur Schulentlassung bekam sie eine besondere Auszeichnung vom Schulrat. Zunächst wollte Elisabeth in einem vornehmen Haushalt arbeiten, um einst ihre Talente noch besser glänzen lassen zu können. Eine Gräfin erteilte ihr Sprachunterricht im Englischen und im Französischen. Die Mutter gab ihrer Tochter manchen guten Rat mit auf den Weg, sie möge recht achtsam sein und fleißig jede Arbeit verrichten.
»Aber Mutter«, sagte Elisabeth, »das ist doch selbstverständlich!« Im Stillen aber dachte sie: Das braucht man mir doch nicht extra zu erklären, ich bin doch die »kluge Else«, ich weiß sehr gut, was ich zu tun habe.
Als sie nun in das Haus der Gräfin kam, herrschte ein strenger Winter, es schneite unentwegt und fror, dass alles zu Eis erstarrte. Elisabeth musste schon um sechs Uhr aufstehen, um das Feuer im Küchenherd anzuzünden und das Frühstück zuzubereiten. Da das Holz aber nicht gleich brennen wollte, weil es noch sehr feucht war, lief sie zur Nachbarin, um von dort etwas trockenes Holz zu holen. Sie nahm eine Laterne, um im Finstern besser sehen zu können. Bald lief sie mit einem Arm voll trockener Holzscheite den Weg zurück. An einer vereisten Stelle kam sie ins Rutschen, fiel auf den Boden und zerbrach dabei die Laterne. Darüber war sie sehr traurig, aber die Gräfin beruhigte sie: »Nun, so etwas kann passieren, du musst eben ein andermal vorsichtiger sein. Jetzt geh doch schnell in den Keller und hole zehn Eier, wir wollen zum Mittagessen Pfannkuchen backen.« Als die kluge Else im Keller war, huschte ihr ein Mäuslein über den Weg. Vor Mäusen hatte sie eine schreckliche Abscheu. Sie schrie ganz laut und ließ dabei die Schüssel mit den Eiern fallen. Ganz verweint kam sie zur Gräfin und klagte über ihr Missgeschick. Die Gräfin war natürlich darüber auch nicht erfreut, sagte aber: »Geh doch schnell zur Nachbarin und bring ihr die Kanne mit der Milch, ich habe sie ihr versprochen.« Als das Mädchen um die Ecke des Hauses bog, verfing sich ihr Haar in einem großen Eiszapfen, der von der Dachrinne des Hauses herunterhing. Dabei entglitt ihr die große Milchkanne und die kostbare Milch floss in den Schnee. Das war nun schon das dritte Unglück innerhalb einer Stunde. Ja, so kann es gehen, wenn man so hochmütig und stolz ist. Jetzt schimpfte die Gräfin: »Solch ein ungeschicktes Mädchen ist mir in der ganzen Welt noch nicht begegnet. Pack deine Sachen zusammen und geh wieder zu deiner Mutter zurück. Ich kann dich nicht gebrauchen.« Oh, das gab ein trauriges Wiedersehen bei der Mutter. Die »kluge, stolze Else« wurde dadurch sehr gedemütigt.
»Übermut tut selten gut!« Deshalb sollen wir immer ein demütiges und bescheidenes Herz haben, den dann kann Gott uns segnen.
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