Jan 24 2008

Ostern ohne Vater

Geschrieben von at 14:07 in Kindergeschichten

Ostern ohne Vater, eine christliche Kindergeschichte

Glänzend, mit hellgrünem Gewand, vom Frühlingsregen durchnässt und von den Strahlen der Sonne durchwärmt, blühte die Natur in voller Pracht auf.
Es war Ostern. In einem christlichen Haus wird das Fest ganz besonders gefeiert. Im Haus und draußen wird alles in Ordnung gebracht. Die Mütter und Omas backen Kuchen, und die Kinder helfen fleißig mit.
Diese fröhliche Stimmung herrschte auch bei der Familie Kusnezow. Die Mädchen räumten im Haus auf und die Jungen den Stall und den Hof. Da alle Kinder ihre Arbeit mit Freuden taten, ging es bei ihnen recht schnell vorwärts.
Die Kusnezows hatten elf Kinder. Vor vier Jahren wurde der Vater an einem kalten Februartag verhaftet. Seitdem mussten die Kinder immer fleißig der Mutter helfen. Sie versuchten, stets gehorsam zu sein. Sie spürten, dass der Vater allen fehlte.
“Mutti, wann fängst du an zu backen?”, fragte Sina, als sie in der Küche den Fußboden wusch.
Trauer flimmerte in den Augen der Mutter, aber ruhig und zärtlich antwortete sie:
“Dieses Mal kann ich nicht backen Sina.”
Als die Mädchen das hörten, ließen alle ihre Arbeit liegen und sahen erstaunt auf ihre Mutter
“Warum denn nicht?”, fragte Irene.
“Ich habe kein Geld, um Mehl und Eier zu kaufen.”
“Aber zu Ostern haben wir bis jetzt immer Kuchen gebacken!”, sagte Sina und machte ein betrübtes Gesicht. “Ostern ist doch ein Fest!”
“Kinder, lasst uns mit dem zufrieden sein, was wir haben”, sagte die Mutter lächelnd.
“In anderen Ländern sterben viele Kinder vor Hunger. Auch unser Papa wird im Gefängnis oft nicht satt. Wir dagegen, Gott sei Dank, haben noch Brot und Kartoffeln.”
Viel langsamer ging jetzt die Arbeit der Mädchen. Sie wurden traurig. Sie wünschten sich doch alle so gerne die leckeren Kuchen der Mutter. Sie hatten immer schon zu Ostern viele Bonbons, Kekse und Kuchen gehabt. Außerdem bekamen sie oft zum Fest Päckchen mit Süßigkeiten von den Gläubigen. Aber die Kusnezows waren in diesem Frühling umgezogen. Ihre neue Adresse kannte noch keiner und das bedeutete, dass keiner sie zu Ostern gratulieren würde.
Das langersehnte Fest begann mit einem hellen, sonnigen Morgen.
“Christus ist auferstanden!”, begrüßte die Mutter fröhlich die Mädchen.
” Wahrhaftig auferstanden!”, war die Antwort darauf.
“Es ist schon Zeit zum Aufstehen!”, erinnerte die Mutter liebevoll und ging ins Zimmer der Jungen.
Als sie die Jungen auch mit dem frohen Ostergruß begrüßt hatte, ging sie in die Küche, um das Frühstück vorzubereiten.
Der Gottesdienst war an diesem Tag besonders festlich.

Nicht einmal die Verfolger störten sie, und so konnten die Kinder alle ihre gelernten Ostergedichte erzählen.
Nach dem Gottesdienst wollte keiner sofort nach Hause gehen. Die Erwachsenen begrüßten sich untereinander und unterhielten sich leise. Die Kinder plauderten auch untereinander und zeigten sich gegenseitig ihre Süßigkeiten.
Die Kusnezows aber standen an der Seite und beobachteten traurig die anderen Kinder. Sie hatten sich noch nicht mit allen angefreundet und hatten auch nichts, was sie den anderen
Kindern zeigen könnten, weil ihre Mutter zu diesem Fest nichts gebacken hatte.
Natürlich hatte die Mutter gemerkt, dass ihre Kinder sehr niedergeschlagen und traurig waren, und ihr tat das Herz weh.
Auf dem Weg nach Hause sagte Sascha beleidigt: “Sogar Sergejews haben heute genug Gebackenes!” Gekränkt stieß er einen Stein zur Seite und wollte noch etwas hinzufügen, aber die Mutter blieb plötzlich stehen und legte die Hand auf seine Schulter.
“Betrübe den Heiland nicht, mein Sohn”, sagte sie in einem weichen Ton. In dieser Zeit kamen die anderen Kinder näher. Die Mutter nutzte die Gelegenheit und erklärte:
“Alle Kinder haben Väter, die zu Hause sind und das Geld verdienen. Deshalb können sie alles kaufen, was sie wollen. Unser Vater ist im Gefängnis und leidet für das Wort Gottes. Zusammen mit ihm müssen wir Erniedrigungen, Mängel und sogar Spott erdulden. Kinder, aber das ist doch alles für den Heiland! Wir wollen nicht murren. Jesus verlässt uns nicht. Schaut mal, ihr habt alle Schuhe und Kleider und jeden Tag haben wir das Nötige, was wir brauchen.” Zärtlich blickte die Mutter auf ihre Kinder und führte sie langsam nach Hause. Plötzlich fragte sie nachdenklich:
“Habt ihr den Heiland gebeten, dass Er euch zum Fest Süßigkeiten schicken sollte?”
“Nein”, antworteten die Kinder und flüsterten verlegen untereinander.
“Ja, seht ihr und ihr seid noch beleidigt!”
Im Hof der Kusnezows war es sauber und gemütlich. Nach der Ostsitte wird in der warmen Zeit draußen gegessen. Nachdem die ältesten Mädchen sich umgezogen hatten, machten sie sich an die Arbeit, den Tisch zu decken.
Nach dem Mittagessen wurde an den Vater gedacht und an das bevorstehende Wiedersehen.
“Ich erzähle Papa, wie der Ostergottesdienst war!”, sagte Sascha, denn diesmal war er an der Reihe, mit der Mutter zu fahren.
“Und erzähle auch, wie du fast geweint hast, weil du kein Gebackenes bekommen hast!”, fügte Sina hinzu.
“Nein, das werde ich nicht erzählen”, entgegnete er.
Jch dachte nicht daran, dass wir für den Heiland leiden und alles erdulden müssen.”
Auf einmal bellte der Hund und Onkel Wanja, ein Prediger der Gemeinde, stand vor dem Tor. Peter, der Älteste, lief hin, um das Tor zu öffnen, aber Onkel Wanja kam nicht herein.
“Christus ist auferstanden!”, begrüßte er die Familie und übergab Peter einen großen Karton, dann verabschiedete er sich und sagte:
“Ich werde zum Mittagessen erwartet!”
Als die Kinder den Karton sahen, liefen sie Peter entgegen und fragten:
“Was ist denn da drinnen?”
Peter zuckte nur mit den Schultern und ging zum Tisch. Nur die Mutter wusste, um was es sich handelte. Sie legte ihre Hand auf den Karton und wartete bis die Kinder sich beruhigt hatten. Dann sagte sie traurig:
“Es schmerzte mich zu sehen, wie ihr gemurrt und unzufrieden ward, weil ihr keine Süßigkeiten hattet, wie die anderen Kinder.”
Die Kinder sahen die Mutter mit erwartungsvollen Augen an.
“Ich bat Gott um Vergebung, dass ihr euch so schlecht benommen habt und ich euch nicht rechtzeitig alles erklärt habe. Darum betete ich, dass der Herr euch Seine Gnade erzeigen soll, wie sehr Er euch liebt. Ich weiß zwar nicht, was drinnen ist und von wem das ist. Aber das eine glaube ich, dass Gott keinen verlässt, der Ihm vertraut.
Ich wünsche, dass ihr euch stets an diese Gnade Gottes noch lange erinnert. Ihr seid es nicht würdig, Geschenke zu bekommen, aber Gott liebt euch so sehr…“
„Ich möchte um Vergebung bei Gott bitten“, sagte Sascha kaum hörbar und senkte seinen Kopf.
Alle beugten ihre Knie. Der eine bat um Vergebung, der andere dankte Gott, dass Er Vergebung schenkt und sie bewahrt und ihnen aus seiner Liebe Geschenke gibt.
Im Karton waren viele Bonbons, Kekse, Nüsse und Schokolade. Natürlich hatten die Kinder die Süßigkeiten schnell verzehrt, aber die Erinnerung an die Gnade Gottes und seine Barmherzigkeit blieb in ihrer Seele für immer. Als sie dann größer wurden, übergaben sie ihr Herz Dem, Der sie in den schweren Jahren geführt und bewahrt und sie nie verlassen hatte. Sie dankten Gott, dass Er sie stets mit Seiner väterlichen Liebe versorgt hatte.

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