Jun 16 2008
Missbrauche nicht den Namen des Herrn, deines Gottes…
Missbrauche nicht den Namen des Herrn, deines Gottes, eine christliche Kindergeschichte
Pfarrer Oberlin aus dem Steintal hatte eine Schwiegermutter, die wohl eine Christin war, aber doch eine scheußliche Angewohnheit hatte, nämlich bei jeder Gelegenheit zu rufen: »Ach, Herr Je-« oder »Großer Gott!«
Oberlin hörte das und sprach in aller Liebe mit der Mutter seiner Frau und erklärte ihr, dass sie das dritte Gebot Gottes dabei übertreten würde, wenn sie den Namen des Herrn so leichtfertig gebrauche. Sie entschuldigte sich aber damit, dass sie sich dabei nichts Böses denke und es eben nur eine Angewohnheit sei.
Pfarrer Oberlin versuchte ihr diese Untugend abzugewöhnen, aber alles war vergeblich. Dem Mann Gottes war es sehr unangenehm, weil ja auch seine eigenen Kinder und die Besucher des Hauses immer aufs neue diese Worte hörten. Da kam der Pfarrer auf eine seltsame Idee. Hinter dem Haus stand eine Gartenlaube, es war der Lieblingsplatz der Schwiegermutter, hier saß sie sehr oft und nähte und stopfte fleißig.
Pfarrer Oberlin hatte Grünkohl im Garten, der von Raupen oft zerfressen wurde. Eines Tages rief er: »Schwiegermutter, ich habe eine Raupe gefangen!« Die Mutter antwortete: »Dann töte sie.« Bald rief er: »Schwiegermutter, schon wieder eine Raupe!« – »Dann weg mit ihr«, war ihre Antwort.
Bei jeder Raupe rief der Pfarrer: »Schwiegermutter, schon wieder eine Raupe.«
Bald wurde die Schwiegermutter recht ungehalten, als Oberlin wieder rief: »Schwiegermutter, ich habe schon wieder eine Raupe!« Ganz erregt antwortete sie: »Mein lieber Oberlin, töte die Raupen, aber lass mich in Frieden und rufe mich doch nicht wegen jeder Raupe!« Oberlin sagte ganz freundlich: »Liebe Mutter, ich denke mir nichts Böses dabei; du weißt doch, dass ich dich lieb habe. Schwiegermutter, jetzt habe ich schon wieder eine Raupe, eine ganz dicke, fette grüne Raupe!« Jetzt erhob sich die Schwiegermutter, nahm ihre Fußbank und ging ganz beleidigt und zornig in das Haus. Oberlin folgte ihr und fragte sie ganz freundlich was ihr fehle und weshalb sie so verstimmt und missvergnügt sei. – »Schäm dich«, sagte ganz erregt die Frau, »als Pastor sich solche Scherze mit alten Leuten zu erlauben.« -
»Aber Mutter, ich habe dich doch nicht kränken wollen, sieh, wenn wir als arme kleine Sünder es nicht einmal ertragen können, dass unser Name gedankenlos gerufen wird, wie mag es wohl dem König des Himmels, unserem Gott oder dem Herrn Jesus Christus ergehen, wenn wir Tag für Tag und Jahr um Jahr unzählige Male ihn anrufen, ohne ihn wirklich zu meinen.« Diese Lektion hat die Schwiegermutter gut verstanden und gebrauchte den Namen Gottes von jener Stunde an nur noch in großer Ehrfurcht.
|
|
Name: Missbrauche nicht den Namen des Herrn (29KB) Klicks: 494 |
Leave a Reply
You must be logged in to post a comment.
