Jan 21 2008

Hütet euch vor Unwahrheit

Geschrieben von at 12:15 in Kindergeschichten

Hütet euch vor Unwahrheit, eine christliche Geschichte für Kinder

Martin hatte einen guten Freund, der Edward hieß. Sie waren in der Schule und zu Hause oft zusammen, auch im Gottesdienst saßen sie meistens nebeneinander. Weil Edward schlecht sehen konnte, trug er eine Brille. Martin dagegen konnte sehr gut sehen, aber er wünschte sich, auch eine Brille tragen zu dürfen.
„Wozu brauchst du eine Brille?“, fragte Edward verständnislos. „Weißt du, wie unbequem es mit einer Brille ist? Sie kann kaputtgehen oder man kann sie verlieren.“
„Aber dafür ist sie schön!“ Martin ließ nicht nach. „Man ist wie ein Professor – intelligent und wichtig.“
Ohne zu blinzeln, schaute Martin absichtlich lange auf das Licht. Er meinte, damit sein Sehen zu verschlechtern, aber umsonst – ihm kamen nur die Tränen und sehen konnte er immer noch gut.
Eines Tages fragte er seine Mutter:
„Mama, warum tragen nicht alle Menschen eine Brille?“
„Weil nicht alle schlecht sehen“, antwortete sie einfach, ohne auf die Frage Acht zu geben.
„Kaufe mir bitte auch so eine Brille, wie Edward sie hat!“, bat Martin seine Mutter.
„Wozu?“, fragte die Mutter verwundert. „Du kannst auch so gut sehen. Wenn du eine Brille tragen würdest, verschlechterte sich dein Sehen. Blind zu sein, ist sehr schwer, besonders in der Jugend.“
„Na und, ich würde gerne eine Brille tragen“, sagte Martin hartnäckig.
„Mein Sohn, seiner Gesundheit mutwillig zu schaden, ist eine Sünde“, warnte ihn die Mutter. „Gott gab dir ein gutes Sehvermögen, deshalb danke Ihm dafür und freue dich darüber.“
Aber Martin wollte sich nicht freuen. Er wurde ärgerlich und war mit der Erklärung seiner Mutter nicht einverstanden.

Eines Tages kam Martin aus der Schule und sagte:
„Mama, meine Klassenlehrerin will dich sprechen.“
„Was hast du wieder angerichtet?“ Die Mutter schaute ihren Sohn streng an. „Letzte Woche sprach ich doch mit ihr!“
„Ich habe nichts angestellt.“
„Und wie sind deine Noten? Bringe mir bitte dein Heft!“
Martin reichte seiner Mutter sein Heft und sah auf den Boden.
„Was soll denn das heißen?“, fragend schaute die Mutter Martin an. „Du machst keine Hausaufgaben mehr?“
„Ich sehe schlecht. Und was die Lehrerin an die Tafel schreibt, sehe ich überhaupt nicht.“, murmelte er leicht gehemmt.
Besorgt fragte die Mutter:
„Warum hast du es früher nicht gesagt?“
„Ich dachte, es vergeht.“
„Ist es schon lange so? Schmerzen dir die Augen?“
„Nein“, er schüttelte mit dem Kopf.
„Gut, wenn Papa kommt, sprechen wir darüber“, sagte die Mutter.
Als der Vater von der Arbeit kam, erzählte sie ihm sofort ihre Sorge:
„Martin kann sehr schlecht sehen, vielleicht sollten wir mit ihm zum Augenarzt gehen? Vielleicht verschreibt der Arzt Tropfen?“
„Ja, vielleicht sollte man auch gehen“. Der Vater war einverstanden. „Aber zuerst würde ich gerne mal mit ihm selber sprechen. Ich kann mich nicht erinnern, dass er sich wegen seinen Augen mal beschwert hatte.“
„Ich auch nicht“, bestätigte die Mutter. „Ich kann mich an derartiges nicht wirklich nicht erinnern.“
Nach dem Abendbrot rief der Vater Martin ins Wohnzimmer.
„Wie geht es dir, mein Sohn?“, fragte er ihn. „Schmerzen dir deine Augen?“
„Nein, ich sehe einfach schlecht.“
„Na gut, reiche mir bitte das Buch.“
Martin brachte das Buch.
„Siehst du diese Buchstaben?“, fragte der Vater und beobachtete aufmerksam seinen Sohn.
Martin kniff die Augen zusammen und führte das Buch ganz nahe zum Gesicht.
„So kann ich´s sehen, und so…“, er hielt das Buch etwas weiter weg: „Nicht.“
Schwer atmend ging der Vater hinaus. Nach einer Weile kam er mit einer Brille zurück.
„Versuch es mal mit dieser Brille! Vielleicht siehst du dann besser!“
Verlegen nahm Martin die Brille und setzte sie auf. Zufrieden griff er das Buch und rief froh aus:
„So sehe ich gut! Als ob ich keine Brille aufhätte!“
„Mein Sohn, warum lügst du?“, fragte der Vater ruhig und traurig.
Diese Frage hatte Matin nicht erwartet. Er lief im Gesicht rot an.
„Du weißt doch, dass eine jede Unwahrheit Sünde ist“, erinnerte ihn der Vater. „Gott sagte, dass der Lohn für die Sünde der Tod ist. Willst du wirklich verloren gehen? Diese Brille hat einfache Gläser, die weder vergrößern noch verkleinern.“
Langsam holte der Vater eine Rute.
„Ich muss dich bestrafen, mein Sohn“, sagte der Vater traurig und nachdenklich. „Das war nicht gut von dir.“
Martin schwieg hartnäckig. Als der Vater ihn strafte, weinte er leise vor Schmerzen, aber brachte kein Wort heraus.
„Überlege gut, was du getan hast“, sagte der Vater. „Ich möchte, dass du es verstehen sollst, dass du nicht nur uns betrübt hast, sondern auch Gott.“
Nach einer Zeit kam Martin schluchzend in die Küche.
„Vergib mir, Papa!“, er fiel dem Vater um den Hals. „Ich werde nicht mehr lügen!“
„Was  veranlasste dich, so zu lügen?“, fragte die Mutter verwundert.
„Ich wollte so gerne eine Brille haben. Und dann… Ich weiß selber nicht, wie es kam.“
„Ach so, jetzt kann ich mich erinnern, du sprachst mal davon…“, sagte die Mutter nachdenklich. „Aber habe ich dir nicht erklärt, dass eine Brille für gesunde Augen schädlich ist?“
„Ja, du hast es mir erklärt.“
„Siehst du, Martin, was das heißt, nicht zu glauben und nicht zu gehorchen“, sagte der Vater. „Das zog dich in die Unwahrheit und wenn es nicht ans Licht gekommen wäre, wäre noch eine, und noch eine, und noch eine Sünde dazugekommen und so weiter. Du hast dem Satan die Gelegenheit gegeben, in deinem Herzen das Regiment zu übernehmen. Er gab dir die Gedanken zum Lügen und du warst ihnen gehorsam. So entsteht jede Sünde wie Diebstahl, Unglaube, Trunksucht und viele andere.
Angefangen hat es ganz klein, Martin. Du wolltest wichtig und schön erscheinen. Liegt wohl in einer Brille Schönheit und Intelligenz? Nein. Alles, was hoch und wichtig bei Menschen ist, ist wertlos und nichtig vor Gott. Schön ist nur der Mensch, der ein reines Herz hat, in dessen Herzen Christus wohnt. In so einem Menschen spiegelt sich die Schönheit Jesu sowohl in Worten als auch in taten ab und das sollte unser höchster Wunsch sein. Jesum ähnlich zu sein, ist die beste Schönheit!“
Aufmerksam hörte Martin dem Vater zu. Ihm war es sehr peinlich, dass er gelogen hatte. Mit aufrichtigem Herzen bat er Gott um Vergebung und um Kraft, immer die Wahrheit zu sagen.
Nach dieser Begebenheit sind viele Jahre vergangen. Martin wurde groß und weihte sein ganzes Leben Dem, Der für seine Sünden am Kreuz gestorben war.
Später wurde Martin Gemeindeleiter einer großen Gemeinde. Er liebte Gott und diente ihm von Herzen. Oft warnte er seine Zuhörer:
„Hütet euch vor der Lüge! Denn es ist eine große Sünde!”

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