Jun 16 2008

Gott lässt sich nicht spotten

Geschrieben von Christ at 23:09 in Kindergeschichten

Gott lässt sich nicht spotten, eine christliche Kindergeschichte

Der Bauer Johannes fragte nicht viel nach Gott und auch nicht danach, was die Eltern und Großeltern sagten. Eines Sonntags sah er im Westen große Regenwolken aufkommen. Deshalb rief er seine Knechte und Mägde zusammen und sagte: „Rasch hinaus aufs Feld, es kommt Regen. Wenn wir uns beeilen, dann bekommen wir noch tausend Garben Korn trocken in die Scheune!“
Das hörte seine Großmutter, die schon achtzig Jahre alt war und sich nur mühsam an Krücken fortbewegen konnte. „Johannes, Johannes!“ rief sie ermahnend, „solange ich denken kann, wurde in unserem Tal noch nie am Sonntag eine Garbe Korn vom Feld geholt. Es ist der Tag des Herrn, und wir sollen den Feiertag heiligen. Wenn es regnet, so wird der Herr auch wieder Sonnenschein geben, und später kannst du das trockene Korn einfahren.“
Bei diesen Worten der Großmutter standen die älteren Erntearbeiter ganz ernst da und nickten zustimmend mit dem Kopf. Aber die Jungen lachten und riefen übermütig: „Altes Weibergeschwätz!“ Johannes sagte: „Großmutter, sei nicht böse. Die Zeiten haben sich geändert, und alles Neue muss zum ersten mal geschehen. Unser Herrgott wird uns deshalb nicht böse sein. Ob wir nun heute schlafen oder am Montag, die Hauptsache ist doch, das Korn ist unter dem Dach. Was wir eingefahren haben, das ist wohlbehalten in der Scheune, deswegen brauchst du dir keinen unnötigen Kummer zu machen.“
„Johannes“, sagte die Großmutter, „lass heute das Korn draußen; sonst könnte es sein, dass wir das ganze Jahr kein Brot zu essen haben werden.“
„Aber mach dir doch nur keine Sorgen, Großmutter“, lachte übermütig Johannes, „wenn wir das Korn unter dem Dach haben, dann feiern wir lustig, und die Knechte können mit den Mägden ein Fässchen Wein trinken.“
„Johannes, mein Junge, denke daran“, sagte die fromme Frau, „die Gebote Gottes bleiben für alle Zeit die gleichen, Himmel und Erde werden vergehen, aber des Herrn Wort nicht. Wenn du das Korn unter dem Dach hast, was hilft es dir, wenn du dabei das Gebot Gottes übertreten hast.“ „Um meine Seele brauchst du dich nicht zu kümmern!“ rief Johannes, „Auf! Burschen und Mägde, geht schnell aufs Feld, hurtig das Korn gebunden, was das Zeug hält und dann alles hinein in die Scheune, der Regen wartet nicht, und unsere Arbeit muss schnell getan werden.“ - „Johannes, Johannes“, rief die Großmutter noch einmal, aber es nützte nichts. Sie weinte und betete für die Erntearbeiter und ihren Enkelsohn.
Die Großmutter hatte ihren Enkelsohn umsonst gewarnt. Die Knechte und Mägde eilten auf das Feld, noch schien die Sonne am blauen Himmel, und die Tauben gurrten auf den Zweigen. Die Schnitter mähten das Korn mit der Sense, die Mägde brachten Körbe mit Brot und Wein auf das Feld und halfen den Knechten beim Binden der Garben, die auf den großen Erntewagen geladen wurden. Fuder um Fuder fuhren die Knechte in die Scheune. Alles schien gutzugehen, und ehe die ersten Tropfen vom Himmel fielen, war der letzte Wagen mit Korn in der Scheune.
Ein heftiger Regen begann, das Wasser prasselte auf die Straße und bildete kleine Sturzbäche. „Siehst du, Großmutter“, triumphierte Johannes, als er mit seinen Arbeitern in die Stube trat, „jetzt ist die Ernte unter Dach und Fach, jetzt mag es hageln und donnern wie es will, wir haben alles trocken in die Scheune eingebracht!“
„Johannes, aber über deinem Dach ist Gottes Dach!“ sagte die Großmutter feierlich, dabei hob sie flehentlich ihre Hände empor.
Plötzlich leuchtete es hell auf! Ein mächtiger Blitzschlag erschütterte das Haus. Es krachte, als würden Millionen Splitter durch die Luft fliegen.
„Großer Gott, es hat eingeschlagen!“ rief der erste, der reden konnte. Alles stürzte zur Tür hinaus.
Das Haus stand in hellen Flammen, in der Scheune brannte das eingebrachte Korn lichterloh. Alles stürzte in panischer Furcht aus dem Haus. Die alte Mutter rettete sich mit ihren Krücken in die Kirche und betete: „Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nehme doch Schaden an seiner Seele. Dein und nicht mein Wille geschehe, o großer Vater im Himmel.“ Das Haus und die Scheune brannten bis auf den Boden nieder, nichts konnte man retten. Der trotzige Bauer war ganz von Sinnen, er konnte nur noch vor sich hinlallen: „Ich hab es unter meinem Dach gehabt. Aber über deinem Dach ist des Herrn Dach. Was ich vor dem Regen gerettet habe, das hat der Blitz mir erschlagen“, und er weinte ganz bitterlich.
„Ja“, sagten die Leute im Dorf, „es stimmt gewiss: Irret euch nicht! Gott lässt sich nicht spotten. Denn was der Mensch sät, das wird er ernten.“

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