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Apr 25 2009

Keine Strafe – sondern Liebe

Geschrieben von under Evangelisation,Ewigkeit

Keine Strafe – sondern Liebe, ein christliches Anspiel zum Thema Evangelisation, Ewigkeit für 11 Personen

Autor: Es war in einer hellen Mondscheinnacht gegen Weihnachten. Der frisch gefallene Schnee lag wie feiner Puder auf dem Dünenland. Der Wind strich mit leisem Wehen daher, das mit der zunehmenden Nacht stärker und stärker wurde. Es dauerte noch lange bis die Sonne aufging, aber in Ole Konges Stube brannte schon Licht. Dort saß sein Sohn Erik auf einem Stuhl und war eifrig damit beschäftigt, seine Wasserstiefel einzucremen. Er war von kräftiger Gestalt, groß und breitschultrig, mit regelmäßigen, derben Gesichtszügen. Die dicke isländische Jacke ließ ihn noch vierschrötiger erscheinen.
Auf dem Tisch stand schon das Frühstück, das die Mutter hereingebracht hatte. Als Erik mit den Stiefeln fertig war, begann er zu essen. Da wurde die Tür geöffnet und Eriks Schwester Ellen, kam herein.

Ellen:
Guten Morgen Erik. Gehst du jetzt?

Erik: Guten Morgen, ich werde jetzt gehen, aber warum bist du so früh auf, wo du doch die Erlaubnis hattest auszuschlafen?

Ellen: Oh, ich konnte nicht schlafen, ich muss mit dir reden.

Autor:
Ellen setzte sich auf eine Bank neben dem Tisch und sah Erik an.

Erik: Nun, was wolltest du denn sagen?

Ellen: Erik, es ist mir, als sollte heute etwas geschehen – dir – irgendein Unglück zustoßen.

Autor: Doch er sagte mit scherzhaftem Lächeln:

Erik: Du träumst gewiss noch, Herzensschwesterchen.

Ellen: Das kann sein, aber ich habe doch Angst um dich. Ich hatte einen so sonderbaren Traum: Das Meer verschlang dich und du riefst mir zu „Ellen, wie viel gehört dazu?“ und dann verschwandest du in den Fluten. Oh, ich habe solche Angst um dich, Bruder.

Erik: Warum sorgst du dich so sehr um mich? Du solltest mehr um dich sorgen. Ich habe keine Angst vor dem Tod.

Ellen:
Darf ich das denn nicht?

Erik: Doch, das darfst du, Schwesterchen, aber ich fürchte du vergisst, dass du eine unsterbliche Seele hast, die teuer erkauft ist. Du weißt wohl, dass ich zu jeder Stunde wenn mich Gott abrufen will, bereit bin, aber du? Hast du denn nicht über die Frage nachgedacht, die dir gestellt wurde? Was willst du darauf antworten?

Ellen: Ich weiß es nicht!

Autor: So saßen sie ein paar Minuten, doch dann stand Erik auf, verabschiedete sich von der eben hereingekommenen Mutter und Ellen, und trat in die mondhelle Nacht hinaus. Ellen wurde von der Mutter ins Bett geschickt, denn sie sah blass aus.

Musikstück

Autor: Ellens vergangenes Leben war ohne Gott verlebt worden. Sie hatte ihn wegen einem Mann, den sie sehr liebte, abgelehnt, weil dieser nichts davon wissen wollte. Der Maler, Knud Albäk, war in ihr Leben getreten, als sie schon ganz nah an Gott war, aber da er es nicht wollte, gab sie Gott auf. Ellens Großvater hatte die Verlobung, die stattgefunden hatte, traurig gestimmt, weil er einer von den wenigen Christen in dem Fischerdorf war. Er hatte oft mit Ellen darüber gesprochen, dass sie sich bekehren sollte, aber sie hatte das Glück dieser Welt gewählt. Die Eltern hatten auch nichts gegen die Verbindung, denn sie kannten Gott auch nicht. Ellen war ganz zufrieden in ihrem Glück; sie wollte kein anderes. Doch die Frage die ihr nachts gestellt wurde, hatte sie zum Nachdenken gezwungen.
Der Mond, der hoch am Himmel stand, war von hastig jagenden Wolken verdeckt. Ellen stand am Fenster und schaute den Schatten nach, die über den Schnee glitten, denn schlafen konnte sie nicht. Die Frage „Wie viel gehört dazu?“ stand ihr vor den Augen. Ihrem Bruder hatte sie darauf geantwortet „Ich weiß es nicht“, aber sich selbst gegenüber musste sie ehrlich sein. Jetzt musste sie anders antworten. Sie würde diese Frage gerne so weit wegschieben, um nicht darauf antworten zu müssen und sie zu vergessen, aber sie wusste genau, dass sie das nicht tun konnte. Sie wusste auch, dass sie seit ihrer Verlobung vor Gott geflohen war. Vorher hatte sie schon etwas von Gottes Nähe gefühlt, aber seit sie Knud liebte, stand Gott so vor ihr, als ob er nur verlangte und sie wollte ihm nichts geben. Sie war sich im Klaren darüber, dass Gott alles, ihr ganzes Herz wollte. Doch sie wusste, dass es nicht sein konnte, wenn sie sich das Glück, das jetzt ihr ganzes Leben ausfüllte, bewahren wollte. Doch gleichzeitig stieg eine Angst in ihr auf, Gott könnte gewaltsam in ihr Leben eingreifen, um ihren Sinn zu beugen. Diese Angst war in dieser Nacht mit erneuter Stärke über sie gekommen; der schreckliche Traum hatte sie hervorgerufen.
Ellen warf sich auf ihr Bett und presste ihr Gesicht fest in das Kissen. So lag sie einige Zeit. Endlich fiel sie in einen unruhigen Schlummer. Als sie aufwachte war sie sehr müde und die Stirn brannte ihr. Da klopfte es an die Tür und die Mutter trat ein. Sie überreichte Ellen mit ein paar freundlichen Worten einen Brief von Knud Albäk, dann sagte sie:

Karin: Es gibt gewiss hohen Seegang. Vater hat den Ballon aufgezogen.

Autor: Ellen sprang wie elektrisiert aus dem Bett, zog sich in Windeseile an, trank auch den Kaffee nicht und ging so schnell sie konnte zum Strand. Unterwegs traf sie ihren Großvater und sie eilten zusammen weiter.

Ellen: Glaubst du, dass es heute schlimm wird, Großvater?

Opa: Es ist wohl möglich. Es sieht nicht all zu gut aus, aber es kommt ja hauptsächlich auf die Flut an.

Ellen: Sind denn alle Boote draußen?

Opa: Nein, nur ein Dutzend etwa.

Autor: Jetzt kam Ellens Vater und noch einige Männer von der Mannschaft des Rettungsbootes, zu ihnen.

Ellen: Wird das Rettungsboot ausgesetzt, Vater?

Vater: Ich halte es für meine Pflicht, die Brandung tobt ja fürchterlich und ich meine, sie nimmt zu.

Autor:
Es kamen noch viele andere vom Dorf an den Landungsplatz. Drei Boote waren schon nahe am Ufer, aber etliche waren noch weit draußen, doch alle strebten dem Ufer zu. Ellen hatte sich auf den Rand eines Bootes gesetzt, das am Ufer lag, und beobachtete nur die drei Boote, wo sich auch ihr Bruder befand; anderes sah sie nichts.

Maria: Nun kommt das Rettungsboot.

Autor: Mit diesen Worten setzte sich Maria, eine junge Frau aus dem Dorf, neben Ellen auf den Bootsrand.

Ellen: Ob sie wohl in das Rettungsboot hinübergehen?

Maria: Das müssen sie wohl, aber sie tun es ja sehr ungern.

Ellen: Aber es ist auch kein Spaß, wenn man das Boot und die Geräte im Stich lassen soll. Aber das Leben ist trotzdem wertvoller.

Autor: Maria fiel es auf, dass Ellen leichenblass aussah und ihre Lippen zitterten.

Maria:
Ellen, du siehst krank aus, du solltest nach Hause gehen.

Ellen: Nein, ich gehe nicht nach Hause – nicht ehe die Boote hereingekommen sind.

Autor: Plötzlich erklangen durchdringende Schreie vom Ufer. Das Rettungsboot, das ein ganz neues System war und ziemlich sicher schien, hatte sich quer gegen die Wogen gedreht und in weniger als in einer Sekunde lag es mit dem Kiel nach oben im Wasser. Sofort fuhren etliche andere Boote vom Ufer ab. Denn Minuten, ja Sekunden können kostbar sein, wenn Menschen im eiskalten Wasser umhertreiben.
Erik war unter das Boot gekommen. Mit aller Kraft schaffte er es irgendwie hinaus zukommen. Als er endlich soweit zur Besinnung gekommen war, sah er ein Boot, nur ein paar Meter entfernt. Er schwamm drauf zu und klammerte sich an ein Seil des Bootes, wo sich auch noch ein paar andere festhielten. Als plötzlich eine große Welle alle von dem Boot wegriss, fühlte Erik schon wie seine Kräfte von der Kälte gelähmt wurden. Während sich eine neue Woge über ihn ergoss, fühlte er etwas neben sich; er griff danach und bekam ein Ruder zu halten. Daran hielt er sich über Wasser. Dann sah er eine Gestalt, die auf ihn geschleudert wurde. Es war Stefan, einer der Fischer vom anderen Boot.

Erik: Halt dich an dem Ruder fest.

Stefan:
Ich kann beinahe nicht mehr.

Autor: Stefan stöhnte, aber er fasste doch nach dem Ruder.

Erik: Ist kein Boot zu sehen?

Stefan:
Ich weiß nicht. Ich meinte, vorhin hätte ich eins gerade vor mir gesehen.

Erik: Warum hast du keinen Rettungsgürtel an?

Stefan: Ich hatte keine Zeit mehr dazu.

Erik:
Hör Stefan, Ich merke, dass uns das Ruder nicht beide tragen kann, denn ich kann nicht mehr schwimmen.

Stefan: Was sollen wir denn tun?

Erik: Du sollst dich daran festhalten. Ich kann sterben, du aber nicht.

Stefan:
Erik, ich danke dir!

Erik: Aber bekehre dich dann, Stefan, hörst du, wenn Gott dir das Leben rettet.

Stefan: Ja, Herr errette mich – rette meine Seele, so wie ich jetzt bin, kann ich nicht sterben!

Autor: Eriks Kräfte waren erschöpft. Er fühlte wie ihm die Kälte alle Glieder lähmte.

Erik: Lebewohl, Stefan – grüße – grüße alle – Ellen – Jesus -

Autor: Dieses waren Eriks letzte Worte, die er noch herausbrachte, dann ließ er das Ruder los und versank.
Stefan schlang die Arme um das Ruder; er versuchte noch um Hilfe zu rufen, aber er war wie gelähmt von der Kälte. Schließlich verlor er das Bewusstsein vollständig. In diesem Augenblick wurde er von zwei kräftigen Armen erfasst und in ein Boot hineingezogen.
Währenddessen hatte Ellen gehört, dass sich alle Fischer, auch Erik, ins Rettungsboot gerettet hatten und es überkam sie eine wohltätige Ruhe. Sie wusste, dass ihr Vater das Boot lenkte, da war nun wohl alle Gefahr vorüber.

Ellen: Wie töricht ist es doch gewesen, dass ich mich von ein paar Traumgeschichten so habe erschrecken lassen. Was heute geschehen ist, habe ich ja schon oft miterlebt.

Autor: Mit einem müden Lächeln lehnte sie ihren Kopf zurück, denn sie war sehr müde und brauchte dringend Ruhe. Sie fühlte sich krank. Aber kaum hatte sie sich etwas entspannt, erklang vom Ufer her ein durchdringender Jammerruf, der sie wieder aufscheuchte. Ein einziger Blick auf die Brandung genügte, dass ihr Hals sich zusammenschnürte, als ob sie ersticken müsste. Endlich erklang es wie ein Jammerschrei:

Ellen: Mein Vater – Erik!

Autor: Dann fiel sie Maria ohnmächtig in die Arme. Obwohl Marias Herz vor Angst und Schmerz zusammengeschnürt war, weil ihr Mann noch draußen mit den Wogen kämpfte, wagte sie trotzdem nicht das kranke Mädchen allein zu lassen. Endlich kam Ellen wieder zu sich. Sie konnte kaum aufrecht sitzen. Sie hatte offenbar heftiges Fieber.

Ellen: Er ertrinkt und Vater vielleicht auch. Da draußen liegen sie – in dem kalten Wasser – ich sehe, wie sie sich an das Boot anklammern. Nun kommt eine Sturzwelle. Maria, ich kann es nicht mehr mit ansehen.

Autor: Sie hielt die Hände vor die Augen, nahm sie aber sofort wieder weg.

Ellen: Oh, es ist schrecklich – nun sind nur noch zwei Mann am Boot – und dort schwimmt einer – ist das nicht Erik?

Autor: Ellen hatte ihren Bruder erkannt. Sie stieß einen Schrei aus und wäre rückwärts über den Bootsrand gefallen, wenn Maria sie nicht gestützt hätte. In diesem Augenblick trat Ellens Großvater zu ihnen. Er half Maria, Ellen in das Fischerhäuschen zu bringen. Dann setzte er sich neben Ellen.

Ellen:
O Großvater, sie ertrinken -  er ertrinkt, Erik!

Opa: Gott ist allmächtig, Ellen.

Autor: Ellen versuchte über diesen Satz nachzudenken, aber ihr Kopf war zu müde. Sie sah nur die schreckhaften Bilder der letzten Stunden vor sich.

Ellen: O nein, er ertrinkt – ich weiß es – ich sah ihn ja, nachts.

Opa: Und wenn es nun wirklich geschieht, was dann, Ellen?

Ellen: O, ich weiß es wohl, es ist die Strafe Gottes.

Opa: Nein, es ist der Ruf Gottes, der Ruf der Liebe Gottes, mein liebes Kind.

Ellen: Ja, es ist der Ruf Gottes, er klang von draußen herein, und er tönt mir noch immer in den Ohren, aber ich wollte ihn nicht hören – ich wollte nicht.

Autor: Diese Worte flüsterte Ellen eintönig und klagend.

Opa: Aber willst du es jetzt, Ellen? Oder soll Albäck eine ewige Fessel für dich sein?

Ellen: Albäck?

Autor: Ellen fasste nach ihrer Stirn. Sie schwieg eine Weile, dann sagte sie plötzlich:

Ellen:
Großvater, wie streng Gott ist!

Opa: Gott ist lauter Liebe.

Ellen: Auch heute?

Opa: Ja, Ellen, auch heute.

Ellen: Ach wenn…

Autor: Sie kam nicht weiter. Einige Männer brachten eine leblose Gestalt herein und legten sie auf den Boden. Ellen sprang auf und schwankte vorwärts und warf sich mit einem Schrei über den Toten.

Ellen: Erik, Erik!

Autor: Die Stimme versagte ihr und sie wurde ohnmächtig. Schnell wurde sie wieder zu Bewusstsein gebracht und nach kurzer Zeit saß sie, an ihren Großvater gelehnt, auf einem Wagen mit dem sie heimwärts fuhren. Hinter ihr, mit einem Segel zugedeckt, lag ihr Bruder.

Musikstück

Autor:
Es war ein harter Kampf, der draußen in der Brandung ausgekämpft wurde. Die drei kleinen Boote wurden mehrmals halb mit Wasser gefüllt und es sah verzweifelt aus. Aber mit der Entschlossenheit und Unerschrockenheit der Mannschaft gelang es doch sie über den erregten Wogen zu halten. Acht Mann, darunter zwei von der Rettungsmannschaft, mussten das Leben lassen. Die anderen wurden gerettet, aber alle in einem mehr oder weniger ermatteten Zustand.
Die meisten wurden in dem Hause des Strandvogts untergebracht, wo ihnen eine kräftige und kundige Pflege zuteil wurde. Im Moment war man mit Ole Konge beschäftigt. Er konnte gar nicht wieder warm werden. Er wurde von zwei Männern im Zimmer umher geführt, doch er schwankte noch wie ein Betrunkener. Der starre Ausdruck in seinen Augen zeigte, dass er noch nicht ganz zum Bewusstsein zurückgekehrt war.
Auch mit den anderen Verunglückten war man beschäftigt. Einer lag bewusstlos auf dem Tisch und ein paar Männer rieben ihm die Füße und den Unterleib. Plötzlich ertönte Wagengerassel und gleich danach trat der Arzt ein. Es war ein alter Mann und er schien keine Eile zu haben, sich mit den Kranken zu beschäftigen. Er legte seinen Pelz ab, zog ein Notizbuch aus seiner Tasche und begann einen Geretteten, der am Ofen saß, über das Unglück auszufragen. Er war nämlich mehr Zeitungsreferent als Arzt.

Karin: Aber wollen Sie denn nicht nach den Kranken sehen, Herr Doktor?

Autor: fragte Ole Konges Frau, denn es hatte ihr zu lange gedauert.

1.Arzt: Ja gewiss, meine gute Frau, ich komme jetzt zu ihnen. Na,- ist das ihr Mann? Wie geht es ihm? Noch recht schlecht – jawohl das sieht man. Habt ihr Wasser aus ihm herausgebracht? Das ist sehr gut.

Autor: Er legte die Hand auf Ole Konges Herz.

1.Arzt: Tut es hier weh – na, er kann nicht gut sprechen – nun, macht nur so weiter mit ihm. – Und da sitzt einer – hör mein Freund, hier ist ein wenig Wein – nehmen sie einen Schluck davon.

Fischer:
Nein, danke!

1.Arzt:
Also nicht, nun es ist vielleicht auch am Besten es nicht zu nehmen. Und da liegt einer – ist er tot? Nein, es ist noch Leben da – aber schwach. Er hat sich auch noch irgendwo gestoßen, er blutet ja – die Haut ist hier etwas abgeschürft – na, das ist nicht schlimm. Ja, nun werde ich etwas aufschreiben, das könnt ihr dann anwenden.

Autor: In diesem Augenblick trat der Distriktsarzt ein. Es war ein jüngerer Mann. Sobald er eingetreten war, wandte der Alte sich zum Gehen.

1.Arzt: Na, Karlsen, nun können sie weiter machen – ich muss noch ins Nachbardorf zu einer alten Frau.

Autor: Der junge Arzt hatte die Lage bald überschaut.

2.Arzt: Sind Tote da?

Karin: Ja – Erik, unser Sohn – ist tot.

Autor: Karin führte ihn zum Toten und nach einer kurzen Untersuchung bestätigte dies der Arzt.

2.Arzt: Ja, hier ist nichts mehr zu machen.

Karin:
Und unsere Tochter ist bestimmt sehr krank.

2.Arzt: Ich werde gleich nach ihr sehen. Aber zuerst müssen die Männer hier aus aller Gefahr sein.

Autor:
Schnell traf der Arzt seine Anordnungen und nahm sich selbst des Schlimmsten an. Als er es soweit gebracht hatte, dass er ihn den anderen überlassen konnte, ging er zu Ellen. Nach einer sorgfältigen Untersuchung, meinte der Arzt.

2.Arzt: Ein Organ ist nicht erkrankt. Es ist eine starke Erkältung mit einer Überspannung der Nerven. Aber wenn nichts Unvorhergesehenes dazu kommt, wird sie bald wieder hergestellt sein. Sie muss nur vollständige Ruhe haben und selbstverständlich muss immer jemand bei ihr sein.
Autor: Inzwischen war Maria wieder von Hause gekommen.

Maria:
Ich kann hier bleiben, bis ihr mit den Männern fertig seid. Ihr habt ja noch alle Hände voll zu tun.

Karin: Ich danke dir, Maria.

Autor:
Eine Stunde später war alles ruhig im Haus. Die Männer waren fortgegangen und Ole Konge war zu Bett gegangen. Doch er konnte nicht schlafen. Er stand wieder auf, denn eine unwiderstehliche Macht zog ihn zur der Leiche seines Sohnes. Dort setzte er sich hin und weinte wie ein Kind. Stunde um Stunde saß er da und das wiederholte sich, solange die Leiche noch im Hause war. In dieser Zeit war Ole Konge schweigsam und verschlossen. Eines Tages, als er wieder so dasaß, trat Grönhöj, der Großvater, ein. Auf dem Gesicht des Strandvogts zeigte sich ein Ausdruck des Widerwillens. Grönhöj betrachtete Erik eine Weile, dann legte er Ole Konge die Hand auf die Schulter und sagte leise:

Opa: Wenn du glauben könntest, würdest du die Herrlichkeit Gottes sehen.

Ole K.: Ist das die Herrlichkeit Gottes?!

Opa: Du siehst nur deinen Sohn, aber nicht  Gottes Sohn – den Herrn der Herrlichkeit. Und er hat gesagt: Wer den Sohn sieht und glaubt an ihn, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tage.

Ole K.: Es gibt keinen Gott!

Opa: Doch, Ole, und du hast seine Macht gefühlt.

Ole K.: Warum hat er dann nicht seine Hand über meinen Jungen gehalten?

Opa: Um dein Herz zum Sohn Gottes hinzuziehen. Niemand kommt zum Sohne, der Vater, der ihn ausgesandt hat, ziehe ihn denn. Lieber Ole – komm zum Sohn Gottes, und du wirst sehen, welche Herrlichkeit auch über diesem Sarg liegt.

Autor: Ole Konge zuckte ungeduldig die Schultern, stand kurz entschlossen auf und verließ das Zimmer.

Musikstück

Ellen überwand ihre Krankheit schneller, als irgendjemand zu hoffen gewagt hatte. In der zweiten Nacht schon befiel sie ein schwerer tiefer Schlaf, aus dem sie mit vollem Bewusstsein erwachte. Doch sie war sehr müde. Ihre Mutter saß neben Ellens Bett, als diese die Augen aufschlug. Ellen sah ihre Mutter nicht sofort. Als das Geschehene ihr wieder in den Sinn kam, legte es sich ihr wie ein schwerer Stein auf ihre Brust, und sie stöhnte laut auf. Die Mutter fasste ihre Hand und einen Augenblick ruhten die Blicke der Beiden ineinander. Eine Frage bedrängte Ellen besonders. Sie wagte sie kaum auszusprechen, doch schließlich kam es wie ein angstvolles Flüstern von ihren Lippen:

Ellen: Mutter? Vater ist doch nicht…?

Karin: Nein, mein Kind, Gott sei Dank! Aber Erik…!

Autor: Ein Schluchzen erstickte ihre Stimme. Ellen weinte nicht. Nach einer Weile sagte Ellen:

Ellen: Mutter, ich bin schuld daran!

Karin: Was meinst du damit, mein Kind?

Ellen: Ich bin schuld daran, das Erik sterben musste.

Karin: Plage dich doch nicht mit solchen Gedanken! Was hättest du denn dagegen tun können?

Ellen: Ja, Mutter, er starb um meinetwillen, weil ich Gott widerstand. O, Mutter es ist schrecklich, wenn man Gott widersteht.

Autor: Die Mutter wusste nicht was sie antworten sollte. Sie konnte ihrer Tochter nichts Tröstendes oder Helfendes sagen, denn das Gebiet war ihr unbekannt. Auch hatten die Worte ihrer Tochter ihr einen Stich ins Herz gegeben. Sie hatte ja selbst auch nicht Gott angenommen, obwohl ihr Vater und Sohn oft darüber gesprochen hatten. Doch sie wollte nichts unversucht lassen was Ellens Herz aufmuntern könnte, deshalb sagte sie:

Karin: Der Großvater sitzt draußen in der Küche. Er möchte sehen wie es dir geht. Soll ich ihn herein rufen?

Ellen: Ja, bitte Mutter.

Autor: Als der Großvater eintrat, glitt ein müdes Lächeln über Ellens Gesicht.

Opa: Nun liebe Ellen, jetzt geht es dir ja besser.

Autor: Er strich ihr zärtlich über die bleichen Wangen.

Ellen: Ich weiß nicht. Ich weiß es nicht, ob es mir je wieder besser gehen wird.

Opa: Gewiss, gewiss, kleine Ellen, nur kein grübeln, sei froh, dass du so weit bist.

Ellen: O Großvater, es war ein furchtbarer Tag.

Opa: Es war einer der großen Tage Gottes.

Ellen: Ja, des strengen, strengen Gottes.

Opa: Ja, des Gottes, der streng erscheinen kann, der aber doch die Liebe ist. Glaubst du nicht, dass er die Liebe ist, Ellen?

Ellen: Ich kann gar nichts glauben. Ich erinnere mich nur, ich sehe, ich höre. Ich höre das schreckliche Branden der Wogen und einen Hilferuf, und niemand kann helfen, weil Gott es nicht will, – und alles, alles tönt wie eine Stimme des jüngsten Gerichts.

Opa: Liebe Ellen, ich verstehe dich so gut – es erscheint alles so streng, ja böse, aber ich glaube, dass du soweit kommst, es auch noch in einem anderen Lichte zu sehen.

Autor: Ellen fuhr in ihrem eigenen Gedankengang fort.

Ellen: Und ich höre andere Stimmen. Sie klingen weich und mild. Es sind deine und Eriks Worte. Aber sie sprechen von Gericht, Gericht, Gericht.

Autor: Sie verbarg das Gesicht in den Händen, wie in Angst.

Opa: Ja, liebe Ellen so tönt es aus einem Herzen, das nicht in Gemeinschaft mit Gott steht. Wir müssen Gott zuerst als Richter begegnen, ehe wir ihn als Erlöser ergreifen können.

Ellen: Alles ist durch die Macht Gottes geschehen, und warum musste das alles geschehen? Nicht um derentwillen, die da draußen waren, sondern um meinetwillen, Großvater.

Opa: Das war vielleicht einer der Gründe. Jedenfalls war es eine mächtige Stimme, die auch zu dir sprechen wollte.

Ellen: Gott wollte mich strafen.

Opa: Nein Ellen, du kennst Gott nicht.

Ellen: Doch, Großvater, ich kenne ihn. Ich bin ihm einmal – ja mehr als einmal sehr nahe gewesen,- aber – aber dann sagte ich doch nein. Ich konnte nicht anders: Und jetzt – jetzt ist es zu spät. Es gab eine Zeit, da verstand ich, dass des Herrn Angesicht über uns leuchten kann. Doch seitdem ist es mir so, als ob er sein Angesicht von mir gewandt hätte – für immer und ewig.

Opa: Nein, Ellen, nein nicht für ewig. Seine Augen sind nie von dir abgewandt gewesen. Doch deine Augen sind geblendet, dass du ihn nicht sehen konntest.

Ellen: Doch, doch, ich sage dir – ich glaube, Erik wäre gerettet worden, wenn ich damals mein Herz hätte beugen können. Aber mein Herz war hart, ich konnte mich nicht beugen. Knud hatte es damals gefesselt. Dies ist nun die Strafe Gottes, und jetzt ist es zu spät. Ich hatte meine Gelegenheiten und ich wollte nicht, nun ist es zu spät. Zu spät.

Autor: Ellen stöhnte laut auf.

Opa: Liebe Ellen, du warst früher im Irrtum und bist es jetzt auch noch. Aber ich sage dir aufs Neue – du kennst Gott nicht, du kennst Jesus nicht, denn ihn erkennen ist das ewige Leben, sagt er selbst.

Autor: Die Worte des alten Mannes waren nur leere Laute für Ellen. Sie konnten nicht bis in ihr Herz dringen.

Ellen: Ach Großvater, ich bin so unglücklich. Es ist, als ob die Sonne für mich verloschen wäre.

Opa: Ellen, darf ich dir etwas sagen – wenn du nur beten könntest – zu Gott beten, der dich liebt, auch wenn du es nicht weißt – du würdest dann bald merken, dass die Sonne aller Sonnen für dich nicht verloschen ist.

Autor: In diesem Augenblick trat Ole Konge ins Zimmer. Der alte Mann stand auf und Ole Konge setzte sich an seinen Platz.

Ole K.: Guten Morgen, mein Mädchen.

Autor: Seine Stimme hatte einen weichen leicht bebenden Klang im Gegensatz zu seinem Gesicht, das noch strenger als sonst schien.

Ellen: Guten Morgen, Vater.

Autor: Hätte Ole Konge jetzt dem Drang seines Herzens nachgegeben, so wäre er in lautes Schluchzen ausgebrochen. Er bezwang sich aber, weil er es nicht ge-wohnt war, seine Gefühle zu zeigen. Er richtete sich gerade auf und sagte mit erzwungener Gleichgültigkeit.

Ole K.: Du musst jetzt etwas essen und dann musst du ruhen.

Autor: Der Großvater verstand diese Anspielung und wollte gehen.

Ellen: Vater? Großvater darf doch bei mir bleiben?

Ole K.: Ja, aber ich meine… na du weißt schon, was ich meine.

Ellen: Ach Vater, wenn wir nun an Eriks Stelle gewesen wären, meinst du nicht, dass es dann gut gewesen wäre, wenn wir Eriks Glauben gehabt hätten?

Ole K.: Ich weiß es nicht.

Autor: antwortete Ole Konge bestimmt. Nun war er wieder ganz der Alte.

Ole K.: Ich glaube, dass ich mit dem Glauben, den ich habe, wohl sterben kann.

Autor: Damit verließ er das Zimmer und der Großvater folgte ihm. Kurz darauf kam die Mutter mit etwas Speise ins Zimmer.

Ellen: Ich kann nichts mehr essen, Mutter.

Karin: Doch, du musst wirklich etwas essen, mein Kind, sonst kannst du ja nicht zu Kräften kommen. Und du sollst doch bis zur Beerdigung wieder gesund sein.

Autor: Als die Mutter sie wieder allein gelassen hatte, fiel Ellens Blick auf das Bild über ihrem Bett: Knud Albäck, ihre große Liebe. Und schon stürmten die Gedanken wieder auf sie ein.

Ellen: Ich liebe ihn ja. Aber diese Schatten verdunkeln mein glänzendes Märchenland der Zukunft, das ich mir so oft erträumte. Und diese Schatten kommen von Gott. Die Wahrheit hat mein widerspenstiges Herz getroffen. Ich bin wie ein angeschossener Hirsch, der zu fliehen versucht hatte, doch nun bin ich gestürzt und bin am verbluten. Ja, ich weiß, ich kann nicht mehr vor Gott fliehen. Ich werde ihn nie vergessen können. Es ist mir nun klar, dass das Leben ohne Gott, das ich mir ausgemalt habe, nur das Leben Evas außerhalb des verlorenen Paradieses gewesen wäre. Die einzelnen seltenen Sonnenstrahlen hätten nicht die Macht die Todesschatten zu durchdringen. Ich habe soviel mal nein zu Gott gesagt und jetzt kann ich ihn nicht finden. Ich kann nicht.

Autor: Sie ergriff Knud Albäck’s Brief und begann zu lesen.

Ellen: Freue dich Ellen. Nun geht es bald zum Traualtar…

Autor: Weiter kam sie nicht. Sie fühlte plötzlich, als ob sich eine eiskalte Hand auf ihr Herz legte.

Ellen: Traualtar – Hochzeit. Ich bin zu einer anderen Hochzeit geladen. Zur Hochzeit des Lammes bin ich geladen. Und ich habe abgesagt, genau wie die Geladenen in dem Beispiel Jesu. Und der Hausherr ist zornig geworden. Ja. Gott ist zornig über mich geworden. Meine Hoffnung ist aus. Ich bin verworfen. Ich werde in der Ewigkeit nicht mit Erik zusammen sein. Er ist bei Gott. Ach Erik!

Autor: Unwillkürlich hatte sie den Namen laut gerufen. Es klang wie ein Schmerzensschrei. Sie schlug die Hände vors Gesicht und fing an zu weinen. Das wirkte beruhigend auf ihr Gemüt.

Musik

Autor: So verging Stunde um Stunde. Ellen sprach kaum etwas im Laufe des Tages. Gegen Abend schlief sie ein, erwachte aber gegen Mitternacht wieder. Sobald sie die Augen aufschlug, war sie gleich wieder mitten in ihrem tiefen Seelenkampf. Während ihrer Krankheit hatte man ein zweites Bett in ihr Zimmer gestellt. In diesem lag ihre Mutter und schlief ruhig. Plötzlich erwachte diese und hörte Ellen stöhnen.

Karin: Was ist dir denn, Ellen?

Ellen: Ach Mutter, ich bin verloren.

Karin: Was ist das für ein Gerede? Wie kommst du darauf?

Ellen: Gott hat es gesagt.

Karin: Nein, ganz gewiss nicht, es ist ja entsetzlich sich so etwas auch nur einzubilden.

Ellen: Ach Mutter, es ist keine Einbildung, es ist Wahrheit.

Autor: Die Mutter erkannte bald, dass sie das Heilmittel nicht besaß, das die kranke Seele ihrer Tochter heilen könnte. Deshalb fragte sie im  verzweifelten Ton:

Karin: Was sollen wir denn tun, mein Kind?

Ellen: Ich weiß es nicht. Ach, wenn ich doch tot wäre – tot wie Erik!

Karin: Ellen, so darfst du nicht sprechen.

Ellen: Doch, Mutter, denn Erik sitzt nun an der großen Hochzeitstafel im Himmel, aber ich werde dort nicht dabei sein.

Karin: Ellen, hör doch auf mit solchen Reden! Das ist ja krankhaft. Warum solltest du denn nicht dabei sein?

Ellen: Weil ich Gottes Ruf nicht gehorcht habe und – Mutter – ich fürchte, auch du und der Vater haben nicht gehorcht.

Karin: Nun wird es aber zu schlimm Ellen, denk doch ein wenig darüber nach was du sprichst. Du richtest ja deinen Vater und deine Mutter.

Ellen: Ach, nein, liebe Mutter, ich richte keinen von euch beiden. Aber du weißt, Großvater und Erik haben mit euch darüber gesprochen und wir waren oft der Meinung, man sollte sich nichts daraus machen.

Karin: Ja, man kann zu weit gehen mit der Religion, das habe ich immer gesagt und das ist auch jetzt noch meine Ansicht.

Ellen: Glaubst du wirklich dass Erik zu weit gegangen ist?

Karin: Nein – es war nur gut für ihn. Aber glaubst du nicht, dass der Herr uns andere auch annehmen würde?

Ellen: Für euch ist die Tür noch offen, aber ich habe dem Ruf des Herrn widerstanden und nun ist meine Seele verdammt.

Autor: Die Mutter antwortete nicht; sie war aus dem Gleichgewicht gekommen. Schließlich sagte sie:

Karin: Mein liebes Kind, versuche nun einzuschlafen, dann wollen wir morgen weitersehen.

Autor: Ellen versuchte auch einzuschlafen, aber es gelang ihr nicht. Sie fühlte sich einsam und verlassen. Erst gegen Morgen fiel Ellen in einen tiefen Schlaf. Als sie wieder erwachte, war es hell und das Bett der Mutter leer. Im Laufe des Tages kam der Großvater. Ellen sprach lange mit ihm. Doch ihr Ohr schien für die freie Gnade Gottes taub zu sein. Um ihr Herz lag ein dicker Panzer, den das Wort Gottes nicht zu durchdringen vermochte. Sie wähnte sich verworfen, verstoßen, verloren.

Ellen: Ach Großvater, in meinem Herzen tönt es immerfort: hätte ich doch nur der Stimme des Herrn gehorcht, hätte ich doch seine Hand ergriffen, damals, ja damals! Dann wäre ich jetzt glücklich – selig. Aber nun tönt es nur zu spät, zu spät!

Autor: Der Großvater wusste nichts mehr zu sagen, aber  in seinem Herzen war er sicher, dass der Teufel seine gemarterte Beute loslassen müsse und dass sie Ruhe finden würde in den Armen Jesu. Deshalb sagte er freudig; indem er aufstand um zu gehen.

Opa: Meine kleine Ellen, keine Seele auf der Welt, die nach den Wasserströmen schreit, wird verschmachten und du auch nicht.

Autor: Am Nachmittag kam Maria um sich nach Ellens Befinden zu erkundigen. Auch sie versuchte ihr die Liebe Gottes vorzustellen, aber mit demselben Erfolg wie der Großvater.
Auf diese Weise verging ein Tag nach dem anderen. Ein paar mal musste man Ellen in den Saal führen. Sie wollte ihren Bruder sehen und die Szenen die sich da abspielten, waren herzzerreißend.
Endlich kam der Begräbnistag. Von allen Seiten strömten festlich gekleidete Leute herbei. In einigen Stunden würde sich ein langer Trauerzug nach dem kleinen, einfachen Friedhof begeben, wo ein großes geschmücktes, gemeinsames Grab bereit war, die acht Särge aufzunehmen.
Bei Ole Konge waren auch schon die ersten Gäste eingetroffen. Maria war zu Ellen hineingegangen. Plötzlich wurde die Tür ein wenig geöffnet.

Stefan: Darf ich hereinkommen?

Maria: Es ist Stefan – darf er hereinkommen?

Ellen: Ja, gern.

Autor: Stefan setzte sich auf einen Stuhl am Fenster.

Stefan: Ich hatte dir eigentlich noch einen Gruß zu überbringen, Aber ich habe noch keine Zeit dazu gehabt. Wir haben ja seit dem Unglück so viel zu besorgen gehabt.

Ellen: Einen Gruß?

Stefan: Ja, von Erik. Du weißt doch, dass ich der letzte war, mit dem er gesprochen hat, ehe er unterging. Dein Name war der letzte, den er aussprach. Nein, das stimmt nicht ganz, der allerletzte war Jesus. Und wie geht es dir?

Ellen: Es geht mir nicht gut, mein Körper ist müde und meine Seele ist krank.

Stefan: Warum ist sie krank?

Ellen: Weil ich von Gott verworfen bin, Stefan.

Stefan: Das klingt sonderbar, aber könntest du dich nicht auch täuschen?

Ellen: Nein, ich täusche mich nicht. Ich habe zu Gott mit Wissen nein gesagt, und deshalb bin ich verworfen.

Stefan: Nein, Ellen, das stimmt nicht, denn wenn das wahr wäre, dann läge ich jetzt auf dem Grunde des Meeres, oder jedenfalls würde mein Leib jetzt hier liegen wie Eriks; und meine Seele wäre an einem noch viel traurigeren Ort.

Ellen: Ich verstehe dich nicht, Stefan.

Stefan: Nein, da hast du recht, aber nun will ich es dir erklären. Ich bin auch von Gott gerufen worden, das ganze letzte Jahr hindurch. Und ich hatte auch nein gesagt, weil mir die Branntweinflasche lieber war, als meine Seele.

Ellen: Ja, aber du warst dir des Rufes nicht bewusst gewesen.

Stefan: Du kannst mir glauben, das ich mir dessen bewusst war, im letzten halben Jahre wenigstens. Und ich konnte nicht anders, ich musste Gott recht geben, aber ich wollte nicht. Ich löckte wider den Stachel, wie weh es auch tat.

Ellen: Aber das, was du vorhin sagtest, Stefan, vom Grund des Meeres und von Erik?

Stefan: Ja. Wir wurden da draußen umher geworfen, nachdem das Boot gekentert war. Ich war am Ende meiner Kräfte, als ich durch Gottes Finger an Eriks Seite geschleudert wurde. Bis zu diesem Tag hatte ich zu Gott nein gesagt. Und als ich nun im Wasser lag, da konnte ich weder ja noch nein sagen. Mir war es, als sei mein Herz ein Stein. Aber da begegnete mir Gott wieder, und da wurde es ernst.

Autor: Sehr lebendig schilderte Stefan dann, wie es in dem großen Augenblick draußen zugegangen war und schloss mit den Worten:

Stefan: Du siehst, Ellen, dass Gottes Langmut größer war als mein Trotz, und das ich nicht verworfen war.

Autor: Ellen war immer aufmerksamer geworden. Sie sah Stefan unverwandt an.

Stefan: Ja, sieh mich nur verwundert an, aber es ist doch wahr, dass ich nicht verworfen war. Er hat mich so innig geliebt, dass er zwei für mich sterben ließ. Denk dir, zwei Leben für einen so elenden Trunkenbold wie ich es war.

Autor: In Ellen wallte und wogte es. Ein warmer Hauch zog über ihre Seele hin.

Stefan: Na, siehst du nun, dass das nur so ein Gerede ist, wenn du sagst, du seist verworfen. Das ist nur so  ein Unsinn, den dir der Teufel einbilden will.

Ellen: Glaubst du also nicht, dass Eriks Tod eine Strafe Gottes war?

Stefan: Ich will dir sagen, was ich glaube, Ellen. Du bist ein Mädchen mit einem starken Willen, und solche Menschen muss Gott oft härter anfassen, um ihr Herz beugen zu können. Nein, eine Strafe war es nicht, es war nur ein harter Griff, um dich zu Gott zu ziehen. Gott kannte uns besser als wir ihn gekannt haben. Und da hat er ungefähr so gedacht: Erik muss sterben, damit die Beiden endlich begreifen. Etwas Geringeres tut es nicht.

Autor: Ellens Herz füllte sich allmählich mit Sonnenschein und Leben; schließlich brach es jubelnd hervor.

Ellen: Dein Friede wird sein wie ein Wasserstrom und deine Gerechtigkeit wie Meereswogen. Wunderbarer Gott, du wolltest also den kleinen Wurm nicht zertreten, sondern ihn zu dir erheben. So war es also keine Strafe – sondern Liebe. Dank dir Herr Jesus. Lob und Dank sei dir für das Leben, das du für die Sünde der Welt gegeben hast, auch für meine Sünden – und Lob und Dank für das Leben, dass du genommen hast, um mein widerspenstiges Herz zu dir zu ziehen!

Autor: Da trat der Großvater ein und lächelnd rief Ellen ihm entgegen.

Ellen: Großvater, nun ist meine Seele gesund und mir ist, als sei auch mein Körper gesund.

Autor: Der Großvater hatte es schon gesehen, denn auf dem Gesicht, das ihm entgegenleuchtete, lag der Glanz der Sonne Gottes.

Ellen: Darf ich nun Erik noch einmal sehen, nur einen Augenblick hineingehen? Das darf ich doch?

Autor: Dies konnte man ihr natürlich nicht verweigern. An Marias Arm ging Ellen in das Zimmer, wo Erik lag. Die Gäste waren schon um den Sarg versammelt und in einer kleinen Weile sollte die Feier beginnen.
Ellen blieb lange an dem Sarg stehen, unbeweglich und stumm, die Augen unverwandt auf den Toten gerichtet. Sie weinte nicht. Nur ein feuchter Glanz war in ihren Augen zu sehen. Endlich riss sie sich los. Sie legte die Hand auf die Stirn ihres Bruders und sagte leise, aber doch so laut, dass es alle hören konnten.

Ellen: Erik, so viel gehörte dazu?

Autor: Dann wurde sie in ihr Zimmer zurückgeführt.

Lieber Freund, der du noch nicht Gottes Kind bist, vielleicht fühlst auch du dich heute von Gott verstoßen, weil du seinen Ruf schon mal abgelehnt hast. Doch Gott verstößt keinen, der sich nach Frieden sehnt. Auch dich ruft er heute wieder. So komme zu Jesus. Lege deine Sündenlast bei seinem Kreuz ab. Er wartet auf dich!

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Apr 23 2009

Der Sohn des Schiffers

Geschrieben von under Evangelisation

Der Sohn des Schiffers, ein christliches Anspiel zum Thema Evangelisation für 7 Personen

Erzähler: Die Dämmerung ging langsam in Dunkelheit über, es regnete als die beiden sturmerprobten Schiffsleute dem hellerleuchteten Gebäude zuschritten. Es war ein alter Schiffer mit seinem Bootsmann. Der Schiffer war inzwischen grau geworden aber ungebrochen war seine Kraft. Aus dem von Wind und Wetter zerfurchten Gesicht schauten zwei ehrliche, milde Augen. Doch schien er eine schwere Last zu tragen, die ihm Sorgen bereitete.
Plötzlich näherte sich eine prunkvolle Kutsche in rasanter Fahrt dem Gebäude, mit einem Ruck stand sie still und die Tür flog auf. Einige junge Herren in edler Kleidung sprangen heraus und wandten sich zum Eingang.

Hermann: Voran meine Herren! Schnell herein, die Damen erwarten uns mit Ungeduld, und wir sind wahrscheinlich wieder die letzten.

Schiffer: Hermann, mein Junge, ich möchte dich gern einen Augenblick sprechen.

Erzähler: Der Klang dieser schweren, tiefen Stimme ließ Hermann zusammenzucken. Das Blut schoss dem jungen Mann ins Gesicht und färbte einen Augenblick seine Wangen dunkelrot. Aber sogleich gewann er seine Selbstbeherrschung wieder, fasste Anton Reubers am Ärmel und zog ihn schnell mit in den Eingang des Hauses. Hermanns Freunde merkten nicht das Geringste von dem Zwischenfall, aber dem Amerikaner war nichts entgangen. Er hatte die Worte des Schiffers deutlich vernommen und auch gesehen, wie Hermann plötzlich die Farbe wechselte.

Amerikaner: Van Maarle, hier, der Mann wünscht etwas von dir.

Erzähler:
Für einen Augenblick begegnete der eiskalte Blick Hermanns den treuen, ehrlichen Augen seines Vaters. Er sah den schmerzlichen Zug um dessen Mund, und wie ein Blitz durchzuckte es sein Gehirn.

Schiffer:
Kein van Maarle fuhr je unter falscher Flagge!

Erzähler: Aber das tat er schon zu lange. Der Teufel hatte ihn zu fest in seinen Klauen. Und wieder erlag er dem bösen Geist des Hochmuts und der falschen Scham. Mit einem Achselzucken wandte er sich ab und sagte:

Hermann: Was will der Mann denn. Er verwechselt mich mit einem andern. Doch kommt endlich, meine Herren, wir haben keine Zeit zu verlieren. (ein paar harte Klavierakkorde)

Erzähler: Ein schallendes Gelächter erklang und dann waren die drei Freunde in dem Eingang verschwunden. Nur der Amerikaner blieb zurück, um dem Kutscher Trinkgeld zu geben. Bleich wie ein Toter stand der arme Vater auf dem nassen Bürgersteig. Jede Farbe war aus seinem Gesicht gewichen.

Schiffer: O, Peter! Der Unglückliche will mich nicht kennen. Er verleugnet seinen eigenen Vater.

Erzähler: Aber als der Schiffer den Blick auf seinen treuen Gefährten richtete, fuhr er erschrocken zurück. Das Gesicht des Bootsmannes war völlig entstellt. Die Wut, die in ihm kochte, verzehrte seine Züge. Die Adern an Hals und Stirn traten wie dicke Stränge hervor, und seine Augen, die auf den Hauseingang gerichtet waren, funkelten wie die eines Tieres. Er ballte die Fäuste und wollte nach innen stürmen. Doch mit beiden Händen ergriff der Schiffer den rasenden Seeländer beim Arm und versuchte ihn zurückzuhalten.

Schiffer:
Peter, Peter! — Was hast du vor?

Peter: Was ich vor habe? Ich will den Burschen, der seinen Vater vor seinen nichtsnutzigen Freuden nicht kennen will, herausholen! Er soll heraus, selbst wenn ich sie alle zusammenschlagen müsste. Auf seinen Knien soll er um Vergebung bitten! Schiffer, lasst mich los!

Erzähler:
Van Maarle war ein starker Mann, und seine Hände umklammerte mit festem Griff den linken Arm des Seeländers, doch gegen dessen Riesenkraft, die durch die schier sinnlose Wut noch verdoppelt wurde, konnte der Schiffer nicht an. Der Ärmel von Peters Jacke war bereits eingerissen. Nur noch ein Ruck und Peter würde frei sein und nach innen stürmen, um wer weiß welches Unheil anzurichten. In diesem Zustand war er zu allem fähig.

Schiffer: Peter! Willst du meinen Schmerz vergrößern? Habe ich das verdient?

Erzähler: Mehr als die Worte brachte der tieftraurige Ton der Stimme den wüsten Seeländer zur Besinnung. Die starken, sehnigen Arme des Seeländers sanken herab, und wie jemand, der aus einem schweren Traum erwacht, sah er um sich auf die zusammengelaufene Menschenmenge.

Schiffer: Komm, Peter, wir gehen an Bord.

Erzähler: Solange er konnte, sah der Amerikaner den beiden nach. Hatten die Umstehenden von dem Vorgang auch nichts verstanden, so durchschaute doch er, Bill Darting, die ganze Sache.

Amerikaner: An diesen Abend sollst du dich noch lange erinnern, Hermann van Maarle!

(Musik)

Erzähler: An Bord angekommen, ging van Maarle gleich in die Kajüte, während Peter sich noch erst überzeugte, dass für die Nacht alles in Ordnung war. Dann folgte auch er. Das Haupt in die Hände gestützt, über seine alte Bibel gebeugt saß van Maarle. Peter ging zu Bett. Doch hörte er noch lange van Maarles flüsternde Stimme, der zu seinem Gott rief für sich selbst und – für den verlorenen Sohn, der ihm heute Abend das Herz schier zertreten hatte, aber der trotz allem für ihn doch noch “Vaters Junge” blieb.

(Musik)

Erzähler: In der schönen geräumigen Wohnung von Anton Reubers ging es wieder lustig zu. Der Freundeskreis war vollzählig und man spielte wieder Karten. Aber Hermanns bleiche Wangen fingen an zu glühen, und auf seiner Stirn bildeten sich Schweißtropfen. Derart griff ihn die innere Unruhe und die Angst vor der Entdeckung seines Falschspielens an. Die Karten zitterten in seiner Hand, aber er gewann trotzdem.

Anton: Van Maarle ist ein Glückspilz sondergleichen. Er ist unüberwindlich auf jedem Gebiet.

Hermann: Nur ein blinder Zufall. Heute ist das Glück mir günstig, morgen dem anderen.

Erzähler: Als Hermann die Hand ausreckte, um das gewonnene Geld an sich zu ziehen, stieß der Amerikaner plötzlich die Hand roh zurück. Hermann van Maarle, sonst stets so mutig, wurde bleich wie ein Toter. Er wollte etwas erwidern, aber kein Laut kam über seine Lippen, nur mit Mühe hielt er sich aufrecht. Einen Augenblick blieb es still in dem Zimmer. Alle starrten mit Entsetzen den Amerikaner an.

Benthorp: Ruhe meine Herren! Hier liegt wie ich hoffe ein Missverständnis vor. Bill Darting soll uns eine Erklärung über sein Benehmen geben.

Anton: Und eine deutliche Erklärung, sonst werfe ich ihn die Treppe hinunter!

Benthorp: Beruhige dich, Reubers und lasst uns nicht Partei ergreifen, bevor wir wissen was Darting zu sagen hat.

Amerikaner: Wenn dies für euch kein genügender Beweis ist, dass van Maarle ein Falschspieler ist, dann werde ich euch jetzt etwas erzählen, dass euch möglicherweise doch auf andere Gedanken bringen wird. Erinnert ihr euch, dass an dem letzten Ballabend, als wir vor dem Klub aus dem Wagen sprangen, uns oder besser van Maarle ein Mann ansprach? — Du stelltest dich, als ob du den alten Schiffer mit seinem grauen Bart nicht kanntest. Willst du in dieser Gesellschaft wiederholen, dass du diesen alten Mann wirklich nicht kanntest? Willst du es wagen, van Maarle, zum zweiten mal deinen Vater zu verleugnen?

Anton:
Aber sprich doch Hermann! Verteidige dich und sag dem Amerikaner, dass er ein Lügner, ein Lästerer ist. Was sollte ich sonst von dir denken?

Benthorp: Mach es kurz, van Maarle, und beantworte mir nur diese eine Frage. War der alte Mann dein Vater oder nicht?

Erzähler:
Jetzt trat Hermann hervor, und obwohl sein Gesicht kreideweiß aussah, erklang seine Stimme doch fest und klar, und seine schwarzen Augen funkelten wieder, als er sie auf Bill Darting richtete.

Hermann:
Du hast gewonnen, Bill Darting. Obwohl deine Triebfeder niedrige Rachesucht ist, kann mich das nicht entschuldigen und an der Tatsache nichts ändern. Ja, der alte Schiffer mit dem grauen Bart ist mein Vater, ein Vater, so groß und edel wie ich ein Feiger, erbärmlicher Schuft bin. –Ich werde euch alles erzählen. Mein Vater ist ein Schiffer auf einem Tjalkschiff, und so weit er zurückdenken kann, waren alle seine Vorgänger dasselbe gewesen. Wiederholt sagte mir mein Vater, als er an meiner Ehrlichkeit zu zweifeln begann.

Schiffer: Denke daran Hermann, kein van Maarle fuhr je unter falscher Flagge.

Hermann: Und ich Elender bin seit meinem ersten Besuch in eurem Haus, Anton, unter falscher Flagge gefahren. Kurz, ich bezog das Gymnasium, und Anton nahm mich mit zur Villa. Gleich am Anfang schon wurden meine Augen und mein Gemüt betäubt durch den Glanz des Reichtums, und als ich gefragt wurde, wer mein Vater wäre, gab ich zur Antwort, dass mein Vater Schiffsbesitzer sei. Das war so zweideutig wie möglich. Denn wohl war mein Vater ein Schiffsbesitzer, aber nur Schiffer auf seiner eigenen Tjalk und kein Reeder, wie man in eurem Hause vermutete, Anton.
Von dieser Zeit an trieb meine törichte Eitelkeit mich immer weiter auf der falschen Bahn. Ich brauche hierüber nicht mehr viel hinzuzufügen, denn ihr alle wisst, wie ich gelebt habe. Mein Vater, einst ein wohlbestellter Bürger, hat für mich bezahlt, solange er konnte, bis zum Schluss sein Fahrzeug und unser altes Schifferhaus so belastet waren, dass kein Geld mehr darauf zu bekommen war, und er mir nur mit der größten Mühe das allernötigste senden konnte. Ehe Darting erschien, war ich fest entschlossen, so schnell wie möglich mein Studium zu beenden und mir eine Stellung zu erobern – nötigenfalls eine reiche Heirat zu machen.
- Aber dann trat dieser Amerikaner in unsere Mitte, der, von seinem Hass angespornt, mich auf Unkosten trieb, die ich nie auf ehrliche Weise bezahlen konnte. So bin ich zum Falschspieler geworden, und als ich an jenem Abend meinem Vater gegenüberstand, sah ich mich vor die Wahl gestellt, entweder meinen Vater zu verleugnen, oder im letzten Augenblick alle Früchte meines jahrelangen Betruges preiszugeben.
– Ich erbärmlicher Feigling wählte das erste. Ich verleugnete den alten Mann und brach ihm sein edles Herz. Der Blick, mit dem er mich ansah, wird auf meiner Seele brennen bis in den Tod. Nun wisst ihr, wer Hermann van Maarle ist! Der schmutzigste Hafen ist nicht schmutzig genug, meine Schande darin zu ersäufen.

Erzähler:
Bevor einer der Studenten ein Wort äußern oder Hermann zurückhalten konnte, war dieser die Treppe hinab gestürzt. Da stand er jetzt in der dunklen Nacht auf der Straße, wandte noch einmal das bleiche Gesicht nach dem Haus, wo er so lange bei seinen Freunden als die Hauptperson gegolten hatte und aus dem er als ein Ehrloser geflohen war. Dann jagte er wie ein Verfolgter durch die dunklen Straßen der Universitätsstadt. Fort, nur immer fort, aber – wohin?(Musik)

Etwa ein Jahr war dahingeflogen. Es war ein schweres Jahr gewesen. Peter und van Maarle ließen keine Gelegenheit aus, sobald sie irgendwo anlegten, nach Hermann zu suchen. Aber alles war erfolglos. Wieder einmal lagen sie  auf einem Kanal vor Amsterdam. Peter ging nach Feierabend etwas in die Stadt um ein paar Besorgungen zu erledigen.

Schiffer: Du bist früh zurück, Peter. Was ist los? Du bist ja ganz abgehetzt.

Peter: Ich habe Hermann gesehen und bin ihm gefolgt. Ich weiß wo er jetzt ist.

Schiffer:
Wir wollen gleich zu ihm gehen. Ist er auch so tief gesunken, ich gebe ihn nicht auf, denn bei Gott ist Erbarmung, und Er war es, der dich meinen Hermann hat finden lassen. Gott hat meine Bitte erhört. Komm, Peter, wir wollen Hermann holen.

Erzähler:
Drei Treppen hoch, auf einer elenden Speicherkammer, wohnte Hermann van Maarle. Immer tiefer war er gesunken in Sünde und Schuld. Um nicht zu verhungern, war Herman gezwungen, sich nach Arbeit umzusehen, und es gelang ihm. Eine Zeitlang schleppte er sich so fort. Eines Abends hatte er sich so betrunken, dass er seine Wohnung nicht mehr fand und den größten Teil der Nacht auf dem Straßenpflaster schlief. Den nächsten Tag hatte er noch gearbeitet, obwohl ihn das Fieber schüttelte und ein scharfer, trockener Husten seine Brust schier zerriss. Dann hatte er sein erbärmliches Lager nicht verlassen können. An dem Abend, wo Peter ihn durch die Gasse schwanken sah, war die Not aufs höchste gestiegen. Viel zu krank um aufzustehen, hatte er sich zu dem Händler, dessen Bücher er in Ordnung halten sollte, geschleppt. Doch der hatte ihm sagen lassen, dass er seine Dienste nicht mehr wünsche. Noch nie hatte er sich so verlassen gefühlt, wie an diesem Abend. Ach, wenn doch der Tod käme und ihn von seinem Elend und Jammer befreite! Ein heftiger, schmerzhafter Hustenanfall unterbrach ihn in seinen verzweifelten Grübeleien. Kalter Schweiß trat auf seine Stirn, und als der Anfall endlich vorüber war, sank er todmüde auf seinen Stuhl zusammen. Eine furchtbare Angst überkam ihn. Waren das keine Zeichen des nahen Todes? –

Schiffer: Hermann, mein Junge!

Erzähler: Hermann starrte ihn an. Die Stimme versagte ihm. Der Schiffer umklammerte die feuchte Hand des Sohnes, der den Kopf auf die Brust sinken ließ und in haltloses Schluchzen ausbrach. (Musik setzt ein)

Schiffer: Armer, armer Junge, du hast Gott verlassen, aber Er hat das Gebet eines suchenden Vaters gehört und uns hierher geleitet.

Erzähler: Langsam erhob Hermann das todbleiche Antlitz. Er sah, wie sehr sein Vater in dem einen Jahr ergraut und gealtert war.

Hermann: Vater, o Vater, wenn du alles wüsstest, würdest du den Elenden von dir stoßen. Ich bin all die Jahre unter falscher Flagge gefahren, ich habe geheuchelt, gelogen und betrogen.

Schiffer: Hermann, ich weiß alles!

Hermann: Und trotzdem hast du mich, der ich nicht wert bin zu leben, noch gesucht? O Vater, ich habe dich verleugnet, ich habe deinen ehrlichen Namen geschändet durch mein elendes Betragen. Ich glaubte, mir einen ansehnlichen Platz in der Welt zu erwerben, und dafür habe ich meine Seele verkauft und dein Vermögen verschwendet. Bitter habe ich es bereuen müssen. Von Gewissensbissen und Reue getrieben, wollte ich meinem Leben ein Ende machen. Aber ich war zu feige. Bis zu meinem letzten Atemzug werde ich dir danken, Vater, dass du mich in diesem verlorenen Winkel aufgesucht hast, aber kehre jetzt mit Peter wieder an Bord zurück und erzähle Mutter nie, wie du mich angetroffen hast; es wird schnell mit mir zu Ende gehen.

Erzähler: Ein neuer Hustenanfall ließ ihn nicht weiter reden, und wieder färbte das Blut seine Lippen rot. Schnell wischte er es ab, aber der Schiffer hatte es bereits gesehen. Das Herz des Vaters schlug laut vor Schmerz und Mitgefühl.

Schiffer:
Still, Hermann, still, du hast viel gefehlt, aber trotzdem bist du noch “Vaters Junge.” — Komm, Hermann, wir gehen an Bord und morgen fahren wir, so Gott will, zusammen nach Hause.

Erzähler: —Wenige Wochen später konnte Hermann durch Ringen und Kämpfen endlich die Gnade Gottes fassen und ihm sein Herz übergeben. Nun war erst recht Freude im Schifferhaus, dass “Vaters Junge” in jeder Beziehung heimgefunden hatte. —Mit Hermann ging es bergab. Lange Hustenanfälle und Fieber ließen sein baldiges Ende voraussehen. Doch je mehr seine Kräfte abnahmen, umso ruhiger wurde es in seinem Inneren.

Hermann:
Vater, Mutter, ich sehe euch nicht mehr. Es wird sicher dunkel draußen, aber hier innen wird es Licht. Gott lob, es wird Licht!

Erzähler: Noch ein kurzer Seufzer, dann brachen seine dunklen Augen, und Hermann van Maarle war heimgegangen.

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Apr 23 2009

Der Fabrikant

Geschrieben von under Evangelisation

Der Fabrikant, ein christliches Anspiel zum Thema Evangelisation für 7 Personen

Fabrikant: Heute spür ich meine Lunge stärker als sonst. Es wird immer schlimmer! Ich muss mich hinlegen!

Frau: Soll ich den Arzt holen?

Fabrikant: Ja, mein Hausarzt ist ein guter Freund von mir. Lass ihn sofort kommen. Ihm kann ich wenigstens trauen.

Sprecher: Die Frau machte sich auf den Weg. Verschiedene Gedanken flogen ihr durch den Kopf. Sollte ihr Mann an einer schlimmen Krankheit leiden? Was wohl der Doktor sagen wird? Als der Arzt hörte, dass sein Freund krank ist, machte er sich sofort auf den Weg. Dort angekommen untersuchte er seinen Freund und sagte dann ruhig:

Arzt: So, ich gebe dir jetzt eine Spritze und du wirst sehen wie schnell du wieder auf den Beinen bist! Aber jetzt muss ich gehen. Tschüss!

Fabrikant: Tschüss, danke für deine Mühe.(Kurze Zeit später) Wie siehst du denn aus und wieso weinst du? Hat er dir etwa was anderes gesagt?

Frau: Ja! (traurig)

Fabrikant: (erschrocken) Was, so ein Lügner! Ruf sofort Professor Derksen an und bitte ihn schnell zu kommen, ich bekomme solche Beklemmungen.

Sprecher: Kurze Zeit später kam Professor Derksen. Nach der Untersuchung sagt er:

Professor: Wenn sie es genau wissen wollen – menschliche Hilfe ist hier völlig ausgeschlossen. Regeln sie so schnell wie möglich ihre Geschäfte, denn bald wird eine Bewusstlosigkeit eintreten, aus der sie nicht mehr aufwachen. Das ist alles was ich ihnen sagen kann. Auf Wiedersehen.

Fabrikant: Auf Wiedersehen, Herr Professor. Und vielen Dank. (zur Frau) Weine nicht. Mein Testament ist gemacht und meine Geschäfte sind geordnet. Und doch habe ich solch eine Angst vor dem Tode. Ich fürchte, dass es danach ein anderes Leben gibt – und ein Gericht vor Gottes Richterstuhl. Ich bin nicht mit Gott im Reinen. Lasse doch sofort Pfarrer Karo kommen, den Prediger unserer Kirche.

Sprecher: Um acht Uhr kam der Pfarrer, ein bekannter Redner und moderner Wissenschaftler. Er setzt sich aufs Bett und fing an, über allerlei interessante Erfahrungen zu reden. Heftig unterbrach ihn der Kranke.

Fabrikant:
Ich habe nicht mehr lange zu leben. Sagen sie mir bitte, Herr Pfarrer, ob es wissenschaftliche Beweise gibt, dass mit dem Tode alles aus ist.

Pfarrer: Beweise nicht so sehr, aber große Wahrscheinlichkeiten. Der Mensch lebt wohl weiter, aber nur in seinen Taten und Werken. Alles andere ist fromme Sage und symbolische Darstellung.

Fabrikant: Ja, so habe ich früher auch gedacht, aber jetzt, wo ich kurz vor dem Tode stehe, glaube ich bestimmt, dass ich vor dem Throne eines heiligen und lebendigen Gottes erscheinen muss. Oder haben sie überzeugende Beweise für ihre Lehre?

Pfarrer: Sie müssen sich zufriedengeben mit dem, was sie erlebt und getan haben.

Fabrikant: Aber das ist es ja gerade: Meine Taten klagen mich als Sünder an und sagen mir, dass ich verloren bin. Unehrlich in Geldgeschäften, untreu in meiner Ehe, hart gegen meine Arbeitnehmer. Können sie mir denn keine Hilfe bringen in meiner Not wegen meiner Sünden?

Pfarrer:
(steht auf) (böse) Bitten sie den Arzt um eine Spritze. Dann wird ihre Angst verschwinden und sie können schlafend hinübergehen.

Fabrikant: Hinüber – aber wohin denn? Ich werde sie vor Gottes Thron anklagen! In meinem Leben haben sie mich irregeführt und jetzt lassen sie mich ohne einen Trost zurück.

Pfarrer:
(achselzuckend) Unsinn, diese Argumente für die Vergeltung nach dem Tode! Von einem so gebildeten Menschen hätte ich das nicht erwartet. (er geht)

Fabrikant: Katrin, was soll ich nur machen? Ich habe Angst vor dem Gericht Gottes.

Frau: Unsere älteste Tochter sprach doch seinerzeit so lobend über den jungen Pfarrer Rosting. Er wohnt jetzt in unserer Stadt. Wollen wir ihn nicht bitten, ob er bereit ist, hierher zu kommen?

Fabrikant: Rosting? Ach ja, das ist so ein frommer Schwärmer. Aber auf jeden Fall weiß er, was er glaubt. Geh’ doch selbst mal zu ihm und erzähl ihm alles. Vielleicht kommt er, obwohl es schon sehr spät ist.

Sprecher:
Gegen elf Uhr nahm Prediger Rosting neben dem Sterbenden Platz und ergriff dessen bebende Hand. Der Kranke seufzte tief. Dann gab er eine ergreifende Schilderung seines Lebens ohne Gott, seiner Genuss- und Selbstsucht. Einige Male zuckte seine Frau zusammen, als ihr Mann seine Ungerechtigkeit bekannte. Als er erschöpft in die Kissen zurücksank, sagte der Prediger ruhig und sehr ernst:

Prediger: Dann sind sie zweifellos verloren.

Fabrikant: Verloren! – Ja, das sagt mir auch mein Gewissen.

Prediger: Aber Jesus Christus ist gekommen zu suchen und zu erretten was verloren ist. Sobald sie erkennen, dass sie nichts wieder gutmachen können und wie ein Ertrinkender in der Brandung untergehen müssen, dann sind sie reif für die Gnade Gottes. Jesus Christus hat für die Errettung gottloser Sünder so unendlich viel gelitten. Seine Arme strecken sich nach einem jeden aus, der ihn in der Not ausruft. Er nimmt die Sünden so vollkommen weg, als ob sie nie begangen worden wären.

Fabrikant:
(plötzlich sehr laut) ALLES ?

Prediger:
Ja, alles! Die Strafe lag auf ihm, damit wir Frieden bekommen können.

Sprecher: Es war sehr still im Raum. Danach beteten sie miteinander. Der Prediger las dem Sterbenden nun noch einige Stellen aus der Heiligen Schrift vor:

Prediger: Wer zu mir kommt den werde ich nicht hinaus stoßen. (Joh.6,37) Kommt denn und lasst uns miteinander rechten, spricht der Herr. Wenn eure Sünden wie Scharlach sind, sollen sie weiß wie Schnee werden, wenn sie rot sind wie Karmesin, wie Wolle sollen sie werden.(Jes.1,18) Und das Blut Jesu Christi seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde.(1.Joh.1,7b) (kleine Pause) Glauben Sie, dass Jesus alle ihre Sünden vergibt?

Fabrikant: Ja, ich glaube, dass er alles vergibt.

Sprecher: Er richtete sich ein wenig auf, seine Augen waren weit geöffnet, so als ob sie droben schon die Herrlichkeit sahen. Ein Seufzer noch und er war entschlafen. Die Hinterbliebenen waren tief beeindruckt. Wenn du Jesus Christus noch nicht kennst, so komme heute und bekenne deine Schuld, er wird dir Frieden und das ewige Leben geben. Warte nicht bis es dir erst schlecht geht, sondern komme jetzt, solange du noch jung und gesund bist.

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Apr 23 2009

Zwei für einen

Geschrieben von under Abendmahl-Karfreitag

Zwei für einen, ein christliches Anspiel zum Thema Jesu Leiden für 7 Personen

Erzähler: Es war eine unruhige Nacht. Draußen tobte und heulte der Sturm von strömendem Regen begleitet. Es war ein wahrer Orkan. Bäume wurden entwurzelt und alles was sich dem Sturm im Weg stellte wurde zerbrochen und niedergeworfen.
Anneliese saß schaudernd in ihrem kleinen Häuschen nahe dem Strand, denn sie hörte durch das Tosen und Donnern des Sturmes hindurch Hilferufe, die nur zu sehr zur Gewissheit machten, dass wieder ein Schiff mit den Wellen kämpfte.

Anneliese: Die armen Menschen da draußen im Sturm. Oh, wie gerne würde ich der Rettungsmannschaft jetzt auch helfen, aber was kann ich schwache Frau schon ausrichten.

Erzähler: Als der Morgen anbrach ging Anneliese an den Strand. Es war wunderbares Wetter, aber am Strand konnte man deutliche Spuren von Untergang und Verderben sehen.

Anneliese: Wie viele Menschen werden dem Tod wohl entronnen sein? Ob an Bord des Schiffes auch Leute waren, die im lebendigen Glauben an Jesus Christus gestanden haben? Oder sind sie alle ohne Hoffnung verloren gegangen?

Erzähler: Als sie noch auf die angeschwemmten Trümmer sah, näherte sich ihr ein Fischer.

Anneliese: Es war eine furchtbare Nacht, nicht wahr?

Fischer: Ja, wir waren mit der Rettungsmannschaft draußen auf See, aber trotz der kühnen Rettungsversuche wurden nur wenige gerettet.

Anneliese: Es ist traurig um die armen Menschen, die nicht gerettet werden konnten.

Fischer: Nehmen sie es mir bitte nicht übel, aber – sind Sie selbst gerettet, ich meine, kennen Sie den Herrn Jesus?

Anneliese: Ja, ich kenne den Herrn Jesus schon lange und ich freue mich, dass auch Sie ihn kennen.

Fischer: Ja, mir war der Herr wirklich sehr gnädig.

Anneliese: Erzählen Sie mir doch bitte, wie der Herr Sie fand!

Fischer: Es sind ungefähr fünf Jahre her, seitdem der Herr mich einem nassen Grab und meine Seele der Hölle entrissen hat. Ich vergesse es nie. Es hat viel gekostet. Es mussten zwei für mich sterben!

Anneliese: Zwei?

Fischer: Ja, zwei. Mein Heiland starb vor ca. 2000 Jahren für mich auf Golgatha, und mein Kamerad starb vor fünf Jahren, und das brachte mich zum Heiland.

Es war gerade eine solche Nacht wie gestern als ich mich an Bord der ,Ariadne” befand, die damals an einer Küste Schottlands strandete. Wir hissten die Notflagge und feuerten Kanonenschüsse ab, worauf auch einige Männer an Land Rettungsboote ins Wasser ließen und sich uns zu nähern versuchten. Wir zweifelten daran, dass sie es schaffen würden, aber sie gaben nicht auf und Gott half, daß es ihnen gelang. Mit Mühe brachten wir die Frauen und Kinder ins Boot, das dann wieder zurückfuhr. Das zweite Mal wurden die übrigen Reisenden mitgenommen. Dann erkannten wir, dass einige von der Mannschaft nicht mehr gerettet werden konnten, da bei der dritten Fahrt des Bootes nicht alle darin Platz finden würden und ehe es zum vierten Mal kam, musste, das stand  uns klar vor Augen, das Schiff in Trümmer gegangen sein.

(Szenenwechsel, kurzes Musikstück)

Matrose 1: Das Schiff geht gleich unter, es kommen nie alle ins Boot!

Matrose 2: Einige von uns müssen an Bord bleiben.

Matrose 1: Aber wer? Ich jedenfalls nicht!

Matrose 3: Kommt, lasst uns auslosen wer hierbleibt.

Fischer (2): Gut, aber beeilt euch!

Matrose 2: Hier jeder nimmt einen Zettel. Wer ein Kreuz drauf hat bleibt hier.

Matrose 1: Ich hab kein Kreuz, ein Glück! Und du Fritz?

Fischer (2): Ich muss an Bord bleiben, ich hab ein Kreuz.
(zu sich redend)
Ich muss sterben! … Aber was kommt dann?! …Gott … Wie soll ich vor Gott treten?
Ja, gleich kommt das Boot – und ich muss hier bleiben. Mein Freund Heinz hat mir immer wieder gesagt, dass ich mich doch bekehren sollte, aber ich wollte mir ja nie das Leben verderben lassen, wie ich immer sagte, und jetzt … gleich sterbe ich!
Seltsam, warum sagt Heinz denn gerade jetzt kein Wort von Jesus? (schaut zu Heinz) Er sieht seltsam ruhig aus. Pah, er hat gut lachen, er wird gleich gerettet werden.

Matrose 1: Das Boot kommt! Schnell hinein!

Matrose 2: Hey, Heinz! Du bist dran, na los!

Fischer (2): (zu sich) Wieso geht er nicht ins Boot? Er kommt auf mich zu …

Heinz: (fasst ihn am Arm und schiebt ihn vorwärts) Geh du für mich in das Boot, aber Fritz, dass ich dich im Himmel wiedersehe! Du sollst nicht sterben und verloren gehen; ich will gerne sterben, denn mit mir ist alles in Ordnung! Ich besitze die Hoffnung auf das ewige Leben (Matrosen setzen sich auf die erste Bank)

(Szenenwechsel)

Fischer: Ich zögerte, doch der Kamerad der nach Heinz einsteigen wollte trieb mich an. Heinz wusste, dass es so kommen musste, und ich hatte so falsch von ihm gedacht.
Als wir gerade im Boot waren sank das Schiff in die Tiefe und mit ihm Heinz, mein lieber, treuer Kamerad.
(traurige Musik)
Ich weiß, er ging zu Jesus, aber er starb für mich! Ja, für mich starb er! Sagte ich Ihnen nicht die Wahrheit? Für mich sind zwei gestorben.

Erzähler: Einen Augenblick hielt er inne; seine Augen füllten sich mit Tränen. Er versuchte nicht sie zu verbergen. Es waren Dankestränen. Dank gegen den, der für ihn in den Tod ging!

Anneliese: Und dann?

Fischer: Dann, als ich das Schiff sinken sah, sprach ich in meinem Herzen zu Gott: Wenn ich glücklich an Land komme, soll Heinz nicht umsonst gestorben sein. Oh, Gott, lass mich ihn droben wiedersehen.

Anneliese: Dauerte es lange bis Sie den Heiland fanden?

Fischer: Es dauerte nicht lange. Erst wusste ich nicht, was ich tun sollte. Dann fiel mir ein, dass Heinz immer in der Bibel las und so kaufte ich mir eine. Ich schlug die Bibel auf; ich las und las und hörte nicht auf zu lesen. Jede freie Minute las ich in der Bibel bis ich an die Geschichte mit dem Schächer kam, der noch am Kreuz Gnade fand.
Und zum ersten Mal fiel ich auf die Knie und betete: „Herr, ich bin so schlecht wie jener Schächer, willst du mich nicht auch retten, wie ihn?“ Als ich vom Gebet aufstand fiel mein Blick auf die Worte: „Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradiese sein.“ Ich nahm sie als Antwort auf mein Gebet und glaubte nun, dass der Herr mich aufgenommen hatte; denn ich war fest überzeugt, Jesus habe mir die Worte sagen lassen, um mich der Vergebung meiner Sünden gewiss zu machen. Ich fiel nochmals auf meine Knie und dankte ihm von ganzem Herzen. Seitdem lebe ich in Hoffnung, einmal meinen treuen Freund Heinz wiederzusehen, aber vor allem die Hoffnung ja vielmehr die Gewissheit ewig bei Christus zu sein. Dadurch hat mein Leben erst einen Sinn bekommen.

Gott aber erweist seine Liebe gegen uns darin, dass Christus, da wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist.  Römer 5,8

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