Jun 06 2008
Onesimus
Onesimus, ein christliches Anspiel zum Thema Freiheit für 7 Personen
Sprecher: Man schrieb das Jahr 60 n.Chr. Das Römische Reich bildete damals den Mittelpunkt der Welt. Allerdings war es trotz der Größe, des Reichtums und der Macht ein eher trauriger Anblick, der sich dem aufmerksamen Zuschauer darbot. Krieg, Sklavenhandel, Unmoral, Korruption und Gottlosigkeit zermürbten langsam aber sicher den scheinbar festen und unvergänglichen Römischen Staat.
Auch in dem Provinzstädtchen Kolossä in Kleinasien war das nicht anders. Auch hier gab es Sklaven und Unmoral, Korruption und Gottlosigkeit. Ein trostloser Anblick, wäre da nicht diese Gruppe von Menschen gewesen, die im Kontrast zu allen anderen Bewohnern der Stadt, ein Leben nach den Maßstäben Gottes zu leben versuchten. „Christen“ nannte man sie allgemein, obwohl die Wörtchen „Spinner“ und „Fromme“ nicht selten herhalten mussten, wenn man ihren Lebensstil bewerten wollte.
Da war zum Beispiel dieser Philemon, ein sehr wohlhabender Mann mit einigen Sklaven. Mit ihm fing das ganze Unheil ja an. Von einem ehemaligen jüdischen Rabbi, Paulus hieß der, ließ er sich bekehren und wurde über Nacht ein vollkommen anderer Mensch. Keiner wurde klug aus ihm, er fluchte nicht mehr, wurde auf einmal ehrlich und ließ sich nicht bestechen, aber was das schlimmste war – er behandelte seine Sklaven plötzlich wie Menschen. Einige, und das erregte am meisten Ärger, nannte er plötzlich sogar Brüder. Sein Haus wurde zum Treffpunkt aller Frommen und Notbedürftigen. Seine Sklaven fühlten sich wohl bei ihm und einige von ihnen wurden auch Christen.
Verstehen konnte das keiner in Kolossä. Noch nicht einmal der eigene Sklave von Philemon – Onesimus. Sicher, er hatte es gut bei Philemon, sehr gut sogar, aber dass sein Herr nun auch noch versuchte ihn für den Glauben zu gewinnen, das ging nun doch etwas zu weit.
Onesimus: Dieses fromme Gerede geht mir auf die Nerven. Ich will frei sein! Das brauche ich und nicht Gott. Freiheit! Aber wenn ich auch weglaufe, wohin soll ich gehen? Wo werden sie mich nicht suchen? Ja, Rom! Da wird mich bestimmt keiner suchen! Da werde ich mein Glück machen! Ich brauche nur noch Geld für den weiten, Weg und dann… Aber mein Herr hat ja genug davon, warum sollte ich mir nicht etwas nehmen? Dieser Tag war der letzte in diesem Haus. Heute Nacht ist es soweit…
Sprecher: So missbrauchte Onesimus das Vertrauen seines Herrn Philemon, bestahl ihn und floh.
Onesimus: Frei! Endlich frei! Ist das herrlich! Auch die Reise nach Rom war gar nicht so schlimm. Ha – die können mich lange suchen. Für mich fängt mein Leben jetzt erst an. Ohne Gott und fromme Sprüche!
Sprecher: Doch schon nach wenigen Tagen musste er feststellen, dass seine Lage weniger als glücklich war. Er fand keine Arbeit, denn es waren viele freigelassene Sklaven in der Stadt, die wie er nun versuchten in Rom ihr Glück zu machen. Die ständigen Kriege und das verschwenderische Leben des Kaisers hat viele Menschen zu armen Leuten gemacht, die immer mehr die Straßen Roms füllten und Unruhen in die Stadt brachten. Und dann gab es noch den Zirkus. Um die Aufmerksamkeit des Volkes von den Problemen weg zu lenken, veranstaltete man im Zirkus und Theater brutale Spiele.
Onesimus war ständig der Gefahr ausgesetzt, als entlaufener Sklave erkannt und festgenommen zu werden. Allein der Gedanke, als Futter für die wilden Tiere im Zirkus enden zu können oder als kämpfender Gladiator vom Gegner getötet zu werden, ließen keine große Freude an der neu gewonnenen Freiheit aufkommen. Vielmehr erschien die Freiheit in Anbetracht dieser Tatsachen als Spott. So hatte er sie sich nicht vorgestellt. In Gedanken versunken ging er durch die Stadt. Er merkte gar nicht, wie er sich einer großen Menge von Leuten genähert hatte. Plötzlich wurde er aus seinen Gedanken gerissen, denn die Worte, die der Mann in der Mitte der Menge laut und deutlich aussprach klangen sehr vertraut. Waren das nicht die gleichen Worte, die sein Herr Philemon ihm jeden Tag gesagt hatte. Worte, über die er nie nachgedacht hatte. Doch jetzt, inmitten den bitteren Erfahrungen seines Lebens, waren es Worte des Leben: Worte von Jesu Liebe für jedermann – also auch für ihn. Worte von dem neuen Leben und der wahren Freiheit in Christus – für jedermann – also auch für ihn.
Er versuchte an diesen Mann näher heran zu kommen, doch die Menschenmenge war zu dicht. Und nun ging der Mann gar weiter. Vorbei? Aber er wollte doch noch gerne mehr hören, er wollte wissen, wie er es erleben kann! War nun die Gelegenheit vertan?
Onesimus: Nein, nicht weggehen! Vorbei! Wie soll ich den bloß zwischen all den Menschen wiederfinden?
Passant: Junger Mann, kann ich Ihnen vielleicht helfen? Wenn Sie den Prediger dort meinen, dann kann ich Ihnen sagen, wo Sie den wiederfinden.
Onesimus: Wirklich? Kennen sie den denn? Wird er auch mit mir reden?
Passant: Aber sicher kenne ich den. Das ist doch Paulus, der Prediger der Chris-ten. Und reden tut der mit jedem, der es nur möchte. Kommen Sie, ich zeige Ihnen, wo er wohnt.
Sprecher: So kam Onesimus zu Paulus und hörte die Botschaft von der Liebe Christi. Sein langjähriger Wunsch nach Freiheit fand hier seine Erfüllung – in der einzigen und wahren Freiheit, die nur Christus geben kann. Er wurde ein Kind Gottes. Da er keine Bleibe hatte, nahm Paulus ihn bei sich auf. Mit der Zeit wurde Onesimus zu einem der treuesten Diener von Paulus. Dieser schätzte den Dienst auch sehr und hatte den Onesimus von Herzen lieb gewonnen. Doch eines Tages…
Paulus: Ich danke jeden Tag unserem Herrn Jesus Christus für dich, Onesimus, für deine Liebe und Dienstbereitschaft. Doch ich kann und darf dich nicht bei mir behalten, auch wenn ich oft daran gedacht habe. Ich muss dich zu deinem Herrn Philemon zurückschicken, das bin ich ihm schuldig. Ich gebe dir einen Brief an ihn mit und bin überzeugt, er wird dir vergeben und dich wieder aufnehmen.
- Lied -
Sprecher: So reiste Onesimus mit bangem und doch erwartungsvollem Herzen zurück. Was erwartete ihn bei Philemon? Wie viel war nun anders als damals? Sein Herr war nun auch sein Bruder. Würde er ihm wieder vergeben und Vertrauen schenken? Der Glaube von beiden war in dieser Situation hart auf die Probe gestellt. Denn auch für Philemon war es eine schwere Zeit gewesen.
Appia: Woran denkst du, Philemon? Stehst dauernd am Fenster und schaust in die Ferne. Ist es noch immer die alte Geschichte mit dem entlaufenen Sklaven?
Philemon: Ach, weist du, Appia… Onesimus – wie konnte er nur weglaufen? Wir haben uns doch ehrlich bemüht unsere Leute gut zu behandeln. Das sind wir unserem Herrn Jesus Christus schuldig, dessen Sklaven wir geworden sind. Und das Evangelium haben wir ihm doch auch so oft weiter gesagt.
Appia: Vielleicht hat ihm gerade das nicht behagt. Es war ihm nicht interessant genug. Er wollte in die weite Welt.
Philemon: Schon, aber was mich am meisten bedrückt – er hat mich bestohlen, er hat Geld mitgenommen. Dabei habe ich ihm vertraut.
Appia: So! Das hast du mir aber nie vorher gesagt.
Philemon: Ja, ich wollte dich nicht zu sehr beunruhigen. Onesimus – „nützlich“ bedeutet sein Name. Für mich ist er ein Nichtsnutz gewesen, nur Schaden habe ich von ihm gehabt.
Appia: Beruhige dich, Philemon. Lass uns lieber für ihn beten. Denn im Grunde genommen ist er ein armer Mensch, der geblendet von falschen Vorstellungen in die Irre geht. Nur Jesus allein kann ihm helfen. Lass uns dafür beten.
Philemon: Du hast schon recht, Appia. Mein Ärger ist nicht in Ordnung. Gott gebe mir Kraft, ihm zu vergeben!
KLOPFEN!
Philemon: Ja! Herein! Ah, du bist es, Archipus! Sei gegrüßt. Was führt dich zu uns?
Archipus: Ihr bekommt Besuch!
Philemon: Besuch?! Lass ihn doch hereinkommen.
Archipus: Ja, es ist ein besonderer Besuch. Als ich an eurem Haus vorbeiging, sah ich unten am Tor Onesimus stehen.
Philemon: Onesimus?!
Archipus: Ja, Onesimus. Er traut sich offenbar nicht herein. Aber er scheint mir auch nicht mehr ganz der alte zu sein wie damals, als er von euch weglief.
Appia: Lass ihn hereinkommen, gerade haben wir von ihm gesprochen.
Philemon: Ja, führe ihn herein.
ONESIMUS ERSCHEINT MIT GESENKTEM KOPF
Onesimus: Ich komme zurück, mein Herr… es tut mir leid… könnt Ihr mir vergeben, wie auch Christus mir vergeben hat? Hier ein Brief von Paulus.
Philemon: Von Paulus? Du warst bei Paulus? Zeig her!
DER BRIEF DES PAULUS AN PHILEMON
,,Paulus, der im Gefängnis ist, weil er das Evangelium von Jesus Christus verkündigt, und Timotheus schreiben diesen Brief an ihren lieben Freund und Mitarbeiter Philemon. Wir grüßen auch unsere liebe Schwester Appia sowie Archipus, der sich wie wir mit aller Kraft für das Evangelium einsetzt, und alle anderen Christen in Philemons Haus. Wir wünschen euch allen Gnade und Frieden von Gott, unserem Vater, und unserem Herrn Jesus Christus.
Lieber Philemon! Ich danke meinem Gott immer wieder, wenn ich für dich bete. Denn ich habe erfahren, wie fest du an unseren Herrn Jesus glaubst und mit welch liebevoller Fürsorge du allen Christen begegnest. Ich bete, dass der Glaube, der uns miteinander verbindet, in dir weiter wächst und du immer mehr erkennst, wie reich uns Jesus Christus beschenkt hat. Durch deine Liebe habe ich viel Freude und Ermutigung erfahren, denn ich weiß, wie oft du andere Christen in ihrem Glauben gestärkt hast.
Aus diesem Grunde möchte ich dich jetzt um etwas bitten, was ich als Botschafter Jesu Christi auch mit gutem Recht von dir verlangen könnte. Doch weil wir beide von Christus geliebt werden, möchte ich dir nichts befehlen, sondern dich schlicht und einfach bitten als ein alter Mann, den man ins Gefängnis geworfen hat, weil er das Evangelium von Jesus Christus verkündigt.
Es geht um deinen Sklaven Onesimus, der hier durch mich zum Glauben an Christus gefunden hat und mir ein lieber Sohn geworden ist. Möglich, dass er früher seinem Namen keine Ehre gemacht hat und für dich nicht besonders nützlich war. Aber wie nützlich wird er von nun an für dich und für mich sein! Ich schicke ihn jetzt zu dir zurück und mit ihm mein eigenes Herz. Wie gern hätte ich ihn noch bei mir behalten, solange ich für das Evangelium im Gefängnis sein muss. Er hätte mir helfen können, so wie du selbst es tun würdest. Aber ich wollte ihn nicht ohne deine Einwilligung hier behalten. Denn zu einer guten Tat sollte man nicht gezwungen werden, sondern freiwillig bereit sein.
Eins bitte ich dich noch zu bedenken: Vielleicht ist dir Onesimus nur deshalb für eine kurze Zeit genommen worden, damit er endgültig und für immer zu dir zurückkehrt. Nun kommt er nicht nur als dein Sklave wieder, du wirst viel mehr an ihm haben: einen geliebten Bruder. Das ist er für mich gewesen. Wie viel mehr wird er es für dich sein, wo er doch zu dir gehört, als Mensch und nun auch als Christ.
Wenn ich nun dein Freund und Bruder bin, dann nimm Onesimus auf, als würde ich selbst zu dir kommen. Sollte dir durch seine Flucht irgendein Schaden entstanden sein oder sollte er dir etwas schulden dann stelle es mir in Rechnung. Ich werde es bezahlen. Damit verbürge ich mich hier mit meiner Unterschrift. Was du mir schuldest, weil du durch mich zum Glauben an Jesus Christus gefunden hast, davon will ich hier gar nicht reden. Lieber Philemon! Bereite mir doch diese Freude und erfülle meine Bitte! Sei mir auch einmal von Nutzen! Das würde mich im Glauben sehr ermutigen. Ich habe dir diesen Brief geschrieben, weil ich darauf vertraue, dass du meine Bitte erfüllst. Doch ich denke, du wirst noch mehr tun, als ich von dir erbitte. Übrigens rechne ich damit, dass Gott eure Gebete erhört und ich bald zu euch kommen kann. Dann würde ich gerne bei dir wohnen. Epaphras lässt dich herzlich grüßen. Er ist mit mir für Christus im Gefängnis. Herzliche Grüße auch von meinen Mitarbeitern Markus, Aristarchus, Demas und Lukas.
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus soll euch leiten:“
Onesimus: Bitte, vergib mir, Herr. Ich habe Euch viel Not und Ärger bereitet, aber ich in nicht mehr der alte Onesimus, das dürft Ihr mir glauben. In Rom traf ich Paulus; Brüder brachten mich zu ihm.
Archipus: Das war eine Führung Gottes!
Onesimus: Ja, das weiß ich, Archipus, und ich bin Gott dankbar dafür. Paulus hat mir den Weg zu Jesus gezeigt. All meine Schuld konnte ich ans Licht bringen und nun möchte ich auch in Ordnung bringen, was ich Euch, mein Herr Philemon, angetan habe. Bitte, nimmt mich wieder auf, ich will Euch jetzt in Treue dienen.
Philemon: Onesimus, du hast einen guten Fürsprecher. Und wenn Paulus dich schickt im Namen unseres Herrn Jesus Christus, dann muss ich… nein, nein, dann will ich dich wieder aufnehmen. Hier meine Hand, Bruder Onesimus.
Archipus: Der Herr ist wunderbar! Er sucht die Verlorenen und bringt sie wieder zurück.
Appia: Ja, das müssen wir feiern. Komm mit an den Tisch, Onesimus. Jetzt gehörst du für immer zu uns. Archipus, komm setzt dich auch zu uns.
Sprecher: So hat Onesimus die erwünschte Freiheit in der Bindung an den Herrn Jesus Christus gefunden. Verbunden damit kam auch der Friede mit Gott und auch Menschen. Er wurde ein neuer und glücklicher Mensch.
Und du, lieber Zuhörer, hast du die wahre Freiheit und den wahren Frieden gefunden? Sicherlich sind wir keine Sklaven von irgendwelchen Menschen, und doch sind wir oft Sklaven. Wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht, sagt die Bibel. Du hast die Wahl, weiterhin der Sünde Knecht, also Sklave zu sein, oder ein freies Kind Gottes zu werden.
Denn, wen Jesus frei macht, der ist recht frei.
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