Mai 30 2008
Der freie Sklave
Der freie Sklave, ein christliches Anspiel zum Thema Freiheit für 11 Personen
Denn ihr seid teuer erkauft! Darum preist Gott mir eurem Leibe. 1.Kor.6,20
Autor: Unvergesslich bleiben die unheimlichen Jahre, als auf dem Markt noch Sklaven verkauft wurden. Man zählte damals die Schwarzen nicht für Menschen. Sie wurden geschlagen und nicht selten geschah es, dass sie auch getötet wurden.
Unter uns bleibt es nur als eine Legende, wie damals Familien und auch ganze Stämme in Reih’ und Glied in Aufsicht der Schutzwache auf den Markt führte. Ihre Freiheit wurde an weiße Leute verkauft und auf ihre Unfreiheit wurden die einen reich und die anderen benutzten sie um sich über sie lustig zu machen, sie zu verspotten und für die schweren und unsauberen Arbeiten auszunutzen.
Und auf so einer Versteigerung, die von dem Geschrei der Kinder und Stöhnen der Mütter, vom lauten Klagen und Jammern und auch vom schimpfen der Unglücklichen geprägt wurde, geschah etwas, wovon wir nun berichten wollen.
(unter Musik) Unter dem Gewölbe der Börsenspekulanten, auf Marmorfliesen, drängen sich die Sklaven, die von irgendjemand hierher gebracht wurden. Hässlich und schändlich sieht der Markt aus auf dem die Ware verkauft wird. Jedoch ist es keine gewöhnliche Ware – es sind Menschen. (Musik ende)
l. Verkäufer: O Georg! Was für eine Begegnung! Das hätte ich aber nie gedacht und hab’s auch nicht erwartet! Mit welchem Wind bist du denn auf dieser Börse gelandet?
2. Verkäufer: Ach, ich brauche einen Hausdiener und wollte mal sehen ob ich etwas Passendes finden würde. Man schafft ja heutzutage nicht alle Sachen alleine zu machen und meine zwei Sklaven sind mir noch zu wenig. Schließlich wächst die Wirtschaft von Tag zu Tag und so eine Arbeitskraft wie die Schwarzen, leistet man sich spielend. Ich habe gehört, dass Sen-Kler hier irgendwo verkauft; er soll nicht viel für eine Seele fordern.
1. Verkäufer: Die Sklaven von Sen-Kler? Davor hüte dich! Was ist da schon für ein Nutzen von den Faulenzern. Glaub mir, die sind frech und ordentlich verwöhnt.
2. Verkäufer: Hab keine Angst, mein Freund, ich werde schon Methoden finden um ihre Faulheit und Frechheit auszuschlagen. Es ist ja bekannt, dass ich in diesen Sachen nicht spaße. Mir brauchst du so einen Unsinn nicht zu erzählen.
1. Verkäufer: Na ja, es gibt da verschiedene Negers. Einer ist aggressiv, der andere gehorcht in allem, bei einem anderem kann man sich nur mit Gewalt durchsetzten.
2. Verkäufer: Na das erzählst du mir umsonst. Bei uns geht es schnell: im Gefängnis wird nicht geschmeichelt. Da bekommen sie es so mit der Peitsche, dass sie schnell erfahren, wo die Krebse den Winter verbringen.
Diesen hier, würde ich zum Beispiel kaufen. Kuck mal her! Mach mal deinen Mund auf! So… so… gut, und wo kommst du her?
Sklave: Ich bin gerade mit einem Dampfer aus Kentucky gekommen.
2. Verkäufer: Erzähl mir mal, was du kannst!
Sklave: Die Wirtschaft hatte ich zu führen.
2. Verkäufer: Die Wirtschaft? Wo hast du denn Lügen gelernt? Ich möchte mir alles andere als einen Lügner anschaffen!
Musik kurz oder Pause
Mutter: O Tochter, Tochter, gib mir die Hand! Ich spüre es schon, dass uns die Trennung bevorsteht.
Tochter: O weine doch nicht, Mutter. Vielleicht werden wir auch zusammen verkauft und bekommen einen gnädigen Herrn. Weine nicht, es wird schon alles gut werden!
Mutter: Ich weiß nicht, ich weiß nicht; aber das Herz spürts, es ist nicht von ungefähr, dass wir hier schon fünf Nächte verbracht haben. Der Herr beschützt uns vom Unglück. Aber Tochter, vergiss meine Anweisungen nicht!
Dscho spricht unter Musik
Dscho: O, wie ich diesen Markt hasse! Ich bin doch ein Mensch! Ein Mensch, und keine Ware! Ich bin doch nicht Schuld, das ich eine schwarze Haut habe! O Gott, wie ist das alles so trostlos! Ich würde überglücklich sein, wenigstens etwas Freiheit zu besitzen! Dann würde ich auch im Regen arbeiten, in der Hitze und Schwüle, auch im Ungewitter! Arbeiten würde ich für Mutter, für Brüder! Aber eins was ich nicht kann, ist für diese Herren zu arbeiten! Wie mir dies alles ekelt! Ich will kein Leben, in dem mir nichts Gutes erwartet. Und wer mich auch kauft, ich werde für ihn nicht arbeiten. Was bin ich für diese weißen Leute? Eine Quelle des Gewinns? Kostenlose Arbeitskraft? O nein, mir ist alles so widerlich….
3. Verkäufer: Was guckst du wie ein Bulle? Geh nach vorne! Was ist mit dir, hast du keine Lust? (Spricht zu den Käufern)
Sehen Sie mal her, meine Herren! Was für ein prächtiger Jüngling! Er arbeitet wie ein Tier! Glaubt’s mir, ich lüge nicht. Er ist gütig und sanft von Natur. Seht nur seine Schultern und Muskeln au! Ackern und säen kann er auch. Die Hitze verträgt er auch 30° C und auch 40° C. Und essen tut er nur die Apfelsinenschalen. Glaubt mir, es ist ein Wunderjunge!
Dscho: Sprich nur was du willst, aber ich werde nicht arbeiten!!
3. Verkäufer: Kommen Sie näher, meine Herren! Kaufen Sie sich doch den meinen! Er arbeitet für zwei und auch für drei. Er bringt Ihnen mehr Wasser als ein Pferd.
1. Käufer: Ich nehme ihn! Ich gebe dir 200 Dollar für ihn.
2. Käufer: Ich biete mehr! 300!
3. Käufer: 500!!
Dscho: (denkt) O, wann ist endlich alles vorbei? Ich bin doch ein Mensch, ich bin doch auch ein Mensch! Würde man mich doch schneller kaufen, damit ich von hier wegkomme. Und doch, ich werde nicht arbeiten, ich werde nicht… Was sind das hier für Preise! Wenn jemand noch mehr bieten würde, würde ich womöglich 1000 Dollar kosten! Von solchen Preisen hat’s mir noch nie geträumt!
Autor: Wir lassen die Sklaven ein wenig bei Seite und stellen uns die Frage: Wie stehe ich vor Gott? Bin ich der Sünde verkauft? Bin ich mit der Welt befreundet? Befinden sich in meiner Seele verschiedene Götzen? Die Unfreiheit bedrückt und bringt Quallen; sie bindet die Füße und Hände. Freiheit, Freiheit, im Tun und in der Bewegung. Wäre es nicht der Ausgang aus diesem Zustand?
Lied
Vorlesen unter Musik: Ps.51,8-13
Autor: Und so steht Dscho auf der betonierter Schaubühne. Eintönig geht es auf dem Handelsmarkt zu. So langsam ging es sich zum Mittag. Man hört immer noch überall wie die Verkäufer schreien, und kaufen die Sklaven.
Um Dscho stand immer noch eine große Menschenmenge. Der Preis stieg immer höher. Auf einmal kam ein älterer Mann dazu:
Herr: Ich nehme den Sklaven!
3. Verkäufer: O, der ist gut! Die Hitze verträgt er sehr gut. Du wirst deinen Entschluss nicht bereuen müssen. Nimm auch gleich die Peitsche mit.
Herr: Behalte die Peitsche! Binde ihn los. Ich gebe für ihn 2000… In Ordnung, komm mit.
Autor: Und nun sind sie auf dem Pfad des Waldes. Er schlängelt sich durch die dichten Wälder des großen Dschungels und verliert sich irgendwo in unbekannter Ferne. Und der Sklave und sein Herr gingen, gingen, gingen.
(unter Musik) Da sieht Dscho einen Vogel auffliegen, der sich dann auf den Ast über dem Pfad niederlässt. Ist es eine kleine Meise oder ein kleiner Spatz? Schaukelnd sieht er Dscho listig an, als wolle er ihn auslachen. Neidisch blickt Dscho auf den Vogel und grollend denk er bei sich: Was gehst du mir an? Würdest du doch lieber wegfliegen. Ach, wenn ich doch an deiner Stelle sein könnte. Doch stattdessen zwitschert der Vogel ihm unaufhörlich zu: Du bist ein Sklave. Hörst du? Du bist ein Sklave!
Nur zu gut weiß Dscho es selber, dass er ein Sklave ist. Nicht umsonst hatte er sein Schicksal nicht nur einmal verflucht.
Er kann sich weder an seinen Vater noch an seine Mutter erinnern. Niemand hatte je mit der Hand über seine Narben gestreichelt. Er kann nie eine eigene Wohnung und eine Familie besitzen. Nicht einmal die Ruhe und Schönheit der Natur darf er genießen. Nicht der blaue Himmel über ihn noch die die hohen Palmen mit ihren breiten Blättern und auch nicht die Kühle des Kokos in der tropischen Hitze sind für ihn. Nur das eine steht ihm völlig zu: das Schicksal, Sklave zu sein.
Ach, nur zu gern hätte er auch nur ein wenig von der Freiheit. Er würde diese Straße gehen und gehen und bräuchte nichts mehr, um glücklich zu sein. Doch – neben ihn geht sein Herr. Er ist kein Freier und kann sich nicht, wann er möchte, auf einen Baumstamm niedersetzen und sich ausruhen und dabei die Welt der Ameisen beobachten, um wenigstens für eine Stunde ober auch nur für eine Minute diesen Satz vergessen zu können: Du bist ein Sklave! (Ende der Musik)
Der Pfad führt sie immer weiter. Einmal in ein tiefes Tal, dann um ein dicht gewachsenes Gebüsch, dann wird er wieder so schmal, dass sie nur hintereinander vorwärts kommen. Doch plötzlich führt er sie auf eine Lichtung hinaus und vor ihnen tritt ein wunderschöner Palast in Sicht.
Dscho: Herr, und ich werde trotzdem nicht arbeiten, ich werde es nicht tun!
Herr: Sieh hin, mein Freund, das ist mein Haus. Doch von nun an wirst du dort der Haushalter sein. Du bist kein Sklave mehr, von nun an bist du frei. Ich habe dich gekauft um dir die Freiheit zu schenken.
Autor: Der Herr sieht ihn mit so einem freundlichen Blick an, dass es keinen Zweifel gibt, dass er die volle Wahrheit spricht.
Dscho: (stammelnd) Ich… ich bin kein Sklave mehr?
Autor: Dscho sieht seinen Herrn verwirrt und fassungslos an.
Dscho: Und das alles haben sie für mich getan?
Autor: Seine kurzen Augenwimpern fingen plötzlich an zu blinzeln und die dicken Lippen zu beben. Ihm liefen, wie bei einem kleinen Kind die Tränen. Der Herr, der Palast, alles um ihn vermischte sich in eins.
Dscho: O mein Herr, ich bin Ihnen von Herzen dankbar; doch wie soll mein Leben ohne Sie weitergehen?
Ich bin in einer Sklavenfamilie geboren; ich bin als ein Sklave aufgewachsen. Ich bitte Sie, mein Herr, o gehen sie nicht weg. Vergeben Sie mir meine Grobheit und meine Rauheit ihnen gegenüber. Ich werde Ihnen von nun an in Treue und Wahrheit dienen. Ich werde arbeiten, ohne von ihnen Lohn dafür zu erwarten. Es gibt doch auf Erden noch Menschen, in denen die Güte wohnt. Ich danke Ihnen, gnädiger Herr, danke auf ewig!
Autor: O, nicht zu beschreiben ist die Freude, die nun Dscho erfüllte. Er hatte sich nur etwas Freiheit gewünscht, nur ein kleines Stückchen, doch plötzlich besaß er die völlige Freiheit. Doch nicht nur das, von nun an hatte er auch einen Herrn als Freund zur Seite, für den er gerne alles tun wollte, um seine Dankbarkeit ihm gegenüber durch seine Taten zu beweisen. Alles Dunkle und Trostlose verschwand aus seinem Herzen und sein Leben bekam einen Sinn.
Ist es uns nicht ebenso ergangen, die wir uns Jesu Eigentum nennen? Er hat uns teuer aus der Sklaverei der Sünde erkauft. Der Preis war weder mit Gold noch mit Silber zu bezahlen, darum ging unser Herr ans Kreuz, um für uns die Freiheit durch sein Blut zu erwerben. Dieses wollen wir nie vergessen und uns jeden Tag bemühen, nicht für unsere Lüste und Wünsche, nein, für Jesus allein zu leben, ihm unsere Kraft, unsere Zeit und unser ganzes Dasein täglich neu zu weihen.
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