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Apr 27 2008

Stiefmütterchen

Geschrieben von under Muttertag

Stiefmütterchen, ein christliches Anspiel zum Muttertag für 8 Personen

Autor: Das Leben schreibt selber die allerbesten Geschichten. Das wirkliche, schöne aber auch harte Leben. Das Leben mit seinen Sonnen- und Schattenseiten.
Ja, es gab sie schon immer, solange die Welt steht. und wird sie auch in Zukunft geben, die Stiefmütter. Schicksalsschläge reißen Familien auseinander, hinterlassen schmerzliche Lücken, die nur mit großer Mühe wieder geschlossen werden können. Wie viel Weisheit muss zum Beispiel eine neue Mutter haben, um solche Lücken zu füllen! Doch es geht, – wirklich, mit Gottes Hilfe!

Esther: (singt) Am Sonntag ist Muttertag! Da schenke ich Mama etwas ganz Schönes!

Rudi: Was denn, Esther?

Esther: Das errätst du nie, und ich verrate es nicht!

Rudi: Ich will es aber so gerne wissen! Bitte sag es mir!

Esther: Dann ist es aber kein Geheimnis mehr, weil du alles der Mama verraten wirst!

Rudi: Nein! Wirklich nicht, Esther!

Annem.: Wenn ihr doch einmal still sein könntet ihr Quälgeister! Ich kann mich bei eurem Lärm nicht konzentrieren!

Rudi: Oh, Tschuldigung, Annemarie! Aber, was wirst du denn der Mama schenken?

Annem.: (verächtlich) Phhh, schenken! Lasst mich in Ruhe! (geht)

Esther: Die Annemarie ist in der letzten Zeit so unfreundlich zu uns!

Rudi: Stimmt, das war sie früher gar nicht! Aber jetzt muss sie so viel lernen und hat keine Zeit für uns!

Esther: Komm wir gehen spielen, Rudi!

Musik

Mutter: Schön, dass du mich mal besuchst, Tante Lina! Du kommst immer grade dann, wenn man dich am notwendigsten braucht!

Tante: So? Wo drückt denn diesmal der Schuh, liebe Nichte?

Mutter: Ach, es geht um Annemarie.

Tante: Annemarie? Ihr habt euch doch sonst so gut vertragen, seit du an ihre Mutterstelle getreten bist!

Mutter: Ja, ich hatte damals sehr große Angst vor der Verant¬wortung, die ich übernehmen sollte, doch da Annemarie erst neun Jahre alt war, klappte es ganz gut. Sie akzeptierte mich sehr schnell als Mutter, doch jetzt mit sechzehn Jahren… Sie ist so verschlossen geworden und so abweisend mir gegenüber. Ich weiß oft nicht weiter! Auch den kleinen Geschwistern gegenüber ist sie unfreundlich und grob. Ob ich als Stiefmutter…

Tante: Zuerst einmal musst du die Krise deiner Tochter nicht ohne weiteres auf das Konto der Stiefmutter setzen. Jede Mutter hat Probleme mit ihren Kindern. Du wirst sie auch einmal mit Esther und Rudi haben. Doch wenn du innerlich den Weg zu deiner Tochter finden willst, musst du wissen, dieser Weg heißt nur: Versetze dich in sie! Ihr wird wahrscheinlich erst jetzt klar, was sie an ihrer leiblichen Mutter verloren hat.

Mutter: Ja, du könntest recht haben, aber was soll ich bloß tun?

Tante: Wenn ich dir raten darf, lass das Bild der Heimgegangenen Mutter wieder lebendig werden. Lass die Erinnerung an sie aufleben. Sprich mit Annemarie und mit deinem Mann über sie – und fürchte nicht, dass dies euer Verhältnis stören könnte. Im Gegenteil, Annemarie wird es dir danken. Am Sonntag ist Muttertag…

Mutter: (in Gedanken) Ja, Muttertag… Ich glaube, ich habe da eine Idee…

Autor: Im Morgengrauen des Muttertages wanderte ein Mann an der Seite seiner heranwachsenden Tochter durch den taufrischen Morgen dem Bahnhof zu. Zwei Stunden brauchte der Zug um die Reisenden zur Heimatstadt von Annemaries verstorbener Mutter zu tragen. Annemarie selber kannte diesen Weg nicht, wunderte sich nur, dass Vater, der sonst so beschäftigt war, sich heute, grade am Muttertag, Zeit nahm mit ihr eine Reise zu unternehmen. Was für ein ungewöhnlicher Tag war doch heute! Hatte die Stiefmutter Zuhause ihr zum Abschied noch ein Kuss auf die Wange gedrückt und dem Vater ein großes Päckchen in die Hand gedrückt. Annemarie war gespannt. Der Zug hielt, sie stiegen aus und gingen zu Fuß weiter.

Annem.: Aber Vater, jetzt wirst du mir doch verraten, wohin wir gehen? Diese Stadt kenne ich nicht!

Vater: Annemarie, hier bist du geboren.

Annem.: (aufgeregt) Ja? dann gehen wir doch nicht etwa…

Vater: Ja, wir besuchen heute das Grab deiner Mutter und meiner ersten Frau. Heute am Muttertag, sollst du deiner leiblichen Mutter gedenken. Es war eine Idee von Mutti!

Autor: Bald schon standen sie davor. Vater und Tochter. Das Grab, das einst das Liebste verschlungen hat. Der grausame Tod, die Schattenseite des Lebens. Doch hatten sie nicht alle beide einen Ersatz bekommen? Einen sehr guten und kostbaren Ersatz? Wenn die Annemarie das nur schätzen lernen könnte!

Vater: Hier, Annemarie. das ist für dich!

Annem.: A-aber, das ist ja eine Blume, eine wunderschöne Blume!

Vater: Sie ist von Mutti. Du sollst sie auf das Grab deiner Mutter pflanzen.

Annem.: Von Mutti?

Autor: Das Mädchen blickte verstört auf den Vater. Was soll das bedeuten? Es erschien ihr so unfassbar und fremd: Eine Blume von Mutter – für Mutter? Das war doch noch nie da gewesen! Sie bückte sich, und vorsichtig grub sie in der Mitte des Grabes ein Loch, um die schöne Blume hinein zu pflanzen. Dabei überstürzten sich ihre Gedanken und Gefühle. Eine Träne tropfte auf die offene Blüte. Auch der Vater stand grübelnd da. War es nicht sinnlos heute mit seiner Tochter an diesem fast vergessenem Grab zu stehen? Was sagte seine Frau gestern? Emil, du sollst am Muttertag mit deinem Kind an diesem Grab stehen! Weißt du denn nicht: Rechte Mütter sind Schwestern. Schwestern im Leben, Schwestern im Lieben, Schwestern im Leid. Schwestern im Sterben. Wenn eine geht, legt sie die Kinder der anderen ans Herz, ohne Eifersucht – in lauter Liebe. Und ach, wie bald gibt eine der anderen zurück, was sie ihr anvertraut. Und wer weiß wie bald – werden sie einander danken!

Vater: Annemarie, ich bin gewiss, deine Mutter würde sich freuen, das du eine so gute zweite hast. Mama würde sagen: „Hab sie lieb!” Denn sie würde sie lieben und wären gewiss gute Freundinnen gewesen, wenn sie sich gekannt hätten. Nun komm, lasst uns zurückgehen!

Autor: Die Mutter verbrachte den Muttertag dieses Jahr alleine mit ihren zwei kleineren Kindern. Doch sie wollte es ja selber so haben! Eine innere Überwindung hatte es sie zwar gekostet die beiden reisen zu lassen, doch sie spürte, dass ihre Entscheidung richtig war. Hatte sie doch lange mit ihrem HERRN darüber gesprochen. Erwarte nicht irgendein Zeichen der Dankbarkeit von deiner Großen, wenn sie heimkommt, sagte ihr Tante Lina noch. Rechne damit, dass dieser Besuch sie innerlich stark beschäftigen wird. Versuche das zu verstehen, und du wirst dadurch am schnellsten den Schlüssel zu ihrem Wesen finden!
Es änderte sich zuerst nicht viel. Doch man merkte sie, wie das schlechte Gewissen Annemarie ihrer Mutter und den Geschwistern gegenüber sie zu plagen begann. Eines Tages kam sie ganz aufgeregt nach Hause. Es ging um die Abschlussprüfung in der Schule. Sie war trotz emsiger Vorbereitung durchgefallen. Am Telefon ließ sie ihren Unmut bei der Freundin aus:

Annem.: (aufgeregt) Eine Gemeinheit ist es! Eine Ungerechtigkeit! Ein dreiviertel Punkt fehlt mir! Nur ein dreiviertel Punkt! Das haben die extra gemacht, die Lehrer! Ach, wenn Mutter noch lebte, dann wäre sie zu dem Rektor gegangen und hätte um diesen Punkt gekämpft! Ach da wäre alles anders! Ja, Mutter…

Autor: Annemarie schloss sich in ihr Zimmer ein. Das Leben war so schwer! Jetzt hatte sie auch dazu ihren Abschluss nicht geschafft. Die Mutter hatte das Telefongespräch mit angehört. Nach längerem Zögern und einer durchwachten Nacht, beschloss sie zu handeln. Ach, es fiel ihr gar nicht leicht am nächsten Tag im Schulbüro der Vorsteherin, vor ihrem riesigen Schreibtisch sitzen zu müssen. Die Frau hatte sie grade mit spöttischem Gesicht angehört.

Frau: So, so, ein dreiviertel Punkt fehlt ihrer Tochter. Der Misserfolg der Kinder erscheint den Eltern immer unbegreiflich. Man sucht den Fehler überall, bei der Schule, den Lehrern – nur nicht da, wo er ist. Sie sind nicht die erste Mutter, die blind…

Mutter: Stiefmutter.

Frau: Bitte? Stiefmutter? Hmm, da in Ihrem Fall das Argument von der blinden Liebe nicht zutrifft, werde ich den Fall ihrer Stieftochter nachprüfen! Sie erhalten Bescheid! Auf Wieder¬sehen.

Autor: Gestärkt durch ihre Gebete konnte die mutige Frau einige Tage später der verdutzten Annemarie einen Umschlag überreichen.

Annem.: (liest) Ihre Prüfungsarbeiten sind auf ausdrücklichen Wunsch, noch einmal durchgesehen worden. Die Prüfungskommission hat sich bereit erklärt, Ihre Punktzahl soweit zu erhöhen, dass Ihnen das Diplom nachträglich ausgehändigt werden kann.

Vater: Da siehst du Annemarie, was deine Mutter fertig bringt! – Du wirst ihr doch danken?

Autor: Ach, danken! Wie konnte der Vater ahnen, was in der Tochter vorging! Ihr Gewissen brannte immer stärker. Doch die Mutter war nicht empfindlich. Sie begnügte sich mit dem kurzen leisen: „Danke” von Annemarie. Sie war klug genug, darauf zu warten, dass der Dank sich in einer Wesensumstellung zeigen musste. Diese Änderung vollzog sich nur sehr langsam. Doch Mütter können warten. Ein Erlebnis trug noch dazu bei, dass Mutter und Tochter zueinander führte. Es war der Geburtstag der Mutter.

Mutter: Annemarie, du sollst wegen meinem Geburtstag auf keinen Fall euren lange geplanten Ausflug verpassen!

Annem.: Aber, ich kann doch nicht einfach wegfahren…

Mutter: Doch, das sollst du. Mach dir keine Gedanken, ich komme hier allein gut zurecht. In deinem Alter verzichtet man nicht so gerne auf so ein Ereignis. Abends nehmen wir zwei uns dann ein Stündchen Zeit in meinem Zimmer. Einverstanden?

Annem.: Vielen Dank, Mutter!

Autor: Es wollte scheinen, als hätte Annemarie das Wort Mutter ganz besonders herzlich gesagt.
Der Tag verging unter vielen Besuchen, fröhlich und harmonisch. Aber etwas enttäuscht war die Mutter dann doch, dass ihr Annemarie nicht wenigstens eine kleine Aufmerksamkeit zum Geburtstag dage¬lassen hatte. „Doch, nur nicht bitter werden!” sagte sie sich. Es wurde Abend. Die Mutter schickte den Vater zum Bahnhof um Annemarie abzuholen. Sie machte in dieser Zeit ihr Zimmer zurecht, und schaffte eine gemütliche Atmosphäre. Junge Mädchen lieben das! Wollte sie doch heute besonders ernst und liebevoll mit ihrer Tochter sprechen… doch….

Mutter: Was ist denn das? Es lag unter dem Kopfkissen! Ein kleines Päckchen? (packt es aus) Das gibt es nicht! Ein Album, ein Album von Annemarie! Also doch ein Geschenk! Wie schön!

Autor: Lauter Bilder waren darin gemalt. Bilder von ihr und den Kindern, Bilder die Friede und Freude ausstrahlten. Alle mit lauter Stiefmütterchen umrahmt. Und unter jedem Bild ein „Danke liebe Mutter!“. Tränen traten der Mutter in die Augen. Also doch nicht vergebens! Gott hat ihre Gebete erhört.
Es war eine bewegte Stunde, die Mutter und Tochter dann verbrachten. Eine Stunde, die so manche Missverständnisse ausräumte, die die Herzen der beiden zueinander finden ließ. Nein, das Warten war nicht vergebens! Es hat sich gelohnt! Und was das Schönste ist: Gott wird die Treue einst im Himmel belohnen!

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