Apr 25 2008
Der verlorene Sohn
Der verlorene Sohn, ein christliches Anspiel zum Muttertag für 6 Personen
Erzähler: Hoch oben im fernen Oberland, eine gute Strecke vom Dorf hinaus, steht eine kleine einsame Hütte, die von einem Tannenbaum überschattet war. Hier wohnte der brave Tagelöhner Toni. Er war ein stiller, fleißiger Bauarbeiter, von allen Leuten geachtet. In seinem Hüttchen daheim, hatte er eine junge Frau und ein Söhnchen, das die Freude der Eltern war. Fünf Jahre hatten die Leute so in Eintracht und ungestörtem Frieden gelebt. Eines Tages äußerte sich der Mann seiner Frau gegenüber:
Mann: Es tut mir leid, dass ich nicht wie andere Männer, ihren Frauen einmal eine freudige Überraschung machen kann, mit etwas was wir nicht gerade so nötig hätten.
Erzähler: Mit leuchtenden und glücklichen Augen sagte sie stets:
Mutter: Ach wozu auch, hat Gott uns nicht jeden Tag das nötigste geschenkt? Dazu unseren lieben kleinen Buben, der die Freude unseres Hauses ist.
Erzähler: So gingen an jedem Abend Frau Elisabeth mit dem kleinen Tommy dem Vater entgegen, wenn er von der Arbeit nach Hause kam. So auch eines Abends, als der kleine Tommy jemanden sah, rief er:
Tommy: Mutter, sieh, der Vater kommt, Der Vater kommt!
Mutter: Das ist nicht Vater, Kind.
Erzähler: Als der Bote näher kam, sagte er:
Bote: Liebe Frau, erschrecken Sie nicht…
Mutter: Ist meinem Mann etwas Schlimmes zugestoßen?
Bote: Ein Baum ist beim Fällen auf ihn gefallen.
Mutter: Ist er noch am Leben?
Bote: Leider nicht. Er ist dabei umgekommen.
Erzähler: Ein Schreckensschrei entrang sich ihr und ein Tränenstrom lief über ihre Wangen. Als sie sich erholt hatte, sagte sie zu ihrem Jungen:
Mutter: Komm, Tommy, wir müssen ohne Vater in unsere Hütte zurückkehren.
Tommy: Nein Mutti, wir müssen doch auf Vati warten. Er wird bald kommen.
Mutter: Ach, mein lieber Tommy, Vater kommt nie, nie wieder. Jetzt müssen wir ohne Vater in unserer Hütte wohnen.
Erzähler: Mit einem unsagbaren Schmerz bewohnte sie fortan mit ihrem Söhnchen die verlassene Hütte. Mit viel Mühe und schwerer Arbeit verdiente sie ihre Nahrung. Tommy umgab liebend seine Mutter und nahm ihr mit Freuden manche Arbeit ab. Doch in den letzten Schuljahren fingen seine Schulkameraden an, ihn necken und zu verspotten:
Kamerad: Nun Muttersöhnchen, hängst noch an Mutters Schürzband? Bist doch schon groß, schäme dich!
Tommy: Ich wüsste nicht, weshalb ich mich schämen sollte, denn meine Mutter hat mich mit viel Mühe und Arbeit gekleidet und genährt.
Kamerad: Aber jetzt bist du groß und noch so arm. Schau, wie wir leben. Du musst selbständig werden, dann geht’s dir auch gut.
Erzähler: Ganz langsam machten Spott und Lockungen Eindruck auf ihn. Er wurde unfreundlich und trotzig, kam am Abend spät nach Hause.
Mutter: Mein Tommy, wie hast du dich verändert. Wo bleibst du am Abend so spät?
Tommy: Mutter. Das geht dich nichts mehr an! Ich bin groß genug, um zu wissen, was ich will.
Mutter: Ach Tommy, du gehst auf dem falschen Weg, lass dich doch warnen! Du machst mir Kummer und Schmerz.
Tommy: Soll ich immer so in einer Bescheidenheit leben, wo alle meine Kameraden im Überfluss leben? Auch sind mir deine nächtliche Gebete und Tränen eine Qual.
Erzähler: Bald zog er trotzig aus dem Haus. Es war umsonst. Das Mahnen der Mutter half nichts. Die Mutter weinte ihm liebend nach, denn sie wollte ihn nicht verloren geben. Sie betete Tag und Nacht für ihn und litt treu in Liebe und Schmerz.
- Musik -
Erzähler: Der Sohn war hart wie ein Stein geworden. Er war schon lang auf See gegangen. Niemals hatte er ein Verlangen nach Hause zu kommen. Doch, wenn er die Mahnungen Gottes vernahm, tobte und fluchte er und verstieß sie. Und wenn er sich abends ausruhen wollte, plagte ihn sein Gewissen. Doch eines Tages, nach langer Zeit, hatte Gott ihn schließlich doch gefunden. Als plötzlich ein Sturm sich auf dem Meer erhob und die Seemannsleute vor Angst bebten. Am Anfang fluchten und spotteten sie, jedoch nach drei Tagen wurde es dann allmählich ruhiger. In solch einer großen Not sind schon viele zu Gott gekommen. Ebenso unser Freund. Er wollte gerne beten, doch er schaffte es nicht mehr. Er stöhnte, seufzte und schrie. Die Kameraden waren entsetzt.
Tommy: Hört Freunde! Ich habe meine Mutter verlassen und wollte mein eigenes Glück suchen. All ihre Bitten habe ich verschmäht. Obwohl sie für mich so viel gelitten hat, habe ich ihre Liebe verstoßen. Ihr treues und inniges Beten wurde mir eine Qual. Oh, hörte ich sie jetzt noch ein einziges Mal!
Erzähler: Da fiel ihm ein, dass er noch ein Buch von seiner geliebten Mutter im Koffer haben müsste. Trotz Sturm und Ungewitter suchte er überall nach der Bibel. Erst als er sie gefunden hatte, schlug er sie auf und suchte hier und da, doch er konnte nichts verstehen. Er schaute direkt dem Tode ins Gesicht. Vor Furcht wollte er alles vergessen. Doch sah er plötzlich einen kleinen Zettel, auf dem stand:
Tommy: Mein Sohn, mein lieber Sohn, auch wenn du von mir gegangen bist, will ich immer dich auf Gebetshänden tragen. Ich weiß, dass Gott dich retten wird. Komm heim, deine Mutter wartet auf dich.
Herr, bringe du mich noch einmal nach Hause und lass mich nicht hier ertrinken. Lass mich nur einmal meine Mutter sehen, um bei ihr noch einmal um Vergebung bitten.
Erzähler: In der Heimat, im fernen Oberland, lag die Mutter schwer krank im Bett. Sie wusste, dass ihre letzte Stunde geschlagen hatte und es nicht mehr lange dauern würde, bis sie heimgehen durfte.
Mutter: Geht hinaus und seht nach, er kommt bestimmt. Ich glaube fest an Gottes Wort: „Bittet so wird euch gegeben.“ Seine Verheißungen erfüllt er ganz gewiss.
Erzähler: Ihre Augen wurden schon trübe, sie wusste, dass das Ende nun sehr nahe war und noch einmal betet sie:
Mutter: Herr, rette ihn, oh rette ihn. Ich danke dir.
Erzähler: Ein fremder, junger Mann stürmte in das Dorf. Er war allen unbekannt. Im Herzen stellte er sich die Frage:
Tommy: Lebt meine Mutter noch?!
Erzähler: Unaufhaltbar lief er zur altbekannten Hütte. Wortlos stürmte er hinein. Man versuchte ihn aufzuhalten, denn der Fremde durfte die Sterbende nicht stören. In diesem Moment hob sie matt ihre Augenglieder und sah den Eintretenden an:
Mutter: Mein heiß geliebter Tommy!
Tommy: Vergib mir, liebe Mutter. Lange sollte ich schon nach Hause gekommen sein. Doch ich verstockte mein Herz und habe dir soviel Kummer bereitet. Doch Gott hatte Gnade für mich. Er ließ mein Schiff untergehen, doch mich errettete er aus den großen stürmischen Wellen. Ich versprach ihm, dass ich zu dir zurückkommen und ihm dienen würde. Ich habe es nicht verdient. Als ein verlorener Sohn kam ich zu ihm und er vergab mir alle meine Schuld. Bitte, Mutter, vergib auch du mir!
Mutter: Komm her, mein lieber Tommy! Ich habe dir schon lange vergeben. Nun kann ich in Frieden zum Heiland gehen. Er hat mein Gebet erhört. Wir werden uns bei ihm wiedersehen!
Erzähler: Ihr Mütter, Gott erhört Gebete, ob es auch lange dauert und vergeblich scheint, dass Gott eure Kinder bekehrt. Oh ringet mutig weiter, glaubt fest an das verheißene Wort Gottes. Die Zeit wird kommen, da Gott auch eure Gebete erhören wird. Und du, du verirrtes Kind. Die Mutter betet schon lange für dich. Der Heiland klopft, denn du bist noch nicht gerettet. Willst du noch lange warten? Kehr um noch heute, es ist noch Zeit! Hör, wie die Mutter bittet! Das Wort gilt nur für heute, denn Morgen bist du vielleicht schon tot.
|
|
Name: Der verlorene Sohn (36.5KB) Klicks: 386 |