Archive for April 6th, 2008

Apr 06 2008

Die echte Mutter

Geschrieben von under Muttertag

Die echte Mutter, ein christliches Anspiel zum Muttertag für 8 Personen

Lied: „Ich denk an meine Jugendzeit, zurück mit tiefen Schmerz“ oder Nr. 949: „Niemals vergess ich jenen Tag“

Autor: Als Lena die Tür des Hauses öffnete sah sie ein Häuflein von Kindern und hörte ihren Vater sagen:

Vater: Hier sind sie alle acht… Kinder – das ist eure Mutter.

Autor: Die kleinsten zwei liefen auf sie zu, und wollten auf den Arm genommen werden, sie freuten sich, dass wieder eine Mutter da war, denn sie verstanden noch nicht was passiert war.
Lena lächelte sie freundlich an und nahm sie auf die Arme. Die Jungens standen etwas von Ferne und beobachteten sie. Die Mädchen kamen zu ihr und gaben ihr einen Kuss. Lena bat dann alle sich kurz zu setzen um sie anzuhören. Und sagte dann folgendes:

Lena: Kinder, ich bin eure Stiefmutter, aber mit Gottes Hilfe will ich für euch alle eine Mutter wer-den. Eure Mutter zu ersetzen bin ich nicht imstande, aber ich möchte ihr ähnlich werden. Ihr werdet mir jeden Tag von ihr erzählen und ich werde daraus lernen euch so zu lieben, wie sie euch geliebt hat, und euch so zu erziehen, wie sie euch gern erzogen gesehen hätte.
Mein Ziel ist es, euch mit Gottes Hilfe so zu erziehen, dass am Tage der Auferstehung ich zu eurer Mutter sagen könnte: Liebe Tobia, hier sind deine Kinder, ich bringe sie dir alle, ich war für sie eine zeitliche Mutter, habe mich bemüht sie für die herrliche Ewigkeit zu erziehen.

Autor: Von diesen Worten waren alle gerührt und etliche weinten stille. Lena ging dann die Zimmer des Hauses eins nach dem anderen rund. Im Esszimmer blieb ihr Blick auf das Portrait des Vaters stehen. Die älteren Kinder schauten sie jetzt mit Neugier an – was wird wohl die neue Mutter jetzt sagen.

Lena: Gibt es nicht auch ein Portrait von eurer Mutter?

Autor: Erst schwiegen alle, doch dann sagte Olga:

Olga: Der Vater hat befohlen es herunter zu nehmen, und ich will es jetzt in meinem Zimmer über dem Bett aufhängen.

Lena: Nein, es soll auch weiterhin neben des Vaters Portrait hängen. Und wenn ich es irgendwann würdig sein werde, dann hängt ihr mein Portrait von der anderen Seite auf.

Autor: Sofort lief Olga mit Freude ins Zimmer, holte das Portrait und hängte es auf seinen Platz auf.

Lena: So ist es schon besser, eure Mutter wird mir helfen euch richtig zu erziehen.

Autor: Der Vater der Kinder schaute Lena mit tiefer Dankbarkeit an und alle Kinder gewannen eine gewisse Zuversicht zu ihrer neuen Mutter. Es wurde zusammen das Abendbrot gegessen, das Wort Gottes gelesen und nach dem gemeinsamen Gebet gingen dann alle schlafen. Lena blieb noch kurz in der Küche um etliche Vorbereitungen zum Frühstück für die Kinder und den Mann zu treffen.
Plötzlich hörte sie aus dem Nebenzimmer ein Gespräch:

Julia: Es wird ihr schwer sein. Aber ich meine, sie hat ein gutmütiges Herz, und ich könnte sie auch lieben.

Olga: Nein! Unsere Mutter, die hatte ein liebevolles Herz und ich werde diese Tante Lena nie Mutti nennen, und auch nicht irgendwie anders. Sie kann hier ruhig leben, mich geht’s nichts an, aber ich brauche sie nicht.

Julia: Und doch Olga sage ich dir, sie ist eine recht Mutige, dass sie es überhaupt gewagt hat in unsere Familie zu kommen, wo wir doch acht Kinder sind. Nicht jeder würde sich solches wagen. Und weil sie gekommen ist, wisse, dass sie ein gutmütiges und liebevolles Herz hat. Auch das Portrait unserer Mutter hat sie gleich befohlen auf den Platz zu hängen, das hat auch was zu sagen!

Olga: Und doch werde ich sie nie Mutter nennen, ich hatte nur eine Mutter.

Autor: Und danach wurde es still. Lena erhob sich um nach den Jungs und den Kleinen zu schauen, ob sie schon schlafen. Vor der Tür blieb sie kurz stehen und da hörte sie ein Gespräch, und so-lange sie überlegte hineinzugehen oder nicht hörte sie folgendes:

Waldemar: Wisst ihr Brüder ich habe sie schon lieb. Sie ist wirklich gut. Wollen sie doch Mutti nennen.

Hans: Olga sagte, dass wir nur eine Mutter hatten, und dass diese unsere Stiefmutter ist.

Waldemar: Nein, wir Männer werden sie Mutti nennen, und damit auch die Kleinen es lernen. Und Olga werden wir in diesem nicht hören.

Hans: Gut Waldemar, wir werden sie Mutti nennen.

Autor: Da öffnete Lena die Tür und trat ins Zimmer um nach den Kleinen zu schauen. Und nebenbei fragt sie den älteren:

Lena: Warum schläft ihr noch nicht?

Waldemar: Sind schon dabei Mutti, wir hatten hier nur noch ein Gespräch unter Männern.

Lena: Na wenn es ein Männergespräch war, dann ist es in Ordnung.

Autor: Sagte Lena schmunzelnd und ging dann wieder raus. In der Küche kniete sie nieder und betete; sie bat um Weisheit bei Gott diese Weisenkinder recht zu erziehen. Liebe und Mitleid zu ihnen erfüllte ihr Herz.

Lena: Die arme Olga, die kann meine Gegenwart so schwer ertragen. Sie ist sensibel und leidet sehr darunter. Was soll ich tun, wie kann ich ihr helfen? Wie kann ich meinen Aufgaben gerecht werden? Wie kann ich all dem nachkommen, was ich auf mich geladen habe, um das Leben der Kinder nicht zu einer Qual zu machen, die doch eine herzliche Liebe und eine vertrauliche Zuneigung brauchen?

Autor: In Gedanken versunken merkte Lena nicht wie der Mann in die Küche kam. Er streichelte ihr liebevoll das Haar und sagte:

Vater: Ich werde dir in allem helfen, und uns beiden wird Gott helfen.

Autor: Sie schaute ihn dankbar an und konnte glauben, dass alles gut gehen wird.
Und so war es dann auch, sicher ging nicht alles immer gut, wie auch in den meisten Familien; es gab auch schwere Stunden, aber Lena suchte immer wieder bei Gott Hilfe, Kraft und Weisheit. Und sie wurde in der Familie geliebt, nur Olga sagte nicht Mama zu ihr. Lena tat so, als ob sie es nicht merkte.
An einem Abend, als Julia nicht zu Hause war, die Kleinen mit Vergnügen spielten, und die anderen ihre Hausaufgaben machten, führte Olga mit der Stiefmutter ein Gespräch:

Olga: Sagen Sie mal – mit wem wird unser Vater in dem Himmel leben, – mit uns und unserer Mutter oder mit Ihnen?

Lena: Mit euch und eurer Mutter, denn ich bin ja nur eine zeitliche Mutter für euch.

Autor: Als dieses Gespräch zu den Ohren der Jungs kam, ließen sie ihre Hausaufgaben und schlossen sich an das Gespräch an:

Waldemar: Wir werden dort alle zusammen sein: unser Vater, Mutter, wir und unsere neue Mutter.

Autor: Die anderen Kinder nickten zustimmend, nur Olga schwieg eine Weile und sagte dann leise aber eifersüchtig:

Olga: Na das wird dann noch zu sehen sein!

Autor: In diesem Moment kam die ältere Julia rein und hörte es noch grade mit, schaute vorwurfsvoll Olga an und sagte zu Lena:

Julia: Liebe Mutti, hör nicht auf sie, du wirst in dem Himmel mit uns zusammen sein. Unsere Mutter wird sich sehr freuen, dass du dich bereit erklärt hast uns zu erziehen, und mit uns den Weg zum Himmel zu gehen.

Autor: Alle waren eine Zeitlang still, dann ging es ans Abendbrot. Danach wurde gemeinsam aus der Bibel gelesen und gesungen.

Olga: Unsere Mutter hat uns jeden Abend das Lied „Die Bibel ist ein köstlich Buch“ gesungen.

Lena: Gut, dann werden auch wir das wunderbare Lied, das eure Mutter so lieb hatte, jeden Abend singen

Es wird das Lied Nr. 119: „Die Bibel ist ein köstlich Buch“ gesungen

Autor: Als sie dann das Lied gesungen hatten, beteten sie und wollten zur Ruhe gehen, da sagte Wal-demar noch:

Waldemar: Scheinbar hat sich nichts geändert – unsere Mutter lebt weiter mit uns.

Autor: Olga schaute ihn mit großen Augen an und sagte dann unter Tränen.

Olga: Aber ich empfinde es nicht so.

Autor: Sie wünschte allen eine gute Nacht und wollte gehen, aber die Worte der Stiefmutter hielten sie noch kurz auf.

Lena: Gute Nacht liebe Olga und noch – wie dein Herz dir sagt so tue auch.

Autor: Olga wäre es viel lieber wenn die Stiefmutter auf sie schimpfen und über sie schreien würde, oder sogar schlagen; aber so was passierte nicht. Sie ging schlafen, aber die schweren Gedan-ken ließen sie noch lange nicht einschlafen…
Für Lena gab es auch schlaflose Nächte, bei den Betten der Kleinen, aber sie klagte und jam-merte nicht mit einem Wort. Sie tat so als ob ihr das alles gar leicht wäre, und diese ausdauernde Liebe hat auch ihre Frucht gebracht: sie wurde von allen nicht nur Mutter, sondern liebevolle Mutter genannt. Nur Olga nannte sie immer noch nicht Mama. Und eines Tages gab sie zu:

Olga: Wissen Sie, ich sehne mich so nach meiner Mutter. Ich kann sie nicht vergessen.

Lena: Liebes Töchterlein, du darfst sie auch nicht vergessen. Lebenslang trage die Erinnerung an sie in deinem Herzen.

Olga: Ich denke viel an Sie, – Sie sind sehr liebevoll und gutmütig, aber Sie werden mir nie meine Mutter ersetzen können.

Lena: Du hast recht, solch einen Verlust kann man nicht ersetzen, aber erlaube mir dich zu lieben, zu helfen und ab und zu zu streicheln.

Autor: Olga schwieg eine Weile und dann sagte sie leise.

Olga: Ich werde darüber nachdenken.

Autor: Eine Woche später kam Olga in einen schweren Unfall. Als Lena das Krankenzimmer betrat, wo Olga im Kummer lag, fing sie an zu weinen. Aber der Arzt sagte dann beruhigt:

Arzt: Keine großen Sorgen, es wird schon alles gut werden, es muss nur etliche Tage eine Wache bei ihr gehalten werden, bis sie zu sich kommt.

Autor: Nach drei Tagen kam Olga zu sich und das erste, was sie sah, als sie die Augen öffnete, war das liebevolle Gesicht ihrer Stiefmutter.

Lena: Liebes Töchterlein, erkennst du mich?

Autor: Olga lächelte zustimmend und sagte leise „Ja“. Lena streichelte ihr die Hand und das war so angenehm und wohltuend. Später gab sie Olga noch zu trinken und rief dann den Arzt, er schaute sich Olga an und sagte zu Lena:

Arzt: Liebe Mutter, sie können heute ruhig nach Hause gehen, und morgen kommen sie dann wie-der.

Lena: Ich komme heute noch einmal.

Autor: Olga schaute sie dankbar an und dachte bei sich selbst:

Olga: Wie müde und besorgt sieht sie aus; wie ähnelt sie jetzt unserer Mutter.

Autor: Als Lena dann ging sagte der Arzt zu Olga.

Arzt: Welch eine tapfere und liebevolle Mutter hast du doch. Ich sagte zu ihr; gehen Sie doch nach Hause und schlafen Sie etwas, sie aber antwortete immer wieder „Bis meine Tochter nicht zu sich kommt, gehe ich nicht von hier weg.“

Olga: Sie ist meine Stiefmutter und keine Mutter.

Arzt: Liebe Olga, wer so ohne Grenzen lieben kann und so gutmütig ist, ist des Namens ‘Mama’ wert.

Olga: Wer bin ich für sie, dass sie bei meinem Bett all diese Tage saß, da sie von mir noch nie ein gutes Wort gehört hat.

Arzt: Du bist für sie ein liebe Tochter, und sie für dich die Mutter.

Autor: Sagte der Arzt und ging aus dem Zimmer. Eine kurze Zeit später kam der Vater und unter anderem berichtete er, dass die Mutter wohl nicht kommen wird, da sie ziemlich übermüdet ist, und dass Julia sie besuchen wird.
Und als der Vater dann ging und sie alleine blieb, kamen die bösen Gedanken wieder:

Olga: Wäre es die leibliche Mutter, würde sie trotz aller Müdigkeit doch kommen.

Autor: Als abends sich die Tür des Zimmer öffnete und anstatt der erwartenden Schwester Julia, die Stiefmutter hineinkam, war Olgas Freude ohne Grenzen. Als Lena sich dann zu ihr bückte umarmte Olga sie und flüsterte ins Ohr.

Olga: Du bist meine echte Mutter! (Musik)

Autor: Nach 10 Tagen kam Olga aus dem Krankenhaus, und abends hatte sie dann ein langes Ge-spräch mit dem Vater. Am nächsten Morgen, als Lena ins Esszimmer kam blieb sie überra-schend stehen, denn Olga war grade dabei Lenas Portrait von der anderen Seite des Vaters aufzuhängen. Auch der Vater selbst stand dabei. Lena, voller Freude und Glück, wusste gar nicht was sie tun sollte, dann lief sie zu ihnen und umarmte ihren Mann. Olga schaute sie lächelnd an und gab dann beiden einen Kuss.

Olga: Im Himmel werden wir alle zusammen sein.

Autor: Als sie abends alle zusammen waren, sagte Waldemar:

Waldemar: Wie schön sieht es jetzt in unserem Esszimmer aus. Unsere lieben Mütter zu Linken und Rechten des Vaters.

Autor: Es vergingen fünf glückliche Jahren und dann traf die Familie ein großes Unglück: es starb plötzlich der Vater.
Nach der Beerdigung versammelten sich alle Kinder um die Mutter, und Julia, als die älteste, fragte dann besorgt:

Julia: Mutti, gehst du jetzt von uns weg und lässt uns alleine?

Lena: Nein – ich bleibe bei euch bis zu meinem Ende.

Lied Nr. 1267: Alle Zeit ist Er mein Leiter

Autor: Es verging dann noch so manches Jahr, die Kinder wurden groß und heirateten einer nach dem anderen. Es gab nur einmal einen Streit; bei wem doch die Mutter weiter leben wird. Ein jeder wollte sie gerne bei sich sehen, und Olga sagte ganz entschieden:

Olga: Die Mutter wird bei mir wohnen und euch alle von Zeit zu Zeit besuchen.

Waldemar: Lass die Mutter selber entscheiden bei wem sie weiter leben will.

Lena: Ich werde bei Olga wohnen.

Autor: Im weiterem hatte Lena auch noch das Glück von den Enkelkindern als eine gute und liebevolle Großmutter anerkannt zu sein. Wie glücklich und dankbar war sie dem Herrn, dass ihr Leben nicht fruchtlos geblieben wahr, denn aus den Kindern wurden gute Erwachsene und was besonders erfreulich war, – auch echte Christen, und an dieser Arbeit hatte auch sie ihr Teil…

Es kam die Zeit, wo auch sie vom himmlischen Vater abgerufen wurde. Es starb eine Mutter von 8 Kindern und vielen Enkelkindern. Am Sarge der Mutter sprach Waldemar im Namen aller Kinder:

Waldemar: Vor uns liegt die, die eine recht gute Mutter war. Sie kam in unsere Familie als eine Stiefmutter, aber im Laufe der Jahre zeigte sie sich als eine gute, aufmerksame, geduldige und liebevolle Mutter.
Als dann unser Vater starb, war sie noch jung und könnte heiraten. Aber als wir sie ängstlich fragten, ob sie uns jetzt verlassen würde, streichelte sie uns liebevoll die Köpfe und sagte be-ruhigend, dass sie uns niemals verlassen wird, und dass wir mit Gottes Hilfe auch weiter zu-sammenleben werden.
Sie blieb und gab uns, und nur uns, ihre noch jungen Jahre, all ihre Kraft, Liebe, Zärtlichkeit und Freundlichkeit. Und ich möchte heute laut sagen, dass es alle hören: Leute! – Ihr seht den Sarg einer echter Mutter, einer Mutter derer wir Kinder nie vergessen werden, sie wird in unseren Herzen weiter leben, mit ihr wollen wir auch in der Ewigkeit zusammen sein.

Autor: Die Stimme versagte ihm kurz, aber dann fuhr er fort:

Waldemar: Bis auf baldiges Wiedersehen, liebes Mütterlein, du wirst nicht lange warten brauchen auf deine Auferstehung, denn das Kommen unseres Herrn ist ganz nahe.

Autor: Sie wurde begraben, und ein kleiner Hügel, bedeckt mit Blumen, gab diese Stätte zu erkennen. Es wurde Abend, die Sonne streifte noch das letzte Mal das Grab und eine einsame Gestalt ei-ner jungen Frau war zu sehen, die auf den Knien vor dem Grab stand und leise weinte. Nach einer Zeit stand sie auf und ging langsam davon. Ich erkannte sie gleich, es war Olga. Ich holte sie ein und als sie mich sah sagte sie leise:

Olga: Ich habe den teuersten Mensch verloren. Ich werde sie niemals vergessen können.

Autor: Da erinnerte ich mich an Lenas Worte, dass Olga eine sehr sensible Person ist und sehr schwer Trennungen verkraften kann. Als solche sah ich sie auch jetzt noch, zwar sie schon eine Frau und Mutter von drei Kindern war… Als wir uns verabschiedeten sagte sie noch:

Olga: Nur eins tröstet mich – dass der Herr bald kommt, und wir uns dann bei Ihm alle wiedersehen werden.

Autor: Wir gingen jeder seinen Weg, aber die Geschichte dieser Mutter konnte ich nicht vergessen. Ich besuchte später nochmals Lenas Grab und mir viel eine Aufschrift ins Auge: „Der echten Mutter von Ihrer Tochter Olga“.

Lied Nr. 950: Das schönste Lied auf Erden

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Apr 06 2008

Die blinde Königin

Geschrieben von under Muttertag

Die blinde Königin, ein christliches Anspiel zum Muttertag für 12 Personen

Mutter: Fädle mir mal die Nadel ein, Kind!

Erzähler: Das sagte die Mutter immer öfter, und nach und nach war es bei der Familie Wienbruch zur Gewohnheit geworden, der Mutter die Nadel einzufädeln, wenn sie am Nähen, Stopfen oder Flicken war. Ja, die Kleineren lauerten schon darauf wie Helfemacher und machten den größeren den Rang streitig, wer jetzt daran war, einfädeln zu dürfen.

Mutter: Ich komme mir vor wie eine Königin, deren Dienerschaft sich darum reißt ihr behilflich sein zu dürfen.

Vater: Nur, dass Königinnen im Allgemeinen keine Socken stopfen!

Erzähler: Es war ein besonders gemütlicher Abend. Alle saßen miteinander um den großen abgewetzten Tisch. Auch Minchen und Guste, die schon seit einigen Jahren bei anderen Leuten arbeiteten, waren mit dabei. Minchen, die Zofe bei Kommerzienrat Wittenstein war, stickte mit ihren feinen Fingerchen an einem Perlkissen. Guste flickte an einer ihrer blauen Schürze, die sie in Tante Ewertsbuschs Küche und Metzgerei trug. Es war wohl so richtig ein Beweis, dass dieses Haus wirklich ein sonniges Haus war, das diese beiden jeden freien Abend daheim verbrachten, und nicht gezwungen, sondern aus freiem Antrieb zog es sie in den Familienkreis.

Guste: Nirgends ist es so gemütlich wie bei uns zu Hause!

Minchen: Ach Ja!

Erzähler: An diesem Abend war es nun besonders schön, weil auch der Vater sich nicht in sein Stübchen zurückgezogen, sondern bei den Kindern geblieben war. Er las zwar in der Zeitung, ließ sich aber durch das Geplauder nicht stören, verbat es sich nicht, sondern warf sogar dann und wann ein Scherzwort hinein. Oder – was allen besonderen Spaß machte und mit dankbarem Gelächter belohnt wurde – er las Anzeigen lustig zusammengekoppelt vor z. B.: Fleißiges, sauberes Hausmädchen, auf den Namen Bello hörend, entlaufen. Oder er erfand Nachrichten, die alle in großes Erstaunen versetzte, bis die Kinder an dem Blinzeln hinter seinen Brillengläsern merkten, dass er sie mal wieder angeschmiert hatte. Manchmal fielen sie aber nicht auf sein Geflunker herein, den wer wäre denn so dumm zu glauben, dass einer mit einem Luftballon bis nach England geflogen wäre oder ein anderer einen Wagen erfunden hätte, der ohne Pferde und ohne Dampf und Schienen durch die Straßen fuhr. Ja, der Vater war an diesem Abend erstaunlich gut aufgelegt.

Vater: Wir werden alt, Mina. Sogar deine schönen blauen Augen bleiben nicht jung. Du musst dir eine Brille auf deine kleine Nase setzen! Pass mal auf, wie würdig du dann aussiehst!

Alwine: Mutter eine Brille!

Erzähler: Die Mutter schaute den Vater an und lächelte. Aber es war kein fröhliches, sondern ein wehmütiges Lächeln.

Mutter: Eine Brille nützt mir nichts, Karl! Ich habe es schon einmal mit deiner versucht.

Vater: Natürlich half sie dir nicht! Wir haben doch ganz verschiedene Augen!

Hermann: Vater hat braune Augen, und Mutter hat blaue Augen.

Erzähler: Krähte der Jüngste dazwischen und schaute dabei stolz in die Runde. Aber diesmal lachte niemand wie sonst über seine Einfälle. Alle waren auf einmal gar nicht mehr so fröhlich. Allen war so beklommen zumute. Es war, als ahnten sie, dass sich ihnen ein Unheil nahte, eine dunkle Wolke, die dieses sonnige Haus überschatten wollte.

Mutter: Ach Karl, das macht es nicht! Mir helfen keine Gläser! Ich habe einen Schleier vor den Augen.

Vater: Schau mich mal an!

Erzähler: Die Mutter hob ihre schönen blauen Augen zu Vater auf. Die beiden sahen sich an, und die Kinder starrten wiederum die beiden an.

Karl: Wie ein Brautpaar!

Erzähler: Aber ein kräftiger Stoß von Gustes kräftigen Hand überzeugte auch ihn, Karl, wie ernst dieses In – die – Augen – Schauen zu nehmen war.

Vater: Du gehst morgen sofort zum Augenarzt!

Mutter: Aber, Karl, das kostet doch so viel! Karl und Annchen müssen neue Schuhe haben.

Karl: Ich lauf gern noch in den alten, die sind so schön latschig ausgetreten!

Annchen: Meine drücken fast gar nicht!

Guste: Ich habe mir schon so’n schönes Stück Geld bei Tante Ewertsbusch für meine Aussteuer gespart, und was brauch ich eine Aussteuer!

Minchen: Ich brauche zwar eine Aussteuer, aber mein Albert wäre entrüstet, wenn ich meine Ersparnisse nicht freudig für meine Mutter opferte.

Vater: Nun Schluss Mit dem Gesäusele. So viel werde ich wohl noch selber aufbringen, ohne die Hilfe meiner Kinder in Anspruch nehmen zu müssen.

Mutter: Sie meinen es doch so gut!

Vater: Ja, ja! Morgen früh gehst du zum Arzt!

Erzähler: Dieses sagte er in seiner Art, die keinen Widerspruch duldete. Und damit ging er in sein Stübchen hinüber, ohne gute Nacht zu sagen. Es war aus mit dem fröhlichen Abend! Es wären alle bedrückt zu Bett gegangen, wenn jetzt nicht der Mutter helle Stimme in diese Trübsal hineingefahren wäre.

Mutter: Nun singen wir den Abendsegen! Ich schlage heute ein besonders schönes, aber auch ein schweres Lied vor, weil unsere beiden Großen da sind und mithelfen können.

Lied: Hinunter ist der Sonne Schein,
die finstre Nacht bricht stark herein;
Leucht und, Herr Christ, Du wahres Licht,
lass uns im Finstern tappen nicht!

Mutter: Lass uns im Finstern tappen nicht! Bei Ihm wird die Finsternis auch Licht sein!

Erzähler: Am nächsten Nachmittag – am Morgen hatte sie sich nicht frei machen können – durfte Annchen die Mutter in die Stadt zum Augenarzt begleiten.

Mutter: Weißt du, Annchen, mir wird es auf der Straße unter den vielen Men-schen oft ein wenig bange mit dem Schleier vor den Augen. Du führst mich doch gern?

Erzähler: Und ob sie es gern tat! Sie fühlte sich beglückt und hoch geehrt wie immer, wenn sie mit der Mutter ausgehen durfte.
Aber diesmal plauderte die Mutter nicht so fröhlich wie sonst. Sie ging sehr still an Annchens Hand. Schließlich, als das Schweigen fast beängstigend wurde, fragte Annchen:

Annchen: Mutter, bist du sehr bange?

Mutter: Ach nein, Kind. Ich dachte nur, wie ich so an deiner Hand ging, an ein Wort der Heiligen Schrift: Als du jünger warst, gürtetest du dich selbst und wandeltest, wohin du wolltest; wenn du aber alt wirst, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und führen, wohin du nicht willst.

Annchen: Soll ich dich nicht zum Augenarzt führen? Willst du nicht hin?

Mutter: O doch, Annchen, du kleines Ding führst ja gar nicht den Weg, den ich nicht gehen will. Der andere, der führt, ist der Herr, und die Wege des Herrn sind richtig. Weißt du nicht, wie wir immer singen: Du führst mich doch zum Ziele, auch durch die Nacht?

Erzähler: Danach musste Annchen lange Zeit im Wartezimmer des Arztes sitzen, während die Mutter im Sprechzimmer war. Auf dem Heimwege war die Mutter noch stiller.

Mutter: Wir gehen noch zum Großvater.

Erzähler: Der Großvater war schon eine Weile bettlägerig. Er war nicht krank, nur müde. Er begrüßte sie mit freundlichem Lächeln. Dann wurde Annchen zu Tante Berta in die Küche geschickt. Dort waren die Kinder immer gern, weil die gute Tante stets irgendeinen Leckerbissen bereit hatte.
Als die Mutter dann aus des Großvaters Zimmer heraustrat, waren ihre Augen so strahlend, als hätten sie etwas Wunderschönes gesehen, und es war kaum zu glauben, dass ein Schleier über ihnen liegen sollte. Ob ihn der Augenarzt vielleicht schon weggeschnitten hatte, dachte Annchen. Aber sie wagte nicht die Mutter zu fragen. Erst am Abend, als die Mutter längere Zeit mit dem Vater in seinem Stübchen geweilt hatte, erfuhren die Kinder, was der Augenarzt gesagt hatte: Mutter sollte schon in der nächsten Woche in der Augenklinik in Bonn operiert werden. Alle waren so entsetzt, dass keiner auch nur ein Wörtchen dazu äußerte. Sie standen da, wie versteinert. Und wieder löste sie Mutters fröhliche Stimme aus ihrer bösen Verzauberung.

Mutter: Nun sitzt doch nicht da und starrt gen Himmel! Ich sterbe doch nicht daran, wenn ein geschickter Arzt den Schleier von meinen Augen löst. Freut euch lieber mit mir, dass ich dann euch alle und die schöne Got-teswelt wieder richtig sehen darf, wenn es des Herrn Wille ist.

Alwine: Wir wollen alle ganz feste beten, dass deine Augen wieder gesund werden!

Minchen: Ja, wir wollen alle beten, dass die Operation gelingt!

Mutter: Nein! Nein! Ihr sollt nicht beten, dass meine Augen geheilt werden. Wisst ihr denn, ob das des Herrn Wille ist? Betet: Dein Wille geschehe! Gottes Wille ist immer gut. Und betet, dass ich zu diesem Willen freudig ja sagen lerne. Dass ich beten kann: Was gewesen, werde stille, stille, was dereinst wird sein! All mein Wunsch und all mein Wille geh in Gottes Willen ein! Heute abend singen wir:
Was Gott tut, das ist wohlgetan,
es bleibt gerecht sein Wille.

Erzähler: Ob die Mutter geahnt hat, wie die Operation ausgehen würde? Als sie nach einigen Wochen zurückkehrte, war die Operation des linken Auges missglückt – es war blind.

Vater: Es bleibt ja noch das andere Auge übrig! Das lässt du nächsten Monat operieren, und das wird dann bestimmt klar.

Mutter: Ach Karl, wollen wir mit dem Messer eines Arztes gegen Gottes Willen angehen? Ich habe die Gewissheit bekommen, dass der Herr meine Blindheit will.

Erzähler: Aber dann beugte sie sich doch unter ihren Mannes Machtwort, wie sie zeitlebens getan hat. Sie fuhr noch einmal nach Bonn. Sie ließ auch das andere Auge operieren. Sie behielt recht: Von der zweiten Operation kehrte sie als Blinde zurück.
Als der Vater die Kinder darauf vorbereitete, weinten sie alle hell auf. Aber als er dann am Tag danach mit der Mutter am Arm den Berg heraufkam und sie alle vor der Haustür zu ihrem Empfang standen, unterdrückten sie tapfer das Schluchzen, das so im Hals würgte. Dafür sorgte schon des Vaters strenger Blick, mit dem er warnend und befehlend von einem zum anderen sah. Als sie dann der Mutter in ihr klares, helles Gesicht schauten, wurde es leichter, die Tränen hinunter zu schlucken. Mit ausgestreckten Händen kam sie auf ihre Kinder zu.

Mutter: Da bin ich wieder! Und nun bekommt ihr mich nie wieder los! Ich kann euch ja gar nicht mehr fortlaufen. Nun habe ich mal richtig Zeit für euch! Aber passt mal auf, wie ihr jetzt für mich arbeiten müsst! Ihr habt mich ja manchmal eure Königin genannt. Nun stell ich euch erst richtig als meine Dienerschaft an.

Erzähler: Die Kinder drängten sich um sie, umarmten sie, küssten sie; jedes wollte noch dichter an sie heran. Wenn der Vater nicht dazwischen gegriffen hätte, hätten sie in ihrer Liebe sie noch tot gedrückt oder umgestoßen.
Am Kaffeetisch tauten die Kinder immer mehr auf. Sie vergaßen ganz und gar, dass die Mutter als Blinde heimgekehrt war und unter ihnen saß, ohne sie sehen zu können. Alle erzählen ihr eifrig. Es war wie ein Sonntag mitten im Alltag.

Alwine: Das war ein wunderschöner Nachmittag!

Mutter: Ihr sollt mal sehen, welch schöne Zeit jetzt beginnt!

Erzähler: Das klang fast unglaublich, und doch kann man von den folgenden Tagen und Monaten sagen: ,,Da haben die Dornen Rosen getragen!“ Die Mutter fand sich überraschend schnell im Haus und Hof zurecht. Ein Fremder hätte ihr kaum ihre Blindheit angemerkt. Aber so unermüdlich treppauf und treppab konnte sie doch nicht mehr wirken. Manche Arbeit musste sie den Kindern überlassen, und diese setzten alle ihre Ehre darein, alles so vollkommen auszuführen, wie sie es früher getan hatte.
Sie selber saß viele Stunden mit ihrem Strickstrumpf an ihrem Fensterplatz oder bei gutem Wetter vor dem Haus. Und da gehörte sie den Kindern nun noch viel mehr als früher. Sie hatte noch viel mehr Zeit für sie und für alle anderen, die mit großen und kleinen Sorgen und Nöten zu ihr kamen. Für jeden hatte sie ein freundliches Wort, ein freundliches Lächeln. Kein Hadern mit Gott, kein Klagen über ihr eigenes Leid kam je über ihre Lippen.

T.Ewerts.: Ich begreife nicht, dass du immer so zufrieden und geduldig sein kannst.

Mutter: Denen, die Gott lieben, müssen alle Dinge zum Besten dienen. Er legt auf keine Schulter mehr, als sie tragen kann. Wie deine Tage, so deine Kraft, und unter dir sind ewige Arme. Und habe ich nicht allen Grund, dankbar zu sein? Ich habe ein Heim, einen guten Mann, brave Kinder. Und nun tut mir der Herr noch eine Ehre an und nimmt mich besonders. Nun können meine Lieben nicht nur besser mit mir reden, sondern auch Er mit mir und ich mit Ihm.

Erzähler: Ja, das merkte man der Mutter oft an, wenn sie, das Gesicht zum Himmel hinauf gewandt, still dasaß, dass sie mit Ihm Zwiesprache hielt. Die sichtbare Welt war für sie erloschen, aber die unsichtbare Welt wurde ihr immer klarer. Von einer Klarheit zur anderen wurde sie geführt.
Sie hat ihren Kindern immer so wunderschön die biblischen Geschichten erzählt. Nun aber war es, als sähe sie das Heilige Land, die Gestalten und den Herrn Jesus leibhaftig vor sich, so lebhaft und anschaulich berichtete sie davon. Eine ihrer liebsten Geschichten war die Auferweckung des Töchterleins des Jairus.

Mutter: Denkt euch, sie schaute beim Erwachen zuallererst in des Herrn Jesu Antlitz. So werde ich es auch erleben!
Ich aber will schauen Dein Angesicht in Gerechtigkeit; ich will satt werden, wenn ich erwache, an Deinem Bild.

Annchen: Aber noch nicht, noch nicht!

Mutter: Nein, noch nicht, Kleines. Ihr braucht mich ja noch!

Erzähler: An einem Frühlingsnachmittag schickte der Großvater Bescheid, er wolle von Mutter Abschied nehmen. Auguste half Mutter bei Ankleiden, während Annchen sich freute, die Mutter führen zu dürfen. Als sie beim Großvater angekommen waren, setzte sie sich auf sein Bett und streichelte seine welken Hände.

Mutter: Ach Vater, wie gern würde ich noch einmal dein liebes Gesicht sehen! Aber damit muss ich mich wohl noch gedulden!

Großvater: Liebes Kind, ich habe Lust abzuscheiden und bei Christus zu sein, ich bin des Treibens müde!

Mutter: Ach, Vater, ich bin auch oft so sterbensmüde. Meine Füße wollen auch nicht mehr! Sie sind so geschwollen. Aber mein Mann sagt, es käme daher, dass ich mich nicht mehr so bewegen könne wie früher. Das Stubenhocken machte mich müde. Im Sommer, wenn ich wieder draußen sitzen kann, ginge es besser. Ich sehe ja so gesund und blühend aus und wäre noch jung.

Großvater: Ich habe dich rufen lassen, weil ich noch einiges mit dir zu besprechen habe; denn wer weiß, wie nahe mir mein Ende. Annchen, geh hinaus, zu Tante Berta!

Erzähler: So weiß niemand, was die beiden Lieben noch zuletzt hier auf Erden miteinander geredet haben.
Als am anderen Morgen Auguste wie immer in Mutters Schlafzimmer ging, um ihr beim Ankleiden zu helfen, lag Mutter bewusstlos vor dem Bett. Und damit begann Mutters letzte Leidenszeit, die zugleich auch eine unvergessliche Segenszeit für alle wurde.
Ihr Krankenzimmer wurde für die Kinder eine Stätte des Friedens, ja ein heiliger Ort. Trotz Atemnot und Schmerzen verließ sie auch hier ihr gütiges Lächeln nicht. Oft strich sie ihre Kinder nacheinander über die Köpfe, die Gesichter und sagte: „Das ist Karl, das ist Alwine, das ist Annchen, das ist Hermann!“ Und dann hatte sie für jedes ein Segenswort wie einst der Vater Jakob vor seinem Scheiden. Und die Herzen öffneten sich ihr immer weiter. Karl gelobte kniend, als ältester Sohn niemals seine Geschwister im Stich zu lassen. Mutter ahnte wohl schon, dass der Vater auch nicht mehr lange leben würde.

Auguste: Bei mir ist immer Platz für meine Geschwister! Sie sollen alle bei mir eine Heimat haben! Ich sorge dafür, dass ich auch ein sonniges Haus habe!

Mutter: Du sollst nicht bloß ein sonniges Haus haben, sondern alle zehn! Denk einmal: wir waren eine fröhliche Familie, daraus sollen zehn fröhliche Familien werden!

Hermann: Und später werden es dann hundert und dann tausend! Und dann können wir alle zusammen singen:
Himmelan zieht alles Volk des Herrn!

Mutter: Himmelan! Das sollt ihr mir jetzt auch singen!

Erzähler: Am Tag darauf erhielten sie die Nachricht, dass der Großvater sanft entschlafen wäre.

Mutter: Wie schön! Jetzt ist er bei Jesus!

Erzähler: In den nächsten Tagen lag sie sehr still, sie flüsterte nur noch. Am Abend vor Ostern waren alle wie jeden Abend an ihrem Bett versammelt und sangen ihr auf ihren Wunsch Auferstehungslieder. Durch das geöffnete Fenster drang der Klang der Festglocken aus dem Tal. Da richtete sich Mutter plötzlich auf, streckte beide Hände aus und rief laut:

Mutter: Ich sehe – ich sehe Ihn! Nun ist der Heiland da!

Erzähler: Dann sank sie zurück, faltete die Hände, noch ein tiefer Atemzug, und die Mutter war bei Ihm, nach dem sie sich ihr ganzes Leben lang gesehnt hatte. Die Kinder hatten auf Erden keine Mutter mehr; aber dieser Eine blieb bei ihnen, der tröstet wie einen seine Mutter tröstet. Und mit Seiner Hilfe haben sie ihr Versprechen gehalten: aus einem sonnigen Haus entstanden zehn sonnige Häuser, zehn fröhliche Familien!

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