Ehealltag, ein christliches Anspiel zur Hochzeit für 7 Personen
Sprecher: An einem Montagmorgen, eigentlich ein Tag wie jeder andere auch, der sich im Grunde nur darin unterscheidet, dass es außergewöhnlich stark regnet, unterhalten sich mehrere Männer in ihrer Frühstückspause über ihre täglichen Erlebnisse.
Petro: Endlich mal wieder Pause. In dieser Kolchose ist es ja bald nicht mehr zum aushalten.
Gregor: Du nimmst mir die Worte aus dem Mund. Und wenn ich mir jetzt noch mein Butterbrot angucke…also meine Frau hat ja wieder mächtig mit der Butter gespart. Aber die lässt sich ja nichts sagen. Sobald ich ihr dieses vorhalte, brüllt sie mich an, dass ich immer nur an mich denke, anstatt sie und die Kinder auch mal zu berücksichtigen, und froh sein sollte, dass sie mir überhaupt die Brote schmiert..
Aron: Gregor, du hast gut reden, guck dir mal meine Wurst an, ich muss immer die Reste essen. Und wenn ich mich mal beschweren will, platzt meiner Frau, ohne es vorher anzumelden, in einem Augenblick der Kragen. Ich geh natürlich sofort auf Stellung ”Gegenangriff” und schon donnert es bei uns.
Petro: Ach, ihr kennt diese Probleme auch? Bei uns kommt schon Hochspannung auf, wenn eine Tür zu laut knallt. In solchen Situationen fühle ich mich in der Kolchose manchmal wohler.
Aron: Du Sergej was bist du so ruhig, erzähl nur was du für seltsame Erfahrungen mit deiner Frau hast. Du weißt ja Frauen sind unberechenbar…oder nimmst du sie etwa in Schutz?
Sergej: Tut mir leid ich kann leider nichts zu eurem Thema beitragen. Mit meiner Frau kann man sich nicht streiten.
Gregor: Wie bitte? Das kannst du uns doch nicht erzählen. Es reicht doch schon eine etwas unsinnige Aussage und der Streit ist schon voll in Fahrt. Weil die Frauen ja sowieso immer alles besser wissen wollen.
Petro: Das kann ja wohl nicht sein. Erzähl ihr einfach du hättest heute, wo es so stark regnete, das Wasser bergauf laufen sehen und du wirst dein blaues Wunder erleben.
Aron: Genau, sie sagt natürlich genau das Gegenteil und schon ist der Streit da.
Sergej: Nein, es ist einfach aussichtslos für einen Streit bei uns. Mit ihr kann man sich einfach nicht streiten.
Petro: Los ein Versuch ist es wert. Du wirst sehen morgen kannst du bei unserem Thema mitreden. Bei so einer Aussage muss sie einfach widersprechen. Und dann hast du sie.
Sprecher: Mit diesem Gespräch und gleichzeitigem Beschluss geht die Pause und nach einigen weiteren Stunden auch der Arbeitstag zu Ende.
Sergej, der sich das Gespräch, mit seinen Arbeitskollegen noch einmal ins Gedächtnis ruft bekommt bei dem Gedanken, seiner Frau mit so einer unsinnigen Aussage gegenüber zu treten, ein etwas mulmiges Gefühl. Doch er möchte zum einen sein Gesicht bei seinen Kollegen nicht verlieren und zum anderen wäre er auch mal ganz froh, wenn er mal mitreden könnte. So nimmt er es sich fest vor, es wenigstens auf einen Versuch ankommen zu lassen.
Frieda: Hallo, Sergej. Schön das du da bist. Das Essen ist gleich fertig. Du kannst schon zu Tisch kommen.
Sascha: Papa, als Mama mich heute aus der Schule geholt hat, regnete es so sehr, dass wir ganz nass wurden.
Sergej: Bei uns regnete es sogar so sehr, dass das Wasser bergauf lief.
Sascha: Aber Papa das geht doch gar nicht!
Sergej: Warum soll das nicht….
Frieda: (unterbricht ihn) Wie war es heute auf Arbeit, Sergej? Gibt es Neuigkeiten?
Sergej: Und ich sage dir, es goss heute wie aus Eimern. Wirklich unglaublich wie das Wasser heute…
Sascha: Papa, das Wasser kann doch gar nicht bergauf fließen.
Frieda: Du deine Eltern haben uns heute eingeladen. Wir sollen zum Abendbrot vorbeikommen.
Sprecher: Sergej stutzte ein wenig bei diesen Worten seiner Frau. Sie ignorierte seine Aussage, die ja eigentlich wirklich keinen Sinn hatte, einfach. Es überkam ihm nun selbst ein leichtes Schamgefühl. Und bei dem Gedanken daran, dass er die Aussage in der Anwesenheit seines Sohnes ausgesprochen hatte schoss ihm plötzlich sein Blut in den Kopf, so dass er rot anlief. Er musste an seine Arbeitskollegen denken, und konnte es nicht verstehen, wie man in der Lage sein konnte sich über so banale Dinge zu streiten.
Er bemerkte, wie seine Frau ihn von der Seite beobachtete und ein wenig schmunzelte, doch ließ er sich nichts anmerken und versuchte anschließend seinem Sohn klarzumachen, dass die Geschichte mit dem aufwärtsfließenden Wasser nur als Test für seine schulischen Kenntnisse diente.
Am nächsten Tag trifft Sergej, wie in jeder Pause, seine Arbeitskollegen, die nur darauf warten, was er ihnen zu berichten hat.
Petro: Na, wie war´s? Du siehst ja gar nicht gut aus.
Gregor: Nach deinem Gesichtsausdruck zu urteilen scheint unser Vorschlag ja geklappt zu haben.
Sergej: Ach wo!! Hab´ nur ein bisschen schlecht geschlafen.
Aron: Wie? Dann hat´s ja doch geklappt. Du hast dich zum ersten Mal mit deiner Frau gestritten und schon konntest du nicht schlafen.
Sergej: Tut mir leid Freunde. Ich muss euch leider enttäuschen. Es bleibt dabei: Mit meiner Frau kann man sich nicht streiten.
Petro: Wieso, was hat sie denn gesagt?
Sergej: Garnichts. Sie hat mich – oder viel mehr – meine seltsame Aussage einfach ignoriert und hat lediglich das Thema gewechselt. Also ich sage euch ich kam mir vielleicht albern vor.
Aron: Du hast vielleicht aber auch eine hartnäckige Frau.
Sergej: Nein, das stimmt nicht. Sie ist weniger hartnäckig als viel mehr gläubig.
Gregor: Gläubig? Was soll das denn heißen.
Sergej: Ja, sie ist eine echte Christin. Ihr Verhalten habe ich schon oft bewundert.
Gregor: Hey! Nun mach mal einen Punkt. Sie ist ja auch nur ein Mensch. Wenn der erste Versuch, der nun wirklich nicht sehr durchdacht war, nicht geklappt hat, dann fahren wir eben etwas schärfere Geschütze vor.
Aron: Genau. Das würde ich auch vorschlagen. Das kann doch nicht an ihren lächerlichen Glauben liegen. Ich wette mit dir, wenn du heute wieder mit irgendeiner komischen Idee ankommst, und das vielleicht noch über mehrere Tage hinweg ausweitest, dann platzt auch ihr eines Tages der Kragen.
Sergej: Das glaub ich nicht. Die kenn ich schon zu gut.
Gregor: Sergej, pass mal auf ich habe da schon so eine Idee.
Heute regnet es noch stärker als gestern und in diesem Regen und der vermatschten Straße mag man ja gar nicht aus dem Haus, und die Frauen erst recht nicht. Sag ihr doch einfach, dass du deinen Bruder im Nachbardorf besuchen willst. Das sind ja ungefähr drei Kilometer und wenn ihr die dann zu Fuß zurücklegt…
Aron: Hey Gregor! Das ist ja wirklich eine gute Idee. Also meine Frau würde mir erst einmal alle Argumente aufzählen die dagegen sprechen. Es wäre ihr zu nass, zu spät und der Weg viel zu lang.
Sergej, das musst du unbedingt ausprobieren, sowas macht doch keine gescheite Frau mit.
Sergej: Ok! Ihr habt mich überzeugt. Ich werde es noch einmal versuchen.
Sprecher: Mit diesem Gespräch gingen die Männer auch auseinander. Jeder malte sich die Reaktion der eigenen Frau aus, und fragte sich ob der Glaube wirklich derartige Auswirkungen, wie Sergej sie schilderte, haben konnte. Selbst Sergej war auf die Reaktion seiner Frau gespannt.
Als er nach Hause kommt steht das Essen schon auf den Tisch und seine Frau begrüßt ihn in ihrer üblichen freundlichen Art.
Frieda: Hallo Sergej. Schön das du da bist. Ich habe mir schon ein wenig Sorgen gemacht, bei dem starken Regen.
Sergej: Hallo Frieda. Ach, der Regen schadet nicht. Ich dachte wir gehen gleich nach dem Essen zu meinem Bruder Friedrich und statten ihm mal einen Besuch ab. Ich muss nämlich unbedingt mit Friedrich Schach spielen. Bisher hat immer nur er gewonnen. Du kannst ja dein Strickzeug mitnehmen.
Frieda: Dann sollten wir uns aber beeilen, damit es nachher nicht zu spät wird.
Sprecher: Sergej bleibt fast die Luft weg. Damit hat er nicht gerechnet. Sie ist einverstanden. Dabei versteht er sich mit seinem Bruder Friedrich gar nicht so gut. Zudem hat er schon allein des Wetters wegen keinen Drang seine Füße vor die Haustür zu setzen. Aber er hat sich den Brei eingerührt und muss ihn nun auch löffeln.