Feb 17 2008
Jesus am Kreuz
Jesus am Kreuz, ein christliches Gedicht zum Thema Jesu Leiden
Sieh dort die dichte Menschenmenge,
die sich zum Fuß des Kreuzes drängt;
und eine Flut von Lästerworten
ins Herz des treuen Meisters senkt!
Er straft sie nicht - mitleidend, bittend
blickt Er empor, o hört Ihn nun:
„Mein Vater, ach, vergib Du ihnen,
sie wissen ja nicht, was sie tun."
Es rührt nicht ihre harten Herzen,
sie fahren fort mit ihrem Spott!
Und doch ist Einer, der betroffen
sein suchend Auge hebt zu Gott.
Ein Schächer fühlt die Macht der Liebe,
er wagt’s, den Retter anzufleh’n:
„Ach, lieber Herr, gedenke meiner,
wenn in Dein Reich Du wirst eingeh’n! "
Ein armer Schiffer ist gestrandet,
doch in der Nacht winkt ihm ein Stern!
Den kurzen Rest des armen Lebens
bringt er nun schüchtern seinem Herrn!
Wird Er den armen Schächer achten,
Er, selbst am Kreuz in Schmach und Pein?
Gottlob, Er spricht: „Du wirst noch heute
mit Mir im Paradiese sein!"
Der Heiland sieht, wie unter’m Kreuze
die liebe Mutter weinend steht.
Er will sie trösten, für sie sorgen,
daß es auch ihr noch wohl ergeht.
Drum spricht Er, zu Johannes blickend:
„Sieh, Mutter, das ist nun dein Sohn!"
„Und dies, mein Freund, ist deine Mutter,
versorg sie, einst wird dir der Lohn."
Die Hitze steigt, die Qualen wüten
und grausig zuckt’s durch jedes Glied!
„Mich dürstet", ruft der heilge Dulder
und schmerzlich sich Sein Mund verzieht!
Ihn dürstet! Der die Welt erschaffen!
Ihn dürstet! Der des Himmels Zier!
Ihn dürstet! Doch nicht nur nach Wasser,
es dürstet Ihn nach dir und mir!
Kein Wunder, daß sich jetzt die Sonne
in einen dunklen Schleier hüllt,
und daß ein namenloses Grauen
das ganze Weltenreich erfüllt!
Horcht! Hört ihr den Angstschrei Jesu?
Wie schnürrt es Ihm das Herze zu!
„Warum hast Du auch mich verlaßen?
Mein Gott, mein Gott! Warum auch Du?"
Gott hat den Jammerschrei gehört,
Er blickt den Sohn in Gnaden an.
Die Wolken brechen, und die Sonne
läuft majestätisch ihre Bahn!
Der ewge Tag ist angebrochen,
vorbei des Teufels finstre Macht.
Denn triumphierend ruft nun Jesus:
„Es ist vollbracht, es ist vollbracht!"
Nach schwerem Kampf - ein stiller Friede.
Nach Sturm und Wetter - sanfte Ruh.
So winkt dem lebensmüden Pilger
die Abendsonne freundlich zu!
„Mein Vater, meinen Geist befehle
Ich jetzt in Deine treue Hand!"
So schloß der Heiland hier Sein Leben,
so ging Er heim ins Vaterland.
