Feb 04 2008
Kein leichter Sieg
Kein leichter Sieg, eine christliche Kindergeschichte
Unbemerkt verwandelte sich der warme Sommer in den Herbst. Weiße Nebelschleier umhüllten das Land. Es wurde kalt und feucht. Das Singen der Vögel verstummte und der Hahnenschrei am frühen Morgen war nicht mehr zu hören. Frohe Kinderstimmen erfüllten an diesem frühen Morgen wieder die Straßen, denn die Schulzeit begann.
“Anna, warte auf mich!”, rief Lena ihrer Freundin nach.
Fröhlich begrüßten sich die Freundinnen.“Das ist heute aber ein starker Nebel!”, sagte Anna.
“Du hast recht, die nächste Wegbiegung ist von hier noch nicht einmal zu sehen”, erwiderte Lena und fügte etwas besorgt hinzu: “Hoffentlich passiert uns nichts.”
“Ach was, den Weg zur Schule kenne ich mit geschlossenen Augen.”
„Anna, sag mal, fürchtest du dich nicht etwas, heute, nach dem gestrigen Vorfall, zur Schule zu gehen?” Lenas Stimme klang ängstlich. Wie gut wäre es, wenn Glaubensfreiheit in der Schule herrschen würde.
Während sie ihren Gedanken nachhingen, wurden sie von Heinrich erschreckt. “Hallo, ihr Träumer!”, rief er ihnen fröhlich zu. “Ihr denkt wohl noch an gestern, was?”
“Ja, so etwas vergisst man nicht so schnell”, antwortete Lena.
“Hallo, ihr Gottesanbeter!“, begrüßte sie plötzlich ein Junge. “Fromme Steinzeitleute.” Anna und Lena machten den Weg frei, um einige Jungen ihrer Klasse vorbei zu lassen.
“Habt ihr heute auch schon gebetet?“ So schrien ihnen die Jungen nach. Still gingen die drei weiter. Trotz der Verleumdungen wurden sie nicht ärgerlich.
Nun erblickten sie auch Lydia, die am Tor ihres Hauses schon auf ihre Freunde wartete. “Guten Morgen, rief sie ihnen fröhlich entgegen, ” ich bin gespannt, was uns heute erwartet?“
“Abwarten“, sagte Heinrich, “bestimmt nichts Schlimmeres als gestern.“
So fing das neue Schuljahr an. Heinrich, Anna, Lena und Lydia wollten nicht, wie die anderen Kinder, Pioniere werden. Sie wussten, dass sie als Pioniere keine Schwierigkeiten und Probleme mehr in der Schule haben würden. Das würde aber bedeuten, Gott zu verleugnen. Immer wieder versuchte man sie zu überreden. Wie würden sie sich entscheiden? Würden sie sich entscheiden, Gott in allen Umständen des Lebens treu zu bleiben, dann mussten sie damit rechnen, dass sie verlacht und verspottet würden. Sie wussten aber auch, dass Gott ihnen in allen Situationen beisteht und sie für ihre Treue belohnen wird. Und sie wussten auch, dass die Gemeinde mit ihren Gebeten hinter ihnen steht. In ihren Herzen hatten sie sich fest entschlossen: Sie wollten Gott dienen.
Nach der ersten Schulstunde wurden sie schon in das Zimmer vom Direktor gerufen. Der Direktor und zwei Lehrerinnen warteten dort auf die Kinder. Sie wurden freundlich aufgefordert, sich zu setzen.
“Heinrich, setz dich doch etwas näher an den Tisch. Es könnte ja sein, dass du später auch einmal ein Direktor wirst“, schmeichelte der Direktor.
“0, ja. Sicherlich“, äußerte sich eine Lehrerin dazu. “Er lernt sehr gut, besonders in Mathematik ist er sehr hervorragend.“
„Lena, wie sieht es mit dir aus. Du würdest doch bestimmt eine gute Lehrerin werden”, sagte nun auch die andere Lehrerin. Heinrich und die Mädchen schauten sich unsicher an. Die Lehrerinnen und der Direktor versuchten, sie mit verschiedenen Methoden aufzuheitern, aber der Blick der Kinder blieb ernst und fest.
„Ich freue mich, euch zu sehen!” Der Direktor richtete noch einmal das Wort an die Kinder … Seit dem vergangenen Sommer seid ihr nun schon älter und reifer geworden, deshalb möchte ich mit euch, wie mit Erwachsenen sprechen. Die Kinderspielereien hören jetzt auf. Ihr werdet nun Pioniere und wir werden gemeinsam für die helle Zukunft kämpfen!”
Sein erregter, zorniger Blick streifte nun die Kinder, während er hastig in seinem Kalender blätterte.
“Dieser Glaube an Gott ist nur etwas für Alten. Seht euch nur mal eure Eltern an, wie rückständig sie sind. Im Fernsehen wird berichtet, dass Menschen ins Weltall fliegen. Viele Experimente haben schon bewiesen, dass es keine Existenz Gottes gibt. – Nun Kinder, lasst alle Vorurteile fallen und tretet als Pioniere ein und später ins Komsomol. Nach der Schule geht ihr ins Institut oder auf die Universität. Ich versichere euch:
Ihr werdet euch nicht nur einmal an meine Worte erinnern und mir von Herzen dankbar sein, dass ich euch auf den richtigen Weg verhalf.”
„Der richtige Weg führt in den Himmel und nicht in die Hölle”, schoss es aus Heinrich heraus, der nicht mehr schweigen konnte.
Spöttisch erwiderte der Direktor: “Nur Flugzeuge und Raketen fliegen in den Himmel. Es ist sogar möglich, dass auch du am Bau einer Rakete beteiligt werden könntest, wenn du die Schule beendet hast.”
„Wie ist es mit euch Mädchen, habt ihr euch entschlossen, Pioniere zu werden?” Die Lehrerin schien nun ihre freundlichste Miene aufzusetzen: Ihr dürft euch jetzt selbst entscheiden, unabhängig von den Eltern. Sie können ruhig an Gott glauben. das verbietet ihnen keiner.”
„Wir werden auch glauben”, flüsterte Anna und blickte die Freundinnen fragend an. Sie nickten alle zustimmend mit dem Kopf.
„Wir werden auch … “, äußerte sich gerade Anna schüchtern, aber der Direktor fiel ihr ins Wort:
„Begreift ihr denn nicht, dass das Unsinn ist? Diese Fanatiker haben es in eure Köpfe eingehämmert. ”
Laut schimpfend und fluchend wurden die Kinder aus dem Zimmer gewiesen.
Lange saß der Direktor noch mit den beiden Lehrerinnen zusammen, sie mussten die Dinge noch genau besprechen.
Einige Tage später sagte die Lehrerin:
„Lena, in der großen Pause wirst du beim Direktor erwartet!” Lena seufzte tief, aber als sie den aufmunternden Blick von Anna sah, lächelte sie. Nach der Mathematikstunde ging sie zum Direktorzimmer.
„Mit Gott”, wünschten ihr Lydia und Anna. Heinrich schaute ihr besorgt hinterher.
Das Gespräch sollte diesmal sehr kurz sein.
„Hier hast du ein Blatt Papier, Lena”, sagte der Direktor streng. “Schreibe, dass deine Eltern dich zwingen, zur Kirche zu gehen und dir nicht erlauben, Pionier zu werden.” Nervös fing Lena an, mit ihrem Taschentuch zu spielen, den Kugelschreiber rührte sie nicht an.
„Wenn du es nicht schreibst, dann entzieht die Schulkommission deinen Eltern das Erziehungsrecht und du kommst in ein Internat. Dann kannst du sicher sein, dass du dann doch ein Pionier wirst. ..
Lena hielt es nicht mehr aus. Die Tränen rollten ihr die Wangen hinunter. Sie wollte schon laut aufschreien: „Papa zwingt mich doch nicht zur Kirche zu gehen.” Aber ein schrecklicher Gedanke hielt sie davor zurück. „wenn sie mich wirklich in ein Internat stecken.” Sie erinnerte sich an die Worte der Lehrerin.“Es verbietet dir doch keiner, nicht mehr an Gott zu glauben. Glaub so viel du willst, das Halstuch stört dich doch nicht dabei.” Unsicher schaute Lena den Direktor an. Ein starker Kampf fand in ihrem Herzen statt. “Nein, es ist nicht wahr!”, entschied sie sich … Wie könnte ich ein Pionier werden, wenn ich Gott angehöre? Nein, ich werde es nicht machen.” Eine andere Stimme flüsterte ihr zu: “Gott braucht so eine wie dich nicht. Du bist nicht besser als die anderen Schüler. Du sprichst nicht die Wahrheit. Du bist zornig. Wenn es nicht so geht, wie du es willst, ziehst du dich schmollend und beleidigt zurück. Bist du da wirklich noch ein Kind Gottes?”
Die Stimme des Direktors machte ihren zweifelhaften Gedanken ein Ende.
“Nun, möchtest du das Halstuch tragen?”, fragte er jetzt etwas freundlicher. Etwas zaghaft und unsicher nickte Lena. Das Halstuch brauchte sie ja nicht zu stören, weiter an Gott zu glauben. Ein sieghaftes Lächeln machte sich auf dem Gesicht des Direktors breit. “Du bist ein vernünftiges Mädchen. So solltest du es immer machen. Ich habe schon gehört, dass du sehr fleißig bist. Du wirst die Schule bald mit einer goldenen Medaille abschließen.”
Lena verließ müde und bedrückt das Direktorzimmer. Auch Anna, Lydia und Heinrich wurden zum Gespräch gebeten. Zufrieden mit sich selber saß der Direktor noch eine Zeitlang an seinem Schreibtisch. Nur Heinrich konnte er nicht überreden, er würde das Halstuch, als Zeichen zum Pionier, nie tragen.
Schon am nächsten Tag sollte die feierliche Versammlung der neuen Pioniere stattfinden.
“Kinder, morgen werden Anna, Lydia und Lena als Pioniere eintreten!”, vermeldete die Lehrerin fröhlich ihrer Klasse, “Kommt morgen alle in eurer Festtagsuniform.”
“Na endlich”, hörte man ein Mädchen aufatmen sagen.
“Das sollten sie schon lange gemacht haben”, sagte eine andere.
Verzweifelt und bedrückt ging Lena heute nach Hause. Dieses Versagen lastete wie ein schwerer Stein auf ihrem Herzen. Eine innerliche Unruhe quälte sie. Voller Bitterkeit dachte sie an das Gespräch mit dem Direktor … Warum habe ich mich
bloß überreden lassen?”, tadelte sie sich selbst. “Heinrich hat es richtig gemacht, er hat seinen Glauben nicht verleugnet. Und ich will noch eine Christin sein, wo ich mich fürchte, es vor der Welt zu zeigen?” Es schmerzte sie sehr, dass sie Jesus heute traurig gemacht hatte. Sie fürchtete sich nun, nach Hause zu kommen, aber auf der Straße wollte sie heute auch von niemand gesehen werden. “Was wird Mama sagen?”, dachte Lena. “Und Papa? Sie werden traurig sein, dass sie so eine kleingläubige Tochter haben. Wie kann ich jetzt mit so einem Gewissen in die Kirche gehen.”
Bevor Lena am Abend dieses Tages schlafen ging, fiel sie auf ihre Knie und betete zu ihrem himmlischen Vater: “Jesus hilf mir. Ich habe Angst ins Internat zu kommen, aber ich möchte auch kein Pionier werden. Vergib mir, dass ich Dich heute verleugnet habe. Hilf mir, bitte, ein wahrer Christ zu sein.” Lange konnte sie nicht einschlafen. Ihre Gedanken flogen hin und her, sie peinigten und verurteilten sie. In ihrer Verzweiflung flüsterte sie immer wieder: “Jesus hilf mir, bitte!”
Der neue Tag brach an und damit auch die Festtagsversammlung.
“Liebe Schüler und Schülerinnen “, begrüßte die Pionierleiterin die Kinder. “Wir haben heute ein besonderes Fest. Anna, Lydia und Lena werden nun auch Pioniere. Wir wollen sie dazu beglückwünschen.” Fröhlich applaudierten die Kinder. Lena zuckte bei dem Jubel ihrer Mitschüler zusammen. Sie fürchtete sich. Sie schaute scheu zu Heinrich hinüber und ihre Blicke trafen sich. Seine Augen waren voller Enttäuschung und Mitleid zugleich. Ihr schien es, als würde er sagen: “Lena, wie konntest du das bloß machen?” Der Sturm in Lenas Herzen begann von neuem. Es schien ihr, als wäre ihr die Luft zum Atmen genommen. “Was für eine Schande. Wie konnte ich mich nur dazu entschließen.”
“Nein, ich werde mich nicht von Gott absagen, um in der Schule bessere Noten zu bekommen.” Lena schaute auf. Anna und Lydia wurde das Tuch schon um den Hals gebunden. Nun wurde Lenas Name aufgerufen.
“Was ist mit dir? Hast du es dir etwa anders überlegt?“ hörte sie die erstaunte Stimme der Pionierleiterin.
“Komm jetzt bitte nach vorne!”
Lena bewegte sich nicht, sie blieb ruhig auf ihrem Platz sitzen. Es wurde ihr plötzlich so leicht und froh ums Herz. Ich werde Gott dienen, wiederholte sie immer wieder in Gedanken. “Jesus hilf mir“. seufzte sie.
In der Klasse war es nun ganz still geworden. Lena saß ganz gelassen auf ihrem Platz und ihr Blick war fest entschlossen, als der Direktor auf sie zukam. Er versuchte ihr klar zu machen, was für eine Ehre es sei, ein Pionier zu werden. Aber sie ließ sich nun nicht mehr dazu überreden. Ihr Entschluss stand fest:
Nur Jesus. Ihm allein wollte sie angehören und mit seiner Hilfe rechnete sie nun.
Wie auf Flügeln getragen ging Lena heute nach Hause. Sie jubelte und jauchzte vor Freude. “Gelobt sei der Herr!”, sang sie fröhlich. “Ich will nur Dir dienen. Du hast mir geholfen, treu zu bleiben. Und Du kannst es auch so führen, dass ich nicht ins Internat komme.”
Ein befreiendes Gefühl durchströmte nun ihren Körper. der Druck auf ihrem Herzen war verschwunden. Warme Sonnenstrahlen der Liebe Jesu erfüllten ihr Herz. Diese Liebe wollte sie auch anderen weitersagen: – Jesus ist Sieger.
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