Jan 09 2008
Nach einer Prüfung kurzer Tage
Nach einer Prüfung kurzer Tage
erwartet uns die Ewigkeit!
Dort, dort verwandelt sich die Klage
in göttliche Zufriedenheit.
Hier übt die Tugend ihren Fleiß,
und jene Welt reicht ihr den Preis.
Wahr ist’s, der Fromme schmeckt auf Erden
schon manchen sel’gen Augenblick.
Doch alle Freuden, die ihm werden,
sind ihm ein unvollkommnes Glück:
Er bleibt ein Mensch, und seine Ruh’
nimmt in der Seele ab und zu.
Bald stören ihn des Körpers Schmerzen,
bald die Geräusche dieser Welt;
bald kämpft in seinem eignen Herzen
ein Feind, der öfter siegt als fällt;
bald sinkt er durch des Nächsten Schuld
in Kummer und in Ungeduld.
Hier such’ ich’s nur, dort werd’ ich’s finden;
dort werd’ ich, heilig und verklärt,
der Tugend ganzen Wert empfinden,
den unaussprechlich großen Wert.
Den Gott der Liebe werd’ ich sehn
Ihn lieben, ewig Ihn erhöh’n.
Da werd’ ich das im Licht erkennen,
was ich auf Erden dunkel sah,
das wunderbar und heilig nennen,
was unerforschlich hier geschah.
Da schaue ich mit Preis und Dank
Die Schickung im Zusammenhang.
Da ruft – o möchte Gott es geben! -
vielleicht auch mir ein Sel’ger zu:
Heil sei dir, du hast meinem Leben
den Weg zum Heil gewiesen, du!
Gott, wie muss dies Glück erfreun,
zum Heile einer Seele sein!
Was seid ihr, Leiden dieser Erden
doch gegen jene Herrlichkeit,
die offenbart an uns soll werden
von Ewigkeit zu Ewigkeit?
Wie nichts, wie gar nichts gegen sie
ist doch ein Augenblick voll Müh’.