Archive for Januar, 2008

Jan 24 2008

Ostern ohne Vater

Geschrieben von Christ under Kindergeschichten

Ostern ohne Vater, eine christliche Kindergeschichte

Glänzend, mit hellgrünem Gewand, vom Frühlingsregen durchnässt und von den Strahlen der Sonne durchwärmt, blühte die Natur in voller Pracht auf.
Es war Ostern. In einem christlichen Haus wird das Fest ganz besonders gefeiert. Im Haus und draußen wird alles in Ordnung gebracht. Die Mütter und Omas backen Kuchen, und die Kinder helfen fleißig mit.
Diese fröhliche Stimmung herrschte auch bei der Familie Kusnezow. Die Mädchen räumten im Haus auf und die Jungen den Stall und den Hof. Da alle Kinder ihre Arbeit mit Freuden taten, ging es bei ihnen recht schnell vorwärts.
Die Kusnezows hatten elf Kinder. Vor vier Jahren wurde der Vater an einem kalten Februartag verhaftet. Seitdem mussten die Kinder immer fleißig der Mutter helfen. Sie versuchten, stets gehorsam zu sein. Sie spürten, dass der Vater allen fehlte.
“Mutti, wann fängst du an zu backen?”, fragte Sina, als sie in der Küche den Fußboden wusch.
Trauer flimmerte in den Augen der Mutter, aber ruhig und zärtlich antwortete sie:
“Dieses Mal kann ich nicht backen Sina.”
Als die Mädchen das hörten, ließen alle ihre Arbeit liegen und sahen erstaunt auf ihre Mutter
“Warum denn nicht?”, fragte Irene.
“Ich habe kein Geld, um Mehl und Eier zu kaufen.”
“Aber zu Ostern haben wir bis jetzt immer Kuchen gebacken!”, sagte Sina und machte ein betrübtes Gesicht. “Ostern ist doch ein Fest!”
“Kinder, lasst uns mit dem zufrieden sein, was wir haben”, sagte die Mutter lächelnd.
“In anderen Ländern sterben viele Kinder vor Hunger. Auch unser Papa wird im Gefängnis oft nicht satt. Wir dagegen, Gott sei Dank, haben noch Brot und Kartoffeln.”
Viel langsamer ging jetzt die Arbeit der Mädchen. Sie wurden traurig. Sie wünschten sich doch alle so gerne die leckeren Kuchen der Mutter. Sie hatten immer schon zu Ostern viele Bonbons, Kekse und Kuchen gehabt. Außerdem bekamen sie oft zum Fest Päckchen mit Süßigkeiten von den Gläubigen. Aber die Kusnezows waren in diesem Frühling umgezogen. Ihre neue Adresse kannte noch keiner und das bedeutete, dass keiner sie zu Ostern gratulieren würde.
Das langersehnte Fest begann mit einem hellen, sonnigen Morgen.
“Christus ist auferstanden!”, begrüßte die Mutter fröhlich die Mädchen.
” Wahrhaftig auferstanden!”, war die Antwort darauf.
“Es ist schon Zeit zum Aufstehen!”, erinnerte die Mutter liebevoll und ging ins Zimmer der Jungen.
Als sie die Jungen auch mit dem frohen Ostergruß begrüßt hatte, ging sie in die Küche, um das Frühstück vorzubereiten.
Der Gottesdienst war an diesem Tag besonders festlich.

Nicht einmal die Verfolger störten sie, und so konnten die Kinder alle ihre gelernten Ostergedichte erzählen.
Nach dem Gottesdienst wollte keiner sofort nach Hause gehen. Die Erwachsenen begrüßten sich untereinander und unterhielten sich leise. Die Kinder plauderten auch untereinander und zeigten sich gegenseitig ihre Süßigkeiten.
Die Kusnezows aber standen an der Seite und beobachteten traurig die anderen Kinder. Sie hatten sich noch nicht mit allen angefreundet und hatten auch nichts, was sie den anderen
Kindern zeigen könnten, weil ihre Mutter zu diesem Fest nichts gebacken hatte.
Natürlich hatte die Mutter gemerkt, dass ihre Kinder sehr niedergeschlagen und traurig waren, und ihr tat das Herz weh.
Auf dem Weg nach Hause sagte Sascha beleidigt: “Sogar Sergejews haben heute genug Gebackenes!” Gekränkt stieß er einen Stein zur Seite und wollte noch etwas hinzufügen, aber die Mutter blieb plötzlich stehen und legte die Hand auf seine Schulter.
“Betrübe den Heiland nicht, mein Sohn”, sagte sie in einem weichen Ton. In dieser Zeit kamen die anderen Kinder näher. Die Mutter nutzte die Gelegenheit und erklärte:
“Alle Kinder haben Väter, die zu Hause sind und das Geld verdienen. Deshalb können sie alles kaufen, was sie wollen. Unser Vater ist im Gefängnis und leidet für das Wort Gottes. Zusammen mit ihm müssen wir Erniedrigungen, Mängel und sogar Spott erdulden. Kinder, aber das ist doch alles für den Heiland! Wir wollen nicht murren. Jesus verlässt uns nicht. Schaut mal, ihr habt alle Schuhe und Kleider und jeden Tag haben wir das Nötige, was wir brauchen.” Zärtlich blickte die Mutter auf ihre Kinder und führte sie langsam nach Hause. Plötzlich fragte sie nachdenklich:
“Habt ihr den Heiland gebeten, dass Er euch zum Fest Süßigkeiten schicken sollte?”
“Nein”, antworteten die Kinder und flüsterten verlegen untereinander.
“Ja, seht ihr und ihr seid noch beleidigt!”
Im Hof der Kusnezows war es sauber und gemütlich. Nach der Ostsitte wird in der warmen Zeit draußen gegessen. Nachdem die ältesten Mädchen sich umgezogen hatten, machten sie sich an die Arbeit, den Tisch zu decken.
Nach dem Mittagessen wurde an den Vater gedacht und an das bevorstehende Wiedersehen.
“Ich erzähle Papa, wie der Ostergottesdienst war!”, sagte Sascha, denn diesmal war er an der Reihe, mit der Mutter zu fahren.
“Und erzähle auch, wie du fast geweint hast, weil du kein Gebackenes bekommen hast!”, fügte Sina hinzu.
“Nein, das werde ich nicht erzählen”, entgegnete er.
Jch dachte nicht daran, dass wir für den Heiland leiden und alles erdulden müssen.”
Auf einmal bellte der Hund und Onkel Wanja, ein Prediger der Gemeinde, stand vor dem Tor. Peter, der Älteste, lief hin, um das Tor zu öffnen, aber Onkel Wanja kam nicht herein.
“Christus ist auferstanden!”, begrüßte er die Familie und übergab Peter einen großen Karton, dann verabschiedete er sich und sagte:
“Ich werde zum Mittagessen erwartet!”
Als die Kinder den Karton sahen, liefen sie Peter entgegen und fragten:
“Was ist denn da drinnen?”
Peter zuckte nur mit den Schultern und ging zum Tisch. Nur die Mutter wusste, um was es sich handelte. Sie legte ihre Hand auf den Karton und wartete bis die Kinder sich beruhigt hatten. Dann sagte sie traurig:
“Es schmerzte mich zu sehen, wie ihr gemurrt und unzufrieden ward, weil ihr keine Süßigkeiten hattet, wie die anderen Kinder.”
Die Kinder sahen die Mutter mit erwartungsvollen Augen an.
“Ich bat Gott um Vergebung, dass ihr euch so schlecht benommen habt und ich euch nicht rechtzeitig alles erklärt habe. Darum betete ich, dass der Herr euch Seine Gnade erzeigen soll, wie sehr Er euch liebt. Ich weiß zwar nicht, was drinnen ist und von wem das ist. Aber das eine glaube ich, dass Gott keinen verlässt, der Ihm vertraut.
Ich wünsche, dass ihr euch stets an diese Gnade Gottes noch lange erinnert. Ihr seid es nicht würdig, Geschenke zu bekommen, aber Gott liebt euch so sehr…“
„Ich möchte um Vergebung bei Gott bitten“, sagte Sascha kaum hörbar und senkte seinen Kopf.
Alle beugten ihre Knie. Der eine bat um Vergebung, der andere dankte Gott, dass Er Vergebung schenkt und sie bewahrt und ihnen aus seiner Liebe Geschenke gibt.
Im Karton waren viele Bonbons, Kekse, Nüsse und Schokolade. Natürlich hatten die Kinder die Süßigkeiten schnell verzehrt, aber die Erinnerung an die Gnade Gottes und seine Barmherzigkeit blieb in ihrer Seele für immer. Als sie dann größer wurden, übergaben sie ihr Herz Dem, Der sie in den schweren Jahren geführt und bewahrt und sie nie verlassen hatte. Sie dankten Gott, dass Er sie stets mit Seiner väterlichen Liebe versorgt hatte.

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Jan 21 2008

Hütet euch vor Unwahrheit

Geschrieben von Christ under Kindergeschichten

Hütet euch vor Unwahrheit, eine christliche Geschichte für Kinder

Martin hatte einen guten Freund, der Edward hieß. Sie waren in der Schule und zu Hause oft zusammen, auch im Gottesdienst saßen sie meistens nebeneinander. Weil Edward schlecht sehen konnte, trug er eine Brille. Martin dagegen konnte sehr gut sehen, aber er wünschte sich, auch eine Brille tragen zu dürfen.
„Wozu brauchst du eine Brille?“, fragte Edward verständnislos. „Weißt du, wie unbequem es mit einer Brille ist? Sie kann kaputtgehen oder man kann sie verlieren.“
„Aber dafür ist sie schön!“ Martin ließ nicht nach. „Man ist wie ein Professor – intelligent und wichtig.“
Ohne zu blinzeln, schaute Martin absichtlich lange auf das Licht. Er meinte, damit sein Sehen zu verschlechtern, aber umsonst – ihm kamen nur die Tränen und sehen konnte er immer noch gut.
Eines Tages fragte er seine Mutter:
„Mama, warum tragen nicht alle Menschen eine Brille?“
„Weil nicht alle schlecht sehen“, antwortete sie einfach, ohne auf die Frage Acht zu geben.
„Kaufe mir bitte auch so eine Brille, wie Edward sie hat!“, bat Martin seine Mutter.
„Wozu?“, fragte die Mutter verwundert. „Du kannst auch so gut sehen. Wenn du eine Brille tragen würdest, verschlechterte sich dein Sehen. Blind zu sein, ist sehr schwer, besonders in der Jugend.“
„Na und, ich würde gerne eine Brille tragen“, sagte Martin hartnäckig.
„Mein Sohn, seiner Gesundheit mutwillig zu schaden, ist eine Sünde“, warnte ihn die Mutter. „Gott gab dir ein gutes Sehvermögen, deshalb danke Ihm dafür und freue dich darüber.“
Aber Martin wollte sich nicht freuen. Er wurde ärgerlich und war mit der Erklärung seiner Mutter nicht einverstanden.

Eines Tages kam Martin aus der Schule und sagte:
„Mama, meine Klassenlehrerin will dich sprechen.“
„Was hast du wieder angerichtet?“ Die Mutter schaute ihren Sohn streng an. „Letzte Woche sprach ich doch mit ihr!“
„Ich habe nichts angestellt.“
„Und wie sind deine Noten? Bringe mir bitte dein Heft!“
Martin reichte seiner Mutter sein Heft und sah auf den Boden.
„Was soll denn das heißen?“, fragend schaute die Mutter Martin an. „Du machst keine Hausaufgaben mehr?“
„Ich sehe schlecht. Und was die Lehrerin an die Tafel schreibt, sehe ich überhaupt nicht.“, murmelte er leicht gehemmt.
Besorgt fragte die Mutter:
„Warum hast du es früher nicht gesagt?“
„Ich dachte, es vergeht.“
„Ist es schon lange so? Schmerzen dir die Augen?“
„Nein“, er schüttelte mit dem Kopf.
„Gut, wenn Papa kommt, sprechen wir darüber“, sagte die Mutter.
Als der Vater von der Arbeit kam, erzählte sie ihm sofort ihre Sorge:
„Martin kann sehr schlecht sehen, vielleicht sollten wir mit ihm zum Augenarzt gehen? Vielleicht verschreibt der Arzt Tropfen?“
„Ja, vielleicht sollte man auch gehen“. Der Vater war einverstanden. „Aber zuerst würde ich gerne mal mit ihm selber sprechen. Ich kann mich nicht erinnern, dass er sich wegen seinen Augen mal beschwert hatte.“
„Ich auch nicht“, bestätigte die Mutter. „Ich kann mich an derartiges nicht wirklich nicht erinnern.“
Nach dem Abendbrot rief der Vater Martin ins Wohnzimmer.
„Wie geht es dir, mein Sohn?“, fragte er ihn. „Schmerzen dir deine Augen?“
„Nein, ich sehe einfach schlecht.“
„Na gut, reiche mir bitte das Buch.“
Martin brachte das Buch.
„Siehst du diese Buchstaben?“, fragte der Vater und beobachtete aufmerksam seinen Sohn.
Martin kniff die Augen zusammen und führte das Buch ganz nahe zum Gesicht.
„So kann ich´s sehen, und so…“, er hielt das Buch etwas weiter weg: „Nicht.“
Schwer atmend ging der Vater hinaus. Nach einer Weile kam er mit einer Brille zurück.
„Versuch es mal mit dieser Brille! Vielleicht siehst du dann besser!“
Verlegen nahm Martin die Brille und setzte sie auf. Zufrieden griff er das Buch und rief froh aus:
„So sehe ich gut! Als ob ich keine Brille aufhätte!“
„Mein Sohn, warum lügst du?“, fragte der Vater ruhig und traurig.
Diese Frage hatte Matin nicht erwartet. Er lief im Gesicht rot an.
„Du weißt doch, dass eine jede Unwahrheit Sünde ist“, erinnerte ihn der Vater. „Gott sagte, dass der Lohn für die Sünde der Tod ist. Willst du wirklich verloren gehen? Diese Brille hat einfache Gläser, die weder vergrößern noch verkleinern.“
Langsam holte der Vater eine Rute.
„Ich muss dich bestrafen, mein Sohn“, sagte der Vater traurig und nachdenklich. „Das war nicht gut von dir.“
Martin schwieg hartnäckig. Als der Vater ihn strafte, weinte er leise vor Schmerzen, aber brachte kein Wort heraus.
„Überlege gut, was du getan hast“, sagte der Vater. „Ich möchte, dass du es verstehen sollst, dass du nicht nur uns betrübt hast, sondern auch Gott.“
Nach einer Zeit kam Martin schluchzend in die Küche.
„Vergib mir, Papa!“, er fiel dem Vater um den Hals. „Ich werde nicht mehr lügen!“
„Was  veranlasste dich, so zu lügen?“, fragte die Mutter verwundert.
„Ich wollte so gerne eine Brille haben. Und dann… Ich weiß selber nicht, wie es kam.“
„Ach so, jetzt kann ich mich erinnern, du sprachst mal davon…“, sagte die Mutter nachdenklich. „Aber habe ich dir nicht erklärt, dass eine Brille für gesunde Augen schädlich ist?“
„Ja, du hast es mir erklärt.“
„Siehst du, Martin, was das heißt, nicht zu glauben und nicht zu gehorchen“, sagte der Vater. „Das zog dich in die Unwahrheit und wenn es nicht ans Licht gekommen wäre, wäre noch eine, und noch eine, und noch eine Sünde dazugekommen und so weiter. Du hast dem Satan die Gelegenheit gegeben, in deinem Herzen das Regiment zu übernehmen. Er gab dir die Gedanken zum Lügen und du warst ihnen gehorsam. So entsteht jede Sünde wie Diebstahl, Unglaube, Trunksucht und viele andere.
Angefangen hat es ganz klein, Martin. Du wolltest wichtig und schön erscheinen. Liegt wohl in einer Brille Schönheit und Intelligenz? Nein. Alles, was hoch und wichtig bei Menschen ist, ist wertlos und nichtig vor Gott. Schön ist nur der Mensch, der ein reines Herz hat, in dessen Herzen Christus wohnt. In so einem Menschen spiegelt sich die Schönheit Jesu sowohl in Worten als auch in taten ab und das sollte unser höchster Wunsch sein. Jesum ähnlich zu sein, ist die beste Schönheit!“
Aufmerksam hörte Martin dem Vater zu. Ihm war es sehr peinlich, dass er gelogen hatte. Mit aufrichtigem Herzen bat er Gott um Vergebung und um Kraft, immer die Wahrheit zu sagen.
Nach dieser Begebenheit sind viele Jahre vergangen. Martin wurde groß und weihte sein ganzes Leben Dem, Der für seine Sünden am Kreuz gestorben war.
Später wurde Martin Gemeindeleiter einer großen Gemeinde. Er liebte Gott und diente ihm von Herzen. Oft warnte er seine Zuhörer:
„Hütet euch vor der Lüge! Denn es ist eine große Sünde!”

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Jan 21 2008

Gottes Bewahrung

Geschrieben von Christ under Kindergeschichten

Gottes Bewahrung, eine christliche Geschichte für Kinder

Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem Herrn: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe. Psalm 91, 1-2.

Es war keine Neuigkeit, dass bei Familie Baranow eine Hausdurchsuchung stattgefunden hatte. Die Kinder wussten genau, dass die Miliz nach oben steigen wird, um die Schlafzimmer durchzusuchen, wenn sie die untersten Räume, die Küche und den Abstellraum ganz genau durchgesucht hatten. Wenn sie aber weggehen werden, wird dir Mutter noch lange aufräumen müssen, weil die Miliz immer alles durcheinander bringt.
Diesmal beobachteten Mark, Paul, Maria und Viktoria die Milizbeamten. Sie wussten, dass oben in ihrem Schlafzimmer Anna war und wenn sie gefunden wird, wird sie sofort verhaftet. Sie wollten ihr gerne helfen, aber ein Milizbeamter befahl ihnen, auf den Stühlen sitzen zu bleiben und nicht aufzustehen, bis es ihnen erlaubt wird. Er selber stellte sich an die Seite und beobachtete, wie die anderen alles durchsuchten.
In einem Moment, in dem der Milizbeamte sich von ihnen wegdrehte, flüsterte Paul zitternd vor Angst:
„Beten wir!“
Jeder wusste, wofür sie beten sollten, und ungeachtet des Verbots knieten sie in einer Ecke nieder und beteten. Man konnte kein Wort verstehen, weil sich nur ihre Lippen bewegten. Aus den Augen flossen Tränen. In dieser Zeit stiegen alle Milizbeamten zu den Schlafräumen  nach oben hinauf.
Neben der Familie Baranow wohnte als Nachbarin eine gläubige alte Schwester, Oma Lena. Als sie das Auto von den Milizbeamten vor dem Haus ihrer Nachbarn sah, beeilte sie sich, durch den Garten zu ihnen ins Haus zu gelangen. Man konnte entweder durch die Küche oder durch den Garten nach oben gelangen. Schwester Lena wohnte gerade an der Seite des Gartens, an der die Treppe war.
„Sie sind bestimmt gekommen, um alles wieder durchzusuchen“, dachte sie und machte sich Sorgen: “Und was wird mit Anna?!“
Schon sehr früh am Morgen hatte Oma Lena gesehen, wie Anna mit zwei schweren Taschen zu der Familie Baranow gekommen war.
„Sie wird verhaftet werden“, seufzte die Schwester. „Und sie ist noch so jung, klein und schlank wie ein Kind!“
Leise schaute Oma Lena in ein Schlafzimmer. Im Bett lag jemand.
„Sie schläft bestimmt“, flüsterte sie leise. „Die Arme ist sicher sehr müde von der Reise und hat die ganze Nacht nicht geschlafen.“
Die alte Schwester schaute aufgeregt aus dem Fenster und hörte schon, wie jemand laut die Treppen hinaufstieg.
„Sie kommen!“
Sie zog ihr Kopftuch tiefer auf die Stirn, nahm unruhig die Schürze in ihre Hände und schluchzte:
„Hoffentlich berühren Sie das Kind nicht. Die Arme hat die ganze Nacht nicht geschlafen.“ Sie schluchzte noch einmal laut und wiederholte: „Berühren Sie bitte das Kind nicht. Sicher ist es eingeschlafen.“
„Wir werden es nicht berühren, lass es schlafen“, sagte plötzlich der Führende von den Beamten. „Wir werden Ihr Kind nicht antasten!“, sagte er schon ärgerlich und fing an, im Schrank alles durchzuwühlen. Bücher, Kassetten, und Fotos legte er an die Seite.

Aber Anna hatte nicht geschlafen. Sie hatte gesehen, wie ein Auto mit Milizbeamten vor dem Haus stehen geblieben war und wusste sofort, dass sie das Haus durchsuchen werden.
„Vielleicht kann ich durch den Garten zu den Nachbarn gelangen?“, kam ihr ein rettender Gedanke, aber ein anderer widerstrebte: “Da ist ein großer Hund. Die Beamten werden sofort auf das Bellen Acht geben.“
Eilig holte Anna aus der Tasche ihre Bibel, Papiere und Geld heraus. Dann nahm sie vom Tisch die große Tischbibel und steckte alles unter die Matratze. Dann flehte sie zu Gott um Bewahrung. Unter dem Schirm des Höchsten legte sie sich ins Bett und zog die Decke über ihren Kopf.
„Herr, Dein Wille geschehe!“, flüsterte sie von Herzen und horchte auf, ob die wohl Miliz schon nach oben kam.

Wie die Milizbeamten versprochen hatten, wurde das Kind der Oma nicht angetastet. Erst am Abend gingen die Beamten weg. Sie nahmen alles mit, was der Familie Baranow wert und teuer war: Kinderbücher, Hefte mit Gedichten, Liederbücher, Konkordanzen, Kassetten mit christlichen Liedern und sogar den Kassettenrecorder.
„Sie sind gegangen!“ Erleichtert seufzte Oma Lena auf und wischte sich heimlich die Tränen weg. „Ehre sei Dir, Herr! Du hast unsere Anna bewahrt!“

Nach einigen Minuten kamen Mark, Paul, Maria und Viktoria hergelaufen.
„Und wo ist Anna?“, hielt Mark es nicht mehr aus.
„Im Schlafzimmer“, sagte die Mutter, nahm Maria an die Hand und ging auch dahin.
„Es ist ein Wunder!“, freute sich Anna. „Wie konnte sie an mir vorbeigehen?“
„Wir haben dafür gebetet!“, bekannte Paul. „Wir haben alle in der Küche gebetet, dass Jesus dich bewahren soll!“
„Ich habe auch den Herrn darum gebeten“, fügte Oma Lena hinzu. „Es sind auch so schon genug Gefangene, und du bist noch wie ein Kind. Dem Herrn die Ehre, Er hat es nicht zugelassen.“
Die alte Schwester hatte noch nicht ausgesprochen, als sie unten schnelle Schritte hörten.
Die Tür fiel ins Schloss und jemand kam die Treppe hoch.
„Das ist Papa!“, schrie Paul. „Papa ist von der Arbeit gekommen!“
„Papa, komm schnell hierher!“, rief ihn Viktoria und lief ihm entgegen. „Papa, weißt du, unsere Anna wurde nicht mitgenommen!“
„Wohin? Wer?“ der Vater verstand nichts.
Alle Kinder erzählten durcheinander von der Hausdurchsuchung.
„Dem Herrn die Ehre!“, seufzte der Vater erleichtert. „Ich wusste nicht, dass bei uns eine Hausdurchsuchung stattfindet. Aber der Heilige Geist mahnte mich öfters, für euch zu beten. Ich machte mit über Anna Sorgen. Es tat mir leid, dass ich sie nicht zu Freunden weggefahren habe. Ich wollte, dass sie etwas ausruhen sollte. Ja, wir haben einen wunderbaren Gott! Wir wollen noch das Wort Gottes lesen und gemeinsam beten.“
„Wir haben aber keine Bibel mehr“, fügte Mark traurig hinzu.
„Wurde alles mitgenommen?“
Jetzt hob Anna die Matratze hoch und holte zur allgemeinen Verwunderung zwei Bibeln, eine kleine und eine große, heraus.
„Gott sei Dank!“ Der Vater nahm das Buch sorgfältig in die Hände, wischte eine Träne ab und sagte bewegt:
„Unser Gott tut Großes! Heute haben wir es gesehen, wie Gott seine Kinder wunderbar bewahrt. Es lohnt sich, dem Herrn zu vertrauen!
Ich lese einige Verse aus dem Evangelium Johannes 15: So euch die Welt hasst, so wisset, dass sie Mich vor euch gehasst hat… Gedenket an mein Wort, das Ich euch gesagt habe: Der Knecht ist nicht größer denn sein Herr. Haben sie mich verfolgt, so werden sie eures auch halten. Aber das alles werden sie euch tun um meines Namens willen; denn sie kennen den nicht, der Mich gesandt hat.
Christus hat nie verheißen, dass wir, die wir Ihm nachfolgen, es leicht im Leben haben werden. Er hat es vorausgesagt, dass wir gehasst werden. Uns tröstet, dass wir alles für unseren Herrn dulden, für Den, mit Dem wir einmal ewig herrschen werden.
Wir wollen noch beten und danken, dass Er Anna bewahrt hat und dass uns eine Bibel geblieben ist. Wir wollen Gott um Kraft bitten, die Schwierigkeiten geduldig auf uns zu nehmen und Ihm in allem treu zu bleiben. Amen.“

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Jan 20 2008

Damals in Jerusalem

Geschrieben von Christ under Ostern - Auferstehungsfest

Damals in Jerusalem, ein christliches Anspiel zu Ostern für 20 Personen

1. Szene

Hohepriester1: Komm herein. Ich fürchte, du warst nicht vorsichtig genug. Hat dich jemand gesehen?

Judas: Ich bin leise wie ein Fuchs geschlichen. Wer sollte auf mich schon achten? Das Volk drängt sich in den Straßen und denkt nur an das Fest, an gebratene Tauben und an die Lämmer, die geopfert werden. Wer achtet schon auf Judas der sich die Silberlinge holen will?

Hohepriester1: Sei nur ruhig. Du bekommst schon dein Geld. Aber sage mir, wo ist Jesus?

Judas: Er ist noch in dem selbem Haus am Kidronbach, das ich dir gestern beschrieben habe. Er hält mit den Jüngern ein Mahl und führt merkwürdige Reden von Abschied und Wiedersehen. So hat er z.B. einen Kelch genommen, hat alle daraus trinken lassen und gesagt, das sollten sie oft tun, ihm zum Gedächtnis. Werde einer klug daraus! Aber seltsame Sitten hat er ja schon immer gehabt.

Hohepriester1: So ahnt er etwas. Hast du ihm etwas von unserem Plan verraten?

Judas: Du meinst, ich werde zweimal zum Verräter? Schlimm genug, dass ich es einmal bin… Ich habe meinen Herrn verraten!

Hohepriester1: Sei still Judas. Für die dreißig Silberlinge hast du es doch gern getan. Ich wollte, es wäre längst vorbei und dieser Jesus endgültig weg aus dieser Stadt. Was muss er uns auch immer wieder stören! Das Volk läuft ihm hinterher, weil er allem Anschein nach Wunder vollbringt. Als ob das Volk nicht leicht genug zu narren wäre! Man glaubt ja so gern an Wunder. Weg mit ihm. Die Zeit drängt. Wäre er nur schon fort.

Judas: Ja, mich wundert euer langes Zögern. Die Nacht kommt rasch. Ihr müsst euch beeilen, wenn ihr ihn fangen wollt. Im Dunkeln geht das schnell und ohne Lärm. Und außerdem – der Ölberg liegt abseits, ist menschenleer und einsam. Dorthin wollte er jetzt gehen

Hohepriester1: Ich wünschte alles wäre schon vorbei. Du weißt, es ist gefährlich am Passahfest. Das Volk ist hitzig wie der Wüstensturm, wenn es sich so durch die Straßen wälzt. Wir müssen ihn gleich morgen töten, sonst ist es zu spät. Weiß die Stadt erst von dem Gefangenen, dann richtet sich die Wut vielleicht noch gegen uns. Ich ahne schon ihr Schreien: Er hat uns nur Gutes getan und ihr wollt ihn töten! – Ich muss gleich zu Pilatus, dass wir ihn schon morgen früh richten!

2. Szene

Claudia: Was ist Pilatus? Du bist so merkwürdig verändert, nachdem du eben wieder zurückgekommen bist. Wer kam denn noch zu dieser späten Stunde in den Palast?

Pilatus: Sei mir still. Mir schwillt noch jetzt vor Zorn die Ader. Kann das Judenvolk nicht allein besorgen, was ihm aufgetragen ist? Ich sagte es schon, als wir von Rom übers Meer herkamen: Dieses Land sei verflucht mit seinen heißen Winden, dem ungebärdigem Volk und den hitzigen Priesterköpfen.

Claudia: So sag doch endlich was dich so aufregt!

Pilatus: Der Hohepriester Kaiphas kam. Er war ganz aufgeregt und bat mich um Verzeihung, aber sie müssten morgen früh noch jemanden verurteilen und ich müsste mit auf den Richtplatz.

Claudia: Am Passahfest?

Pilatus: Das ist es ja. Ich habe so darauf gehofft, morgen etwas Ruhe zu haben – aber vergeblich. Es sei sehr dringend, behauptet Kaiphas. Dieser Mensch hätte sich schwer vergangen. Vor Sonnenuntergang müsste er weg. Das Volk soll möglichst nichts davon erfahren. Du weißt, die Juden geraten so leicht in Aufruhr und Zorn.

Claudia: Wen wollen sie denn so eilig kreuzigen lassen?

Pilatus: Du wirst ihn sicherlich nicht kennen Claudia. Er ist ein sonderbarer Mensch. Sie nennen ihn Jesus von Nazareth.

Claudia: Jesus…? Jesus von Nazareth?

Pilatus: Wie, du kennst ihn?

Claudia: Ich sah ihn gestern in der Unterstadt. Ich folgte unserer Magd durch die Straßen. Von Hitze und Lärm war ich so ermüdet, dass ich nicht darauf achtete, was um mich herum geschah. Da trieb mich der Menschenstrom zu den Treppen am Kidron. Dort standen und hockten sehr viele Menschen. Sie hörten einem Mann zu, den ich nicht sehen konnte, so dicht drängten sie sich. Von der Magd erfuhr ich dann, das sei Jesus, zu dem Kranke und viele Arme kommen und auch fast schäme ich mich es zu sagen Bettler, Dirnen und Zöllner. Er ist zu allen gut und redet so mit ihnen, dass ihm immer mehr folgen und gerne in seiner Nähe sind.

Pilatus: Aber er soll doch das Volk gegen Rom aufhetzen und über den Kaiser spotten.

Claudia: Wer sagt das?

Pilatus: Kaiphas!

Claudia: Das kann nicht wahr sein. Ich habe nämlich auch mit anderen gesprochen, die sich dort versammelt hatten. Sie erkannten mich zwar an meiner Kleidung als Römerin, aber alle sagten mir, das sei ein Mensch, der nur Gutes tut. Und schließlich sah ich ihn selber. Glaub mir Pilatus: So sieht ein Feind des Kaisers nicht aus.

Pilatus: Hat er nicht Macht in seinem Blick und in seinen Händen das Volk zu bannen und aufzuwiegeln?

Claudia: Ja, er hatte wirklich einen Blick der mich berührte. Aber das war keiner, der Feuer schürt oder Verschwörung lodern lässt. Pilatus, sage mir, was mit ihm passieren wird.

Pilatus: Ans Kreuz wollen sie ihn schlagen lassen.

Claudia: Und das erlaubst du? Du trägst die Schuld daran?

Pilatus: Noch nicht, Claudia. Ich sage dir doch, morgen früh muss ich ihn vernehmen.

Claudia: Du bist ein Römer, bitte bedenke doch, was du tust! Mach dich nicht mit diesen Juden gemein.

Pilatus: Ich habe es Kaiphas versprochen.

Claudia: Sieh dir Jesus an, und dann sage mir was er verbrochen hat. Sprich mit ihm, und höre nicht darauf, was Kaiphas auch immer sagen mag. Ich bitte dich sei gerecht.

Pilatus: Rege dich nicht so auf. Du kannst sicher sein, dass ich überlegen werde. Lasst uns jetzt schlafen gehen. Ich muss morgen sehr früh hinaus auf den Richtplatz.

3. Szene

1 Pilger: Begreifst du das? So eine Menschenmenge auf dem Richtplatz? Am Passahfest darf doch niemand gerichtet werden.

2 Pilger: Sei doch still. Siehst du nicht die Soldaten und die Tempelwachen? Du willst dir wohl den Mund verbrennen.

3 Pilger: Was ist denn los?

1 Pilger: Jesus von Nazareth soll verurteilt werden. Mich wundert nur, dass seine Jünger nicht mehr hier sind, und wo sind die Leute, die sonst jedes Wort von seinen Lippen ablasen und ihm zujubelten? Ja, ja, wenn es gefährlich wird, dann ist auch der große Wunderheiler allein.

2 Pilger: Sieh mal dort, ist das nicht einer von den zwölf Jüngern? Ja das ist Judas! Aber wie seltsam er aussieht. Das Haar hängt ihm wirr ins Gesicht, und sein Blick ist zum Fürchten.

3 Pilger: Er war schon immer ein besonderer Kerl, aber heute blickt er um sich wie im Fieber. Die Hände hat er geballt, als wolle er sich mit bloßen Fäusten auf die Leute von der Wache stürzen.

2 Pilger: So hält wenigstens einer zu Jesus! – Da – sieh, Pilatus kommt um Recht zu sprechen.

1 Pilger: Jetzt kommt seine Frau hinterher. Was will sie nur?

3 Pilger: Anscheinend versucht sie, ihm etwas Wichtiges zu sagen. Könnt ihr verstehen was sie reden?

Pilatus: Was willst du, Claudia? Mach uns nicht lächerlich vor dem Volk! Was ist denn?

Claudia: Habe du mit diesem Gerechten nichts zu schaffen! Heute Nacht habe ich seinetwegen im Traum viel erlitten!

Pilatus: Geh! Ich tue, was ich kann, die Menge wartet:

2 Pilger: Habt ihr das gehört? Sie bittet für Jesus. Aber es wird nicht viel nützten. Pilatus tut doch was die Hohenpriester ihm sagen. – Was sind das für bewegte Tage in Jerusalem. Als Jesus vor ein paar Tagen auf dem Esel durch das Tor geritten kam, da haben alle Leute Palmzweige geschwenkt und ihm zugejubelt! Mir klingt es immer noch in den Ohren: “Hosianna, dem der da kommt in dem Namen des Herrn!” Das werde ich so schnell nicht vergessen.

3 Pilger: Sei doch still, Pilatus spricht nun zum Volk. Jetzt können wir alle entscheiden ob Jesus leben soll.

2 Pilger: Da hast du ihre Antwort. Hörst du wie sie schreien: “Gebt uns Barnabas frei! Ans Kreuz mit Jesus!”

3 Pilger: So wird es auch geschehen! Mag Claudia noch so viele Träume haben. Jesus wird heute sterben müssen. Da sieh dir Judas an!

1 Pilger: Voll Entsetzen wendet er sich ab. Sein Gesicht ist dunkelrot… Wohin will er nur so eilig? Jetzt läuft er fort. Allein die dunklen Gassen hinunter, ganz allein!

Autor: Schrecklich was die Jünger und engsten Nachfolger Jesu in diesen Tagen erleben mussten. Alle ihre Hoffnungen waren ausgelöscht: Wie die glühenden Lavafluten eines brodelnden Vulkans war das Unglück über sie hereingebrochen. Einer aus ihrer Mitte hatte den Herrn verraten! Jesus war gefangen genommen worden und jetzt stand das Urteil fest: Kreuzigt ihn! Kreuzigt ihn! Unsagbares Leid und eine lähmende Ohnmacht befiel die Jünger.
Und Jesus selbst? Er trug die Qualen und den beißenden Spott wie ein Lamm. Er hatte den inneren Kampf schon durchgefochten, dort in Gethsemane. Auch als er schon am Kreuz hing, galt seine Aufmerksamkeit nicht zuerst sich selbst, sondern er kümmerte sich um die anderen, um seine Mutter, um seine Jünger. Wie muss es ihm wehgetan haben, als er sah, wie sie so untröstlich waren. Er hatte ihnen ja vorher alles gesagt: Dass er leiden müsste und sterben. Aber danach würde er auferstehen. Auferstehen? Jesus war tot und die Jünger hatten alle Hoffnung verloren…

4. Szene

Autor: Schon die zweite Nacht, seit Jesus in die Gruft gelegt wurde. Es war noch dunkel, nur die Vögel erwachen im Morgengrauen. Durch das Gezweig hört man auf einmal Klagelaute. Es sind etliche Frauen, die weinend und klagend zum Grab eilen um ihren Heiland den letzten Dienst zu erweisen.

Johanna: Wer wälzt uns nur den Stein von des Grabes Tür? Wir sind zu schwach um den Steinklotz von der Stelle zu rühren. Ach, und wer hilft uns den teuren Leib unsres Herrn zu salben?

Maria: Vielleicht kommen Petrus und Johannes und wälzen den Stein ab? Und vielleicht helfen sie auch den Herr zu salben; denn ich…

Johanna: Maria! Womit soll ich dich trösten?! O raffe dich auf, du bist schon ganz schwach vor Weinen und Seufzen. Beruhige dich doch ein wenig! Bald sind wir da, es wird uns schon jemand helfen den Stein von der Tür des Grabes zu entfernen.

Maria: Es gibt wohl keinen Trost mehr, der mich beleben könnte. Meine Wunde ist tief, wie ein Meer. Meine Seele will keinen Trost mehr annehmen, mein Leiden ist zu hart, um es niederzudrücken!

Johanna: Ich verstehe dich, Liebste! Wem geht es dann anders? Auch meine Seele bebt in mir, auch mein Herz zittert vor Angst und Schmerz und fragt: Warum? Für was haben sie unsern Herrn so schändlich zu Tode gequält? Wie viel Gutes hat er den Menschen getan! Und mir hat er die größte Gnade erwiesen!

Maria: O nein, nein. Kein Wunder, welches Jesus getan hat, ist mit dem zu vergleichen, was er an mir getan hat! Ja, genau an mir hat er seine größte Gnade erwiesen!

Magdalena: Er wirkte Gnade, Barmherzigkeit und Wahrheit, und strafte die Sünde. Darum haben ihn die Missetäter wohl auch gekreuzigt. Er ist tot, tot!

Johanna: Was ist das?? Erdbeben?

Magdalena: Kommt schneller zum Grab, der Stein ist abgewälzt!

Maria: Auch das Grab ist leer! Und sein Leib ist auch nicht da, wo sie ihn hingelegt hatten! Nun auch das noch! Sie haben ihn weggetragen, weggetragen!!! Wo soll ich Ihn jetzt finden?

Johanna: Es kann nicht doch nicht sein! Denn genau dazu wurden ja die Wachen aufgestellt, dass niemand den Leib Jesu wegstehlen sollte! Aber die Wache ist weg, der Stein abgewälzt, ich verstehe nichts…! Haben sie ihn wirklich weggetragen?

Magdalena: Nein, schaut! Da liegt die Wache, wie Tote! Mir wird angst und bange. O Schrecken! Was soll das bedeuten?

Maria: Ach, wo haben sie nur den Leib unseres Meisters hingetragen?

Engel: Was sucht ihr den Lebendigen bei den Toten? Er ist nicht hier, Er ist auferstanden! Geht schnell hin und sagt es den Jüngern, dass Er auferstanden ist von den Toten, und wartet auf euch in Galiläa, dort werdet ihr ihn auch sehen. Sagt dieses auch Petrus!

Johanna: Was ist das, ein Traum? Nach all den schlaflosen Nächten?

Maria: Kein Traum! Ein Engel spricht mit uns! Jesus ist von den Toten auferstanden! Er sendet uns zu den Jüngern. Gelobt sei Gott, der Herr, der Wunder tut!

Magdalena: Kommt, lasst uns eilen, und es seinen Jüngern verkündigen und auch Petrus, ja allen!

Musik

Autor: Als die Frauen zu den Jüngern eilten, gelangten auch etliche von der Wache bis zur Stadt und teilten den Hohenpriestern all das Geschehene mit.

5. Szene

Soldat 1: Erlaubt mir, meine Herren Hohepriester, zu melden: das Grab, welches Ihr uns aufgetragen habt zu hüten, wurde morgens mit himmlischer Kraft aufgetan, und der darin war ist auferstanden!

Hohepriester 1: Was kommt jetzt noch für eine Neuigkeit vor unsere Ohren!? Ihr erzählt diese Wundergeschichte wohl für guten Lohn!

Soldat 1: Eure Hoheit! Eine Lüge könnte uns das Leben kosten! Wir sind lebendige Zeugen, dass Jesus, den wir kreuzigten, wirklich auferstanden ist!

Hohepriester 2: Und wo sind denn die anderen von der Wache? Ihr seid ja nur zu dritt!!

Soldat 2: Die Auferstehung Jesu von Nazareth jagte in uns solchen Schrecken, dass jeder lief wohin er konnte. Wir drei haben uns zusammengefunden, und sind gekommen, euch dieses zu melden

Hohepriester 1: Nun, ihr werdet für dieses zur Verantwortung gezogen werden, und schon euren Lohn, ich meine Strafe, empfangen! Denn womit wollt ihr es beweisen, dass er wirklich auferstanden ist!?

Soldat 3: Meine Herren! Habt ihr denn wirklich so fest geschlafen, dass ihr das große Erdbeben Im Morgengrauen nicht gespürt habt?

Hohepriester 3: So! Ihr wollt dieses Naturerscheinen mit eurer Fabel von der Auferstehung dieses Gotteslästerers zusammenbringen?!

Hohepriester 2: Erdbeben ist kein Beweis für Jesu Auferstehung, denn drei Tage zurück starb er am Kreuz bei genau solchem Erdbeben! Und – da geschah nichts Besonderes.

Soldat 2: Meine Herren Hohepriester: Habt ihr nicht aus Furcht, dass er auferstehen konnte, uns angestellt, das Grab zu behüten bis an den dritten Tag? Weil Jesus, als er noch lebte, sagte, dass er am dritten Tage auferstanden würde. Ist es nicht so??

Soldat 1: Ihr habt dieses befürchtet, aber wir glaubten überhaupt nicht daran, und haben es doch mit eigenen Augen gesehen wie Jesus auferstand und wie alles zuging.

Hohepriester 2: Erzähle alles, was geschah der Reihe nach!

Soldat 3: Früh morgens als die Sonne noch nicht aufgegangen war, geschah ein großes Erdbeben. Und plötzlich erschien ein Engel: Seine Gestalt war weiß wie ein Blitz, und sein Kleid weiß wie der Schnee!

Hohepriester 1: Ja, ja erzählen kannst du schon! Aber mach weiter; wie war er, oder was tat er in dem weißen Kleid?

Soldat 3: Ach, das geschah alles so schnell, ich sah nur wie der Engel den Stein abwälzte und sich darauf setzte.

Hohepriester 2: Was habt ihr denn da gegähnt? Warum habt ihr den Engel nicht angegriffen, ehe er den Stein vom Grab wälzte?

Soldat 1: Eure Hoheit, ein Engel ist nicht ein Mensch, dass man ihn überfallen könnte. Zudem geschah alles so schnell, dass wir nicht vermochten auch nur die Hand aufzuheben! Ja, wir fielen nieder, wie Tote!

Hohepriester 3: Und was weiter, wie stand er auf?

Soldat 3: Als wir niederfielen und kraftlos dalagen, kamen Frauen zum Grabe und suchten den Begrabenen. Da erschien ihnen ein Engel und sagte: Wen sucht ihr? Jesus, den Gekreuzigten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden! Gehet eilend hin und sagt es seinen Jüngern! Die Frauen eilten weg, der Engel verschwand, und alle liefen voll Furcht und Entsetzen, wer weiß wohin! Und wir drei sind jetzt hier um euch alles zu melden.

Hohepriester 1: Gehet etwas hinaus bis wir einen Beschluss fassen! (Sie gehen) Meine Herren Hohepriester: Was wollen wir tun? Warten können wir nicht eine Stunde, denn das Gerücht von der Auferstehung Jesu verbreitet sich sonst in der ganze Stadt! Und das Schlimmste: das Volk steht gegen uns auf!

Hohepriester 3: Wir wollen ihnen Geld geben, dann sagen sie schon, was wir wollen!

Hohepriester 1: Kommt herein, und hört uns aufmerksam zu, was wir euch sagen! Wir geben euch Geld, und ihr geht in die Stadt und sagt: Weil wir schliefen, sind die Jünger gekommen und haben ihn gestohlen.

Soldat 1: Eure Hoheit! Wir können solche Schande nicht auf uns nehmen, dass wir auf unserer Wache geschlafen haben!

Soldat 2: Und wenn dies bis zum Landpfleger kommt, dann werden wir gekündigt, und vielleicht noch hart bestraft.

Hohepriester 2: Da, nehmt jeder 300 Groschen, nur sagt, wie ihr von uns gehört habt: Wir sind eingeschlafen und diesen Moment nutzen die Jünger aus, um Jesus zu stehlen. Und wenn es wirklich bis zum Landpfleger kommt werden wir ihn schon beruhigen, und euch vor Schande und Strafe bewahren.

Soldat 1: Na, Jungs. Für so einen Lohn kann man schon zu ,,weiß“ ,,schwarz” sagen, was? Kommt. Alles klar, wir gehen!

6. Szene

Josef: Habt ihr schon gehört? Jesus ist auferstanden!

Soldat 2: Ach, das ist ja gar nicht wahr!

Josef: Wie, nicht wahr? Ich habe die Frauen, die am Grabe waren, getroffen!

Soldat 1: Ha, wir haben ja gerade dieses Grab bewacht! Waren eingeschlafen und als wir erwachten, war das Grab leer! Ist ja klar, dass die Jünger diese Zeit benutzten um ihn zu stehlen! Und jetzt sagen sie noch, er ist auferstanden!

Josef: Das ist nicht wahr! Ich habe oben zwei von der Grabwache getroffen; und sie erzählten mir, dass früh morgens bei einem großen Erdbeben ein Engel erschien, das Grab auftat und dass die Hüter wie tot niederfielen und Jesus von Nazareth auferstand! Dieses hat der Engel den Frauen, die zum Grabe kamen, auch alles gesagt.

Soldat 1: Das haben die Soldaten auch gesagt?

Josef: Ja!!

Soldat 3: Die untreuen Schurken! Wollen uns eine Falle stellen! Aber glaubt ihnen nicht!

Josef: Wem sollen wir denn glauben, euch?

Soldat 1: Sicher uns! Wir haben doch gesehen, wie die Sache lief! Ich will nicht leben, wenn dies nicht die Wahrheit ist!

Josef: Was habt ihr denn gesehen?

Soldat 2: Wir sahen wie die Jünger kamen und der Leichnam stahlen.

Josef: Wozu habt ihr denn das Grab gehütet? Nicht, damit der Leib Jesu nicht gestohlen werden sollte?

Soldat 2: Die Hohepriester fürchteten sich, dass der Nazarener auferstehen würde und darum haben sie uns auch dahingestellt. Aber die Jünger schlichen so still herbei, dass wir nichts merkten, sonst wäre es ihnen arm ergangen!

Josef: Und ihr sagt, dass ihr es selbst gesehen habt wie sie Ihn stahlen?

Soldat 1: Ja, mit eigenen Augen! Wenn ich lüge, will ich nicht leben!

Josef: Warum sagen denn die anderen, dass er auferstanden ist?

Soldat 3: Die sind wohl von den Jüngern bestochen worden! Glaubt ihnen nicht!

Josef: Ich verstehe nichts! Ihr habt geschlafen ihr habt auch gesehen! Kann man wohl schlafen und sehen?

Soldat 3: Was willst du eigentlich von uns? Klebt an uns wie die Zunge am Gaumen! Wir haben es nicht nötig vor dir abzurechnen!

Soldat 2: Erlauben sie uns bitte weiterzugehen?!

Soldat 1: Kommt, Jungs!

Josef: Es ist klar, dass eure Sache schmutzig ist. Da kommen Johannes und Petrus!

7. Szene

Petrus: Christus ist auferstanden.

Josef: Woher wisst ihr das? Habt ihr es gesehen?

Petrus: Ja, ich habe gesehen und geglaubt, als morgens Maria Magdalena zu uns kam und sagte, dass das Grab leer sei. Wir liefen mit Johannes dahin. Dort angekommen sahen wir, dass der Stein abgewälzt war. Wir gingen ins Grab und sahen nur die Windeln liegen, auch das Schweißtuch beiseite.

Johannes: Ich habe gesehen und geglaubt, dass Christus auferstanden ist!

Petrus: Ja, wahrhaftig auferstanden!

Johannes: Da kommt auch Magdalena!

Magdalena: Christus Ist auferstanden! Er ist mir selbst im Garten begegnet!

Johannes: Wie?!

Magdalena: Als Ich beim Grab war und weinte, merkte ich plötzlich, dass bei mir jemand steht. Ich dachte, dass es der Gärtner sei, und fragte: Wer hat den Leib Jesu weggetragen, und wo habt ihr ihn hingelegt? Da rief er mich mit Namen: „Maria!“ Hier erkannte ich, dass es selbst der Herr war, der vor mir stand! Ich rief vor Freude aus: „Rabuni“! und warf mich ihm zu Füßen! Er aber sagte zu mir: Gehe hin zu meinen Brüdern und verkündige ihnen, ich gehe hin zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott! Und jetzt bin ich hier, euch zu verkündigen, dass Jesus Christus auferstanden ist!

Johannes: Er ist wahrhaftig auferstanden!

Autor: Der Ostergruß heißt: Christus ist auferstanden! Und seine Auferstehung hat uns Licht und Freude gebracht! Lasst in Städten und Dörfern auch heute den Gruß erklingen: CHRISTUS IST AUFERSTANDEN! ER IST WAHRHAFTIG AUFERSTANDEN!!

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