Archive for Dezember 2nd, 2007

Dez 02 2007

Das weiße Kleid

Geschrieben von under Evangelisation

Das weiße Kleid, ein christliches Anspiel zum Thema Evangelisation für 9 Personen

Autor: Die Frau des Bürgermeisters einer Kleinstadt saß mit ihrer achtzehnjährigen Tochter im behaglichen Zimmer. Lucie war zwei volle Jahre in der Hauptstadt in Pension gewesen und hatte außer den feinen Umgangsformen auch allerlei Ansprüche mitgebracht, die sie nun geltend machte. Und Ihre Eltern waren schwach genug, sie ihr mit der größten Bereitwilligkeit zu erfüllen. So war Lucie maßlos verwöhnt und infolge dessen in ihren Ansprüchen ziemlich unbescheiden geworden.
Auch heute saß sie mit unzufriedenem Gesichtsausdruck an ihrem Nähtischchen und blätterte mit prüfendem Blick in den Modezeitungen. Nach einer Weile schob sie sämtliche Hefte beiseite, in dem sie sich rasch ihrer Mutter zuwandte.

Lucie: Mama, also das ist sicher, auf dem nächsten „ Harmonieball “ muss ich aber das schönste Kleid haben. Doktors Alice soll mich nicht wieder übertreffen. Ich will und ich muss es haben – um jeden Preis.

Mutter: Aber natürlich, mein Kind, dem soll nichts im Wege stehen. Wir wollen gleich morgen zum Markt gehen und sehen, ob wir etwas Passendes finden.

Lucie: Da? Nimm es mir nicht übel, Mama, aber was man hierzulande nette Sachen nennt, das finde ich nach großstädtischen Begriffen geschmacklos. Ich möchte am liebsten selber in die Großstadt fahren! Meine liebste Pension Freundin, Herta Kersten, könnte mir gut behilflich sein das Ballkleid auszusuchen. Sie hat einen guten Geschmack. Da könnte ich mein Ballkleid in einem dortigen Atelier bestellen. Und Herta behält mich sicher gerne dort, bis das Anprobieren vorüber ist.

Mutter: Wenn du denkst, dass deine Freundin dir solange Gastfreundschaft gewährt, gebe ich gerne die Einwilligung zu dieser Reise, vorausgesetzt, dass Papa es dir auch erlaubt.

Lucie: O ihn wollen wir schon überreden, der schlägt seinen Einzigen nicht leicht etwas ab. Auch ein Paar blaue Scheinchen, die werde ich ihm schon abzuschmeicheln wissen. Denn diesmal bin ich durchaus nicht für das sparen.

Mutter: (neugierig) Wie soll dein Kleid eigentlich sein?

Lucie: O, ganz einfach, aber eigenartig, Mama. Ich möchte schneeweiße Seide tragen, mit echten Spitzen garniert, dazu purpurrote Rosen im Haar und Gürtel, darin meine Brillantnadeln, die sie festhalten sollen.

Mutter: Ach, das wird dir prächtig stehen!

Lucie: Ja, ich will Alice übertrumpfen. (legt den Finger auf den Mund) Still! Da kommt meine kleine Elli, das sie ja nichts davon erfährt.

Autor: Bald darauf klopfte es an der Tür. Auf das Herein, trat ein noch sehr kindlich aussehendes Mädchen herein. Die Frau Bürgermeister zog es vor, die jungen Mädchen allein zu lassen. Das Hauptthema war natürlich der in einigen Wochen stattfindende „Harmonieball“. Die stolze Bürgermeisters Tochter vertraute dem kleinen Plappermäulchen, dass sie diesmal das aller schönste Kleid haben werde, wobei einige nicht sehr freundliche Bemerkungen über Doktors Alice, die vorjährige Ballkönigin, fielen.
Mit den anderen Mädchen ihres Standes verkehrte Lucie nicht so vertraulich. Sie war wegen ihres hochfahrenden Wesens auch nicht beliebt, denn die anderen waren nicht gewillt, sich von ihr beherrschen zu lassen.

Lucie: Ich wünsche deine Anwesenheit nicht mehr, ich habe noch einen wichtigen Brief zu schreiben.

Musik: „Wohin Gott mich führet, will ich folgen…“

Autor: In einer der stillen Straßen der Großstadt wohnte die verwitwete Frau Regierungsrat Kersten mit ihrer Tochter Herta, Lucies beste Freundin aus der Pensionszeit. Vor dem jungen Mädchen lag ein offener Brief. Wie fremdartig musterte sie dessen Inhalt an. In ihr war jedes Verlangen nach den darin geschilderten Freuden ausgelöscht. Sie hatte inzwischen etwas Besseres gefunden, einen Frieden und eine Freude, wie sie die Welt nicht kennt. Und nun wurde ihr plötzlich die Zumutung gestellt, ein Ballkleid aussuchen zu helfen, in dem Lucie Bräunig, um deren Bekehrung Herta schon lange treulich betete, ihre Triumphe feiern wollte. Das konnte sie unmöglich tun. So kniete sie vor ihrem Stuhl nieder und betete. Es kostete zuerst einen heißen Kampf, bis alle Bedenken überwunden waren.

Herta: Vergib Herr, und sage mir was ich tun soll. Schenke mir Weisheit, die Freundin recht zu leiten.

Autor: Ein wunderbares Leuchten ging plötzlich über ihr Gesicht. Auf ihrer Seite stand die macht Gottes.
Bald darauf kehrte Frau Kersten von einem Krankenbesuch zurück. Es bestand ein sehr herzliches Verhältnis zwischen Mutter und Tochter, das durch die gemeinsame Liebe zu Jesus noch inniger geworden war.

Herta: O Mütterlein, darf ich Lucie Bräunig auf ein paar Wochen zu mir einladen? Ich habe einen Brief von ihr erhalten. (gibt der Mutter den Brief, die Mutter liest ihn und gibt ihn zurück)

H.Mutter: Liebes Kind, zu einem solchen Wunsch – und mit solcher Freude? Ich sah es schon früher nicht gerne, dass gerade Lucie deine Auserkorene in der Pension war. Und jetzt, wo wir gar andere Wege eingeschlagen haben, willst du die alten Beziehungen wieder anknüpfen? Hast du bedacht in welche Gefahr dich Lucie dadurch bringt?

Herta: Das habe ich alles schon durchgekämpft und Jesus hat mir den Sieg geschenkt. Nein Mama, keine alten, ganz neue Beziehungen will ich mit Lucie anknüpfen. Sie muss bei uns etwas ganz anderes erleben. Nächste Woche sollen ja Evangelisations Versammlungen in unserer Stadt sein. Sicher geht Lucie mir zu Liebe mit. Wenn sie unter so ein klares Zeugnis des Evangeliums kommt, wird sie bald von der Wahrheit überzeugt werden. Ich habe schon längere Zeit darum gebetet, und das ist eine Bitte nach seinem Willen.

H.Mutter: So lade deine Freundin ein, der liebe Gott schenke dir, was du von ihm erbetet hast.

Autor: Herta umarmte ihre Mutter herzlich. Dann holte sie sofort ihr Schreibzeug, setzte sich hin und schrieb in fliegender Eile.

Herta: Liebe Lucie!
Du bist mir herzlich willkommen! Ein weißes Kleid sollst du haben, wie es hier die Königskinder tragen. Ich will es dir fleißig suchen helfen, damit du bald das rechte findest. Du kannst bei mir bleiben bis es fertig ist. Alles Nähere besprechen wir hier. In herzlicher Liebe erwartet dich
deine Freundin Herta.

Autor: Inzwischen träumte Lucie schon sehnsüchtig von der Herrlichkeit der Großstadt. Als der Brief mit der herzlichen Einladung eintraf, gab es auch keinen Halt mehr. Schon am nächsten Tag reiste Lucie in die Großstadt ab. Unterwegs malte sie sich dann Theater, Konzerte, Ausstellungen usw., in rosigen Farben aus. Da sah sie auf dem Bahnhof auch schon ihre Freundin Herta, ganz einfach gekleidet. Herta begrüßte sie mit einem herzlichen Willkommensgruß. Auf dem Heimweg überschüttete Lucie die Freundin, was sie sich in paar Wochen alles ansehen und anhören wollte in der Großstadt. Herta betete im Stillen, dass Jesus doch selbst alles in die Hand nehmen und herrlich hinausführen möge. Plötzlich platzte Lucie heraus:

Lucie: Du bist ja furchtbar sittsam geworden, seit wir uns das letzte mal gesehen haben, Herta.

Herta: So, findest du? Aber ich bin deshalb nicht weniger froh, im Gegenteil, weit glücklicher als früher.

Lucie: Ja, freundlicher bist du, aber so – so …, du bist ganz anders geworden. Es mag wohl auch mit an der Kleidung liegen. Hm, sag einmal, tragen eure Königskinder auch solche einfache Hütchen?

Herta: Freilich und du wirst mehr als das an ihnen sehen. Hier ist unser Haus.

Autor: Hertas Mutter begrüßte sie ganz freundlich mit dem Wunsch, dass sie sich recht heimisch bei ihnen fühlen möchte. Dann kam das Abendbrot – da beteten sie zu Tisch. Längst veraltete Sitte, dachte Lucie. Dann brachte Herta in ihr Schlafzimmer, das sie mit ihr teilen sollte.

Herta: Es ist dir doch recht, dass du mit mir schläfst?

Lucie: Gewiss, sogar sehr angenehm. Es erinnert mich an die Pensionszeit.

Herta: Behüte dich Gott, meine Lucie. (geht ab)

Lucie: Was ist nur eigentlich in Herta gefahren? Wie soll denn eigentlich die Ballkleid Frage gelöst werden?

Autor: Mit diesen trüben Gedanken hatte Lucie sich zur Ruhe begeben und das Licht ausgelöscht. Doch – was war das noch für ein heller Schein. Über Hertas Bett hing ein Leuchtspruch: „Was würde Jesus dazu sagen?“ Lucie schloss wie geblendet die Augen. Und unwillkürlich musste sie an ihr Ballkleid denken. (leise Musik) Des Nachts träumte sie, sie sei auf dem Ball und auf die breite Schärpe ihres weißen Kleides sei eben jene eigentümliche Frage gestickt. Sie wollte sie hastig abreisen, aber das ging nicht, so sehr sie sich auch quälte und mühte.
Am nächsten Morgen wurde Lucie durch den Gesang eines geistlichen Liedes geweckt. Mutter und Tochter hatten ihn zu ihrer Morgenandacht angestimmt.

Herta: Schade, dass Lucie den ersten Tag bei uns nicht ein gemeinsames Gebet mit angefangen hat.

H.Mutter: Lucie ist eine Natur, die sich nicht zwingen lässt. Unsere Art ist ihr ganz ungewohnt. Bei uns ging es ja auch nicht so schnell.

Herta: Ja, sie ist widerspruchsvoll und launenhaft, aber im Grunde genommen ist sie doch eine ehrliche Natur. Ich will recht lieb zu ihr sein und alles andere in Jesu Hand legen. Er vermag alles.

Lucie: (erscheint) Was war denn das für ein Lied, das ihr vorhin gesungen habt?

Herta: Vielleicht dürfen wir es dir noch einmal vorsingen? (singen)

Lied: „Ich weiß einen Strom, dessen herrlicher Flut…“

Herta: Nun, wie hat es dir gefallen?

Lucie: O, ganz gut! Ich möchte jetzt lieber nicht mehr davon hören.

Autor: Am Abend des ersten Tages, ehe sie zur Ruhe gingen, las die Hausmutter einen Psalm. Dann beteten sie herzlich frei aus dem Herzen, wobei sie auch in warmer Fürbitte Gottes Segen auf ihren Gast herab flehten. Das Gebet griff Lucie seltsam ans Herz. Im Schlafzimmer sagte sie halb ironisch zu Herta:

Lucie: Seid ihr katholisch geworden, dass ihr soviel betet?

Herta: Nein, aber echte Gläubige.

Lucie: Zu fromm sein ist auch nicht gut, da darf man ja nicht mehr lustig sein. (zu sich) Das Kleid muss so schnell wie möglich gemacht werden. Es ist auch besser, es wird sobald als möglich fertig und ich reise wieder ab, sonst spinnen die beide mich nur noch in ihre Frömmigkeit ein.

Autor: Am nächsten Tag bekam die Familie Kersten Besuch. Bald waren sie in ein geistliches Gespräch vertieft. Plötzlich fragte die Besucherin:

Dame: Sie kommen doch heute auch zur Evangelisations Versammlung?

Herta: Oh, Lucie geht sicher mit! Solch einen Redner hast du sicher noch nie gehört!

Lucie: Ich danke dir, ich liebe solche Vorträge nicht.

H.Mutter: Aber Lucie nimmt es dir gewiss nicht übel, wenn du hingehst. Ich werde daheim bleiben.

Lucie: Ich werde mir erlauben für meine eigene Unterhaltung zu sorgen und inzwischen die Oper besuchen. (geht)

Herta: Ich weiß ganz bestimmt, dass sie bald kommt, der Herr Jesus hat es mit versprochen.

H.Mutter: Da wollen wir ihn doch gleich bitten.

Autor: Sie beteten zusammen. Am heißesten flehte Herta um die Bekehrung der Freundin. Abends gingen sie getrennte Pfade, Mutter und Tochter in die Versammlung und ihr Gast in die Oper.

Musik: „Komm doch her zu mir…“

Autor: Lucie konnte im Theater nicht recht froh sein. Erstens war alles fremd, zu dem hatte sie einen ungünstigen Platz und zu allem Überfluss noch wenig angenehme Nachbarschaft. Ständig quälte sie die Frage: „Was würde Jesus dazu sagen?“. Lucie hatte aufschreien können vor innerer Qual. Sie stellte Vergleiche zwischen der göttlichen Heiligkeit Jesu und dem nichtigen Erdentand. Sie hatte damit nicht gerechnet, dass eine starke Gebetsmacht hinter ihr stand. Daheim erwartete sie Herta.

Lucie: Du siehst ja frisch und strahlend aus.

Herta: O es war so wunderbar heute Abend und ich bin so froh. Warst du heute Abend nicht froh? Hat es dir nicht gefallen in der Oper?

Lucie: Nein, nicht besonders. Und das kommt alles von deinem dummen Leuchtspruch her. Den kannst du heute abend bitte auf die andere Seite drehen.

Herta: O dann entschuldige bitte, ich wusste nicht, dass er dich störte. Mir ist der Spruch so unendlich lieb geworden.

Lucie: Kann einem so etwas lieb werden? Bei allem was man tut und denkt, die richtende Frage. Lass mich jetzt schlafen gehen, mich regen solche Gespräche furchtbar auf.

Autor: Der Geist Gottes hatte also doch schon angefangen in Lucies Herzen zu wirken. Herta drehte, ehe sie sich legte, den Wandspruch leise um.

Musik: „Komm doch her zu mir…“ (1 Vers)

Autor: Den anderen Morgen fühlte Lucie sich ganz wohl bei der Früh Andacht. Sie bat sogar um ein zweites Lied. Später fragte sie Herta.

Lucie: Gehst du denn selbst gar nicht mehr zum Ball oder Theater?

Herta: Ich brauche nicht mehr hinzugehen, denn ich habe etwas Besseres gefunden.

Lucie: So, wo denn?

Herta: Bei Jesus, der ersetzt uns alles.

Lucie: Dann werde ich es einmal ausprobieren. Ich gehe heute mit in euren Vortrag.

Autor: Am Abend saß Lucie mit unter der Zuhörerschaft in der Evangelisations Versammlung. Sie hatte gar nicht gedacht, dass in der Großstadt, eine solche ungeheure Menschenmenge sich für religiöse Vorträge interessierte. Bald erhob sich die tausendköpfige Menge zum Gebet. Der Redner sprach klar und überzeugend, einfach und doch packend. Lucie saß erregt da, hatte Herta dem Evangelisten gestern Abend noch erzählt, dass sie gern auf den Ball gehen wollte? Er sprach fortwährend von weißen Kleidern! Doch es hatte doch keiner vorher gewusst, dass sie heute mitkommen wollte! Der Evangelist sprach über einen Text aus der Offenbarung, wo der Seher Johannes die große Schar vor dem Thron des Lammes stehen sieht, mit weißen Kleidern angetan und Palmen in den Händen. Lucie fühlte deutlich, dass sie selbst das weiße Kleid der Gerechtigkeit noch nicht besaß. Aber sie musste es haben – um jeden Preis – das stand bei ihr fest. Am anderen Tag war sie schweigsam, sie erwähnte nicht ihr Ballkleid, noch das himmlische der Gerechtigkeit. Am Abend sagte sie flehend zu Herta:

Lucie: Wir gehen doch nachher wieder in die Versammlung? Es hat mir gestern sehr gefallen.

Herta: Aber natürlich.

Autor: An diesem Abend lautete das Thema: „Adam, wo bist du?“ Aus allen Schlupfwinkeln der Sünde holte der Evangelist sie hervor, die Menschen, die sich vor Gott verstecken. Im Lichte der göttlichen Wahrheit erkannte Lucie ihr Herz. Wie eine Zentnerlast legten sich alle ihre Sünden auf ihre Seele. Nach dem Vortrag war sie bedrückt und niedergeschlagen. Mitten in der Nacht wachte Herta auf, sie hörte Lucie weinen.

Herta: Lucie, was ist mit dir geschehen?

Lucie: O meine Sünden, meine Sünden! Herta ich bin verloren!

Autor: Herta ließ sie ausweinen. Dann brachte sie ihr die Botschaft von der Gnade Jesu Christi. Doch konnte Lucie es noch nicht begreifen, dass das alles auch für sie gelten sollte. Sie wollte jetzt alles dem Herrn überlassen.

Lied: (leise; Komm doch her zu mir..)

Autor: Am nächsten Abend ging sie wieder in die Versammlung. Der Redner stellte heute abend „die Braut des Lammes dar“. Und es war ihr gegeben, sich anzutun mit schöner und reiner Seide. „Es war ihr gegeben“ – das war das rechte Wort für Lucies ringende Seele. Das weiße Kleid der Gerechtigkeit, kann man nicht erwerben, sondern als Geschenk annehmen. Jetzt hatte sie es endlich begriffen und zugefaßt! Eine wunderbare Glückseligkeit überstrahlte ihr Antlitz und Friede und eine Freude erfüllte ihr Herz. Am Schluss dieses herrlichen Abends stimmte sie laut und begeistert in das Lied „Krönt ihn, krönt ihn“ ein. Auf dem Heimweg flüsterte sie Herta zu:

Lucie: Du, ich hab’s! Heute abend ist es fertig geworden.

Herta: Was denn?

Lucie: Mein weißes Kleid!

Autor: Daheim brachten sie Gott gemeinsam das erste Lob- und Dankgebet. Lucie weihte ihr junges Leben Christus.

Lucie: So, nun kannst du den Spruch wieder auf die rechte Seite drehen. Jetzt soll er mir leuchten.

Autor: Es war eine sehr schöne Zeit, die Lucie als neugeborenes Gotteskind in diesem Hause verlebte. Himmlisches Glück hatte sie gefunden. Doch eines Tages erklärte sie:

Lucie: Ich muss heimfahren.

Herta:
Oh, jetzt schon? Bleib doch noch ein paar Tage, dann kommst du am besten über die Ballgeschichte weg.

Lucie: Nein, Herta, das wäre feige. Ich möchte einen Tag vor dem Ball zurückfahren, damit sie es alle wissen, dass ich da bin – und doch nicht hingehe. „Was würde Jesus dazu sagen?“

Herta: O, wenn das so ist, dann segne dich Gott!

Musik

Autor: Frau Bürgermeister hatte ihre Tochter bereits sehnsüchtig zurück erwartet.

Mutter: Bist du denn endlich da! Pack doch dein Kleid schnell aus. Ist es denn auch wirklich so schön ausgefallen? Deinem frohen Gesicht nach scheint es fast so.

Lucie: Ja Mama, es ist über alle Begriffe herrlich!

Mutter: So zeig es doch endlich, wo hast du es denn?

Lucie: O Mama, ich habe es schon an!

Autor: Mit strahlendem Blick fing sie an zu erzählen von dem weißen Kleid der Gerechtigkeit, das Jesus uns durch seinen Tod am Kreuz auf Golgatha erworben hat. Sie schilderte mit großer Begeisterung die herrlichen Versammlungsabende, wo auch sie die Heilung ihrer Seele erlebt habe. Diese Rede machte die Frau Bürgermeister stumm und starr vor Entsetzen. Endlich wehrte sie:

Mutter: Kind, hör auf! Leg dich lieber zeitig hin, damit du morgen frisch bist zum Ball.

Lucie: Aber liebe Mama, ich denke ja gar nicht mehr daran, hinzugehen. Eigentlich ist es traurig, dass man so wenig vom wahren Christentum gewusst hat.

Autor: Die Mutter stand auf und ging böse davon. Lucie machte sich an das Auspacken ihrer Sachen. Da kam Hertas Leuchtspruch zum Vorschein, den diese ihr heimlich hinein geschoben hatte.

Musik

Autor: Es kam auch der Balltag heran und Lucie ging wirklich nicht hin, obwohl die Mutter alles versucht hatte, um sie zu überreden. Die ganze Mädchenschaft war gespannt gewesen auf ihr neues Kleid. Es hatte die größte Verwunderung erregt, dass Bürgermeisters Tochter nicht auf dem Fest war. Lucie führte die kleine Elli am anderen Tag zum Leuchtspruch und sagte:

Lucie: Sieh, diese Frage hat mich über mein gestriges Daheim bleiben entschieden. Habt nicht lieb die Welt und was in der Welt ist! Das weiße Kleid habe ich unter dem Kreuz auf Golgatha gefunden, als ich die Vergebung der Sünden erlangte. Vergib auch du mir, meine Elli, was ich an dir fehlte.

Elli: Ach, ich bin ja viel schlechter als du! O bitte, hilf mir doch.

Autor: Die Tatsache, dass die Bürgermeisters Tochter sich so demütig vor Gott beugte und bei allem fragte: „Was würde Jesus dazu sagen?“, übte so einen Einfluss auf Elli aus, dass auch sie ihr junges Herz bald dem Herrn übergab.

Musik

Autor: Das nächste Mädchenkränzchen sollte bei Lucie stattfinden. Wie staunten alle, als Lucie Doktors Alice mit warmer Herzlichkeit empfing. Der Kaffeetisch war reizend gedeckt. Neben jeder Tasse lagen eine purpurrote und eine schneeweiße Rose. Alle warteten hochgespannt auf die Wunderdinge, die Lucie ihnen von ihrem Besuch in der Großstadt erzählen würde. Doch es kam ganz anders. Mit tief inniger Überzeugung erzählte sie vom Erlebten. Als die Dämmerung hereinbrach, begann der Leuchtspruch an der Wand sein mildes Licht auszustrahlen. Die Spannung war auf den Höhepunkt gestiegen. Lucie, die es merkte, lächelte glücklich. Doch plötzlich gab sie der kleinen Elli einen Wink. Leise gingen sie ans Klavier und bald schwebte das Lied im hellen Sopran und sich weich anschmiegendem Alt wie ein liebevoller Lockruf durch das Zimmer.

Lied: „Für mich gingst du nach Golgatha…“

Autor: Der Eindruck des Gesangs war überwältigend. Der Geist des Herrn berührte die Seelen. In manch jungem Mädchen wurde das stille Verlangen nach einem reingewaschen Herzen wach. Einen solchen Nachmittag hatten sie noch nie erlebt. Beim Abschied gab Lucie Doktors Alice einen Kuss und bat sie um Verzeihung. Das lebende Zeugnis der neuen Jüngerinnen blieb auch in der Zukunft nicht ohne Wirkung. Einige von den Mädchen zogen sich ganz zurück, die anderen rückten um so enger zusammen und machten aus dem Kaffeeklatsch ein Bibelkränzchen, wo sie Gottes Wort lasen, geistliche Lieder sangen und zusammen beteten.
Eines Tages stand Lucie ganz aufgeregt in ihrem Mädchenzimmer. Sie hielt einen Brief von Herta in der Hand. Die Freundin teilte ihr mit, dass der Evangelist, in dessen Versammlung sie sich bekehrt hatte, auch ihr Städtchen besuchen wollte. Kaum hatte der Vater den Fuß über die Türschwelle gesetzt, da lief Lucie ihm schon entgegen und sagte bittend:

Lucie: Vater, kannst du es nicht befürworten, dass für Donnerstag der Rathaussaal reserviert wird? Der Evangelist kommt hier durch! Das ist der Mann, von dem ich dir schon so viel erzählt habe. Er sollte auch unser Gast sein, meinst du nicht auch Papa?

Vater: So, so – Hm, was so eine kleine Tochter alles von unsereinem verlangt.

Autor: Der Bürgermeister musste den Saal bestellen und eine Anzeige in die Zeitung setzen lassen. Die beide Mädchen, Lucie und Elli, gingen von Haus zu Haus um einzuladen, ohne auf Spott und Hohn zu achten. Das ganze Städtchen war in Aufregung über dieses Ereignis. An einem Spätnachmittag war auch der erwartete Gast in des Bürgermeisters Haus eingetroffen. Die Freude des Wiedersehens war groß, als der Bürgermeister seinen einstigen Studiengenossen erkannte. Auf dem Hinweg zum Rathaus sagte Lucie zum Evangelist:

Lucie: Der Herr muss heute Abend etwas ganz besonderes in unserer Stadt tun.

Evang.: Ja, wo zwei eins werden! Unterstützen Sie mich bitte auch während des Redens mit ihrem Gebet.

Autor: Der Saal war mit Zuhörern bis auf den letzten Platz gefüllt. Beim Eingang traf Lucie Elli.

Lucie: Du, wir müssen heute Hur und Aaron sein, die Moses Hände stützten, damit Josua siegen konnte. Lass uns fleißig beten, dass Jesus Sieger über viele Herzen werden kann!

Autor: Die Botschaft von der rettenden und selig machenden Gnade Jesu Christi drang tief in die Herzen der Hörer hinein. Der ganze Heilsweg wurde in so klarer und einfacher Weise vor Augen gestellt, dass auch der Einfachste nicht irren brauchte. Hinter den Worten stand Jesu Geist und Gottes Macht. Durch viele Herzen ging die Frage: „Was muss ich tun, dass ich selig werde?“ Am nächsten Abend war der Saal noch voller. Der Geist Gottes wehte an diesem Abend noch viel mächtiger und drängte überall zur Entscheidung. Es brach eine Erweckung aus. Der erste, der sich erhob, um sich öffentlich auf die Seite des Heilands zu stellen, war der Bürgermeister. Und hier und da standen Männer wie Frauen auf, die seinem Beispiel folgten. Es gab noch eine bewegte Nachversammlung, wo die vergebende Gnade Jesu sich herrlich offenbaren konnte.

Musik

Autor: Wie glücklich war das Mädchen als endlich auch die Mutter dem Herrn von ganzem Herzen diente. Auch mit Doktors Alice hatte der Herr in der Versammlung geredet. Das waren alles die Folgen von Lucies weißem Kleid.
Ein solches weißes Kleid ist der schönste Brautschmuck aller derer, die Jesus Christus mit seinem teuren Blut erkauft hat als sein Eigentum.

Lied: „Mein Heiland kam zu mir…“

http://www.christenload.com/wp-content/plugins/downloads-manager/img/icons/doc.gif Name: Das weiße Kleid (60.5KB)
Klicks: 443

PDF erstellen    Sende Artikel als PDF   

No responses yet

eXTReMe Tracker Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de