Archive for November, 2007

Nov 25 2007

Johannes

Geschrieben von under Gottes Führung

Johannes, ein christliches Anspiel zum Thema Gottes Führung für 8 Personen

Leser: Du erkennst die Not und den Jammer, du nimmst es doch in deine Hand! Der Arme verlässt sich auf dich, du bist doch der Helfer der Weisen. Psalm 10, 14.

Sprecher: Die Mutter des kleinen Johannes wurde eines Tages sterbenskrank. Der Vater hatte seinen Sohn überhaupt nicht gesehen, er starb in dem furchtbaren Krieg, als die Franzosen Preußen eroberten. Die arme Witwe musste Tag und Nacht arbeiten, um für Johannes und seinen kleinen Freund Tako, den Hund, zu sorgen. Alle drei wohnten in einer kleinen Wohnung, aber sie waren zufrieden und beteten täglich zu Gott. Als nun die Mutter im Sterben lag, kamen die Nachbarn, die auch sehr arme Leute waren und weinten um die gute Mutter, die so treu für ihren Johannes gesorgt hatte. Johannes weinte bitterlich.

Mutter: (mit schwacher Stimme) Bete noch einmal.

Sprecher: Dem Jungen fiel es sehr, sehr schwer etwas zu sagen. Seine Stimme versagte ihm fast, weil er so weinte. Aber dann sprach er doch ein Gebet, das er im Kindergottesdienst gelernt hatte:

Johannes: Jesu, geh voran auf der Lebensbahn, und wir wollen nicht verweilen, dir getreulich nachzueilen, führ uns an der Hand bis ins Vaterland.

Sprecher: Die Mutter hob noch einmal ihren Arm, legte ihre Hand auf den Kopf des kleinen Johannes und segnete in:

Mutter: Großer, allmächtiger Gott, lieber Herr und Heiland, segne und behüte meinen kleinen Johannes auf all seinen Wegen. Schenke ihm allezeit deine Gnade und ein reines Herz. Führe ihn durchs Leben, bis ich ihn wiedersehen kann im himmlischen Paradies. Sorge du für ihn als ein Vater, und tröste ihn wie eine Mutter. Ich segne dich, mein kleiner Johannes, im Namen des Herrn Jesu Christi.

Sprecher: Die Sterbende wurde ganz still, sie faltete ihre Hände und blieb in dieser Lage bis zum letzten Atemzuge liegen. – Die Nachbarsfrau drückte der Mutter die Augenlider zu und betete noch den Psalm vom Guten Hirten:

Frau: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

Sprecher: Dann musste sie wieder weinen. Da der Junge keine Verwandten hatte, nahmen die armen Nachbarsleute den Kleinen und seinen einzigen Freund, seinen Tako, bei sich auf. – Obwohl sie selbst nicht allzu viel hatten, teilten sie ihre Speisen mit den beiden und beteten täglich um die Hilfe des Herrn.

Leser: Die mit Tränen säen, werden mit Jubel ernten. Sie gehen mit Weinen ihren Weg, sie werfen mit Tränen ihren Samen, aber sie kommen, ja sie kommen mit Freuden und bringen ihre Gaben heim. Psalm 126, 5-6.

Sprecher: Johannes war ein fleißiger Junge, täglich half er den armen Leuten, wo er nur konnte. Wenn der Mann in den Wald ging, um Kleinholz aufzusammeln, dann trug Johannes es auf einen Haufen und schob den schweren Wagen nach Hause. Im Garten half er der Frau beim Unkraut jäten und harkte die Beete und den kleinen Gartenweg. Jeden Tag suchte er für die Kaninchen allerlei Futter und fütterte die Hühner. Überall begleitete ihn sein Freund Tako. Weil er nun so allein war, sprach er immer mit seinem Hund:

Johannes: Weißt du, Tako, die Mutti ist jetzt im Paradies, dort scheint immer die Sonne, da gibt es keinen Hunger, keine Armut, keine Krankheit, keine Schmerzen, keinen Tod und deshalb auch keine Trennung mehr.

Sprecher: Als die beiden wieder einmal auf der Bank saßen, setzte sich zu ihnen ein Mann. Als er das Gespräch von Johannes mit seinem Hund hörte, lachte er darüber:

Mann: Ich glaube nur, was ich sehe und verstehe.

Johannes: Wenn ich Sie richtig verstanden habe, glauben Sie nur, was Sie verstehen?

Mann: So ist es.

Johannes: Heute früh habe ich die Gänse beobachtet, wie sie Gras fressen, glauben Sie das?

Mann: Gewiss.

Johannes: Dann habe ich die Hühner und die Kaninchen mit Gras gefüttert, glauben Sie das auch?

Mann: Freilich.

Johannes: Und die Schafe und die Kühe fressen doch auch Gras, glauben Sie das auch?

Mann: Natürlich mein Junge.

Johannes: Gut, aber das Gras, welches die Tiere fraßen, wurde bei den Gänsen und Hühnern zu Federn, bei den Schafen zu Wolle und bei den Kühen zu Haaren. Glauben Sie das auch?

Mann: Gewiss.

Johannes: Ja, Sie glauben es, aber verstehen können sie es nicht.

Mann: Ach, du bist ein nichtsnutziger, dummer Junge. Deine Mutter ist tot, die wirst du nie wiedersehen!

Sprecher: Dieser Satz ging dem kleinen Johannes wie ein Stich durchs Herz. Schnell lief er zum Friedhof, setzte sich auf das Grab der Mutter und weinte bitterlich.

Johannes: Es war ein böser Mann, der dem Wort Gottes nicht glauben will. Ich werde doch meine Eltern im Himmelreich wiedersehen, denn Jesus hat gesagt: “Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.”

Leser: O Herr, zeige mir deine Wege, führe mich nach deinem Willen! Leite mich in deiner Treue, lehre mich recht! Denn du bist ja Gott, der mir hilft und beisteht. Alle Stunden harre ich auf dich. Psalm 25, 4-5.

Sprecher: Johannes und sein kleiner Hund Tako blieben die besten Freunde. Sie waren froh, bei den armen Nachbarn eine bescheidene Unterkunft bekommen zu haben. Deshalb half Johannes alle Tage fleißig im Haus, auf den Hof, im Stall, auf dem Feld und im Wald, kleine Arbeiten zu verrichten. Eines Tages verletzte sich der Mann seinen Fuß beim Fällen der Bäume. Ein schwerer Baumstamm rollte über das Bein. Der Fuß wurde dabei so zertrümmert, dass er vom Arzt abgenommen werden musste. Die Armut in diesem Haus wurde groß. – Als Johannes eines Abends schon im Bett lag und Tako neben dem Bett eingeschlafen war, hörte er wie die beiden armen Leute, die ihn ja so lieb aufgenommen hatten, im Nebenzimmer miteinander sprachen.

Mann: Weißt du, Frau, so gern ich den Johannes und seine lieben Hund noch bei mir wohnen lassen will, es geht einfach nicht. Seit meinem Unfall haben wir keinen Verdienst, und bald können wir sie nicht mehr ernähren. Ich glaube, es ist das Beste, wir bringen den Johannes in ein Waisenhaus.

Frau: Aber dorthin kann er doch seinen Hund nicht mitnehmen, wenn er seinen Tako nicht mehr hat, glaube ich, wird er bestimmt vor Kummer sterben.

Mann: Das glaube ich auch, aber was sollen wir denn machen, es bleibt uns keine andere Wahl. Wir wollen zu Gott beten, dass er dem Johannes über diese traurige Nachricht weiterhilft.

Sprecher: Johannes verstand jedes Wort, er hatte sein Ohr ganz dicht an die Wand neben dem Bett gepresst. Alles wurde noch trauriger, Johannes weinte unter seiner Bettdecke bitterlich. Er konnte gar nicht einschlafen und dachte darüber nach, was er jetzt tun sollte. – Mitten in der Nacht stand er leise auf, packte ganz still seine wenigen Sachen in ein Säckchen. Dann nahm er Tako und kletterte heimlich aus dem Fenster. Die Nacht war noch sehr kühl, und in der Ferne schrie klagend eine Eule. So wanderten die beiden über ein weites Feld. Dann gelangten sie zuletzt in einen großen Wald. Jetzt begann es schon zu dämmern und die Vögel eröffneten ihr wunderschönes Morgenkonzert. – Johannes und Tako liefen, bis sie an einen Bach kamen, und dort ausruhten. Sie tranken von dem frischen Quellwasser und aßen das letzte Brot. So liefen sie den ganzen Tag durch den Wald. Am Abend kamen sie an eine große Waldwiese. Dort stand eine kleine Hütte, die nicht einmal ein Fenster hatte. Durch eine kleine Luke krochen die zwei in den duftenden Heuschuppen. Sie legten sich in das weiche Heu und Johannes dankte Gott für die unerwartete Unterkunft.

Leser: Ich glaube, auch wenn ich sage: Ich werde sehr geplagt. Psalm 116,10

Sprecher: Johannes und Tako hatten sehr gut geschlafen. Liebevoll umarmte Johannes seinen treuen Kameraden, als er plötzlich vor der Heuhütte Schritte vernahm und das Quietschen eines Rades. Schnell faltete Johannes seine Hände und betete:

Johannes: Lieber Gott, beschütze uns vor Unglück und neuen Gefahren. Hilf uns bitte auch jetzt!

Sprecher: An der Tür wurde der Schlüssel gedreht und knarrend öffnete sie sich. Ein älterer Mann mit einem alten schmutzigen Zylinderhut starrte in die Hütte. Sein Gesicht war zornig.

Dieb: Was wollt ihr hier? Was fällt euch ein, euch in meinem schönen Heu herumzuwälzen. Ich will euch mit der Peitsche eure Wege lehren!

Johannes: Ach guter Mann, seid bitte nicht so böse, wir hatten uns in der Nacht verirrt und wussten nicht, wo wir schlafen sollten, weil wir ganz allein auf der Welt leben.

Dieb: Was schert mich euer Leben, arbeite lieber, dann weißt du auch, wo du schlafen kannst. Wer weiß, ob du nicht zu irgendeinem Diebesgesindel gehörst.

Sprecher: Jetzt wollte er den Jungen packen:

Johannes: Nein Herr, seid barmherzig, ich will Ihnen gerne helfen und bei Ihnen arbeiten.

Dieb: Du und arbeiten, so siehst du gar nicht aus! Also gut, ich habe heute noch viel zu transportieren, los, heraus mit euch. Wir gehen jetzt ins Dorf, um einzukaufen.

Sprecher: Der Mann lud auf seine alte Karre zwei Zentner Getreide und einen schweren Schleifstein. Dann spannte er Johannes und Tako vor das schwere Gefährt und zog mit den beiden über die Felder.

Dieb: Vorwärts, ihr Strauchdiebe, zieht gefälligst besser, damit uns die Polizei nicht erwischt!

Sprecher: Wenn es ihm nicht schnell genug ging, dann nahm er Steinchen und warf sie nach den beiden. Johannes und Tako zogen an der Karre mit letzter Kraft. Wenn wir uns nicht bald einmal ausruhen können, breche ich zusammen, dachte Johannes, der schon heftige Stiche in der Herzgegend hatte. Bald hatten sie die Spitze einer Anhöhe erreicht. Plötzlich begann die Karre wie von selbst bergab zu rollen. Johannes und Tako sprangen schnell zur Seite. Der Mann, der seine Karre und die wertvolle Ladung retten wollte, zerrte an dem Riemen, aber die Last rollte immer schneller und gefährlicher den Abgrund. Da stürzte er mitsamt seinem Diebesgut in eine Bergschlucht. Gott hatte Johannes wieder bewahrt. Beide rannten so schnell sie konnten davon.

Leser: Unser täglich Brot gib uns heute. Matthäus 6,11

Sprecher: Johannes und Tako waren von dem bösen Mann befreit. Sie wanderten weiter und hatten schon lange nichts mehr gegessen und getrunken. Beide waren so müde, dass sie nicht weitergehen konnten. Sie setzten sich auf einen Baumstamm, um ein wenig auszuruhen. Dann begann der Junge das Vater Unser zu beten:

Johannes: Unser täglich Brot gib uns heute!

Sprecher: Plötzlich kam Johannes ein Gedanke:

Johannes: Wenn die Leute zu Gott um Brot bitten, muss es auch jemand geben, der ihnen etwas gibt. Ich muss einfach den “Brotladen des lieben Gottes” suchen.

Sprecher: Er machte sich nun wieder auf und wanderte mit Tako in den nächsten Ort. Während er von einer Straße zur andern ging, dachte er immer:

Johannes: Wo kann wohl Gottes Brotladen sein?

Sprecher: Als er gerade wieder um eine Ecke bog, sah er in einem Bäckerladen ein großes Bild vom Heiland an der Tür hängen.

Johannes: Das muss der Brotladen unseres lieben Heilandes sein!

Sprecher: Johannes ging in den Laden hinein. Hm, wie duftete es in dem Bäckerladen, der voller Kuchen, Torten, Brot, Brötchen und Schokolade war. Hinter dem Ladentisch stand eine freundliche Bäckersfrau.

Johannes: Ich bin gekommen, um mir das tägliche Brot abzuholen.

Bäckerin: Ja, da bist du gerade richtig hier. Welches Brot und wie viel möchtest du den haben?

Johannes: Diese beiden kleinen Brote möchte ich bitte haben.

Bäckerin: Gern mein Junge.

Sprecher: Sie nahm die beiden Brote und wickelte sie in Papier. Johannes nahm die Brote, ging zur Tür und sagte.

Johannes: Vergelt’s Gott und schönen Dank fürs tägliche Brot.

Bäckerin: Aber, mein Junge, du hast ja vergessen zu bezahlen! Wer hat dich denn geschickt?

Johannes: (schüchtern) Mein Vater im Himmel.

Bäckerin: Hast du denn kein Geld?

Johannes: Nein, meine Eltern sind tot, und da hat mich mein himmlischer Vater zu Ihnen geschickt. Ich habe heute früh zu ihm gebetet und seinem Wort geglaubt.

Bäckerin: Welchem Wort?

Johannes: Na. “Unser täglich Brot gib uns heute.” Weil ich das Bild vom Heiland in Ihrem Laden sah, dachte ich, das muss Gottes Bäckerladen sein.

Bäckerin: (weinend) Gott segne dir das Brot, mein Junge. Wenn du wieder Hunger hast, komm nur wieder, ich will dir schon etwas zu essen geben.

Johannes: (freudig rufend) Hier ist des lieben Gottes Bäckerladen!

Sprecher: Am Abend ging die gute Bäckersfrau noch einmal um ihr Haus herum. Doch was sah sie dort? Dort war Johannes im tiefen Schlaf, mit Tako. Die Bäckersfrau besprach die Angelegenheit mit ihrem Mann, und so beschlossen sie, den Johannes bei sich zu behalten. Da sie keine Kinder hatten, gehörte dem Johannes später die ganze Bäckerei, und er nannte sie “Des lieben Gottes Bäckerladen”. Sein Geschäft war das beste in der ganzen Stadt, und wenn einmal hungernde Kinder kamen, so schenkte ihnen Johannes das “täglich Brot”.

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Nov 25 2007

Sorget nicht…

Geschrieben von under Gottes Führung

Sorget nicht, ein christliches Anspiel zum Thema Gottes Führung für 7 Personen

(leiser Glockenklang im Hintergrund)

Sprecher: Vom nahen Kirchturm ertönten zwölf Glockenschläge. Das Fenster im Zimmer des kranken Vaters stand offen. Als der letzte Schlag der Kirchenglocke verhallte hörte er wieder, wie seine Frau bei der Arbeit im Garten sang. Gerne würde er gemeinsam mit ihr im Garten arbeiten, doch nun war er ans Bett gebunden. Trotz aller Schwierigkeiten wusste Familie Müller sich geborgen, und nahm alles aus Gottes Hand, seien es gute oder schlechte Tage.

Vater: Claudia, kommst du mal herein.

Mutter: Was ist Reiner, ist dir schlecht?

Vater: Nein, mir geht’s eigentlich schon besser, doch schade, dass ich dir jetzt nicht im Garten helfen kann. Heute ist schon der neunundzwanzigste, und wir haben die Schulden immer noch nicht bezahlt, die wir machen mussten, als ich das letzte mal krank war.

Mutter: Doch ich bin Gott dankbar, dass wir nun genug Geld haben um unsere Schulden zu begleichen.

Vater: Darüber freue ich mich auch. Die Kirchenglocke hat gerade 12 geschlagen. Peter müsste ja gleich aus der Schule kommen. Am besten ist es, wir schicken ihn gleich nach dem Mittagessen mit dem Geld zu Herrn Stein.

Sprecher: Herr Stein, bei dem die Familie Schulden hatte, war Geschäftsmann und lebte im nächsten Dorf. Einige Minuten später traf Peter auch schon zu Hause ein. Sein Gesicht strahlte vor Freude, da er heute wegen des schönen Wetters keine Hausaufgaben hatte.

Peter: Mutter, weißt du was, Klaus hat einen neuen Drachen bekommen. Er hat mich gefragt, ob ich nicht dabei sein will, wenn er den Drachen steigen lässt. Darf ich nachmittags hin?

Mutter: Eigentlich könntest du ja gehen, doch geh erst zu Vater. Er hat eine wichtige Aufgabe für dich.

Peter: Vater, Klaus hat einen neuen Drachen, und wir wollten ihn heute fliegen lassen. Doch Mutter sagte, du hättest eine wichtige Aufgabe für mich.

Vater: Ich gönne dir die Freude von Herzen, aber heute geht es nicht. Du musst mir einen wichtigen Brief nach Mühlenbach, zu Herrn Stein bringen.

Sprecher: Damit war der Fall für heute Nachmittag erledigt. Peter hatte seine Enttäuschung schnell überwunden. Nach dem Mittagessen steckte der Vater vor den Augen seines Sohnes zwei Banknoten mit einem Begleitschreiben in den Umschlag und schrieb die Anschrift drauf:

Vater: H-e-r-r-n  S-t-e-i-n, D-o-r-f-s-t-r-a-s-s-e 39. So Peter, bringe diesen Brief jetzt gleich zu Herrn Stein. Wo er wohnt, weißt du ja. Ich wickle ihn noch in etwas Pergamentpapier, damit er auch ja heile bleibt.

Peter: Ist in Ordnung Vater, ich mache das schon für dich.

Vater: Pass aber gut auf den Brief auf, hörst du?

Sprecher: Peter machte sich sofort auf den Weg. Doch er war noch nicht weit gegangen, da hörte er einen Pfiff. Als er sich umschaute sah er seine Freunde. Diese riefen ihm zu und versuchten ihn zu überreden einen Augenblick beim Drachensteigen dabei zu sein. Nach einigen Versuchen, den Drachen steigen zu lassen, merkten sie, dass der Schwanz zu kurz war. Sie brauchten Papier, und so bot sich unwillkürlich Peters Umschlag an. Er wollte ihn erst nicht hergeben, doch zum Ausprobieren, konnte es nicht schaden. Er würde ihn ja gleich wiederbekommen. Die Jungs waren mit dem Drachen dermaßen beschäftigt, dass sie nicht merkten wie der Himmel in kurzer Zeit dunkel wurde. Dann brauste es heran, wie es bei einem Gewittersturm oft geschieht. Plötzlich ein leises, fast unhörbares Knacken. Die Schnur riss, und der Drache flog davon.

Peter: Mein Brief! Mein Brief! Den sehe ich nie wieder. – Was habe ich bloß getan? Wie konnte ich so leichtsinnig mit Vaters Geld umgehen?

Sprecher: Schluchzend und durchnässt kam Peter nach Hause, und erzählte das Unglück seiner Mutter.

Mutter: Peter, wie konntest du nur so unüberlegt handeln. Wie lange hat Vater gespart, um dieses Geld zusammenzukriegen, dass er während der letzten Krankheit leihen musste. Geh jetzt auf dein Zimmer. Ich muss mit Vater darüber reden.

Vater: Ich habe alles mitbekommen Claudia. Wie konnte der Junge nur so ungehorsam sein?

Mutter: Er ist ja noch ein Kind! Jetzt ist alles zu spät. Wie lange haben wir dafür gespart. Was sollen wir jetzt nur machen?

Vater: Ach wäre ich doch gesund! Dann wäre das alles nicht passiert! Woher sollen wir jetzt das Geld nehmen, und übermorgen läuft die Frist ab. Dieser Junge…. (Pause) – Ach, was sind wir doch so kleingläubig! Hat uns Gott nicht schon oft aus schwierigen Situationen herausgeführt? Und weißt du Claudia, denen, die Gott lieben, dienen doch alle Dinge zum Besten, und wir lieben Gott! Lass uns diese Sorge gleich im Gebet vor Gott bringen.

Sprecher: Wir wollen nun hören, was sich am gleichen Tag in Mühldorf, dem Nachbardorf, wohin Peter von seinem Vater geschickt worden war, ereignete. Dort wohnte Familie Kettler – das waren noch junge Eltern mit zwei kleinen Kindern. Herr Kettler war schon zwei Jahre lang arbeitslos, und trotz allen Suchens war es bis jetzt nicht gelungen irgendeine Beschäftigung zu finden. Auch an diesem Vormittag war er wieder unterwegs gewesen, und traurig heimgekehrt.

Berthold: Alle Mühe, alles Schreiben umsonst! Wie soll es bloß weitergehen?!

Frau: Berthold, verliere nicht den Mut! Lass uns auf Gott vertrauen! Er kann, und er wird auch helfen, wenn seine Stunde gekommen ist. Ich hörte eben, dass in Appeldorf einige aus unserem Dorf Arbeit gefunden haben. Vielleicht versuchst du es dort einmal?

Berthold: Ja, wenn du meinst. Ich kann‘s ja versuchen. Lass uns gleich essen, und dann will ich hinfahren. Wenn du willst, kannst du in einer Stunde mit den Kindern nachkommen. Das Wetter ist so schön. Wir treffen uns dann am kleinen Wäldchen.

Sprecher: Gesagt, getan. Nach dem Essen fuhr Herr Kettler mit dem Fahrrad fort, und etwa eine Stunde später machte sich auch seine Frau auf den Weg. Als Frau Kettler das genannte Wäldchen beinahe erreicht hatte, verschwand die Sonne plötzlich hinter den Wolken. Ein heftiger Wind kam auf.

Frau: Wenn ich gewusst hätte, dass es heute noch gewittern wird, würde ich zu Hause bleiben, doch jetzt ist es zu spät. Ich muss schnell zum Wäldchen, bevor es zu regnen anfängt. (Setzt sich) So, hier werden wir nicht ganz so nass.

Berthold: Da bist du ja. Mittags war es so schön, wer hätte gedacht, dass es so stark gewittern würde? Hier können wir warten, bis das Gewitter vorüber ist.

Sprecher: Dicht aneinandergedrängt saßen sie da, und warteten das Weitere ab. Der Mann sagte nichts, und die Frau schwieg auch. Nach dem Ergebnis seiner Fahrt zu fragen wagte sie nicht, aus Furcht, eine neue Enttäuschung zu erleben. Allmählich wurde es heller und dann brach die Sonne durch die Wolken.

Berthold: So, ich glaube jetzt können wir wieder losfahren.

Frau: Ja, der Regen hat ja aufgehört.

Berthold: Was ist denn das? Da vorne, vor uns, siehst du es? Da hat sich irgendwas im Baum verfangen. Ich schaue mal nach.

Sprecher: In einem Baum vor ihnen hing ein Drache, ganz zerzaust vom Wetter und Wind. Sein langer Schwanz, der im Wind hin und her wehte, war zum Greifen nah. Es gelang Berthold das Endstück zu erwischen, zu seinem Erstaunen sah er, dass es ein zusammengerolltes Stück Pergamentpapier war. (rollt Pergamentpapier auf)

Berthold: Hast du je so etwas gesehen? Hängt doch tatsächlich ein Brief am Drachenschwanz.

Frau: Er ist ganz schön durchnässt, ob wir die Schrift noch entziffern können?

Berthold: Er ist an… an… Herrn Stein, in unserem Dorf gerichtet. Was soll man dazu sagen?

Sprecher: Beide standen vor einem Rätsel, das zunächst unlösbar schien. Zu Hause angekommen, beeilte sich Berthold, den auf so merkwürdige Weise erhaltenen Brief, dem Empfänger zu übermitteln.

Berthold: Guten Tag, Herr Stein!

H. Stein: Guten Tag, was wünschen Sie?

Berthold: Ich habe hier einen Brief für Sie.

H. Stein: Sind sie der neue Briefträger? Heute war doch schon Post.

Berthold: Nein, aber das hier ist außergewöhnliche Post. Sie hing an einem Drachenschwanz. Hier, bitte.

H. Stein: Das ist ja unglaublich! Auf so eine Art und Weise wurden mir noch keine Schulden bezahlt. Ich danke Ihnen erstmals für Ihre Mühe. Aber kommen sie doch morgen wieder, und erzählen es mir in aller Ruhe.

Sprecher: Da Herr Stein heute noch einige wichtige Sachen zu erledigen hatte, verabschiedeten sie sich voneinander. Kurz darauf rief Herr Stein bei Müllers an, von denen er soeben den Brief erhalten hatte. Doch Herr Müller war gerade beim Arzt. Ohne näheres zu erklären, sagte er, dass er ihnen morgen einen Besuch abstatten würde.

Mutter: Gut, dass du wieder da bist.

Vater: Was ist denn, du siehst ja so betrübt aus.

Mutter: Herr Stein hat vor kurzem angerufen. Er hat nach dir gefragt. Als ich ihm erzählte, dass du beim Arzt seist, sagte er nicht mehr viel, nur dass er morgen Nachmittag vorbeikommen würde.

Vater: Und was hat er sonst gesagt?

Mutter: Sonst eigentlich nichts, aber das eine ist jawohl klar, morgen läuft die Frist ab. Was wollen wir ihm bloß sagen?

Vater: Die Wahrheit, so wie es sich zugetragen hat.

Mutter: Aber sowas lächerliches wird er uns nicht glauben! Am Schwanz eines Drachens war der Brief befestigt und ist davongeflogen.

Vater: Er muss es einfach glauben, denn bis Morgen kriegen wir das Geld von keinem geliehen. Da bleibt uns nur eins: auf Gott vertrauen und an seine Allmacht glauben.

Mutter: Aber du musst doch zugeben: Das ist eine recht alberne Geschichte, die wir ihm da erzählen wollen.

Vater: Da muss ich dir Recht geben, aber in der Bibel steht auch: Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat. Nicht wahr?

Sprecher: Am nächsten Morgen erschien Berthold, wie verabredet, bei Herrn Stein und erzählte ihm die Geschichte in aller Ruhe nochmals.

Berthold: … Ja, und so ist der Brief doch dahin gekommen, wo er hin sollte.

H. Stein: Was wollten Sie denn eigentlich in Appeldorf?

Berthold: Meine Frau sagte mir, es bestehe die Möglichkeit dort Arbeit zu finden.

H. Stein: Sind sie arbeitslos?

Berthold: Ja leider, und das schon seit zwei Jahren.

H. Stein: Was haben sie denn früher getan?

Berthold: Ich war als kaufmännischer Angestellter beschäftigt. Aber das Geschäft ist eingegangen. Heute wäre ich für jede Arbeit dankbar.

H. Stein: (Pause) Das Erlebnis zeigt mir aufs neue, dass es bei Gott keinen Zufall gibt. Alles liegt in seiner Hand, auch das was uns völlig verborgen ist. Ich selbst bin um eine kostbare Erfahrung reicher geworden. Und Ihnen will Gott, wie ich glaube, zu einer Beschäftigung verhelfen. Ich brauche nämlich gerade einen ehrlichen Angestellten. Wollen sie in meinem kleinen Geschäft die Büroarbeiten übernehmen? – Ein hohes Gehalt kann ich Ihnen zwar nicht zahlen, aber ich denke, dass es zum Lebensunterhalt reichen wird.

Berthold: Ich danke Ihnen Herr Stein! Gott hat die Gebete erhört!

Sprecher: Kaum zu beschreiben ist die Freude, die an diesem Morgen in die Familie einkehrte! Gott hatte die Gebete seiner Kinder erhört! Doch anders sah es bei Familie Müller aus. Noch immer drückte sie die Angst, vor dem, was da kommen würde. Da klingelte es an der Haustür. Es war Herr Stein.

Mutter: Guten Morgen Herr Stein.

H. Stein: Guten Morgen Frau Müller.

Mutter: Sie kommen sicher wegen des Geldes. Am besten sprechen Sie mit meinem Mann darüber. Er ist krank, und liegt im Nebenzimmer. (gehen ein Stück)

H. Stein: Guten Morgen, Herr Müller. Wie ich sehe geht es Ihnen wieder nicht gut.

Vater: Ja, es ist wieder die gleiche Krankheit. Wir hatten kaum das Geld zusammen, um Ihnen die Schulden zu bezahlen, die ich während meiner letzten Krankheit machen musste, doch es ist uns verlorengegangen, ob Sie es glauben oder nicht. Ich hatte meinen Sohn beauftragt, ihnen einen Umschlag mit dem Geld zu überbringen, doch er hat sich unterwegs aufgehalten, um mit anderen Jungs Drachen steigen zu lassen. Sie haben den Brief an den Drachenschwanz befestigt und dieser ist ihnen abgerissen. Ich weiß, das klingt alles sehr ausgedacht, aber es war so. Und deshalb, Herr Müller, ist der Brief nicht bei Ihnen eingetroffen. Könnten Sie auf das Geld vielleicht noch etwas warten?

H. Stein: Wer sagt denn, dass das Geld nicht angekommen ist?

Vater: Ich glaube Sie wären nicht hier, wenn das Geld bei Ihnen angekommen wäre.

H. Stein: Gottes Arm ist nicht zu kurz. Ja – ich habe das Geld erhalten. Ein Mann brachte es mir, der den Drachen an einem Baum gefunden hatte. Und hier ist das Geld – sie brauchen es mir nicht mehr zurückzahlen. Es gehört Ihnen – sie haben es nötiger!!

Vater: Ich kann das alles nicht begreifen! Ist das wirklich Ihr Ernst!? Vielen Dank, Herr Stein!!

H. Stein: Danken Sie Gott, denn er hat alles so wunderbar geführt! Naja, dann ist das ja erledigt. Ich muss weiter. Auf Wiedersehen!

Sprecher: Tränen standen Herrn und Frau Müller in den Augen, als Herr Stein sie verließ! Sie konnten es immer noch nicht recht fassen. Noch für einige Minuten blieb es still im Zimmer. Schließlich fing Reiner an:

Vater: Siehst du Claudia, wir hätten uns gar nicht soviel Sorgen machen brauchen.

Mutter: Wer hätte je gedacht, dass dies alles ein so gutes Ende nehmen würde?

Vater: Lass uns daraus lernen, und unser Vertrauen täglich auf den Herrn werfen. Denn es heißt nicht umsonst: Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch.

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Nov 25 2007

Drei Kreuze und neun Galgen

Geschrieben von under Ewigkeit

Drei Kreuze und neun Galgen, ein christliches Anspiel zum Thema Ewigkeit für 6 Personen

Sprecher: Vor bald zweitausend Jahren waren auf Golgatha drei Kreuze aufgerichtet. Am mittleren hing Jesus Christus, der Heiland der Welt; rechts und links von ihm zwei Mörder, von denen der eine im letzten Augenblick seines sündigen Lebens Reue zeigte und um Vergebung bat, worauf ihm ein sofortiger Zugang ins Paradies zugesagt wurde. Der andere ging ungerettet hinüber in die Ewigkeit. Das Kreuz steht nicht mehr, aber die Früchte, die das stellvertretende Leiden und Sterben Christi trägt, werden immer noch offenbar. Der amerikanische Feldprediger Henry Gerecke war für die geistliche Betreuung der deutschen Kriegsverbrecher zuständig. Im August 1943 wurde er in einem großen Krankenhaus angestellt. Einige Monate später wurde er als geistlicher Pfleger der hohen Nazi- Personen während ihres gerichtlichen Verhörs angestellt. Auch seine eigenen zwei Söhne waren Opfer dieser Missetäter geworden. Als er den Nazi- Führern in ihren Zellen vorgestellt wurde, fragte er sich selber:

Gerecke: Wie muss ich diese Menschen begrüßen, die so unendlich viel Leid über die Welt gebracht haben, und die Ursache sind vom Verlust von Millionen von Leben? Wie soll ich diese Männer bearbeiten und die Saat von Gottes Wort in ihre Herzen legen, ohne selber das Wachstum zu verhindern?

Sprecher: Zuerst wurde er in Görings Zelle gebracht, dann machte er allen anderen einen kurzen Besuch. Er hatte Gott um eine Botschaft für diese Männer gebeten. Diese Menschen sollten etwas hören vom Heiland, der auch für sie am Kreuze litt und starb. Es waren 21 Angeklagte. Eine Doppelzelle wurde zu einer kleinen Kapelle eingerichtet, wo die Gottesdienste gehalten werden konnten. Ein früherer Oberstleutnant der SS war der Organist. Das einfache Evangelium vom Kreuz hatte sein Herz umgewandelt. Keitel, von Ribbentrop, Reader, Dönitz, von Neurath, Speer, Schacht, Frick, Funk, Fritzsche, von Schirach, Sauckel und Göring waren unter Gereckes Zuhörerschaft. Sie sangen drei Lieder, dann folgte eine kurze Ansprache und zum Schluss das Gebet. Nie wurden sie durch irgendetwas gestört. Sauckel war der erste, der sein Herz dem Evangelium öffnete. Er war Vater von 10 Kindern und hatte eine gläubige Frau.

Sauckel: Kann denn der Sohn Gottes mich wirklich frei machen von allen meinen Sünden? Ich habe doch so viel Schlechtes getan.

Gerecke: Sicher kann er das. Er ist doch für deine Sünden am Kreuz gestorben und wieder auferstanden, damit wir, auch du, das ewige Leben erleben können. Du musst glauben, dass er dir die Sünden vergibt, dann macht er dich ganz frei.

Sauckel: Oh, ist das schön, ganz frei zu sein, keine Schuld mehr zu haben. Oh Gott, sei mir Sünder gnädig.

Sprecher: Gott hat durch sein Wort und seinen Geist mächtig an drei weiteren Männern gearbeitet und als reuige Sünder durften sie die Vergebung um Christi willen annehmen. Keitel, der Chef der Wehrmacht, dankte Gerecke für seine geistliche Hilfe.

Keitel: Sagen sie bitte denen einen großen Dank, die daran gedacht haben, uns Verbrechern geistliche Hilfe zukommen zu lassen. Sie haben mir mehr geholfen, als sie vermuten können. Möge Christus mir beistehen!

Sprecher: Dieses sagte er unter Tränen. Dann folgte die Verkündigung der Urteile. 10 von den Männern, darunter auch Keitel, Kaltenbrunner und Göring, wurden zum Strang verurteilt. Die andern bekamen lebenslängliche Haft oder 20 Jahre Haft. Nur drei Männer wurden freigesprochen. Noch zum letzten mal durften die Verurteilten mit ihren Frauen sprechen. Es waren schwere Augenblicke für sie alle. Sauckels Frau musste versprechen, die Kinder in der Furcht des Herrn zu erziehen. Göring war einer von denen, die den Herrn noch nicht angenommen hatten. Er fragte nur nach seinem Töchterchen.

Frau: Bitte, denk doch daran, dass du jetzt bald Gott begegnen wirst. Wie willst du ihn empfangen? Tu doch Buße und lass dich versöhnen mit Gott.

Göring: Ich brauche keinen Gott. Ich habe bis jetzt ohne Gott gelebt, ich kann auch ohne ihn sterben und jetzt hör doch endlich auf, davon zu sprechen. Was sagt denn unsere Edda dazu, dass sie den Vater verurteilt haben?

Frau: Edda hofft, ihren Vater im Himmel wiederzusehen. Das Kind glaubt und du nicht. Oh, wie wird es enttäuscht sein, wenn es hört, dass du den Herrn nicht annehmen willst, dass du so kalt und hart sein kannst. Wir haben immer für dich gebetet!

Göring: Ach dieser Kinderglaube, und du bist such schon davon angesteckt. Hör doch nicht auf das Gefasel des Kindes.

Frau: Die Liebe Jesu Christi hat mich ergriffen und ich durfte die Vergebung meiner Sünden erlangen. Das Kind hat mir den richtigen Weg gezeigt und zeigt ihn auch dir. Du willst aber ohne Gott und ohne die Vergebung deiner Sünde in den Tod gehen.

Sprecher: Nach dem Gespräch mit seiner Frau war Göring gerührt und zum ersten Mal sah man Tränen bei ihm. Am Abend vor der Hinrichtung hatte Gerecke noch ein langes Gespräch mit ihm. Er wies ihn auf die Notwendigkeit hin, sich bereit zu machen, Gott zu begegnen.

Gerecke: Denken sie doch daran, dass Jesus für ihre Sünden gestorben ist. Sie können sie alle bei ihm abladen und brauchen sie nicht mit in den Tod zu nehmen. Sie müssen ihn nur darum bitten, er wartet doch darauf.

Göring: Ich brauche keinen Gott zum Sterben. Sie meinen wohl, sie werden mich weich kriegen. Das ist doch nur für Kinder und Frauen. Christus starb für sie aber nicht für mich.

Gerecke: Wie wollen sie Gott mit ihren ganzen Schulden begegnen? Haben sie denn gar keine Angst davor?

Göring: Ich kenne keine Angst. Ich habe bis jetzt nicht in Angst gelebt. Wenn ich sterbe, treffe ich keinen Gott, tot ist tot.

Gerecke: Ihr Töchterchen Edda hofft und glaubt, ihren Vater im Himmel wiederzusehen.

Göring: Das Kind glaubt auf seine Art und ich auf meine.

Sprecher: Eine Stunde später nahm Göring sich das Leben. Eine kleine Ampulle lag auf seiner Brust. So ging er hinüber in die Ewigkeit. Und dann brach auch die letzte Stunde für die neun anderen an. Zwei von ihnen gingen mit einem „Heil Hitler“ in die Ewigkeit. Die andern starben, auf Gottes vergebende Gnade trauend. Das tat Gott in dem Leben derer, die nach menschlichem Maßstab die tiefste Verachtung verdienten. Wenn du auch in der Zelle deines Gefängnisses sitzt, wenn du auch ein zum Tode Verurteilter bist, oder wenn du als eine gebundene Seele auf freien Füßen herumläufst, jedermanns Achtung genießend, es ist keine Sünde zu groß und kein Sünder zu schnöde für das Opfer, das Gott in Christus uns bot. Er hasste die Sünde und strafte sie in seinem eigenen Sohn; darum hat er den Sünder unendlich lieb, das gilt auch dir!

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Nov 23 2007

Die Zeit

Geschrieben von under Nachfolge,Zeit

Die Zeit
 
Die Zeit ist schön, wenn man für Jesus lebt,
in einem Ringen nach den höchsten Gütern strebt,
zerbrochen in sich selbst, vor Gott im Staube liegt,
sich in erkannte Wahrheit stets mit Freuden fügt.

Die Zeit ist schön, wenn man für andre lebt,
in Liebe dient, des Nächsten Not und Elend hebt,
die Lasten tragen hilft, die andre niederbeugt,
und jedes Auge trocknet, daß von Tränen feucht.

Die Zeit ist schön, wenn man durch Wüsten geht,
wo heiß der Sand und heiß der Glutwind weht,
die Hand dem müden Pilger tröstend reicht,
und ihm den Palmengarten und die Quelle zeigt.

Doch schrecklich ist die Zeit, wo man nur sich gesucht,
aus lauter Selbstsucht seinen Bruder hat geflucht,
zufrieden mit sich selbst, die andern sterben sah,
und zu dem Sünder sprach: „Komm mir nur nicht zu nah!”

Ja, schrecklich ist die Zeit, wo Pharisäertun
und totes Kapital und eitler Glanz und Ruhm
den Ton angeben und am Ruder steh’n.
Da muß der Geist betrübt von dannen geh’n!

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