Archive for November 25th, 2007

Nov 25 2007

Das Bleigießen

Geschrieben von under Neujahr

Das Bleigießen, ein christliches Anspiel zu Neujahr für 6 Personen

Sprecher: Die Stadt ist noch weihnachtlich geschmückt, doch ist Weihnachten schon vorbei. Man wartet auf das neue Jahr. Der Schnee ist dieses Jahr wieder hoch ausgefallen und bereitet den Autofahrern allerhand Schwierigkeiten. Es ist kalt, der Wind bläst stark, Leute wechseln die Straßenseiten, sie sind in ihren Kleidern wie vermummt. Sie gehen in die Geschäfte und kommen mit Taschen, gefüllt mit Neujahrsartikeln wieder raus. Die Geschäfte machen damit Riesenumsatz. Neujahr ist aber nicht nur das kalte Wetter und die Feuerwerke. Neujahr ist die Zeit, in der auch der Aberglaube hohen Umsatz macht. Wie immer geht man auch dies Jahr zum beliebten Bleigießen. Blei wird heiß gemacht und dann in einen Behälter mit kaltem Wasser gegossen. Bald erstarrt das Blei zu einer Form. Aus dieser Form deutet man die Zukunft des nächsten Jahres. Beim Einkaufen treffen sich einige Jugendliche der Stadt. Udo, Nadine und Anja sind sich einig, wie immer zum Jahreswechsel, Blei zu gießen, doch Karsten blickt der Sache kritisch entgegen.

Nadine: Karsten willst du dies Jahr etwa nicht zum Bleigießen kommen? Du warst doch sonst immer dabei.

Karsten: Ach, ich weiß nicht. Mir scheint die ganze Sache zu stark in Aberglaube oder sogar in Geisterbeschwörung auszuarten.

Udo: Geisterbeschwörung? Solch ein Schwachsinn, wir kommen doch nur zum traditionellen Bleigießen zusammen? Wie kommst du auf den Gedanken, dass die ganze Sache in Geisterbeschwörung ausarten sollte? Wir gießen doch nur heißes Blei.

Karsten: Früher war es ja auch anders. Doch nun scheint mir diese Tradition mehr und mehr zur Geisterbeschwörung zu werden. Wenn ich nur daran denke wie ihr einfach so in den Raum ruft und um ein vierblättriges Kleeblatt, ein Hufeisen oder ein Glücksschweinchen bittet. Ihr wisst zwar selbst nicht an wen dieser Ruf gerichtet ist, doch ich wäre da lieber vorsichtig mit.

Nadine: Karsten, du wirst uns doch wohl nicht den Spaß verderben? Du warst doch sonst immer dabei.

Karsten: Du weißt, ich war noch nie ein Spielverderber, aber…

Udo: Was aber? Sprich weiter.

Karsten: Aber, aber ihr habt mich doch überredet.

Sprecher: Draußen schießen schon die ersten Feuerwerksraketen empor, doch in einem Keller sitzt eine Gruppe Jugendlicher und befasst sich intensiv mit dem Bleigießen. Eine kleine Tischlampe beleuchtete schwach den Raum.

Nadine: Guckt mal, mein Blei hat sich zu einem Hufeisen geformt.

Udo: Kein Wunder, wenn du es auch in der Form gießt.

Nadine: Nein, das war einfach Glück. Ich bin mir fest überzeugt, dass ich im nächsten Jahr viel Glück haben werde.

Udo: Ach, warum klappt es bei mir nur nicht?! Es sind alles so sinnlose Formen.

Sprecher: Udo steigerte sich so hinein, dass er in seinem Wahn begann zu fluchen. Aus Spaß und Übermut fing er im Halbscherz an irgendwelche Mächte anzurufen. Karsten überfiel die Angst, die Gänsehaut ging seinen Körper hoch und runter, er ahnte Böses. (Karsten geht)

Udo: Karsten, wo willst du denn hin?

Karsten: Ich gehe, ihr treibt es doch zu weit mit eurem Bleigießen.

Udo: Karsten, was ist los? Wo bleibt dein Sinn für Humor? Es ist doch alles nur Spaß. Du verdirbst uns die ganze Stimmung, aber wir können auch alleine weitermachen. (Karsten geht weg) Ach, wieder so etwas Nichtssagendes. Ich gebs auf. Da Nadine gieß du für mich, du kannst das besser.

Anja: Halt! Was Sinnloses sagst du? Ich sehe es ganz deutlich. Es ist eine Katze, eine Katze. – Udo, das bedeutet nichts Gutes.

Sprecher: In diesem Wahn fuhr Udo nach Hause. Dirks Worte klingen ihm noch in den Ohren. Er sieht das Blei sich zu einer Katze formen. Doch plötzlich überquert tatsächlich eine Katze den Weg. Gleich sieht Udo darin die Erfüllung der Aussage Dirks. Er tritt auf die Bremse! Als Udo aufwacht befindet er sich im Krankenhaus, sein Gesicht ist verbunden, die Beine im Gips. Immer wieder sieht er die Katze, sie wird ihm zum Albtraum. Einige Tage des neuen Jahres sind vergangen. Als der Pfarrer der Stadt von dem Vorfall hörte, besuchte er Udo, der nun schon ansprechbar war.

Pfarrer: Hallo Udo.

Udo: Hallo Herr Pfarrer, was führt sie denn hier her?

Pfarrer: Udo ich hörte von dem was ihr gemacht habt. Ich wollte dich besuchen und mich mit dir darüber unterhalten. Meinst du nicht, dass ihr damit einen großen Fehler getan habt?

Udo: Ach, geben Sie sich keine Mühe Herr Pfarrer. Sie machen aus mir keinen Christen.

Pfarrer: Udo glaubst du wirklich, dass die Katze an deinem Unglück schuld war?

Udo: Herr Pfarrer, bitte lassen sie mich in Ruhe damit. Ich bin müde und möchte davon nichts hören, bitte lassen Sie mich allein.

Sprecher: Der Pfarrer ging, doch wusste er, dass Udo nochmal von ihm besucht werden müsste. Er wusste um Udos Seelenzustand und wollte ihm gerne helfen. Doch Udo war immer noch eigensinnig. Des Nachts schreckte er einige male auf und schrie laut auf. Aus seinen Augen sah man pure Angst. Der Satan quälte Udo. Er reichte dem Satan im Halbscherz seinen kleinen Finger, und nun reißt der Satan am ganzen Arm. Immer wieder wird er in seinen Albträumen von Dämonen, Erdteufeln und dem Satan verfolgt. Wieder und wieder sieht er den Bleiklumpen, läuft ihm die Katze über den Weg. Er war froh als es wieder Tag wurde. Aber trotz der Angst die er durchgestanden hat, konnte er sich nicht überwinden den Pfarrer zu rufen. Doch der Pfarrer kam ungerufen.

Pfarrer: Udo, hast du deine Meinung noch nicht geändert?

Udo: Doch Herr Pfarrer, ich sehe ein, dass ich es zu weit getrieben habe. Dieses Blei und die Katze sind mir zum Albtraum geworden. Immer wieder verfolgen mich Dämonen, ja der Satan selbst, in meinen Albträumen. Die Nacht war so schrecklich. Herr Pfarrer, ich habe Angst. Angst, dass mich der Satan ganz in Besitz nimmt. Was soll ich nu tun? Herr Pfarrer, bitte helfen Sie mir.

Pfarrer: Udo es war dein Aberglaube der dich ins Krankenhaus brachte. Wie du gemerkt hast steht hinter diesem Aberglauben der Satan mit seinen Mächten. Udo, es gibt noch eine Chance für dich – Jesus Christus. Lass ihn in dein Herz, so fliehen alle bösen Mächte. Willst du frei werden?

Udo: Ja.

Sprecher: Udo bekannte dem Herrn seine Sünden im Gebet und bald kehrte Friede und Freude in sein Herz. Er war glücklich, dass er nicht mehr Angst haben musste vor den bösen Mächten, dass er frei wurde vom Bleigießen und von der Katze. Er war froh, dass er frei war von jeglichem Aberglauben an Glückskleeblätter, Hufeisen, Schornsteinfeger und Glücksschweinchen. Er war glücklich, dass er so eine wichtige Lebensentscheidung am Anfang des Jahres treffen konnte. Ihn erwartete ein frohes neues Jahr.

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Nov 25 2007

Gute Botschaft

Geschrieben von under Gottes Führung,Neujahr

Gute Botschaft, ein christliches Anspiel zum Thema Neujahr und Gottes Führung für 10 Personen

Sprecher: Der 2. Weltkrieg ist seit zwei Jahren zu Ende. Aber die Not und das Elend, die er mit sich brachte, konnte das Volk noch längst nicht vergessen. So manche Frau und Kinder warteten sehnsüchtig auf ihren Mann oder Vater, der irgendwo noch vermisst wurde. Der Krieg hinterließ nicht nur Spuren die mit Augen zu sehen sind, sondern er hinterließ auch in so manchen Herzen tiefe Furchen, die noch immer nicht geheilt sind. Aber langsam müssen die Leute sich mit ihrem Schicksal zufriedengeben. Langsam kehrt wieder der Alltag ein. Nun sehen wir eine Gruppe von Männern, die damit beschäftigt sind, im Wald Bäume zu fällen.
(Evtl. auf eine Kassette Geräusche aufnehmen und wie ein Baum kracht, oder Dias zu den verschiedenen Situationen oder ein Bild malen, das diese Situation darstellt: Eine Männergruppe am Baum fällen.)

Wie ein tiefes Atemholen geht es durch den Winterwald. Man hört jetzt keinen Vogellaut, der Wind rauscht nicht mehr. Und die bärtigen Männer sind still und schweigend zur Seite getreten. Am Stamm der hohen Buche steht der alte Holzmeister mit der Axt. Zwei Männer liegen auf den Kien und ziehen mit gleichmäßiger, ruhiger Bewegung die lange Säge hin und her, die sich tiefer und tiefer in den Stamm des Baumes hineinfrisst. Jetzt holt der Holzmeister mit der Axt weit aus und schlägt noch einige Male zu, dass die Späne fliegen. Der Baum hat bis dahin ruhig und hochragend gestanden. Nun läuft es wie ein Zittern den Stamm entlang bis hinauf in die weitästige Krone. Wieder fährt die Axt nieder zum Schlag, da schwankt der Wipfel.

1. Mann: Achtung! Der Baum fällt!

Sprecher: Langsam, langsam neigt sich der Stamm zur Seite, wie ein tiefes Stöhnen dringt’s aus dem innersten Mark des Waldriesen, dann ein Krachen, ein dumpfer Schlag, sodass der Erdboden dröhnt. Der Riese, der manches Jahrzehnt den Wind und Sturmgewittern fest gestanden und dem Untergang getrotzt hat, liegt geschlagen am Boden, von Menschenhand gefällt. Die Männer treten an den Baum heran, an dessen Wurzelstock der Alte noch steht, gestützt auf den Stiel seiner Axt, indes sein Blick gedankenschwer über den dahin gestreckten Stamm geht.

2. Mann: Ein prächtiger Kerl. Schade, dass er dem nachrückenden Jungwald schon hat Platz machen müssen. Der hätt’s noch eine Weile ausgehalten.

Bachmüller: Und noch gesund bis ins innerste Mark hinein. Man kann’s oft von außen nicht sehen, ob gesund oder krank. Wir hatten drüben beim “Dicken Stein” auf unserem Acker einen Wildkirschbaum stehen, ihr habt ihn gekannt. Was für ein Baum, meine Zeit! Mein Großvater hat sich auf ihm schon beim Kirschen pflücken die Hosen zerrissen. Ich hätte gewettet, dass er meine Enkel noch aushält. Im Sommer beim Kornschneiden, wie das fürchterliche Unwetter war, kommt ein Windwirbel und dreht den Stamm einfach ab.
Was soll ich sagen – da kommt’s heraus, innerlich faul, durch und durch, und man hat es ihm von außen nicht angesehen. Nur dass er seit zwei Jahren keine Kirschen mehr brachte. Ja – wenn etwas faul wird, kann’s keine Frucht mehr bringen. Ist schon eine ernste Sache.

Holzmeister: Wenn der Baum fällt, wohin er fällt, da wird er liegen, so sagt’s der weise Prediger Salomo. Das weiß ich sogar noch aus dem Konfirmandenunterricht, und wenn’s auch schon über 40 Jahre her ist. Der steht jetzt nicht mehr auf. Ja, ihr Männer, so liegt jetzt unser Volk. Der Krieg ist aus, wie wird’s weitergehen? Der Baum kann sich nicht wieder erheben, das ist vorbei. Hoffen wir, dass unser liebes Volk sich wieder aufrichtet und sich wieder zurechtfindet. – Aber nun ist Feierabend. Es ist Silvester heute, und ich denke, der Förster ist zufrieden, wenn wir heute eine Stunde früher heimgehen.

3. Mann: Sicher ist er das, Ludwig!

(Förster kommt, sieht alle freundlich an)

Förster: Brav geschafft habt ihr. Klein machen wir den da erst im neuen Jahr und für heute ist Feierabend. Beim Bürgermeister liegt euer Lohn, mit einer guten Zulage, weil’s Jahresende ist. Macht euch jetzt auf dem Heimweg.

Bachmüller: Dank Förster, Dank! Und frohes neues Jahr!

(reicht dem Förster die Hand und winkt dem Holzmeister zu)

Ludwig, dir ebenso. Frohes Neues Jahr – mach’s gut!

Sprecher: Die Männer nahmen ihre Sachen auf und wandten sich seitwärts, wo zwischen den Stämmen der Rauch eines kleinen Feuers aufstieg. Dort suchten sie Kaffeekessel und Brotsack zusammen, löschten mit einigen Handvoll Schnee die aufzischenden Flammen und stampften davon. Ihre Stimmen verhallten nach und nach in der Ferne, indes der Förster mit dem Holzmeister langsamen Schrittes folgte. Hier und da blieben die beiden Männer bei dem gefällten und aufgeschichteten Holz stehen, sprachen über die geleistete und noch zu leistende Arbeit, und als sie am Rande des Waldes ankamen, schritten die anderen Männer schon weit drunten im Tal dem fernen Dorf zu.

Förster: So Ludwig, nun wollen wir zusehen, dass wir auch nach Hause kommen. Alles andere sehen wir dann im Neuen Jahr. Ein jedes neues Jahr bringt neue Ziele, Erwartungen, Hoffnungen, Freuden und Wünsche, nicht wahr?

Holzmeister: Ja, vor einigen Jahren könnte ich mit Ihnen, Herr Iffland wohl noch einstimmen, aber nach solchen Jahren der Enttäuschung und des Leides! Wir haben es aufgegeben. Ich meine, meine Frau und ich.

Förster: Aber Ludwig! – glauben Sie denn nicht mehr an einen, der stärker ist als alles? Alles auf der Welt. Weißt du Ludwig, an einem Silvestertag, so wie heute war ich auch mit dieser Welt fertig! Ich sah für das nächste Jahr keine Zukunft, hatte weder Ziele noch Hoffnung. Damals erkannte ich, dass Gott es ist, der unseren Schritt und Tritt lenkt! Ich habe mich ihm hingegeben, und ihm meine Zeit zur Verfügung gestellt.

Sprecher: Langsam schritten sie talwärts. Weit und weiß lag vor ihnen die Erde. Der seit Tagen herrschende Frost hatte im reinen Weiß des Schnees Tausende von flimmernden Kristallen geschaffen, die Sonne stand schon weit hinter dem Wald, und hoch, wie eine Glocke aus azurfarbenem Glas stand der Himmel über der weiten Landschaft. Über allem lag eine feierliche Stille. Hinter den schneebedeckten Feldern ragte der Kirchturm des Dorfes auf. Wie ein schmales, dunkles Band zog sich im Weiß des Schnees der Pfad, den die Holzfäller getreten hatten, eine Brücke, die aus der Einsamkeit des Waldes hinüberführte, zu den Wohnungen der Menschen. Wortkarg und mit dunklem Gesicht ging der Holzmeister an seiner Seite, dem Förster war es, als müsse er den alten teilhaben lassen an der Freude des Neuen Jahres.

Förster: Ich freue mich schon jetzt auf Erlebnisse mit Gott im neuen Jahr. Wenn es auch nicht immer so kommt, wie ich’s gerade möchte. So weiß ich doch, dass es so das Beste für mich ist. In Römer 12,12 steht: “Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet.

Holzmeister: Ja, Herr Iffland, wenn wir das noch glauben könnten. Das haben wir auch einmal geglaubt, meine Frau und ich. Aber der Glaube ist dahin, liegt mit unserm Bernhard da draußen irgendwo. Sie wissen das noch nicht, und jetzt ist die rechte Stunde, darüber zu reden. Sehen Sie, Förster, der Bernhard, das ist mein Alles gewesen. 10 Jahre waren wir verheiratet, da wurde uns der Bub geboren. Und was für ein Bub! Ein bildhübsches Kind, mit einem hellblonden Lockenkopf und lustigen Augen, und immer so ein schelmisches Lächeln im Gesicht. Ein Sonnenkind! Sonnenkind, und überall der Erste, in der Schule, in der Lehre, und als er zu den Soldaten kam – schon nach einem Jahr wurde er Unteroffizier. Wir, die Mutter und ich, waren so stolz auf ihn, mag’s auch sündhaft sein, dass ich das so sage. Und dann das bittere Ende: Vermisst! Seit fast zwei Jahren! Immer noch haben wir gewartet auf eine Nachricht und gehofft, auch im vorigen Jahr zu Silvester noch. Wir feierten Neujahr wie sie es meinten, voller Hoffnung und Vertrauen, dass wir von Bernd etwas hören. Aber wie Sie nun wissen, geht das Jahr zu Ende, und von Bernd keine Spur.

Förster: Ja, lieber Ludwig, das glaube ich Ihnen schon, das ist schon ein schweres Schicksal, das sie tragen müssen.

(Der Holzmeister atmet schwer auf und spricht leise weiter)

Holzmeister: Und da ist noch etwas, was uns ungemein zu schaffen macht. Da ist unser Nachbar, der Hessekarl, der uns das Leben so schwer macht. Immer schon war er uns feindlich gesinnt.
Als ich vor Jahren meinen Holzschuppen baute, behauptete er, ich habe zu nahe an die Grenze gebaut, ich sollte den Schuppen wieder abreißen. Als ich das nicht tat, setzte er eine neue Vermessung des Geländes durch mit dem Erfolg, dass er selbst von seinem Besitz einen Meter abgeben musste. Das war natürlich etwas, was ihn geradezu dem öffentlichen Spott aussetzte, und wo er konnte, ließ er es uns entgelten. Nun – er hat auch einen Sohn, und das ist ein rechter Strick, ein Raufbold, was soll ich sagen, ein wirklicher Leichtfuß, oft in der Kneipe und nie in der Kirche. Nun – auch er musste einrücken, und sehen Sie, der Bursche kommt wieder heim. Wenn ich den dann sehe und höre vom Nachbarhaus her, wie er seine frechen Lieder pfeift und herum schwadroniert, und ich denke an meinen Bernhard, den guten, frommen Jungen, der treu jeden Sonntag mit uns den Gottesdienst besuchte, und der – der kommt nun nicht wieder, Herr Iffland, Sie wissen nicht, wie das an uns, an der Mutter und mir, innerlich zehrt. Wie kann Gott so etwas zulassen? Das ist es, was uns quält und was uns mehr und mehr dahin bringt, uns von allem loszusagen. Wir wollen nicht mehr mit. Mag unser Leben verlöschen in Dunkelheit und Einsamkeit, was tut’s. Meine Arbeit tue ich ja gerne, und ich bin froh, dass ich noch schaffen kann, aber mehr auch nicht. Das wollte ich Ihnen einmal sagen, und es tut so wohl, sich endlich einmal bei einem Menschen auszusprechen, der mich versteht und mir zuhört.

(Pause)

Förster: Oh, Ludwig, das ist gewiss ein großes Leid, und ich kann Euch gut verstehen. Aber, das darf doch nicht das letzte sein. Ich musste bei Ihrem Erzählen plötzlich an den Mann denken, der den 73. Psalm geschrieben hat. Er hat auch darunter gelitten, dass es, wie er schreibt, den Gottlosen so wohl ging. “Sie sind nicht im Unglück wie andere Leute und werden nicht wie andere Menschen geplagt.” Aber am Schluss ruft er aus: “Dennoch bleibe ich stets an Dir! – Das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte!” Gewiss, ich verstehe Euch sehr gut, Ludwig. Es ist nicht leicht, so sein Liebstes hergeben zu müssen. Das lesen wir auch im Buche Hiob, der Mann, der so heimgesucht wurde und im tiefsten Leid stand. Und doch sagt er zu seiner verzagten Frau, nachdem sie soviel Gutes hatten hinnehmen dürfen, dass sie nun auch das Schwere erleiden wollen. Und so nahm er alles geduldig aus Gottes Hand und durfte dann später dafür einen reichen Segen empfangen. Ich sage Euch das zum Trost und zum Nachdenken für das neue Jahr, daheim in der Stille.

(Sie reichen sich die Hand und verabschiedeten sich)

Holzmeister: Danke, Herr Iffland, danke! Das war jetzt ein gutes Wort, und darüber wollen wir, meine Frau und ich, nachdenken. Wir möchten ja doch auch nicht so im Unglauben stehen und verlorengehen. Helfen Sie uns und denken Sie an uns.

Sprecher: So trennten sie sich. Der Holzmeister schritt zum Dorf hinüber, der Förster schlug einen Seitenweg ein, der zum Forsthaus führte. In der Stube, die der alte Ludwig nach einer Weile betrat, lag schon die Dämmerung des frühen Winterabends. Der Mann hing Mütze, Halstuch und Überrock an einen Nagel hinter dem Ofen, in dem das Feuer knisterte und eine behagliche Wärme ausstrahlte.

Holzmeister: Na, Mutter, sitzt du wieder im Dunkeln?

Frau: ‘n Abend, Ludwig. Was brauchen wir Licht, wir zwei Alten, vor Jahreswechsel kommt ja doch niemand zu uns. Da ist’s für uns zwei schon so hell genug.

Holzmeister: Gewiss, Mutter, wenn ich an früher denke. Ach, nun wein nicht schon wieder. Ich will ja nicht weiter daran erinnern.

Sprecher: Die Frau, deren weißes Gesicht sich hell von dem schwarzen Trauerkleid abhob, das sie um des verschollenen Sohnes willen jetzt immer trug, schluchzte leise vor sich hin.

Frau: Ach, Ludwig, dass wir auch so ganz allein sein müssen in unseren alten Tagen. Keiner fragt nach uns, keiner kommt zu uns – ‘s ist kein Elend so groß wie das Verlassensein, nicht wahr?

Holzmeister: Ja, Mutter, das ist schon so. Der Förster ist mit mir gegangen. Ein prächtiger Mann, der Herr Iffland, ein frommer Mann. Ich hab ihm vom Bernhard erzählt, hab’s ihm gesagt, dass wir in diesem Jahr zum ersten mal ohne Hoffnung und Freude in das Neue Jahr hinübergehen. Und dass doch so viel Zweifel über uns gekommen sind, dass wir kaum noch an die Liebe Gottes glauben können, weil wir uns doch immer fragen müssen, womit wir das verdient haben, dass wir jetzt so verlassen sein müssen. Nun – er hat mir still zugehört, und dann hat er mir Mut und Trost zugesprochen. Hat auch vom Hiob gesprochen, von dem in der Bibel steht, der auch das schwerste Leid aus Gottes Hand genommen hat. Das war schön, Mutter, und ich hab sehr drüber nachdenken müssen auf meinem Weg. Mutter – wir wollen den Glauben an Gott und seine Gnade nicht aufgeben.

Sprecher: Der Holzmeister setzte sich wieder auf die Ofenbank, rückte nahe an seine Frau heran und legte seine raue, verarbeitete Hand auf ihre Hände, die gefaltet in ihrem Schoße lagen. Durch die Dämmerung des Zimmers ging das Ticken der alten Uhr an der Wand, die im ruhigen Gleichmaß die Sekunden der Zeit zählte. Nur noch einige Stunden hatte das Uhrwerk in diesem Jahr zu zählen.

Holzmeister: Mutter, ich habe einen schönen Vers gelesen, der will mir nicht mehr aus dem Sinn: “Mag Erdentrost uns schwinden, auf dich, Herr, darf ich bau’n. Wir wollen’s nicht ergründen, wir wollen nur vertrau’n.” Und das wollen wir tun, Mutter, wir wollen das Vertrauen nicht aufgeben. Über eins können wir doch auch so dankbar sein.
Unser Bernhard war nicht nur ein guter Junge, er war auch ein frommer Mensch, der nach Gottes Wort gelebt und an Jesus als seinen Heiland geglaubt hat. Wenn wir ihn hier auf Erden wirklich nicht mehr wiedersehen sollten, dann doch einmal dort, wie wir es in dem schönen Lied aussprechen: “Die Heimat der Seele ist droben im Licht.”

Frau: Ja, Vater, wir wollen vertrauen. Gott wird’s schon wohlmachen.

Sprecher: So saßen sie zusammen, die beiden Alten, und es war eine Stille um sie her. Ihre Herzen waren geborgen im Frieden Gottes. Da hörten sie, wie draußen an der Schwelle der Haustür jemand den Schnee von den Schuhen abklopfte.

Holzmeister: Hör, Mutter, da kommt doch noch jemand zu uns. So kurz vor Neujahr? Vielleicht will jemand noch etwas bereinigen bevor er ins neue Jahr geht. Es ist doch schön mit reinem Gewissen ins neue Jahr zu gehen.

(steht auf, öffnet die Tür)

Sprecher: Es war der alte “Boten-Ferdinand”, der Briefträger, der eintrat. Die klirrende Kälte draußen hatte ihm weiße Eiskügelchen in den grauen Bart gehaucht und sein Gesicht gerötet. Am Ausdruck des Gesichtes erkannte der Holzmeister, dass es die Kälte nicht allein sei, die ihm das Gesicht glühen machte.

Holzmeister: Kommst noch so spät, Ferdinand. Jetzt ist doch kein Botendienst mehr.

Briefträger: Nein, (nimmt die Mütze ab, kramt in der Tasche) aber jetzt um die Stunde sollte man sich doch mit neuer Hoffnung und Freude auf das Neue Jahr zubereiten. Mach Licht Ludwig, ich habe eine Neujahrsfreude für euch! Die allerschönste, die ihr euch denken könnt. Ich weiß, dass ihr sehr verlassen und einsam seid, und ich wollte nicht bis übermorgen mit dieser Karte hier warten, wenn ich wieder meinen Botendienst verrichten muss.

(Die Frau kommt langsam dazu)

Briefträger: Es hat mir keine Ruh’ gelassen, und darum bin ich trotz der späten Stunde noch gekommen. Hier…

(langsam und feierlich legt Ferdinand die Karte auf den Tisch)

Holzmeister: Was? – Was? (stottert, greift nach der Karte) Es ist nicht wahr! Es ist nicht möglich! Ferdinand, es ist – aber Mutter – Mutter, hörst Du? Von Bernhard! Mein Gott – mein guter Gott, wo hab ich denn nur meine Brille? Vom Bernd…

(sinkt auf einen Stuhl nieder, schluchzt)

Frau: (stammelnd) Von Bernhard?! Kann das denn wahr sein?! Mein Junge!

(Briefträger nimmt die Karte aus der Hand des Holzmeisters)

Briefträger: Nun, darum wollte ich nicht bis übermorgen mit der Karte warten. Kommt, ich will sie euch vorlesen.

Sprecher: Und mit starker und bewegter Stimme las der Bote das, was der vermisste Sohn geschrieben hatte, von Gefangenschaft, schwerer Krankheit, endlicher Genesung und dass er zurzeit in einem Lager im Osten auf seine Entlassung warte. Er hoffe, zum Neuen Jahr daheim bei Vater und Mutter zu sein. Die Blicke der beiden alten hingen an seinen Lippen, tränenschwer aber nicht mehr vom Leid, sondern von der Freude. Der hohen, seligen Freude die nun ihr Hoffen, Bangen und Beten belohnte.

Briefträger: Heute will ich meinem Gott doch auch dafür herzlich danken, dass ich Briefträger bin und euch diese Nachricht bringen durfte. Die Karte hat wegen der unzulänglichen Postverbindung zum Osten sehr lange bis hier gebraucht.

Holzmeister: Mutter, hast du gehört? Er will zum Neujahr daheim sein! Mach alles bereit, damit wir ihn richtig empfangen können, nicht dass er für uns so unerwartet kommt wie Ferdinand. Dank dir Ferdinand, dass du uns so erfreut hast, und dir so viel Mühe, trotz dieses Wetters gemacht hast. Mutter, meine Schuhe!

Frau: Aber Ludwig, wo willst du denn jetzt auf einmal hin?

Holzmeister: Ich will noch zum Förster, ehe das neue Jahr beginnt.

Frau: Aber Ludwig, jetzt noch? Es ist doch schon dunkel draußen. Warte doch bis morgen.

Holzmeister: Nein, nein, morgen ist Neujahr. Ich habe ihm gesagt, er soll für uns beten und an uns gedenken. Er soll sich auch mit uns freuen, wenn wir in das neue Jahr hinüber gehen.

Sprecher: Als die beiden Männer aus dem Hause traten, herrschte draußen eine Totenstille, es schien als wenn alles in sich gegangen wäre und noch einmal über das schon fast vergangene Jahr nachdenke, um rein und heilig in das neue und ungewisse Jahr zu treten. Nachdem Ludwig das Haus des Försters erreicht hatte, und ihm die frohe Kunde erzählte, freute sich dieser mit ihm.

Förster: Gott antwortet auf die Gebete seiner Kinder! Er sagt ja auch in Hebräer 10,35: Darum werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat.

Ludwig: Ja, Sie haben recht. Und ich danke Ihnen noch einmal für die Worte des Trostes, aber jetzt will ich nach Hause. Ich will mit meiner Frau zusammen in das neue Jahr voller Hoffnungen hinübertreten.

Sprecher: Als er zu Hause angekommen war, hörte man vom Kirchenturm her die Glocke zwölf schlagen. So konnten sie geborgen und im vollen Vertrauen auf Gott ins neue Jahr treten. Kannst du es, lieber Zuhörer auch?

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Nov 25 2007

Johannes

Geschrieben von under Gottes Führung

Johannes, ein christliches Anspiel zum Thema Gottes Führung für 8 Personen

Leser: Du erkennst die Not und den Jammer, du nimmst es doch in deine Hand! Der Arme verlässt sich auf dich, du bist doch der Helfer der Weisen. Psalm 10, 14.

Sprecher: Die Mutter des kleinen Johannes wurde eines Tages sterbenskrank. Der Vater hatte seinen Sohn überhaupt nicht gesehen, er starb in dem furchtbaren Krieg, als die Franzosen Preußen eroberten. Die arme Witwe musste Tag und Nacht arbeiten, um für Johannes und seinen kleinen Freund Tako, den Hund, zu sorgen. Alle drei wohnten in einer kleinen Wohnung, aber sie waren zufrieden und beteten täglich zu Gott. Als nun die Mutter im Sterben lag, kamen die Nachbarn, die auch sehr arme Leute waren und weinten um die gute Mutter, die so treu für ihren Johannes gesorgt hatte. Johannes weinte bitterlich.

Mutter: (mit schwacher Stimme) Bete noch einmal.

Sprecher: Dem Jungen fiel es sehr, sehr schwer etwas zu sagen. Seine Stimme versagte ihm fast, weil er so weinte. Aber dann sprach er doch ein Gebet, das er im Kindergottesdienst gelernt hatte:

Johannes: Jesu, geh voran auf der Lebensbahn, und wir wollen nicht verweilen, dir getreulich nachzueilen, führ uns an der Hand bis ins Vaterland.

Sprecher: Die Mutter hob noch einmal ihren Arm, legte ihre Hand auf den Kopf des kleinen Johannes und segnete in:

Mutter: Großer, allmächtiger Gott, lieber Herr und Heiland, segne und behüte meinen kleinen Johannes auf all seinen Wegen. Schenke ihm allezeit deine Gnade und ein reines Herz. Führe ihn durchs Leben, bis ich ihn wiedersehen kann im himmlischen Paradies. Sorge du für ihn als ein Vater, und tröste ihn wie eine Mutter. Ich segne dich, mein kleiner Johannes, im Namen des Herrn Jesu Christi.

Sprecher: Die Sterbende wurde ganz still, sie faltete ihre Hände und blieb in dieser Lage bis zum letzten Atemzuge liegen. – Die Nachbarsfrau drückte der Mutter die Augenlider zu und betete noch den Psalm vom Guten Hirten:

Frau: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

Sprecher: Dann musste sie wieder weinen. Da der Junge keine Verwandten hatte, nahmen die armen Nachbarsleute den Kleinen und seinen einzigen Freund, seinen Tako, bei sich auf. – Obwohl sie selbst nicht allzu viel hatten, teilten sie ihre Speisen mit den beiden und beteten täglich um die Hilfe des Herrn.

Leser: Die mit Tränen säen, werden mit Jubel ernten. Sie gehen mit Weinen ihren Weg, sie werfen mit Tränen ihren Samen, aber sie kommen, ja sie kommen mit Freuden und bringen ihre Gaben heim. Psalm 126, 5-6.

Sprecher: Johannes war ein fleißiger Junge, täglich half er den armen Leuten, wo er nur konnte. Wenn der Mann in den Wald ging, um Kleinholz aufzusammeln, dann trug Johannes es auf einen Haufen und schob den schweren Wagen nach Hause. Im Garten half er der Frau beim Unkraut jäten und harkte die Beete und den kleinen Gartenweg. Jeden Tag suchte er für die Kaninchen allerlei Futter und fütterte die Hühner. Überall begleitete ihn sein Freund Tako. Weil er nun so allein war, sprach er immer mit seinem Hund:

Johannes: Weißt du, Tako, die Mutti ist jetzt im Paradies, dort scheint immer die Sonne, da gibt es keinen Hunger, keine Armut, keine Krankheit, keine Schmerzen, keinen Tod und deshalb auch keine Trennung mehr.

Sprecher: Als die beiden wieder einmal auf der Bank saßen, setzte sich zu ihnen ein Mann. Als er das Gespräch von Johannes mit seinem Hund hörte, lachte er darüber:

Mann: Ich glaube nur, was ich sehe und verstehe.

Johannes: Wenn ich Sie richtig verstanden habe, glauben Sie nur, was Sie verstehen?

Mann: So ist es.

Johannes: Heute früh habe ich die Gänse beobachtet, wie sie Gras fressen, glauben Sie das?

Mann: Gewiss.

Johannes: Dann habe ich die Hühner und die Kaninchen mit Gras gefüttert, glauben Sie das auch?

Mann: Freilich.

Johannes: Und die Schafe und die Kühe fressen doch auch Gras, glauben Sie das auch?

Mann: Natürlich mein Junge.

Johannes: Gut, aber das Gras, welches die Tiere fraßen, wurde bei den Gänsen und Hühnern zu Federn, bei den Schafen zu Wolle und bei den Kühen zu Haaren. Glauben Sie das auch?

Mann: Gewiss.

Johannes: Ja, Sie glauben es, aber verstehen können sie es nicht.

Mann: Ach, du bist ein nichtsnutziger, dummer Junge. Deine Mutter ist tot, die wirst du nie wiedersehen!

Sprecher: Dieser Satz ging dem kleinen Johannes wie ein Stich durchs Herz. Schnell lief er zum Friedhof, setzte sich auf das Grab der Mutter und weinte bitterlich.

Johannes: Es war ein böser Mann, der dem Wort Gottes nicht glauben will. Ich werde doch meine Eltern im Himmelreich wiedersehen, denn Jesus hat gesagt: “Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.”

Leser: O Herr, zeige mir deine Wege, führe mich nach deinem Willen! Leite mich in deiner Treue, lehre mich recht! Denn du bist ja Gott, der mir hilft und beisteht. Alle Stunden harre ich auf dich. Psalm 25, 4-5.

Sprecher: Johannes und sein kleiner Hund Tako blieben die besten Freunde. Sie waren froh, bei den armen Nachbarn eine bescheidene Unterkunft bekommen zu haben. Deshalb half Johannes alle Tage fleißig im Haus, auf den Hof, im Stall, auf dem Feld und im Wald, kleine Arbeiten zu verrichten. Eines Tages verletzte sich der Mann seinen Fuß beim Fällen der Bäume. Ein schwerer Baumstamm rollte über das Bein. Der Fuß wurde dabei so zertrümmert, dass er vom Arzt abgenommen werden musste. Die Armut in diesem Haus wurde groß. – Als Johannes eines Abends schon im Bett lag und Tako neben dem Bett eingeschlafen war, hörte er wie die beiden armen Leute, die ihn ja so lieb aufgenommen hatten, im Nebenzimmer miteinander sprachen.

Mann: Weißt du, Frau, so gern ich den Johannes und seine lieben Hund noch bei mir wohnen lassen will, es geht einfach nicht. Seit meinem Unfall haben wir keinen Verdienst, und bald können wir sie nicht mehr ernähren. Ich glaube, es ist das Beste, wir bringen den Johannes in ein Waisenhaus.

Frau: Aber dorthin kann er doch seinen Hund nicht mitnehmen, wenn er seinen Tako nicht mehr hat, glaube ich, wird er bestimmt vor Kummer sterben.

Mann: Das glaube ich auch, aber was sollen wir denn machen, es bleibt uns keine andere Wahl. Wir wollen zu Gott beten, dass er dem Johannes über diese traurige Nachricht weiterhilft.

Sprecher: Johannes verstand jedes Wort, er hatte sein Ohr ganz dicht an die Wand neben dem Bett gepresst. Alles wurde noch trauriger, Johannes weinte unter seiner Bettdecke bitterlich. Er konnte gar nicht einschlafen und dachte darüber nach, was er jetzt tun sollte. – Mitten in der Nacht stand er leise auf, packte ganz still seine wenigen Sachen in ein Säckchen. Dann nahm er Tako und kletterte heimlich aus dem Fenster. Die Nacht war noch sehr kühl, und in der Ferne schrie klagend eine Eule. So wanderten die beiden über ein weites Feld. Dann gelangten sie zuletzt in einen großen Wald. Jetzt begann es schon zu dämmern und die Vögel eröffneten ihr wunderschönes Morgenkonzert. – Johannes und Tako liefen, bis sie an einen Bach kamen, und dort ausruhten. Sie tranken von dem frischen Quellwasser und aßen das letzte Brot. So liefen sie den ganzen Tag durch den Wald. Am Abend kamen sie an eine große Waldwiese. Dort stand eine kleine Hütte, die nicht einmal ein Fenster hatte. Durch eine kleine Luke krochen die zwei in den duftenden Heuschuppen. Sie legten sich in das weiche Heu und Johannes dankte Gott für die unerwartete Unterkunft.

Leser: Ich glaube, auch wenn ich sage: Ich werde sehr geplagt. Psalm 116,10

Sprecher: Johannes und Tako hatten sehr gut geschlafen. Liebevoll umarmte Johannes seinen treuen Kameraden, als er plötzlich vor der Heuhütte Schritte vernahm und das Quietschen eines Rades. Schnell faltete Johannes seine Hände und betete:

Johannes: Lieber Gott, beschütze uns vor Unglück und neuen Gefahren. Hilf uns bitte auch jetzt!

Sprecher: An der Tür wurde der Schlüssel gedreht und knarrend öffnete sie sich. Ein älterer Mann mit einem alten schmutzigen Zylinderhut starrte in die Hütte. Sein Gesicht war zornig.

Dieb: Was wollt ihr hier? Was fällt euch ein, euch in meinem schönen Heu herumzuwälzen. Ich will euch mit der Peitsche eure Wege lehren!

Johannes: Ach guter Mann, seid bitte nicht so böse, wir hatten uns in der Nacht verirrt und wussten nicht, wo wir schlafen sollten, weil wir ganz allein auf der Welt leben.

Dieb: Was schert mich euer Leben, arbeite lieber, dann weißt du auch, wo du schlafen kannst. Wer weiß, ob du nicht zu irgendeinem Diebesgesindel gehörst.

Sprecher: Jetzt wollte er den Jungen packen:

Johannes: Nein Herr, seid barmherzig, ich will Ihnen gerne helfen und bei Ihnen arbeiten.

Dieb: Du und arbeiten, so siehst du gar nicht aus! Also gut, ich habe heute noch viel zu transportieren, los, heraus mit euch. Wir gehen jetzt ins Dorf, um einzukaufen.

Sprecher: Der Mann lud auf seine alte Karre zwei Zentner Getreide und einen schweren Schleifstein. Dann spannte er Johannes und Tako vor das schwere Gefährt und zog mit den beiden über die Felder.

Dieb: Vorwärts, ihr Strauchdiebe, zieht gefälligst besser, damit uns die Polizei nicht erwischt!

Sprecher: Wenn es ihm nicht schnell genug ging, dann nahm er Steinchen und warf sie nach den beiden. Johannes und Tako zogen an der Karre mit letzter Kraft. Wenn wir uns nicht bald einmal ausruhen können, breche ich zusammen, dachte Johannes, der schon heftige Stiche in der Herzgegend hatte. Bald hatten sie die Spitze einer Anhöhe erreicht. Plötzlich begann die Karre wie von selbst bergab zu rollen. Johannes und Tako sprangen schnell zur Seite. Der Mann, der seine Karre und die wertvolle Ladung retten wollte, zerrte an dem Riemen, aber die Last rollte immer schneller und gefährlicher den Abgrund. Da stürzte er mitsamt seinem Diebesgut in eine Bergschlucht. Gott hatte Johannes wieder bewahrt. Beide rannten so schnell sie konnten davon.

Leser: Unser täglich Brot gib uns heute. Matthäus 6,11

Sprecher: Johannes und Tako waren von dem bösen Mann befreit. Sie wanderten weiter und hatten schon lange nichts mehr gegessen und getrunken. Beide waren so müde, dass sie nicht weitergehen konnten. Sie setzten sich auf einen Baumstamm, um ein wenig auszuruhen. Dann begann der Junge das Vater Unser zu beten:

Johannes: Unser täglich Brot gib uns heute!

Sprecher: Plötzlich kam Johannes ein Gedanke:

Johannes: Wenn die Leute zu Gott um Brot bitten, muss es auch jemand geben, der ihnen etwas gibt. Ich muss einfach den “Brotladen des lieben Gottes” suchen.

Sprecher: Er machte sich nun wieder auf und wanderte mit Tako in den nächsten Ort. Während er von einer Straße zur andern ging, dachte er immer:

Johannes: Wo kann wohl Gottes Brotladen sein?

Sprecher: Als er gerade wieder um eine Ecke bog, sah er in einem Bäckerladen ein großes Bild vom Heiland an der Tür hängen.

Johannes: Das muss der Brotladen unseres lieben Heilandes sein!

Sprecher: Johannes ging in den Laden hinein. Hm, wie duftete es in dem Bäckerladen, der voller Kuchen, Torten, Brot, Brötchen und Schokolade war. Hinter dem Ladentisch stand eine freundliche Bäckersfrau.

Johannes: Ich bin gekommen, um mir das tägliche Brot abzuholen.

Bäckerin: Ja, da bist du gerade richtig hier. Welches Brot und wie viel möchtest du den haben?

Johannes: Diese beiden kleinen Brote möchte ich bitte haben.

Bäckerin: Gern mein Junge.

Sprecher: Sie nahm die beiden Brote und wickelte sie in Papier. Johannes nahm die Brote, ging zur Tür und sagte.

Johannes: Vergelt’s Gott und schönen Dank fürs tägliche Brot.

Bäckerin: Aber, mein Junge, du hast ja vergessen zu bezahlen! Wer hat dich denn geschickt?

Johannes: (schüchtern) Mein Vater im Himmel.

Bäckerin: Hast du denn kein Geld?

Johannes: Nein, meine Eltern sind tot, und da hat mich mein himmlischer Vater zu Ihnen geschickt. Ich habe heute früh zu ihm gebetet und seinem Wort geglaubt.

Bäckerin: Welchem Wort?

Johannes: Na. “Unser täglich Brot gib uns heute.” Weil ich das Bild vom Heiland in Ihrem Laden sah, dachte ich, das muss Gottes Bäckerladen sein.

Bäckerin: (weinend) Gott segne dir das Brot, mein Junge. Wenn du wieder Hunger hast, komm nur wieder, ich will dir schon etwas zu essen geben.

Johannes: (freudig rufend) Hier ist des lieben Gottes Bäckerladen!

Sprecher: Am Abend ging die gute Bäckersfrau noch einmal um ihr Haus herum. Doch was sah sie dort? Dort war Johannes im tiefen Schlaf, mit Tako. Die Bäckersfrau besprach die Angelegenheit mit ihrem Mann, und so beschlossen sie, den Johannes bei sich zu behalten. Da sie keine Kinder hatten, gehörte dem Johannes später die ganze Bäckerei, und er nannte sie “Des lieben Gottes Bäckerladen”. Sein Geschäft war das beste in der ganzen Stadt, und wenn einmal hungernde Kinder kamen, so schenkte ihnen Johannes das “täglich Brot”.

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Nov 25 2007

Sorget nicht…

Geschrieben von under Gottes Führung

Sorget nicht, ein christliches Anspiel zum Thema Gottes Führung für 7 Personen

(leiser Glockenklang im Hintergrund)

Sprecher: Vom nahen Kirchturm ertönten zwölf Glockenschläge. Das Fenster im Zimmer des kranken Vaters stand offen. Als der letzte Schlag der Kirchenglocke verhallte hörte er wieder, wie seine Frau bei der Arbeit im Garten sang. Gerne würde er gemeinsam mit ihr im Garten arbeiten, doch nun war er ans Bett gebunden. Trotz aller Schwierigkeiten wusste Familie Müller sich geborgen, und nahm alles aus Gottes Hand, seien es gute oder schlechte Tage.

Vater: Claudia, kommst du mal herein.

Mutter: Was ist Reiner, ist dir schlecht?

Vater: Nein, mir geht’s eigentlich schon besser, doch schade, dass ich dir jetzt nicht im Garten helfen kann. Heute ist schon der neunundzwanzigste, und wir haben die Schulden immer noch nicht bezahlt, die wir machen mussten, als ich das letzte mal krank war.

Mutter: Doch ich bin Gott dankbar, dass wir nun genug Geld haben um unsere Schulden zu begleichen.

Vater: Darüber freue ich mich auch. Die Kirchenglocke hat gerade 12 geschlagen. Peter müsste ja gleich aus der Schule kommen. Am besten ist es, wir schicken ihn gleich nach dem Mittagessen mit dem Geld zu Herrn Stein.

Sprecher: Herr Stein, bei dem die Familie Schulden hatte, war Geschäftsmann und lebte im nächsten Dorf. Einige Minuten später traf Peter auch schon zu Hause ein. Sein Gesicht strahlte vor Freude, da er heute wegen des schönen Wetters keine Hausaufgaben hatte.

Peter: Mutter, weißt du was, Klaus hat einen neuen Drachen bekommen. Er hat mich gefragt, ob ich nicht dabei sein will, wenn er den Drachen steigen lässt. Darf ich nachmittags hin?

Mutter: Eigentlich könntest du ja gehen, doch geh erst zu Vater. Er hat eine wichtige Aufgabe für dich.

Peter: Vater, Klaus hat einen neuen Drachen, und wir wollten ihn heute fliegen lassen. Doch Mutter sagte, du hättest eine wichtige Aufgabe für mich.

Vater: Ich gönne dir die Freude von Herzen, aber heute geht es nicht. Du musst mir einen wichtigen Brief nach Mühlenbach, zu Herrn Stein bringen.

Sprecher: Damit war der Fall für heute Nachmittag erledigt. Peter hatte seine Enttäuschung schnell überwunden. Nach dem Mittagessen steckte der Vater vor den Augen seines Sohnes zwei Banknoten mit einem Begleitschreiben in den Umschlag und schrieb die Anschrift drauf:

Vater: H-e-r-r-n  S-t-e-i-n, D-o-r-f-s-t-r-a-s-s-e 39. So Peter, bringe diesen Brief jetzt gleich zu Herrn Stein. Wo er wohnt, weißt du ja. Ich wickle ihn noch in etwas Pergamentpapier, damit er auch ja heile bleibt.

Peter: Ist in Ordnung Vater, ich mache das schon für dich.

Vater: Pass aber gut auf den Brief auf, hörst du?

Sprecher: Peter machte sich sofort auf den Weg. Doch er war noch nicht weit gegangen, da hörte er einen Pfiff. Als er sich umschaute sah er seine Freunde. Diese riefen ihm zu und versuchten ihn zu überreden einen Augenblick beim Drachensteigen dabei zu sein. Nach einigen Versuchen, den Drachen steigen zu lassen, merkten sie, dass der Schwanz zu kurz war. Sie brauchten Papier, und so bot sich unwillkürlich Peters Umschlag an. Er wollte ihn erst nicht hergeben, doch zum Ausprobieren, konnte es nicht schaden. Er würde ihn ja gleich wiederbekommen. Die Jungs waren mit dem Drachen dermaßen beschäftigt, dass sie nicht merkten wie der Himmel in kurzer Zeit dunkel wurde. Dann brauste es heran, wie es bei einem Gewittersturm oft geschieht. Plötzlich ein leises, fast unhörbares Knacken. Die Schnur riss, und der Drache flog davon.

Peter: Mein Brief! Mein Brief! Den sehe ich nie wieder. – Was habe ich bloß getan? Wie konnte ich so leichtsinnig mit Vaters Geld umgehen?

Sprecher: Schluchzend und durchnässt kam Peter nach Hause, und erzählte das Unglück seiner Mutter.

Mutter: Peter, wie konntest du nur so unüberlegt handeln. Wie lange hat Vater gespart, um dieses Geld zusammenzukriegen, dass er während der letzten Krankheit leihen musste. Geh jetzt auf dein Zimmer. Ich muss mit Vater darüber reden.

Vater: Ich habe alles mitbekommen Claudia. Wie konnte der Junge nur so ungehorsam sein?

Mutter: Er ist ja noch ein Kind! Jetzt ist alles zu spät. Wie lange haben wir dafür gespart. Was sollen wir jetzt nur machen?

Vater: Ach wäre ich doch gesund! Dann wäre das alles nicht passiert! Woher sollen wir jetzt das Geld nehmen, und übermorgen läuft die Frist ab. Dieser Junge…. (Pause) – Ach, was sind wir doch so kleingläubig! Hat uns Gott nicht schon oft aus schwierigen Situationen herausgeführt? Und weißt du Claudia, denen, die Gott lieben, dienen doch alle Dinge zum Besten, und wir lieben Gott! Lass uns diese Sorge gleich im Gebet vor Gott bringen.

Sprecher: Wir wollen nun hören, was sich am gleichen Tag in Mühldorf, dem Nachbardorf, wohin Peter von seinem Vater geschickt worden war, ereignete. Dort wohnte Familie Kettler – das waren noch junge Eltern mit zwei kleinen Kindern. Herr Kettler war schon zwei Jahre lang arbeitslos, und trotz allen Suchens war es bis jetzt nicht gelungen irgendeine Beschäftigung zu finden. Auch an diesem Vormittag war er wieder unterwegs gewesen, und traurig heimgekehrt.

Berthold: Alle Mühe, alles Schreiben umsonst! Wie soll es bloß weitergehen?!

Frau: Berthold, verliere nicht den Mut! Lass uns auf Gott vertrauen! Er kann, und er wird auch helfen, wenn seine Stunde gekommen ist. Ich hörte eben, dass in Appeldorf einige aus unserem Dorf Arbeit gefunden haben. Vielleicht versuchst du es dort einmal?

Berthold: Ja, wenn du meinst. Ich kann‘s ja versuchen. Lass uns gleich essen, und dann will ich hinfahren. Wenn du willst, kannst du in einer Stunde mit den Kindern nachkommen. Das Wetter ist so schön. Wir treffen uns dann am kleinen Wäldchen.

Sprecher: Gesagt, getan. Nach dem Essen fuhr Herr Kettler mit dem Fahrrad fort, und etwa eine Stunde später machte sich auch seine Frau auf den Weg. Als Frau Kettler das genannte Wäldchen beinahe erreicht hatte, verschwand die Sonne plötzlich hinter den Wolken. Ein heftiger Wind kam auf.

Frau: Wenn ich gewusst hätte, dass es heute noch gewittern wird, würde ich zu Hause bleiben, doch jetzt ist es zu spät. Ich muss schnell zum Wäldchen, bevor es zu regnen anfängt. (Setzt sich) So, hier werden wir nicht ganz so nass.

Berthold: Da bist du ja. Mittags war es so schön, wer hätte gedacht, dass es so stark gewittern würde? Hier können wir warten, bis das Gewitter vorüber ist.

Sprecher: Dicht aneinandergedrängt saßen sie da, und warteten das Weitere ab. Der Mann sagte nichts, und die Frau schwieg auch. Nach dem Ergebnis seiner Fahrt zu fragen wagte sie nicht, aus Furcht, eine neue Enttäuschung zu erleben. Allmählich wurde es heller und dann brach die Sonne durch die Wolken.

Berthold: So, ich glaube jetzt können wir wieder losfahren.

Frau: Ja, der Regen hat ja aufgehört.

Berthold: Was ist denn das? Da vorne, vor uns, siehst du es? Da hat sich irgendwas im Baum verfangen. Ich schaue mal nach.

Sprecher: In einem Baum vor ihnen hing ein Drache, ganz zerzaust vom Wetter und Wind. Sein langer Schwanz, der im Wind hin und her wehte, war zum Greifen nah. Es gelang Berthold das Endstück zu erwischen, zu seinem Erstaunen sah er, dass es ein zusammengerolltes Stück Pergamentpapier war. (rollt Pergamentpapier auf)

Berthold: Hast du je so etwas gesehen? Hängt doch tatsächlich ein Brief am Drachenschwanz.

Frau: Er ist ganz schön durchnässt, ob wir die Schrift noch entziffern können?

Berthold: Er ist an… an… Herrn Stein, in unserem Dorf gerichtet. Was soll man dazu sagen?

Sprecher: Beide standen vor einem Rätsel, das zunächst unlösbar schien. Zu Hause angekommen, beeilte sich Berthold, den auf so merkwürdige Weise erhaltenen Brief, dem Empfänger zu übermitteln.

Berthold: Guten Tag, Herr Stein!

H. Stein: Guten Tag, was wünschen Sie?

Berthold: Ich habe hier einen Brief für Sie.

H. Stein: Sind sie der neue Briefträger? Heute war doch schon Post.

Berthold: Nein, aber das hier ist außergewöhnliche Post. Sie hing an einem Drachenschwanz. Hier, bitte.

H. Stein: Das ist ja unglaublich! Auf so eine Art und Weise wurden mir noch keine Schulden bezahlt. Ich danke Ihnen erstmals für Ihre Mühe. Aber kommen sie doch morgen wieder, und erzählen es mir in aller Ruhe.

Sprecher: Da Herr Stein heute noch einige wichtige Sachen zu erledigen hatte, verabschiedeten sie sich voneinander. Kurz darauf rief Herr Stein bei Müllers an, von denen er soeben den Brief erhalten hatte. Doch Herr Müller war gerade beim Arzt. Ohne näheres zu erklären, sagte er, dass er ihnen morgen einen Besuch abstatten würde.

Mutter: Gut, dass du wieder da bist.

Vater: Was ist denn, du siehst ja so betrübt aus.

Mutter: Herr Stein hat vor kurzem angerufen. Er hat nach dir gefragt. Als ich ihm erzählte, dass du beim Arzt seist, sagte er nicht mehr viel, nur dass er morgen Nachmittag vorbeikommen würde.

Vater: Und was hat er sonst gesagt?

Mutter: Sonst eigentlich nichts, aber das eine ist jawohl klar, morgen läuft die Frist ab. Was wollen wir ihm bloß sagen?

Vater: Die Wahrheit, so wie es sich zugetragen hat.

Mutter: Aber sowas lächerliches wird er uns nicht glauben! Am Schwanz eines Drachens war der Brief befestigt und ist davongeflogen.

Vater: Er muss es einfach glauben, denn bis Morgen kriegen wir das Geld von keinem geliehen. Da bleibt uns nur eins: auf Gott vertrauen und an seine Allmacht glauben.

Mutter: Aber du musst doch zugeben: Das ist eine recht alberne Geschichte, die wir ihm da erzählen wollen.

Vater: Da muss ich dir Recht geben, aber in der Bibel steht auch: Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat. Nicht wahr?

Sprecher: Am nächsten Morgen erschien Berthold, wie verabredet, bei Herrn Stein und erzählte ihm die Geschichte in aller Ruhe nochmals.

Berthold: … Ja, und so ist der Brief doch dahin gekommen, wo er hin sollte.

H. Stein: Was wollten Sie denn eigentlich in Appeldorf?

Berthold: Meine Frau sagte mir, es bestehe die Möglichkeit dort Arbeit zu finden.

H. Stein: Sind sie arbeitslos?

Berthold: Ja leider, und das schon seit zwei Jahren.

H. Stein: Was haben sie denn früher getan?

Berthold: Ich war als kaufmännischer Angestellter beschäftigt. Aber das Geschäft ist eingegangen. Heute wäre ich für jede Arbeit dankbar.

H. Stein: (Pause) Das Erlebnis zeigt mir aufs neue, dass es bei Gott keinen Zufall gibt. Alles liegt in seiner Hand, auch das was uns völlig verborgen ist. Ich selbst bin um eine kostbare Erfahrung reicher geworden. Und Ihnen will Gott, wie ich glaube, zu einer Beschäftigung verhelfen. Ich brauche nämlich gerade einen ehrlichen Angestellten. Wollen sie in meinem kleinen Geschäft die Büroarbeiten übernehmen? – Ein hohes Gehalt kann ich Ihnen zwar nicht zahlen, aber ich denke, dass es zum Lebensunterhalt reichen wird.

Berthold: Ich danke Ihnen Herr Stein! Gott hat die Gebete erhört!

Sprecher: Kaum zu beschreiben ist die Freude, die an diesem Morgen in die Familie einkehrte! Gott hatte die Gebete seiner Kinder erhört! Doch anders sah es bei Familie Müller aus. Noch immer drückte sie die Angst, vor dem, was da kommen würde. Da klingelte es an der Haustür. Es war Herr Stein.

Mutter: Guten Morgen Herr Stein.

H. Stein: Guten Morgen Frau Müller.

Mutter: Sie kommen sicher wegen des Geldes. Am besten sprechen Sie mit meinem Mann darüber. Er ist krank, und liegt im Nebenzimmer. (gehen ein Stück)

H. Stein: Guten Morgen, Herr Müller. Wie ich sehe geht es Ihnen wieder nicht gut.

Vater: Ja, es ist wieder die gleiche Krankheit. Wir hatten kaum das Geld zusammen, um Ihnen die Schulden zu bezahlen, die ich während meiner letzten Krankheit machen musste, doch es ist uns verlorengegangen, ob Sie es glauben oder nicht. Ich hatte meinen Sohn beauftragt, ihnen einen Umschlag mit dem Geld zu überbringen, doch er hat sich unterwegs aufgehalten, um mit anderen Jungs Drachen steigen zu lassen. Sie haben den Brief an den Drachenschwanz befestigt und dieser ist ihnen abgerissen. Ich weiß, das klingt alles sehr ausgedacht, aber es war so. Und deshalb, Herr Müller, ist der Brief nicht bei Ihnen eingetroffen. Könnten Sie auf das Geld vielleicht noch etwas warten?

H. Stein: Wer sagt denn, dass das Geld nicht angekommen ist?

Vater: Ich glaube Sie wären nicht hier, wenn das Geld bei Ihnen angekommen wäre.

H. Stein: Gottes Arm ist nicht zu kurz. Ja – ich habe das Geld erhalten. Ein Mann brachte es mir, der den Drachen an einem Baum gefunden hatte. Und hier ist das Geld – sie brauchen es mir nicht mehr zurückzahlen. Es gehört Ihnen – sie haben es nötiger!!

Vater: Ich kann das alles nicht begreifen! Ist das wirklich Ihr Ernst!? Vielen Dank, Herr Stein!!

H. Stein: Danken Sie Gott, denn er hat alles so wunderbar geführt! Naja, dann ist das ja erledigt. Ich muss weiter. Auf Wiedersehen!

Sprecher: Tränen standen Herrn und Frau Müller in den Augen, als Herr Stein sie verließ! Sie konnten es immer noch nicht recht fassen. Noch für einige Minuten blieb es still im Zimmer. Schließlich fing Reiner an:

Vater: Siehst du Claudia, wir hätten uns gar nicht soviel Sorgen machen brauchen.

Mutter: Wer hätte je gedacht, dass dies alles ein so gutes Ende nehmen würde?

Vater: Lass uns daraus lernen, und unser Vertrauen täglich auf den Herrn werfen. Denn es heißt nicht umsonst: Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch.

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