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Nov 22 2007

In den Tagen des Menschensohnes

Geschrieben von under Ewigkeit

In den Tagen des Menschensohnes, ein christliches Anspiel zum Thema Ewigkeit für 10 Personen

Erzähler: Viele Predigten hört man in den letzten Jahren vom Nahe sein und Wiederkommen des Herrn. Noch dringender reden die Zeichen der Zeit von diesem Ereignis, eine Sprache, die nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen ist. Alles deutet darauf hin, dass der Tag der Wiederkunft unseres Herrn nicht mehr ferne ist. Sind wir auf dieses große Ereignis vorbereitet? Gleichen wir den Jungfrauen, die genügend Öl in ihren Lampen hatten, den Bräutigam zu erwarten und ihm mit hellen Lichtern zu begegnen? Möge der Herr bei seiner Wiederkunft uns wachend finden, einen jeden auf dem Platz, den er für uns bestimmt hat.
In einem Zugabteil befanden sich drei Männer. Professor Bitter und der Fabrikant Gutter führten ein lebhaftes Gespräch miteinander, der dritte unbekannte Mann hörte schweigend zu.

Bitter: Sieh einer an! Das ist doch der Herr Gutter, mein lieber Freund? Ich habe Sie vorhin ja überhaupt nicht erkannt, wo kommen Sie denn her?

Gutter: Wir hatten eine Besprechung und mussten etliche Geschäftsfragen klären.

Bitter: Ach so!

Gutter: Ja, ja. Sie als Arzt sind ohne Sorgen. Ihre Patienten kommen nach wie vor, aber wir.-

Bitter: Ja, stimmt genau, niemand will sich aus diesem Jammertal entfernen, und wenn die Hütte noch so baufällig ist – der Professor Bitter soll sie doch noch mal reparieren. Jeder hängt an seinem Leben.

Gutter: Werter Herr Professor, aber alles können Sie doch wohl auch nicht. Oder ist es nicht mehr wahr, was Plato gesagt hat, dass unser Wissen ein Stückwerk ist?

Bitter: Meinetwegen Stückwerk, wenn wir nur vorwärts kommen in unserem Werk. Der Krebs ist schon heilbar. Ich habe ihn zuerst geheilt.

Gutter: Was sagen Sie?

Bitter: Der Krebs ist heutzutage nicht mehr schlimmer als Schnupfen.

Gutter: Wirklich? So weit ist die Medizin schon?

Bitter: Es wird nicht mehr lange dauern, dann kann man gerade das Einfältige von dem Stückwerk aus der Bibel auslöschen.

Gutter: Ach so, in der Bibel steht das? Nun, dann ist es kein Wunder. Da stehen ja lauter Phantasien drin.

Fremder: Irret euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten.

Gutter: (verächtlich) Wie können Sie uns mit “euch” anreden?

Fremder: Mein Herr, man sollte sich fürchten, einen Spruch aus der Bibel zu schmähen. Sie beweisen damit, dass Sie in der Bibel gar nicht zu Hause sind. Trotzdem urteilen Sie darüber. Es kommt die Zeit, wo Sie einmal alles einsehen werden. Gebe Gott, dass es für Sie beide nicht zu spät sein möge.

Gutter: Nun hören Sie mal, bester Herr, läuten Sie bloß nicht die Höllenglocken! Wer glaubt denn heutzutage noch an diesen Unfug?

Fremder: Es bleibt doch, verzeihen Sie mir, meine Herren, bei dem Wort der Bibel: „Die Toren sprechen in ihrem Herzen, es ist kein Gott.“

Gutter: (erregt) Hören Sie mal, das ist doch eine Frechheit! Was erlauben Sie Sich eigentlich?

Fremder: Bitte, regen Sie Sich doch nicht auf. Wenn Sie die Ehre meines Herrn antasten, dann kann ich nicht schweigen. Die Ehre meines Heilands, der mich mit Seinem Blut erkauft hat, der mich glücklich und selig gemacht hat… Meine Herren, bei Jesus hat man es wirklich gut. Bei Ihm allein ist wahrer Friede und dauerhaftes Glück zu finden. Weder Ihre Wissenschaft, noch Ihr Geld wird Ihnen ein Trost sein, wenn Sie sterben müssen, oder wenn der Herr kommt. Meine lieben Herren, bedenken Sie es doch, mit Seinem Blute hat der Herr auch für Sie bezahlt, und Sie verachten dies teure Blut. Ich bitte Sie, tun Sie es nicht mehr länger. Wir haben doch so einen herzlichen Heiland! (geht weg)

Gutter: Das war ja eine ganze Predigt!

Bitter: (erschrocken) Was ist denn das?

Gutter: (etwas erregt) Der Zug ist am bremsen – und hält an.

Bitter: Wir sind doch noch nicht da?

Gutter: Wir sind noch auf freier Strecke!

Bitter: Was soll denn das? Warum hält der Zug? (schaut auf die Uhr) Zwei Minuten nach Mitternacht. (der Schaffner kommt) Haben wir kein Einfahrtssignal, Herr Schaffner?

Schaffner: Der Lokomotivführer ist verschwunden.

Gutter: Was heißt das “verschwunden”? Der Kerl ist sicher betrunken gewesen und heruntergefallen.

Schaffner: Der und betrunken? Nein, das gab’s bei ihm nicht. Sein Gehilfe sagt, er sei in einem Nu verschwunden und dann hat der Gehilfe sofort den Zug angehalten.

Frau: (tritt erschrocken ein und in solchem Zustande redet sie) Herr Schaffner, wo ist mein Kind? Meine Tochter ist weg. Luise! Sie ist verschwunden und noch etliche aus unserem Fahrwagen.

Schaffner: Sie müssen doch gemerkt haben, wie das Kind verschwunden ist?

Frau: Nein, das ist es ja gerade. Ich habe etwas geschlafen. Als der Zug plötzlich anhielt bin ich aufgewacht. Ich schaute mich nach meiner Tochter um, konnte sie jedoch nirgends entdecken. Sie ist einfach verschwunden, spurlos verschwunden.

Bitter: Das gibt’s doch gar nicht. Hier fehlt jemand, dort fehlt jemand. Was soll das bloß heißen? Auch der unbekannte Mann aus unserem Abteil ist nicht mehr da!

Erzähler: Dem Professor war es, als ob eine kalte Hand nach seinem Herze griff. Der Zug fuhr endlich weiter. Professor Bitter saß still in einer Ecke des Abteils mit geschlossenen Augen. Was mochte das alles zu bedeuten haben? Sollten seine Frau und seine Tochter doch recht gehabt haben? Wie oft hatte seine Frau unter Tränen versucht, ihm von der Liebe Jesu zu berichten, aber er hatte sie dann nur aus seinem Zimmer geschoben und gesagt: “Ich habe für solche Dinge keine Zeit!” Seine Frau, ja sie war eine gute Hausfrau, eine so sorgsame Gattin, eine so liebende Mutter gewesen. Ob wirklich dieser Jesus auch seinem Herzen Frieden geben könnte? Der Zug fuhr endlich in den Bahnhof ein. Professor Bitter suchte so schnell wie möglich einen Wagen, und voller Ungeduld ging es dem Hause zu. Zu Hause angekommen machte Bitter schnell die Rechnung für die Fahrt, dann öffnete er mit zitternder Hand die Haustür. Jetzt wird er die Zimmertür aufgehen hören, und seine Frau, seine liebe Marta wird ihn begrüßen und willkommen heißen, wie sie es sonst getan hatte. aber – nein -… Die Wohnzimmertür öffnet sich nicht. Eine Unruhe steigt in ihm hoch. Er hört seinen eigenen Herzschlag. Sollte der schreckliche Augenblick wirklich da sein? Hastig legt er seinen Mantel ab und geht ins Wohnzimmer. Die Lampe brennt auf dem Tisch, das Zimmer ist leer. Ihm wird bange ums Herz; die Stille ist grausam. Kalter Schweiß perlt von seiner Stirn. Er eilt ins Schlafzimmer – Marta! – keine Antwort. Er macht das Licht an. Die Betten sind leer. Was mag das alles bedeuten? Er ruft laut außer sich. Nur das Echo dringt aus dem großen Wohnzimmer, dann wieder alles still. Eine Grabesstille. Jetzt eilt er ins Obergemach. Mit einigen hastigen Sätzen springt er die Treppe hinauf, klopft an die Tür und betritt das Dienstmädchenzimmer.

Bitter: (erregt) Sophie, wo ist meine Frau? Wo ist Edith?

Sophie: Herr Professor, die beiden Frauen saßen im Zimmer, als ich zu Bett ging. Der junge Herr ist ausgegangen. Er wollte in die Schenke gehen, wie ich hörte.

Bitter: Sophie, meine Frau ist nicht da, meine Tochter auch nicht! Da muss ein Unglück geschehen sein. Still, unten geht die Haustür auf, das wird sie sein.

Erzähler: Aber es war nur Werner, sein Sohn. Er arbeitete nicht, trieb sich gewöhnlich in den Kneipen herum und verzehrte so das Geld seines Vaters. Kein Wunder, dass Bitter nicht viel von seinem Sohn hielt, doch in diesem Augenblick war es eine Seele, mit der er seine Angst teilen konnte. Eilend stieg er hinunter.

Werner: Guten Abend, Vater, von der Reise schon zurück?

Bitter: Werner, wo ist Mutter?

Werner: Mutter, woher soll ich das wissen? Bin doch selbst eben nach Hause gekommen.

Bitter: Werner, die Mutter ist verschwunden und Edith auch.

Werner: Verschwunden? Vater, du machst wohl Witze?

Bitter: Junge, sehe ich nach Spaß aus?

Werner: Nein, natürlich nicht. Aber was soll das Ganze?

Bitter: Schau her, ihre Sachen sind alle da, Hut und Mantel. Ausgegangen sind sie also nicht.

Sophie: (kommt) Sind die beiden noch nicht da?

Bitter: Nein.

Sophie: Gleich nach 8 Uhr ist Ihre Frau und Ihre Tochter zur Bibelstunde zu Pastor Willmann gegangen. Von da kamen sie aber zurück und hielten sich im Wohnzimmer auf. Als ich sie um 10 Uhr verließ, lasen sie noch in der Bibel.

Bitter: Werner, komm setz dich einmal hin. Ich will dir sagen, weshalb ich so erregt bin. Du weißt, deine Mutter hat oft davon gesprochen, dass jeder Mensch sich bekehren muss. Sie meinte, ohne eine Übergabe des eigenen Lebens an Jesus Christus, sei es unmöglich, Vergebung der Schuld und ewiges Leben zu bekommen. Sie hat oft gesagt, dass jeder Mensch seine Seele vorbereiten muss; entweder für den Tod, oder aber für die Entrückung, wo der Herr in einem Augenblick alle Bekehrten zu sich holt. Hör zu, Werner, wir können nicht so weiterleben wie bisher. Unser Leben muss sich ändern.

Werner: Bitte, Vater, halte keine Moralpredigt. Es hat bei mir doch keinen Zweck.

Bitter: Werner, wir leben in der Sünde! Es darf nicht so bleiben. Gott wird uns zur Verantwortung ziehen.

Werner: Entschuldige, Vater, aber du bist so komisch.

Bitter: Warum?

Werner: “Warum” fragst du? Ich will dir sagen warum. Warst nicht du es, Vater, der mir den Glauben raubte? Sagtest nicht du es, dass die Religion nicht für solche Herrschaft, wie wir es sind, sei? Warst nicht du es, der stets über das Beten der Mutter lachte und spottete? Wer hat mir meinen Kinderglauben genommen? Wer anders, als du? Als ich zum seligen Pastor Berghausen in den Unterricht ging und mich bemühte, ein Leben mit Gott zu führen, wer hat mir da Extrastunden gegeben, dem Pastor entgegen zu arbeiten? – Du kannst zufrieden sein, Vater, dein Werk ist dir gelungen. Ich war ein gelehriger Schüler. Ich bin längst mit dem Glauben fertig geworden. Keine Spur ist davon übriggeblieben. Du hast ihn gründlich beseitigt. Das hast du erreicht. Besser bin ich durch deinen Unterricht nicht geworden, glücklicher auch nicht. Ich habe die Welt genossen. Alles ist öde und leer. Und du willst mir jetzt Moral predigen? Und wenn ich, wie die Mutter gesagt hat, verloren gehe, dann Vater, bist du schuld. Und wenn es eine Hölle gibt für solche Menschen wie du und ich, dann werde ich in der Hölle noch sagen: “Du bist schuld!”  (der Sohn geht weg)

Bitter: O, schreckliche Wahrheit – er hat recht! Ich bin schuld.

Erzähler: Professor Bitter saß noch lange da und weinte. Dann faltete er seine Hände und legte seine tränenvollen Augen darauf. Der allwissende Gott sah den Zustand dieses Mannes und wusste wohl, was dieser zusammengebrochene Mann wollte. Der Professor wurde ruhiger. Sein Leben zog an ihm vorüber, jener schöne Tag kam ihm in den Sinn, an dem er Marta fragte, ob sie seine Frau werden wollte. Da bekam er das Ja – Wort, aber er war nicht gläubig. Oh, damals versprach er ihr alles zu glauben, auch zur Kirche zu gehen. Und wie hatte er sein Versprechen gehalten? Wie oft hätte es Streit zwischen ihnen gegeben, wenn sie nicht Hut und Mantel hingelegt hätte und gesagt: „Ich kann ja auch zu Hause bleiben, wenn du mit uns den Abend verbringen willst.” Und er war dann doch nicht bei Ihr geblieben. Mehr und mehr schloss sie sich an ihre Tochter Edith. Nun, die Tochter, das ließ er sich noch gefallen, aber der Sohn sollte kein Gläubiger werden. Und was war aus ihm geworden? Ein Jüngling erst, aber ausgelaugt und abgelebt wie ein Greis. Und das war seine Schuld. Wie mag die Mutter doch gelitten haben, als sie die Entwicklung ihres Sohnes sah? Daher kam wohl das frühe Ergrauen ihres Haares. Wie oft hatte Bitter, wenn er zur ungewohnten Stunde in ihr Zimmer eintrat, sie betend vorgefunden. Da betete sie auch für ihn, der ihr das Leben verdorben hatte, der ihr das Glück stahl. Ja, diese treue Frau war jetzt nicht mehr da. Nur er und sein Sohn, aber daran war er schuld. Und schuldbewusst kam aus der Tiefe seines Herzens ein Gebet: „Gott, Du Heiland meiner Frau und meiner Tochter, sei Du auch meiner Seele ein Heiland! Kann so ein Mensch wie ich Vergebung erlangen?” Noch lange rang Bitter in diesem Zustand. Der Morgen graute schon als er sich endlich von seinen Knien erhob. Seine Gelenke waren wie erstarrt. Er machte sich auf die Suche nach seinem Sohn. Im Vorbeigehen warf er einen Blick in den Spiegel. Was war denn das? Diese eine Nacht hatte sein Haar schneeweiß werden lassen. Doch er kam nicht weit. Eilends wurde er zu einem Selbstmörder gerufen, der sich die Pulsadern aufgeschlitzt hatte. Der Mann schrie laut: „Ich bin schuld. Meine Frau hatte doch recht mit ihrem Gott und Jesus. Und nun ist sie verschwunden.” Ich will euch sagen wo sie ist” sagte Bitter zu den Umstehenden. Sie ist daheim bei dem Herrn Jesus. In dieser Nacht um 12 Uhr hat der Herr alle Frommen weggeholt in den Himmel. Wir aber    sind wegen unserer Sünden zurückgeblieben.“ Währenddessen machte er Arzthilfe an dem Verwundeten und dann verließ er das Haus. Auf den Straßen herrschte eigentümliche Unruhe. Arbeiter, die zur Fabrik gingen, kehrten wieder um, weil die Fabrik geschlossen war. Da fehlte ein Betriebsführer, da ein Maschinenaufseher, da mehrere Meister, und dort Arbeiter, kurz, überall Lücken. Und gerade die fehlten, die sonst am zuverlässigsten und am treuesten waren. Lauter nüchterne, ordentliche, ruhige Leute. Zu Hause angekommen, fragte ihn Sophie erschrocken, was mit dem Professor geschehen sei, denn sie sah sein schneeweißes Haar. Sie setzten sich und Bitter erzählte ihr seine Erlebnisse. “Sophie, meine Frau und meine Tochter sind wirklich fort. Sie sind daheim beim Herrn” sagte er langsam. Sophies Herz war tief erschüttert. Nach dem Kaffee entschloss sich Bitter zu Pastor Willmann zu gehen, wo seine Lieben gestern Abend gewesen waren. War das wirklich gestern Abend? Es kam ihm wie eine Ewigkeit vor. Was hatte er seit gestern Abend nicht alles erlebt und erlitten.

Bitter: (im Hause Willmanns) Guten Morgen!

Diener: Guten Morgen.

Bitter: Ist Pfarrer Willmann schon zu sprechen?

Diener: Die Eheleute Willmann sind noch oben, sie müssten aber jeden Augenblick herunterkommen. Wen darf ich melden?

Bitter: Professor Bitter.

Diener: Bitte, nehmen Sie Platz.

Bitter: Also doch zurückgelassen. Ich hätte gedacht, dass er auch entrückt wäre. Ja, ja, dieser fromme Mann.

Diener: (erregt) Herr Professor, Familie Willmann ist nicht da. Die Betten sind leer, auch die Kinder fehlen. Was soll das bloß bedeuten?

Bitter: Sie sind beim Herrn. Ja, ja, das war ein frommer Mann, der Pastor Willmann. Sie sind entrückt.

Diener: Entrückt, entrückt? – Dann sind wir zurückgeblieben und ich war doch auch mal bekehrt. O mein Gott.

Erzähler: Nun ging Bitter zu Pastor Quante, seinem guten Freund. Dem Pastor Willmann war er bisher aus dem Weg gegangen, aber mit Pastor Quante verstand er sich besser. Er ist gewiss zu Hause. Richtig. Aber der Küster war auch schon bei ihm. Was der wohl wollte?

Quante: Herr Professor, was wollen Sie bei mir? Ich bin der elendste Mensch auf dieser Erde. Mein Leben ist verloren und wertlos. Ich bin ein blinder Blindenleiter gewesen. O Herr Professor, Sie können es nicht verstehen, Sie wissen nicht, was das heißt, das ganze Leben verloren zu haben.

Bitter: Ich verstehe Sie vollkommen, Herr Pastor. Ich bin genau in Ihrer Lage. Ich habe auch ein verlorenes Leben zu beklagen. Die Wissenschaft, der Ruhm, das waren unsere Götzen, bei Ihnen, wie bei mir. Herr Pastor, es ist jetzt zu spät.

Quante: Es ist zu spät, hören Sie nur, was der Küster mir heute früh schon erzählte. Er war früh morgens zum Kirchhof gegangen um nachzusehen, ob das Grab für den Klostermeister schon fertig wäre, denn er sollte heute begraben werden. Dort angekommen fiel er fast in Ohnmacht vor Schrecken. Er behauptete, dass wenigstens 50 – 60 Gräber offen, die Grabsteine weggewälzt und die Gräber leer seien. Ich habe den Küster noch nie in solchem Zustand gesehen. Er wusste nicht, was dies zu bedeuten hatte. Ich weiß es aber genau. Die Entrückung ist geschehen, und wir sind zurückgeblieben, wie schreck-lich!

Bitter: Die Toten in Christo werden zuerst auferstehen, schreibt Paulus. Wir haben das Größte der Weltgerichte miterlebt, aber wir waren nicht bereit. Ach, Herr Pastor, es war eine entsetzliche Nacht, auch für mich. Meine Frau und Tochter sind daheim. Mein Sohn und ich sind zurückgeblieben.

Quante: Ach, lieber Herr Professor, was sollen wir denn tun? Helfen Sie uns doch.

Bitter: Ich kann Ihnen nicht helfen.

Erzähler: Professor Bitter ging nach Hause. Auf den Straßen war ein großes Durcheinander. Sparkassen und Kaufhäuser wurden geplündert. Die Polizei war machtlos. Professor Bitter kam traurig nach Hause. Zu Hause angekommen, nahm er die Bibel und las: „Von der Zeit aber und Stunde, liebe Brüder, ist nicht not euch zu schreiben, denn ihr selbst wisset gewiss, dass der Tag des Herrn kommen wird wie ein Dieb in der Nacht“. Er las noch weiter, aber er konnte es nicht fassen. Es war jetzt deutlich, dass die Bibel recht behalten hatte. Die biblischen Prophezeiungen hatten sich erfüllt, und er hatte sich darüber lustig gemacht.
Über das Sinnen und Nachdenken hörte Bitter die Kirchenglocken läuten. Im Kirchenzettel stand, dass Pastor Willmann heute im Hauptgottesdienst predigen würde. Viele kamen zum Gottesdienst. Auch Bitter machte sich auf den Weg. Nein, die Zuhörer würden heute wohl enttäuscht werden. Pastor Willmann war nicht mehr da. Pastor Quante würde die Vertretung machen. Und so war es auch. Die Kirche war überfüllt. Da trat Pastor Quante vor den Altar, merkwürdig blass. Er beugte seine Knie zum Gebet, was er sonst nicht tat. Nach dem Gebet las er aus der Bibel: „Gleich aber, wie es zur Zeit Noahs war, also wird auch die Zukunft des Menschensohnes sein. Denn gleich wie sie waren in den Tagen der Sintflut, sie aßen, sie tranken, sie freiten und ließen sich freien, bis an den Tag, da Noah in die Arche einging und sie achteten nicht, bis die Sintflut kam und sie alle dahin nahm. Also wird auch die Zukunft des Menschensohnes sein. Da werden zwei auf dem Felde sein, einer wird angenommen, der andere wird verworfen werden; zwei werden mahlen auf der Mühle, einer wird angenommen, der andere wird verwarfen werden“ Da fing er an zu reden: „Meine Freunde, ich muss euch etwas bekennen. Alle Jahre, die ich Pastor dieser Gemeinde gewesen bin, bin ich ein Mietling, aber nicht ein Hirte gewesen. Ich habe euch gepredigt, und bin selbst verwerflich geworden. Ihr wisst, dass mein ganzes Leben verfehlt ist. Alle meine Predigten waren ohne Saft und Kraft. Ich habe Lob und Ehre gesucht für meine Person. Pastor Willmann ist nicht mehr unter uns. Der Herr hat seinen treuen Knecht heimgeholt. Wir aber sind zurückgeblieben.“
Anfänglich hörte man, wie Männer und Frauen schluchzten und weinten, dann aber gab es ein großes Durcheinander. Da kamen Beschuldigungen, Vorwürfe, Spotten und Lachen. Es brach dem alten Bitter fast das Herz. Er versuchte Pastor Quante zu verteidigen, denn schon hatte man eine Flasche Branntwein nach ihm geworfen. Pastor Quante und Professor Bitter entfernten sich schnell, denn es war in der Kirche, als wäre die Hölle entbrannt.

Quante: O, Herr Professor, was ist das? Haben sie je so etwas erlebt?

Bitter: Nein, aber wir werden noch schrecklicheres erleben. Dies ist erst der Anfang. Der Herr hat das Salz, seine Gemeinde, von dieser Erde hinweg genommen.

Quante: Ich möchte gerne noch gutmachen was ich verdorben habe.

Bitter: Ja, das möchte ich auch, aber es ist zu spät. Auf Wiedersehen. (Der Professor reicht dem Pastor die Hand und geht)

Erzähler: Draußen ging die Sonne unter. Ihr zarter Schein umstrahlte die höchsten Gebäude der Stadt. Professor Bitter eilte zu Pastor Quante, wie sie besprochen hatten. Beide wollten sich noch einmal sprechen. Auf den Straßen standen noch immer gruppenweise Menschen. Aus den überfüllten Wirtshäusern kamen andere dazu. Viele ballten ihre Fäuste und lästerten alle Frommen und die noch geistlich gesonnen waren. An polizeiliche Hilfe war nicht zu denken, denn es war nirgends ein Schutzmann zu sehen. Das Volk war bis zum Wahnsinn aufgebracht. Man wollte Rache nehmen an den Frommen, die an dem Elend so vieler Trennungen schuld sein sollten. Als erster sollte Pastor Quante seinen Lohn bekommen und dann Professor Bitter. Professor Bitter hatte das Haus des Pastors beinahe erreicht, als er eine Menschenmenge herankommen sah. “Was ist denn los?” fragte er die Herbeieilenden. “Nieder mit den Frommen!” brüllte man ihm entgegen. Einen Augenblick stand der Professor regungslos da, dann sprang er auf eine Treppenstufe und rief so laut er konnte der Menschenmenge zu: „Liebe Leute, der Herr hat Seine Frommen hinweg genommen, aber wir waren nicht bereit, und jetzt sind wir auf ewig…”  Ein Stein, der ihn an die Stirn traf, machte seiner Rede ein schnelles Ende. Die Menschenmenge schlug wie wild mit Steinen auf ihn ein. “Nieder mit den Frommen” hörte man überall schreien. Dann stürmten sie das Pastorhaus, wo Pastor Quante ein ähnlicher Tod widerfuhr. Der Anführer dieser Menge war der junge Bitter. Ihm war bewusst geworden, was es heißt, für immer verloren zu sein.
Diese Begebenheit ist nur ein Sinnbild der Entrückung der Kinder Gottes. Aber wie überraschend wird sie viele Menschen treffen? Wie viele werden sich in der Situation des Professor Bitter wiederfinden? Die Bibel spricht davon, dass dieser Tag wie ein Dieb in der Nacht plötzlich da sein wird. Dann wird offenbar werden, welches Verhältnis wir zu Jesus hatten. Dann wird keiner mehr danach fragen, wie gut wir es verstanden haben, Geld zu machen und unser Leben abzusichern, Zukunftspläne zu schmieden und unsre Persönlichkeit zu entfalten. Das einzige, was dann noch zählt ist die Frage: „Steht mein Name im Buche des Lebens? Habe ich auf diesen großen Tag hin gelebt?” Und dieser große Tag kommt immer näher. Bald wird es Wirklichkeit sein, und wir stehen alle vor dem großen Herrn. Wie wirst du ihm entgegentreten? Wie wirst du ihm begegnen?

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Nov 22 2007

Titanic

Geschrieben von under Ewigkeit

Titanic, ein christliches Anspiel zum Thema Ewigkeit für 13 Personen

Offizier: Ihr Name?

Schmidt: Josef Schmidt.

Offizier: Mister Schmidt, Sie sind Steuermann?

Schmidt: Ja, Sir, aber nur Binnenschiffer.

Offizier: Sie wollen nach New York? Haben Sie Verwandte dort?

Schmidt: Nein, Sir, ich möchte in die Vereinigten Staaten übersiedeln.

Offizier: Sie sprechen sehr gut Englisch. Ihre Sprachkenntnisse werden Ihnen noch sehr nützlich sein.

Schmidt: Ich hoffe, Sir.

Offizier: Also, hier haben Sie Ihre Schiffskarte – Sie wohnen in Kabine E 50, der Steward zeigt Ihnen den Weg. Viel Glück wünsche ich Ihnen!

Autor: Am 11.April 1912 betritt Josef Schmidt um 13 Uhr das stolzeste, schönste und neuste Schiff der Welt, ein Kunstgebilde der Innenarchitektur und Inbegriff neuzeitlichen Fortschritts.
Dieses Schiff soll ein Symbol der erhabenen, stolzen Welt sein. Mehr als 1300 Passagiere und 890 Besatzungsmitglieder befinden sich an Bord, als der Luxusdampfer zu seiner ersten Reise über den Atlantik in See sticht.
(besonders langsam und deutlich lesen)
Hoch über dem geheimnisvollen Abgrund der Meerestiefe stürmt das große Schiff mit 46300 Bruttoregistertonnen, einer Länge von 269 m, 28 m Breite und 7 Stockwerken hoch, voller Menschen, Gepäck, Lebensmittel und Energiebedarf dahin.
Josef  Schmidt ist schon drei Tage unterwegs nach Amerika, um seiner Berufung nachzukommen, missionarisch unter den noch in Amerika lebenden Indianern zu wirken. Lange hatte er für seine Pläne gebetet, bis er zu wissen meinte, von Gott zu dieser Arbeit berufen zu sein. Seine gut bezahlte Stellung als Steuermann hatte er gekündigt und unter dem Segen seiner Kirchengemeinde Deutschland verlassen.
Nun ist er wieder an Deck und unterhält sich mit dem Deckoffizier.

Schmidt: Das Wetter hat sich wieder etwas beruhigt.

Offizier: Am ersten Tag haben wir tatsächlich eine wilde Sturmfahrt erlebt. Aber in unserm Schiff kann uns nichts passieren. Wir nähern uns schon der Küste von Amerika.

Schmidt: Man erzählt, dieses neu erbaute Schiff habe das Prädikat „Unsinkbar“ erhalten.

Offizier: Das stimmt. Dieser Dampfer hat einen doppelten Boden und ist in 16 wasserdichte Abteilungen unterteilt. Außerdem sichert ein Netz von elektrischen Kontrollapparaten, Alarm- und Telefonleitungen gegen Überraschungen.

Schmidt: Das ist ja raffiniert.

Offizier: In der Tat, hier kann man sich sicher und geborgen fühlen. So, ich möchte jetzt essen gehen. Auf Wiedersehen!

Autor: Nach diesem Gespräch geht Josef Schmidt in die Doppelkabine der 3. Klasse und liest in der Heiligen Schrift die Begebenheit von der Seereise des Apostels Paulus auf dem Mittelmeer:

Schmidt: (liest Apg. 27,15)
Was muss das für eine “Nussschale” gewesen sein gegen das mächtige Stahlmonstrum, auf dem ich mich jetzt befinde. Die drei Schiffsschrauben mit ihren zwei Vierzylinder – Kolbenmaschinen verleihen dem Schiff die kaum denkbare Kraft von 50 000 PS, die Höchstgeschwindigkeit beträgt ca. 24 Knoten. Aber die interessanteste Sicherheitsvorrichtung ist eine wasserdichte Konstruktion.
(liest weiter Apg. 27,18-25)

Autor: Im stillen Gebet dankt Schmidt dem Gott, der Himmel und Erde geschaffen und der den besten Schutz gegen alle Unsicherheiten gibt. Ja, an ihn will sich Josef halten, von ihm allein Schutz und jede Hilfe erwarten. Er zieht sich seine Windjacke an und beginnt einen erneuten Rundgang durch das Schiff. Obwohl er nun schon drei Tage an Bord lebt, steht er immer wieder irritiert vor der Vielzahl von Gängen in den verschiedenen Stockwerken.
Es ist eine mondlose, ruhige Nacht. Die funkelnden Sterne leuchten in geheimnisvoller Zwiesprache mit dem schwarzen Himmelsraum. Die Wasseroberfläche gleicht einer polierten Glasplatte. Josef Schmidt hat den Ozean noch nie in solcher eindrücklichen Stille gesehen. Seine Seele weitet sich beim Anblick der erhabenen Größe und Höhe des dunklen Panoramas.

- Musik -

Josef tritt den Rückweg an. Er steigt die eiserne Treppe hinunter. Durch die langen weißen Gänge, die zu den Luxuskabinen führen, vorbei an den Ballsälen, Tennisplätzen, Bibliotheken und Billiardräumen. Er hört Stimmen aus der Bar, wo bei einem Kartenspiel laut diskutiert wird. Eine vornehme, mit Diamanten geschmückte Dame kommt ihm entgegen von einem Steward begleitet, der ihr behilflich ist, die Kabine zu finden. Lebhaft gibt der in Weiß gekleidete Steward technische Erklärungen ab:

Steward: Gnädige Frau, niemand wird das Schiff zum Sinken bringen. Der Kapitän kann durch ein einfaches Betätigen eines elektrischen Schalters augenblicklich alle Schotten schließen und damit das Schiff praktisch unsinkbar machen.

Dame: Meinen Sie?

Steward: Aber gewiss, gnädige Frau, selbst Gott könnte dieses Schiff nicht versenken…

Dame: Aber, aber… mein Herr, ist das nicht Gotteslästerung?

Steward: Ich bitte vielmals um Entschuldigung. Ich glaube, die Werftarbeiter in England haben diesen Satz an die Außenwand der Titanic geschrieben.

Dame: Das ist ja entsetzlich!

Autor: Auch Josef ist über dieses kurze Gespräch schockiert. Als er seine Kabine erreicht hat, kniet er an seinem schmalen Bett nieder und betet um Vergebung aller seiner Sünden und allen gottlosen Treibens an Bord dieses Schiffes.

- Musik -

Die meisten Passagiere liegen bereits in dieser ruhigen und kalten Sonntagnacht in ihren kuscheligen, gemütlichen Betten. Auch Josef schließt seine Augen und schlummert bei den monotonen Geräuschen langsam ein. Bilder aus der Heimat erscheinen ihm: Josef sieht seine Mutter, wie sie betend am Bett kniet – er hört den Vater bei Tisch das Dankgebet sprechen – eine Katze erscheint und kratzt an der Tür – das Kratzen lässt nicht nach.
Plötzlich ist Josef hellwach. Er spürt, dass Traum und Wirklichkeit ineinander übergegangen sind.

Schmidt: Was ist das? Ein merkwürdiges Knirschen von der äußeren Schiffsseite.

Autor: Das Geräusch ist nicht sehr stark; es genügt aber, dass er sofort von seinem Bett aufsteht. Er lehnt sich an den Hohlraum des runden Bullauges. Da sieht er durch das Glasfenster eine Graugrüne Wand aus Eis vorübergleiten.

Schmidt: Wir haben einen Eisberg gerammt!

Autor: So schnell er kann, zieht er sich wieder die Schuhe an. Noch immer hört er das knirschende Scharren und gedämpft polternde Geräusch an der äußeren Schiffswand. Dann ist es still. Josef blickt erschrocken auf das kleine Zifferblatt am Arm – es ist gerade 20 Minuten vor Mitternacht.

- Musik -

Der Vollmatrose Frederik Fleet starrt intensiv in die schimmernde Nacht; tiefe Nebelbänke kriechen von Neufundland herüber und schieben sich als milchige Watte vor den Bug des Schiffes. Fleet ist einer der sechs Ausguckposten, der hoch über der Kommandobrücke vom Mast her Ausschau hält. Er trägt die größte Verantwortung, denn dieser nächtliche Späher gilt als das “Auge des Schiffes“. Ab und zu wechselt er einige Worte mit Lee, seinem Kollegen.

Fleet: Mensch, ist das kalt! Es scheint immer kälter zu werden.

Lee: Ist ja auch kein Wunder! Es wird doch ständig vor Eis gewarnt. Aber bis jetzt ist alles glatt gelaufen.

Fleet: Du hast recht. (spricht zu sich selbst) Hm, da sind kleine Punkte. Sie werden von Sekunde zu Sekunde größer. (wird immer aufgeregter)
Lee! Siehst du dort!

Lee: Was soll ich sehen?

Fleet: Da, vorn, die Punkte! Sie türmen sich zu einer hohen Wand!

Autor: Rasch schlägt er dreimal an die Signalglocke und reißt fast zur gleichen Zeit den Hörer des Telefons von der Gabel, um Sprachkontakt zur Kommandobrücke zu bekommen.

1. Offizier: Was haben Sie gesehen?

Fleet: Vor uns treibender Eisberg hart voraus!

1. Offizier: Verstanden.

Autor: Sofort stürzt er zum Maschinentelegrafen und zieht auf “äußerste Kraft zurück“. Entgeistert starren die gewarnten Besatzungsmitglieder auf den wachsenden Eisberg. Der Erste Offizier wird totenbleich. Die feuchte, glitzernde Wand scheint das Schiff zermalmen zu wollen.

Lee: (panisch) Die Titanic wird gar nicht langsamer.

Fleet: So schnell können Schiffe auch nicht bremsen! Halt! Wir schwenken nach Steuerbord! Es ist ein Wunder!

Lee: Puh, das war knapp! Wir sind noch einmal um Haaresbreite davongekommen!

Autor: Messerscharf gleitet der Dampfer an der Eiswand vorbei. Zugleich aber geht ein fast unmerklicher Stoß durch den Riesenleib der Titanic.
Der Erste Offizier, der jetzt das Kommando führt, greift hart nach dem Schalter, der die wasserdichten Schotten schließt. – Doch alles scheint zu spät – urgewaltige Naturmächte haben zugeschlagen. Sekunden später, das Knirschen war gerade erstorben, stürzt Kapitän Smith aus seiner Kabine.

Kapitän: Was war das?

1. Offizier: Ein Eisberg, Sir! Ich ließ die Ruder hart Steuerbord herumreißen und die Maschine auf äußerste Kraft zurücksetzen. Ich wollte die Wand Backbord liegen lassen. Wir waren aber zu dicht am Eis. Mehr konnte ich nicht tun.

Kapitän: Schließen Sie die Schotten!

1. Offizier: Die Schotten sind bereits geschlossen, Sir!

Autor: Josef Schmidt bemerkt, dass die Maschinen gestoppt sind. Schnell läuft er den Gang entlang, während er seine wetterfeste Jacke anzieht. Er bleibt an Deck stehen. Er will sich genau vergewissern, ob nicht bei der Kollision etwas Schlimmes passiert ist. Zu ihm gesellt sich ein junger Deutscher aus Köln. Dieser junge Mann ist kaum 20 Jahre alt.

Deutscher: Meinen Sie, die Sache ist ernst zu nehmen?

Schmidt: Ich denke schon, sonst hätte der Kapitän die Fahrt nicht unterbrochen.

Deutscher: Aber es herrscht keine Katastrophenstimmung, es heulen keine Sirenen! Kein schrilles Glockenzeichen ist zu vernehmen, nichts deutet auf eine unheilvolle Situation hin. Jedes Anzeichen einer Gefahr fehlt einfach.

Schmidt: Der Schein trügt. Schauen Sie doch dort hinauf!

Autor: Er deutet auf die vier Schornsteine, drei von ihnen blasen Dampf mit steigendem Lärm ab.

Schmidt: Als ich in meiner Kabine war, hörte ich ein verdächtiges Knirschen an der Schiffswand und sah den dunkelgrünen Eisberg am Bullauge sehr dicht vorüberziehen. Vielleicht haben wir ein Leck – auf alle Fälle werden wir die Fahrt nicht so bald wieder fortsetzen können, sonst würde man nicht so kräftig Dampf ablassen.

Deutscher: Aber die Titanic gilt als vollkommen unsinkbar!

Schmidt: Was ist schon vollkommen, das Menschenhand geschaffen hat? Vollkommenheit bleibt das Privileg Gottes – alles andere ist unvollkommen und vergänglich.

Deutscher: Sie haben also ernsthafte Bedenken?

Schmidt: Auf alle Fälle ist der Schaden so groß, dass der Kapitän sich entschlossen hat, die Weiterfahrt für einige Zeit zu unterbrechen; das ist sehr viel und es ist äußerst ernst zu nehmen.

Deutscher: Möglich, dass ein Schaden entstanden ist. Vielleicht wird es ein paar Stunden dauern und dann geht die Reise weiter.

Autor: Die Titanic liegt wie tot im Wasser, das träge gegen die Bordwand plätschert, Einige Eisstücke bedecken die Laufstege und das Deck. Sonst scheint alles normal zu sein. Kapitän Smith ist bereits mit seinem Ersten Offizier zu einer Inspektion unterwegs.

Kapitän: Lass uns möglichst wenig Aufsehen erregen. Wir nehmen den schmalen Mannschaftsgang!

1. Offizier: Ja, Sir!

Kapitän: Wir dürfen keine Panik an Bord aufkommen lassen.

Autor: Beide laufen tief unten durch das Labyrinth der Gänge, vorbei an dem Postraum, in dem unaufhaltsam Wasser eindringt.

1. Offizier: Wassereinbruch! Wassereinbruch! Großes Leck! Das Wasser dringt sehr schnell ein.

Autor: Um 0.05 Uhr, also erst 25 Minuten nach der Kollision mit dem Eisberg, befiehlt der Kapitän dem Chefoffizier die Boote klarzumachen. Seinem Ersten Offizier gibt er die Anweisung, die Passagiere zu sammeln. Dem Funker wird Befehl gegeben, sofort den Hilferuf auszusenden.

Kapitän: Bitte funken Sie ununterbrochen das Notsignal! Das Schiff ist durch Unterwassereis schwer beschädigt und kann nur noch kurze Zeit über Wasser gehalten werden. Wir sinken.

Funker: Senden wir doch das neue Zeichen SOS. Vielleicht ist es die erste und für uns die letzte Chance, diesen Ruf zu senden!

Autor: Alle Schiffe, die in der eisigen Verlassenheit des Nordatlantiks ihre Route ziehen, können sich über Hunderte von Meilen von der anbahnenden Katastrophe ein Bild machen.

Funker: SOS – Titanic! Wir sinken, helft! Kommt uns zur Hilfe! SOS – Save our souls  – Rettet  unsere Seelen!

Autor: Ein weißer Sternenregen ergießt sich über das todeswunde Schiff, doch gilt “WEISS“ nicht als Notsignal, sondern “ROT“. – Aber Notraketen waren ja sowieso überflüssig, das Schiff galt ja als unsinkbar!
Es dauert längere Zeit, ehe sich der Dampfer “Frankfurt“ meldet.

Funker Fr.: Ist es schlimm?

Funker: Wir sinken!

Funker Fr.: Die Titanic, das unsinkbare Schiff, unter Feuerwerk? Besoffene Bande!

Autor: Allmählich kommt Bewegung in die schlaftrunkene Gesellschaft. Schon nach wenigen Minuten ergießt sich ein Menschenstrom in die großen Säle. Die Besatzungsmitglieder treiben alle sanft durch die Gänge. Den Passagieren werden Schwimmwesten angelegt. Auf die aufgeregten Fragen wird nur geantwortet:

1. Offizier: Wir proben nur ein Rettungsmanöver.

Dame: Mitten in der Nacht bei dieser Kälte?

1. Offizier: Wir müssen auf alle Situationen gut vorbereitet sein. Also, bitte; legen Sie Ihre Schwimmweste an!

Dame: Aber die Titanic ist doch unsinkbar, oder?

Autor: Darauf weiß der Offizier keine Antwort. Doch langsam erkennen die Menschen, dass es kein Übungsmanöver ist, sondern bittere Wahrheit. Panik breitet sich unter der Menschenmasse aus.

- Musik -

Autor: Um 0.45 Uhr wird das erste Rettungsboot zu Wasser gelassen.

1. Offizier: Frauen und Kinder zuerst in die Boote. Das Schiff ist gründlich ausgerüstet, für jeden gibt es einen Platz in den Rettungsbooten.

Autor: Doch die Wahrheit sieht ganz anders aus. Es gibt nur 20 hölzerne Rettungsboote und vier große Rettungsflöße aus Leinwand. All diese Boote können höchstens 1200 Menschen aufnehmen, aber es befinden sich mehr als 2400 Personen an Bord der Titanic. Da das Schiff für unsinkbar galt, sparte man, um für alle einen Platz zu schaffen.
Auf den ausgesandten Notruf antwortet ein britisches Passagierschiff: Carpartia an Titanic, kommen mit Volldampf, sind gegen drei Uhr dort! Aushalten!
Die See schwappt bereits über das vordere Deck der Titanic, das Brüllen der Dampfpfeifen ist erstorben und die Neigung des Schiffes hat sichtlich zugenommen. Die Flut steigt und dringt in das größte Schiff der Welt. Nein, die Titanic ist keine Arche, sondern wird in kürzester Zeit zu einem Riesensarg für Hunderte Menschen. Die Menschenmenge stößt und drängt zu den Booten. Männer versuchen Frauen und Kinder rücksichtslos zur Seite zu drängen. Der Erste Offizier zieht seine Pistole:

1. Offizier: Wenn je ein Mann versucht die Boote zu erreichen, schieße ich ohne Anruf!

Autor: Aus einem Boot schreit ein Steward:

Steward: Wir haben keinen Seemann an Bord!

1. Offizier: Sind Seeleute hier?

Schmidt: Ich bin Steuermann, Sir.

1. Offizier: Steuermann sind Sie?

Schmidt: Ja, aber nur bei der Binnenschifffahrt.

1. Offizier: Dann übernehmen Sie vorerst das Boot, bis ich ein Mitglied der Besatzung gefunden habe.

Autor: Ehe Josef Schmidt recht nachdenken kann, sitzt er als Führer im Rettungsboot. Einige Boote haben jetzt die Titanic verlassen. Eines nach dem andern rudert langsam von dem riesigen Luxusdampfer weg.
Auf dem Schiff klammern sich Männer an die Mäntel von Besatzungsmitgliedern.

Deutscher: Ich gebe Ihnen tausend Dollar für einen Platz!

Autor: Ein anderer überbietet ihn:

Mann: Hunderttausend Dollar! – Eine Million! Mein ganzes Vermögen!

Autor: Kopfüber und kopfunter fallen sie in die Rettungsboote. Wie Strandgut liegen die Passagiere in den Booten übereinander, verletzt, mit gebrochenen Gliedern, verrenkten Armen, ohnmächtig, einige vor Kälte und Grauen stöhnend.

Offizier: Halt! Zurück! Die Boote sind überfüllt! Nicht überladen!

Autor: Um die Menge zu beruhigen spielt das Schiffsorchester den Choral: “Näher mein Gott zu Dir.” Einige Leute beten zum ersten Mal in ihrem Leben. Auch Josef Schmidt im Rettungsboot ruft zu Gott um Gnade für alle Zurückbleibende.
Da – plötzlich scheint ein inwendiger Stoß das Schiff getroffen zu haben – auf das kleine Schiff kommt eine Meereswoge zu. Das Vorderschiff der Titanic sinkt wie ein schwerer Felsen ins Meer, während sich das Heck wie ein Monstrum erhebt.
Wie dunkle Äpfel fallen Männer, Frauen und Kinder in das unheimliche Wassergrab. Keiner ist imstande auf dem Deck noch aufrecht zu stehen. Das Heck steigt immer weiter bis zu einer Höhe von 60°. Josef denkt an die Hunderte und Aberhunderte Passagiere, die sich jetzt in den langen Gängen des Schiffsleibes zu Tode schreien, kämpfen und ertrinken.
Um 2.20 Uhr verschwindet der große Koloss gurgelnd in der Tiefe. Über der spiegelglatten See hört man weithin die grässlichen Wahnsinnsschreie aus Hunderten von Menschenkehlen, deren Körper in großen Schwimmwesten im Eiswasser treiben und denen die Kälte wie mit Rasiermessern in die Leiber zu schneiden scheint. Manche treiben auf Brettern, andere auf Korkstücken, Kisten und Türen über den unheimlichen Tiefen des Meeres. Wird jemand von ihnen noch gerettet werden können?
Die größte Schiffskatastrophe der Geschichte ist wohl allen bekannt. Aber geht es dir nicht auch oft so wie den Leuten auf der Titanic? Du fühlst dich sicher und meinst, dass du noch viel Zeit hast, dich mit der Frage der Ewigkeit zu beschäftigen. Du täuscht dein Gewissen mit dem Gedanken: “So schlimm ist es um mich wohl nicht bestellt, es leben ja alle so!”

Doch es ist höchste Zeit! SOS – Rette deine Seele!

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