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Nov 20 2007

Ich habe einen starken Gott

Geschrieben von under Ewigkeit

Ich habe einen starken Gott, ein christliches Anspiel zum Thema Ewigkeit für 6 Personen

Sprecher: Die Geschichte spielt an Bord eines Transportflugzeuges, das sich nachts hoch über der Erde inmitten eines gewaltigen Sturms befindet. Die große Gefahr verbirgt sich darin, dass die Verbindung mit der Erde unterbrochen ist und sie die Orientierung verloren haben. Wie ein riesiger Vogel verschwand die Maschine im Dunkel der Nacht. Die starken Motoren kämpften lautstark gegen die Gewalt der Natur und der feine Hagel trommelte zum Kampf.

Bernd: (brummend) Das Wetter ist natürlich bestens – keine Einwände. Aber das die Meteorologen sich mal wieder so verschätzt haben!?

Fredi: Die Menschen können ja nicht alles wissen.

Bernd: Richtig, aber um so einen Sturm zu übersehen, muss man einfach ein Idiot sein.

Fredi: Junge, du siehst alles wieder im schwarzen Licht.

Bernd: Meinst du? Abwarten! Wenn wir mit gebrochenen Händen und Füßen krampfhaft versuchen werden das Wrack dieses Kastens zu verlassen, wirst du anders reden.

Fredi: (lachend) Du alter Brummtopf! Wir sind ja schon des Öfteren in solchen Stürmen gewesen und ist uns je was passiert? Noch ein paar Stunden und dann haben wir Feierabend. Du wirst es dir dann wieder gemütlich machen, und wenn dann dein kleines Töchterchen kommt, singt sie dir geistliche Lieder.

Bernd: Geistliche Lieder… hm bei uns unmodern… „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden“ …Ha – ha…Friede?! Überall wird auf Menschen geschossen und gleichzeitig sitzen Tausende in warmen Zimmern und singen andächtig vom Kind in der Krippe.

Fredi: So wie ich sehe, bist du keiner guten Meinung von solchen?

Bernd: (grob) Ne!

Fredi: (etwas aufgeregt) Vielleicht klingt meine Frage etwas zu persönlich, aber warum bist du so ein Gegner von allem Religiösem?

Bernd: Darüber reden wir jetzt nicht.

Fredi: Warum nicht?

Bernd: Darum… Im Grunde habe ich nichts gegen religiöse Leute. Aber mir sind die Menschen zuwider, die behaupten, sie seien aufrichtige Christen und in Wirklichkeit gar keine sind. Ich denke es gibt nur solche, denn ich bin nie anderen begegnet.

Fredi: Ja, aber…

Bernd: Ich weiß schon, was du sagen willst. „Christen sind eigentlich auch nur Menschen!“ So?! Das habe ich schon öfter gehört. Aber in Wirklichkeit sagt ihr damit nur aus, dass zwischen einem Gläubigen und einem Ungläubigen gar kein Unterschied ist. – Außer am Sonntag, da geht der eine zur Kirche und der andere ins Kino. Aber wenn der Unterschied nur darin besteht dann…

Fredi: Stimmt nicht! Es gibt viele die ihren Glauben leben.

Bernd: Aber dann verstecken sie sich immer wenn ich komme, denn ich bin noch nie einem begegnet.

Fredi: Vielleicht hast du noch nie auf solche geachtet?

Bernd: Fredi hör mal (ernst) wir haben einander nichts vorzumachen. Ein jeder Mensch will glücklich sein und jeder sucht in seinem Leben Halt. Ich auch! Aber wie kann ich das erfahren, dass Gott mich glücklich machen will. Ich muss es doch in erster Linie bei denen sehen, die sich auf Gott verlassen und ihn fürchten. Zeig mir einen der so lebt.

Sprecher: Es trat eine Stille ein. Fredi wusste nicht was er antworten sollte. In all dem was Bernd behauptete, verbarg sich ein Teil Wahrheit. Aber im großen Ganzen hatte Bernd nicht recht. Was soll er Bernd antworten? Er brauchte ja nur auf sich zu sehen, um festzustellen, dass er nicht der Mann ist, auf den der Mechaniker hören will. Um genauer zu sein, er ist nicht der Mensch, dessen Vertrauen auf Gott als Beispiel genannt werden kann. Endlich bricht Bernd das Schweigen.

Bernd: Hör mal! Lass uns das Thema wechseln. Ich habe für meine Tochter eine Puppe gekauft. Wie gefällt sie dir?

Fredi: (zerstreut) Super!

Bernd: Die kann gehen. Guck mal, sie ist mit Batterien.

Fredi: Sie war bestimmt teuer?

Bernd: Aber sie gefällt mir… Moment mal.

Fredi: Was ist das denn?

Sprecher: Ein tiefes Schweigen. Bernds Augen bleiben an der Kanzel haften. Der Co – Pilot verlässt das Cockpit und begibt sich in das hintere Teil der Maschine. Seine Gesichtszüge verraten den Ernst der Situation.

Bernd: Wir verlieren an Höhe!

Bill: Tja, ich glaube das Leitwerk ist defekt. Auf jeden Fall lässt sich dieser Kasten nicht mehr lenken.

Sprecher: Bill wartet auf die beiden Männer und begibt sich wieder ins Cockpit. Fredi bekommt die Anweisung, die Verbindung mit der Erde herzustellen. Er schickt pausenlos ein Signal nach dem anderen. Seine Stirn ist mit Schweiß bedeckt. Allein bei dem Gedanken, dass es bis zum nächsten Flughafen noch eineinhalb Flugstunden sind. Bernd betritt das Cockpit um die Situation mit den Piloten zu besprechen. Aber die können auch nur sehr ungenau sagen, wo man sich befindet. Bob, der Pilot, schaltet den Suchscheinwerfer an und richtet ihn zur Erde. Das starke Licht verliert sich im Nebel. Es sind schlechte Aussichten. Bei so einem Wetter eine Landestelle zu finden, ist unmöglich.

Bob: (schroff) Bernd, setz dich auf deinen Platz und leg die Gurte an. Bereite dich zu einer Notlandung vor.

Bernd: Das heißt, ich soll mich auf den Tod vorbereiten? Ich bin ja nicht das erste Mal in der Luft. Für uns besteht keine Möglichkeit unversehrt zu landen?

Bob: Das sehen wir nachher. Und jetzt setz dich auf deinen Platz.

Sprecher: Bernd dreht sich um und geht in das Heck der Maschine, wo Fredi immer noch am Funken ist. Sein Hilferuf dringt durch die Nacht und Sturm. Er bekommt keine Antwort. Aber sein Ruf wurde gehört – von Gott. Ganz ruhig schildert Bernd ihm die Situation.

Fredi: Das heißt. ..das heißt… Ende?

Bernd: Ja, höchstwahrscheinlich ist das das Ende. Aber Fredi, ich denke es wird nicht schrecklich sein. Ein Aufprall – und alles ist aus.

Fredi: Es ist dann noch nicht alles aus, denn du und ich müssen vor Gott Rechenschaft ablegen.

Bernd: Das sagt deine Angst vor dem Tod!

Fredi: Und du hast keine Angst?

Bernd: Fredi, ich wollte dich nicht beleidigen. Vielleicht hast du…

Fredi: Was hab ich?

Bernd: Ach, nichts!

Sprecher: Vorne im Cockpit des Flugzeugs sitzen die Piloten. Bob versucht mit seinen Augen die Dunkelheit hinter dem Cockpitglas zu durchbohren, um etwas zu erkennen. Seine starken Hände halten den Steuerknüppel. Äußerlich strahlt er eine Ruhe aus.

Bill: Und du denkst, dass wir eine Möglichkeit haben zu landen?

Bob: Bei Gott sind alle Dinge möglich.

Bill: Bob, du bist sonst so schweigsam. Wir waren solcher Meinung, du wärst aus Eisen. Sag mal ehrlich – hast du auch Angst?

Bob: Ich habe Angst, aber ich weiß, dass mein Gott mich nicht verlässt.

Sprecher: Langsam schaukelnd schwebt die Maschine über der Erde. Plötzlich erscheint im Lichtkegel des Scheinwerfers so etwas wie ein Fluss mit reißenden Wasserströmen. Mit verzweifelter Anstrengung versucht Bob die Maschine unter Kontrolle zu halten. Bis zum letzten Augenblick versucht er alles, um die Katastrophe vorzubeugen. Nur noch etliche Sekunden und die Maschine stürzt ins Wasser.
Als Erster kam Bernd zu sich. Er schaute sich fragend um und versuchte über das Geschehene den Überblick zu gewinnen. Sie waren abgestürzt und er lebt. Durch einen Riss im Rumpf der Maschine kam das Wasser. Als er seine Gurte abgelegt hatte, kam Bill.

Bill: Bernd ist dir etwas passiert?

Bernd: Keine Ahnung, wahrscheinlich nicht. Meine Hände und Füße kann ich jedenfalls bewegen.

Sprecher: Sie eilten zu Fredi. Zum Glück war ihm nichts passiert und sie konnten ihn wieder ins Dasein zurückholen. Zu Dritt gingen sie ins Cockpit, wo Bob in seinem Sitz bewusstlos lag. Sein Bein war gebrochen. Behutsam hoben die Freunde ihn auf und trugen ihn ins hintere Abteil. Das Wasser stieg. Es wurde langsam Zeit das Wrack zu verlassen. Durch die Außentür gelangten sie auf die linke Tragfläche der Maschine. Man wusste nicht genau, wurde es vergessen oder vernachlässigt, aber die Rettungsausrüstung fehlte. Es wehte ein kalter Wind und sie standen da mit ihren nassen Kleidern. Wie lange sie das wohl aushalten werden? 20 Minuten, vielleicht eine halbe Stunde.
Bill feuerte eine Leuchtrakete ab. Ob die wohl einer sieht? Und wenn, wer wird sich bei diesem Wetter ins Wasser wagen. Zentimeter um Zentimeter sinkt das Flugzeug in die reißenden Fluten.

Bernd: So halten wir es hier nicht lange durch. Schieß noch eine Rakete.

Sprecher: Bernd reicht Bill sein Schießgerät, und Bill feuert es ab. Ein heller Feuerstahl erhebt sich über den Männern. Und dann passiert etwas Schreckliches. Eine starke Windböe reißt Bernd von der Tragfläche des Flugzeugs in die gähnend – schäumende Tiefe. Mit Entsetzen schauten die drei Männer ihrem Freund nach. Im Toben und Lärm des Sturms hörten sie nur noch die Worte:

Bernd: Zur Hilfe! O Gott!

Sprecher: Eine Seele in Not! Kann Gott denn nicht hören? In wilder Verzweiflung schlägt Bernd um sich, kämpfend mit der Kraft die ihn zu verschlingen droht, dass Wasser das ihn gepackt hat mit der kalten Kraft des Todes.
Leben will er! Leben! Für seine Frau, für die Tochter. Verzweifelt sucht er mit den Händen Halt im Wasser. Und wirklich, er entdeckt etwas Festes. Das Wasser hatte ihn zum Leitwerk der Maschine getrieben. Er musste alle seine Kräfte daransetzen, um sich am Höhenruder festzuhalten. Und nun hängt er da bis zur Hälfte im Wasser. Er lebt! Aber wer weiß, wie lange er es so aushält? Vielleicht wäre es für ihn besser im Wasser zu bleiben? O nein! Denn er will ja nicht sterben. Er hat Angst vor dem Tod. Gerade jetzt, wo das Wasser ihn wie ein gähnendes Grab umgibt, wo er den Tod so nahe spürt, überfällt ihn eine panische Angst.
Er darf nicht sterben! Er muss ja vor Gott treten und dazu ist er noch nicht bereit. Dieses hatte er jetzt begriffen. Die anderen drei Männer auf der Tragfläche, schießen eine Rakete nach der anderen in die Luft. Bernd klammert sich mit seinen schon steifen Händen an das Leitwerk. Er will leben, hat aber keine Kraft dem Tod zu widerstehen. O Gott!…?

In seiner ernsten Lage hat er den Namen Gottes angerufen. Aber ist er wirklich der Gott, von dem gesagt wird, er stößt die zu ihm kommen nicht weg? Oder ist er jetzt weit weg von ihm? Ein strafender Gott, welcher gleichgültig auf die Leiden der Menschen schaut. In einer ausweglosen Situation, starr vor Kälte, hängt Bernd am hintersten Teil der Maschine, welche langsam aber sicher sinkt. Er spürt wie seine Kräfte ihn verlassen. Noch einige Augenblicke und dann hört er ein Freudenschrei. Es ist Fredi, sein Schrei übertönte den Sturm. Hilfe kommt… Er kann es nicht glauben. Dreht den Kopf in Richtung Ufer und sieht ein schwaches Licht. Vielleicht ist es ein Boot, überlegt Bernd, welches die Rettung bringt! Die Hoffnung gibt ihm neue Kraft und er zieht sich wieder höher übers Wasser.
Die Leute auf der Tragfläche der Maschine rufen um Hilfe. Gespannt hinhörend vernimmt Bernd die Antwort. Es ist die Stimme eines Mannes aus dem Boot. Das Boot naht sich dem Flügel, wo in letzten Kräften die drei Männer kauern.

Fredi: Wir haben einen Verletzen, ihn zuerst.

Sprecher: Als Fredi und Bill auch ins Boot gestiegen waren, blieb nur ein schmaler Streifen der Bordwand über Wasser.

Bootsmann: Das Boot ist viel zu klein und dazu auch noch sehr alt. Aber am Ufer war kein anderes. Ich werde rudern und ihr schöpft das Wasser raus. Bis zum Ufer ist es nicht weit, aber der Sturm ist so stark und es ist sehr gefährlich.

Sprecher: Der alte Bootsmann setzte sich an die Ruder und legte ab. In diesem Moment erschallt ein herzzerreißender Schrei eines Mannes. Mit erstarrten Gesichtern hielten die Männer im Boot den Atem an.

Bootsmann: Ist da noch jemand?!

Fredi: Bernd! Und wir dachten er ist schon ertrunken!

Bootsmann: Für fünf Personen ist das Boot zu klein. Wir gehen alle unter. Seht wie tief das Boot schon jetzt ist.

Bill: Sie haben recht! Es geht nicht. Wir können Bernd nicht retten!

Bernd: Lasst mich hier nicht allein. Helft mir im Namen Gottes, helft…

Bootsmann: (leise)Im Namen Gottes…

Sprecher: Dann wendet der Bootsmann das Boot und rudert wieder zum sinkenden Flugzeug.

Bill: Was machen Sie? Wir kommen doch alle um. Sie haben es doch selbst gesagt.

Sprecher: Der Alte antwortete nicht. Schweigend rudert er in die Richtung, von der der Hilferuf kam. Als er Bernd erblickt, steuert er geschickt das Flugzeug an. Dann steigt er auf die Maschine. Mit einem Griff zieht er Bernd aus dem Wasser, nimmt ihn wie ein Kind auf den Arm und trägt ihn ins Boot. Ein unvorsichtiger Schritt, ein Windstoß und beide können ins Wasser fallen.

Bill: Das ist doch hirnverbrannt! Das Boot ist jetzt schon überladen!

Bootsmann: Und deswegen dürft ihr nicht länger hier bleiben. Fahrt in die Richtung, da ist das Ufer und da findet ihr auch mein Haus.

Bill: Aber.. .wie ist es mit Ihnen?!

Bootsmann: Ich habe einen starken Gott. Ich bin bereit zum Sterben. Und euer Freund, wie ich sehe, nicht.

Fredi: Aber das ist ja schon… das geht doch nicht.

Sprecher: Zur Antwort gab der Alte einen Stoß. Er stieß das Boot vom Flugzeug ab. Wie erstarrt blickten die Männer dem alten Bootsmann nach, bis er in der Dunkelheit verschwand. Dann ruderten sie in Richtung Ufer. Bernd saß immer noch wie vorm Kopf geschlagen. Von Zeit zu Zeit hob er den Kopf und schaute in die Richtung, wo in der gähnenden Dunkelheit der Bootsmann verschwunden war. Endlich – endlich ist das Ufer erreicht. Sie sind gerettet! Bill und Fredi schleppen den verletzten Bob ans Ufer. Bernd jedoch bleibt sitzen. Fredi ruft ihn aufs Land, bekommt aber keine Antwort. Denn Bernd hat abgelegt und ist in wenigen Augenblicken in der Nacht verschwunden. Nur noch das rauschende Wasser ist zu hören. Bernd legt alle seine Kräfte an, um wieder zu seinem Retter zurückzukehren. Er rudert was er kann. Die Wasserströme zerschlagen sich schäumend am Boot. Es sieht so aus, dass Bernd keine Müdigkeit kennt, trotz allem, was er in den letzten Stunden erlebt hat. Brennende Gedanken durchbohren sein Herz. Ich muss zum Unfallort zurück. Ich kann nicht zu meinen Freunden zurückkehren, wenn da noch ein Mensch ist, der sein Leben für mich riskierte.
Im wilden Tanz heben die Wellen das Boot und lassen es wieder fallen. Bernd hat nur noch einen Gedanken, zurück zu dem übriggebliebenen Rest des Flugzeugs, um den Alten Bootsmann zu retten. In der Dunkelheit kann er sich schlecht orientieren. Wahrscheinlich dreht das Boot nur Kreise und kommt nicht voran. Ist denn alles vergebens? Doch bald wird im Westen der Himmel heller. Bernd spürt wie ihn die letzten Kräfte verlassen. Der Wind verweht nach und nach den Morgennebel. Und dann bietet sich ein trauriger Anblick. Nur noch eine kleine Spitze vom Leitwerk ragte aus dem Wasser. Ein herzzerreißender Schrei riss sich aus seiner Brust. Der Alte war nicht mehr da… er war verschwunden… umgekommen in den Fluten des Wassers. Bernd stand im Boot in seiner voller Größe. Der Wind wehte um sein Gesicht, welches tiefes Leid widerspiegelte. Er ballte seine Fäuste, bis die Glieder ihm schmerzten, dann fiel er hin und weinte wie ein Kind…

Bernd: Der Alte ist ertrunken. Er hat mir das Leben gerettet, weil ich ihn bat, “Im Namen Gottes”. Fredi hatte ich gebeten, mir einen Menschen zu zeigen, der auf Gott vertraut. Und jetzt habe ich ihn gesehen. Und…und jetzt, o Gott! Vergib mir! Vergib mir meine Sünden, mein sinnloses Leben. Errette mich, denn ich gehe verloren. Ich habe dich da im Wasser gespürt. Als die Ströme mich umgaben und mitrissen, hast Du Rettung geschickt. Und jetzt rette meine Seele von dem Verderben. Du, der du so fern und doch so nahe bist.

Bootsmann: (sitzend)Ich habe einen starken Gott! Er gab auch für dich sein Leben.

Bernd: Eine Stimme? Diese altbekannten Worte, die ich früher so oft gehört habe und die doch meinem Herzen nichts sagten. Wem gehört diese Stimme? Vielleicht ist es Jesus, welcher gekommen ist, um in meinem engen, kalten Herzen Wohnung zu machen?

Sprecher: Auf dem Wasser schaukelt ein einsames Boot. Ein Mann sitzt darin, ein Mensch um dessen Seele Gott kämpft. Denn Jesus ist ja gekommen um das Verlorene zu retten, um Frieden zu geben den Mühseligen und Beladenen. Denen die unter der Last der Sünden und des Elends sind. Er trug unsere Missetat und Sünden. Er fing in der Krippe an und vollendete es am Kreuz auf Golgatha. Er hat gesiegt. Und jetzt steht er und klopft an Bernds Herz. Das Kind aus Betlehem, welches zum größten Retter von Golgatha geworden ist.

Etliche Stunden später fanden Fredi und Bill ihren Freund besinnungslos im Boot liegen, welches ans Ufer getrieben worden war. “Armer Junge”, sagte Bill. Aber im Himmel freuen sich die Engel. Sehen wir nicht da unter den frohlockenden Engeln den Alten Bootsmann?

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Nov 20 2007

Um Seinetwillen

Geschrieben von under Nachfolge

Um Seinetwillen, ein christliches Anspiel zum Thema Nachfolge für 8 Personen

1. Szene

Andronikus:  Schau Marcellus, ein Morgen in Rom ist doch schön! Wie lange bist du fort gewesen und hast die Welthauptstadt nicht kennen- und liebenlernen können. Dieses Treiben und Lärmen macht mich dessen immer wieder bewusst, welche Macht Rom besitzt. Überlege mal, UNS gehört die ganze Welt! – Ich muss dir unbedingt noch das Amphitheater und (stolz) – mein Pferd zeigen. (kleine Pause)

Marcellus:  Andronikus, wer ist das dort, die in der Sänfte getragen wird?

Andronikus:  Deine verwandte: Livitta, die Tochter der Pomponia und des Flawius Agrippa aus dem Geschlecht der Julier. Flawius Agrippa kehrt auch im Hause des Kaisers ein und aus. Du solltest noch wissen, dass er seine Frau närrisch liebt. Er ist zwar ein echter stolzer Römer, aber ihr gehört sein Herz, er liebt sie über alles. Man sagt sogar, dass sie sich beide glänzend verstehen, und alles füreinander tun würden. (einen Schritt weitergehend)

Marcellus:  Ist das dort drüben die Gladiatorenschule?

Andronikus:  (nickt zustimmend) Ja, das ist sie.

Marcellus:  Ich liebe diese Art von Vergnügen überhaupt nicht. Auch wenn es nur Sklaven und Verbrecher sind, die ihr Leben dort lassen, hat ihr Leben doch einen Wert. Mir liegt das Studieren und Forschen über den Sinn des Lebens besser.

Andronikus:  Aber Marcellus! Warum sich das Leben erschweren durch dumme und nichts einbringende Gedanken? Du verpasst doch den Anschluss an die moderne Welt. Wir leben nur einmal. Ich will das Leben genießen – alles, was es mir bietet!

Marcellus:  Du bist zwar mein Freund, aber darin werde ich nie deine Meinung teilen. Ich will wissen, wo das echte himmlische Wesen ist. Ich habe mir die Zukunft deuten lassen, habe den Göttern geopfert und sie angebetet. (bitter) – Nichts und niemand hat geantwortet. Jetzt glaube ich nicht mehr, dass sie sich um uns Menschen kümmern. (sinnend) – Wenn ich darüber nachdenke, WAS Wahrheit ist, wird mein Herz unruhig. Welcher Gott lebt wirklich?!

Sprecher:  Andronikus versuchte seinen Freund durch Ermunterungen aufzuheitern und beide wollten, um die quälenden Gedanken zu verscheuchen, in eine Taverne gehen, um einen Wein zu trinken. Durch enge Gassen, Menschengewühl, an feilschende Verkäufer vorbei, bahnten sie sich den Weg. Marcellus befriedigte es überhaupt nicht, sich beim Wein zu vergnügen, um so einen Ausweg zu finden. Mitten im Gewühl sehen sie plötzlich einen seltsam aussehenden Zug: Greise, Männer, Frauen und Kinder wurden gebunden von einem Römer geführt. Andronikus hielt sie an, um zu fragen was diese Menschen verbrochen hätten. Marcellus fragte noch einmal nach, als der Zug vorbei war:

Marcellus:  Sagte er Christiani? Ich meine, das hätte ich schon einmal gehört.

Andronikus:  Ja. Interessierst du dich für diese Verruchten? Der Zorn der Götter ist über uns, seit die Anschauung dieser Wahnwitzigen auch bei uns Gehör gefunden hat. Sie beten eine gekreuzigte Gottheit an. Marcellus, hüte dich vor den Anbetern des Eselskopfes und Vertilgern unschuldiger Kinder.

Marcellus:  Ich habe gehört, sie streuen dem Kaiser keinen Weihrauch und verstehen, wie sonst keiner zu sterben. Aber ist es im freien römischen Reich Sitte, unschuldige Frauen und Kinder dieser Anbetung wegen zu töten?

Andronikus:  (nachdenklich) – Sie haben einen seltsamen Zauber, (Pause) – der, ich weiß nicht wie, die Menschen anlockt. Selbst echte Römer sollen sich ihrem Glauben schon zugewandt haben. Ich verstehe nicht, wie sie ihre Einstellung so schnell verbreiten. – (energisch) – Aber jetzt reicht’s der trüben Gedanken. (fröhlich) Marcellus, das Leben ist kurz, warum es verträumen, anstatt es zu genießen? Komm!

2. Szene

Sprecher:  In den Kissen des weichgepolsterten Ruhebettes, das an einer luftigen Terrasse des inneren Gemaches einer reich ausgestatteten römischen Villa stand, saß eine kränklich aussehende Frau, mittleren Alters. Sie war schon seit Jahren leidend, hatte blasse und doch gleichmäßige Züge.

Pomponia:  (sich umschauend) – Persis? (Persis erscheint) – Liebe Persis, räume die Spielsachen von Julietta und die Laute von Livitta weg. Dann komm bitte mit der Rolle und ließ mir vor.

Persis:  (sorgend) – Der Auferstandene gebe, dass Livitta nie in den Tempel gehe, um die Götter zu ehren. Mein Herz bangt um die junge Herrin. Aber das Samenkorn Gottes hat schon angefangen zu keimen, aber was wird die Frucht sein?

Sprecher:  Persis hatte, nachdem sie den Auftrag erfüllt hatte, auf einem Schemel neben der Herrin Platz genommen und eine Schriftrolle geöffnet. Es war der 1.Johannesbrief, in den die beiden verborgenen Jüngerinnen sich bei verschlossener Tür vertieften. Wie wertvoll war beiden diese Schrift!

(beide über der Rolle, sinnend)

Pomponia:  Verbirgst du es auch sicher genug vor spähenden Blicken?

Persis:  Ja, Herrin, ich weiß wie gefährlich es ist zu den Christen zu gehören. Niemand soll es von mir erfahren, was wir für einen Glauben vertreten.

(kleine Pause)

Pomponia:  Ich halte es nicht mehr aus, Persis, ich muss bekennen, dass ich – dass ich auch, dem Herzen nach eine Christiani bin.

Persis:  O Herrin, solche stille Feier ist kostbar. Wie viel Kraft strömt davon aus, die uns weiterhilft, die unseren Schwächen aufhilft, die uns kräftigt, um Zeuge sein zu können. Solche Kraft hat auch das Wort: "Wer mich bekennt vor meinem himmlischen Vater …" (horcht) – Aber ich glaube ich höre Stimmen, ich sehe nach was es ist.

Sprecher:  Damit wurde der stillen und für beide erquickenden Andacht ein Ende gesetzt. Am Morgen danach kam Flavius Agrippa aus dem kaiserlichen Palast, sichtlich verstimmt. Pomponia fragte nach dem Grund seiner Unruhe.

Flavius:  Verbergen kann ich es dir doch nicht. Es taucht überall wie Gespenster der Glaube der Christiani auf. Schon mein Vater erzählte, dass unter Nero die Anhänger dieser aufrührerischen Sekte verfolgt wurden. Sie hatten merkwürdige Maßstäbe. Sie beten einen gekreuzigten Jesus lieber an, anstatt dem Kaiser Weihrauch zu streuen. (kleine Denkpause, langsam und gedankenverloren) – Zwei von ihnen wurden heute verhört. Sie sagten, ihr Reich sei nicht weltlich noch irdisch, es sei vom Himmel, aber am Ende der Tage würde er erscheinen. Dann würde der Gottessohn in Herrlichkeit kommen zu richten Lebendige und Tote und wird einem jeden vergelten nach seinem Tun!

Pomponia:  (voller Spannung) – Und – was sagte der Kaiser?

Flavius:  Er lachte sie aus. Er verachtete sie und schickte sie weg.

Pomponia:  (jedes Wort ausgewählt langsam, nach Worten ringend) Flavius – ich habe dich – zu sehr lieb – um dir noch weiter – um dir verbergen zu können, dass ich – ich auch meine Einstellung geändert habe – und, und jetzt auch zu den Christiani gehöre. (ganz sicher und glaubensstark) – ICH GLAUBE, DASS JESUS FÜR MICH GESTORBEN IST.

- Klavierakkord -

Flavius:  Pomponia!! – (kann im Akkord mit Hall begleiten)

Sprecher:  Flavius Agrippa fuhr zusammen. Langsam ballte er seine Fäuste. Er war eine harte, leidenschaftliche Natur. Dann sah er schnell nach, ob nicht jemand ihr Gespräch und Pomponias Geständnis mitgehört hatte. Wieder vor Pomponia fehlten ihm die Worte. Der Zorn hatte ihn unfähig gemacht, jetzt vernünftig zu sprechen. Langsam wich der Zorn einer unheilvollen Ruhe.

Flavius:  (langsam) – Pomponia, habe ich dich je in irgendeiner Weise verletzt? Habe ich dir je einen Wunsch versagt? Ja, wahrlich, der hat recht, der meint die Zerstörung des Menschengeschlechts habe mit dem Eintritt dieser Christiani in die Welt begonnen. Warum betest du nicht zu den Göttern? – Pomponia, weißt du, was du mir damit antust?! – (bittend) – Nimm das Wort zurück, das du eben gesprochen hast. Ein Römer gibt sich nicht leicht zum Bitten her, das weißt du, aber höre mir zu, Pomponia: Flavius Agrippa, der Julier, bittet Dich, komm zurück!

Pomponia:  Leiden kann ich, sterben kann ich – aber nicht den verleugnen, dessen Tod mein Leben geworden ist, Jesus Christus, der Sohn Gottes.

Flavius:  (fest, streng) – Gut! Du hast mich umsonst bitten lassen. Ich werde es nicht vergessen! Auch Du wirst bitten, und es wird umsonst sein. Heute noch werden die Kinder in unser Landhaus gebracht, und Du wirst sie nicht wiedersehen. Sie sollen nicht das Gift einsaugen, das ihre Mutter in sich trägt.

Pomponia:  Wirst Du mich anzeigen? Wirst Du…

Flavius:  Nein! Ich wünsche keinen Skandal in meiner Familie. Wehe Dir, wenn Du noch irgendwie Kontakt zu der Sekte unterhältst. Ich werde streng darüber wachen lassen!

Sprecher:  Flavius Agrippa wandte sich um und verließ dröhnenden Schrittes das Gemach. Jetzt übermahnte Pomponia mit aller Wucht die Trennung von ihren geliebten Kindern. Würde das genügen, was sie in der Kürze der Zeit übermittelt hatte? Würden Julian, Julietta und Livitta standhaft bleiben in dem, dessen sie belehrt worden waren? Alle drei hatten ein reines Herz und eine von der Mutter übertragene gesunde Einstellung, auch was das Wort Gottes betraf. Wem konnte sie es besser sagen als ihrem König. Noch während sie betete fühlte sie sich sacht berührt. Als sie aufsah, stand Livitta vor ihr.

Livitta:  Mutter, ich komme nur ganz kurz und das ohne Erlaubnis. Vater sagt wir sollen ins Landhaus, Du seist zu krank uns bei Dir zu haben. Ich glaube es ist nicht so. Ich sage es Dir ins Ohr: Ich gehöre auch dem Heiland an, ich will ihm treu bleiben, Julian und ich. Er lässt Dich grüßen – Er darf nicht mehr kommen, und wir beide werden für Julietta sorgen.

Pomponia:  Geh mit Gott, mein Kind und sage es Julian und Julietta immer wieder – jeden Tag – ich bete für Euch.

Sprecher:  Mutter und Tochter verabschiedeten sich hastig und so schnell wie Livitta gekommen war, verschwand sie auch wieder. Da wurde es Pomponia klar: Das war das Leiden für ihren Herrn. Eingesperrt in ihrem eigenen Haus, die Kinder unter fremder Obhut, keine Gemeinschaft mit Gläubigen. Freudig wollte sie jedoch trotz ihrer körperlichen Leiden für Jesus, den Gekreuzigten, leiden.

3.Szene

Sprecher:  Die Dämmerung war hereingebrochen und an den Ufern des Tibers begannen leichte übel riechende Düfte aufzusteigen. Es waren keine Menschen mehr unterwegs, außer einer Kohorte, die der Kaserne zuschritt, um endlich die Rüstungen abzulegen und den Abend zu genießen. Als alles wieder still geworden war, löste sich eine Gestalt aus dem Schatten, um zu den Katakomben zu eilen. Nach dem Abendmahl, das Marcellus dort miterleben durfte, stand er noch lange in einem öffentlichen Park und versuchte seiner Gefühle Herr zu werden. (leise einsetzende Musik)

Marcellus:  Seltsam, welche Ruhe, in mir tobt nichts mehr, fragt nichts mehr nach irgendetwas Unerreichbarem. Herr, ist das "zu – Dir – gehören"? Ist das der Friede mit Dir? Je tiefer ich mich versenke umso dunkler scheint mir die in der bisher gelebten Finsternis! O mein Gott, ich bin Dir so dankbar, dass Du mir durch Persis Zugang verschaffen hast. Wie gut, dass ich Menschen kennenlernen durfte, die mir Deinen Willen vorgelebt haben, trotz der Gefahr, erkannt zu werden. Sie haben mir von Deiner Liebe und Gnade zum Menschen erzählt. Ja, Du hast auch mir Gnade geschenkt, das zu erkennen. Wie eindeutig klar ist Deine Art, Dein Geist beschwert nicht jeden Gedanken, so wie es meine Philosophie tat. O Jesus, o Gekreuzigter, ich will Dir gehören! Nimm mich als Kind an. Ich sehe, dass mein Leben bisher eine einzige Last war. Hätte ich es nur früher gewusst! (Pause) – Ich will mich taufen lassen, wie gerne will ich die Verfolgung auf mich nehmen. Jesus bekräftige meinen Wunsch! Ich will es gleich beim nächsten Gottesdienst tun. Was getan ist, kann mir keiner nehmen. Es soll so schnell wie möglich geschehen.

Sprecher:  Indessen hatte Andronikus ganz andere, weltliche Gedanken. Er hatte Flavius Agrippa einen Besuch abgestattet, mit ihm gesprochen und anschließend um die Hand seiner Tochter Livitta gebeten. Der stolze Vater sah ihn gerne als zukünftigen Schwiegersohn. Andronikus’ Ansehen stieg, er war befördert worden und stand in hoher Gunst bei Hof. Wenn Livitta erst mit Andronikus verheiratet wäre, vergingen ihr bestimmt die dummen Gedanken über den Gott und seinen gekreuzigten Sohn, welchen die Mutter wahrscheinlich auch ihr eingeflüstert hatte. Schon kurze Zeit später sollte die Verlobung, ohne Pomponias Wissen und Einwilligung stattfinden. Denn Flavius hatte bewusst die Entscheidung und den Termin, ohne mit Pomponia darüber zu sprechen, abgemacht. In dem Landhaus herrschte friedvolle Ruhe. Die Bewohner lebten unbewusst unter dem Schutze Gottes. Nur die drei Geschwister wussten, wem sie das zu verdanken hatten. Livitta war schon seit einiger Zeit im Garten und sah, wie der Vater ohne Anmeldung auf das Tor zuritt. Die bisher verrichtete Handarbeit fallenlassend lief sie leichtfüßig dem geliebten Vater entgegen. O wie sie die Eltern vermisste! Stürmisch wurde der stolze Römer von seiner hübschen Tochter begrüßt.

Livitta:  O Vater, wie schön, dass Du gekommen bist! Wie habe ich darauf gewartet! Wir haben es hier so gut, aber Du und Mutter, ihr fehlt mir und natürlich Julian und Julietta sehr! (gespannt) – Bringst Du Nachrichten von der Mutter? (Pause) (dringend) – Vater, so sag doch ob’s Mutter schon besser geht und wir bald nach Hause dürfen!

Flavius:  Ich soll Euch alle herzlich von Mutter und Persis grüßen. Leider geht’s Mutter immer noch nicht besser. Die Ärzte sind ratlos. Aber Persis ist bei ihr und versorgt sie sehr gut. Aber liebe Livitta, lass uns in den Garten gehen. Ich habe Dir etwas zu sagen. (gedehnt nach einer Pause) – Und zwar komme ich, um Dir zu sagen, dass Andronikus der junge Tribun von der Preatorianergarde um Deine Hand geworben hat, (gütig) und ich habe ihm meine Tochter zur Frau versprochen.

Livitta:  (entsetzt) – Aber Vater Du hast mich…

Flavius:  Was soll das heißen, mein Kind, willst Du deinem Vater nicht gehorsam sein? Du weißt, dass der Vater den Schwiegersohn auswählt und Du dich zu fügen hast. Er ist auch kein fremder Mensch. Du kennst ihn seit Deiner Kindheit. So, jetzt beruhige Dich und mach Dir keine Sorgen, die Götter werden Euch mit Glück überschütten. Morgen kommt Andronikus. Wir werden morgen die Verlobung feiern. Ich hoffe, Du wirst dich benehmen, wie es sich einer römischen Braut gehört.

Sprecher:  Mit großen Schritten kehrte Flavius Agrippa unter die prachtvolle Säulenhalle des Landhauses zurück, um die beiden anderen Kinder zu begrüßen. Er wollte auch mit seinem Verwalter die Verlobungsfeier besprechen. Indessen stand Livitta immer noch im Garten, sie konnte keinen rechten Gedanken fassen. War das denn möglich, sollte Gott das zulassen? Sollte es wirklich Andronikus sein? Sie kannte ihn als einen Mann der Welt, der nur dem Vergnügen lebte. Er hatte ihr sogar im Scherz erzählt, er habe eine Schar Christiani ins Gefängnis gebracht. Der Mann sollte über sie bestimmen, dem sollte sie ein Recht an ihrem Handeln und Leben geben? Sie war doch eine Braut Christi, wie konnte sie einem Feind die Hand reichen? Ihr fiel keine Lösung, kein Ausweg ein, sie sah keine Hoffnung in ihrer Lage voller Angst und Unschlüssigkeit. Ohne Antwort auf die vielen Fragen brach der Tag ihrer Verlobung an. Sie wurde Andronikus zugeführt, ohne Hilfe in ihrer Ratlosigkeit.

4.Szene


Flavius:  (düster) – Pomponia, ganz Rom ist in Aufruhr! Die Christen werden verfolgt wie zu Neros Zeiten. Sie werden jetzt, wie damals, in die Arena zu den Tieren geschickt. Ich glaube, da erzähl ich Dir nichts Neues. Wahrscheinlich hat Persis Dir alles erzählt und Du weißt trotz Deines abgesondert seins von allen diesen Ereignissen. – Und jetzt wissen’s auch die anderen: Hier ist eine Anklage für Dich! Du weißt, dass dem Römer das Gerichtsrecht über seine Frau zusteht.

Pomponia:  Was wirst Du tun, Flavius? Lass mich mit meinen Brüdern und Schwestern sterben! Ich will so gerne für den Erlöser mein ihm gehörendes Leben lassen.

Flavius:  Nein, das werde ich nicht! Aber eine andere steht mit unter der Anklage, sie wird dem Tode nicht entgehen. Deine liebenswerte Persis!!!

5.Szene

Herold:  Unsere Götter mögen unserem Kaiser Domitian noch viele Jahre unter ihrer Obhut und Begünstigung durch Ruhm und Ehre bei aller Welt schenken. Ihm, zur Anbetung seiner Macht, über alle Völker sei dieser große und herrliche Tag geweiht. Es soll Dir in alle Zeiten Weihrauch gestreut werden, Kaiser. Mögen die Götter die Räucherwerke annehmen und Dir ewig Heil und Segen schenken. Römer, Gladiatoren und alle Besucher dieses Festes! Es soll eine nie da gewesene Pracht diese Veranstaltung einfassen. Als 1.Akt des Festes soll ein Gladiatorengefecht stattfinden, 2. sollen die Feinde des Staates, die Verächter unserer Götter und Verweigerer der Anbetung des Kaisers, die Aufrührer sterben. Sie sind in verschiedene Techniken der römischen Kampfkunst aufgeteilt und können ihren Trotz gegen die Staatsgewalt unter Beweis stellen. Die Soldaten haben ein offenes Auge, sie wollen wieder Ruhe in Rom einführen. Mit viel Einsatz und Mühe haben sie die neue Sekte der Christiani aufgespürt und gefangen genommen, wo sich nur Möglichkeiten boten. Die Götter mögen uns beschützen und helfen, gegen die Unruhe im Volk anzukämpfen. Als 3.Akt soll eine neue Art der Kämpfe geboten werden: Die ganze Arena wird mit Wasser gefüllt und eine Seeschlacht inszeniert werden. Die dem Tode geweihten sollen als Feinde unserer tapferen Helden im Wasser den Tod finden. Ganz Rom soll erfahren wie es den Gegnern unserer Macht ergeht, Mut, Gewandtheit und Sieg den Gladiatoren!!

Sprecher:  Die Trompeten eröffneten die Wettkämpfe und die Feier nahm ihren Lauf. Es floss fiel Blut, Menschen verloren ihr Leben unter qualvollen Schmerzen und Leiden, aber das Volk jauchzte, schrie, forderte Zugabe und verlangte noch mehr zu sehen. Unter den Zuschauern saßen auch Flavius Agrippa und Andronikus. Sie waren harte Kämpfer und konnten solche grausamen Szenen ohne Gemütsregung mit ansehen. Als nun die Christen in die Arena kamen, konnte man die einzelnen in der Menge kaum erkennen, so viele waren es. Erst als die Raubtiere langsam und bedächtig auf die Opfer zugingen sah Andronikus mit Entsetzen, dass Livitta mitten in der Schar war, auch Persis und andere bekannte Gesichter gehörten zu der Menge. Die Löwen und die Leoparde blieben stehen, sahen sich um, entdeckten dann die Menschen, welche auf Knien liegend nichts von der Gefahr wahrzunehmen schienen, die sie bedrohte. Das dauerte einige Sekunden, aber Flavius und Andronikus kam es wie Tage vor. Sie waren vor Angst um die geliebte Livitta erstarrt. Keiner von beiden bewegte sich. Es herrschte Todesstille in der Arena. Plötzlich wich der Bann, das Schreien und Rufen des Volkes steigerte sich zum Wahnsinn. Gellende Laute, kreischende Stimmen und das Brüllen der Tiere machten das ganze zum Geräuschmeer, zu einer undurchdringlichen Lärmkulisse. Die wilden Tiere stürzten sich jetzt mit mächtigen Sprüngen auf die ruhig betende, zum Teil singende Menge. Endlich wich die Starre des Andronikus einer spontanen Reaktion. Er war, ehe Flavius sich versah von seinem Platz aufgesprungen, hetzte mit großen Sprüngen die Stufen herunter, hinein in die Arena. Als der Kaiser das sah, ließ er die Tiere der Savanne mit Netzen wieder einfangen, um den Tribun zu retten.

Andronikus:  Alle Himmel, lasst mich bis zu Livitta gelangen. – Überall liegen schon Verwundete und Tote. – Wie groß ist die Arena eigentlich? Komme ich überhaupt noch zu Livitta? – Ihr Götter! Da vorne – da vorne liegt sie, sie blutet, gleich bin ich bei ihr – welche Ruhe hier herrscht, die Zuschauer brüllen, aber hier ist es so friedlich, wie kommt das? – (zu ihr) – Livitta, Livitta?! Mach die Augen auf, ich bin hier, Andronikus, ich will Dir helfen, hast Du Schmerzen? Gleich kommt der Arzt. Wir tragen Dich ins Krankenzimmer. (in Gedanken) – So, jetzt ist sie geschützt. Warum hat sie mir immer noch nicht geantwortet? Hört sie mich nicht? Wie kommt sie eigentlich unter die Christiani, wer hat sie verraten?

Flavius:  Andronikus hier bist Du! Ich habe Euch gesucht! Jemand von den Soldaten hatte sie angezeigt. Wie er es erfahren hat sagt man mir nicht. – Livitta, Kind. (zu Andronikus) – Lebt sie noch?

Livitta:  (flüsternd) – Jesus, ich komme, lass Andronikus nicht in Sünden leben, gib ihm das ewige Leben!

Andronikus:  Du Gott der Sünder, Du hast Livitta…

Flavius:  (unterbricht dumpf) – Sie, – sie lebt nicht mehr, ihr – Geist – ist ent… entflohen.

    – Pause, leise Musik -

Andronikus:  Hier stehen wir nun, Flavius Agrippa, das stolze Rom hat uns beherrscht, wir wähnten uns unschlagbar. Das Heldentum, dessen wir uns gerühmt haben, war nichts als Prahlerei. Der Sieg und Mut hat nie auf unserer Seite gestanden, sondern auf Seiten der Christiani. Ich will – ich will auch ein Held werden, der den Namen auch verdient. Mein Leben hat ein Ende – von Livittas Tod an gehört es dem Gekreuzigten der Christiani.

6.Szene

Sprecher:  Am Abend desselben Tages wurden die Märtyrer beigesetzt. Das Leid hatte auf die Entschlafende kein Recht mehr. Der Erlöser selber hatte alle Fragen, alle Ängste und Tränen abgewischt. Die kleine Gemeinde hatte trotz der Verfolgung auf geistlichem Gebiet Erfolge erzielt. Andronikus bekannte sich an dem Abend zum Glauben an den Herrn Jesus, Pomponia konnte sich endlich taufen lassen und Flavius Agrippa erlebte die Vergebung seiner Sünden: des Stolzes, der Überheblichkeit, er fand Gnade bei Gott und Menschen. Der Vater aller Barmherzigkeit hatte die Verlobung als Bündnis gebraucht um Andronikus, durch Livittas Sieg über den Tod, zur Entscheidung für Christus zu führen. Marcallus und Andronikus hatten nun endlich die gleiche Einstellung und denselben Glauben.
- Offenbarung 12,11; 7,16+17 -
„Sie haben überwunden durch des Lammes Blut und durch das Wort ihres Zeugnisses und haben ihr Leben nicht geliebt bis an den Tod! Sie wird nicht mehr hungern noch dürsten, es wird auch nicht auf sie fallen die Sonne oder irgendeine Hitze, denn das Lamm mitten im Stuhl wird sie weiden und leiten zu den lebendigen Wasserbrunnen, und Gott wird abwischen alle Tränen…“

ENDE

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