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Nov 17 2007

Die Jähzorn Bauern

Geschrieben von under Erntedankfest,Ewigkeit

Die Jähzorn Bauern, ein christliches Anspiel zum Thema Erntedankfest und Ewigkeit für 8 Personen

Autor: An der chinesischen Gartenmauer steht solche Inschrift: „Es ist schon später als du denkst“. Damit ist aber nicht deine Taschen- oder Handuhr gemeint, denn die wäre schnell reguliert. Es ist auf der Weltuhr später als du denkst. Auch in deinem Lebensabschnitt ist es später, als du denkst. Gleich wie der heutige Tag vorbei geht und nie, nie wieder kommt, so geht unser Leben Tag für Tag der Ewigkeit entgegen. Und es geht schnell, ja schneller als wir denken. Und doch ist dieses nicht die Hauptsache. Wichtig ist, dieses kurze Leben nicht vergeblich gelebt zu haben! O, wie viele Menschen leben gleichgültig dahin, als ob sie niemals sterben müssten, als ob es keine Ewigkeit gäbe. Und wenn heute von ähnlichen Menschen die Rede sein wird, bitten wir Gott, dazu Gnade zu schenken, dass es für uns eine Warnung sein möchte und wir alle zubereitet werden, einst mit Freuden dem Herrn entgegen zu gehen, wenn er ruft.

Musik: („Näher mein Gott zu dir”)

Außerhalb des Dorfes, mitten im Feld lag der Erlenhof. Hohe mächtige Erlen umgaben das Anwesen. Unheimlich, geradezu als hüteten sie irgendein Geheimnis. Einsam lag das Gehöft da, als wollte es von niemandem etwas wissen, als dulde es keinen Fremden auf dem Hof. Jeder nannte den Namen des Erlenhofbauern mit einer gewissen Scheu, mit einer Zurückhaltung, über die man nicht gerne Worte verlor. Jeder kannte im Dorf jenen unsagbar zornigen Menschen, der keinen Freund im Dorf hatte und haben wollte. Der stolz darauf war nur Feinde zu haben, und mit  seiner ganzen Umwelt im Unfrieden zu leben.
Der Vater des Erlenhofbauern hatte einst sein Anwesen dicht bei der Kirche gehabt und von dort aus seine Felder bestellt. Auch er lebte ständig im Krieg mit der Nachbarschaft, besonders mit dem Pastor. Sein Jähzorn war sprichwörtlich geworden und jeder ging dem Bauer aus dem Weg. Seine Felder hatte er in einer musterhaften Ordnung. An Fleiß fehlte es nicht bei dem „Jähzornbauer“ – wie ihn die Kinder nannten. Morgens war er der erste und abends der letzte auf dem Hof. Besonders stolz war der Bauer auf seine Pferde. Da er in der Jugend das Schmiedehandwerk gelernt hatte, machte er sämtliche Schmiedearbeit allein. Dazu hatte er in der Woche allerdings keine Zeit, dazu suchte er sich jedes mal den Sonntag.

(Glockenklänge…)

Bauer: Gottfried, brennt das Feuer in der Schmiede?

Gottfried: Jawohl mein Herr!

Bauer: Dann vorwärts, denn gerade jetzt beginnt das Pastorlein  in der Kirche seine frommen Reden! Ich habe es so gern, wenn unsere Hammerklänge ihn und die Orgel übertönen.

Autor: Und so ging es jeden Sonntag. Wenn der Pastor auf der Kanzel stand und Gottes Wort predigte, schwang der Bauer seinen Hammer und arbeitete regelmäßig während des Gottesdienstes so laut auf dem Hof, dass der Pastor sehr gestört wurde. Wenn der Hammer auf dem Amboss niederfiel und die Funken im Kreis umher flogen, pflegte der Bauer zu seinem Gehilfen zu sagen:

Bauer: Das ist meine Choralmusik, ich kann doch noch lauter predigen als der Pastor!

Gottfried: Pflegen sie niemals in die Kirche zu gehen? – Na, – ich meine wenigstens aus Neugierde, es sind ja nur wenige Schritte bis dahin.

Bauer: Du siehst, dass das Feuer nicht ausgeht. Reicht, dass sich der Pastor jedes mal abmüht mit solchen Fragen. So wie es aussieht, geht er auch heute nicht vorbei.

Autor: Und der Bauer hatte recht. Eben hatte er diese Worte ausgesprochen, da erblickten sie durch die offene Tür, wie der Pastor auf den Hof kam.

Pastor1: Wünsche Gottes Frieden eurem Hause!

Bauer: Ich wünschte sie wären mit dem Gottesfrieden an meinem Hofe vorübergegangen.

Pastor1: Es tut mir leid, dass Sie die Liebe Gottes so von sich wenden, aber Jesus, ja Jesus Christus liebt sie doch! Und er wartet auf Sie. Die Zeit ist doch so ernst, bedenken Sie…

Bauer: (fällt ihm ins Wort) Hören sie auf, Herr Pastor, das was sie da sagen kann ich schon längst auswendig, – ich gehöre zu den fortschrittlichen Menschen, die über all das, was sie da predigen, längst hinweg sind. Ich komme auch ohne euch in den Himmel. Ich lege auch keinen Wert darauf mit kirchlichem Segen und Pfarrer Geschwätz einst begraben zu werden. Und wenn sie nichts anderes zu reden haben, können sie gehen.

Pastor1: Ich wollte sie nicht aufregen. Ich gehe sofort, aber ich will doch weiter für sie beten.

Autor: So hatte der Pastor sein möglichstes in Geduld mit fasten und beten getan. Umsonst! Der Bauer wollte nichts wissen und wies den Pastor jedes mal hart von sich.
Es war an einem Karfreitagmorgen! Still versammelten sich die Dorfbewohner zum Gottesdienst. Kaum fing die Orgel an zu spielen, begann der Bauer auf seinem Hof die Dreschmaschine auszuprobieren. Auf vollen Touren heulte die Maschine und machte einen solchen Lärm, dass die Feierlichkeit des Karfreitags Gottesdienstes außerordentlich gestört wurde. Diesmal befand sich unter den Gottesdienstbesuchern ein Polizeibeamte. Dieser begab sich auf den Hof des Bauers.

Polizist: Was ist das für ein Lärm? Stellen Sie sofort die Maschine ab. Ich befehle es Ihnen! Das ist ja unmenschlich was sie da machen. Und das am stillen Freitag.

Bauer: Ist das aber eine Frechheit auf meinem Hof. Sie wissen einfach nicht, wer hier wohnt, aber sie sollen es von heute an wissen, dass sie es mit einem zu tun habe, der vor solch einem Betrug keine Furcht hat. Die Maschine wird zu eurem Ärger weiter laufen. Haben sie verstanden?

Polizist: Das werden sie schwer büßen müssen. Stellen sie sofort die Maschine ab!

Bauer: Was? Sie wollen mich erschrecken? Was gedenken sie bloß mit mir zu machen? Schafft euch fort von hier, ehe es schlimme Folgen gibt.

Polizist: Ich warne sie noch einmal! Seien sie „menschlich“ und stellen sie die Maschine ab.

Bauer: Seht mal, er will mir befehlen, was ich tun und nicht tun darf! Fort von meinem Hof und hütet euch noch einmal wiederzukommen.

Autor: Die Maschine lief bis zum Schluss des Gottesdienstes weiter. Etliche Tage später trat Gottfried ins Zimmer und überreicht dem Bauer einen Zettel.

Gottfried: Hier, eine gerichtliche Vorladung für Morgen, mein Herr.

Bauer: (zerreißt, den Zettel) Wirf’s in den Papierkorb, denn dort gehört es hin. Und sollten noch welche kommen, tue dasselbe.

Autor: Als er auch der zweiten und dritten Vorladung nicht Folge leistete, wurde der Bauer eines Tages von der Polizei zum Ergötzen der Dorfbewohner zwangsweise vorgeführt. Das Gericht verhängte eine recht beachtliche Strafe und drohte im Wiederholungsfall mit schärferen Maßnahmen. Kurz darauf entschloss sich der Bauer, seinen Bauernhof im Dorf aufzugeben und inmitten seines Feldes einen neuen aufzubauen. Er konnte es sich ja leisten und prallte vor aller Welt, dass er sich zum Ärger aller andern Bauern einen stattlichen Hof aufbauen wollte, der der schönste sein werde von allen Gehöften der Umgebung. So entstand der Erlenhof prächtig und schön. Aber Gott sprach „Du Narr, in dieser Nacht wird man deine Seele von dir fordern und was wird’s sein, den du bereitet hast?“ Wenige Tage nach der Übersiedlung in das neue Gehöft erlitt der Bauer einen Schlaganfall und starb bald darauf. Auf seinen Wunsch wurde die Leiche im Krematorium der Nachbarstadt verbrannt und die Asche still beigesetzt.

-Musik-

Autor: Den Hof übernahm sein Sohn. Man nannte ihn den Erlenhofbauer. Wie erwartet trat er völlig in die Fußspuren seines Vaters. Er kannte keinen Kirchgang, keine Sonntagsheiligung, kein Gebet. Am Sonntag, nachdem Begräbnis des Vaters, ging der alte Pastor den Bauern zu besuchen.

Pastor1: Guten Tag, junger Bauer. Wenn es erlaubt ist, wollte ich sie an diesem Ruhetage besuchen. Es tut mir recht Leid um sie, so plötzlich den Vater verloren zu haben. Es ist für unser ganzes Dorf eine ernste Sprache Gottes. Aber ich möchte doch wissen, wie es ihnen geht.

Bauer: Herr Pastor, ich bin heute sehr eingenommen mit Dung fahren. Dieser Misthaufen muss heute noch aufs Feld. Das Eisen muss man schmieden, wenn es heiß ist, sagt das wahre Sprichwort.

Pastor1: Ruhen sie nicht am Sonntag von der schweren Wochenarbeit? Der Mensch bedarf es doch, und die Seele bedarf auch das ihrige.

Bauer: Ich habe es schon mal gesagt, dass ich heute keine Zeit habe, schon gar nicht für fromme Gespräche. Ich feiere den Montag als Ruhetag und Sonntag ist ein Arbeitstag wie alle anderen Wochentage. Im übrigen, Herr Pastor, brauchen sie den Weg zum Erlenhof nicht mehr machen.

Autor: (Musik begleitend) Schweren Herzens ging der Pastor vom Hof und betrat ihn nie wieder. Nachdem er 42 Jahre seiner Gemeinde treu gedient hatte, erkrankte er und starb bald darauf. Das war für die ganze Umgebung ein schwerer Verlust. (Musikende)
Ein neuer Pastor war gekommen. Ein tief gegründeter demütiger Mann mit seiner lieben Gattin, Luise. Es war seine erste Pfarrerstelle. Als er sich nach dem Erlenhof erkundigte, erzählten die Leute soviel von dem jähzornigen Bauer. Jeder warnte den Pastor sich auf diesen Hof zu begeben. Der Pastor entschloss sich dennoch den Bauern aufzusuchen und teilte diesem das schriftlich mit.

Gottfried: Hier ein Brief, mein Herr. Ein Junge brachte ihn und bat denselbigen so schnell wie möglich einzuhändigen.

Bauer: (nimmt den Brief und liest)  Lieber Bauer! So Gott will gedenke ich kommenden Sonntag, nach dem Gottesdienst sie zu besuchen, um mit ihnen näher bekannt zu werden. Wünsche sehr, sie zu Hause anzutreffen. Mit einem Gruß  Pastor der Ortsgemeinde.
So, so. Er sucht meine Bekanntschaft. Das heißt er will mich einfangen mit seinen frommen Reden? Er täuscht sich. Mit solchen Fallen fängt er mich nicht. Und wo nehmen sie sich nur alle her. Kaum ist der alte gestorben, ist auch schon ein anderer da. Als ob man ohne sie nicht leben kann.

-Musik-

Autor: Der Sonntag war gekommen, an dem der Pastor den Besuch unternehmen wollte. In der Pastorfamilie ging es aber nicht gleichgültig zu. Es waren ernste Tage des Gebets für sie.

Pastor2: Morgen ist ein schwerer Tag für uns, Luise! Ich wünschte, er wäre schon vorüber. Die Leute erzählen soviel Übles von dem Bauer. Sie sagen, dass er seinen Vater sogar übertritt im Jähzorn. Aber wie dem auch sein mag, Christus ist auch für ihn gestorben und ich bin schuldig ihm das warm ans Herz zu legen. Der Herr stehe uns bei.

Luise: Mein lieber Mann, bist du überzeugt dass du schon hingehen musst? Vielleicht genügt es vorläufig ernst zu fasten und zu beten, das Gott sein Herz erweichen möge. Man kann es sich leicht verderben.

Pastor2: Nein, Luise, erstens habe ich es ihm schriftlich benachrichtigt, dass ich komme und zudem weiß ich, dass Gott es so haben will

Luise: Ja, ich will auch ergeben sein, tue wie es dir klar ist. Gott bewahre und segne uns.

Pastor2: (leise Musik) Lieber himmlischer Vater, Ich danke dir, dass du die Sünder liebst und nicht willst, dass jemand verloren gehe. Ich danke dir, dass du uns berufen hast diese frohe Botschaft den verlorenen zu bringen. Ich bitte dich du wollest meinen Besuch bei dem Bauern segnen. Du wollest sein Herz auftun für dich, damit er könnte gerettet werden. Erhöre mich. Amen.

Autor: Als am Sonntag der Pastor nach dem Gottesdienst den Erlenhof betrat, war der Bauer gerade mit seinem alten Knecht Gottfried dabei, Dung aufzuladen. Dies war seine Sonntagsarbeit. Der Bauer spuckte auf die Hände, nahm von dem Pastor keine Notiz, und lud weiter auf. Der Pastor versuchte nun mit aller Güte den Bauer zu einem Gespräch mit ihm zu bitten.

Pastor2: Lieber Bauer, wenn es erlaubt ist, möchte ich sie ein wenig sprechen. Ich will sie auch nicht länger aufhalten. Ich bin nämlich der Pastor und wollte ihnen, wie allen andern Dorfbewohner, einen Besuch abstatten. Wir wollen doch einmal alle in den Himmel und…….

Bauer: (fällt ihm aufregend ins Wort) Was und? Sie sehen doch, dass ich keine Zeit habe. Zudem mögen Sie ihren Schäfchen vorpredigen, bis sie alle  male bekehrt sind. Mich bekehren sie nicht, Herr Pastor, und auf meinem Hof dulde ich keine Predigten. Ich glaube an keinen Gott, ich brauche keinen Gott, Gott braucht mich! (Zeigt mit dem Finger auf sich) Und du Gottfried, was stehst du und sperrst den Mund auf? Oder wolltest du dich auch schon bekehren?

Pastor2: Ich rate nicht zu spotten und Gott in Ruhe zu lassen. Denn es steht geschrieben: „Irret euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten.“

Bauer: Hören sie auf die Hölle zu heizen. Ich glaube an keine Ewigkeit. Herr Pastor, Ewigkeit ist ein Pfarrer Geschwätz! Ein leeres dummes Pfarrer Geschwätz, das nur zur Verdrehung der Menschen dient und zu weiter nichts. Wenn ich einmal tot bin,  mag man mich auf dieser Mistschleife zum Friedhof fahren, das ist mir ganz egal. Sie können mich wie einen Hund einscharren. Herr Pastor, hören sie, wie einen Hund!

Autor: Danach nahm der Bauer seine Mistgabel und arbeitete weiter. Traurig verließ der Pastor den Hof. Es war sein erstes schweres Erlebnis in seinem neuen Amt. Der Pastor sprach kein Wort über den Vorfall im Erlenhof, umso lauter höhnte der Bauer in den Gasthäusern der Nachbarstadt. Bald wusste es jeder im Dorf und war empört über die Ungehörigkeit des Bauern. Trotz seiner kirchenfeindlichen Haltung, zeigte der Bauer noch ein kleines Interesse an der Kirche. Dieses bestand darin, an jedem Silvesterabend einen Knecht in die Kirche zu schicken, um dort 52 einzelne Pfennige abzugeben.

Gottfried: Herr Pastor, hier bringe ich die 52 Sonntägliche Pfennige von meinem Herr Bauer, sie sollen es in den Gotteskasten werfen, denn das pflegt er jeden Silvesterabend zu tun, so habe es sein Vater immer getan.

Pastor2: Bringen sie das Geld ihrem Herrn zurück. Wir können es nicht brauchen,  das bringt doch keinen Segen. Sagen Sie ihm, er möge das Geld weiterhin für sich behalten.

-Musik-

Autor: Die Erntezeit war gekommen. Auf den Feldern stand dieses mal eine gute Ernte. Nach alten  Sitten waren alle Bauern zum Gottesdienst gekommen, um bei Beginn der Ernte dem Herrn zu danken und um gutes Wetter für die Einbringung der Ernte zu bitten. Es fehlte nur einer, der Erlenhofbauer. Während die Kirchenglocken über die Felder dahin klangen, schickte der Bauer seinen Knecht Gottfried mit einer Mistschleife voller Dung zum Feld hinaus. Er selbst holte sich seine besten Pferde und spannte sie vor seine neue Dreschmaschine, die das Getreide zugleich in Garben band und hinter sich warf. Wenn die  andern Bauern aus der Kirche kamen, sollten sie den Erlenhofbauer mit seiner neuen Maschine mähen sehen und neidisch werden. Er prahlte vor seinem Hofgesinde.

Bauer: Ist es nicht ein nettes Ding? Solch eine Maschine haben unsere Bauern noch nicht gesehen. An der äußersten Grenze fange ich an zu mähen. Die Augen sollen den Bauern aus dem Kopfe fallen vor Neid.

Autor: Pfeifend fuhr der Bauer aufs Feld hinaus. Wenn der Gottesdienst geschlossen wurde, mussten die Kirchengänger am Feld, wo er mähte, vorbei kommen. Ob sie wollten oder nicht, sie würden stehen bleiben müssen und seine neue Maschine und deren moderne Arbeitsweise bewundern.

-Musik-

Der Knecht war inzwischen zum zweiten mal mit der Mistschleife aufs Feld hinausgefahren und wollte bereits umkehren, da sah er plötzlich in der Ferne die Pferde seines Herrn dahinjagen. Der Knecht bestieg sein Pferd und eilte zum Kornfeld hinüber. Vergeblich suchte er den Erlenhofbauer. Es gelang ihm mit Mühe, den beiden Pferden in die Zügel zu fallen und sie zum Stehen zu bringen. Zitternd und schweißfließend standen sie vor dem Knecht, als habe der Tod ihre Zügel geführt. Die Mähmaschine hatte die Pferde in einem rasenden Tempo mit noch arbeitendem Schneidewerk hin-ter sich geschleppt. Blutig ist die Mähmaschine, Fleischstücke hängen zwischen den Messern, von dem Bauer ist nichts mehr zu sehen. Nur einzelne Körperteile lagen umher, ein entsetzlicher Anblick! Was war geschehen? Niemand war Augenzeuge des Unglücks gewesen. Gerade war der Gottesdienst zu Ende und laut schreit der Knecht den nahenden Leuten zu.

Gottfried: Ein Unglück!!! (Musik-Akkord) Ein schreckliches Unglück! Dort liegen die Stücke unseres Bauern.

Autor: Die eingehende Untersuchung ergab folgendes: Gleich nachdem der Erlenhofbauer angefangen hatte zu mähen, musste sich das rechte Pferd von der Mähmaschine gelöst haben. Ohne die Messer der Maschine abzustellen, war der Bauer von seinem Sitz gesprungen, zwischen die Maschine und die Pferde, um das Pferd anzubinden. In diesem Augenblick zogen die Pferde an und rasten mit voll arbeitender Maschine davon. Statt der Garbe lagen hinter der Maschine die zerstückten Teile des Bauern. Unter den Gottesdienstbesuchern befand sich auch der Polizeibeamte. Der nahm sofort das Protokoll auf, benachrichtigte die hierfür zuständige Kommission und sperrte das gesamte Feld ab. Am Nachmittag war die Untersuchung abgeschlossen.

Polizist: Gottfried! Die Untersuchung ist abgeschlossen. Sorgen sie dafür, dass die Leiche sofort auf den Erlenhof geschafft wird.

Autor: Gottfried lud die zerfetzten Stücke seines Herrn auf die Mistschleife, deckte ein Zelttuch darüber und fuhr damit zum Erlenhof. Hier wartete bereits der Tischler mit dem Sarg. Still wurde, was vom Erlenhofbauer noch übrig geblieben war, in den Sarg gelegt und das Zeittuch darüber gedeckt. Als man den Sarg schließen wollte, rief Gottfried:

Gottfried: Halt, nicht zunageln! Hier bringe ich ein  Spiel Karten. Er hat zu mir gesagt, wenn ich einmal tot bin, will ich meine Karten bei mir haben! Es ist mein Gesangbuch. Dann wird’s mir in der Hölle nicht so langweilig werden.

Autor: Die Behörde hatte die sofortige Beisetzung der Leiche angeordnet. Als es dunkel geworden war, schleiften zwei Knechte den Sarg ihres Herrn zum Friedhof hinaus und senkten ihn alsbald mit Hilfe des Totengräbers in einer Ecke des Gottesackers in die Erde. Wie einen Hund auf der Schleife, gerade so, wie es der Bauer einst dem Pastor über sich heraufbeschworen hatte. Niemand von den Angehörigen des Bauern war zugegen. Als die Leiche verscharrt war, ging der Pastor zum Friedhof hinaus und traf dort den alten Totengräber, der die Geräte gerade wegräumen wollte. Als er den Pastor sah, fragte er:

Toteng.: Stimmt es, Herr Pastor, das einst zum Erlenhofbauern gesagt haben: „Irret euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten?“

Pastor2: Ja damals, als ich den Bauer besuchte und über Gottes Wort reden wollte, damals war es die einzige Antwort, die ich ihm geben konnte. Er hat sich selbst das Gericht gesprochen.

Autor: Wie ein Schrecken ging die Kunde von dem plötzlichen Tod des Erlenhofbauern durch das ganze Dorf. Jeder sah es, dass Gott über sein Wort gewacht hatte. Selbst in den Gaststätten, in denen der Bauer seine gotteslästerlichen Reden zu halten pflegte, wurde es still. Mancher Spötter verstummte in dieser Zeit und fing an über Gott und Ewigkeit nachzudenken. Als die Kirchenglocken am nächsten Sonntag über die Felder dahin klangen, strömten die Leute zur Kirche. Manch einen, der sonst nicht zur Kirche kam, sah man an diesem Sonntag. Der Pastor predigte über das Wort „Irret euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten, denn was der  Mensch sät, das wird er ernten.“

Liebe Zuhörer! Gott ist ein Gott der Liebe und Geduld. Auch mit einem jedem von uns hat er große Geduld gehabt! Und wenn du sagst: „Ich bin kein Spötter, so bist du vielleicht doch nicht bereit dem Herrn zu begegnen. Aber dazu werden dir alle Möglichkeiten geboten, und unsere Bitte ist: Nütze diese Möglichkeit aus, um glücklich hier auf Erden und einst ewig beim Herrn zu sein. Tue es, so schnell wie möglich. Die Zeit ist kurz. Denn es ist schon später als du denkst!!!

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Nov 17 2007

Entrückung

Geschrieben von under Ewigkeit

Entrückung, ein christliches Anspiel zum Thema Ewigkeit für 12  Personen

Autor: Wie viele andere, so begeisterte auch Viktor von Kind auf die Technik. Besonders die Autos zogen ihn an. Am Anfang gab er sich keine Rechenschaft dar-über, warum es gerade das Auto war, aber mit 17 Jahren legte sich bei ihm die Meinung fest, dass der Beruf als LKW-Fahrer vorteilhaft sei, denn man brauchte nicht schwer zu arbeiten und habe dennoch ein gutes Einkommen. Schon in seiner Kindheit hatte er viel davon gehört, wie die Fahrer „schwarz“ verdienten, und dies lockte ihn sehr. Er hatte es sich zur Aufgabe gemacht, um jeden Preis eine Arbeitsstelle als Fahrer zu bekommen. Und er hatte dieses Ziel auch erreicht. Stolz sah er auf die Vorübergehenden, wenn er hinter dem Steuer saß. Besonders hochmütig wurde er dann, wenn sich die Taschen mit Geld füllten. Die Geldliebe, eine Wurzel alles Bösen, hatte ihn so gefangen genommen, dass er sich bald gar nicht schämte an all den schmutzigen Geschäften teilzunehmen.
Als der Sommer kam, reiften bei Viktor viele Pläne, um ans große Geld zu kommen. Seine Freunde aber waren mit ganz anderen Dingen beschäftigt, sie kamen zusammen, studierten Gottes Wort und bereiteten sich auf die Taufe vor. Viktor fühlte auch ein inneres Verlangen dazu, aber seine Arbeit und die Dienstreisen hielten ihn ab, an diesen Gemeinschaften teilzunehmen. Er wurde aber dennoch zur Taufe zugelassen, obwohl er nur schlecht vorbereitet war. Einige Wochen nach der Taufe verurteilte ihn sein Gewissen und er sagte sich von den Geschäften ab.
Nach einiger Zeit wollte Viktor heiraten. Obwohl er viel Geld dazu brauchte, verdiente er es nur auf ehrlichem Weg. Die Schwester, die Viktor heiraten wollte, war eine wahre Christin. Nachdem ihr Vater gestorben war, wurde sie von der Mutter im Sinne des Verstorbenen erzogen. Der Vater war ihr geistliches Vorbild gewesen, seine Treue und Liebe zum Herrn hatten sich tief in ihrem Herzen eingeprägt.
Sie erzitterte innerlich, wenn man ihr von den Geschäften erzählte, die Viktor getrieben hatte. Alleine, in der Stille betete sie inbrünstig für ihren Mann, dass er sich doch nicht wieder in die alten Geschäfte verwickelte. Durch ihre Beobachtungen konnte sie sehen, dass ihre Gebete nicht vergeblich waren. Es vergingen zwei Jahre. Dem jungen Paar wurde ein Sohn geschenkt, dadurch kamen auch neue Sorgen in ihr Leben. Vera war aufgefallen, dass ihr Mann immer länger nach der Arbeit ausblieb. Und was noch besorgniserregender war, dass er immer öfter sonntags in eine Dienstreise geschickt wurde. Bald darauf meldete sich Viktor von dem Dienst im Chor ab, weil er nicht zur Übstunde kommen konnte, und auch die Gottesdienste besuchte er immer seltener.
Eines Tages kam er sehr spät von der Arbeit nach Hause, Vera nahm an ihm den Geruch von Alkohol war.

Vera: Was soll das, Viktor? Ist es wahr, oder irre ich mich?

Viktor: Was ist denn?

Autor: Vera beruhigte sich, und hielt es für einen Irrtum, doch solches wiederholte sich immer öfter. Sie machte sich viele Sorgen darum, wohin das wohl führen würde. Am Anfang weinte sie alleine im Geheimen, aber später auch vor ihrem Mann.

Viktor: Wozu die Tränen? Du sitzt hier zu Hause und weißt nicht, woher das Geld kommt. Versuch es doch mal selber, dann würdest du etwas anderes sagen. Wir hatten mit dem Bauleiter ein Geschäft abgewickelt, jetzt mussten wir darauf einen trinken, um Missverständnisse zu vermeiden, aber das war ja nur ein bisschen.

Vera: Und wenn man das in der Gemeinde erfahren wird?

Viktor: Wenn du das nicht sagen wirst, wie sollen sie das denn erfahren?

Autor: Vera schwieg, denn sie wollte die Beziehung zueinander nicht zerstören. Sogar für eine Kleinigkeit konnte Viktor sie so anschreien, dass sie es kaum ertragen konnte. Die Bibel hatte er fast vergessen, die Gottesdienste besuchte er nur ab und zu, das Gebet wurde immer kürzer und seltener. Oft ging er schlecht gelaunt ins Bett, und morgens fuhr er auch ohne Gebet weg. Wenn seine Frau ihn daran erinnerte, so verschlechterte sich nur sein Verhalten ihr gegenüber.

Vera: Viktor, wann denkst du daran, dich zu ändern? Es wird doch fast in jeder Predigt erwähnt, dass wir in der letzten Zeit leben. Wir müssen immer bereit sein. Beunruhigt dich das nicht?

Viktor: Vera, wie bist du nur so komisch. Bin ich denn als einziger so? Da sind noch andere, die mit mir arbeiten. Womit sind Stefan und Peter denn besser als ich?

Vera: Ja, Viktor, du weißt auf wen du zeigen kannst. Warum siehst du nicht auf Martin oder auf Georg?

Viktor: Ja, jetzt fängst auch du noch an. Sei unbesorgt, ich habe noch Zeit.

Autor: So waren noch drei Jahre vergangen. Viktor war nur freundlich, wenn seine Frau keine Fragen über seinen geistlichen Zustand stellte. Vera weinte während dieser Zeit sehr oft. Ihre Schönheit war geschwunden, im Gesicht machten sich erste Falten bemerkbar, nachts konnte sie kaum schlafen, schreckliche Träume ließen sie oft erwachen. Ihr müdes Herz fand keine Ruhe. Ihr einziger Trost waren die Gebete. Abends, wenn alle anderen schliefen, suchte sie ihre Zuflucht im Gebet.
Nach einem Gottesdienst wollte der Älteste noch mit Viktor sprechen, aber er hat ihn so abgefertigt, dass der Bruder schwieg. Als Georg ihn ansprechen wollte, sah Viktor ihn so an, dass auch er schwieg. Nur Martin klopfte ihm auf die Schulter und sagte:

Martin: Mutig bist du, Viktor! Aber du solltest vielleicht die Kosten überschlagen.

Autor: Mit hängendem Kopf ging Viktor nach Hause. Die Zeit verging. Viktor wurde mit Georg auf eine Dienstreise geschickt. Vera freute sich, dass er diesmal nicht alleine fuhr. Sie hoffte, dass die Anwesenheit von Georg ihrem Mann vom Schlechten abhalten würde. Aber Viktor wurde davon nicht beeindruckt. Er schämte sich nicht, die anvertraute Arbeit liegen zu lassen und andere Geschäfte zu machen. Um das Ganze dann zu vertuschen, lud er den Vorgesetzten zum Essen ein. Georg aber befahl er, den Mund zu halten.

Georg: Nein, Viktor, so geht es nicht weiter. Wir haben lange Geduld mit dir gehabt. Wenn ich jetzt nach Hause komme, bringe ich diese Frage vor die Gemeinde.

Viktor: Von mir aus, wenn du eine lose Zunge hast. Und was mich angeht: Ich habe keine Angst, denn ich bin schließlich kein kleiner Junge mehr und weiß, was ich antworten soll. Ich bin ja nicht der einzige, der es so macht. Es gibt einige, die noch schlimmer sind als ich.

Autor: Die Dienstreise ging zu Ende. Viktor und Georg machten sich für die Abreise fertig.

Georg: Was hast du auf deinen LKW geladen?

Viktor: Ich hab mir nur etwas mitgenommen, die Reise muss sich ja schließlich bezahlt machen. Ich bin kein Feigling!

Georg: Viktor, ich verstehe dich nicht. Fürchtest du Gott nicht?

Autor: Der Tag neigte sich zum Abend, die Lkws kamen immer näher zur Stadt, und ließen eine dicke Staubwolke hinter sich. Georg überholte Viktor und beschleunigte die Fahrt.

Georg: Wie gut, dass ich bald zu Hause bin. Ich bin so müde. Auch die Gottesdienste habe ich während dieser Reise sehr vermisst. Vielleicht schaffe ich es, noch rechtzeitig zum Gottesdienst zu kommen.

Autor: Viktor blieb mit seiner Last hinten, Georg fuhr immer schneller der Stadt entgegen. Er wollte so schnell wie möglich zu Hause sein. (Musik) Auf einmal erleuchtete ein helles Licht den ganzen Himmel: wie ein Blitz, von Osten bis nach Westen, alles wurde hell. Georg erschrak und trat in die Bremse. Das Auto blieb stehen und er schaltete den Gang aus. Er machte die Augen zu und fühlte, dass mit ihm etwas unerklärliches passierte. Es schien ihm, als ob er vom scharfen Bremsen die Besinnung verlor. Und dann, welch ein Wunder: er konnte es selber nicht fassen, er sah kein Auto mehr, auch keine Straße.
Dann ertönte in der Höhe der liebliche Gesang der Engel. „Lasset uns freuen und fröhlich sein, und dem Herrn die Ehre geben, denn die Hochzeit des Lammes ist angebrochen und die Braut hat sich geschmückt“.
Georg, erfüllt mit einer unbeschreiblichen Freude, schwebte immer höher dem Herrn entgegen und wiederholte: Bald bin ich zu Hause. Ich bin so müde.
Als Viktor das Auto von Georg eingeholt hatte, konnte er nicht begreifen was geschehen war. Das Auto stand am Straßenrand, aber Georg selbst war nirgends zu sehen. Er schaute überall nach, im und unter dem Auto, aber er konnte niemanden finden. Ganz in Gedanken versunken, blieb er stehen.

Viktor: Wo ist er denn geblieben, was soll das heißen?

Autor: Es wurde schon Abend und keiner kam. Viktor nahm das Auto von Georg ins Schlepptau, setzte seinen Praktikanten ans Steuer und fuhr in die Stadt. Er fuhr ganz langsam, viele trübe Gedanken beunruhigten seine Seele. Das Herz schlug in ihm so, als ob es kein Herz wäre sondern eine Hammer.

Viktor: Vielleicht hat die Entrückung der Gemeinde stattgefunden?

Autor: Viktor versuchte mit aller Kraft diese Gedanken zu verdrängen, aber ohne Erfolg. Der Gedanke daran ließ ihn erzittern, obwohl er kein Feigling war. Seine Unruhe stieg noch mehr, als er in der Stadt einen stehen gebliebenen Bus sah, den seine Frau Vera normalerweise fuhr. Die Menschen erzählten, dass der Bus auf einmal stehen geblieben und die Fahrerin verschwunden sei. Von den schweren Gedanken, die ihn plagten, und der inneren Aufregung, bekam er Kopfschmerzen. Langsam fuhr er das Auto in die Garage. Dort angekommen, wollte er gleich alles seinem Vorgesetzten beichten, doch ein anderer war ihm zuvor gekommen. Im betrunkenen Zustand erzählte er lachend, dass der vollgeladene LKW von Georg bei der Brückenauffahrt stehen geblieben sei, und den anderen den anderen den Weg versperrt habe. Als sie dann zum Fahrzeug gekommen waren, war der Motor aus und der Fahrer weg. Viktors Herz wollte beim Zuhören aller Geschehnisse zerreißen. Als er selbst alles berichtet hatte, eilte er nach Hause, um genau zu erfahren, was mit seiner Frau geschehen war. Als er durchs Tor ging, hörte er, wie der Vorgesetzte lachend sagte:

Chef: Die Christen verschwinden auf einmal alle, jetzt sind wir endlich von ihnen losgekommen.

Autor: In seiner Aufregung und Eile hatte Viktor von seiner Ladung vergessen, die er unterwegs hätte verschwinden lassen, aber auf keinen Fall mit in die Garage bringen sollen. Nachdenklich blieb er stehen.

Viktor: Was soll ich jetzt tun, zurücklaufen und die Ladung verschwinden lassen, oder nach Hause gehen, um rauszufinden, was mit Vera geschehen ist.

-Musik-

Autor: Einen Moment stand er unentschlossen da, dann ging er nach Hause. Die Haustür war verschlossen, seine Frau und die Kinder waren nicht da, obwohl alle Sachen auf ihrem Platz waren. Der schwarze Kater schlief ruhig an seinem Ort. In seiner Aufregung wollte er schon bei dem Kater nach dem Verbleib seiner Familie fragen. Doch dann schien es ihm, als ob es nicht ein Kater sondern selbst Satan wäre, der sich über die Not des Hausherren freute. Viktor ging aus dem Haus, und macht sich auf den Weg zum neuen Ältesten. Der frühere wurde aus unerklärlichen Gründen entlassen und ein neuer wurde vom Kreis geschickt. Als Viktor an die Haustür klopfte, machte ihm ein kleiner Mann mit fragenden Augen die Tür auf. Während Viktor sprach, bemühte sich der Mann, seine Aufregung nicht zu zeigen. Dann versicherte er ihm, dass aus dem Kreis keine Vorwarnung gekommen sei. Aber mit dieser Antwort war Viktor nicht zufrieden. Draußen begegneten ihm die Frau und die Mutter vom Peter, die von einer Geschäftsreise zurückgekehrt waren. Und sie berichteten auch, was mit ihnen unterwegs geschehen war.

Mutter: Wir fuhren mit dem Zug nach Hause, auf einmal schrie eine Frau auf und sagte, dass ihr Mann in einem Nu verschwunden sei Als der Mann nicht gefunden wurde, sollte der Zug weiterfahren. Doch dann bemerkte man, dass der Lokomotivführer und sein Gehilfe auch weg waren. So musste jeder selber zusehen, wie er nach Hause kam.

Autor: Auch wenn die Sonne noch nicht ganz untergegangen war, so war es nach Viktors Meinung doch schon alles dunkel. Er entschloss sich zum früheren Ältesten zu gehen, zu dem er so unfreundlich gewesen war. Der Bruder, der von allen geschätzt wurde, wohnte etwas weiter weg. Er verdiente seinen Lebensunterhalt am Werktisch. Doch jetzt war da keiner zu sehen, nur zwei unfertige Hocker standen neben dem Tisch. Das Haus war auch leer. Auf dem Weg dahin sah Viktor, wie sich einige Männer und Frauen in kleinen Gruppen versammelten und aufgeregt über etwas sprachen. Aber jetzt war alles klar: …der Herr war gekommen und hatte seine Gemeinde zu sich entrückt! Er wollte schreien, brachte aber keinen Laut hervor. Seine Brust war wie zugeschnürt. Er fiel besinnungslos zu Boden.
Als er wieder zu sich kam, war es schon ganz dunkel geworden, ein kühler Wind wehte vom Fluss her. Die umliegenden Häuser waren hell beleuchtet, nur im Hause des Ältesten war es dunkel. Als Viktor die Augen aufmachte, sah er den neuen Ältesten mit seiner Frau, Andreas und Peter mit seiner Frau und Mutter und noch einige neben sich stehen. Jeder beeilte sich so schnell wie möglich, das zu erzählen, was er wusste. Manche Familien waren ganz verschwunden, andere nur zur Hälfte, wieder andere waren ganz zurückgeblieben. Es gab auch solche, die die Weinenden zum Spott machen wollten, aber es gelang ihnen nicht so recht. An diesem Abend hörte man kein Geschrei, keine Lieder, keine lauten Gespräche. Einige hatten sich im Hause des früheren Ältesten versammelt. Sie saßen alle ganz still und schauten nach oben, als ob sie sich wünschten, ihre Brüder da zu sehen oder wenigstens eine schmale Tür durch die man hineingehen könnte. (Musik) Alles war umsonst. Am dunklen Himmel schimmerten nur einige Sterne, als ob sie um die Zurückgebliebenen trauerten. Die Anwesenden fielen auf ihre Knie, und ein herzzerreißender Schrei kam aus ihrer Brust heraus: Herr, Herr, öffne uns! Willst Du dich nicht über uns erbarmen? Wie viele Jahre haben wir den Spott der Welt ertragen, verschiedene Angriffe und Vorwürfe. War das denn alles umsonst!? Herr, sei uns gnädig, erhöre uns! Aber es kam keine Antwort. Sie schrieen so lange, bis sich der Mond am Himmel zeigte, als ob er sagen wollte: Zu spät! Die Sterne und das leer gewordene Haus wiederholten: Zu spät, zu spät, zu spät für immer.
Die kleine Gruppe hatte das Haus des Ältesten noch nicht verlassen. Als sie sich alle etwas beruhigt hatten, fing die Frau des neuen Ältesten als erste an zu sprechen:

Frau: Ich kann das einfach nicht verstehen, sie waren alle gläubig, gingen zum Gottesdienst, ertrugen Spott und Hohn der Leute, aber wie war es denn mit uns? Ich z.B. war fast immer auf dem Gottesdienst, habe im Chor Solo gesungen, manchmal auch Kranke besucht. Warum bin ich denn zurückgeblieben? Und warum ist mein Mann geblieben? Er ist doch der Älteste, und wie er gepredigt hat, das war doch nicht mit jenen Ungebildeten zu vergleichen!?

Viktor: Ich denke, das liegt daran, dass wir zwar Gläubige waren, aber nicht auf den Herrn gewartet haben. Meine Frau Vera hat mir oft gesagt, dass der Herr bald kommt. Ich war dem Knecht ähnlich, der sagte: „Mein Herr kommt noch lange nicht.“ Ich wusste, dass der Herr kommen würde, die seinen abzuholen, aber ich dachte, es würde noch nicht bald geschehen.

Ältester: Ich habe viel im Buch der Offenbarung gelesen und nach meiner Berechnung war das Kommen des Herrn noch weit entfernt. Aber wie tief habe ich mich geirrt. Meine Frau und ich waren auch keine Wartenden auf den Herrn.

Viktor: Und ich war immer mit der Fahrt in die Großstadt beschäftigt und hatte keine Zeit darüber nachzudenken. Zum Abendmahl und zu Festen bin ich noch gekommen, aber sonst hatte ich keine Zeit. Ich wollte gerne ein Haus haben und dazu braucht man viel Geld.

Ältester: Wir dachten an unser irdisches Haus aber für das himmlische hatten wir keine Zeit.

Autor: Dann krähte auf einmal ein Hahn und das Gespräch war beendet. Es ging ihnen so, wie Petrus: sie wollten nur noch bitterlich weinen. Der Sonntagmorgen und auch der ganze Tag war sehr trüb. Es wehte ein kalter Wind mit Nieselregen. Jedoch gingen an diesem Tag viele Menschen zum Bethaus. Als letzte kam der Älteste mit seiner Frau. Alle Anwesenden schwiegen, sie sahen auf den Ältesten und erwarteten von ihm einige Erklärungen. Aber er schaute sie alle verständnislos an. Es war keiner da, um den Gottesdienst durchzuführen; keine Prediger, kein Chor, kein Dirigent. Die Versammelten fingen an miteinander zu reden. Einige bekannten offen ihre Sünden und Vergehungen, wegen denen sie meinten zurückgeblieben zu sein.

Mann: Dass ich nicht bereit wäre, ist mir nie in den Kopf gekommen. Ich verstehe das auch jetzt noch nicht. Vielleicht war der Grund dafür, dass ich sehr wenig zum Gottesdienst kam. Aber es kam immer etwas dazwischen, einmal die Arbeit, dann die Gelegenheit noch etwas dazu zu verdienen, diese Gelegenheiten wollte ich nicht verpassen. Wenn ich doch die Zeit zurückholen könnte, dann würde ich alles anders einrichten.

Autor: Er ließ den Kopf hängen. Tränen rollten ihm übers Gesicht.

Julia: Ich weiß auch nicht, weshalb ich geblieben bin. Die Gottesdienste habe ich nicht schlechter als die anderen besucht. Ich war auch im Chor, alle wissen wie ich gesungen habe. Das einzige, das nicht gut war, war mein schnelles Beleidigtsein. Manchmal konnte ich wegen einer Kleinigkeit so hochfahren, dass mein Georg nur schwer aufatmete. Und wo ist er jetzt? Gestern habe ich auf ihn gewartet, er hatte versprochen nach Hause zu kommen, und ist immer noch nicht da.

Viktor: Ich wollte dich nicht aufregen. Gestern, als wir zusammen nach Hause gefahren sind, stand sein LKW auf einmal am Straßenrand, aber er war nirgendwo zu finden, da habe ich es begriffen, dass der Herr ihn zu sich genommen hatte.

Julia: Ist das wahr?
Viktor:  Ja!

Julia: Ich warte hier auf ihn, und er ist schon bei dem Herrn. Einer wird genommen, der andere zurückgelassen.

Viktor: Bei mir ist das genauso.

Anna: Ich habe nicht schlechtes getan. Ich wünschte auch nie jemandem etwas Schlechtes. Aber meine Zunge ist an allem schuld. Ich wollte immer alles wissen und erzählte es weiter. Wenn ich doch lieber stumm währe, als so gesprächig.

Autor: Sie weinte bitterlich. Draußen tobte ein Unwetter, große Regentropfen schlugen ans Fenster, als ob sie die Tränen der Unglücklichen noch vermehren wollten. Jeden quälte nur das eine: Warum haben wir die kostbare Zeit verscherzt, als man noch umkehren konnte?
Wer kann in unsrer Zeit die Tiefe der Not dieser Menschen ermessen. Sie standen schon einige Jahre im Glauben, haben Spott und Hohn von der Welt ertragen, um Christi Willen gelitten. Aber jetzt waren sie lau geworden, haben aufgehört zu wachen, und waren nicht bereit zum Kommen des Herrn.

Lieber Zuhörer! Wie steht es um dich? Bist du bereit Jesus zu begegnen, oder bist du auch lau geworden, und musst einst beschämt dastehen?
Eile zu Jesus, bevor die Gnadentür verschlossen ist!

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Nov 17 2007

ZWISCHENSTATION

Geschrieben von under Ewigkeit

ZWISCHENSTATION, ein christliches Anspiel zum Thema Ewigkeit für 8 Personen

Arzt: Nun ja, Herr Tölsten. Sie wissen sicherlich, warum ich Sie zu mir bestellt habe. Nicht wahr? Es ist mir allerdings nicht sehr angenehm, Ihnen diese weniger gute Nachricht mitzuteilen. Aber schließlich müssen Sie es ja doch wissen.

Tölsten: Nun reden Sie schon, Herr Doktor oder meinen Sie es wird leichter, wenn Sie das Gespräch in die Länge ziehen?

Arzt: Also die Untersuchungen haben ergeben, dass sich an der Leber ein Tumor gebildet hat. Sie wissen was das bedeutet. Sie müssen operiert werden. Ich werde sofort alles Nötige veranlassen, dass Sie noch in dieser Woche in das städtische Krankenhaus eingeliefert werden können.

Tölsten: Und was ist dann? Bin ich dann gesund?

Arzt: Ja also, das ist so: Ist der Tumor gutartig, verläuft alles problemlos, und Sie sind nach der Entlassung vollständig gesund.

Tölsten: Wenn nicht, was ist dann?

Arzt: (leise) Dann haben Sie KREBS.

Sprecher: Wie versteinert blickte Tölsten den Arzt an. Er brachte kein Wort über die Lippen. KREBS! Das konnten doch nur andere Leute kriegen, aber er doch nicht! Es dauerte eine Weile, bis er sich wieder soweit in der Gewalt hatte, dass er mit dem Arzt reden konnte.

Arzt: Wissen Sie, die Chance, dass der Tumor gutartig ist, liegt sehr hoch. Ich habe mit einigen Kollegen gesprochen, und sie glauben wie auch ich zu 85%, dass Sie keinen Krebs haben.

Sprecher: Als Tölsten sich kurze Zeit später auf dem Weg nach Hause befand, musste er noch mal über alles nachdenken. Was, wenn er doch KREBS hätte? Was würde dann aus seiner Frau und seinen beiden Kindern werden? Nach einer Woche war es dann soweit, man hatte Tölsten für die Operation vorbereitet und schob ihn nun in Richtung  OP. Seine Frau ging neben seinem Bett. Er konnte die Angst in ihren Augen lesen. Schließlich mussten sie sich vor der OP verabschieden.

Madeleine: Friedrich, ich hab solche Angst!

Tölsten: Aber Madeleine, dass brauchst du doch nicht. Es wird schon alles wieder gut werden. Du musst nur fest daran glauben.

Sprecher: Er wusste, dass er diese Worte nur sprach, um seine Frau und auch sich selber zu beruhigen. Im Grunde genommen hatte er selber große Angst. Angst vor der Nachricht: ” SIE HABEN KREBS.” Erst am nächsten Morgen kam er wieder voll zu sich. Sofort ließ er nach dem Chefarzt rufen.

Chefarzt: Guten Morgen, Herr Tölsten. Haben Sie gut geschlafen?

Sprecher: Misstrauisch sah Tölsten in das lachende Gesicht des Arztes. Was würde jetzt kommen?

Chefarzt: Gute Nachrichten, Herr Tölsten. Der Tumor war gutartig. Wir konnten alles entfernen. Nun können Sie 100 Jahre alt werden. Sie müssen allerdings noch etwas hier bleiben und sich erholen, sonst könnte es eine Entzündung geben.

Sprecher: Als der Arzt wieder weg war, starrte Friedrich Tölsten glücklich gegen die weiße Decke des Krankenzimmers. Er sah immer noch das zufriedene Gesicht des Chefarztes vor sich.

Tölsten: Was sagte er? Ich könnte 100 Jahre alt werden? Und ich hab vor diesem Eingriff solche Angst gehabt. Aber jetzt ist ja alles vorbei.

Sprecher: Er lag noch eine Weile lächelnd da und malte sich das Gesicht seiner Frau aus, wenn sie diese gute Nachricht erhalten würde. Am nächsten Tag ging es Tölsten wieder bedeutsam besser. Er durfte sogar schon etwas aufstehen. Sogleich nahm er eine Zeitschrift zur Hand und begann zu lesen. Doch nach einer Viertelstunde wurde er von seinem Mitpatienten gestört, der ihn bat, auf das Telefon aufzupassen, solange er mal weg musste.

Tölsten: Der muss ja eh jede halbe Stunde raus. Ja, ja, schlimme (seufzend) Blasengeschichte. Dabei wissen die Ärzte noch gar nicht, was ihm wirklich fehlt. Aber ich muss schon sagen, er trägt diese Ungewissheit wirklich mit Fassung. Ob es an der Bibel oder an dem kleinen blauen Büchlein liegt? Jedenfalls behauptet er das. Aber ich glaub das nicht. Das ist wieder so ein religiöser Spinner, der sich in irgendeine Idee verrannt hat.

Sprecher: Nach einer Weile kam sein Bettnachbar zurück und legte sich wieder hin. Doch es dauerte nicht lange, da griff Frank Martin zu dem kleinen Buch und las darin. Als er nach einer Zeit bemerkte, dass Tölsten seinen “Spiegel” weggelegt hatte, sprach er ihn an.

Martin: Entschuldigen Sie, dass ich Sie störe, aber hätten Sie etwas dagegen, wenn ich die zwei Bibelworte der Tageslosung laut vorlesen würde?

Tölsten: Oh nur das nicht, Herr Bettnachbar. Ich habe den lieben Gott bislang wenig beansprucht und es ist sozusagen bei flüchtigen Grüssen belassen.

Martin: Vielleicht will er durch die Losung einen Versuch machen, Sie flüchtig zu grüssen.

Tölsten: Das können Sie ihm aber mal gleich ausreden.

Sprecher: Diese letzten Worte hatten abwehrend und unfreundlich geklungen, und so zog sich Martin still zurück. Tölsten aber griff wieder nach seinem “Spiegel” und vertiefte sich darin. Noch einer geraumen Zeit öffnete sich die Tür und Madeleine Tölsten trat ein. Das Strahlen ihres Mannes ging sofort in ihr Gesicht über. Sie beugte sich über ihn und küsste ihn sacht auf die Stirn.

Madeleine: Zufrieden?

Tölsten: Was für eine Formfrage. Man sieht es doch, oder? Hundert Jahre alt kann ich nun werden, hat mir der Chefarzt prophezeit.

Sprecher: Sie hat ihm Pralinen und Traubensaft mitgebracht. Während sie ihm eingoss und ihm dann das Glas reichte, gingen ihre Blicke zur Tür.

Madeleine: Dein Bettnachbar schleicht wie halbbetäubt den Gang auf und ab. Hat er was Schlimmes?

Tölsten: Undurchsichtig wie die Gesichter der Ärzte, wenn sie an seinem Bett stehen. Aber der liebe Gott wird es schon wissen. Immerhin scheint er einen guten Draht nach oben zu haben.

Sprecher: Er wandte seinen Kopf. Sie folgte seinem Blick und sah den Rotschnitt der Bibel und ein blaues Büchlein mit festem Einband. Sie antwortete aber nichts darauf und kramte etwas aus ihrer mitgebrachten Tasche.

Madeleine: Ich soll dich übrigens noch ganz herzlich von den beiden Kleinen grüßen. Ah, da sind sie ja. Urlaubsprospekte. Genau das Richtige, um sich wenigstens in Gedanken davonstehlen zu können. Dieses Jahr werden wir die Berge mehr mit dem Sessellift erobern. Sonst könnte es mit den hundert Jahren nicht ganz hinhauen!

Sprecher: Beide lachten. Dann wurde Friedrich Tölsten ernst. Er griff nach ihrer rechten Hand und drückte sie.

Tölsten: Ist doch ein Schuss Galgenhumor dabei. Diese Zwischenstation geht mir auf die Nerven.

Madeleine: Nicht nur die “Zwischenstation” wie du das nennst, Friedrich. Es hat doch alles Nerven gekostet, vorher und so. Meinst du, ich hätte in den letzten Tagen vor der Operation nicht gemerkt, wie du innerlich abgeschaltet hattest?

Sprecher: Plötzlich ging die Zimmertür auf. Gleich kam Frank Martin herein. Der rote Morgenmantel ließ das schmale Gesicht noch blasser erscheinen. Er nickte den beiden zu und kroch mühsam ins Bett. Nach ein paar Tagen konnte Tölsten wieder aufstehen. Als er in den Gemeinschaftsraum trat, fiel ihm ein Mann auf, der in einer Ecke saß und aus dem Fenster blickte.

Tölsten: Guten Morgen. Mein Name ist Tölsten. Ich habe Sie hier noch niemals gesehen.

Walter: Ich bin auch noch nicht lange hier. Aber mir reicht es jetzt schon.

Tölsten: Da haben Sie recht. Diese “Zwischenstation” ist nicht zum aushalten, nicht wahr?

Walter: Ich bin Inhaber zweier Wurstbuden. Ich kann es mir eigentlich gar nicht leisten, hier zu sein. Ich brauche Ölgeruch um mich, gebräunte und gerötete Haut meiner Würstchen, dann könnte ich morgen schon die Mücke machen.

Sprecher: In den nächsten Tagen freundeten sich die beiden immer mehr an. Mit dem Wurstbudenbesitzer verband Tölsten mehr als mit dem Frommen aus seinem Zimmer, der nur beten und Bibel lesen konnte. Eines Tages gab es eine Überraschung. Völlig unerwartet, wie Überraschung es so an sich haben. Bei seinem Gang in den Gesellschaftsraum vermisste Tölsten den bärbeißig freundlichen Wurstbudenbesitzer, der so wie er an dieser “Zwischenstation” litt.

Tölsten: Wo bleibt er nur? Er ist doch sonst immer früher als ich hier. Ich werd mal dort drüben die Schwester fragen. Hallo Schwester. Wo bleibt denn der Wurstmaxe?

Sprecher: Ihr Gesicht wechselte wie eine huschende Lichtreklame, weiß – rot.

Tölsten: Hat’s Ihnen die Sprache verschlagen?

Schwester: Nun ja. Äh… Aus der “Zwischenstation” ist  “Endstation” geworden. Embolie, heute morgen, beim Rasieren!

Sprecher: Sprachlos sah Tölsten die Schwester an.

Schwester: Hat uns alle überrascht.

Sprecher: Die Schwester huschte wieder weiter. Nachdenklich begab Tölsten sich wieder auf sein Zimmer. Am Abend blätterte der andere wieder in seinem blauen Büchlein. Friedrich Tölsten starrte gegen die angeleuchtete Decke. Seine Gedanken kreisten.

Tölsten: “Zwischenstation”, ” Endstation” und dann? Dann kommt der Tunnel. Und dann?

Sprecher: Er wandte das Gesicht dem Nachbar zu.

Tölsten: Heute hätte ich nichts dagegen, wenn Sie ihre Verse mal laut lesen.

Sprecher: Liebe Zuhörer, auch wenn ihr in dunkle Zeiten kommt, vertraut auf den Herrn. Alles was ihr erlebt, kommt von ihm, vergesst das nicht. Er will nur euer Bestes.

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Nov 17 2007

Die versäumte Gnadenzeit

Geschrieben von under Ewigkeit

Die versäumte Gnadenzeit, ein christliches Gedicht zum Thema Ewigkeit für 3 Personen

Else:  Wie freut es mich dich noch daheim zu treffen
Du gönnst gewiss ein Plauderstündchen mir
In meinem Zimmer fühle ich mich so einsam
Drum komm ich, liebe Liese, heut zu dir.

Liese:  Meine liebe Elsa: du bist mir stets willkommen
Komm nimm nun Platz an meinem kleinen Tisch
Dein heiteres und munteres Geplauder
Erhält mich selber munter und frisch

Else:  Was seh ich hier auf deinem Tische liegen
Ist’s nicht ein Brief von deinem Mütterlein?

Liese:  Du hast’s erraten liebe Freundin mein
Er trat vor einer halben Stunde ein.

Else:  Meine liebe Liese wie würde ich mich freun
Wenn ich wie du, noch eine Mutter hätt
Die mir in treuer Mütterliebe Liebe
Auch dann und wann ein Brieflein schreiben tät.
Doch meine Mutter ist schon längst gestorben
Schon lange bin ich in fremder Leute Hand
Ich hörte nie der Eltern süße Stimme
Mir klang noch nie ein Mutterwort ans Ohr
Aus diesem Grund möcht ich dich herzlich bitten
Ließ mir doch einmal deiner Mutter Brieflein vor.

Liese:  Du weist meine Freundin, dass ich dich herzlich liebe
Und dass vor dir ich kein Geheimnis hab
Schon längst hast du Vertrauen mir erwiesen
Ich weiß, du schweigest gerne wie das Grab
Drum nimm ihn selbst, den Brief in deine Hände
Und ließ nur alles was darinnen steht
dann merkst du auch was täglich meine Mutter
Für mich, die einzige Tochter, hat von Gott erfleht.

Lied:  Hast du schon empfangen Gottes Kraft und…

(Elsa nimmt den Brief u. liest während gesungen wird)

Elsa:  O sag Liese kannst du den Inhalt recht verstehn?
Ich muss gestehn, ich fasse vieles nicht.
Für manches was dein Mütterlein geschrieben?
Fehlt mir bis jetzt noch der Erkenntnis Licht.

Liese:  Ei, freilich ich kann alles wohl verstehn
Und weiß auch gut was meine Mutter meint

Else:  Sag, würdest du mir nicht etwas Aufschluss geben
Und einiges erklären, liebe Freundin.

Liese:  Recht gerne – was möchtest du dann gerne wissen?

Else:  Es ist mir da zum Beispiel aufgefallen
Dass in dem schönen Brief die Worte stehn
„O eile doch in deines Heilands Arme
bekehre dich und rette deine Seel.
Schau, zweimal hat der Herr um dich geworben
Zu deinem Führer, Jesum dich erwählt
Was will denn deine Mutter damit sagen?
Noch nie hab solche Worte ich gehört
Obwohl ich schon so weit herumgekommen
Und man in vielen Dingen mich geehrt.

Liese:  In meinem Heimatdorf im Schwabenlande
Versammelt sich in einem Nachbar Haus
Ein kleiner Kreis von gottesfürchtgen Leuten
Bei einem Mann genannt der Arme Klaus,
Sie alle stehen fest zum Worte Gottes
Sie haben einen guten Glaubensgrund
Zum Unterschied von andern Christen Leuten
Sagt man zu ihnen nur, sie gehn im Grund
Zu diesen Leuten geht auch meine Mutter
Ich selber musste öfter mit ihr gehn
Und weiß noch gut was ich in jenem Kreise
So oft gehört und auch mit angesehn
Es wird dort über Heiligung geredet
Von Ruhe und von Verlassensein
Sogar von Schächer Gnade hört ich reden
Und eines Tages von der Hölle Pein.
Sie möchten jedermann zu Jesu kehren
Dies sind für mich schon längst bekannte Dinge
Ich will versuchen sie dir zu erklären
Wenn dich dies eine Thema so erfreut
Ich frag dich also: bist du schon bekehrt
Gehörst auch du schon zu den Gotteskindern
Sie rühmen viel das göttliche Erbarmen
Und sagen, es ist getilget meine Sünde
Auch ich der ich ein Sünder bin bei Gott in Gnaden
Ein Himmelserbe und ein Gotteskind.

Else:  O Liese kannst du denn dies alles glauben?
Ist da nicht etwas von der Schwärmerei?
Ist das nicht Täuschung bei den guten Leuten?
O sag mir dieses froh und frei.

Liese:  O, nein das ist nicht Schwärmerei gewesen
das ich bei jenen frommen Leuten sah.
Ich habe selber öfter wahrgenommen
Wie Sünder suchten Heil auf Golgatha.
Und wenn ich gar an meine Mutter denke
Wie glücklich sie in ihrem Heiland war
Welch eine Freude sie in ihrem Heiland hatte
So schwinden meine Zweifel ganz und gar
Ich selbst bin ja dem Heil so nah gewesen
Und fühlte tief der Sünde bittren Schmerz
Ich hab es selbst im Innern schon empfunden
Als einstens ich geschaut, mein sündges Herz

Lied:  Beinah bekehret.

Else:  Noch nie hab solche Dinge ich vernommen
Für mich ist alles dies ein neu Gebot
Durch diesen Brief von deiner lieben Mutter.
So manches neu durch meine Seele zieht
Wie gerne würde ich dies Glück erfahren,
Zu dem schon lang mein Innerstes mich trieb
Doch sag mir noch, was meint denn deine Mutter
Wenn sie dir schreibt wie’s hier im Briefe steht
„Schon zweimal hat der Herr um dich geworben
O warte nicht bis es für dich zu spät!“

Liese:  Sie meint damit, ich soll mich bald bekehren
So lang ich stehe in der Gnadenzeit
Schon zweimal stand ich an des Grabes Pforte
Doch hat der Herr vom Tode mich befreit.

Else:  Es wundert mich, dass du in all den Jahren
Dein gutes Mütterlein so sehr betrübt
Ich konnte aus dem Briefe klar verstehen
Wie sehr sie dich von Herzen immer liebt,
Wie ich denselben eben durchgelesen
Fiel hier mir diese verflossne Stelle auf
Ich glaub es fielen Tränentropfen
Als sie von innerer Rührung schrieb darauf
Es sagen mir die Tränen deiner Mutter
Wie sehr sie dich auf falschem Wege währt
Du solltest Ihren heißen Wunsch erfüllen
Weist du ja nicht wie schnell sie sinkt ins Grab
Ich kann in diesem dich gar nicht verstehen,
was hält dich denn von der Berührung ab?

Liese:  Meine liebe Else, ich bin noch jung von Jahren
Vergnügungen, Sport und Gesellschaft mir gefällt
Ich möchte zuerst das Leben noch genießen
Man ist ja doch nur einmal auf der Welt.

Else:  Was ich in dieser Stunde hab vernommen
Das hat mit Macht mein Innerstes bewegt
Durch deinen Brief hat Gott zu mir gesprochen
Und mir den Ernst’ des Lebens hat gelegt.
Darf ich den Brief nun mit nach Hause nehmen
Ich möchte dich, von Herzen darum bitten
O gib ihn mir, und sage bitte zu.

Liese:  Wenn du ihn willst kannst du ihn mit dir nehmen
Ich weiß ja schon was meine Mutter will.
Steck ihn nur ein, du gibst ihn ja nicht weiter
Und schweigst bei allem andern still.

Else:  Ich danke, dass du ihn mir hast gegeben
Schon morgen bringe ich ihn dir zurück
Doch nun auf Wiedersehen bis morgen Abend
Ich wünsche dir zu deiner Arbeit Glück.

Lied:  O lass den Geist nicht von dir fliehen

Else:  Ein neues Leben hat für mich begonnen
Verändert ist mein Herz, mein Sinn,
Ich bin nun Jesu Eigentum geworden
Ja staune nur wie ich so glücklich bin
Ich danke dir aufs neu für deine Güte:
Dass du den Brief mir gestern anvertraut
Durch diesen Brief hab ich den Herrn gefunden
Zu Ihm im Glauben heute aufgeschaut.

Liese:  Ich bin erstaunt von dir dies zu vernehmen
Erzähl nur mir wie das gekommen ist.
Ich hör es gern und freue mich im Stillen
Dass du, meine Freundin gerettet bist.

Else:  Wie das gekommen, will ich gern erzählen
Zuweil dir solche Dinge ja bekannt
Ich ging nach Haus und las den Brief aufs Neue
Bis ich darin auch Bibelstellen fand
Ich ließ sofort mir eine Bibel holen
Und suchte da den angegebenen Spruch.
Bald nahm ich deinen Brief in meine Hände
Und bald las ich im teuren Bibelbuch
Und so ist Stund um Stunde dann vergangen
Ich fand die ganze Nacht nicht Schlaf, noch Ruh
Gar mächtig war mein Innerstes ergriffen
Die teure Bibel machte ich nicht zu.
Auf einmal sah ich mein verfehltes Leben
Und aller meine Sünden große Schuld
Zum ersten mal warf ich mich auf die Knie
Und suchte ernstlich Jesu Gnad und Huld.
Im Geiste sah ich schon der Hölle Schrecken
Ich fühlte meiner Sünde große Schuld
Ich betete bis an den lichten Morgen
Und suchte Frieden für mein armes Herz.
Am Morgen kam die Hausfrau an mein Zimmer
Und brachte Kaffee, wie sie sonst getan
Und fragte mich ob ich bin krank gewesen
Sie sah mir gleich den Schmerz und Kummer an
Ich musste offenherzig ihr erzählen
Was ich in der vergangnen Nacht erlebt
Sie sagte dann, es freut mich dies zu hören
Dann weiß ich für Sie einen guten Rat,
Ein Prediger wird gerne ihnen helfen
Der mich einst selbst zum Herrn geführet hat
Sie holte Ihn, und bald war er erschienen
Und zeigte mir den Weg durchs Wort des Herrn
Er betete so ernst für meine Rettung.
Ich lauschte allein, willig und gern
An seiner Seite suchte ich den Frieden
Und habe Gnade mir von Gott erfleht
So flossen heiße bittre Reuetränen
Wir harrten lang im ernstlichen Gebet.
Und endlich schwand die Unruh meines Herzens
Ich fand Vergebung, Frieden, Ruh und Heil.
Aus lauter Huld und göttlichem Erbarmen
Ward mir, dem Sünder, Jesu Gnad zuteil.
Meine liebe Liese, du weißt nun wie’s gegangen
Ich denke, auch du freust dich recht mit mir
willst du nicht auch bald dich dem Heiland weihn
Ihm öffnen heut noch deines Herzens Tür?
Liese:    Mit Staunen hab ich alles dies vernommen
Und mich von Herzen darüber gefreut
Ich dachte eben da du mir erzähltest
Aufs neue wieder an die Jugendzeit,
Wär ich nur damals auch gerettet worden.
Als mir die Gnade Gottes nahe war
Doch heute fühl ich mich wie abgestorben
Die Welt hat mich verhärtet ganz und gar.

Else:  O reiß dich los, dann pilgern wir zusammen
Den schmalen Pfad, den Kreuzesweg, hinan
Von heute an will ich zum Heiland eilen
O liebe Liese, lass mich nicht allein
Als Pilger nach der obern Heimat ziehn
Bleib mir als treue Freundin nun auch zur Seit
O komm zum Herrn verändre deinen Sinn

Liese:  Ich will gewiss nicht gänzlich ferne bleiben,
Auch such ich später Jesu Angesicht.
Ich möchte auch ein Himmelserbe werden
Ich komm gewiss zum Herrn, doch heut noch nicht.

Else:  Ich möchte gerne deiner Mutter schreiben
Ihr danken für den segensreichen Brief
Und wird gewiss von Herzen sie sich freuen
Dass Gott durch ihren Brief mich zu sich rief
Du hast wohl nichts dagegen einzuwenden
Voll Glück und Freude ist mein Herz so voll
Ich will von dir auch noch ein Grüßlein schreiben
Doch nun auf baldiges Wiedersehen, leb wohl.

Lied:  „O lass den Geist nicht von dir fliehn.“

Else:  Ich hab dir etwas Wichtiges mitzuteilen
Die letzte Zeit bin ich an diesem Ort.
Zum letzten mal komm ich zu dir, der Freundin
Schon morgen reise ich vom Städtchen fort
Ich geh nach Rasel in die Bibelschule
Und widme freudig mich dem Studium
Denn später möcht ich Gottes Wort verkündigen
Das teure süße Evangelium.

Liese:  So ist denn doch die Nachricht angetroffen
Die du in jener Zeit erwartet hast
Wie gerne würde ich morgen mit dir gehen
Auf dieses Glück beneide ich dich fast
Meine liebe Else ich seh dich ungern scheiden
Du warst mir immer eine gute Freundin
Du hast so oft mich in Geduld getragen.
Und alle Zeit es mit mir gut gemeint.

Else:  Zum letzten mal möcht ich ans Herz dir legen
Schieb die Bekehrung nicht mehr länger auf.
Dein Heiland wartet ja auf dich schon lange
Bald kann beendet sein dein Lebenslauf.
Denk nur wie würde deine liebe Mutter
Durch deine Rettung glücklich und erfreut
Drum möcht ich dir zum letzten male sagen
Komm doch zu Jesu in der Gnadenzeit.

Liese:  Es soll geschehen, ich will es dir versprechen
Bald reiß ich mich von Welt und Sünde los
Ich hoff, in Kürze kann ich es dir schreiben
Ich setz es durch, doch sieh’ der Kampf ist groß.

Else:  Ja, mache ernst und rette deine Seele
Eh es für dich auf ewig ist zu spät.
O Liese öffne bald dein Herz dem Zug der Gnade
So lang der Herr vor deiner Türe steht
Es bietet dir die Welt nur leere Freuden
Drum richte ernst auf Ihn den Glaubensblick
Ich hab an dich nun noch die einz´ge Bitte
Gib jenen Brief mir auf die Reise mit
Ich heb ihn auf als ein teures Angedenk.
Und trag ihn gerne mit mir Schritt für Schritt
Er soll mich stets an mich und dich erinnern
Und all’zeit an dein gutes Mütterlein,
Und mich zu großer Dankbarkeit bewegen,
So lang ich darf auf Erden sein.

Liese:  Recht gerne will ich dir denselben geben
Ich habe ja noch viele andre hier
Die meine Mutter mir geschrieben
So leb denn wohl, meine Else, der Herr mit dir.

Else:  Für dies Geschenk möcht ich dir herzlich danken
Durch dies mir Gott die Hand der Rettung bot
Und sehen wir auf Erden uns nicht wieder
So hoff ich droben, nun behüt dich Gott.

Lied:  „Beinah bekehret…“

Autor:  Ihr Festgenossen, lasst euch noch berichten
was ich von diesen beiden Freundinnen noch weiß
Es wird gewiss nicht ohne Segen bleiben
Für manche hier in unserm trauten Kreis.
Du fragst, wie ist denn alles noch gekommen
Nach dem die beiden Freundinnen sich getrennt
Die Else ist bald in den Dienst des Herrn getreten
Wie sie es früher selber hat gewünscht
Mit Ernst hat sie für ihren Herrn gewirket
Segensreich und treu in einer Stadt
Wo sie nur Seelen fand die gerne lauschten
Das Wort des Herrn sie treu verkündet hat
Sie stand so freudig in der schönen Arbeit
Sie zeugte mutig für das Wort des Herrn
Sie wies die Sünder zu des Heilands Freuden
Und half, wo sie nur konnte, immer gerne
Der alten Freundin hat öfters sie geschrieben
Ob wohl sie gar wenig von ihr hat gehört
Und bald danach hat sie die Spur verloren
Die Liese hat sich wohl nie zu Gott bekehret
Es sind dann 20 Jahr ins Land gegangen
Für unsre Zeugen Gottes viel zu schnell
Da plötzlich klopft‘s in mitternächtgen Stunde
Man ruft die Else in ein Hospital
Sie sollte rasch zu einer Kranken kommen
Die, wie man dachte, schon im Sterben lag
Dass sie, eh ihre Todesstunde naht
Ihr noch ein Trostwort von Jesu sagt.
In kurzen Augenblicken war sie fertig
Und bald trat sie ins Krankenzimmer ein.
Sie sah der Kranken gramverhärtete Züge.
Bestrahlt vom matten düstren Lampenschein
Sie wies sie hin auf Jesu Huld und Gnade
Und mahnte sie an ihren nahen Tod
Sie redete von Gottes Vatertreue
Und fragte sie, sind sie versöhnt mit Gott?
Da zog die kranke ihre Stirn in Falten
Und rief: für mich gibt’s keine Gnade mehr
Der Herr ist lange schon von mir gewichen
Ich sehe schon das finstre Höllenheer.
Da kniete sie bei ihrem Lager nieder
Und faltete die Hände zum Gebet
Und hat für diese angefochtne Seele
Erleichterung und Vergebung laut erfleht.
Doch mitten im Gebet ruft nun die Kranke
O schweigen sie, es hat doch keinen Wert.
Mir armen großen fluchbeladnen Sünder
Wird keine, Huld und Gnade mehr gewehrt.
Die Else suchte sie nun zu ermuntern
Und sagte: die Gnade sei für alle da
Es floss einst für alle Menschensünder
Das Blut am Kreuz auf Golgatha
O teure Seel, er will auch dich noch retten
Er will ja nicht, dass sie verloren gehn
O kommen sie zu diesem Sünderheiland
Sie müssen gläubig nur auf Jesu sehn
Die Kranke aber schüttelt mit dem Kopfe
Für mich gibt’s nur noch Zorn Gericht
Ich fühle schon in mir der Hölle Schrecken
Es ist erlöscht in mir der Gnade Licht
In meiner Jugendzeit wollt Gott mich retten
Er hat so oft so liebevoll gelockt
Im Übermut hab ich die Gnad verscherzt.
O arme Seel, der Schächer fand noch Gnade
Sogar am Kreuz in seiner Todesstund.
Du darfst noch heut mit mir zum Paradiese
Tat ihm der Herr in seiner Gnade kund.
Als dieses Wort in Liebe sie gesprochen
Fiel auf die Kranke ein heller lichter Schein
Sie denkt, sind das nicht mir bekannte Züge
Könnt das nicht Liese, meine Jugendfreundin sein?
Und wie sie es der Kranken sagen wollte
Ein Schrecken ihr durch alle Glieder geht
Mit lautem Wort hört sie dieselben rufen
Zu spät, auf Ewig ist’s für mich zu spät.
Dies war das letzte Wort der armen Kranken
Mit diesem Ruf ging sie zur Ewigkeit
Ein starker Blutstrom floss aus ihrem Munde
Vorbei ist’s nun mit ihrer Gnadenzeit.
Tief war die Dienerin des Herrn erschüttert
Nach diesem Aufschrei hat ihr Herz gebebt
Sie sah im Geist die finstre Macht des Bösen
Sie hatte ähnliches noch nie erlebt
Kein Wort kam über ihre blassen Lippen
Bis auf dem Tisch sie eine Karte fand
Auf dem ihr Auge sah mit Schmerz und Staunen
Der Name ihrer Freundin stand.
Da konnte sie sich nicht mehr länger halten
Sie warf sich weinend nieder auf die Knie
Und rief in ihrem innern Leid und Weh
So war nun doch umsonst des Heilands müh
Musst ich in deiner letzten Nacht dich finden,
Und hören deinen letzten Jammerschrei?
Es wird mir lange in den Ohren klingen
Dein letzter Schreckensruf zu spät, vorbei!
Ich danke dir, du treuer Herr, aufs neue
An meiner lieben Freundin Totenbett
Dass du in deiner großen Heilandsliebe
Mich einst befreit von Satans Macht und Kett
Ich bin‘s nicht wert, dass du mich hast gerettet
Und meine Freundin die mir den Brief gegeben
Ist nun verloren in die ew’ge Nacht
Noch treuer will ich dir mein Heiland dienen
Dir danken bis in alle Ewigkeit
Dass du mir einst dem Himmelsweg gezeiget
Und mich vom ew’gen Tode hast befreit.
Sie ging dann heim im Herze tief bekümmert
Und dachte über dies Erlebnis nach
Und hat aufs neue diesen Brief gelesen
Die sie entnommen ihrem Schreibtisch hat
Am Sonntag drauf hat sie mit  heil’gen Ernst
Die Leute all‘ zur Buße neu gemahnt
Und mancher hat durch diese ernste Predigt
Die Wichtigkeit der Gnadenzeit erkannt.
Sie sah in manchem Auge eine Träne
Als sie der Freundin Ende hat erzählt.
Manch Sünderherz hat in der ernsten Stunde
Sich losgemacht und Jesus Christ erwählt
Und du, mein lieber Freund, in diesem Saale
Der du bis heute fern geblieben bist
Und die Bekehrung bisher aufgeschoben
O, werde heute doch ein wahrer Christ.
Komm jetzt in deines Heilands Retterarme
Weil jetzt aufs neu ein Ruf an dich ergeht.
Damit nicht auch am Ende deines Lebens
Bei dir es heißt; Auf ewig ist’s zu spät.

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