Archive for November 14th, 2007

Nov 14 2007

Niemand hat Johann eingeladen

Geschrieben von under Ewigkeit

Niemand hat Johann eingeladen, ein christliches Anspiel zum Thema Ewigkeit für 5 Personen

Sprecher: Johann war ein Schmied, und ein sehr gottloser Mann. Er lästerte Gott, hasste alles, was gut und heilig war, und war bemüht das Leben aller, die an Gott glaubten und ihm dienten, schwer zu machen. Dabei verschonte er nicht einmal seine Frau, die den Herrn Jesus lieb hatte und ihm von ganzen Herzen in Geduld diente. Alle hatten diesen Mann in bezug auf die Errettung seiner Seele hoffnungslos aufgegeben. Man ließ ihn ruhig in seinen Sünden dahinleben und war froh wenn man von ihm nicht beunruhigt wurde.
Einige Meilen von dem Städtchen entfernt, in dem Johann seine Schmiede hatte, wohnte das alte Ehepaar Braun. Beide waren fast 90 Jahre alt und hatten ihr Leben aus Liebe dem Herrn geweiht. Nun erfreuten sie sich im hohen Alter des Friedens Gottes und der Gewissheit des ewigen Heils. Mit freudiger Erwartung sahen sie der Stunde entgegen, wo der Herr sie in sein himmlisches Reich holen würde.
Eines Morgens wachte der alte Mann in großer Erregung auf, und rief seiner Frau zu, sie sollte so schnell wie möglich aufstehen und das Frühstück vorbereiten. Am Tisch:

Frau: Was ist denn eigentlich passiert, dass du es heute so eilig hast?

Mann: Ich muss unbedingt in das Städtchen gehen um Johann einzuladen.

Frau: Johann einladen? Und in das Städtchen willst du? So weit kannst du doch unmöglich gehen.

Mann: Sage mir nur nicht, dass ich nicht in der Lage bin hinzugehen! Ich muss einfach gehen! Ich kann nicht warten. Ich hatte in der vergangenen Nacht einen Traum, und jetzt will ich den Johann einladen. Nachher kann ich dir mehr erzählen.

Sprecher: Sie beteten noch zusammen. Danach machte sich Herr Braun auf den Weg. Es war nicht leicht für ihn diese Strecke, die mehrere Meilen betrug, zur Stadt zu gehen. Aber Gott gab ihm die nötige Kraft dazu, so dass er ohne anzuhalten sein Ziel erreichte. Im Städtchen angekommen ging Herr Braun direkt auf die Schmiede zu. Johann war gerade draußen vor seiner Werkstatt.

Johann: Aber Herr Braun, was führt sie denn so früh am Morgen zu mir?

Mann: Das ist es gerade, was ich dir mitteilen will. Lass uns in die Schmiede gehen, wo wir uns setzen und unterhalten können.
Johann, ich hatte in der vergangenen Nacht einen Traum, und nun bin ich herkommen, um ihn dir zu erzählen. Ich träumte, dass die Stunde, auf die ich schon so lange gewartet und mich vorbereitet habe, gekommen war. Es war die Stunde meines Abschieds von der Erde. Es war genauso, wie ich es mir vorgestellt hatte und wie es der Herr in seinem Wort verheißen hat. Ich habe mich nicht in geringsten gefürchtet, wovon auch? Mein Sterbezimmer war voller Engel und sie redeten so freundlich mit mir. Dann neigte sich plötzlich ein Engel zu mir herab, nahm mich in seine Arme, und trug mich, begleitet von den anderen Engeln, weit fort. Sie trugen weit über die Bergen und Wolken hinaus, durch das mit Sternen besetzte Universum. Und wie sie dabei sangen. Noch nie habe ich etwas derart Schönes gehört. So ging es dann weiter, bis einer der Engel zu mir sagte: Schau doch mal hinüber in den Himmel. Johann, es ist unmöglich meine Gefühle und Empfindungen zu schildern, als ich den Himmel erblickte. Man kann es überhaupt nicht beschreiben was ich dort gesehen habe. Es war so herrlich schön, so… Ach, ich kann es gar nicht aussprechen, so wunderbar war es. Als wir näher kamen öffneten sich die Tore. Und noch schneller als wir gekommen waren, gelangten wir in der himmlischen Stadt. Ich wurde freudig empfangen, und alle freuten sich, dass auch ich am Ziel angelangt war. Ich kann die Herrlichkeit und die Freude des Himmels, so wie ich es gesehen und empfunden habe, gar nicht beschreiben. Ich konnte das alles erst gar nicht fassen.
Ich verdanke das alles nur der Gnade meines Heilands, der mich durch sein Blut von meinen Sünden erlöst hat. Ich fand dort alle meine Kinder, die mir vorausgegangen sind. Nicht eines von ihnen fehlte. Ja, mein Junge mit dem du so oft in deiner Schulzeit gespielt hast, war auch dort. Einige Zeit später sah ich den Engel, der mich in den Himmel getragen hatte, eine andere Person bringen. Es war meine Frau. Sie war jetzt noch schöner als an unserem Hochzeitstag. Wir saßen nun zusammen unter dem Baum des Lebens und am Strom, der von dem Thron Gottes und des Lammes ausgeht.
Wir alle waren so unbeschreiblich glücklich. Immer wieder sah ich die Engel andere bringen. Solche, die ich liebte, und auch solche, die du liebst. So gingen die Jahre der Ewigkeit dahin, ohne ein Ende zu nehmen. Da kam mir plötzlich in den Sinn, dass ich dich Johann, noch nirgends gesehen hatte. Da machte ich mich auf um nach dir zu suchen. Soviel ich mich auch bemühte und nach dir fragte, ich konnte dich nirgends finden. Da wurde ich besorgt um dich, ging zu Jesus und fragte ihn wo du seist. Oh Johann, ich wünschte du hättest gesehen wie traurig der Heiland war, als er mir sagte, du wärst nicht gekommen.
Da fragte ich nach dem Grund. Als ich so die Tränen meines Heilands sah, sagte er: „Es hat bis jetzt noch niemand Johann eingeladen!“ Da fiel ich zu seinen Füßen nieder und benetzte sie mit meinen Tränen und bat: „O Herr, lass mich noch einmal für kurze Zeit zurück auf diese Erde. Ich will dann hingehen und ihn einladen.“ Genau in diesem Zeitpunkt wachte ich auf. Im Osten fing die Sonne gerade an aufzugehen. Ich war froh, dass ich noch am Leben war und imstande zu dir zu gehen, um dich einzuladen mit mir in den Himmel zu kommen. Nun bin hier und habe dir meinen Traum erzählt. Jetzt ist es mein einziger Wunsch, dass du zum Herrn kommst, und dich für den Himmel bereitmachst. Lebe wohl Johann. Bedenke, du hast jetzt die Einladung und ich erwarte dich in dem Himmel.

Sprecher: Eine Zeitlang stand er wie gebannt da, dann machte er sich wieder an die Ar-beit, aber es wollte nicht so recht gelingen.

Johann: Der alte Braun hat recht. „Oh Gott, hab erbarmen mit mir.“

Anna: Johann, was ist passiert? Du siehst so bedrückt aus.

Johann: Ach. Der alte Braun war gerade hier. Er erzählte: Er hätte heute Nacht geträumt, er wäre im Himmel. Es war wunderschön. Er fand dort all seine Lieben. Nach einiger Zeit fiel ihm auf, dass ich fehlte. Nach längerem Forschen erfuhr er vom Heiland, dass ich nicht im Himmel war, weil sich niemand um mich gekümmert und mich zum Herrn eingeladen hat. Dann wachte er auf. Ja und jetzt… kam er, um mich zum himmlischen Vater einzuladen.
Anna! Ich kann nicht mehr. Ich will auch in dies herrliche Land zu dem lieben Heiland.

Anna: Gepriesen sei Gott! Wir schicken sofort einen Wagen los, um Herrn Braun zurückzuholen.

Johann: Ja, ich habe mich entschlossen, der Einladung zu folgen. Ich will auch von meinen Sünden errettet werden, und dem Herrn treu folgen.

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Nov 14 2007

Reich für einen Augenblick

Geschrieben von under Ewigkeit

Reich für einen Augenblick, ein christliches Anspiel zum Thema Ewigkeit für 5 Personen

Henry: Endlich frei! Keine zehn Pferde bringen mich noch einmal in diese vier Wände zurück. Und mein Leben werde ich ab heute so einrichten, dass ich nie wieder in diese Zelle hineinkomme. Doch jetzt hole ich mir erst einmal die Beute, die ich damals erbeutet habe. Es ist meine einzige Möglichkeit zu überleben.

Sprecher: Zehn Jahre ist es mittlerweile her, als Henry mit einem Komplizen die Postkutsche überfallen hatte. Sie hatten damals noch rechtzeitig die Beute vergraben, wurden einige Zeit danach aber von der Garde des Königs gepackt und ins Gefängnis gesteckt. Nun stand er vor dem Versteck und hoffte mit dem darin verborgenen Raubgut eine neue Existenz aufzubauen.

Henry: Ich kann nur hoffen, dass Jack noch im Gefängnis sitzt und nicht schon vor mir hier war. Nein,…ich hab es geahnt! Das ganze Geld ist weg! Er hat mich hintergangen dieser Schurke! Das soll er mir büßen! Aber halt,…was ist das denn: eine Nachricht und einige Goldmünzen. Mal gucken was da steht:

Lieber  Henry,
ich kann mir vorstellen, dass du mich beim Anblick der übrig gebliebenen Beute am liebsten in den Boden stampfen würdest. Doch lass mich dir kurz erklären, dass ich ein neues Leben angefangen habe. Und zwar ein sinnvolles, eins mit Gott. Daher habe ich den größten Teil  des Raubguts wieder zurückgegeben. Ich hoffe, dass du ähnlich mit dem Rest, wenn es  auch nur ein  kleiner Teil ist, verfährst. Und dein Leben ebenfalls änderst. Alles Gute dir, alter Junge!!!        JACK

Niemals gebe ich das Geld zurück. Ein sinnvolles Leben sehe ich nur im Reichtum und den werde ich erlangen. Und zwar mit dem Rest der Beute. Nach Amerika, ja in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten werde ich gehen, dort werde ich reich und mein Leben ändern. Aber nicht mit Gott, sondern mit Gold… mit viel Gold.

Sprecher: Diesen Entschluss fasste Henry, da er sich in seiner aussichtslosen Situation nur durch dieses Vorhaben zu befreien glaubte. Am nächsten Tag machte er sich auf die Suche nach einem, für seine Verhältnisse angemessenen, Schiff. Bald glaubte er auch dieses gefunden zu haben. Er stand vor einem Schiffsmechaniker und bat um Auskunft.

Henry: Ich möchte nach Amerika. Sind hier noch Plätze frei?

Matrose: Ich glaube, sie haben sich verlaufen! Sie sehen wohl nicht, dass das Schiff hier für wohlhabende Menschen gedacht ist und nicht für verarmte Bauern oder gar Landstreicher wie sie es einer sind. Womöglich kommen sie sogar noch aus dem Knast.

Henry: Oh, natürlich, das hätte ich ja an ihrem öldurchtränktem Aufzug sofort erkennen müssen. Ich bitte vielmals um Verzeihung.

Matrose: Na schön, es war nicht so gemeint. Aber vielleicht kann ich Ihnen doch weiterhelfen. Sehen Sie das Schiff da vorne? Es läuft noch heute Abend aus. Es ist zwar nicht mehr das Beste, aber ich denke es passt besser zu Ihnen. Ach und noch was! Ein kleiner Tipp für sie, wenn sie ihre Finanzen ein wenig aufbessern möchten: es werden dort mehrere Kisten spanische Goldmünzen geladen…nur mal so als Hinweis.

Sprecher: Henrys Augen leuchteten bei diesen Worten, und ein Gefühl des “Haben-Wollens” stieg in ihm auf. Es gelang ihm nicht es zu unterdrücken. Der Gedanke an das viele Gold, das dort geladen werden sollte, ließen auch seine besten Vorsätze, sein Leben zu ändern, schwinden und irgendwo blühte in ihm die Überlegung auf, noch vor der Ankunft in Amerika an das dicke Geld zu kommen. Er wollte nun alles dran legen um mit diesem Schiff nach Amerika  zu kommen. Schon bald stand er dem Kapitän des Schiffes gegenüber…

Henry: Guten Tag, Herr Kapitän! Ich heiße Henry und habe mir sagen lassen, dass sie noch heute nach Amerika auslaufen. Bestünde noch die Möglichkeit, dass sie mich mitnehmen? Ich besitze noch einige Goldmünzen, bin pflegeleicht und völlig anspruchslos. Ich bin mit jeder Kajüte zufrieden, die sie mir anbieten.

Kapitän: Doch, ich glaube sie haben Glück. Heute Morgen ist einer von den bereits angemeldeten Passagieren abgesprungen. Sie können seine Kajüte haben. Sie befindet sich zwar im unteren Bereich des Schiffraumes und ist ein wenig ungepflegt, doch ich denke es wird genau das richtige für sie sein, da sie ja dafür umso mehr pflegeleicht sind.

Sprecher: Damit war die erste Hürde auch schon überwunden, doch wo waren nun die versprochenen Kisten und wie sollte Henry an sie rankommen? Das waren Fragen, die ihm immer wieder in den Kopf stiegen. Oder…gab es diese Kisten überhaupt? Vielleicht wollte der Mechaniker des ersten Schiffes ihn nur abwimmeln. Von der Seite hatte er die Sache eigentlich noch gar nicht betrachtet. Bisher sah er immer nur Geld und Gold vor sich und glaubte jedem, der ihm einen Hinweis darauf gab, doch jetzt, wo der die Sache aus der anderen Perspektive sah, musste er lachen, dass er sich so aufs Glatteis hatte führen lassen. Somit ließ Henry vorläufig den Gedanken fallen und freute sich, dass er es geschafft hatte, die Reise nach Amerika anzutreten. Leise und ruhig glitt das Schiff über das Wasser. Plötzlich wird Henry von einem Passagier angesprochen.

Passagier: Sie wollen wohl auch nach Amerika?

Henry: Ja, ich habe mein letztes Geld in diese Reise gesteckt und hoffe dort eine neue Existenz aufzubauen. Es soll dort viel Gold geben.

Passagier: Sie haben recht, es gibt dort sogar sehr viel Gold. Doch es ist bald sicherer hier mit einem Leck in See zu stechen, als dort nach Gold zu graben. Die Menschen bringen sich dort gegenseitig um wie die Wilden, weil einer gieriger ist als der andere.

Sprecher: Ansonsten verlief die Reise ruhig und ohne bemerkenswerte Zwischenfälle. Bis zu dem Zeitpunkt, als alles anders kommen sollte. Es war strahlend blauer Himmel an diesem Tag und die See dementsprechend ruhig. Doch plötzlich ging ein gewaltiger Ruck durch den Schiffsrumpf, da er auf irgendwelche Felsen auflief, die sich tückisch unter der Wasseroberfläche verbargen. Ein riesiges Leck klaffte im Schiff. Wasser strömte ein.

Kapitän: Schnell in die Rettungsboote! Wir sind auf ein Riff gelaufen. Holt aber zuerst die Fracht aus dem Laderaum.

Henry: Welche Fracht meint er denn?

Matrose: Er meint die Kisten mit den spanischen Goldmünzen. Los komm mit und hilf mir!

Henry: Dann gibt es diese Kisten ja doch, von denen der Mechaniker sprach.

Sprecher: Schnell wurden die Kisten an Deck geschleppt. Doch mit einem Mal ruckte der Schiffsbug nach vorn. Die Männer glitten aus, und die Kisten rutschten übers Deck.

Kapitän: Lasst den Dreck liegen, wenn euch euer Leben lieb ist! Das Schiff sinkt!

Matrose: Los schnell weg, sonst schaffen wir es nicht mehr. Beeil dich Henry!

Henry: Nein, ich lasse meine wertvollen Kisten nicht allein! Wo ist die Axt, die ich vorhin gesehen habe. Ach, da ist sie ja.

Sprecher: Mit schweren Hieben öffnete Henry eine Kiste nach der anderen. Seine Augen wurden bei jeder Kiste größer, und dieses Leuchten in seinen Augen trat wieder in Erscheinung. Die Besatzungsmitglieder versuchten ihn zur Vernunft zu bringen…

Matrose: Kerl, sei vernünftig, sonst kommst du zu spät.

Kapitän: Reiß dich zusammen und komm endlich!!!

Henry: Ich will reich sein, endlich reich sein! Und wenn das Schiff untergeht, dann sterbe ich wenigstens reich!

Sprecher: Die Schiffsmannschaft brachte sich noch rechtzeitig in Sicherheit, bevor das Schiff unterging. Henry konnten sie jedoch nicht mehr retten.

Kapitän: Er muss geisteskrank gewesen sein!

Passagier: Oder nur ein bisschen gieriger als wir alle, weil er ein armer Schlucker war. Was opfern wir doch alles: Unsere Gesundheit und sogar unser Leben für Reichtum, für ein bisschen Geld. Teuer bezahlter Reichtum! Unsere unsterbliche Seele kommt zu allerletzt. Und dann ist es zu spät. Wie bei dem da!

Matrose: Wer weiß, wie schnell wir dort sein werden, wo er ist. Wo werden wir dann in Ewigkeit sein? Bei Gott? – Oder?

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Nov 14 2007

Denk daran Jesus liebt dich

Geschrieben von under Ewigkeit

Denk daran Jesus liebt dich, ein christliches Anspiel zum Thema Ewigkeit für 7 Personen

Sprecher: An einem ruhigen Frühlingsabend ging ein Jüngling von etwa 20 Jahren von der Arbeit nach Hause. Man merkte, dass der Frühling bald Einzug halten würde. Auch die Vögel sangen schon. Aber Andreas nahm es nicht wahr.

Andreas: Hätte ich das je gedacht, dass solch eine Leere einkehren würde, nach einer Zeit, wo ich voller Energie war, wo mir die Zeit fehlte, meine Ideen zu verwirklichen; Ja, es war einmal… – und jetzt – als ob mich etwas quält; doch was?
Ich habe eine gute, und vor allem, eine interessante Arbeit. Auch unser Familienleben ist nicht schlecht. Manchmal frage ich mich: Bin ich glücklich? Nein, das bin ich nicht. Wahrscheinlich gibt es keine glücklichen Menschen auf dieser Welt.

Sprecher: Langsam und nachdenklich ging Andreas die Allee entlang. Er seufzte und wollte schneller gehen. Plötzlich fiel ihm ein Mädchen auf, das ihm entgegen kam. Ihr Gang war wie beflügelt. Die Gesichter, die Andreas sonst sah, waren traurig, sorgenvoll oder gar zornig. Die meisten wirkten jedoch gleichgültig.
Doch solch ein Angesicht wie bei diesem Mädchen sah er zum ersten mal. Es hatte eine ungewöhnliche Ausstrahlung und ein echtes Lächeln.

Andreas: Dieses Mädchen scheint gut gelaunt zu sein! So ein glückliches Lächeln …

Sprecher: Doch plötzlich durchfuhr es Andreas wie ein Blitz: Er sah wie das Mädchen auf eine Bank zuging. Nachdem sie sie berührt hatte, setzte sie sich. Das Mädchen war blind. Am nächsten Tag sah Andreas das Mädchen wieder auf der Bank sitzen mit demselben glücklichen Lächeln.

Andreas: Das gibt’s doch nicht, dass sie jeden Tag gute Laune hat!? Also muss sie glücklich sein. Aber wie kann sie, als Blinde, glücklich sein? Oder zumindest glücklicher als ich, der ich sehend bin. Und wenn sie glücklich ist, worin besteht ihr Glück?

Sprecher: Das wollte Andreas nun wissen. Er ging zur Bank und setzte sich zu dem Mädchen, die Helena hieß.

Andreas: Sagen Sie mir bitte: Es gefällt Ihnen hier wohl sehr, weil sie jeden Tag hier sind.

Helena: Da haben sie recht: Ich bin sehr gern hier. Ich weiß, es verwundert Sie, dass ich, obwohl ich blind bin, so etwas sagen kann. Nun – als meine Mutter noch lebte, kam sie mit mir oft hierher. Sie sagte, dass es hier das ganze Jahr sehr schön ist. Und wenn ich von alledem auch nichts sehe, so fühle ich es doch, dass es hier sehr schön ist.

Sprecher: Staunend hörte Andreas, wie Helena über die Schönheit sprach. Es war wirklich schön hier. Bäume und Rasen grünten schon zart, die Vögel sangen lustig, es war Frühling. Zum ersten mal betrachtete auch Andreas die wunderschöne Natur um sich her. Plötzlich fiel ihm  ein, dass Helena dies alles nicht sieht. Er sah mitleidig zu ihr. Doch sie saß immer noch glücklich lächelnd da.

Andreas: Wieso können Sie immer lächeln und fröhlich sein? Wenn man sich freuen und lächeln kann, dann muss man glücklich sein. Sind sie glücklich?

Helena: Ja, ich bin glücklich.

Andreas: Sie sind glücklich?! Mein ganzes Leben lang habe ich einen Menschen gesucht, der das sagen könnte. Heute habe ich ihn gefunden – kann ihm aber nicht glauben. Sie können nur ein vermeintliches oder ein vorübergehendes Glück haben, aber doch kein wirkliches?!

Helena: Ich habe Sie verstanden: Sie wollen damit sagen: Wie kann eine Blinde glücklich sein? Sie sehen die wunderbare Natur um mich her, die ich nicht sehen kann. Dennoch ich bin glücklich, weil ich den Schöpfer kenne und seine Liebe spüre.

Andreas: Dann glauben Sie also an Gott. Und das nennen Sie Glück?

Helena: Ja, das ist mein Glück! – Und kein vorübergehendes, sondern ein ewiges. Verstehen Sie mich?

Andreas: Nie hätte ich gedacht, dass es zu unserer Zeit noch solche Fanatiker gibt, die an einen allmächtigen Gott glauben! Warum gibt er Ihnen denn nicht das Augenlicht? Von der Liebe eines so grausamen Gottes möchte ich nichts hören. Sie haben sich etwas in den Kopf gesetzt! Und ich dachte, ich hätte einen wirklich glücklichen Menschen gefunden.

Sprecher: Hastig stand Andreas auf und ging fort. Traurig hörte Helena die Schritte verhallen. Nicht zum ersten Mal hörte sie solche Worte.
In der Kindheit hatten sie solche Worte fast ins Verderben gestürzt. Helena nahm sich vor, für Andreas zu beten, damit Gott auch ihm seine Liebe offenbaren möchte. Andreas bemühte sich dieses kurze, scheinbar unwichtige Gespräch zu vergessen. Einige Tage sah Andreas Helena wieder auf der Bank sitzen; ging aber nicht zu ihr hin. Doch bald traf er sie nicht mehr dort.
Die Zeit verging. Es wäre wohl alles unverändert geblieben, wenn nicht folgendes auf der Arbeit geschehen wäre. Andreas arbeitete am Bau eines Hauses. Während der Mittagspause setzten sich die Arbeiter draußen hin, um etwas auszuruhen. Da ertönte ein Schrei: „Rettet euch!“ Doch zu spät! Andreas’ letzter Gedanke war: “Tot!” Als er im Krankenhaus wieder aufwachte, stand neben ihm der Arzt.

Arzt: Danken Sie Gott, dass Sie noch am Leben sind! Sie sind mit einigen Prellungen davongekommen.

Sprecher: Erst später erfuhr Andreas, dass zwei seiner Arbeitskollegen tot waren und die anderen alle Krüppel. Dieser Gedanke, dass irgendeine Kraft ihn beiseite geschoben hatte, ließ ihn nicht mehr los. Als Andreas nun nach seiner Genesung wieder einmal die Allee entlang nach Hause ging, sah er Helena wieder an ihrem Platz sitzen. Sie war immer noch dieselbe, nur etwas abgemagert. Diesmal konnte er nicht vorbeigehen. Er setzte sich zu ihr auf die Bank.

Andreas: Darf ich mich zu Ihnen setzen? Ich bin Andreas, der Sie damals so schroff verließ. Können Sie mir das verzeihen?

Helena: Ich wusste, dass Sie wiederkommen, ich habe die ganze Zeit für Sie gebetet. Wissen Sie, wenn der Geist Gottes erstmal Ihr Herz berührt hat, so werden Sie nicht mehr zur Ruhe kommen, bis Sie den Herrn Jesus in Ihr Herz aufnehmen.

Sprecher: Der Abend entfloh wie im Nu: Helena erzählte ihm von Gott und von Jesus. Jetzt konnte Andreas nicht genug hören. Am folgenden Tag musste er immer wieder daran denken, was Helena ihm erzählt hatte.
Doch dann herrschte wieder der Zweifel in seinen Gedanken. Eines Nachts konnte Andreas nicht einschlafen. Als er endlich einschlief, hatte er einen schrecklichen Traum.

Andreas: Es ist dieselbe Allee – doch warum ist es hier heute so finster? – Ah – da vorne ist Licht, da will ich hin. Ist das nicht Helena im schneeweißen Kleid? Sie ist umgeben von heiligen Engeln. Ja, sie ist es! Und sie kann sehen; – sie sieht mich!

Sprecher: Helena fing an zu winken und zu rufen:

Helena: Andreas, komm hierher! Komm zum Licht!

Sprecher: Andreas riss sich los vom Platz, wollte vorwärts laufen, doch dann dieser entsetzliche Schrei:

Andreas: Helena hilf mir! Ich kann nicht! Tausende von Fäden umfangen mich und ziehen mich zurück in die Finsternis! Hilf mir doch…!

Sprecher: Andreas erwachte von kaltem Schweiß bedeckt, mit Tränen in den Augen und Entsetzen im Gesicht. Einschlafen konnte er nicht mehr; er zog sich an und ging hinaus. Es war heller Mondschein. Ohne es zu merken war er schon auf der bekannten Allee, da hörte er plötzlich Gesang. Er ging schneller und sah bald auf der gewohnten Stelle Helena sitzen und mit tränenden Augen ein Lied singen. Als sie aufhörte zu singen, trat Andreas zu ihr.

Andreas: Keine Angst! Ich bin’s, Andreas. Ich konnte nicht schlafen und dachte einen Spaziergang zu machen, und nun finde ich Sie hier. Was machen Sie hier eigentlich?

Helena: Ich konnte diese Nacht auch nicht schlafen, denn heute, vor fünf Jahren, starb meine liebe Mama, und ich fand den Herrn Jesus, der mir meine liebe Mama ersetzt hat. Das einzige was mir von der Mutter geblieben ist, sind diese Worte.

Sprecher: Erst jetzt merkte Andreas in Helenas Händen eine kleine Metallplatte, auf der irgendwelche Worte gedruckt waren, die Helena immer wieder mit den Fingern abtastete.

Helena: Vor dem Sterben legte meine Mama mir dieses Plättchen in die Hände, auf welchem geschrieben steht: Denk daran, Jesus liebt dich!

Sprecher: Helena wurde es schwer weiter zusprechen. Sie schwieg eine zeitlang; Andreas merkte es und schwieg auch, bis Helena weiter sprach.

Helena: Ich merke, Sie können mich jetzt nicht verstehen, doch wenn Sie wollen, will ich Ihnen aus meinem Leben erzählen, dann wird es Ihnen klar, warum mir diese Worte so teuer sind.

Andreas: Oh ja, das möchte ich gern wissen.

Sprecher 2: In einem kleineren Städtchen wohnte eine glückliche Familie. Sie hatten nur eine Tochter. Es ging ihnen gut; nur eines trübte ihr Glück, das Kind war blind von Geburt an, und die Blindheit war unheilbar. Die Eltern taten alles, um ihrem Kinde diesen Zustand zu erleichtern, damit sie sich nicht unglücklich zu fühlen brauchte. Helena – so hieß das Kind. Es war gehorsam und ruhig.
Die Mutter war gläubig, und erzählte ihr auch oft von Gott und von Jesus. Der Vater hatte zwar nichts gegen die Christen, doch selbst war er keiner. Die Zeit verging, das Kind wuchs heran und die Eltern wollten es in die Schule schicken. Doch da in ihrer Stadt keine Blindenschule war, mussten sie die Tochter in eine, etwa 100 km entfernte Stadt schicken. Helena befreundete sich bald mit einem anderen blinden Mädchen. Sie hieß Anita und war ein Jahr jünger als sie. Helena erzählte auch ihr oft von Jesus. Da stellte Anita ihr einmal folgende Frage:

Anita: Du sagst, Jesus liebt uns?

Helena: Ja, meine Mama sagte, dass Jesus alle Menschen liebt.

Anita: Dann wollen wir ihn doch bitten, dass er uns sehend macht. Denn wenn es Jesus gibt, und er uns wirklich lieb hat, wird er uns unsere Bitte nicht abschlagen, und wir werden sehen können.

Sprecher 2: Die Mädchen wurden sich einig jeden Tag zu beten, um sehend zu werden. Doch Tage vergingen, aber die Mädchen blieben blind.

Anita: Ich glaube kaum, dass es überhaupt einen Jesus gibt; und wenn ja, dann muss er hartherzig sein, denn er hört uns nicht.

Sprecher: So stahl sich auch in Helenas Herz der Zweifel ein.

Helena: Aber sollte Mama mir denn die Unwahrheit gesagt haben?

Sprecher2: Doch die andere Stimme hielt dagegen:

Helena: Warum bin ich dann blind geblieben? …Also liebt er mich nicht.

Sprecher2: So entfernte sich Helena immer mehr von Gott. Als die Eltern sie einmal besuchten, merkte die Mutter sofort, dass Helena sich verändert hatte; sie war grob und schroff. Zum Abschied sagte die Mutter:

Mutter: Helena – vergiss es nicht: “Jesus liebt dich!”

Sprecher 2: Doch Helena antwortete nur mit einem bitteren Lächeln.

Musik (etwas länger)

Sprecher2: Die Jahre vergingen. Helena hatte die Schule beendet und kam nun nach Hause. Doch nicht mehr als das artige gehorsame “Lenchen”, sondern als ein erwachsenes Mädchen, das sich ganz verändert hatte. Als die Mutter sie einmal über Jesus ansprach, antwortete Helena grob:

Helena: Du willst schon wieder sagen: “Jesus liebt dich!” Nein, jetzt reicht es mir, ich habe genug von deinem Jesus gehört! Sag’ mal Mama, wenn Jesus mich liebt, warum bin ich dann blind, ich habe ihm doch nichts getan?

Mutter: Dann war es eben so der Wille Gottes.

Helena: Gottes Wille? In solchem Fall ist das der Wille eines grausamen Gottes.

Sprecher2: Diese Worte durchbohrten Mutters Herz. Es war mehr als sie ertragen konnte. Sie wurde krank und konnte das Bett nicht mehr verlassen. Mit jedem Tag ging es der Mutter schlechter. Der Vater und Helena wichen kaum vom Bett der sterbenden Mutter. Sie betete viel; und oft hörte Helena in Mutters Gebeten ihren eigenen Namen. Sie bat Gott, doch ihr hilfloses Kind nicht im Stich zu lassen. Eines Nachts hörte Helena plötzlich die Stimme ihrer Mutter:

Mutter: Helena! – Lenchen! – Komm schnell her!

Sprecher2: Helena trat an ihr Bett, tastete nach der Hand der Mutter und fand sie.

Mutter: Liebe Helena, ich gehe nun. Doch sei nicht traurig. Mein liebes armes Kind, was wirst du nur tun ohne mich? Ich will dort im Himmel auf euch warten. Und nun Helena, nimm noch dieses Plättchen, und denk daran; hörst du? Denk daran, dass Jesus dich liebt!

Sprecher: Da wurde die Mutter still; kein Laut kam mehr über ihre Lippen. Da brach Helena in lautes Schluchzen aus.

Helena: Mama! Mutti, warum schweigst du? Warum verlässt du mich? Ach, schweig doch nicht, was soll ich ohne dich? Mama! Hör mich doch, ich werde dich nicht mehr beleidigen, verlass mich doch nicht! Ich bin doch ganz blind!

Sprecher2: Laut weinte Helena, um Vergebung bittend. Doch nun war es zu spät! In ihren Händen war jetzt nur noch das Metallplättchen geblieben, sie tastete es ab und las:

Helena: Denk daran: “Jesus liebt dich!”

Sprecher2: Und wieder ergossen sich Tränen aus ihren blinden Augen. Sie fiel auf ihre Knie und  bat nun auch den Herrn um Vergebung. Hier am Bett der toten Mutter fand sie Frieden mit Gott. Diese Nacht blieb für immer in Helenas Gedächtnis.

Musik (etwas länger)

Helena: So, das war nun die Geschichte meines kurzen Lebens. Von da an blieben wir mit Vater zu zweit. Ich lernte es, allein hierher zu kommen, um es dem Vater nicht unnötig schwer zu machen.

Sprecher: Helena schwieg. Andreas dachte:

Andreas: Was muss dieses Mädchen nur alles durchlebt haben?

Sprecher: Helena erzählte Andreas noch manches von Jesus Christus. Er fühlte es, dass Jesus ihn zu sich rief, doch er zögerte noch immer.
Am nächsten Tag kam Andreas wieder zu der Bank, in der Hoffnung, von Helena über Jesus Christus zu hören, doch sie war nicht da. Umsonst wartete er den ganzen Abend. Auch am nächsten Tag erschien sie nicht. Nun wollte er es noch ein letztes Mal versuchen. Auch diesmal kam Helena nicht. Nach einstündigem Warten wollte Andreas gerade gehen, als er eine Menschenmenge bemerkte.
Es war ein gewöhnlicher Leichenzug. Irgendeine Kraft nötigte Andreas sich ihm zu nahen und in den Sarg zu schauen, da wich er vor Entsetzen zurück. Im Sarg lag, ganz in weiß gekleidet, Helena mit dem immer noch glückseligen Lächeln im Gesicht.

Andreas: Es sieht ja aus, als ob sie nur fest schläft und glücklich träumt! Was kann nur geschehen sein?

Musik (kurz)

Sprecher: An dem Tage war Helena besonders glücklich. Sie wollte vor Freude lachen und singen. Irgendeine unerklärliche Freude beseelte sie. Sie wollte heute etwas früher hinausgehen, zu ihrem gewohnten Plätzchen. Sie empfand den Gesang der Vögel heute besonders schön. Helena betete noch und ging. Nun musste sie nur noch über die Straße gehen, und schon wäre sie an ihrem geliebten Platz, wo es so schön und ruhig war. Sie machte einen Schritt nach vorn, da quietschten Reifen, ein dumpfer Knall. Helena lebte noch etliche Stunden. Der Vater blieb die ganze Zeit an ihrem Bett. Er war grau und alt geworden. Da kam Helena zu sich:

Helena: Papa, wie gut dass du hier bist! Ich gehe zu Mama, aber weine bitte nicht, wir werden im Himmel jetzt beide auf dich warten; hörst du mich, Papa?

Sprecher: Der Vater konnte nichts sagen vor lauter Tränen.

Helena: Und noch eines. Papa. Übergib dies Metallplättchen Andreas. Du hast ihn gesehen. Weißt du noch? Ich erzählte dir von ihm. Ich bedauere jetzt nur noch eins, dass ich so wenig für den Herrn getan habe. Im Leben wünschte ich oft nur einen Augenblick sehen zu können; jetzt aber weiß ich, dass ich ewig Jesus im Himmel sehen werde! Und da gehe ich jetzt hin.

Sprecher: Helena wurde still, ihr Leben ging dem Ende zu. Der Vater saß unbeweglich neben ihr. Nach etwa einer Stunde tat Helena noch einmal die Augen auf, ergriff zitternd Vaters Hände und sagte:

Helena: Ich sehe! Papa, ich sehe!

Sprecher: Mit diesen Worten entschlief Helena, mit dem glücklichen Lächeln auf dem Gesicht. Ihr Wunsch war erfüllt. Von diesem allem erfuhr Andreas erst später, aber jetzt stand er am Sarg und konnte nicht verstehen, wie es zugegangen war.
Da trat zu ihm ein ganz ergrauter Mann und reichte ihm schweigend das dünne Metallplättchen, worauf geschrieben stand: “Denk daran, Jesus liebt dich.” Da konnte sich Andreas nicht länger halten: Er brach in Tränen zusammen. An diesem Tag freute sich der Himmel, denn zwei Seelen, Andreas und Helenas Vater hatten ihr Leben dem Herrn übergeben. Also hatte das blinde Mädchen doch nicht umsonst auf Erden gelebt.
Lieber Freund! Denk daran, dass Jesus dich liebt! Gib ihm dein Herz, damit auch Du das wahre Glück  finden kannst.

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Nov 14 2007

Danach aber…

Geschrieben von under Ewigkeit

Danach aber, ein christliches Anspiel zum Thema Ewigkeit für 4 Personen

Sprecher: Etwas verwirrt sah sich Herr Weber um. Ganz so nüchtern hatte er sich das alles nicht vorgestellt… Die Wände waren voll gestellt mit Büchern; der Mann am Schreibtisch hatte ein professionelles Lächeln aufgesetzt, nicht unbedingt herzlich.

H. Weber: Also ich wollte mich hier melden. Mein Leben ist ja nun zu Ende, und ich würde gerne in den Himmel kommen.

Mann: Das wollen sie alle.

H. Weber: Ach ja? Früher, auf der Erde, meine ich, da haben viele etwas anderes gesagt. Sie meinten es wäre zu langweilig im Himmel.

Mann: Sie ändern ihre Meinung sehr schnell, wenn sie mal statt der seltsamen Bilder, die man sich auf der Erde von Himmel und Hölle macht, die Wirklichkeit gesehen haben.

H. Weber: Ja, das ging mir auch so. Drüben sah ich meine Schwiegermutter und meinen Nachbarn, der ja mein Todfeind auf der Erde war. Wenn ich mit ihnen die Ewigkeit verbringen müsste…

Mann: Dann wollen wir mal sehen, was sich machen lässt.

H .Weber: Was muss ich denn nun machen, um in den Himmel zu kommen?

Mann: Sie brauchen 6000 Punkte.

H. Weber: Und wie bekommt man die?

Mann: Durch gute Werke, tadelloses Leben, gute Moral, usw.

H. Weber: Ach ja, das müsste ich schon erreichen können. Ich war kein schlechter Mensch. Ich habe in meinem ganzen Leben niemanden umgebracht, ich habe nie gestohlen, habe immer versucht, freundlich zu meinen Mitmenschen zu sein, ich ging regelmäßig zur Kirche…

Mann: Halt! Wir müssen das im Einzelnen festhalten und die Punkte zusammenzählen.

H. Weber: Also gut. Soll ich anfangen, oder stellen Sie die Fragen?

Mann: Fangen Sie ruhig einmal an.

H. Weber: Ja, das ist gar nicht so einfach. Schließlich führt man nicht Buch über all die Dinge, die man gut gemacht hat.

Mann: Wir schon! Also machen Sie sich darüber keine Sorgen.

H. Weber: Also, fangen wir zuerst mal bei meiner Frau an. Ich habe sie immer gut behandelt, nie geschlagen, und sie musste auch nie um Geld bei mir betteln. Ich sorgte immer dafür, dass sie genug zur Verfügung hatte. Streit hatten wir nur sehr, sehr selten, und ich habe sie nie dabei angeschrieen, oder fast nie. Dann zu meinen Kindern: Die habe ich sehr geliebt, vor allem meinen Sohn. Ich habe schwer geschuftet, um ihm ein besseres Leben ermöglichen zu können. Ich bestand darauf, dass er aufs Gymnasium ging, ich zahlte die Nachhilfestunden, die er dafür brauchte, ich redete ihm Tag und Nacht ins Gewissen…

Mann: Was ist aus ihm geworden?

H. Weber: Er geriet in schlechte Gesellschaft. Hat sich irgend so einer Kommune angeschlossen, was immer das auch sein mag. Das war der Dank! – Was machen Sie da?

Mann: Dafür können wir Ihnen natürlich keine Punkte geben. Das sehen Sie bestimmt ein.

H. Weber: Na gut, ich verstehe. Aber da war noch meine Tochter. Sie ist ein anständiges, nettes Mädchen geworden. – Was tun sie da? Ein einziger Punkt dafür? Und was ist mit all den Nächten, die wir durchgemacht haben, als sie krank war; mit der Ausbildung, die ich für sie bezahlt habe?

Mann: Die durchgemachten Nächte gehen, soviel ich weiß, auf das Konto Ihrer Frau, das andere müssen wir einzeln betrachten.

H. Weber: Also, dann weiter. Meine Schwiegermutter war ein wirklich böser Mensch. Trotzdem habe ich sie immer sehr höflich behandelt… Was, das gibt nur einen Punkt? Wissen Sie denn nicht, was mich das gekostet hat?

Mann: Doch, doch, aber Sie hätten sie lieben sollen.

H. Weber: Meine Schwiegermutter! Wie hätte ich denn das machen sollen?

Mann: Also, machen wir weiter.

H. Weber: Meinem Nachbarn habe ich oft geholfen…

Mann: … aber zuletzt waren Sie doch sehr verfeindet.

H. Weber: Ja, natürlich! Wie hätte man denn mit dem in Frieden leben sollen! – Wie viele Punkte habe ich denn?

Mann: Zweiunddreißig.

H. Weber: So kann ich höchstens auf 50 Punkte kommen. Gibt es nicht etwas, wo man mehr Punkte bekommt? Versuchen wir es doch mit den zehn Geboten, die habe ich fast alle gehalten.

Mann: Ja, da würde es sehr viele Punkte geben.

H. Weber: Fangen wir doch einmal an mit: Du sollst nicht stehlen. Ich war immer sehr ehrlich. Mein Bruder, der hat schon als Kind gestohlen; ich nicht.

Mann: Wie steht’s mit der Steuererklärung? Immer vollkommen ehrlich?

H. Weber: Aber das ist doch kein Stehlen. Das hat doch jeder gemacht.

Mann: Leider haben Sie damit den Staat bestohlen. Und wie war das mit dem Versicherungsfall damals, als Sie…

H. Weber: Das gilt auch als stehlen? Also, lassen wir das. Wenn Ihr so kleinlich seid, brauche ich das Gebot über das falsche Zeugnis ablegen gar nicht erst zu erwähnen. Natürlich habe ich hier und da mal eine Notlüge gebraucht, aber ich war bemüht, nie schlimm zu lügen. Versuchen wir es mit dem nächsten: Du sollst nicht töten. Da weiß ich nun ganz genau, dass ich das nicht übertreten habe. Wie viele Punkte gibt das?

Mann: Wir müssen das erst einmal klären. Erinnern Sie sich an Ihre Worte, als der Gerichtsbeschluss kam, der Ihrem Nachbarn recht gab? – Sie sagten: „Dem Kerl drehe ich noch mal den Kragen um.“

H. Weber: Das redet man doch nur so daher. Schließlich habe ich es nicht getan.

Mann: Und wie oft haben Sie sich ausgerechnet, wie lange Ihre Schwiegermutter mit ihrer Krankheit wohl noch zu leben hat, und was Sie dann erben? Haben Sie nicht mit dem Arzt darüber gesprochen, dass man ihr Leben nicht verlängern sollte?

H. Weber: Aber sie ist eines ganz natürlichen Todes gestorben, und ich habe sie nicht umgebracht.

Mann: Der Wunsch war in Ihrem Herzen vorhanden, und Sie wollten den Arzt für ihre Zwecke missbrauchen.

H. Weber: Weiß meine Schwiegermutter nun auch davon?

Mann: Ja, selbstverständlich. Hier weiß jeder alles vom andern.

H. Weber: Alles??!

Mann: Ja!

H. Weber: Und wenn ich einen einzigen Ehebruch begangen habe, bekomme ich auch da keine Punkte? – Obwohl Sie wissen, dass ich meiner Frau 37 Jahre lang treu war, und dass da kein einziger dummer Fehltritt von mir war? Ich war kein Mann, der anderen Frauen nachstieg.

Mann: Aber in Gedanken!

H. Weber: In Gedanken! Was tut man nicht alles in Gedanken. Aber das machen doch alle. Ich war ein ganz normaler Mensch, ich war nie besonders schlecht. Ihr könnt doch hier nicht so pedantisch sein!

Mann: Aber, Herr Weber, mein Chef hat ein sehr ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl. Wie oft haben Sie nach Gottes Gerechtigkeit gerufen, die sich endlich einmal zeigen solle? Nun, hier ist sie. Gott hat niemanden darüber im Unklaren gelassen, dass er am Ende des Lebens richten wird. Das haben Sie doch auch gehört, oder?

H. Weber: Ja, schon, aber ich dachte, ich sei nicht so schlecht, um abgeurteilt zu werden.

Mann: Aber, warum hat denn Gott seinen Sohn gesandt, um für die Sünder zu sterben?

H. Weber: Daran habe ich schon geglaubt. – Heißt es denn nicht in der Bibel, dass der das ewige Leben bekommt, der an Jesus Christus glaubt?

Mann: Doch ja, Sie kennen sich sogar sehr gut aus. Aber Sie haben ja gar nicht an ihn geglaubt. Sie haben es abgelehnt, dass er einmal gelebt hat, und Sie haben das sogar als eine Art Versicherung betrachtet, jeden Sonntag in der Kirche ihre Gedanken darauf zu richten, aber der Sühnetod Jesu hatte für Sie keinen Zweck. Sie wollten es ja mit eigenen Taten schaffen. Sie waren in Ihrem tiefsten Innern nicht davon überzeugt, dass der Sohn Gottes auch für Sie ganz allein hätte sterben müssen, weil Sie vor Gott nicht bestehen können. Sie waren ja gar nicht so schlecht.

H. Weber: Das muss ich leider zugeben. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass mir jemand gesagt hätte, dass es hier so streng zugeht. Habe ich noch irgendeine Möglichkeit?

Mann: Wir haben alles, was Sie getan haben, in einem Buch aufgeschrieben: Gutes und Schlechtes. Wir könnten es gegeneinander abwägen. Wenn dann 6000 Punkte übrig bleiben, dürfen Sie hier bleiben. Soll ich das Buch holen…?

H. Weber: Lassen Sie das, das erreiche ich nie. Aber das sage ich Ihnen noch, bevor ich gehe. Sie haben ja scheinbar überhaupt keine Ahnung, wie es draußen in der Welt zugeht. Da kommt ja niemand hier herein! – Aber, wo kommen denn diese Menschen alle her, die lachend herumgelaufen sind? Ich wette, die haben das genauso wenig verdient wie ich. Hatten wohl genügend Geld, um den Eintritt zu bezahlen.

Mann: Sie haben immer noch nicht verstanden, was ich Ihnen mitteilen wollte. Diese Menschen haben eine Eintrittskarte bekommen, das stimmt…

H. Weber: Dachte ich’s mir doch!

Mann: Aber die haben sie nicht bezahlt, niemand konnte soviel zahlen, nur einer. Und der hat gleich für alle bezahlt. Es gab eine 6000-Punkte-Karte ganz umsonst. Wer seinen Stolz beiseite gelegt hat und sich diese Karte von Jesus schenken ließ, weil er einsah, dass er die erforderliche Punktzahl nie und nimmer erreichen würde, der hat hier freien Eintritt… für die Ewigkeit.

H. Weber: Und er darf für immer in diesem herrlichen Land leben?

Mann: Für immer!

H. Weber: Aber warum hat mir das denn keiner gesagt, das hätte ich doch gleich gemacht! Ich wurde völlig falsch informiert. Ich dachte, man müsse nur halbwegs recht leben. Sie kennen doch das Sprichwort: „Tue Recht und scheue niemand.“ Daran habe ich mich immer gehalten. Können Sie denn gar keine Ausnahme machen?
- Hören Sie mir doch zu! Lassen Sie mich nicht allein! Ich will nicht an diesen furchtbaren Ort!

Fr. Weber: Was hast du denn, Werner, hast du schlecht geträumt?

H. Weber: Geträumt?

Sprecher: Ja, es war alles nur ein Traum gewesen! Mit einem Ruck schoss Herr Weber aus dem Bett. „Nur ein Traum“, dachte er überglücklich. Er hatte noch eine Chance, die wollte er nutzen, damit sein Traum niemals Wirklichkeit werden würde!

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