Okt 18 2007
Weihnachtsfest für die neuen Nachbarn
Weihnachtsfest für die neuen Nachbarn, ein christliches Anspiel zum Thema Weihnachten für 8 Personen
Autor: Das ist keine außergewöhnliche Geschichte, denn so oder ähnlich erging es bestimmt schon manch einem von uns auch. Oft erwischen wir uns dabei, unseren Nächsten zu wenig Liebe erwiesen zu haben. Oder nicht aufmerksam genug sind in dem Moment, wo jemand unsere Hilfe brauchen konnte. In dieser Geschichte handeln die Kinder als vorbildliche Christen. Jesus hatte Recht in Matthäus 18, 3 als er uns die Kinder zum Vorbild gestellt hat. Am Forstweg 13 wohnt Familie Klingenthal: Hausvater Paul mit seiner Frau Margret, zwei Kinder haben sie: Peter, der in die dritte Klasse geht und schon fast so gescheit ist wie sein Lehrer. Und dann ist da noch Miriam, die nächstes Jahr zur Schule kommt. Ihren großen Augen entgeht nichts, und die kleinen Ohren hören alles. Es ist drei Tage vor Weihnachten und es beginnt schon zu dunkeln, als Miriam von ihrer Tante Lina heimkommt. Sie wohnt auf der anderen Straßenseite.
Mutter: Na Miriam wie war’s bei Tante Lina?
Miriam: Prima, Mutti! Ich hab beim Plätzchen backen geholfen.
Mutter: So, so. . Und wie viel hast du geholfen?
Autor: Miriam zählt an den Fingern ab:
Miriam: Nur zehn und drei Stück, Mutti.
Mutter: Na, hoffentlich bekommst du kein Bauchweh von der Helferei!
Autor: Als sich die ganze Familie zum Abendessen gemütlich am Tisch versammelt hat, fragt Vater Klingenthal bei seiner Frau.
Vater: Margret, wer ist denn da im Haus Wolkenblick? Ich sah dort Licht, als ich eben heimkam.
Mutter: Im Wolkenblick? Das ist unmöglich. Da kann doch niemand mehr drin wohnen, das Haus soll doch abgerissen werden.
Vater: Es brannte aber Licht Margret, ganz bestimmt!
Autor: Das Haus Wolkenblick ist ein verlottertes Holzhaus gleich neben Klingenthals, versteckt zwischen Büschen und Bäumen mit einem großen, verwilderten Garten. Über ein Jahr steht es schon leer. Und jetzt wollte die Gemeindeverwaltung das Haus abreißen.
Mutter: Paul, ich habe Angst. Wenn da nun Einbrecher drin hausen – so ganz nebenan! Nach unserer Seite hin ist ja nicht einmal ein Zaun! Geh doch mal rüber zu Lina, ob sie von dort auch etwas gesehen hat.
Vater: Margret, dann wäre Lina schon zweimal hier gewesen!
Autor: Nach dem Abendessen geht Margret dann aber doch selber hinüber zu ihrer Schwester Lina, und vor der Haustür stößt sie fast mit ihr zusammen.
Lina: Huch, Margret, gut dass du kommst, grade wollte ich zu dir. Denk nur, als ich am Vormittag fortging, sah ich ein Lastauto vor dem Wolkenblick stehen, und zwei Männer trugen Möbel und Briketts und Brennholz hinein. Ach, sieh nur! Da kommt die Gemeindeschwester, komm, wir fragen sie was da los ist.
S. Ruth: Guten Abend ihr zwei. Ihr bekommt ab heute neue Nachbarn! Nicht für lange. Das sind Flüchtlinge… Farbige.. Die Gemeinde hat ihnen dieses Haus für kurze Zeit zur Verfügung gestellt. Sie sprechen nur Englisch. Ich denke, ihr kommt mit denen gut aus. Das sind liebe Leute. Kümmert euch bisschen um sie. Einen schönen Abend wünsch’ ich euch, jetzt muss ich weiter.
Lina: Na, bitte, wenn Schwester Ruth da ist, dann betreut sie die Gemeinde. Wir haben jetzt keine Zeit für Flüchtlinge.
Mutter: Flüchtlinge, Farbige – sagst sie? Die Armen! Und das so kurz vor dem Fest!
Lina: Aber unsere Gemeindeverwaltung ist ja in Ordnung; die sorgt schon für sie.
Mutter: Das ist doch beruhigend. Ich wüsste nämlich nicht, wie ich mich auch noch um die kümmern könnte. Ich muss doch noch das neue Rezept für Ingwerplätzchen ausprobieren. Und diesmal soll Miriam zum Fest einen ganzen Napfkuchen ,,mit viel drin” – wie sie sagt – für sich allein bekommen. Sie hat ihn doch so gern. Und mein Kleid muss ich noch vom Schneider holen, und einkaufen soll ich auch noch, und die Rollschinken sind noch abzukochen! Ach, Lina, es ist schon eine Plage mit dem Fest!
Lina: Hast recht, Margret. Wir Frauen sind einfach überfordert.
Autor: Bestätigt ihr Lina mit einem Seufzen. Nachher erzählt Margret beim Abendessen ihrem Paul alles. Die Kinder sitzen mäuschenstill dabei, damit niemand auf die Idee kommt, sie ins Bett zu schicken. Gerade sagt der Vater:
Vater: Das ist ja wirklich die Höhe, wenn wir uns auch noch um solche Leute kümmern müssten. Kann einem ja das ganze Fest verderben! Für was zahlen wir denn unsere Steuern? Und unser Beitrag an den Hilfsverein ist ja auch nicht gerade klein. Und überhaupt: da sind wohl erst mal die andern dran, die mit dem großen Geldsack – nicht gerade wir!
Peter: Was wollen die fremden Lumpen da – in Bethlehem?… Ein Bett wohl gar? Geht heim in euer Nazareth! Sagt bloß, da hättet ihr kein Platz… Lasst uns in Ruh! Rebekka! … Schließ die Tür mal zu!
Autor: Wie ein Trompetenstoß ist Peters Stimme durch die Stube gefahren, und es dauert eine Weile, bis der Vater als erster die Sprache wieder findet:
Vater: Wo hast du denn den Spruch aufgelesen, Peter?
Peter: In der Sonntagsschule, Vati. Ich bin doch der Wirt im Krippenspiel, der Maria und Joseph ausgesperrt hat!
Autor: Der Vater ist erleichtert.
Mutter: Und warum hast du den gerade jetzt aufgesagt?
Peter: Ooch, nur so – weil ihr ja auch gerade über so was geredet habt.
Autor: Miriam macht große Augen.
Miriam: Vati? …Farbige… Wie sind die? Gibt es auch blaue und grüne?
Autor: Der Vati muss lachen:
Vater: Blaue?… Nein, aber Grüne, die gibt’s neuerdings. Nur sind das keine Farbigen, Miriam. Farbige sind immer braun – mehr oder weniger.
Miriam: Dann ist der Turnlehrer Gadmer auch ein Farbiger! Der ist doch so doll braun!
Vater: Nein, Miriam, der ist nur ein Schweizer.
Autor: Miriam versteht die Welt nicht mehr, aber der Vater versteht seine Tochter.
Vater: Am liebsten würdest du jetzt gleich hinlaufen und dir die neuen Nachbarn ansehen, oder? (Miriam nickt) Bleib da aber weg, man kann nämlich nicht wissen, wie diese Fremden mit kleinen Mädchen umgehen.
Autor: Am anderen Morgen fragt Miriam:
Miriam: Feiern die Farbigen auch Weihnachten?
Mutter: Glaub ich nicht, Miriam.
Miriam: Dann bekommen die ja gar keine Geschenke und merken gar nicht, dass der liebe Gott sie auch ganz gern hat.
Mutter: Um ihnen das zu sagen, haben wir ja unseren Pfarrer.
Miriam: Gehen die denn in die Kirche?
Mutter: Das ist ihre Sache!
Autor: Meint die Mutti und verschwindet schnell in die Küche. Miriam geht hinüber zu Tante Lina. Von dort kann man das Haus Wolkenblick nämlich gut beobachten. Doch es kommt nur einmal ein Mann – oder ist es eine Frau? – aus dem Wolkenblick auf die Straße heraus, ganz eingewickelt in einen viel zu großen Kapuzenmantel, der bis auf den Boden reicht. Nicht einmal das Gesicht ist zu sehen. Als der Kapuzenmann wieder zurückkommt, trägt er ein großes Paket
Miriam: Tante Lina! Tante Lina! …Komm! …Schnell!
Autor: Tante Lina schaut zum Fenster hinaus.
Lina: Da ..das sind ja Pampers! …Du liebe Zeit, auch das noch! …Die haben ja ein Baby!
Autor: Am Nachmittag fragt Miriam:
Miriam: Mutti, darf ich noch mal zu Tante Lina rüber?
Mutter: Gut, bleib aber nur solange, bis es anfängt dunkel zu werden.
Autor: Ganz schnell läuft Miriam raus. Sie ist bei Tante Lina noch gar nicht ganz im Haus, da ruft sie bereits:
Miriam: Tante Lina, es fängt schon an dunkel zu werden, ich darf nicht länger bei dir bleiben.
Autor: Lina schüttelt den Kopf
Lina: Was hat das denn wieder zu bedeuten? Kaum im Haus…?
Miriam: So, Tante Lina, Mutti hat gesagt, wenn es anfängt dunkel zu werden, muss ich heimkommen. Schlaf gut, Tante Lina, Tschüss!
Autor: Noch ein Gutenachtkuss – und draußen ist sie. Aus dem Kind werd’ einer klug, denkt Tante Lina. Miriam steht draußen und überlegt, sie will so gern mal den fremden Farbigen etwas näher sehen.
Miriam: Ich will nur einmal das Baby sehen. Nur einmal.
Autor: flüstert sie und schleicht auf das Wolkenblickhaus zu. Dort brennt in der Küche Licht, aber es ist niemand zu sehen. Miriam wagt sich näher.
Miriam: O, wie sieht es da drinnen aus!
Autor: Überall stehen Kartons, Säcke, volle Plastiktaschen, Brickets und Holz herum. Auf dem Herd steht einsam ein kleiner Kochtopf.
Miriam: Und wenn die mal Spaghetti kochen wollen? Dafür ist der Kochtopf viel zu klein.
Autor: überlegt Miriam, denn Spaghetti isst sie ja so gern! Ein halbes Brot liegt auf dem Tisch, daneben ein Messer, eine Flasche Putzmittel und ein Bund rote Mohrrüben. Da kommen die Leute aus dem Nebenzimmer herein.
Miriam: Sind die aber klein und braun! Und schönes Haar hat die junge Frau: ganz schwarz und glänzend! Aber wo ist das Baby?
Autor: Jetzt räumt die Frau den Tisch ab, legt ein Tuch darauf, stellt eine Schüssel hin und gießt Wasser hinein. Dann kniet sie hin vor einer am Boden stehenden Kartonschachtel, holt das Baby raus und wickelt es auf dem Tisch aus. Miriam hört durchs Fenster deutlich, wie das Baby weint. Beinahe wäre sie hineingestürzt, um das herzige Kind im Arm zu wiegen. Doch jetzt muss sie wirklich heim. Sie läuft ganz schnell über den Garten nach Hause.
Miriam: Da bin ich, Mutti.
Mutter: Ist recht Miriam.
Autor: antwortet es aus der Küche. Im Keller angekommen, wo Peter an seiner Modelleisenbahn bastelt, setzt sich Miriam stumm auf eine Kiste und grübelt. Plötzlich springt sie auf und – zornig mit dem Fuß aufstapfend – ruft sie laut:
Miriam: Gibt’s ja gar nicht! Es muss doch einen Weg geben!
Autor: So macht’s ihr Vater auch immer, wenn er mal nicht mehr weiter weiß.
Peter: Was für einen Weg?
Autor: fragt Peter und stellt eine Weiche für den Zug.
Miriam: Na, zu den Farbigen.
Autor: Peter sieht seine Schwester verwundert an:
Peter: Einfach durch den Garten, Miriam.
Autor: Da erzählt Miriam ihrem Bruder, was sie vorhin gesehen hat.
Miriam: Denen müssen wir doch helfen!
Peter: Aber wie denn?
Autor: Miriam setzt sich wieder auf die Kiste, ist traurig und denkt nach. Ihre Augen wandern durch den Keller, über die Regale und die vielen alten Sachen darin: Pfannen, Kannen, Töpfe, Schüsseln, Gläser, Schachteln. In der einen hatte ihre Mutti alte Sachen aufbewahrt. Da blitzt ihr ein Gedanke durch den Kopf.
Miriam: Peter, du, ich weiß was!
Autor: Und Miriam erklärt ihm eifrig ihren Plan.
Peter: Das geht nicht Miriam.
Miriam: Hol mir mal bitte den roten Karton von da oben herunter. Was da noch alles drin ist!
Autor: Die Kinder wühlen und packen aus. Einiges kann man davon nehmen. Miriam überlegt weiter und schaut sich um.
Miriam: Peter, da… den großen, alten Kochtopf, den brauchen sie dringend – für Spaghetti, weißt du, und die Bratpfanne. Und die Kaffeekanne auch.
Peter: Aber die ist doch kaputt, Miriam!
Miriam: Macht nichts! Aber wie bringen wir das alles rüber?
Autor: Da fällt Peter ein, dass im Holzstall ja noch ihr alter Kinderwagen steht. Sie laufen gleich hin um sich ihn anzusehen. Er hat zwar kein Verdeck mehr, und an einem Rad fehlt die Gummibereifung; auch sieht man ihm selbst im Dunkeln an, dass er den ganzen Sommer über, mit Blumen bepflanzt, im Vorgarten gestanden hat. Sie probieren und schieben:
Miriam: Er lässt sich noch fahren! Den nehmen wir in den Keller und machen ihn sauber.
Autor: Die Kinder sind noch am Putzen, als die Mutter von oben ruft:
Mutter: Was macht ihr eigentlich da unten so lang.
Miriam u. Peter: Nicht runter kommen! Nicht runter kommen!
Autor: schreien die beiden! Und Miriam fällt zum Glück noch ein, der Mutti, zuzurufen:
Miriam: Eine Weihnachtsüberraschung!!!
Mutter: So, so eine Weihnachtsüberraschung!
Autor: schallt es von oben. Als die Kinder endlich im Bett sind, sagt Margret zu ihrem Mann:
Mutter: Paul, ist das nicht lieb? Die Kinder basteln an einer Weihnachtsüberraschung für uns. Nur gut, das der Peter dabei ist, sonst hätte ich doch Bedenken.
Vater: Ach, Margret brauchst keine Angst zu haben. Lass sie nur machen.
Autor: Am anderen Morgen ist Margret früh zum Einkaufen gegangen. Miriam ist zur Tante Lina rüber gegangen. Aber die sagt gleich zu ihr:
Lina: Miriam, ich muss fort und bin möglicherweise erst gegen Abend zurück. Ich gebe dir schon jetzt dein Weihnachtsgeschenk. Aber erst am Abend aufmachen, hörst du? Und dieses hier, das gibst du dem Peter. Und nun ab mit dir.
Autor: Voller Freude läuft Miriam nach Hause. Und nun geht’s ab in den Keller zu Peter.
Peter: Guck mal, Miriam, ich hab die alte Matratze vom Kinderwagen gefunden.
Miriam: Wozu? Wir haben ja kein Bettzeug dazu.
Autor: Peter grübelt: Bettzeug? Und schon verschwindet er nach oben. Als er zurückkommt, trägt er einen dicken Sack vor dem Bauch.
Peter: Da ist das Bettzeug! Als du für den Kinderwagen zu groß geworden warst, hat Mutti alles in den Sack getan. Ich war dabei.
Miriam: So, jetzt legen wir alles in den Wagen und fahren ihn in den Holzstall zurück Peter, ich muss noch mal nach oben etwas holen.
Autor: Was sie da alles findet – in der Küche, im Kühlschrank, in der Speisekammer! Dann ruft sie den Peter rauf. Der macht Augen.
Peter: U – und so viel?
Autor: In Muttis Küchenschürze schleppen sie alles in den Holzstall. Da hören sie die Mutti heimkommen.
Mutter: Wer hilft mir heute beim Plätzchenbacken?
Autor: Keine Antwort aus dem Keller.
Mutti: Sonst streitet ihr euch doch immer darum.
Peter: Aber Mutti, die Weihnachtsüberraschung!
Mutti: Ach ja, richtig. Der Vater freut sich ja auch schon darauf.
Autor: Am Nachmittag kehrt Tante Lina heim und kommt ganz aufgeregt zu ihrer Schwester Margret.
Lina: Da siehst du’s Margret. Das haben wir von unserer Asylantenpolitik. Wir setzen uns mit den Flüchtlingen nur Läuse in den Pelz. Nichts als Spitzbuben und Halunken sind das. Verdächtig sind sie mir aber schon. Paul sollte doch besser die Polizei anrufen.
Mutter: Ich will es ihm sagen wenn er heimkommt, Lina.
Autor: Als Paul davon hört meint er:
Vater: Ich habe von den Nachbarn noch nichts gemerkt. Weshalb wollt ihr die Polizei rufen? Die wollen doch auch ein wenig Weihnachten haben.
Autor: Als Margret sich in der Küche noch mal umsieht und in dem Kühlschrank die Würstchen nachzählt, wird sie doch unruhig.
Mutter: Peter, hast du dir etwa ein paar Würstchen genommen?
Peter: Nein Mutti, ganz gewiss nicht.
Autor: Das stimmte ja auch, denn Miriam hatte sie genommen.
Mutter: So etwas! Dann hat sich der Fleischer verzählt. Die muss er mir nachliefern! Sei mir nicht böse, mein Junge. Die Mutti wird eben langsam alt und vergesslich.
Autor: Im Übrigen ist der Nachmittag wie gewohnt verlaufen. Wie gewohnt sind sie miteinander zum Gottesdienst gegangen. Der Pfarrer hat eine feierliche Predigt gehalten.
Pfarrer: Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht; siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird, denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Lukas 2,10-11. Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Lukas 2,17 Des Engels Predigt lautet, dass dies Kindlein unser Heiland sei, an dem wir allen Trost und Freude haben sollen. Wenn ein Christ anfängt, Christus zu kennen als seinen Herrn und Heiland, durch welchen er aus dem Tode erlöst ist und in seine Herrschaft als Erbe erwählt ist, so wird sein Herz mit allen Kräften streben Gottes Ehre und Lob weiter unter die Leute zu bringen.
Autor: Nach der Predigt hatten sich alle gegenseitig ,,Frohe Weihnachten” gewünscht. Der feierliche Gottesdienst war zu Ende. Danach sind Klingenthals heimgekehrt. Zu Hause gab es Weihnachtsessen – Würstchen mit Kartoffelsalat, und endlich ist die Bescherung gekommen. Peter kann nun seine Eisenbahnanlage erweitern. Auch ein Buch ist dabei: ,,Durchs wilde Turkestan” was der Vater schon lange so gern mal lesen wollte! – Miriam hat sich über die neuen Schlittschuhe gefreut, Tante Linas Pandabär ausgepackt und den Rosinenkuchen gleich probiert – aber nur ganz wenig! Jeder hat auch noch einen großen Weihnachtsteller erhalten mit Süßigkeiten, Äpfeln, Apfelsinen und Bananen. Und nun hatten es sich die Eltern gemütlich gemacht. Der Vater ist sofort auf die Reise gegangen: ,,Durchs wilde Turkestan” und die Mutter hat angefangen Briefe zu lesen. Peter werkelt längst wieder im Keller. Seinen Weihnachtsteller hat er vorsichtshalber gleich mitgenommen. Dann schleicht er leise nach oben und holt für sich und Miriam Mantel, Schuhe und Mützen von der Garderobe in den Keller. Miriam nimmt auch ihren Weihnachtsteller, den Panda und den Rosinenkuchen und verzieht sich leise nach unten. Die Mutti tut so als merke sie nichts und flüstert ihrem Mann zu: “Jetzt kommt die Weihnachtsüberraschung, Paul!” Der brummt vom Turkestan her ein: ,, So – so!” Miriam und Peter ziehen sich rasch im Keller an und stapfen los. So voll beladen lässt sich der Wagen nur schwer schieben und ein Rad quietscht laut. Endlich sind sie beim Haus Wolkenblick. Die Kinder haben den Wagen vor die Tür des Wolkenblicks gestoßen. In dem Moment erscheint zuerst der kleine braune Mann in der Tür, dann auch die Frau. Als der Gesang der Kinder zu ende ist, fängt Miriam auch noch an zu reden:
Miriam: Das schenken wir euch, damit ihr merkt, das der liebe Gott euch auch sehr gern hat.
Autor: Und nun schiebt sie den Kinderwagen auf die Tür zu. Da bekommt die junge Frau Angst um ihr Baby und läuft ins Haus rein, ihr Mann hinterher gefolgt von Miriam mit dem Kinderwagen und zum Schluss der Peter. Daheim unterbricht Margret ihre Brieflektüre.
Mutter: Wo bleiben nur die Kinder? Peter… Miriam…
Autor: Alles bleibt still. Dann spricht sie aufgeregt ihren Mann an:
Mutter: Paul, die Kinder sind weg!
Vater: Die Kinder, wieso? Na das ist aber ne schöne Weihnachtsüberraschung!
Autor: Im Keller finden sie die Außentür offen stehen. Schon holt Margret tief Luft und will gerade laut rufen, da zupft Paul sie am Ärmel.
Vater: Tsch-sch! Schau mal da hinüber,
Autor: Durch die Büsche sehen Margret und Paul wie die Kinder auszupacken beginnen. Verwundert sieht Margret, dass Miriam ihren Kuschelbär in einen großen Karton legt, der am Boden steht und noch lange hineinschaut. Dann nimmt sie ihren Weihnachtsteller, tut den Rosinenkuchen obendrauf und legt der jungen Frau alles in die Hände. Im nächsten Augenblick hebt die Frau ihr Baby aus dem Karton und legt es Miriam lächelnd in den Arm. Miriam strahlt vor Freude. Peter packt währenddessen weiter aus – da sind die Würstchen und Spaghetti, der große Kochtopf, Milch, Zucker, Kaffee und Honig, es will kein Ende nehmen. Der Küchentisch ist schließlich voll beladen. Zum Schluss nimmt Peter die alte Bratpfanne in die Hand und versucht dem Mann etwas zu erklären – möglicherweise das Rezept für seine geliebten Pfannekuchen. Nun scheint Miriam ihm etwas zuzurufen und schon verabschieden sie sich hastig von dem Paar.
Vater: Margret, sie kommen raus. Schnell hinter die Büsche.
Autor: Und schon öffnet sich die Tür vom Wolkenblick und die Kinder laufen schnell nach Hause.
Peter: Wenn nur Vati und Mutti nichts gemerkt haben.
Miriam: Das sind wirklich ganz liebe… Leute.
Autor: Sagt Miriam gerade voll Begeisterung. Und schon stehen sie vor den Eltern. Dem Peter rutscht das Herz bis in die Schuhe und Miriam fängt sofort an laut zu schluchzen. Vorsichtig wirft sie einen Blick zu Mutti hinaus. Aber die schluchzt ja auch! Dann fällt allen ein Riesenstein vom Herzen. Die Eltern sind ja gar nicht bös auf sie. Und nun geht’s los. Gleichzeitig und durcheinander berichten sie von den Asylanten im Wolkenhaus.
Vater: Jetzt sollten wir die Stube noch ein wenig herrichten.
Mutti: Du meinst für den Besuch?
Vater: Ja, wollen wir denn die drei aus dem Wolkenblick nicht zu uns herüber bitten?
Musik
Autor: Als Jesus ein Kind herbeigerufen hatte, stellte er es in ihre Mitte und sprach: Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr keines Falls in das Himmelreich hineinkommen. Matthäus 18,3. Die Kinder haben durch ihre kindliche Weise einen großen Dienst getan. Und die Eltern mussten beschämt zugeben, das Gebot der Nächstenliebe missachtet zu haben. Lasst uns so sein wie die Kinder.
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