Okt 10 2007
Weihnachtslied im Waisenhaus
Weihnachtslied im Waisenhaus, ein christliches Anspiel zum Thema Weihnachten für 11 Personen
Vater: Johannes, was soll denn das? Am helllichten Tag Violine zu spielen als hättest du nichts anderes zu tun. Geh an deine Arbeit.
Johannes: Ist schon gut, ich komme!
Geselle: Nimm’s nicht tragisch, Johannes. Dein Vater meint es nicht böse.
Johannes: Ach, ich weiß. Aber wenn ich daran denke, ich soll mein Leben lang in der Werkstatt meines Vaters arbeiten! – Als dich dein Vater fragte, was du werden willst, hast du geantwortet: “Perückenmacher!”. Du hattest Lust dazu. Mein Vater hat mich mit zehn Jahren aus der Schule genommen und in die Werkstatt gesteckt. Nur weil wir arme Leute sind. Was gäbe ich darum, wenn ich zur Schule gehen könnte?!
Geselle: Was hättest du denn gerne werden wollen?
Johannes: Ach, ich weiß nicht. Vielleicht ein Dichter. Es zieht mich einfach zu den Büchern.
Sprecher: Traurig stand Johannes in der Werkstatt seines Vaters, die im Erdgeschoss des roten Backsteinhauses lag. In diesem Haus, das am Rande der alten, berühmten Hanse- und Handelsstadt Danzig lag, war Johannes am 28. Oktober 1768 zur Welt gekommen. Mit dem Herstellen von Perücken verdiente Vater Falk den Unterhalt für seine große Familie. Oft reichte es nicht mal für das tägliche Brot. War es denn ein Wunder, dass der Vater seinen Sohn schon früh in die Werkstatt steckte? Doch eines Tages wurde alles anders.
Geselle: Guten Tag, Meister Falk!
Vater: Womit kann ich dienen?
Geselle: Habt Ihr ein Viertelstündchen Zeit für mich, Meister Falk? Ich wollte mit Euch über Euren Sohn Johannes sprechen.
Vater: Was ist mit ihm? Hat er etwas angestellt?
Geselle: Nein, nein! Ich habe gestern ein wenig mit ihm geplaudert. Meint Ihr nicht auch, dass Euer Sohn den Beruf verfehlt hat? So ein heller Kopf, er müsste studieren.
Vater: Ihr wisst, ich halte nicht viel von weltlicher Gelehrsamkeit. Es genügt einem, wenn er seine Bibel kennt. Und außerdem, ein heller Kopf allein tut’s nicht; ein voller Beutel gehört auch dazu, und den habe ich nicht.
Geselle: Aber es muss ja keine weltliche Gelehrsamkeit sein. Und was das andere betrifft, das vertraut Gott an.
Sprecher: Nach diesem Gespräch durfte Johannes zum Gymnasium gehen. Die gütigen Stadtväter von Danzig gaben das Schulgeld für ihn. Zwar musste er noch immer in der Werkstat arbeiten, wenn er aus der Schule kam, aber was machte das jetzt. Er arbeitete Tag und Nacht. Und eines Tages war es soweit. Johannes hatte als Bester die Abschlussprüfung des Gymnasiums bestanden.
Einige Tage darauf stand er im großen Rathaussaal vor den ehrwürdigen Bürgermeistern und Ratsherren um Abschied zu nehmen.
Johannes: Ich bedanke mich herzlich für Ihre Unterstützung.
Bürgermeister: Johannes, du ziehst von hier weg, um in Halle die Theologie zu studieren. Gott sei mit dir. Aber Danzig bleibt deine Vaterstadt, und du bleibst in unserer Schuld. Denke immer daran, dass wir dir geholfen haben, wir wollen es auch weiter tun. Aber wie Gott dich auch führen wird, vergiss nie, dass du ein armer Knabe warst. Und sollte jemals ein armes Kind an deiner Tür klopfen, dann weise es nicht ab. So kannst du deine Schuld abtragen.
Johannes: Mit Gottes Hilfe möchte ich es tun.
Sprecher: Mit diesem Versprechen und einem bewegten Herzen verließ Johannes seine Vaterstadt.
Musik
Sprecher: Leider vergaß Johannes in der Fremde seine Heimat und auch Gott. Er brach sein Theologiestudium ab und wurde ein gefeierter Dichter und Literat in Weimar. Am liebsten dichtete er ironische und satirische Spottverse und füllte mehrere Bücher damit.
Doch 1813 kam eine schlimme Zeit für die ganze Bevölkerung. Die französischen Truppen Napoleons und ihre Verbündeten hatten Weimar brutal besetzt und brachten unvorstellbares Leid über die Einwohner. Sie zündeten Häuser an, plünderten den Hausrat, raubten das Vieh und schlachteten es. Dann brach auch noch die Pest aus. Im Haus des Legationsrates Johannes Daniel Falk erkrankten alle sechs Kinder. Vier von ihnen starben in wenigen Wochen. Der Vater selbst lag wochenlang krank im Bett. Endlich war der grausame Krieg gegen Napoleon zu Ende.
Freund: Guten Tag, Johannes! Hast du dich schon ein wenig erholt?
Johannes: Durch Gottes Gnade kann ich das Bett wieder verlassen.
Freund: Durch Gottes Gnade? Wie soll ich das verstehen?
Johannes: Ja, durch Gottes Gnade. In dieser furchtbaren Verzweiflung und Trauer um meine Kinder, die ich durchlebte, kam es zu einer Wende in meinem Leben. Erst als ich merkte, wie hart Gott gegen mich sein musste, da bin ich barmherzig geworden. Jetzt sehe ich auch die Not meiner Mitmenschen.
Freund: Du sprichst anders als früher.
Johannes: Ja, jetzt kommen auch wieder Erinnerungen an meine Heimat hoch. Meine Mutter war eine gläubige Frau und eine treue Beterin. Es tut mir sehr leid, dass ich mit dem christlichen Glauben ganz gebrochen hatte. Jetzt soll es anders werden.
Freund: Auch in unserem Land wird es anders. Der Krieg ist vorbei.
Johannes: Aber es sieht schlimm aus. Städte und Dörfer sind zerstört.
Freund: Es stimmt! Die Leute sind arm geworden und viele sind an den schrecklichen Krankheiten gestorben.
Johannes: Aber am schlimmsten leiden die Kinder, die Vater und Mutter verloren haben. Niemand sorgt für sie.
Freund: Du hast recht. Sie ziehen oft in Rudeln bettelnd und stehlend durch die Gegend.
Johannes: Ich kann es bald nicht mehr ertragen. Erst heute sah ich wieder, wie sich zwei magere Buben um ein Stückchen Brot schlugen. Es muss Hilfe geschaffen werden. Seit mich Gott von der Seuche wieder gesund gemacht hat, weiß ich genau, dass ich für diese armen Kinder sorgen muss. Ganz abgesehen von dem Versprechen, das ich als junger Mann gab. Du weißt, ich war selbst ein armer Knabe.
Freund: Ja, du hast mir erzählt, wie du vor den Danziger Bürgermeistern standest. Aber wie stellst du dir das vor, mein lieber Falk? Wo willst du die Kinder alle unterbringen? Das Land wimmelt ja von heimatlosen Kindern.
Johannes: Ich habe schon einen Plan, hör mal zu: Die Kleineren sollen bei mir zu Hause bleiben. Meine Frau Caroline wird ihnen eine gute Mutter sein und die größeren Kinder werde ich zu ehrbaren, gottesfürchtigen Handwerksmeistern in die Lehre schicken. Denn die Kinder müssen arbeiten lernen. Nur mit Essen und Kleidern ist ihnen nicht geholfen. Ich werde auch Spinn- und Webstuben für die Mädchen einrichten. Und jeden Sonntag gibt es ein Fest. Dann sollen alle Kinder zusammenkommen zur Sonntagsschule.
Sprecher: Noch lange redeten die beiden Männer. An diesem Abend gründete Johannes Falk sein Waisenhaus. Er hatte kein Geld, und sein eigenes Haus war nur klein. Aber er wusste genau: Gott, der ein Vater der Waisenkinder ist, will es so haben. Er tat es im Vertrauen auf seinen himmlischen Vater, und wurde nie enttäuscht.
Johannes: Guten Abend, mein Junge!
Junge: Schickt mich nicht fort, lieber Herr. Lasst mich bei euch bleiben. Habe keinen Vater und keine Mutter mehr. Bitte, schickt mich nicht fort.
Johannes: Wie sollte ich dich wegschicken können, du armes Kind? Zwar habe ich keinen Winkel mehr frei in meinem Haus, doch in Jesu Namen komm herein. – Caroline, schau her, Gott hat uns ein neues Kind für unseren lieben Eduard geschenkt.
Caroline: Sei willkommen, du armes Kind. Du bist ja ganz durchfroren und Hunger hast du sicher auch. Komm mit mir in die Küche.
Sprecher: So nahm die Zahl der Waisenkinder immer mehr zu. Dafür mussten die Eltern Falk noch zwei ihrer eigenen Kinder begraben. Zu allem Leid kam auch die Sorge um das tägliche Brot für ein ganzes Haus voller Kinder.
Johannes: Jemand verschwendet an einem Geburtstagsabend 800 Taler für Lichter und Transparente, und ich weiß oft nicht wo ich einen Korb Holz hernehmen soll.
Caroline: Hier ist die Rechnung von 50 Talern für den Flachs. Sie muss morgen bezahlt werden.
Johannes: Ich weiß, außerdem ist die Miete bald fällig und ich weiß noch nicht, wo ich einen Heller hernehmen soll. Aber unser allmächtiger Vater im Himmel vermag alles und kennt unsere Lage. Er sieht die Berge von schweren Sorgen und wird sich unserer erbarmen.
Sprecher: Am Nachmittag besuchte ihn ein Freund und schenkte ihm unerwartet 50 Taler. So konnte “der Vater”, wie er von allen genannt wurde, wenigstens die dringendste Rechnung bezahlen.
Der schönste Tag im Jahr war für die Waisenkinder der Weihnachtstag. Schon viele Wochen vorher arbeiteten sie an den Geschenken, die sie einander machen wollten. So kam das Weihnachtsfest 1816 heran. Es sollte ein ganz besonderes Weihnachtsfest werden.
Musik: O, du fröhliche…
Johannes: Hör mal, Caroline!
Caroline: Was ist denn?
Johannes: Gefällt dir diese Melodie?
Caroline: Ja, sie ist sehr schön!
Johannes: Nicht wahr? Es ist eigentlich ein italienisches Schifferlied. Zu der Melodie werde ich ein Weihnachtslied dichten. Das gibt eine Überraschung für die Kinder.
Sprecher: Am Weihnachtsabend waren alle Kinder versammelt. Unter dem strahlenden Lichterbaum hatten sie ihre Geschenke gelegt. Die Tischlerlehrlinge hatten Puppenmöbel gebaut, die Töpfer niedliches Puppengeschirr gefertigt, die Drechsler hatten Hampelmänner gemacht. Die Mädchen hatten die schönsten Dinge gestrickt, gestickt und genäht. Die Freude schien kein Ende zu nehmen.
Caroline: (singt 1. Strophe: O, du fröhliche…)
1. Mädchen: Was ist denn das?
2. Mädchen: Mutter singt ein neues Lied!
1. Mädchen: Ich habe es noch nie gehört.
Christoph: Das wollen wir auch lernen!
Kinder: (singen die erste Strophe zusammen)
1. Mädchen: Vater, das ist das schönste Weihnachtslied, das es gibt. Es ist so fröhlich.
Johannes: Ja, Kinder, wir dürfen uns auch freuen. Nicht nur, weil wir heute so schöne Geschenke bekommen haben.
Christoph: Ich weiß warum, Vater. Soll ich es sagen?
Johannes: Ja, bitte.
Christoph: Weil der Herr Jesus vom Himmel gekommen ist.
Johannes: Jawohl, Christoph.
2. Mädchen: Er war der Allerreichste und hat sich ganz arm gemacht.
1. Mädchen: Und eine Krippe war sein Bettchen.
Christoph: Da haben wir es doch besser, nicht wahr, Vater?
Johannes: Ja, wir haben es gut. Der Herr Jesus wurde arm um unsretwillen, damit wir durch seine Armut reich würden. Am Ende hat er sein Leben am Kreuz gegeben für uns Sünder. Denn dazu kam er auf die Erde, damit ihr und ich und alle, die an ihn glauben nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Darum dürfen wir uns freuen und fröhlich singen.
Lied: O, du fröhliche… (alle singen die Strophen 2 und 3)
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