Sep 22 2007
Weihnachten im alten Landhaus
Weihnachten im alten Landhaus, ein christliches Anspiel zum Thema Weihnachten für 8 Personen
Erzähler: Die Familie Robert Steiner lebte in einem Miethaus. Wenn der Vater mit seinem kleinen Verdienst die Miete zahlen musste und die Abrechnungen, weil die Mutter seit Susis Geburt ständig kränkelte, dann berichtete er immer von seiner reichen Schwester im alten Landhaus am Waldrand.
Vater: Für wen bewacht Agnes denn so gierig ihre Schätze, ihr Geld? Sie besitzt doch keinen Erben. Oder doch?
Erzähler: Der Vater meinte immer, sein Sohn Marco würde einmal der glückliche Erbe seiner Schwester sein. Tante Agnes erkundigte sich auch öfters nach Marco. Und auf Weihnachten ist alle Jahre für den Marco ein Paket angekommen. Die kleine Susi bekam nie solch schöne Sachen.
Vater: Ja, ja, die Agnes hat wirklich ein Auge auf unsern Marco.
Mutter: Ach, ich wünschte, dass es dir einmal besser geht als uns, Marco. Aber Reichtum allein macht nicht glücklich. Denk immer daran, Marco. Das zu wissen, dass Gott die Seinen nie verlässt und uns in der größten Not am nächsten ist, das ist der größte Besitz, das beste Erbe, das wir haben können.
Erzähler: Ein paar Monate später fasste der Vater den Entschluss, nach Amerika zu gehen. Ein früherer Arbeitskollege schrieb ihm: ” Komm doch auch nach Amerika.” Nach diesem Brief konnte ihn die Mutter kaum mehr beschwichtigen. Nicht einmal ihre Tränen rührten ihn.
Mutter: In der großen Stadt werden wir kaum glücklich sein, Robert. Lass uns doch lieber wieder in das stille Dorf ziehen, wo wir aufgewachsen sind.
Vater: Schweig still! In Amerika ist mein Freund etwas geworden. Mir ist es verleidet, hier ein armseliges Leben zu führen. Ich will frei sein. Und du wirst dich in die Situation fügen müssen.
Erzähler: Und ohne ihr Wissen schrieb Robert seiner Schwester Agnes einen langen Brief. Nach längerem Besinnen, schickte Tante Agnes das Reisegeld nach Amerika, und eine gewisse Summe darüber hinaus. Sie verlangte dafür den Marco, an dem sie mit Leib und Seele hing. ” Ihr besitzt ja noch die kleine Susi “, schrieb sie, ” und ich bin ganz allein. Wenn ihr nur ein wenig Erbarmen habt mit einer einsamen Frau, dann willigt ihr ein. Und denkt daran – vielleicht – vielleicht wird euer Marco dann einmal der Erbe sein”. Der Vater willigte sofort ein, die Mutter aber weinte.
Mutter: Auf diese Art soll ich mein Kind verkaufen? Sicher wird Agnes äußerlich für Marco sorgen. Aber im Herzen wird er keine Nahrung bekommen, weil Agnes nichts von Gott wissen will.
Erzähler: Doch die Mutter musste sich dem Willen ihres Mannes fügen. Es blieb nur ein Trost:
Mutter: Ach wie gut, daß ich Marco in Gottes Hände legen darf, ich glaube, sonst würde ich verzweifeln.
Erzähler: Als dann die Abschiedsstunde schlug, zog die Mutter Marco in ihr Zimmer, nahm ihren Jungen in die Arme und drückte ihn fest an ihr Herz.
Mutter: O Marco, wie nun auch alles kommen mag, halte dich fest an Jesus Christus und Gott, wie ich es dich bis heute gelehrt habe. Du hast es ja schon miterlebt, dass ich immer wieder im Gebet die nötige Kraft und Zuversicht erhalten habe, wenn es mir manchmal schwer und fast zu schwer geworden ist. Tante Agnes hält nichts vom Glauben an Gott. Sie wird mit dir kaum dieses Thema berühren. Sie wird auch vor dem Tisch nicht beten wie du es von mir gewohnt bist. Lieber Marco, in dieser Hinsicht wirst du in Zukunft ganz auf dich selber angewiesen sein. Aber vergiss es nie, dass deine Mutter jeden Tag für dich beten wird. Und da, nimm diese Bibel. Ich erhielt sie vor Jahren. Ich schenke sie dir. Lies jeden Morgen einige Verse und nimm sie zu Herzen. Sie werden dir zeigen, wie du in der neuen Umgebung bei Tante Agnes leben sollst. Und wenn du Unrecht getan hast, Marco, mach jeden Abend, bevor du einschläfst, Ordnung in deinem Herzen vor Gott und den Menschen, die du betrübt hast.
Erzähler: Marco versprach der Mutter mit feuchten Augen, ihren Rat zu befolgen. Noch einmal drückte die Mutter ihr Kind an sich, dann klopfte es ungeduldig an der Türe. Es war der Vater, der Marco zum Bahnhof bringen wollte. Der Abschied vom Vater war kürzer als von der Mutter.
Vater: Also, machs gut. Sei immer treu und redlich, dass Tante Agnes sich nicht zu beklagen hat. Wo du aussteigen musst, weißt du ja. Deinen Koffer wirst du gut tragen können mit den wenigen armseligen Sachen. Aber freue dich nur, bei Tante Agnes wirst du dann neu eingekleidet werden. Und das Essen wird besser sein. Und ein schönes, eigenes Zimmer wirst du dort auch haben.
Erzähler: Jetzt pfiff der Zug. Ein kurzes Winken – und weg war der Vater und die gewohnte Umgebung. Wie ganz anders war doch der Abschied von der Mutter als vom Vater, kein Wort von dem zu vergessen, was seine liebende Mutter ihm gesagt hatte, nahm er sich vor. Es dunkelte schon, als er vor dem großen Hause stand. Er zog die Glocke, und bald darauf erschien die alte Anette.
Anette: Komm herein.
Erzähler: Schüchtern folgte Marco der alten Frau ins Haus. Anette nahm Marco die Jacke ab. Wenige Minuten später stand er in einem großen hell erleuchteten Zimmer vor seiner Tante.
T. Agnes: Willkommen Marco. Du siehst deiner Mutter wahrhaftig immer ähnlicher. Ich habe schon lange auf dich gewartet! Sicher gab es noch viel Arbeit, bis die Sachen für die Reise für euch alle eingepackt waren?
Marco: Ja, jetzt sitzen die Mutter, der Vater und Susi schon im Flugzeug, das sie nach Amerika bringt. Die Mutter wird leise weinen, und der Vater wird sie schelten. Die Mutter ist nicht gern fortgegangen in ein fremdes Land. Sie wird bestimmt Heimweh haben.
T. Agnes: Ist der Vater immer noch so heftig?
Marco: O ja, ich habe mich manchmal vor ihm gefürchtet und Susi auch.
T. Agnes: Und die Mutter?
Marco: Ach die Mutter – sie ist gut. Vielleicht ist sie so, weil sie viel in der Bibel liest und betet.
T. Agnes: Sie ist fromm, deine Mutter.
Marco: Ja sie glaubt, das Gott uns liebt. Bist du nicht fromm?
T. Agnes: Solche Fragen musst du nicht stellen, Marco.
Marco: Bist du mir jetzt böse, Tante? Ich wollte dich nicht kränken.
T. Agnes: Ich glaube es dir, Marco! Aber ich möchte nicht gern von Gott reden.
Marco: Mutter konnte so schön aus der Bibel erzählen. Wenn ich groß bin, werde ich für die Mutter sorgen.
T. Agnes: Ach, bis du groß bist, dauert es noch lang. Und überhaupt, jetzt bist du bei mir. Ich werde in Zukunft für dich sorgen.
Marco: Aber Tante Agnes, du willst doch nicht, dass ich meine Eltern vergesse! Mutter sagte immer, in der Bibel stehe geschrieben, dass man Vater und Mutter ehren soll.
T. Agnes: Sie haben aber dich mir gegeben um ein blankes, hartes Geld, mein Junge!
Marco: Aber nicht die Mutter! Nein, die Mutter sicher nicht. Nur der Vater wollte es so. Mutter weinte sehr, weil sie mich hergeben musste.
T. Agnes: Na, jetzt bist du bei mir. Ich sorge für dich. Warum weinst du? Du kannst essen und trinken, soviel du willst, und ich werde dir schöne, neue Kleider kaufen.
Marco: Ich bin nur so aufgeregt. Ich danke dir, dass du so viel für mich tun willst.
Erzähler: Im oberen Stock des Hauses lag das kleine, saubere Stübchen, welches Tante Agnes und Anette für Marco hergerichtet hatten. Trotz der Müdigkeit ordnete er seine Sachen. Die Bibel legte er auf den kleinen Tisch neben dem Bett.
Marco: Ach wie schön wäre es, wenn Mutter nun neben mir auf dem Bettrand sitzen würde. Wir haben am Abend doch immer noch miteinander gebetet.
Erzähler: Marco hatte Heimweh nach Mutters Zärtlichkeit. Aber da… auf einmal hörte er Mutters Stimme, wie sie ihm beim Abschied sagte:
Mutter: (sitzend) Bete zu Gott, zum Herrn Jesus, er wird dich trösten und dir geben, was du brauchst.
Marco: (Betet) Lieber Herr Jesus, danke, dass du bei mir bist. Wenn ich auch ohne Mutter und Vater und ohne Susi bin, bist du doch da und hast mich lieb. Mutter sagte mir, dass diese Worte in der Bibel stehen. Und morgen will ich in der Bibel lesen und alle Tage, wie meine Mutter es mir geraten hat. Amen
Erzähler: Dann schlief Marco ein, tief und fest. Nach und nach gewöhnte sich Marco an das Leben im alten Haus von Tante Agnes. Es gefiel ihm gut in der neuen Schule. Marco lernte viel und gut. Auch im Hause war Marco sauber und anstellig für jede Arbeit.
Erzähler: Robert Steiner lebte nun schon seit Wochen mit seiner Frau und dem Töchterchen in der Riesenstadt New Yorg. Er fand zwar, dass seine Lage sich nicht besonders verbessert hatte, seit er die Heimat verließ. Er sehnte sich nach seinem Kinde; Marco fehlte ihm überall. Schon nahm sich Robert Steiner vor, an Agnes zu schreiben und Marco zurückzufordern. Doch er schämte sich. Frau Eva ahnte nichts von den inneren Kämpfen ihres Mannes. Aber sie selbst konnte oft keinen Schlaf finden. Sie war noch mehr krank als früher. Sie dachte auch viel an Marco.
Mutter: Ach wenn ich nur Marco wieder neben mir haben dürfte. Dann könnte ich für ihn sorgen und ihn erziehen im Vertrauen auf Gott. Wird er wohl in der Bibel lesen und beten?
Marco: Ach, wie schön war es doch Weihnachten daheim gewesen. Alle saßen am Tisch. Die Mutter lehrte uns Weihnachtslieder und erzählte die Weihnachtsgeschichte. Nun bin ich dieses Jahr zum erstenmal allein. Was sagte mir Mutter einmal: ” Auch wenn du meinst, du seist allein, Marco, bist du es doch nicht. Gott ist bei dir. Und für jeden Menschen brennt ein Lichtlein am Heiligen Abend.
T. Agnes: Hast du einen Brief vom Vater bekommen?
Marco: Ja. Er lässt dich grüßen. Mutter fühlt sich nicht so recht wohl.
T. Agnes: Und sonst, was hat der Vater noch geschrieben?
Marco: Ach, der Vater schreibt noch von Weihnachten. Bei uns zu Hause schmückte die Mutter für den Heiligen Abend immer ein kleines Tannenbäumchen mit Kerzen und roten Äpfeln. Und – und dann haben wir noch gesungen und Mutter hat die Weihnachtsgeschichte erzählt.
T. Agnes: Ihr seid doch komische Menschen. Ich mache dir keinen Lichterbaum. Ich will dir 30 Franken geben. Damit kannst du dir selber etwas kaufen.
Marco: Danke, Tante Agnes.
Erzähler: Aber im Herzen war ihm so leer – so traurig zumute. Nur hartes Geld, sonst nichts. Enttäuscht schlüpfte er an diesem Abend ins Bett. Plötzlich war ihm, als höre er wieder Mutters Stimme, die sagte:
Mutter: (sitzend) Für jeden brennt ein Lichtlein am Heiligen Abend!
Erzähler: Tante Agnes saß unten in der großen vornehmen Stube. Da hörte sie plötzlich den Gesang einer hellen Knabenstimme.
Marco: (singt) Stille Nacht!
Erzähler: Dann aber tat sich die Türe leise auf und die dunkle Stube war plötzlich hell vor lauter Licht!
T. Agnes: Was – was ist da?
Marco: Mutter sagte mir, dass für jeden ein Lichtlein brennt am Heiligen Abend. Auch für dich soll eins brennen, Tante Agnes.
Erzähler: Dann stellte Fräulein Anette ein Tannenbäumchen auf den Tisch mit vielen brennenden Kerzen. Marco hatte Anette überredet, dass sie heimlich mit dem Geld, das Tante Agnes ihm geschenkt hatte, in die Stadt ging und ein Tannenbäumchen kaufte mit all den Sachen, die daran hingen.
Marco: Liebe Tante, bist du mir jetzt böse?
T. Agnes: Marco – o Marco, du bist ein gutes Kind.
Erzähler: Und wie das starre Eis über dem Wasser bricht, so öffnete sich das verschlossene Herz von Tante Agnes dieser schlichten, kindlichen Liebe.
T. Agnes: Wie bist du nur auf einen solchen Gedanken gekommen, Marco?
Marco: Ach weißt du, Tante, Vater hat doch in seinem Brief geschrieben, dass Mutter darum betet, dass ich dir ein bisschen von der Liebe Gottes ins Herz schenken darf. Ich habe es zuerst nicht verstanden, aber plötzlich wurde mir klar, was damit gemeint ist: Das Gott mir helfe, dir eine Freude zu machen.
Erzähler: Die Glocken tönten so still, so eigenartig. Und es war Tante Agnes so seltsam zumute. Es war, als ob Gottes Stimme sie rufen würde an diesem Heiligen Abend. Die drei saßen noch lange beieinander.
Marco: Jetzt ist es beinahe wie an Weihnachten zu Hause. Aber aber etwas – etwas fehlt noch.
T. Agnes: Was fehlt noch?
Marco: Meine Mutter hat immer noch die Weihnachtsgeschichte aus der Bibel vorgelesen!
T. Agnes: Ich habe keine Bibel.
Anette: Aber Marco besitzt doch ein solches Buch. Wie wärs, wenn er uns die Weihnachtsgeschichte vorlesen würde?
T. Agnes: Nun denn – wenn es sein muss.
Erzähler: Das ließ sich Marco nicht zweimal sagen. Bald stand er vor dem Tannenbaum und las froh und deutlich die Weihnachtsgeschichte (siehe Luk.2). Als er fertig war legte er seine Bibel auf den Tisch.
Marco: Danke, danke vielmal, Tante Agnes! Jetzt war es so schön wie bei Mutter zu Hause.
T. Agnes: Heute ist es zu spät, aber morgen begleite ich dich zur Kirche. So, wie es deine Mutter gemacht hat. Und Marco, du betest für mich, dass ich so werden kann wie deine Mutter.
Erzähler: Marco saß noch lange still auf dem Bettrand und sann über den schönen gelungenen Weihnachtsabend nach:
Marco: Danke, Herr Jesus, dass du es mir gezeigt hast und ich es erleben durfte, was Mutter mit den Worten meinte, Tante Agnes etwas von der Liebe Gottes ins Herz schenken.
Erzähler: Einige Monate waren vergangen. Marco hatte lange nicht mehr geschrieben, und die Mutter sorgte sich um ihn. War er etwa erkrankt? Da hörte sie in Stille hinein auf einmal Susi rufen.
Susi: Ist da nicht Marco, der auf unser Haus zukommt?
Erzähler: Bald darauf klopfte es an der Tür. Robert Steiner stand auf und öffnete. Und da stand sein Junge – Marco! Aber er war nicht allein. Tante Agnes war bei ihm.
T. Agnes: Heute komme ich zu euch als Bittende. Mein Herz war nie glücklich, es hat immer gedarbt. Und bitte helft mir, dass ich auch mein Leben Gott anvertrauen kann. Ich möchte gerne den wahren Sinn des Lebens finden. So wie die Engel in der Weihnachtsgeschichte sagten: ” Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids
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