Sep 09 2007
Kein Brot mehr…
Kein Brot mehr, christliches Anspiel zum Thema Erntedankfest für 6 Personen
Autor: Eben hatte Mathilde Schneider, die junge Büglerin, die fertig gebügelte Wäsche ausgetragen. Es war Samstagabend, aber sie konnte sich noch nicht den Feierabend gönnen. Sie musste noch für ihren kleinen Haushalt Besorgungen machen. Brot musste sie holen, auch hatte sie noch eine Butterfache, dafür wollte sie ein Würfelchen frische Butter kaufen. Dann konnte sie sich morgen zum Frühstück und zum Abendessen wieder einmal Butterbrot leisten. Das kam nicht alle Tage vor, nicht einmal mehr alle Sonntage, seitdem Krieg war.
Eilig machte sie sich auf den Weg, damit sie zurück sei, bevor es ganz dunkel war. Zuerst kam sie am Milchladen vorbei, wo sie das sorgfältig gehütete Märkchen hervorsuchte und es gegen ein Achtel Butter umtauschte. An der nächsten Straßenecke war der Bäckerladen. Als sie eintrat, blickte die weißhaarige, Bäckersfrau hinter dem Ladentisch auf, und statt zu Grüßen, rief sie ihr entgegen:
Bäckerfr.: O, Fräulein Schneider, Sie kommen zu spät!
Mathilde: Warum zu spät? Wieso?
Bäckerfr.: Sie wollen doch noch Brot?
Mathilde: Ja, natürlich, ein Einpfünder bitte, wie immer!
Bäckerfr.: Aber ich kann Ihnen mit dem besten Willen keines mehr geben, sehen Sie nur, es ist alles ausverkauft.
Autor: Jetzt erst warf Mathilde einen Blick auf das Brotgestell, und tatsächlich, es war leer, so leer wie sie es noch nie gesehen hatte.
Mathilde: Aber das ist doch gar nicht möglich, dass Sie kein Brot mehr haben, das ist doch noch nie vorgekommen, so lange ich mich erinnere.
Bäckerfr.: Es kommt heute eben manches vor, das noch nie vorgekommen ist. Sie wissen doch, dass das Brot jetzt auch rationiert wird und dass es Brotkarten gibt?
Mathilde: Natürlich weiß ich das, aber doch erst nächste Woche.
Bäckerfr.: Ja, schon. Aber die Leute kauften Brot, als ob die Bäckereien acht oder vierzehn Tage lang geschlossen blieben. Tatsache ist, dass wir vollständig ausverkauft sind. Ich dachte nicht daran, sonst hätte ich Ihnen eins auf die Seite gelegt. Sie holen ja gewöhnlich eins am Samstagabend. Aber auch nicht immer.
Mathilde: Das kommt immer darauf an, ob ich in der Schneiderei gewesen bin oder zu Hause gearbeitet habe. Ja nun, auf jeden Fall muss ich heute Brot haben. Ich will mich beeilen, dass ich anderswo eins kaufen kann.
Bäckerfr.: Das wird schon noch möglich sein, es ist nicht gesagt, dass sie überall so brotlos sind wie wir jetzt.
Autor: Mathilde eilte zur Klingengasse, wo der nächste Bäckerladen war. Dort angelangt, blieb Sie einen Augenblick vor dem Schaufenster stehen und blickte hinein. Das Brotgestell war leer, gleich wie im ersten Geschäft! Dennoch öffnete sie die Tür und fragte beim eintreten:
Mathilde: Kann ich noch ein Einpfünder haben?
Mann: Weder ein Einpfünder noch ein Zweipfünder, wir haben schon seit dem frühen Nachmittag kein Brot mehr.
Autor: Wieder stand Mathilde auf der Straße und überlegte, wohin sie sich jetzt wenden sollte. Etwa zehn Minuten weiter stadtwärts war noch ein Bäckerladen. Es fing ihr nun doch an Angst zu werden, zumal der Zeiger der Uhr immer näher auf neunzehn Uhr rückte, dann war Ladenschluss. Als sie vor der dritten Bäckerei angekommen war, sah sie im Schaufenster ein weißes Plakat mit drei kurzen Worten “kein Brot mehr!!!”
Mathilde verlor hier keine Zeit mit Eintreten und fragen, der Bescheid war ja deutlich genug. Sie lief weiter, um im Bäckergeschäft auf dem Bahnhofsvorplatz ihr Glück noch einmal zu versuchen. Aber bevor sie den Bahnhof erreichte, da schlug es vom nahen Kirchturm neunzehn Uhr, und das Samstagabend Geläute setzte ein. Damit war ihr alle Hoffnung abgeschnitten, für den morgigen Sonntag Brot zu bekommen. Sie musste sich für einen Augenblick an die Hauswand lehnen, jetzt erst fühlte sie, wie hungrig und müde sie war und wie ihre Füße schmerzten. Den ganzen Tag hatte sie am Bügeltisch gestanden, und jetzt noch diese Jagd nach Brot! Ihr kamen die Tränen. Gerade wollte sie nach Hause gehen, da wurde sie plötzlich lebhaft angesprochen:
Trudi: Sieh da, du bist auch noch unterwegs, Mathilde? Was machst du denn noch beim Bahnhof am
Samstagabend?
Mathilde: Guten Abend, Trudi! Wie schön, dass wir uns wieder einmal treffen!
Autor: Die beiden kannten sich schon lange, sie waren vor wenigen Jahren miteinander zur Schule gegangen. Mathilde war nun bei einer Näherei als Büglerin beschäftigt, Trudi arbeitete als Büroangestellte und seid einigen Wochen verheiratet. Schon immer hatte Trudi die bescheidene Mathilde ein wenig bemitleidet. Jetzt fragte sie, noch einmal:
Trudi: Was suchst du eigentlich da am Bahnhof. Willst du etwa verreisen? Du siehst zwar gar nicht danach aus mit dem Einkaufskorb am Arm …
Mathilde: Nein, ich habe wirklich nicht vor zu verreisen, ich wollte nur schnell noch einiges kaufen, und nun bin ich schließlich bis hierher gekommen auf der Suche nach Brot.
Trudi: Ach, wegen Brot bist noch so spät unterwegs! Hast du denn noch welches bekommen?
Mathilde: Nein! In allen Geschäften war das ganze Brot ausverkauft. Daher konnte ich kein Brot mehr bekommen.
Trudi: Da bist du heute halt zu spät aufgestanden, ich habe mich heute morgen mit allem versehen, was notwendig ist.
Mathilde: Ich konnte den ganzen Tag nicht vom Bügeltisch weg und es kam mir auch nicht der Gedanke, dass ich gegen Abend kein Brot mehr bekäme, nur weil es nächste Woche rationiert wird.
Trudi: Das tut mir leid, ich würde dir gerne etwas von unserem Brot abgeben, aber wir bekommen Besuch. Der älteste Sohn meiner Freundin in Weilendorf kommt. Ich bin eben auf dem Weg ihn abzuholen. Er ist diese Woche zehn Jahre alt geworden und darum habe ich ihn für Sonntag zu uns eingeladen. Es ist das erste mal, dass ich ihn einlade, da ich nun ein eigenes Heim habe. Und so ein ein Junge hat eben guten Appetit, das weisst du bestimmt. Darum kann ich dir nicht aushelfen.
Mathilde: Nein, nein das habe ich nicht deswegen gesagt. Ich wollte nicht betteln, ich verstehe gut ….
Trudi: Ich habe dich schon richtig verstanden, nein, du wolltest nicht betteln. Du kannst besser beten als betteln. Du hast gewiss heute morgen auch gebetet: “Gib uns täglich Brot” und hast doch keines bekommen.
Mathilde: Ich habe heute mein Brot gehabt und bin satt geworden und morgen werde ich wieder beten um mein tägliches Brot und werde bestimmt wieder satt werden.
Trudi: Du armes, du betest so fleißig, da hätte dir der liebe Gott wirklich ein Einpünder aufsparen können.
Mathilde: Spotte nicht Trudi, ich kann wohl auch einmal einen Tag auf Brot verzichten, wenn’s mir auch, ehrlich gestanden, nicht leicht fällt. Wenn es aber meines himmlischen Vaters Wille ist, dass ich morgen Brot essen soll, dann kann er mir noch Brot schicken!
Trudi: Heute abend noch, wo kein Bäckerladen mehr offen ist, oder morgen, wo es überhaupt nichts zu kaufen gibt?
Mathilde: Nein, die Bäckerläden sind für mich geschlossen, aber mein himmlischer Vater braucht keinen Bäckerladen, wenn er sein Kind mit Brot versorgen will.
Trudi: Mathilde, du bist wirklich köstlich! Wie stellst du dir das eigentlich vor?
Mathilde: Das brauche ich mir gar nicht vorzustellen oder erklären zu können. Du erinnerst dich aus der Schule ganz sicher noch an die Geschichte aus der Bibel, wo Gott dem Propheten Elia durch Raben Brot schickte.
Trudi: Gewiss, gewiss. Aber diese Geschichte ist doch schon uralt. Auf jene Raben, die Brot brachten, wirst du doch hoffentlich jetzt nicht mehr warten, die sind schon lange tot.
Mathilde: Die Raben sind tot, gewiss. Aber der treue Gott, der ist nicht tot, der lebt heute noch und sorgt für mich.
Autor: Mit diesen Worten gingen sie auseinander. Mathilde ging langsam nach Hause. Aber trotz des leeres Korbes und trotz den schmerzenden Füßen war ihr Herz still und getrost geworden über ihrem Gespräch mit der Schulkameradin, der sie die Treue ihres himmlischen Vaters hatte rühmen müssen.
Musik
Trudi war unterdessen mit schnellen Schritten dem Bahnhof zugeeilt. Sie kam gerade noch rechtzeitig. Der Zug hielt bereits und die Reisenden stiegen aus. Da kam auch schon Walter, mit einem großen Rucksack auf dem Rücken, auf sie zu.
Trudi: Nun fahren wir mit der Straßenbahn. Es ist zwar nicht weit zu uns nach Hause, aber die Fahrt wird dir bestimmt Spaß machen, und du hast ja auch so einen schweren Rucksack auf dem Rücken.
Autor: Nach kurzem Warten fuhr die Straßenbahn heran. Die beiden stiegen ein und fuhren durch die hellerleuchteten Straßen der Stadt. Viel zu früh mussten sie aussteigen und als sie dann die Wohnung erreicht hatten, konnte der Junge endlich seinen schweren Rucksack ablegen.
Trudi: Warum hast du dir bloß so einen schweren Rucksack auf den Rücken geladen?
Walter: Du wirst gleich sehen, was drin ist. Da schau her, diese rotbackige Äpfel sind die schönsten die wir hatten.
Trudi: Kein Wunder, dass du so schwer zu tragen hattest. So viele und so prächtig große!
Walter: Gell, das hast du nicht gedacht! Weißt du, die Mutter hat gesagt: “Als Tante Trudi dich eingeladen hat, da wusste sie noch nicht, dass das Brot rationiert wird. Und wer weiß, vielleicht sind sie in der Stadt schon jetzt knapp dran mit dem Brot. Du bringst ihnen eins, dass sie nicht in Verlegenheit kommt.” Freut’s dich, Tante?
Trudi: Ja, sicher freut’s mich. In Verlegenheit wären wir zwar nicht gekommen, ich habe schon vorgesorgt. Du hättest schon genug bekommen. Aber ich freue mich, wieder einmal Bauernbrot essen zu können.
Walter: Und ich freue mich auf das Stadtbrot! (pause) So viel Brot haben sicher nicht alle Leute in der Stadt, oder Tante, was denkst du?
Trudi: Nein, sicher nicht.
Walter: Gell, vielleicht gibt es arme Leute, die jetzt gar kein Brot haben?
Trudi: Ja, gewiss gibt es solche.
Autor: Die Tante wurde auf einmal ganz still und nachdenklich. Sie schien über etwas ganz Bestimmtes nachzudenken. Doch nach kurzer Zeit fragte sie fröhlich:
Trudi: Du, Walter, hast du großen Hunger?
Walter: Ich, Hunger? Nein, wirklich nicht. Ich habe doch zu Hause schon zur Nacht gegessen.
Trudi: Dann kannst du mit dem zweiten Nachtessen hier warten, bis der Onkel heimkommt?
Walter: Klar, das machen wir, dann kann ich ja auch lang aufbleiben!
Trudi: Dann können wir beide jetzt noch etwas erledigen, oder bist du zu müde?
Walter: Was denkst du! Jetzt ohne Rucksack könnte ich noch durch die ganze Stadt laufen, aber natürlich mit dir, nicht etwa allein.
Trudi: Gut. Ich gehe jetzt schnell etwas einpacken, und auf dem Weg will ich dir etwas erzählen.
Autor: Die Tante nahm das große Brotmesser aus der Schublade und schnitt damit vom Bauernbrot einen Teil ab. Dieses Stück wickelte sie in ein weißes Seidenpapier. Dann holte aus dem Wandschrank eine leere Schuhschachtel und legte das eingewickelte Brot hinein. In der Schachtel war aber reichlich Platz, sie wollte gerade diesen mit Papier zustopfen. Doch da fiel ihr etwas ein, sie ging zum Kühlschrank und nahm ein Glas Marmelade hieraus. Dieses stellte sie behutsam in die Schachtel zum Brot, legte noch zwei prächtige Äpfel dazu, und der Platz war ausgefüllt. Schnell den Deckel drauf und eine Schnur drum, dann nahm sie den Bleistift und schrieb mir großen Buchstaben auf den Deckel: Oben. Nicht stürzen!
Trudi: So, jetzt komm, Walter! Jetzt will ich dir sagen wohin wir gehen und was du zu tun hast!
Autor: Und während sie miteinander durch die Straßen gingen, erzählte sie Walter von ihrer früheren Mitschülerin, die heute wegen ihrer Arbeit versäumt hatte, sich rechtzeitig mit Brot zu versorgen, und am Abend umsonst von einer Bäckerei zu anderen gelaufen war. Und dass sie trotz allem behauptete, Gott könnte ihr doch noch Brot geben, wenn er wolle. Er habe ja dem Elia auch Brot geschickt durch die Raben.
Walter: Ich kenne die Geschichte wir haben sie in der Sonntagsschule gehabt.
Trudi: Denk nur, ein so frommes, treues Menschenskind ist sie und glaubt selbst dann noch an Gottes Hilfe wenn dafür eigentlich gar keine Aussicht mehr besteht.
Walter: Und jetzt bringst du ihr das Brot?
Trudi: Ja, das heißt, nicht ich bringe es ihr, du sollst es ihr’ bringen, sie kennt dich ja nicht und braucht auch nicht zu wissen, von wem es ist.
Walter: Klar, das machen wir. Aber. wenn sie mich fragt, von wem es ist?
Trudi: Dann antwortest du einfach gar nicht und läufst davon. Pass auf, jetzt sehen wir schon das Haus. Dort das kleine, alte, neben der Garage. Siehst du im ersten Stock das Licht? Dort wohnt sie, das ist ihre Küche. Also eine Treppe hoch. An der Wohnungstür ist ein Schildchen, darauf steht: Mathilde Schneider. Da klingelst du, und gibst ihr die Schachtel ab. Ich warte hier auf der anderen Seite der Straße.
Autor: Walter nahm die Schachtel und verschwand im Hauseingang. Mathilde stand in ihrer Küche und kochte eine Mehlsuppe. Sie hatte die doppelte Portion genommen damit es ihr am Sonntag noch zum Frühstück reicht. Da läutete es draußen. Sie ging hinaus und öffnete. Ein Junge stand vor ihr, keiner aus der Nachbarschaft, sondern ein fremder.
Walter: Guten Abend, Fräulein Schneider, ich habe Ihnen hier etwas abzugeben.
Mathilde: Du bist an der falschen Adresse, ich habe keine Schuhe bestellt.
Walter: Es kann ja auch etwas anderes in einer Schuhschachtel sein als Schuhe.
Mathilde: Aber ich habe auch nichts anderes bestellt.
Walter: Es braucht ja gar nicht bestellt zu sein, ich soll das einfach hier abgeben.
Mathilde: Das ist ganz gleich, wer ich bin. Nehmen sie jetzt die Schachtel, sie gehört Ihnen.
Autor: Da nahm Mathilde endlich die Schachtel, wog sie prüfend in den Händen und fragte:
Mathilde: Aber weisst du ganz sicher, dass du hier an der richtigen Adresse bist?
Walter: Ganz sicher! Ihr Name steht ja hier auf dem Schild.
Mathilde: Aber wer schickt dich denn?
Walter: Jetzt muss ich gehen. Gute Nacht. Und schönen Sonntag.
Autor: Mathilde hielt die Schachtel noch eine ganze Weile nachdenklich in der Hand. Nach einigem Zögern löste sie entschlossen den knoten der Schnur und hob den Deckel. Weißes Seidenpapier verhüllte noch den Inhalt, aber schon stieg ihr ein köstlicher Duft in die Nase. Sie nahm das Seidenpapier heraus.
Mathilde: Brot! – Guter himmlischer Vater. Du hast mir Brot geschenkt! Dank dir, mein guter himmlischer Vater. Du hast mich für den Sonntag so reich beschenkt – nicht nur mir Butter, nein, nun auch noch mit Brot und Marmelade und Äpfel! Du sorgst für Seele und Leib! Wie gut bist du!
Autor: Am Sonntagmorgen, als alle am Frühstückstisch saßen, läutete der Milchmann. Schnell ging die Tante zur Haustür, um die Milch in Empfang zu nehmen. Da fiel ihr Blick auch auf den Briefkasten. Ein weisser Umschlag steckte darin! Sie brachte die Milch in die Küche und ging noch einmal zur Haustür um den Brief zu holen. Sie öffnete ihn und las vor:
Trudi: Die Raben meines himmlischen Vaters haben mir nicht nur Brot gebracht, sondern als Zugabe auch noch Marmelade und Äpfel. Ihm, meinem treuen Gott und Seinen Handlangern innigen Dank.
Autor: Wir sehen, dass Mathilde fest auf den Herrn vertraut hatte. Sie wusste, dass er ihr helfen würde, auch als die Lage so hoffnungslos schien.
Lieber Zuhörer, kannst du dich auch ganz auf Jesus verlassen und ihm vertrauen? Nur er kann uns erhören und uns helfen.
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