Sep 03 2007
Gott sorgt!
Gott sorgt, ein christliches Anspiel zum Thema Erntedankfest oder Gottes Führung für sechs Personen.
Sprecher: Die Ernte war vorüber. Es ging in diesem Jahr sehr schnell damit, denn da war nicht viel zu ernten. Die Saatbestellung sollte anfangen, aber der Acker war kaum zu bestellen. ZU mächtigen Klumpen hatte sich die trockene Erde zusammengeballt. Sie war so hart, dass selbst die großen, schweren Eggen sie nicht kleinkriegten mit ihren eisernen Zähnen. Sorgenvoll sah das Gesicht des Bauern aus, als er am Nachmittag vom Feld einkam zum Kaffe. Seine Schwester, die ihm den Haushalt führte, sah es gleich. Sie machte ihm alles so gemütlich wie nur möglich, und als er gesättigt war sagte sie ihm einpaar ermunternde Worte.
Bauer: Ja Thea, aber in diesem Jahr wird es hier draußen bei uns sehr ernst ausehen, denn auch die Kartoffeln versagen. Sie sind durch und durch kaputt gewiss nicht so viel, dass wir und unsere Leute für den Winter genug haben. Und für unser Vieh wird keine Knolle übrig sein. Wir müssen bei Zeiten anfangen Reis zuzukochen, da wird nichts anderes übrig sein, wenn wir durchkommen wollen.
Tante: Gleich morgen essen wir alle Reis. Aber nun sorge dich nicht zu sehr. Du übrigens, unsere Jungen fragen, ob sie in den Herbstferien kommen dürfen, und sie möchten noch gern einen Vetter mitbringen.
Bauer: Wer hat denn geschrieben?
Tante: Helma.
Sprecher: Eine Stunde später nahm der Postbote von der Tante an die Nichten und Neffen ein Brief mit. Helma, ihre drei Brüder und der Vetter waren herzlich für die Ferien nach Rosenhain eingeladen. Und dann waren sie da. Das gab ein Leben! Vom frühen Morgen bis zum dämmernden Abend streiften sie auf dem Hof, in den Stählen und am Strand umher.
Otto: Dieses Jahr ist das Wetter so schön, es regnet gar nicht. Nun sind wir schon acht Tage hier und es hat noch kein einziges mal geregnet.
Helma: Sag das doch nicht so laut, Otto. Der Onkel wird dann jedes Mal ganz still. Sieh dir dann doch bloß mal sein trauriges Gesicht an. Das Feld hier braucht doch ganz dringend Regen.
Otto: Ach stimmt. Der Onkel hat mir ja erst gestern von seinen Sorgen erzählt, weil es nicht geregnet hat werden Menschen und Tiere hier in diesem Winter kaum satt werden, und wenn es jetzt nicht regnet, kann es im nächsten Jahr wieder so gehen, denn in dieser ausgetrockneten Erde kann das Korn nicht keimen und aufgehen.
Helma: Für uns ist es zwar schön, dass es nicht geregnet, aber ich hoffe doch, dass es mal so gießt, dass wie durch und durch nass werden, ehe wir vom Strand hier heraufrennen können.
Sprecher: Helmas Wunsch schien sich aber nicht zu erfüllen, denn ein wilder trockener Nordoststurm fegte am nächsten Tag über die dürren Stoppeln. Einen Tag hielt der Sturm an. Er brachte Hochwasser. Dann sprang der Wind plötzlich um, und am folgendem Morgen pfiff er in unverminderten Stärke aus Südwest. Er hatte die Wassermengen zurückdrängt. Vom Fenster aus sah man eine lange Sandbank.
Otto: Können wir hin? Dürfen wir hinüberwaten?
Sprecher: Tante Thea gab ihnen die Erlaubnis, und mit Spaten und Eimern zogen die Kinder ab. Sie wollten Tobiasfische fangen, oder kleine, silbern schimmernde Sandahle, die sich im nassen Sand verkriechen, wenn das Wasser ihnen zu schnell fort läuft. Sie schmecken gebraten doch so gut. Als sie unten angekommen waren rief Otto ganz erstaunt.
Otto: Hier, hier da wimmelt es ja nur so von Tobiasfischen.
Helma: Und hier auch! Guck doch mal, das ist ja schön.
Otto: Es sind gewiss tausend! Das müssen wir dem Onkel sagen, aber erst machen wir unsere Eimer mit den Fischen voll für Tante Thea. Wie die sich freuen wird.
Sprecher: Lachend und rufend stürmen sie bald darauf in die Küche mit ihrer Beute.
Tante: Zeigt den Fang erst mal so wie er ist dem Onkel. Da kommt er ja gerade über den Hof zum Frühstück.
Sprecher: Sie rannten los. Einer wollte schneller berichten als der andere. Der Onkel konnte kaum verstehen worum es ging.
Bauer: Wirklich? So viele? Stellt hier so lange in den Schuppen und dann kommt mit. Ich will mir einmal ansehen ob es der Mühe wert ist, Leute zum Fang hinunter zu schicken.
Helma: Ja Onkel, das wirst du sehen. Zählen kann man sie nicht mehr.
Sprecher: Dann ging er mit ihnen zum Strand. Jetzt war er ganz still. Er sah nach rechts und links, und sagte mit merkwürdig heiserer Stimme.
Bauer: Gott sorgt.
Otto: O ja, Gott sorgt für uns.
Bauer: Helma, du gehst jetzt zu Tante Thea, und sagst ihr, sie soll sämtliche Körbe zurecht stellen sie werden gleich abgeholt. Und ihr Jungen, lauft in jedes Nachbarhaus und bestellt von mir, die Leute sollen an den Strand gehen, und Fische holen soviel sie haben wollen. Ich gehe auf den Hof und sage unseren Leuten Bescheid.
Sprecher: War das eine halbe Stunde später ein Betrieb am Rosenhainer Strand. Mit Schubkarren, Eimern, Körben und Säcken kamen sie und fingen die Fische. Schwerbeladen zogen sie wieder heim. Sie hatten auf gar nichts weiter geachtet als auf ihren Fang. Da schrie plötzlich Helma jubelnd.
Helma: Onkel, es regnet!
Sprecher: Leise und gleichmäßig fing es an zu tropfen. Immer feiner, immer dichter wurde der Regen und hüllte alles in einen undurchdringlichen nassen Schleier. All die Menschen am Strand wurden still.
Bauer: Es sind die Gütigkeit des Herrn, seine Erbarmungen sind alle Morgen neu!
Sprecher: Segen gab er für den Winter, Segen gab er nun für das kommende Jahr, denn nun würde man säen können. Nun durfte man wieder auf einen bessern Ernteertrag für das nächste Jahr hoffen. Es regnete den ganzen nächsten Tag. Aber die Kinder stöhnte nicht wie sonst in den Ferien über den Regen, der sie am Spielen im Freien hinderte. Sie waren vergnügter denn je. Und dann waren die Ferien zu Ende, der Tag der Abreise war da. Strahlend lachte wieder die Sonne vom Himmel. Leise rauschend lag die Ostsee im dunklem Blaugrün.
Helma: Danke Onkel! Danke Tante Thea!
Tante: Auf Wiedersehen Kinder, behüte euch der Herr. Auf ein frohes Wiedersehen.
Sprecher: Der Wagen bog um die Ecke, die See lag vor ihnen. Helma schaute über das Wasser. Neben ihr stand der mächtige Korb für die Mutter. Der Zug fuhr ihnen heute viel zu langsam. Ungeduldig zählten sie die Stationen. Als sie dann endlich aussteigen konnten, hätten sie fast ihre Koffer vergessen – alle kümmerten sich nur um den Korb, jeder wollte ihn der Mutter überreichen. Die wusste gar nicht wie ihr geschah. Bis vor ihre Füße zerrten die Kinder den Korb. Acht Hände öffneten ihn, und Stimmen riefen durcheinander.
Otto: Mutter, unsere Ferienarbeit!
Helma: Unser größte Spaß, Mutter!
Otto: So reich waren wir noch nie!
Mutter: Ja Kinder, Gott sorgt. Er sorgt für alle, die sich treu zu ihm halten und ihm vertrauen.