Sep 29 2007
Brief ohne Abnehmer
Brief ohne Abnehmer, ein christliches Anspiel zum Thema Dienst und Treue für 6 Personen
Leiter: Wir können also zusammenfassend feststellen, dass in unserer Gemeinde ein ziemlich reges Leben herrscht. Es wurden mehr Gottesdienste gehalten als im Vorjahr, wir haben Morgenandachten eingeführt und unsere Versammlungen waren verhältnismäßig gut besucht. Auch unsere Kasse ist in bester Ordnung. Im großen und ganzen bin ich mit unserer Gemeinde ganz zufrieden und nehme an, dass das auch eure Meinung ist.
Damit wären wir nun am Ende unserer …
(Es klopft an der Tür.)
(flüstert) Die Lichter weg! Schnell, die Papiere unter den Tisch.
(Es klopft noch einmal.)
Ja, was ist denn? Komm herein!
Bote: (mit einem Brief in der Hand) Friede sei mit euch! Ich suche die Christen in Sardes.
Leiter: Was willst du? Christen? Hier bei uns?
Bote: Ich habe einen Brief – aus Patmos – von Johannes, dem Apostel.
Leiter: Hast du uns erschreckt! Wie hast du uns denn gefunden?
Bote: Die Brüder in Tyatira, bei denen ich war, gaben mir Bescheid. Leitest du die Gemeinde zu Sardes?
Leiter: Ja, das ist mein Amt.
Bote: Dann höre, was Johannes dir sagen lässt.
Bruder: Johannes – ist er noch verbannt?
Leiter: Was weiß er von uns? Was kann er uns sagen? Ist er auf seiner Insel ganz abgeschnitten vom Leben der Gemeinden?
Bote: Er gibt nur weiter, was Gott ihm sagen lässt.
Leiter: So lies, wir wollen hören.
Bote: (faltet den Brief auseinander und liest): Das sagt, der die sieben Geister Gottes hat und die sieben Sterne: Ich weiß deine Werke, denn du hast den Namen, dass du lebst …
Leiter: Habe ich es nicht gesagt: Wir sind bekannt als eine lebendige Gemeinde.
Bote: Höre: Du hast den Namen, dass du lebst und bist tot!
Leiter: Was liest du da?
Bote: … und bist tot!
Leiter: Und das soll Johannes geschrieben haben? Wer hat ihm das erzählt?
Bote: Johannes ist nur die Stimme. Gott redet durch ihn.
Bruder: Wehe uns! So urteilt der Herr über uns.
Leiter: Unsinn! Das muss eine Verwechslung sein. Hast du noch mehr Briefe?
Bote: Ja. Dieser hier geht nach Ephesus, dieser nach Philadelphia.
Leiter: Zeig her, was schreibt er denen?
(Nimmt den Brief in die Hand und liest) „Du hast mein Wort behalten und hast meinen Namen nicht verleugnet … Siehe, ich komme bald … Halte, was du hast, dass niemand deine Krone nehme.“
Das soll der Gemeinde in Philadelphia gelten, diesem armseligen Häuflein? Du hast dich geirrt. Umgekehrt soll es sein!
Bote: Ich irre mich nicht. Höre weiter, was in dem Brief steht: „Werde wach!“
Bruder: Ja, das gilt uns. Wir haben uns eingeschläfert mit unserer guten Meinung von uns selbst.
Leiter: Du schweigst! – Den Brief nehme ich nicht an! Er trifft mich nicht. Geh weiter und lass uns in Ruhe. Wir brauchen deine Ratschläge nicht. Die Beratung ist zuende. Geht in Frieden!
(Alle stehen auf und gehen. Zuletzt steht der Bote allein.)
Bote: Sie verweigern die Annahme. Aber der Brief geht weiter – ob er nicht doch seinen Abnehmer findet?
Gerda: Also, die Elli spielt wirklich ganz groß! Du siehst die Bälle kaum, so setzt sie die hin – und immer auf die äußerste Tischkante. Und dabei schick – einen Pullover hatte sie an, einfach Klasse.
Inge: Angabe! Wenn du mal lieber einen Roman lesen würdest. Mein letzter Roman war super – einfach spannend. Er hat mich so richtig mitgenommen.
Gerda: Romane! Das ist doch alles nur ausgedacht. Beim Tischtennis, da siehst du doch wenigstens lebendige Menschen, das ist viel interessanter.
Christa: Weiter wisst ihr auch nichts. Leben ist ja schließlich noch etwas mehr als Kino und Tischtennis.
Inge: Aber in die Kirche laufen und in der Bibel lesen, das soll wohl das Leben sein?
Bote: Entschuldigt bitte, dass ich euch störe. Ich habe einen Brief für euch.
Gerda: Für uns, wieso – von wem?
Bote: Von jemand, der euch gut kennt und der es sehr gut mit euch meint.
Gerda: Nun mal nicht so geheimnisvoll! Wer ist denn der Absender?
Bote: Es ist der, in dessen Hand alles Leben steht.
Inge: Was, ein Brief vom lieben Gott persönlich? Du, das ist was für dich!
Gerda: Ach was, für mich ganz bestimmt nicht!
Christa: Hört doch erst mal hin. Lesen Sie doch bitte mal vor, was in dem Brief steht.
Bote: Er ist in einer Sprache geschrieben, die euch etwas unverständlich ist, ich werde ihn deshalb gleich übersetzen: „Ich weiß, dass du viel zu tun hast. Ich kenne auch den ganzen Betrieb, den du dein Leben nennst. Es scheint dir und auch anderen so, als ständest du mitten im Leben drin – aber in Wirklichkeit bist du tot.“
Inge: Ein starkes Stück!
Christa: Da hört ihr es mal, was euer Leben wert ist. Aber mir wollt ihr ja nicht glauben.
Bote: Auch du bist gemeint.
Christa: Wieso ich? Ich gehöre zu einer lebendigen Gemeinde und singe sogar im Jugendchor. Also, mir brauchen Sie das nicht zu sagen.
Gerda: Mit dem Betrieb, da hat er irgendwie recht.
Inge: Dir wird wohl mulmig? Nee, nee, lieber Briefträger, geh`n Sie mal ein Haus weiter. Bei uns landen Sie nicht mit Ihrem Brief. Für so was haben wir gar keinen Bedarf. Wir sind noch wach.
(Alle gehen, der Bote steht allein. Er überlegt einen Augenblick, dann wendet er sich an die Zuhörer:)
Bote: Annahme verweigert! Da bleibt mir nichts anderes übrig, als mich an euch alle zu wenden. Vielleicht kommt der Brief hier doch richtig an. Hört, was Gott euch schreibt: „Werde wach und stärke das andere, das sterben will.“
